ADB:Schuler, Theophil

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Artikel „Schuler, Theophil“ von Ernst Martin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 680–681, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schuler,_Theophil&oldid=- (Version vom 26. Juni 2019, 20:49 Uhr UTC)
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Schuler: Theophil S., elsässischer Maler. Er stammte aus einer Straßburger Bürgerfamilie, welche in der Revolution ihr Vermögen eingebüßt hatte; sein Vater, der 1853 starb, war Pfarrer an der Nicolaikirche zu Straßburg, seine Mutter verlor er früh. Geboren 1821, zeigte er schon als Knabe Lust und Anlage zum Zeichnen und Malen. Um die Kupferstecherkunst zu lernen, durch welche mehrere Verwandten ihren Lebensunterhalt und selbst einen anerkannten Namen gewonnen hatten, wurde er nach Karlsruhe, München und 1839 nach Paris geschickt; aber hier, in Drollinger’s Atelier, vertauschte er Grabstichel mit Bleistift und Palette. 1848 riefen ihn die durch die Februarrevolution erschreckten Verwandten nach Straßburg zurück und hier fand er mehrere Jahrzehnte lang durch Bilder, Zeichnungen für den Druck, sowie durch Unterricht sein befriedigendes Auskommen und in einem Kreise von Freunden und Kunstgenossen sowie auf Ausflügen in die Vogesen seine Erholung. In dies arbeitsame und behagliche Dasein griff der Krieg von 1870 störend, ja zerstörend ein. S. siedelte 1872 nach Neuchatel über, verheirathete sich hier; ein zärtlich geliebtes Töchterchen vollendete sein Familienglück. Allein die Liebe zur Heimath trieb ihn doch jeden Sommer wieder in das Elsaß, wo er bei seinem Bruder, dem Pfarrer in Preuschdorf, Aufenthalt nahm. 1877 erfaßte ihn ein schweres Magenleiden, er starb im Januar 1878 in Straßburg. Die neue städtische Gemäldesammlung sowie die Gesellschaft der Kunstfreunde in Straßburg bewahren einige Bilder von ihm, andere befinden sich im Museum Unterlinden zu Colmar, eine weit größere Zahl in Privatbesitz. Die älteren zeigen die Romantik als den Ausgangspunkt des Künstlers, dem W. Scott, Tasso, Lamartine die Stoffe gewähren. Eindrücke der Revolutionszeit 1848 spiegeln sich wieder in dem allegorischen Char de la Mort, der die Vergänglichkeit aller menschlichen Bestrebungen, die Nichtigkeit alles irdischen Ruhms darstellen soll. Sein eigenstes Gebiet fand der Künstler in der Wiedergabe elsässischer Eigenthümlichkeiten und Ueberlieferungen. Er begann vor 1848 mit „Erwin v. Steinbach in der Werkstätte“ und „– auf dem Todtenbett“, und stellte später auf einem figurenreichen, belebten Bild den Münsterbau dar. Die Ankunft des „Glückhaften Schiffs“ von Zürich, und als Pendant dazu das Eintreffen der Schweizer Delegirten während des Bombardements 1870; der übermüthige Spaß des Cardinals Rohan, der seinen Kutscher über den Geschirrmarkt fahren und hier alles zertrümmern ließ; ein Pfänderspiel, wobei die im Grasgarten tafelnde Gesellschaft in der Tracht des vorigen Jahrhunderts erscheint; elsässische Auswanderer; der Feuerreiter, der von einem brennenden Gehöft in den Vogesen Hülfe sucht u. s. w.: das sind die Stoffe Schuler’s, von denen die Darstellungen aus dem heutigen Volksleben seitdem bei zahlreichen elsässischen Malern in Paris Nachahmung gefunden haben. S. selbst wirkt mehr durch die Zeichnung als durch die Farbe; sein Realismus, aller Verschönerung abgeneigt, sucht auch derbe, heftige Bewegungen wiederzugeben. Daher ist er auch wol noch bedeutender in den fast unzähligen Zeichnungen, welche Sagen, Gebräuche, Ansichten des Elsasses darstellen und zum größten Theil in Zeitschriften oder sonst als Illustrationen gedruckt worden sind. Hier macht sich denn auch noch mehr als in den großen Bildern die humoristische Gabe Schuler’s geltend: der Hans im Schnokeloch, ein junger reicher Bauer, der von zierlichen Dorfschönen bedient, mürrisch und blasirt, die Hände in den Hosen dasitzt, ist die köstliche und im Elsaß allgemein bekannte Verkörperung einer sprichwörtlichen Redensart (der Hans im Schnokeloch hett alles was er will, und was er hett, das will er nit, und was er will, das hett er nit). S. vertritt [681] als Maler und Zeichner jene elsässische Richtung auf das Heimathliche, welche dichterisch und philologisch besonders von den Brüdern Stöber ausgeprägt worden ist; nur daß er bei den Franzosen mit seiner Kunst die Anerkennung fand, die den litterarischen Bestrebungen versagt blieb, umsomehr als er auch die Romane von Erckmann-Chatrian stimmungsvoll illustrirte. Uns sprechen wol am meisten die Illustrationen zu Arnold’s Lustspiel „Der Pfingstmontag“ (1850) an. Ganz eigene Erfindung sind seine Schlitteurs (um 1851), Holzhauer in den Vogesen, deren mühseliges und gefährliches, aber durch den Waldeshauch erquicktes Leben eine Reihe von Bildern vor Augen führt. Das Geistesleben des elsässischen Volkes, wie es unter der Herrschaft einer fremden Sprache, aber in stolzer Erinnerung an die große Revolution sich gestaltet hatte, ehrlich und tüchtig, aber dumpf und stumm, tritt hier in voller Treue dem Beschauer entgegen.

Vgl. Jahrbuch des Vogesenclubs III (1887), 1–19, wo auch eine vollständige Aufzählung der Arbeiten.