ADB:Sutner, Georg Karl von

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Artikel „Sutner, Georg Karl von“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 201–202, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sutner,_Georg_Karl_von&oldid=- (Version vom 9. Dezember 2019, 07:29 Uhr UTC)
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Sutner: Georg Karl v. S., königl. bair. Staats- und Reichsrath, geboren am 30. October 1763 zu München als der Sohn eines bürgerlichen Bortenwebers, vollendete auf der Universität Ingolstadt seine Rechtsstudien als graduirter Licentiat 1785, trat nach kurzer Praxis zu Dachau 1786 in das öffentliche Geschäftsleben als innerer Rath des Münchener Magistrats, wurde durch den Kurfürst Karl Theodor in den Adelstand erhoben 1787, dann 1792 städtischer Archivar, kaiserlicher Notar und 1797 Stadtsyndikus, 1804 Bürgermeister der kurfürstl. Haupt- und Residenzstadt München, von den Verordneten der damaligen Landschaft zum sechsten, außerordentlichen Verordneten des Bürgerstandes und zu den von der Staatsregierung angeordneten Landtags-Vorbereitungen als berathendes Mitglied beigezogen. S. erwarb in kurzer Zeit ausgezeichnete Verdienste um das Wohl der Stadt und die Bürgerschaft und genoß unbegrenztes Vertrauen, „so daß jeder einzelne Bürger in ihm minder den entscheidenden Richter und Vorgesetzten, als den freundlichen, theilnehmenden Rathgeber, den sorgsamen, wohlwollenden Vater Aller betrachtete, von welchem in jeder Bedrängniß Rath und Hülfe zu erwarten war: sein Name galt jedem Bürger heilig“. Im J. 1805 wurde S. landschaftlicher Oberaufschlags-Einnehmer und trat dann nach der 1806 erfolgten Auflösung der früheren Municipalverfassungen 1807 als Oberaufschläger in den bairischen Staatsdienst, wo er nun noch schneller sich emporschwang und 1808 zum Rath der Steuer- und Domänensection im k. Staatsministerium der Finanz, 1814 zum Vorstand der Staatsschuldentilgungs-Commission, 1817 zum Ministerialrath, 1819 zum Staatsrath im ordentlichen Dienst mit Beibehaltung der Stelle als Vorstand der [202] Schuldentilgungs-Commission befördert und 1828 zum Reichsrath ernannt wurde. Im J. 1810 ging S. als Mitglied der zur Uebernahme dieses Landes bestimmten Hofcommission nach Salzburg; 1834 ernannte ihn der König zum Spruchmann bei dem Bundesschiedsgerichte von Seite der Krone Baierns. Schon 1795 erfolgte Suter’s Aufnahme als ordentliches Mitglied der historischen Classe in die Akademie der Wissenschaften und die wiederholte Bestätigung 1807 durch König Max I. und 1827 durch König Ludwig I.; 1811 erhielt er das Ritterkreuz des Civil-Verdienst-Ordens und 1820 die Commandeur-Insignien desselben. Sutner’s Schwerpunkt lag in der genialen Behandlung der Finanzen. Trotz der Kriegsjahre, welche neue Anleihen erforderten, trotz der Uebernahme einer theilweisen ungeheuern Schuldenlast aus den neuerworbenen Provinzen (Franken, Schwaben, Nürnberg, Regensburg, Salzburg und Tirol) und den großen Anforderungen für Herstellung einer neuen Armee mit allem Kriegsmaterial war es bis Ende September 1814 Herrn v. S. dennoch gelungen, die Staatsschuld im Administrativwege um 9 Millionen zu vermindern. Obwol in der Folge abermals schwere Unbilden in verschiedenen Perioden das Staatsschuldenwesen drückend berührten, wußte S. durch Vereinfachung des ganzen Organismus, durch Verminderung des Personals in allen Zweigen der Administration, durch Zinsfußreduction u. dgl. neue, erfreuliche Resultate zu erzielen, so daß der Finanzminister Graf v. Armansperg am 11. Februar 1828 die bündige Erklärung gab, von der bairischen Staatsschuld seien in der Zeit von 1818 bis 1825 über 14 Millionen getilgt worden und zwar, wie hiebei rühmend und ausdrücklich hervorgehoben wurde, durch die ausgezeichneten Dienste des Staatsraths v. S., welcher das unbedingte Vertrauen seiner Monarchen besaß und in huldvollster Weise bei jeglicher Gelegenheit Zeichen ihrer höchsten Anerkennung erhielt. Auch als Historiker bethätigte sich S. frühzeitig durch mehrere Arbeiten. Dazu zählt in erster Reihe die auf statistischen Forschungen beruhende Abhandlung „München während des dreißigjährigen Krieges (1796), die „Berichtigungen der Unruhen bei dem Regierungs-Antritte der Herzoge und Brüder Ernst und Wilhelm von Baiern-München“ (1797); über „Die Verfassung der älteren städtischen Gewerbs-Polizey in München, von ihrem Entstehen bis zum XVI. Jahrhundert“ (1813). – S. starb am 27. December 1836; seine Thätigkeit im Gebiete der historischen Literatur wie im Finanzfach wurde vielfach anerkannt von Westenrieder, Zschokke, und von Jos. Anton v. Mussinan durch eine eigene akademische Denkrede (München 1837) gefeiert; sein Bildniß haben A. Gatterer und G. Bodmer auf Stein gezeichnet. – Sein Sohn Joh. Nep. v. S., geboren am 8. März 1798, wurde 1834 Regierungsrath, 1840 Oberrechnungsrath, 1843 Sectionschef im Finanzministerium, 1848 Vorstand der Staatsschuldentilgungs-Commission, 1871 Geheimrath; dieser treue Diener dreier Könige und hochverdiente vielfach ausgezeichnete Beamte starb hochbetagt am 23. Februar 1884.