ADB:Seebeck, Moritz

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Artikel „Seebeck, Moritz“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 560–564, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Seebeck,_Moritz&oldid=- (Version vom 20. August 2019, 10:11 Uhr UTC)
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Seebeck: Karl Julius Moritz S., geboren am 8. Januar 1805 zu Jena, † am 7. Juni 1884 daselbst, war der Sohn von Thomas S. (s. u.) Von der Ernestinischen Hochschule, auf deren Geschicke er später fast ein Menschenalter hindurch entscheidenden Einfluß auszuüben berufen war, nahm er wohl kaum eine Erinnerung mit, als seine Eltern 1810 ihren Wohnsitz nach Baireuth verlegten, von wo sie 1812 nach Nürnberg übersiedelten. Hier empfing S. in dem unter Hegel’s Leitung stehenden Gymnasium den ersten Unterricht in den classischen Sprachen und durch denselben den Antrieb zu seinen späteren Studien. Als sein Vater 1819 einem Rufe an die Akademie der Wissenschaften in Berlin gefolgt war, trat S. mit seinem kaum ein Jahr jüngeren Bruder August in das Gymnasium zum grauen Kloster ein, zu dessen befähigtsten und strebsamsten Schülern die Gebrüder S. gehörten. Ostern 1823 erlangte S. das Zeugniß der Reife und er widmete sich nun in Berlin und Leipzig vorwiegend dem Studium der classischen Philologie, daneben eine gründliche philosophische Ausbildung erstrebend. In Berlin wirkten vor allem Boeckh, Hegel und Schleiermacher, in Leipzig Gottfried Hermann bedeutsam auf ihn ein. War er auch, wie spätere Veröffentlichungen von ihm erkennen lassen, mit Erfolg bemüht, die strenge Methode philologischer Einzelforschung zu beherrschen, so galt ihm doch dieses nicht als Hauptsache, sondern das eigentliche Ziel seiner Studien war, das classische Alterthum in seiner Gesammtheit und in seinem Wesen zu begreifen. Mit Auszeichnung bestand er im Herbst 1826 die Oberlehrerprüfung. Hierauf trat er in das von Boeckh geleitete pädagogische Seminar für höhere Schulen ein, legte am grauen Kloster sein Probejahr ab und übernahm im Herbst 1828 die Stelle eines Alumneninspectors an dem Joachimsthal’schen Gymnasium, an welchem er 1832 als ordentlicher Lehrer mit dem Titel Professor angestellt wurde.

Schon in den Lehrjahren hatten die reichen Gaben des Geistes wie des Herzens, mit welchen S. ausgestattet war, sein streng sittlicher Charakter und die Liebenswürdigkeit seines Wesens auf Lehrer und Genossen ungemein fesselnd gewirkt. Der unermüdliche Eifer, mit welchem er sich nunmehr dem pädagogischen Berufe hingab, das tiefe Verständniß und das klare, sichere Urtheil, welches er in den Fragen des Unterrichtes und der Erziehung zeigte, lenkten bald die besondere Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten auf ihn und zogen ihm manche Anerkennung zu. Als er von dem Wunsche erfüllt, das Unterrichtswesen auch von der Seite der Verwaltung kennen zu lernen, um Beschäftigung in der Ministerialabtheilung für höhere Schulen bat, wurde ihm gern Gelegenheit zur Mitarbeit in der von Johannes Schulze geleiteten Abtheilung des Ministeriums Altenstein gegeben; den ertheilten Aufträgen entsprach er zu vollster Zufriedenheit. In die Jahre seiner Wirksamkeit am Joachimsthal’schen Gymnasium fiel seine Verlobung und Verheirathung (1832) mit Ida v. Krauseneck, Tochter des Generals W. J. v. Krauseneck, damals Chef des großen Generalstabs der preußischen Armee. Fast 52 Jahre hat er in inniger Gemeinschaft mit dieser ausgezeichneten Frau leben dürfen, der er mit immer gleicher Liebe anhing und [561] die ihrerseits mit feinem, klugen Sinn ihm die Sorgen des Lebens tragen half und in allen Wandlungen treu und fest zur Seite stand. Auch diesem nicht an äußeren, wohl aber an inneren Gütern so reichen Hause waren Tage schweren Leids und bitteren Kummers beschieden. Mußten die Eltern doch zwei geliebte Söhne in der Blüthe der Jahre hinscheiden sehen! Aber festes Gottvertrauen ließ sie den Schmerz würdig tragen und die Freude an dem schönen Gedeihen der ihnen gebliebenen Kinder, zweier Söhne und einer Tochter, und die Arbeit des Lebens gab ihnen den Frieden der Seele wieder.

