ADB:Snethlage, Karl Wilhelm Moritz

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Artikel „Snethlage, Karl Wilhelm Moritz“ von Paul Tschackert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 522–527, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Snethlage,_Karl_Wilhelm_Moritz&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 21:21 Uhr UTC)
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Snethlage: Karl Wilhelm Moritz S., evangelischer Prediger (reformirt-unirt), † 1871. S. stammte aus einer westfälischen reformirten Predigerfamilie, in welcher sich das Predigtamt seit dem 16. Jahrhundert von Generation zu Generation fast vererbt hatte, nachdem ein Glied der adligen Familie v. Snethlage, der Priester Samson v. S., im J. 1540 den reformirten Glauben angenommen, in den Ehestand getreten war und den Adel abgelegt hatte. Der Vater unsers S. aber war Schulmann und leitete gerade das Gymnasium zu Hamm in Westfalen, als ihm hier am 23. September 1792 der Sohn geboren wurde, welchem dieser Artikel gewidmet ist. Im J. 1802 siedelte der junge S. nach Berlin über, wohin der Vater als Director an das Joachimsthal’sche Gymnasium berufen war. Das fromme Elternhaus, ein Asyl der preußischen Patrioten nach dem Unglücksjahr 1806 und ein Sammelpunkt pietistisch frommer „Erweckter“ (vgl. Leop. Witte, Leben Tholuck’s I (1884) 456 ff.), und neben dem Elternhause die berühmte Schule mit ihrem sorgsam gepflegten wissenschaftlichen Geiste wirkten bestimmend auf Snethlage’s Leben ein; er entschloß sich Theologie zu studiren. Unter den furchtbaren Schlägen, die sein preußisches Vaterland getroffen, ernst gestimmt, begann er im J. 1810 seine Studien in Göttingen und setzte sie 1812 in Tübingen fort. Die Universität Göttingen stand damals unter dem Scepter des französischen Königs Jerome von Westfalen; es klingt fast unbegreiflich, daß es gelang, sie überhaupt zu erhalten, während Helmstedt geopfert wurde; aber das, was deutsche Jünglinge damals nöthig hatten, bot sie nicht. Das fand S. in Tübingen. Auf den Sohn eines kirchlich frommen Hauses mußte das damalige Tübingen ohnehin einen besonderen Reiz ausüben; denn Dank dem durch Albrecht Bengel angeregten Bibelstudium hatte der Rationalismus in Schwaben nie die Herrschaft erlangt und auf der Tübinger Hochschule trugen ehrwürdige Lehrer die Theologie im Geiste eines biblischen Supranaturalismus vor; einer der geachtetsten unter ihnen war Joh. Fr. Flatt; um ihn hatte sich ein Kreis aufstrebender Jünglinge gesammelt; in diesen Kreis trat S. ein und wurde von dem dort waltenden [523] Hauche evangelischen Glaubens lebendig erfaßt. Nach seiner Rückkehr von der Universität machte er in der Heimath sein erstes Examen. Da erging der Ruf des Königs Friedrich Wilhelm III. an sein Volk; es war das Jahr 1813; von der flammenden Begeisterung, die das preußische Volk ergriff, wußte sich auch S. in tiefster Seele erfaßt; er ergriff mit zwei Brüdern die Waffen. Erst pommerscher Jäger, wurde er bald Officier im 2. (pommerschen) Infanterieregiment. Bei Hoyerswerda wurde er verwundet; doch genas er bald und konnte so in den Schlachten bei Großbeeren, bei Dennewitz und bei Leipzig mitkämpfen. Nach beendigtem Kriege absolvirte er das zweite theologische Examen; aber der unerwartete Gang der Weltgeschichte, die Rückkehr Napoleon’s von Elba und die Wiederaufnahme des Krieges, griffen entscheidend auch in Snethlage’s Leben ein; er eilte 1815 auf’s neue zu den Fahnen und kämpfte in den Schlachten bei Ligny und Belle-Alliance mit; im Bülow’schen Corps zog er sodann bis nahe vor Paris und hielt auf dem Wege dahin, zu Rockroy in Frankreich, in militärischer Uniform seinen ersten Gottesdienst als evangelischer Geistlicher. Nach diesen gewaltig ernsten Erlebnissen trat S. nunmehr, nachdem der Friede geschlossen, 1815 zu ungestörter Arbeit in den von ihm erwählten geistlichen Beruf, zunächst noch als Lernender, indem er von 1815–1818 als Domcandidat in