ADB:Rudnick, Paul Jacob

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Rudnick, Paul Jacob“ von Carl Schüddekopf in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 477–478, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rudnick,_Paul_Jacob&oldid=- (Version vom 18. Juli 2019, 11:39 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 29 (1889), S. 477–478 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Paul Jakob Rudnick in der Wikipedia
GND-Nummer 138062099
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|29|477|478|Rudnick, Paul Jacob|Carl Schüddekopf|ADB:Rudnick, Paul Jacob}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=138062099}}    

Rudnick: Paul Jacob R., ein früh verschollener Genosse des zweiten Hallischen Dichterbundes, wurde geboren zu Bütow in Hinterpommern um 1718 und auf dem Danziger Gymnasium seit dem 19. Oct. 1730 gemeinsam mit Ewald v. Kleist gebildet. In Jena am 20. Sept. 1736 immatriculirt, hörte er besonders den Philosophen Heinrich Köhler; nach einer nicht zu controlirenden Ueberlieferung nahm ihm nach des Vaters Tode sein Bruder fast alles Vermögen, so daß er Schulden halber nach Halle flüchtete, wie es scheint, nicht ohne in dem rohen studentischen Treiben Jenas seine Gesundheit geschädigt zu haben. In Halle schloß er sich im Laufe des Jahres 1739 dem Bunde an, welchen Gleim, Uz und Götz in Anlehnung an die ältere Hallische Dichterschule und unter dem Einflusse der Baumgarten’schen Aesthetik bildeten. Seine unter Wolff und Baumgarten erstarkte [478] philosophische Bildung gab ihm einen Vorsprung vor den jüngeren Genossen; besonders Uz bekannte später, ihm viel schuldig zu sein. Parodirend verwendet er auch wol seine Kenntniß des Wolff’schen Systems zu einer Abhandlung über die Fechtkunst, in der er Gleim und Uz unterrichtete. Mit letzterem plante er ein satyrisches Wochenblatt „Der Dorfzuschauer“ und wirkte bis in den Winter 1740 hinein auf den ästhetischen Geschmack der Freunde durch Briefe, die er vom Krankenbette aus schrieb. Götz, der bei R. Französisch lernte, hatte in der letzten Zeit keinen Umgang mehr mit ihm, „weil er zu bilös und unerträglich empfindlich war“; er wird den Winter 1740/41 nicht überlebt haben. – Das Andenken des früh geschiedenen Freundes durch eine Sammlung seiner Aufsätze zu retten, war ein lange verfolgter Plan Gleim’s. Doch sind nur zwei Stücke gedruckt. Eine prosaische Satire, „Der heutige Gegenstand meiner Einbildungskraft“, von Uz anonym in Schwabe’s Belustigungen (1741, Wintermonat, S. 441–450) gegeben, sollte die Irrwege eines Dichters schildern, welcher endlich durch die Philosophie auf die rechte Bahn geleitet wird; die übertrieben dunkle Sprache und Aenderungen des Herausgebers bewirkten, daß die antigottschedische Satire von Liscow in der Vorrede zu Heinecken’s Longin (1742) als einer der „abentheuerlichsten“ Aufsätze der gottschedischen Schule verurtheilt wurde, sodaß Uz vor weiteren Veröffentlichungen zurückschreckte. Eine prosaische „Ode über die durch Unvorsichtigkeit abgebrannte Kirche zu Glaucha bey Halle. 1740. den 6. Jenner“ brachte Götz 1746 in seiner Anakreonübersetzung (S. 84 f.); wieder abgedruckt von R. Köhler im Weimar. Jahrb. III, 476. Die durch Gleim’s pietätsvollen Sammeleifer erhaltenen Papiere zeigen R. von einer Selbständigkeit und Vielseitigkeit, die seinen frühen Tod als einen empfindlichen Verlust für die eben wiedererwachende Litteratur erscheinen lassen.

Weimar. Jahrb. III, 475. – Goedeke, GR. II, 582. – Mittheilung B. Litzmann’s und Halberstädter Papiere.