Als der Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen in der Absicht, das in der Entwicklung zurückgebliebene höhere Schulwesen des Herzogthums weiter auszubilden und an den anderwärts gemachten Fortschritten theilnehmen zu lassen, 1835 einen zur Ausführung jener Absicht geeigneten Mann suchte, wurde von Johannes Schulze auf den jungen Professor S. hingewiesen. Es handelte sich zunächst um die Besetzung der Stelle des Gymnasialdirectors in Meiningen; demselben sollte aber auch Sitz im Consistorium zu Hildburghausen verliehen und die Neuorganisation des höheren Schulwesens übertragen werden.

S. folgte dem an ihn ergangenen Rufe gern, wenngleich es ihm nicht leicht wurde, sein engeres Vaterland, an dem er mit ganzem Herzen hing, zu verlassen und die guten Aussichten, welche sich ihm dort eröffnet hatten, aufzugeben. Es lockte ihn die gestellte Aufgabe. War es nun schon von vornherein die Absicht des Herzogs gewesen, dem zu berufenden Gymnasialdirector eine wesentliche Mitwirkung bei der Erziehung seines einzigen Sohnes, des damals neunjährigen Erbprinzen Georg einzuräumen, so führte die persönliche Bekanntschaft mit S. bald zu der Entschließung, die Erziehung des Erbprinzen ganz in seine Hände zu legen. – Mit voller Hingabe widmete er sich zehn Jahre lang dieser schönen Aufgabe, welche ihm zwar viel Entsagung auferlegte und mancherlei Kämpfe brachte, aber auch reiche Befriedigung gewährte. Das Vertrauen, welches Seebeck’s überaus gewinnende Persönlichkeit, sein tactvolles Auftreten und sein reifes Urtheil in allen pädagogischen Fragen dem Herzoge eingeflößt hatten, wurde durch seine treue, von großer Selbstlosigkeit zeugende Thätigkeit immer mehr verstärkt und ließ auch hervortretende schärfere Differenzen in den Anschauungen über das Ziel und die Wege der Erziehung, welche öfter das Verhältniß zu lösen drohten, glücklich überwinden. Es ist ihm dauernd erhalten geblieben, wie die spätern Berufungen Seebeck’s in wichtige Aemter erkennen lassen.