Berlin sich mit Predigt und Seelsorge beschäftigen und durch eine Candidatenreise nach dem südlichen und westlichen Deutschland, der Schweiz und den Niedenlanden seinen Blick erweitern und dabei durch Beziehungen zu zahlreichen glaubensvollen Männern unter Lutheranern und Reformirten sein eigenes inneres Leben stärken durfte. So durch seltene Lebensführungen ausgereift, trat S. im J. 1821 in das Pfarramt in einer kleinen Landgemeinde zu Baerl in der Grafschaft Meurs. Schon nach kürzester Zeit wurde er von hier aus weiteren kirchlichen Kreisen bekannt, so daß er schon 1822 nach Unter-Barmen berufen wurde. Hier baute sich in Frieden eine aus Lutheranern und Reformirten gemischte Gemeinde derartig auf, daß ein reformirter neben einem lutherischen Geistlichen an ihrer Spitze stand. Neben dem Lutheraner Leipoldt war es der reformirte S., welcher jetzt hier in Wirksamkeit trat. Was er hier geleistet, bezeugte 1871 auf die Kunde seines Todes das Presbyterium und die Repräsentation der Gemeinde Unter-Barmen in einem Telegramm an seine Wittwe in den Worten: „Die ganze hiesige Gemeinde ist ein Denkmal seines Fleißes und seiner Treue im Amte. Viele Seelen rühmen, was er an ihnen gethan. Sein Andenken soll unter uns im Segen bleiben.“ (Thümmel, s. unten S. 124.) Es zeugt von der hohen Achtung, welche sich S. im Wupperthale erwarb, daß er 1835, als die neue Kirchenordnung für Rheinland und Westfalen in Kraft trat, zum Superintendenten der Elberfelder Kreissynode erwählt wurde; mit großer Umsicht, Liebe und Treue leitete er deren Verhandlungen, wie er auch an den Arbeiten der Provinzialsynoden lebhaften Antheil nahm. Durch und durch ein Mann des kirchlichen Lebens, der bewährte Kenner der alten synodalen Ordnungen der bergischen und märkischen Lande (die er auch im Druck herausgab), konnte es nicht fehlen, daß man von Berlin aus, als man die Einführung synodaler Ordnungen auch für die östlichen Provinzen Preußens ins Auge faßte und sich nach Männern umsah, welche diesen Schritt vorbereiten könnten, S. zur Mitarbeit heranzog; der preußische Cultusminister Eichhorn berief ihn 1842 als Hülfsarbeiter in das ihm unterstellte Ministerium. So gab S. 1842 das Pfarramt in Unter-Barmen auf, in welchem er zwanzig Jahre lang in großem Segen und zu seiner vollen inneren Befriedigung gewirkt hatte, siedelte nach Berlin über und wurde hier Oberconsistorialrath im Cultusministerium. Es entsprach aber seinem eigenen dringenden Wunsche, daß er schon im J. 1843 neben seiner ministerialen Thätigkeit, als am Berliner Dom eine Hof- und [524] Dompredigerstelle frei geworden war, in diese einrückte. In dieser Stellung nahm er 1846 an der preußischen Generalsynode lebhaften Antheil. Der Domgemeinde aber hat er amtlich von 1843 an bis an seinen Tod als Prediger und Seelsorger, nach der dort üblichen Anciennität zuletzt als „Oberhofprediger“ gedient; in seiner Verwaltungsthätigkeit änderte sich dagegen seine Stellung im J. 1850. In diesem Jahre wurde in Preußen nämlich der „Evangelische Oberkirchenrath“ als diejenige Behörde eingesetzt, durch welche der König als „Summus Episcopus“ die Regierung der Kirche vollzieht. Da S. das Vertrauen des Königs Friedrich Wilhelm IV. in hohem Grade besaß, wurde er sofort zum Mitgliede dieser Behörde ernannt, und zwar bearbeitete er hier als Verwaltungsfach die Besetzung der kirchenregimentlichen Aemter (Consistorien und Superintendenturen). Sein Amtsgenosse D. W. Hoffmann (s. unten), welcher fast sechszehn Jahre im Oberkirchenrath mit ihm zusammengearbeitet hat, charakterisirt das Wirken Snethlage’s in dieser Behörde dahin, daß er an aller Noth der Geistlichen theilgenommen und seinen Blick überall auf das Innerliche, auf das, was das Heil der Seelen betraf, gerichtet habe; über die Grenzen der preußischen Landeskirche hinaus aber habe er auf nähere Berührung und Verbindung der evangelischen Kirchen Deutschlands hingearbeitet und sei auf der Eisenacher Kirchenconferenz, die