ADB:Rudolf von Rheinfelden

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Artikel „Rudolf von Rheinfelden, Herzog von Schwaben“ von Gerold Meyer von Knonau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 557–561, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rudolf_von_Rheinfelden&oldid=- (Version vom 24. Mai 2019, 12:03 Uhr UTC)
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Band 29 (1889), S. 557–561 (Quelle).
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Rudolf von Rheinfelden, Herzog von Schwaben, deutscher Gegenkönig, † wahrscheinlich am 15. oder 16. October 1080. Burgundischer Abstammung, doch auch mit schwäbischen Gebieten durch Familienbesitz verbunden, war R. durch diese doppelten Beziehungen zu einer schwäbische wie burgundische Aufgaben in sich schließenden Verwaltung empfohlen, so wie sie ihm 1057 durch die Kaiserin Regentin Agnes, Namens des jungen Königs Heinrich IV., übertragen wurde. Rudolf’s Vater Kuno scheint nämlich der Sohn des, wie zu vermuthen, 1019 gestorbenen Rudolf gewesen zu sein, der am Hofe des letzten burgundischen Königs Rudolf III., als ein Stiefsohn der Königin Irmengarde, eine ansehnliche Stellung einnahm (vgl. oben S. 538) und wahrscheinlich als der Sohn des Herzogs Rudolf – des Sohnes der Königin Bertha, Bruder des Königs Konrad und der Kaiserin Adelheid – schon von vornherein zu einer solchen empfohlen war. Durch seine Mutter, eine Angehörige des Hauses Oeningen, war dagegen Kuno auch mit Schwaben verknüpft und außerdem, wegen der Geschwister derselben, mit hohen sächsischen und bairischen Adligen, ebenso mit den Welfen in Zusammenhang. Schon vor R. war das Haus Rheinfelden, das nach der zum Sißgau zählenden Burg auf einer Felseninsel im Rheine den Namen führte, wol im Besitz der gräflichen Würde in diesem Gau gewesen – der 1048 genannte Graf ist wahrscheinlich kein anderer als R. selbst –; doch war ohne Zweifel die Machtstellung des Hauses in Burgund, durch Eigengüter von den Aaregegenden westlich bis an das untere Ende des Genfersees und südlich bis in das Wallis, noch stets bedeutender. Aber als nach dem Tode des [558] schwäbischen Herzogs Otto III. Agnes R. zum Herzog von Schwaben machte und demselben zugleich die Verwaltung von Burgund übertrug, da suchte sie ebenso diesen schon ohnedies mächtigen Herrn noch bestimmter an die Sache ihres Sohnes zu knüpfen; sie verlobte ihm ihre älteste, 1045 geborene Tochter Mathilde, welche in Verbindung damit schon sogleich dem Bischof Rumold von Constanz nach Schwaben zur Erziehung übergeben wurde. Im zweiten Jahre nachher, 1059, fand die Vermählung statt; doch schon 1060 wurde R. Wittwer. Weder von der inneren Verwaltung der überwiesenen Länder, noch von einer erheblicheren Theilnahme an den Angelegenheiten des Reiches ist für R. in den letzten Jahren der Regentschaft der Kaiserin, sodann in der Zeit bis zu Heinrich’s IV. Mündigkeitserklärung Näheres bekannt; nur das steht fest, daß R. sich bald wieder vermählte, mit Adelheid, der Tochter des Markgrafen Oddo von Turin, und dadurch von neuem Heinrich’s IV. Schwager wurde, als dieser 1066 seine Braut Bertha, die Schwester Adelheid’s, heimführte. Uebrigens befand sich R. auch schon im Besitze der Abtei Kempten, wahrscheinlich aus dem Jahre 1065, der Zeit des vorwiegenden Einflusses des Erzbischofs Adalbert am königlichen Hofe, und denselben Einwirkungen hatte sein Bruder Adalbero, so wenig er sich dazu empfahl, den Bischofsstuhl von Worms zu verdanken. Doch schloß das nicht aus, daß R. auf die Seite Anno’s trat und im Januar 1066 Adalbert’s Entfernung aus Heinrich’s Umgebung erzwingen half.