Hatte S. schon für seine Thätigkeit an der öffentlichen Lehranstalt den Grundsatz als bestimmend anerkannt, auf die individuellen Anlagen seiner Schüler, ohne die allgemeine Ausbildung ihres Geistes zu vernachlässigen, besondere Rücksicht zu nehmen und ihre Entfaltung sich angelegen sein zu lassen, so war ihm bei der Einzelerziehung willkommene Gelegenheit geboten, nach diesem Grundsatze zu handeln. Sein Zögling war von Natur mit einer lebendigen Phantasie und einem ungewöhnlich tiefen Empfinden für das Schöne ausgestattet. S. erachtete daher für seine Pflicht, diese Anlagen zu pflegen, so weit es irgend mit den Anforderungen vereinbar war, welche die Rücksicht auf die Ausbildung für den künftigen Regentenberuf stellte. Zwischen Erzieher und Zögling bestand die glücklichste Gemeinschaft, aus welcher sich ein bis zu Seebeck’s Tode bestehendes freundschaftliches Verhältniß entwickelte. Wie S. bei dem Herzoge Georg, dem er in treuer Liebe ergeben blieb, stets die kräftigste Unterstützung seiner Bestrebungen fand, so blieb dieser ihm geneigt und legte auf Seebeck’s Rath auch über die amtliche Sphäre hinaus großen Werth. – Bei Uebernahme der Erziehung des Erbprinzen hatte S. auf die ihm zugedachte Stelle des Gymnasialdirectors [562] in Meiningen verzichten müssen. Dagegen blieb er betraut mit der Aufgabe der Neuordnung des höhern Schulwesens des Herzogthums, welche er mit Einsicht und Geschick zu lösen wußte. Durch Berufung hervorragend tüchtiger Lehrer, durch die von ihm ausgearbeitete vortreffliche Gymnasialordnung und andere von ihm empfohlene Maßnahmen erhielt das höhere Schulwesen Meiningens einen kräftigen Aufschwung, welcher dasselbe auf gleiche Linie mit den besten höhern Lehranstalten anderer deutscher Staaten hob. Ostern 1844 begleitete S. den Erbprinzen nach der Universität Bonn. Hier trat er in nahen Verkehr mit den Universitätslehrern, namentlich mit den Philologen Welcker und Ritschl und mit dem Juristen Cl. Perthes. Man wünschte S. an Bonn zu fesseln und suchte ihn zu bestimmen, dort eine akademische Lehrthätigkeit zu beginnen. S. aber fühlte sich zu der praktischen Wirksamkeit hingezogen und hielt sich wohl auch für zu alt, um jetzt noch die eigentlich wissenschaftliche Laufbahn zu betreten. So folgte er denn, als er auf sein Nachsuchen Ostern 1845 von seiner Stellung bei dem Erbprinzen, welchem inzwischen auch ein militärischer Begleiter beigegeben war, entbunden wurde, dem Rufe des Herzogs Bernhard in die Stelle eines Vicedirectors im Consistorium zu Hildburghausen. Von hier aus wirkte er nochmals in nachhaltiger Weise auf das Schulwesen des Herzogthums ein. – Als aber die Stände des Herzogthums 1848 den Posten des Vicedirectors im Consistorium für entbehrlich erklärten und die für denselben ausgesetzte Besoldung nur in Rücksicht auf S., dessen Verdienste allgemein anerkannt wurden, bewilligen wollten, erbat S. unter Verzicht auf seine Besoldung den Abschied, welcher ihm gewährt wurde. Nicht ohne Sorge, aber im Bewußtsein, das Rechte gethan zu haben, ging S. mit Fassung und Muth der ungewissen Zukunft entgegen. Schneller, als er erwarten konnte, wurde er zu neuer Wirksamkeit berufen.

