ADB:Schön, Johann

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Artikel „Schön, Johann“ von Siegmund Günther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 247–248, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sch%C3%B6n,_Johann&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 10:59 Uhr UTC)
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Schön: Johann S., Mathematiker und Meteorologe, geb. am 22. Juni 1771 auf der Salzburg bei Neustadt a. S. in Unterfranken, † am 18. April 1839 zu Würzburg. S. besuchte die lateinische Schule zu Neustadt und hierauf (1784–89) das Gymnasium im benachbarten Münnerstadt; seine Universitätsstudien betrieb und vollendete er in Würzburg, wo er 1791 als Doctor der Philosophie promovirte. Ein Jahr später trat er, um sich der Theologie zu widmen, in das geistliche Seminar ein, 1795 ward er Priester, und nachdem er vorübergehend eine Caplanstelle in Arnstein bekleidet hatte, ernannte ihn der Fürstbischof 1797 zum ordentlichen Professor der Philosophie an der heimischen Hochschule. Ihr blieb er unter wechselndem staatlichem Regimente treu; 1802 wurde er in den Senat aufgenommen und erhielt neben seiner bisherigen noch eine außerordentliche Professur der Mathematik, wie er denn auch mehrere Jahre (1804–9) am Würzburger Gymnasium Mathematik und Physik lehrte. Letztere Thätigkeit und ebenso auch seine philosophischen Vorlesungen stellte er ein, als ihn die bairische Regierung unterm 7. September letztgenannten Jahres zum [248] Ordinarius für Mathematik ernannte; als solcher ist er nach weiterer 30jähriger Wirksamkeit gestorben.

S. hat als Lehrer und Schriftsteller anregend gewirkt; seine Lehrbücher („Ziffernrechnung“, Bamberg und Würzburg 1805; „Ebene und sphärische Trigonometrie“, ebenda 1805; „Geometrie“, Nürnberg 1808 u. 1823; „Theoretische Astronomie“, ebenda 1811; „Kurzer Lehrbegriff der höheren Mathematik“, Sulzbach 1833 u. s. w.) waren zu ihrer Zeit sehr geschätzt. Unter den deutschen Mathematikern hat er als einer der ersteren das wichtige Rechnungsinstrument der Kettenbrüche bekannter zu machen gesucht („Fractionum continuarum theoria et usus“, Würzburg 1810). In seinen theoretischen Arbeiten tritt das Bestreben hervor, die Grundlagen seiner Wissenschaft auf ihre Festigkeit zu prüfen; so that er in seiner Inauguraldissertation („Dissertatio theorematis binomialis dissertationem sistens“) die Nothwendigkeit dar, diesen Lehrsatz mit strengeren als den bisherigen Beweisen zu versehen, und in einer anderen, auch von guten geschichtlich-mathematischen Kenntnissen zeugenden Schrift („Erörterung einiger Hauptmomente in der Lehre von dem geometrischen Verhältnisse Euklid’s und anderer Mathematiker“, Würzburg 1831), wird u. a. gezeigt, daß es unmöglich sei, Wahrheiten, wie = 1, beweisen zu wollen, eine Erkenntniß, die heutzutage Gemeingut, vor 60 Jahren aber nichts weniger denn allgemein verbreitet war. Auch für die Philosophie ist S. durch ein von ihm herausgegebenes System der Psychologie thätig gewesen, und auf dem heute nur zu allseitig, dazumal aber noch sehr spärlich bebauten Gebiete der Schulreform ist er seiner Zeit durch das Schriftchen „Einige Momente zur Beantwortung der Frage: Entsprechen unsere Gymnasien dem Endzweck aller Erziehung?“ (Würzburg 1806) entschieden vorausgeeilt. Auf dem Grenzgebiete der Mathematik und Pädagogik bewegt sich auch noch eine andere Schrift von S. („Prüfung der von Wagner vorgeschlagenen Reform der Mathematik“, Arnstadt und Rudolstadt 1804).

Sehr viel Fleiß verwandte S. auf die noch sehr im argen liegende Meteorologie, und sein Grundriß dieser Wissenschaft („Die Witterungskunde in ihrer Grundlage“, Würzburg 1820), ist zwar nicht bahnbrechend, aber durchaus achtbar. Zumal dem Landwirthe wollte er den Nutzen solchen Wissens klar machen und zu dem Ende veröffentlichte er sieben Jahre lang, (theils in Nürnberg, theils in Würzburg) „Uebersichten über Witterung und Fruchtbarkeit des nächstvorhergehenden Jahres“, die in erster Linie statistisch gehalten waren und zugleich die geringe Vertrauenswürdigkeit aller der bekannten Wetter- und Bauernregeln erkennen lassen sollten. Daß es solche Regeln gäbe und daß es dem Fleiße des Forschers gelingen müsse, sie ausfindig zu machen, davon war allerdings auch S. überzeugt, und einmal glaubte er auch eine solche Norm gefunden zu haben (Kastner’s Arch. d. Chem. u. Meteor., 2. Bd. S. 382 ff.), die freilich ebenso trügerisch war, als so manche früher von ihm selbst widerlegte. Werthvoller ist seine Studie „Ueber die Gewitter in der Gegend von Würzburg“ (Schweigger’s Neues Journal für Physik u. Chemie, 4. Bd., S. 398 ff.). Es ist darin schon von dem periodischen Auftreten der Gewitter die Rede, und auch der später wichtig gewordene Gegensatz zwischen Wirbel- und Wärmegewittern ist angedeutet, indem der Verfasser hervorhebt, daß für gewöhnlich die von elektrischen Entladungen begleiteten Stürme gewisse Fortpflanzungsrichtungen einhalten, daß sie dagegen an sehr heißen Tagen keine solche Tendenz besäßen, sondern gleichmäßig von allen Seiten her zu kommen schienen. Indem S. derartige Fragen in den Vordergrund rückte, und auch die Abhängigkeit der Gewitterbewegung von dem Zuge des Mainthales untersuchte, hat er sich unter die Vorläufer der modernen wissenschaftlichen Gewitterkunde gestellt.

Felder-Waitzenegger, Gelehrten- u. Schriftstellerlexikon II, 308 ff. Landshut 1820. – Poggendorff, Biogr.-litt. Hdwb. II, 829. Leipzig 1863.