er mit dem Stuttgarter Oberhofprediger Grüneisen begründet und welche aus Abgeordneten deutscher Kirchenregierungen noch alljährlich zusammentritt, in diesem Sinne erfolgreich thätig gewesen, wie er auch dem Ausschuß des „evangelischen Kirchentages“ als Mitglied angehörte. Neben seiner amtlichen Thätigkeit, die im Oberkirchenrath auf das Ganze der preußischen Kirche gerichtet war und im Pfarramt der Domgemeinde den Bedürfnissen einer der wichtigsten Kirchgemeinden Berlins diente, ließ es S. an hingebungsvoller Mitarbeit nicht fehlen, wo immer auf dem Gebiete christlicher Liebesthätigkeit sich Gelegenheit dazu bot. Als in Berlin eine der Lieblingsschöpfungen des Königs Friedrich Wilhelm IV., das große Diakonissen-Krankenhaus Bethanien, ins Leben trat, fungirte S. als geistliches Mitglied im Curatorium dieser gesegneten Anstalt; bei der Umgestaltung des adeligen Frauenstiftes zum heiligen Grabe in eine Erziehungsanstalt wirkte er als Propst desselben mit; wir finden ihn als Leiter des Domhospitals und des Prediger-Wittwenhauses, als Mitglied des Curatoriums des Friedrichstiftes, als geistliches Mitglied des Dom-Schulvorstandes, als Mitglied des Dom-Kirchencollegiums und des Verwaltungsrathes des Dom-Candidatenstiftes.

Daß ein Hofprediger von solider Bildung, schlichter Frömmigkeit, energischer Thatkraft und vornehmer Haltung dem Königshause nahe stand, wird bei der Gesinnung Friedrich Wilhelm’s IV. und seiner frommen Gemahlin als selbstverständlich erscheinen. Dieses Verhältniß bewährte sich besonders in den furchtbar schweren Jahren, welche durch die Erkrankung und das jahrelange Siechthum des Königs über das ganze königliche Haus hereinbrachen. Da fiel S. das schwere Loos zu, dem sich umnachtenden Geiste des Kranken mit Trost nahe zu sein. Er begleitete den König nach Meran und Rom und „bis in die letzten Augenblicke jener dunklen Zeit blieb er ihm zur Seite“. Er bemühte sich, in milder und leicht faßlicher Weise die trostreichen Sprüche der Bibel in seine Seele hineinleuchten zu lassen. Als dann der königliche Dulder heimgegangen, hielt S. am 6. Januar 1861 in Sanssouci am offenen Sarge desselben, am Tage vor der feierlichen Bestattung, in Gegenwart der trauernden königlichen Familie in Anlehnung an den 126. Psalm eine tief zu Herzen gehende Trauerrede über „die Gefangenen Zions“, die „der Herr erlöst“; der Domgemeinde zeichnete er in einer Predigt am 27. Januar darauf das Bild des „Königs in seiner Krankheit“ als ein Leben in Glaube, in Liebe und voll Hoffnung. Ein [525] Stück Königsgeschichte ist diese Predigt, ein tragisches Stück; aber als ein Blatt preußischer Kirchengeschichte aus dem inneren Leben ihres Summus Episcopus wirkt sie tief erbaulich. Auch für S. hatte sich mit dem Tode des Königs der wichtigste Abschnitt seines Lebens geschlossen. Zwar durfte er noch dem hohen Nachfolger des Heimgegangenen, dem Könige Wilhelm I., am Altar in der Königsberger Schloßkirche dienen, als dieser dort vor aller Welt bezeugte, daß er die Krone seiner Väter „von Gottes Gnaden“ nehme; aber bald darauf stellten sich bei S. als Vorboten des kommenden Abschiedes Schwindelanfälle ein, die nicht weichen wollten. Es steht, wie aus Snethlage’s Familienkreise berichtet wird, fest, daß der lange Verkehr mit dem kranken Könige für den treuen Diener angreifend gewesen ist. Dennoch hielt er sich in Gottergebung und mit großer Selbstbeherrschung aufrecht, bis am 6. September 1868 ein Schlaganfall ihm eine Seite des Körpers lähmte und ihn von da an in das Krankenzimmer schloß. Dasselbe Siechthum, in welchem er seinen König gepflegt hatte, ergriff auch ihn: „In schwankendem Zustande, meist träumend und wenig der Aeußerung fähig, für Augenblicke wieder gegenwärtig und besonders an den ihm so lieben Bibelworten und Liederklängen erwachend, oft auch wieder ganz der Gewalt des kranken Leibes unterliegend, brachte er in treuer unermüdlicher, oft fast über die Kräfte gehender Pflege von Seiten seiner Gattin und Kinder die letzten Jahre zu, bis die ersehnte Stunde der Erlösung schlug.