Nach Errichtung der provisorischen Centralgewalt in Frankfurt a. M. mit dem Reichsverweser an der Spitze, ernannte Herzog Bernhard S. zu seinem Gesandten bei derselben. In den folgenden drei Jahren nahm S. an allen Bestrebungen und Versuchen zur Herstellung eines neuen einigen Deutschlands thätigen Antheil. Bald wurde er auch zum Bevollmächtigten Weimars bei der Reichsregierung ernannt und später vertrat er im Verwaltungsrathe und im Fürstencollegium der Union zu Berlin, in Erfurt und Frankfurt die gesammten thüringischen und die anhaltinischen Regierungen. Das große Geschick, welches S. auch in den diplomatischen Geschäften zeigte, die überall hervortretende Reinheit seiner Gesinnung und die Wahrhaftigkeit seines Charakters zogen ihm Vertrauen in weiten Kreisen zu und mancherlei Anerbietungen für die Gestaltung seiner Zukunft. So forderte ihn der Erzherzog Reichsverweser nach dem Fall des Ministeriums Gagern auf, das Ministerium des Innern und damit zugleich die Leitung des Reichsministeriums zu übernehmen. S. lehnte dieses Amt entschieden ab, da er sich seiner ganzen Gemüthsart nach zu der Verwaltung desselben nicht für geeignet hielt und da ihm die Hoffnung genommen war, daß die Verhältnisse des deutschen Vaterlandes sich seinen politischen Anschauungen und Wünschen gemäß gestalten würden. Auch ehrenvolle Anerbietungen verschiedener deutscher Regierungen, welche S. für ihren Dienst zu gewinnen suchten, wies er zurück. Mit Freuden aber nahm er 1851 die von den Nutritoren der Sachsen-Ernestinischen Gesammtuniversität Jena ihm angebotene Stelle des Curators dieser Hochschule an. Wohl kein Beruf wäre den Interessen und den Fähigkeiten Seebeck’s gleich angemessen gewesen und selten wird für dieses mit besonderen Schwierigkeiten verbundene Amt eine so geeignete Persönlichkeit gefunden werden. Die Vertrauensstellung, welche S. durch seine bisherige Wirksamkeit in Meiningen und in den letzten Jahren auch in Weimar, Gotha und [563] Altenburg gewonnen hatte, erleichterte ihm den Verkehr mit den an der Erhaltung der Universität Jena betheiligten vier Regierungen und gab seinen Rathschlägen gewichtige Unterstützung. Er würdigte ganz die hohe Bedeutung reiner wissenschaftlicher Forschung und er war überzeugt, daß diese nur bei Gewährung möglichster Freiheit gedeihen könne. Mit kräftigem Worte, das er in Rede und Schrift mit außergewöhnlicher Gewandtheit und Eleganz zu gebrauchen verstand, trat er unablässig dafür ein, daß die Ernestinische Universität den Absichten ihres Begründers gemäß als Stätte freier wissenschaftlicher Forschung nach Wahrheit erhalten bleibe und daß weder dem praktischen Interesse der Ausbildung der künftigen Diener in Staat und Kirche noch anderen Wünschen der höhere Standpunkt geopfert werde. Trotzdem die Lasten, welche die Erhaltung der Universität den Ernestinischen Staaten auferlegte, sehr fühlbar waren, gelang es S. immer, wenn neue unabweisliche Bedürfnisse hervortraten, Mittel flüssig zu machen, damit auch in Jena den Anforderungen entsprochen werden könne, welche die fortschreitende Wissenschaft stellte. Er war ein guter Haushalter und verstand bei weiser Sparsamkeit auch mit wenigem viel zu erreichen. Die Lehrgebäude und wissenschaftlichen Anstalten in Jena wurden durch Seebeck’s Fürsorge wesentlich erweitert und vermehrt. Es sei nur erwähnt, daß in der Zeit seiner Wirksamkeit neue Gebäude für die Universitätsbibliothek und das botanische Institut und ein Collegienhaus errichtet, der Anatomie angemessene weite Lehr- und Arbeitsräume überwiesen, besondere Anstalten für pathologische Anatomie, für Physiologie, für Zoologie und für Chemie gegründet und ausgestattet und die wissenschaftlichen Sammlungen an Zahl vermehrt und an Inhalt bedeutend erweitert wurden. Als S. die Stelle des Curators antrat, fand er bei der Universität eine kühle Aufnahme; galt doch in akademischen Kreisen der Curator als eine unbequeme Behörde und die Wiederbesetzung dieses Postens wurde umsomehr für unnöthig erachtet, als derselbe längere Zeit erledigt geblieben war. Unbeirrt durch das ihm deutlich kundgegebene Mißbehagen ging S. ruhig seinen Weg und die treue Fürsorge, welche er in seinem Berufe zeigte, sein stetes Bemühen, sich in die Interessen der Universität im allgemeinen und jedes Zweiges der Wissenschaft im besonderen einzuleben und dieselben zu fördern, sein überaus tactvolles Auftreten und die gleichmäßige Liebenswürdigkeit und Vornehmheit seines Wesens bewirkten nach und nach, daß man mit Verehrung auf ihn blickte und Vertrauen zu ihm gewann. Ständiger persönlicher Verkehr mit den Lehrern der Universität war ihm Bedürfniß und gern ließ er sich von ihnen über die Fortschritte der Wissenschaft und über die Forschungen jedes Einzelnen genau unterrichten. Und er war hierbei keineswegs allein der Empfangende. Immer vermochte er aus dem Schatze seiner eigenen Studien und aus seiner reichen Lebenserfahrung Neues zu bieten und durch aufgeworfene Fragen anregend zu wirken.