Die ersten Spuren von Feindseligkeit zwischen R. und dem Könige selbst fallen in den Beginn der siebziger Jahre; allein noch gelang es 1072 den Bemühungen der zur Vermittelung aus Italien herangekommenen Kaiserin Agnes, eine Versöhnung zu erzielen, und zugleich nahm R. auf päpstlichen Befehl seine Gemahlin, von der er, obschon selbst der schuldige Theil, sich hatte unter einem Vorwande scheiden lassen, wieder endgültig zu sich. Nochmals folgte im Frühjahr 1073, nachdem inzwischen des Königs Mißtrauen neu sich geregt hatte, ein völligerer Ausgleich. Indessen stand R. schon seit der Neubesetzung des römischen Stuhles durch Gregor VII. nach der anderen Seite hin in Verbindung und war gewillt, den Begehren des Papstes in weitgehendem Maße bei Heinrich IV. Gehör zu verschaffen; den im Geheimen schlummernden Absichten des Herzogs standen Handreichungen der Curie in Aussicht. Das trat zu Tage, als am 18. und 19. August dieses Jahres Heinrich umsonst die Waffenhülfe der Fürsten gegen die aufrührerischen Sachsen anflehte, und vollends im October, als die vom Könige nach Gerstungen zu Verhandlungen mit den Sachsen abgeordneten hohen Vertreter des Reiches, unter ihnen R. selbst, insgeheim dahin sich einigten, daß ein neuer König zu wählen sei, und R. für den Fall, daß alle Fürsten die Krone ihm ordnungsgemäß übertragen würden, die Annahme in Aussicht stellte. Dadurch daß Heinrich IV. am Rheine erschien und die Bürgerschaften der Städte sich ihm anschlossen, wurde jedoch die nach Mainz angesetzte gemeinsame Berathung der Fürsten vereitelt, und nochmals schien bis Ostern 1074 auch zwischen ihm und R. das Einverständniß hergestellt zu sein – R. zeigte sich unter den Fürsten am Hofe –, obschon noch kurz vorher die Erbitterung durch die Anschuldigung des Angebers Regenger, der König habe ihn auch zur Ermordung Rudolf’s dingen wollen, den höchsten Grad erreicht hatte. Bei der Rüstung gegen die Sachsen war nun R., welcher durch die Art des Abschlusses des Friedens von Gerstungen denselben gram geworden war, einer der Eifrigsten, und am 9. Juni 1075 errang besonders der ungestüme Angriff des von R. geführten Vordertreffens der Schwaben, freilich in einem schwierigen Augenblicke nur durch die Hülfe der Baiern, den Sieg bei Homburg an der Unstrut für den König; R. selbst hatte zu dem Angriffe gerathen, war aber auch während der Schlacht persönlich in Gefahr gekommen. Von da an [559] wich jedoch der Herzog vor dem Könige wieder mehr zurück. Mit Gregor VII. war er in steter Verbindung geblieben – ein päpstliches Schreiben vom 11. Jan. 1075 hatte ihn, gleich den zwei anderen oberdeutschen Herzogen, aufgefordert, gegen Messen simonistischer und in der Ehe lebender Priester selbst mit Gewalt hindernd aufzutreten –, und so zählte R., als Gregor 1076, nach Aufkündigung des Gehorsams durch Heinrich IV., diesen verflucht und des Thrones entsetzt hatte, zu den Fürsten, welche sich endgültig vom Könige abwandten. Er war an der Zusammenkunft zu Ulm betheiligt, welche den Fürstentag vom 16. October nach Tribur ausschrieb, und als Gregor VII. zu dem auf den 2. Februar 1077 nach Augsburg angesetzten allgemeinen Fürstentag eingeladen worden war, zeigte sich der Herzog eifrig bemüht, dem nach Absolution strebenden Könige durch Bewachung der burgundischen und schwäbischen Pässe den Weg zum Papste nach Italien zu verschließen. Doch Heinrich IV. kam nach Canossa, und die nothwendig gewordene Lossprechung vom Banne, 28. Januar 1077, machte die Verabredungen zwischen Gregor und der päpstlichen Partei in Deutschland zunächst gegenstandslos; der Augsburger Tag sank durch des Papstes Behinderung, sich dorthin zu verfügen, dahin.