“ Er starb am 17. Februar 1871, Morgens 63/4 Uhr. Am 20. Februar hielt D. Kögel an seinem Sarge eine Trauerrede über denselben (126.) Psalm, durch welchen der Heimgegangene vor zehn Jahren die trauernde Königsfamilie erbaut hatte. S. war ein biblisch-positiver Theologe und entschiedener Unionskirchenmann, etwa von der Richtung eines Karl Immanuel Nitzsch, mit dem er näheren Verkehr pflegte; in seinem Wesen anspruchslos, kindlichen Gemüthes und voll „Herzensminne“, wie D. Kögel ihn schildert, vor seinem Gotte demüthig, vertrat er vor Menschen, selbst vor den Höchststehenden, männlich stark die Hoheit des Evangeliums und Würde seines kirchlichen Amtes, auch in seiner äußeren Haltung militärisch kraftvoll, bis er erkrankte. „Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht“, diesen Bibelspruch wandte schon im Jahre 1823 Tholuck auf den bedachtsamen, erwägenden, aber wo es darauf ankomme, offenen und durchfahrenden S. an. Einer Partei, einer politischen oder kirchlichen, gehörte er nicht an, sondern befleißigte sich, auch Andersgesinnte zu dulden und weitherzig, aber charaktervoll ihnen zu dienen. Entsprechend seiner reformirten Erziehung predigte er gern über Worte des alten Testaments, besonders über die Psalmen, „in denen er geistig lebte und webte“, und „in klarer einfacher Rede, schmucklos, aber körnig und lauter“ suchte er von da seine Hörer auf Christus als ihren Heiland hinzuleiten. „Ob er auf der Kanzel oder inmitten der zu confirmirenden Kinder redete oder mit einem Einzelnen sprach“, so urtheiit D. Hoffmann (s. unten) „es war immer derselbe Mann, der die Saiten des Herzens sanft, aber mit fester Hand berührte. Er gab sich selbst mit dem Worte, das er verkündigte, und Keinem konnte es je einfallen, daß er, was er Andern so dringend an’s Herz legte, sich selber sollte erlassen können.“ Als Probe seiner Predigtweise sei eine Stelle aus dem Schlusse jener Rede am Sarge des Königs hier beigefügt. „Noch einmal schauen wir“, spricht der Trauerredner, „in sein blasses Angesicht. Ach, nun hätten wir ihm noch gern soviel zu sagen, nun hätten wir von ihm noch soviel zu hören; nun hätten wir noch soviel abzubitten. Aber sein Ohr hört nicht, sein Mund spricht nicht. Wieviel anders würden wir mit den Unsrigen und mit allen Menschen umgehen, wenn man sich vorstellte, was man fühlen wird, wenn sie im Leichenschmuck vor uns liegen werden.“ (S. 10, s. unten.) – Als eine besondere Gabe aber war ihm, wie von kundigster Seite berichtet wird, [526] verliehen, Traurige zu trösten und mit den „Müden“ zu rechter Zeit zu reden, wie er es an Friedrich Wilhelm IV. bewiesen hatte. Daß die Königin Elisabeth dem Tröster ihres Gemahls nahe stand, liegt nahe; aber auch die Königin Augusta von Preußen schenkte ihm großes Vertrauen; beide haben wiederholt an seinem Krankenlager gesessen und zuletzt auch persönlich bei der Leichenfeier an seinem Sarge nicht gefehlt. Nach außen wenig hervortretend, hat S. zur inneren Stärkung der preußischen evangelischen Landeskirche durch sein mehr als vierzigjähriges kraftvolles, dabei aber stets friedfertiges Wirken erheblich beigetragen. Als Patriot königstreu, hat er als begeisterter Preuße in allen seinen amtlichen Stellungen die Liebe zu König und Vaterland gepflegt. S. war zweimal verheirathet, hat aber in seinem Familienleben durch schwere Trübsale gehen müssen; außer seiner ersten Gattin mußte er seinen erstgeborenen Sohn und zwei erwachsene Töchter in das Grab sinken sehen. Doch überlebte ihn die zweite Gattin, die treue Pflegerin seines Alters, und drei Söhne und vier Töchter. Unter seinen Söhnen trat der älteste ihm gebliebene ebenfalls in die kirchenregimentliche Arbeit der preußischen Landeskirche ein und starb im August 1891 als Präsident des rheinischen Consistoriums zu Koblenz, nachdem er im Geiste seines Vaters 29 Jahre in dieser Behörde gewirkt hatte.

