ADB:Trew, Christoph Jacob

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Artikel „Trew, Christoph Jacob“ von Ernst Wunschmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 593–595, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Trew,_Christoph_Jacob&oldid=- (Version vom 18. Oktober 2019, 04:54 Uhr UTC)
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Trew: Christoph Jacob T. (Treu), Arzt und Botaniker, geboren am 16. April 1695 zu Lauf bei Nürnberg, † am 18. Juli 1769 in Nürnberg, Sohn eines Apothekers, bezog, durch privaten Unterricht vorgebildet, 1711 die Universität Altdorf, um Medicin zu studiren. Neunzehn Jahre alt, vertheidigte er bereits eine Dissertation: „De sudoribus nocturnis“ und wurde auf Grund einer Abhandlung: „De chylosi foetus additis observationibus anatomicis“, welche Albr. v. Haller in die Sammlung ausgezeichneter Dissertationen aufnehmen ließ, 1716, im Alter von 21 Jahren Dr. med. Nach kurzem Aufenthalte in seiner Vaterstadt, trat T. 1717 eine Reise an, die ihn nach Würzburg, Frankfurt, Mainz, Straßburg, durch die Schweiz und zuletzt nach Paris führte. Die auf derselben gewonnenen neuen Anschauungen und die persönliche Begegnung mit namhaften Gelehrten förderten seine weitere Ausbildung. Namentlich nutzte er den 13 Monate dauernden Pariser Aufenthalt zu anatomischen und botanischen Studien aus, für welche er in dem berühmten Jussieu einen trefflichen Lehrer fand. In der Chemie hörte er Geofroy’s Vorträge. Durch die Vermittlung zweier wohlhabender Landsleute machte er eine Reise nach Holland, verblieb ein Jahr in Leyden, wo er die Bekanntschaft Boerhave’s machte und Gelegenheit fand, die aus Kleinasien mitgebrachten Pflanzensammlungen des Reisenden Leonh. Rauwolff eingehend zu bearbeiten und kehrte, nachdem er noch in Hamburg Aufenthalt genommen, ins elterliche Haus zurück. Einige Zeit trieb er die ärztliche Praxis in seinem Heimathsorte, bewarb sich aber 1720 um die Stelle eines praktischen Arztes in Nürnberg, die er auch erhielt, wobei er gleichzeitig von dem dortigen Collegium medicum als physicus ordinarius aufgenommen wurde. Nürnberg blieb von jetzt an das Feld seiner Thätigkeit. Das von Joachim Camerarius 1592 gegründete Collegium medicum war die eigentliche medicinische Behörde der damals freien Reichsstadt Nürnberg. An der Spitze stand ein aus den fünf ältesten Mitgliedern, den Senioren, gewählter Decan und die seitens des Collegiums ergangenen Verfügungen, die sich auf alle sanitären Verhältnisse der Stadt, auf die Prüfungen der Aerzte, Apotheker, Wundärzte, Hebammen u. s. w. bezogen, waren rechtsverbindlich. Nur die Mitglieder desselben durften ärztliche Praxis treiben. Um die Pflege der Anatomie durch Einrichtung von Secirübungen, um die Förderung der Botanik durch Anlage eines botanischen Gartens, wie um die Hebung des ärztlichen Standes hat sich das Collegium große Verdienste erworben und seine Blüthe verdankt es nicht zum kleinsten Theile der unermüdlichen Thätigkeit Trew’s, der eine Zeit hindurch dem anatomischen [594] Theater vorstand. Dabei wußte er durch seine einnehmende Persönlichkeit, seine freundliche und aufopfernde Behandlung seiner Patienten eine ausgedehnte Praxis unter allen Ständen sich zu erwerben, neben der er noch genügende Muße zu einer vielseitigen schriftstellerischen Wirksamkeit fand. Eine umfassende Correspondenz mit den bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, darunter mit Linné, A. v. Haller, Gesner, Morgagni u. A., hielt ihn auf der Höhe der damaligen wissenschaftlichen Forschungen in Anatomie und Botanik, die er ganz besonders pflegte. 