Aber die Mitte Februar in Ulm versammelten geistlichen und weltlichen Fürsten, unter ihnen R., gedachten nicht, sich dem Könige wieder zu unterwerfen, und eine Botschaft Gregor’s, daß die Absichten der Fürsten nach Möglichkeit unterstützt werden sollten, die Aufforderung, beharrlich zu bleiben, bestärkten den Muth. Auf den 13. März wurde nach Forchheim ein Reichstag angekündigt, der Papst eingeladen, dorthin zu kommen oder sich vertreten zu lassen. R. selbst strebte jetzt offen nach der Krone, welche er und seine Genossen Heinrich nicht wieder zuerkennen wollten, und am 15. März wurde er von den versammelten Fürsten, in Gegenwart päpstlicher Legaten und mit deren Mitwirkung, auf dem Pilatushofe zu Forchheim erwählt, doch unter der Bedingung, daß er durch Verzicht aller erblichen Ansprüche seiner Kinder auf die Krone das Recht der freien Königswahl, sowie anderntheils dasjenige der freien Bischofswahl für die Kirche, ausdrücklich anerkannte. Allein die Anfänge der Regierung des neuen Königs waren nicht glücklich. Die zu Mainz am 26. März abgehaltenen Königsweihe rief Reibungen mit der Heinrich anhänglichen Bürgerschaft hervor, welche R. zwangen, fast fluchtweise die Stadt zu verlassen. Als er sich auf schwäbischem Boden zeigte, begegnete er, schon gleich in Augsburg, dann beim Constanzer Bischofe, unverhehlter Mißstimmung, so daß er von Zürich zurückkehrte, seiner Gemahlin Adelheid die burgundischen Angelegenheiten übergab und dann vor Heinrich IV., der nach Uebersteigung der Alpen in Baiern ein Heer sammelte, Schwaben gänzlich verließ. R. sah sich fortan von Schwaben ausgeschlossen, wo freilich zwischen Heinrich’s Getreuen und seinen eigenen Anhängern ein furchtbarer innerer Krieg ausbrach; er war fortan der „König der Sachsen“. Aber als solcher, gestützt auf die Hülfskräfte seiner Bundesgenossen im Süden, blieb er immerhin für Heinrich IV. ein sehr gefährlicher Gegner. Nachdem dieser schon gleich nach Betretung Schwabens zu Ulm einen großen Reichstag angesetzt und hier den aufständischen Herzogen, so auch R. für Schwaben, das er zu eigenen Händen zog, als des Todes Schuldigen alle Lehen und Würden entzogen hatte, war R. Ende Juli vor Würzburg erschienen, um diese Heinrich getreue Stadt zu belagern; doch obschon Heinrich von einem Entsatzversuche wieder abließ, blieben Rudolf’s Anstrengungen erfolglos, und als Heinrich die am unteren Neckar ihm von R. angebotene Schlacht nicht annahm, kam es zu keinen weiteren Waffenthaten mehr in diesem Jahre. Sogar Gregor VII. hielt sich, obschon sein Legat am 12. November aus Goslar den Bann gegen Heinrich erneuert hatte, zunächst zurück. Auch das Jahr 1078 brachte zwar neue [560] ganz entsetzliche Leiden, wie den schwäbischen, so den fränkischen Landschaften, aber keine Entscheidung. Denn als der alte Herzog Berchtold I. und Welf, der durch Heinrich IV. abgesetzte Herzog von Baiern, vom Rheine her vorgehend, sich mit dem aus Sachsen her vorrückenden Gegenkönig vereinigen wollten, vermochte Heinrich das durch die Schlacht vom 7. August 1078 zu hintertreiben, bei Melrichstadt am Fluße Streu; allein nicht nur waren Heinrich’s Verluste so beträchtlich, daß sich R. den Sieg zuschrieb, sondern am gleichen Tage hatten auch jene beiden Herzoge am Neckar ein von Heinrich gerüstetes Bauernheer vernichtet. 