Im Druck liegen von S. folgende Predigten vor: „Einweihungspredigt über 2. Mos. 20, 24 gehalten am 24. October 1832 in Unterbarmen zur Feier der Einweihung der evangelischen Kirche daselbst“, gedruckt in der Broschüre „Die Einweihung der ev. Kirche in Unterbarmen.“ Barmen 1832, S. 22–35. „Predigt gehalten am 25. Juni 1837 über Röm. 15, 29–33“; gedruckt in „Zwei Predigten bei besonderer Veranlassung gehalten von den beiden Predigern der evangel. Gemeinde Unterbarmen.“ Barmen 1837, S. 17. „Predigt, gehalten am 17. Sonntage nach Trinitatis, dem 16. October 1859 über die Epistel des Tages, Ephes. 4, 1–6.“ Gedruckt unter dem Titel „Die Einigkeit im Geiste etc.“ Berlin 1860. „Zwei Predigten nach dem Tode weiland Seiner Majestät Friedrich Wilhelm des Vierten gehalten“ Berlin 1861. Sodann Reden bei kirchlichen Feiern gehalten: „Rede bei der kirchlichen Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs Friedrich Wilhelm IV. 1841 in Barmen gehalten“, gedruckt in der Broschüre „Die Feier des 15. October 1841 in Barmen“, (1841) S. 1–8. Einführungs-Rede, gehalten am II. Advent, den 6. December 1863 bei der Einführung Kögel’s in sein Amt als Hof- und Domprediger, gedruckt in „Die Feier der Einführung des Herrn Dr. Kögel etc.“ Berlin 1864, S. 3–9, Endlich Vorreden Snethlage’s zu den von ihm herausgegebenen Predigten Leipoldt’s, gedruckt in „Drei Predigten des Pastors Leipoldt (hrsg. v. Snethlage), 1842, S. III–XII und „Festpredigten von W. Leipoldt (hrsg. v. Snethlage), 1845, S. III–IV. Den Lebensgang von S. zeichnete mit Angabe aller wichtigen Daten sein Amtsgenosse Hofprediger D. Wilhelm Hoffmann in einer am Sonntage Invocavit, 26. Februar 1871, im Dome zu Berlin gehaltenen Gedächtnißpredigt, während D. Kögel in der vorhin schon erwähnten „Rede am Sarge“ ein formvollendetes Charakterbild des Heimgegangenen lieferte. Beide Reden sind gedruckt unter dem Titel (R. Kögel und W. Hoffmann) „Worte der Erinnerung an den Ober-Hofprediger Ober-Consistorialrath D. theol. Snethlage.“ Berlin 1871. Ein liebevoller Nachruf auf S. findet sich in der „Neuen Evangelischen Kirchenzeitung“, hrsg. von Meßner; Jahrgang 1871, S. 136 ff. Hauptsächlich auf jenen Reden und diesen Nachrufen ruht der (S. behandelnde) Abschnitt in dem Werke des Pastors Hermann Thümmel, „Geschichte der vereinigt-evangelischen Gemeinde Unterbarmen vom Jahre 1822 bis zum Jahre 1872. Zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums des Gemeindebestandes zusammengestellt.“ Barmen 1872, S. 119 ff.

[527] Von Snethlage’s nachgelassener Gattin, der verwittweten Frau Ober-Consistorialrath Marie Snethlage, welche noch jetzt (im Jahre 1892) in Bonn lebt und von einer seiner Töchter, der Frau Charlotte Broicher in Berlin, wurden mir außer obigen Drucksachen noch werthvolle Nachrichten über den Verstorbenen gütigst brieflich zur Verfügung gestellt. – Dazu kommen einzelne Nachrichten bei Willibald Beyschlag, Carl Immanuel Nitzsch (1872), S. 419 ff. und Leopold Witte, das Leben August Tholuck’s I. (1884) und II. (1886) an mehreren Stellen. Vgl. Thl. II, 455.