ADB:Tremellius, Immanuel

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Artikel „Tremellius, Immanuel“ von Theodor Julius Ney in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 563–565, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Tremellius,_Immanuel&oldid=3416718 (Version vom 15. Oktober 2018, 15:25 Uhr UTC)
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Tremellius: Immanuel T., Theologe der Reformationszeit, geboren 1510 von jüdischen Eltern zu Ferrara, † am 9. October 1580 in Sedan. Seit 1530 mehrfach mit Christen in Berührung gekommen, wurde er um 1540 in dem Hause des damals noch evangelisch gesinnten Cardinals Reginald Poole [564] getauft und wirkte 1541 unter Leitung von Petrus Martyr Vermigli als Lehrer der hebräischen Sprache an der Klosterschule zu Lucca in dem gleichen reformatorischen Geiste, wie die übrigen Lehrer dieser Schule. Als Papst Paul III. durch die Bulle vom 21. Juli 1542 die Inquisition einführte, entschloß sich T. zur Flucht aus Italien und erhielt noch Ende 1542 einen schönen neuen Wirkungskreis als hebräischer Lehrer an der blühenden von Johann Sturm geleiteten höheren Schule zu Straßburg. Hier verheirathete er sich im October 1544 mit einer Wittwe aus Metz, welche ihm eine Tochter in die Ehe brachte und eine zweite sowie einen Sohn schenkte. Aber schon Ende 1547 sah sich T. durch den unglücklichen Ausgang des schmalkaldischen Krieges genöthigt, Straßburg zu verlassen und fand, nachdem er sich vergeblich um eine Stellung in der Schweiz bemüht hatte, von Erzbischof Cranmer eingeladen, eine Zuflucht in England, wo ihm dann 1549 der Lehrstuhl der hebräischen Sprache an der Universität zu Cambridge verliehen wurde. Die Thronbesteigung der Königin Maria zwang T. 1553 von neuem, mit seiner Familie zu fliehen. Nach kurzem Aufenthalte in Straßburg, Bern, Lausanne und Genf wurde ihm endlich ein neues, wenn auch den ehemaligen akademischen Lehrer wenig befriedigendes, Amt zu theil, indem ihn Herzog Wolfgang von Zweibrücken Ende 1555 als Erzieher seiner drei im Alter von 4 bis 8 Jahren stehenden Kinder berief. Die ihm 1558 von Calvin zugedachte hebräische Professur an der neu gegründeten theologischen Hochschule zu Genf konnte T. nicht annehmen, weil Pfalzgraf Wolfgang ihn nicht ziehen lassen wollte. Statt dessen übertrug ihm der Herzog die Leitung des am 1. Januar 1559 eröffneten Gymnasiums in Hoenbach bei Zweibrücken. Doch auch diese Stellung nahm bald ein unerfreuliches Ende, da Wolfgang, welcher sich um diese Zeit der schroff lutherischen Richtung angeschlossen hatte, schon 1560 an der calvinistischen Lehrweise des T. Anstoß nahm und ihn deshalb nicht nur seines Amtes entsetzte, sondern sogar einige Monate gefangen hielt.

So mußte T. wiederum den Wanderstab ergreifen und wandte sich nach Metz, der Heimath seiner Gattin. Von hier aus betheiligte er sich an einer Deputation der Metzer Protestanten, welche die französischen Stände zu Orleans um freie Religionsübung bitten sollte, und erlangte für dieselben wenigstens die Erlaubniß, außerhalb der Stadt Metz ein Bethaus zu errichten. Auch im folgenden Jahre war T. mit politischen Sendungen betraut, indem er dem Könige Anton von Navarra die Zuschrift der in Naumburg versammelten deutschen protestantischen Fürsten mit der Mahnung zu treuem Ausharren im evangelischen Glauben zu überbringen hatte und dann am 26. Mai 1561 von diesem wieder an die deutschen evangelischen Fürsten gesandt wurde, um eine nähere Verbindung der französischen und deutschen Protestanten herbeizuführen. Bekanntlich scheiterte diese Mission jedoch schon an der Weigerung der in Betracht kommenden deutschen Fürsten.

Um dieselbe Zeit fand T. auch eine angemessene dauerndere Thätigkeit. Durch Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz am 4. März 1561 zum Professor des alten Testaments an die in reformirtem Sinne umgestaltete Universität in Heidelberg berufen, wurde er am 23. Juni 1561 daselbst immatriculirt und, nachdem er Tags zuvor zum Dr. theol. promovirt worden war, am 9. Juli 1561 in den Lehrkörper der Universität aufgenommen. Hier kam T. auch zu einer ausgedehnteren litterarischen Thätigkeit. Der 1562 durch ihn bewirkten Herausgabe von in England gehaltenen Vorträgen Butzer’s folgte 1563 ein Commentar zu dem Propheten Hosea, 1567 eine lateinische Uebersetzung von Jonathan’s chaldäischer Paraphrase der zwölf kleinen Propheten, 1569 eine chaldäische und syrische Grammatik und in demselben Jahre die Herausgabe der Peschito, [565] der alten syrischen Uebersetzung des neuen Testaments, welcher er eine lateinische Uebertragung beigab. Nachdem so sein Ruf als gründlicher Kenner der hebräischen Sprache fest begründet war, begann er in Verbindung mit seinem Schwiegersohne Franz Junius (du Jon) das Hauptwerk seines Lebens, eine zuerst 1575 bis 1579 in fünf Bänden erschienene und später häufig neu aufgelegte lateinische Uebersetzung des alten Testaments. Als 1565 die Universität Heidelberg wegen Ausbruchs der Pest auf eine Zeit lang geschlossen wurde, machte T. eine Reise nach England, wo er von seinem inzwischen zum Erzbischofe von Canterbury erhobenen Freunde Matthias Parker aufs beste aufgenommen wurde, kehrte aber unter Ablehnung einer ihm in England angebotenen Professur nach einem halben Jahre nach Heidelberg zurück, um dort noch zwölf Jahre segensreich zu wirken. Die nach Friedrich’s III. Tode von seinem Sohne, dem Kurfürsten Ludwig VI., bewirkte Wiederherstellung des Lutherthums in der Pfalz zwang jedoch T., im Alter von 67 Jahren nochmals eine neue Heimath zu suchen. Durch kurfürstlichen Befehl vom 5. December 1577 seines Amtes entlassen, ging er zunächst wiederum in die Heimath seiner Gattin nach Metz und wurde bald darauf als Lehrer der hebräischen Sprache an die von Heinrich de la Tour d’Auvergne neu gegründete Akademie in Sedan berufen, an welcher er bis zu seinem Tode in Treue wirkte. In seinem vom 31. Juli 1580 datirten Testamente gab T. nochmals der christlichen Ueberzeugung Ausdruck, welche er seit vierzig Jahren durch Wort und Wandel bezeugt hatte, und schloß wenige Monate später sein vielbewegtes Leben.

Vgl. außer meinem Artikel über Tremellius in der theologischen Realencyklopädie (2. Aufl., Bd. 16, S. 1 ff.) besonders Wilhelm Becker, Immanuel Tremellius, wo die übrigen Quellen vollständig verzeichnet sind.