Mit ganz besonderem Geschick wußte er sich der an einer minder reich ausgestatteten Universität verhältnißmäßig häufig hervortretenden Aufgabe der Ergänzung des akademischen Lehrkörpers zu entledigen. So hoch er in solchem Falle die von der Universität gemachten Vorschläge schätzte, suchte er doch immer durch Kenntnißnahme der litterarischen Leistungen der in Frage stehenden Persönlichkeiten und, wenn es irgend ging, durch persönliche Bekanntschaft sich ein eigenes Urtheil zu bilden, auf Grund dessen er die zu treffende Wahl empfehlen konnte. Trotz der Beschränktheit der ihm zu Gebote stehenden Mittel gelang es ihm nicht selten, hervorragende Vertreter der Wissenschaft nicht nur nach Jena zu ziehen, sondern auch dauernd an diese Hochschule zu fesseln. Wo immer ihm reges Streben und begeisterte Liebe zu wissenschaftlicher Forschung entgegentrat, war er bereit, nach Kräften unterstützend und helfend einzugreifen und durch [564] den Beistand, welchen er unbemittelten befähigten jungen Gelehrten gewährte, hat er sich nicht geringe Verdienste erworben. Es war ihm beschieden, über 26 Jahre seines Amtes als Curator zu walten und mit voller Befriedigung mußte ihn der Aufschwung erfüllen, welchen die Universität unter seiner Leitung genommen hatte. So schwer es ihm wurde, auf die ihm so liebe Wirksamkeit zu verzichten, so entsprach es der Selbstlosigkeit, welche sein Handeln jeder Zeit ausgezeichnet hatte, daß er um seine Entlassung bat, als die Beschwerden des Alters sich bemerklich machten und ihm den Wunsch nahe legten, sein wichtiges Amt in rüstigere Hände übergehen zu sehen. So trat er denn 1877 in den Ruhestand, von den durchlauchtigsten Erhaltern der Universität mit den höchsten Ehren und wärmster Anerkennung seiner langen gesegneten Thätigkeit ausgezeichnet. Er blieb in dem schönen eigenen Heim und genoß in Gemeinschaft mit der treuen Gattin einen heiteren Lebensabend, oft durch den Besuch der auswärts wohnenden Kinder beglückt. Dankbar erkannte er an, daß ihm vergönnt war, noch in hohem Lebensalter gesunden und frischen Geistes den Fortschritten der Wissenschaft zu folgen. Mit den höchsten Fragen der Menschheit beschäftigt, sah er ohne Furcht und in demüthiger Ergebung dem nahenden Tode entgegen, welcher am 7. Juni 1884 ihn sanft aus dem Kreise der um ihn versammelten Seinen nahm.

Kuno Fischer, Erinnerungen an Moritz Seebeck. Heidelberg 1886. – Gustav Richter, Moritz Seebeck. Jena 1886; auch erschienen in der Zeitschrift des Vereins für Thüring. Geschichte. – Johannes Seebeck, Nekrolog Moritz Seebeck’s in der Berliner Zeitschrift für Gymnasialwesen, Jahrgang 1885. In diesen Schriften finden sich auch die litterarischen Arbeiten M. Seebeck’s verzeichnet.