ADB:Sonntag, Johann Vincenz

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Artikel „Sonntag, Johann Vincenz“ von Anton Schlossar in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 657–658, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sonntag,_Johann_Vincenz&oldid=- (Version vom 19. April 2019, 13:05 Uhr UTC)
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Sonntag: Johann Vincenz S., österreichischer Schriftsteller, insbesondere auf historisch-ethnographischem Gebiete, wurde geboren zu Weinburg nächst Brunnsee in Steiermark im J. 1811 als Sohn eines Lehrers, erhielt zunächst im Hause und sodann in Marburg seine erste Ausbildung und widmete sich sodann selbst dem Lehrerstande, er wurde als Schönschreiblehrer an der Normalhauptschule in Graz angestellt. Allein er verließ diesen Beruf bald, [658] indem sich ihm die Gelegenheit bot, eine Beamtenstelle auf der Herrschaft Hohenwang im Mürzthale zu erhalten. Hier auf dem malerisch gelegenen Schlosse entwickelte sich seine besondere Vorliebe für die heimische Geschichte und deren Hülfswissenschaften. Später kam er in demselben Stande zur Herrschaft Massenberg bei Leoben und nach einem kurzen Aufenthalte zu Rothenfels nächst Oberwölz im J. 1834 wurde S. im J. 1835 als Gerichtsactuar bei der Radwerks-Communitäts-Herrschaft Seckau in Obersteiermark angestellt. Die malerische Umgebung seines neuen Aufenthaltsortes, das alte Stift mit dem prächtigen Dom und dem herrlichen Mausoleum wirkten nicht wenig auf den Geist des ohnehin den historischen Studien besonders ergebenen jungen Mannes, in den daselbst vorhandenen Urkunden fand sein Forschungseifer reiche Nahrung und S. veröffentlichte eine Reihe von Arbeiten, welche sich mit der Geschichte von Seckau und dessen Umgebung beschäftigten, in verschiedenen Zeitschriften. Der Verkehr mit heimischen Schriftstellern regte ihn zu manchen weiteren Publicationen an. Leider brachte ein heftiges Nervenfieber dem rüstigen, insbesondere auch für Musik und Gesang begeistert thätigen Mann eine Harthörigkeit, die sogar in einen bedenklichen Grad von Taubheit überging, die Folge davon war eine tiefe Melancholie, welche sich seiner bemächtigte. S. stand zu jener Zeit in zumeist schriftlichem, doch auch wohl in persönlichem Verkehr mit dem Historiker Wartinger, mit Johann Gabriel Seidl, Hammer-Purgstall, Bergmann u. a., welche auf dem Gebiete auch der heimischen Geschichtsschreibung hervorragende Namen aufwiesen. Eine ernstliche Krankheit, welche ihn 1847 befiel und durch trübe Familienereignisse noch gefördert wurde, führte bald seinen Tod herbei, der am 26. Mai 1847 zu Seckau erfolgte.

Sonntag’s historische und ethnographische werthvolle Arbeiten sind in verschiedenen Zeitschriften zerstreut. Im J. 1844 erschien seine Monographie über „Knittelfeld in Obersteiermark“, die einzige Schrift, welche über diese dem einstigen Stift Seckau zunächst gelegene Stadt Steiermarks bisher veröffentlicht wurde. Eine recht ansprechende, auf selbst gesammeltem Material fußende Arbeit sind die „Alpenrosen. Eine Sammlung innerösterreichischer Sagen und Erzählungen“, 2 Bde. 1840, welche ihre Stoffe dem Sagenschatze von Kärnten, Krain und Steiermark entnehmen, allerdings von S. in belletristischer Form bearbeitet erschienen und daher für den Sagenforscher nur mit Vorsicht zu gebrauchen sind. Besondere Beachtung verdient ein größerer Aufsatz Sonntag’s: „Bemerkungen über steiermärkische Volksmusik, Sangesweisen, Lieder, dann über den Nationaltanz“ im Jahrgange 1846 der Wiener Musikzeitung, sowie auch der an histor.-ethnograph. Aufsätzen reiche Kalender: „Der innerösterreichische Heimatsfreund für 1847“, welchen S. herausgab. Eine große Zahl von topographischen Aufsätzen, heraldischen und anderen Sagen, von Biographien und verschiedenen historischen Arbeiten Sonntag’s erschien im „Oesterreichischen Morgenblatt“, in dem Blatte: „Der Aufmerksame“, in den Blättern „Carinthia“, „Carniola“ und an anderen Orten. Zahlreiche ungedruckte Arbeiten und Sammlungen Sonntag’s aus dessen Nachlasse finden sich im steiermärkischen Landesarchive zu Graz, darunter insbesondere ein handschriftlich vollendetes Werk über „Die Steiermärker“, das eigenartig und fesselnd abgefaßt und besonders ethnographisch werthvoll ist.

Nekrolog Sonntag’s von R. G. Puff in dem Blatte Stiria, 1847, Nr. 98-100. – Wurzbach, Biogr. Lex. XXXVI, 16 bietet nur wenige dürftige Angaben.