1079 nahm insbesondere in Schwaben der Gegensatz noch schärfere Gestalt an, da Heinrich einerseits das Herzogthum jetzt an Friedrich von Staufen abgab, Rudolf’s Anhänger dagegen dessen Sohn Berchtold (s. A. D. B. XXVIII, 382) als Herzog anerkannten; zugleich gab R. seine Tochter Agnes – seine Gemahlin Adelheid war kurz vorher gestorben, nachdem sie, aus Burgund vertrieben, zuletzt unter steter mühseliger Anfechtung die herzoglichen Ansprüche in Schwaben vertreten hatte – an Berchtold II. von Zähringen, den Sohn des im November 1078 verstorbenen Berchtold I. Die beiden sich bekämpfenden Könige selbst trafen, nachdem die Versuche, einen Ausgleich zu finden, auch in den von Gregor VII. neu vorgeschlagenen Formen, gescheitert waren, erst am 27. Jan. 1080, dieses Mal im nordwestlichen Thüringen, bei Flarchheim, wieder unmittelbar auf einander, zum Nachtheile Heinrich’s; aber auch R. sah sich den Anfängen einer für Heinrich sich bildenden Anhängerschaft unter den Sachsen selbst gegenüber gestellt. Um so mehr setzten die R. überwiegend treu bleibenden sächsischen Volksgenossen in den Papst, daß er die Zwischenstellung der letzten Zeit aufgebe, und auf die erneuerten Anklagen ließ Gregor VII. auf der Fastensynode die wiederholte Verhängung des Bannes gegen Heinrich IV. folgen. Heinrich’s Antwort war die Aufstellung eines Gegenpapstes in der Person Wibert’s auf der Synode in Brixen, welcher zugleich den Gegenkönig R. mit seinem ganzen Anhang verfluchte. So waren jetzt mehr als je zuvor Gregor VII. und R. auf einander angewiesen, und Heinrich zeigte dadurch, daß er, von Brixen zurückgekehrt, alsbald gegen die Sachsen rüstete, wo er zuerst den Papst zu schädigen meinte. Mit dem Herbste suchte er den Gegner an der unteren Unstrut auf und brachte Rudolf’s Heer zur Auflösung durch geschickte Erregung von Schrecken. Doch die Sachsen sammelten sich wieder, und als Heinrich in das Thal der Saale vorrückte, fand er bei Naumburg R. abermals mit einem Heere sich gegenüber. Da wandte sich Heinrich ostwärts zur Elster hin, an derem linken Ufer er sein Lager wählte; aber R. folgte nach, und am 15. October kam es am Flüßchen Grune (östlich vom Hohenmölsen) zu einer heißen Schlacht, in der die Königlichen unterlagen und in wilder Flucht nach der Elster hin geworfen wurden. Allein R. selbst wurde in der Schlacht auf den Tod verwundet, und noch am gleichen Tage, oder am 16., brachte ihm die Verletzung das Ende. In Merseburg wurde R. bestattet, und wie im Dome daselbst die bald nach dem Tode in Erzguß geschaffenen Tafel mit dem Bilde des Verstorbenen das Grab bezeichnet, so wird im Domschatze noch eine ausgetrocknete Hand als diejenige gezeigt, welche R. im Schlachtgetümmel vom Leibe getrennt worden war. Neben Berchtold, dem einzigen Sohne, und Agnes hinterließ R. eine von späteren Schriftstellern Adelheid genannte Tochter, die um 1078 sich mit König Ladislaw von Ungarn vermählte, sowie eine Tochter Bertha, die Gemahlin des Grafen Ulrich (X.) von Bregenz, 1097 Wittwe, zwei Söhne, Rudolf und Ulrich, hatte und nach den Jahren 1131 bis 1133 erst verschwindet.

Vgl. nach Martin Gerbert, De Rudolpho Suevico (Typ. S. Blas. 1785) O. Grund, Die Wahl Rudolf’s von Rheinfelden zum Gegenkönig (Leipzig 1870), zur Genealogie des Hauses W. Gisi, Der Ursprung des Hauses [561] Rheinfelden (Anzeiger f. Schweizer. Geschichte, 1887, Nr. 2. u. 3, S. 25 ff.), endlich im Allgemeinen Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit, Bd. III, und P. Fr. Stälin, Geschichte Württembergs I, 208–224.