1730 übernahm T. die Mitredaction des von Dr. Schultze in Altdorf und Dr. Götze in Nürnberg herausgegebenen „Commercium literarium physico-technicum medicum“. Es war dies die erste in Deutschland erschienene Zeitschrift, welche außer Recensionen größerer Werke und Dissertationen auch größere und kleinere Originalabhandlungen enthielt. Von 1734–45 dirigirte er das Werk selbständig, das in seinen 15 Theilen allein aus seiner Feder 133 theils kürzere, theils längere Aufsätze anatomischen, chirurgischen oder botanischen Inhalts aufwies. Neben ihm betheiligte sich an diesem litterarischen Unternehmen noch eine Anzahl von Aerzten, welche sich zu einer Societas physico-medica vereinigt hatten. 1727 wurde T. Mitglied der Leopoldina, 1742 Adjunct derselben und 1746 Director für die Ephemeriden dieser Akademie, deren Herausgabe er mehrere Jahre hindurch besorgte und für die er 137 Abhandlungen schrieb. 1736 bekam er den Titel eines markgräflich Ansbachischen Leibarztes und Hofraths. Einen 1750 an ihn ergangenen Ruf an die Universität Altdorf schlug er aus und gelangte inzwischen zum Seniorate seines Collegiums in Nürnberg, von dem er zweimal zum Decan ernannt wurde. Auch im Auslande wurden seine Verdienste anerkannt, wie seine Aufnahme zum Ehrenmitgliede seitens der Akademien der Wissenschaften in London und Berlin und der botanischen Gesellschaft in Florenz beweisen. Außer seiner wissenschaftlichen Thätigkeit war T. auch noch Künstlern bei der Herausgabe größerer Kupferwerke aus dem Bereiche der Naturwissenschaften behülflich durch Ueberweisung reichen Materials aus seinen Sammlungen und seiner großen, die seltensten Schriften enthaltenden Bibliothek, für deren Bereicherung er keine Kosten scheute. Unter anderem gelang es ihm, den litterarischen Nachlaß Konrad Gesner’s in Zürich durch Kauf an sich zu bringen. Die Herausgabe dieser werthvollen Schriften erfolgte 200 Jahre nach Gesner’s Tode 1751–1771 durch den Erlanger Botaniker Schmiedel. In ungeschwächter körperlicher und geistiger Kraft betrieb T. seine ärztliche Praxis und seine schriftstellerische Thätigkeit bis in die letzten Tage seines Lebens. Ohne vorher krank gewesen zu sein, verschied er plötzlich im 74. Lebensjahre, nachdem er noch kurz vor seinem Tode zum Ansbachischen Geheimen Rathe ernannt worden war. Durch letztwillige Verfügung hatte er seine Bibliothek und seine Sammlungen der Universität Altdorf vermacht, welche dieselben in vier großen Zimmern des Collegien-Gebäudes aufstellen ließ. Die Stiftung führte den Namen Trewanum und war dem wissenschaftlichen Publicum zur Benutzung geöffnet. Die Bibliothek allein umfaßte 35 000 Bände, die mehr als 50 000 Einzelabhandlungen, darunter 16 569 Dissertationen, enthielten. Die Journal-Sammlung, in einem besonderen Zimmer aufgestellt, wies 2854 Bände auf. Neben zum Theil kostbaren naturwissenschaftlichen Werken bestand die Bibliothek aus philosophischen und philologischen Büchern, wie unter anderem aus einer vollständigen Sammlung der Ausgaben des Vergil. Nach Aufhebung der Universität Altdorf kam die Trew’sche Hinterlassenschaft nach Erlangen. Die Doubletten erhielt das damals in Nürnberg neu gegründete Real-Institut. Jetzt befinden sich dieselben in der dortigen Handelsgewerbeschule. – Die botanischen Schriften Trew’s, durchweg lateinisch geschrieben und meist descriptiven Inhalts, haben heute nur noch historisches Interesse. Sie beweisen aber, daß ihr Verfasser bei [595] einer ungewöhnlichen Belesenheit auch selbständig zu forschen und kritisch zu urtheilen verstand. Seine schon 1727 publicirten, lange fortgesetzten Messungen am Blüthenschaft von Agave americana in Verbindung mit Beobachtungen über Lufttemperatur und Witterungsverhältnisse, die deren Einfluß auf das Längenwachsthum der Internodien und Blätter darthun sollten, waren Vorläufer für die hundert Jahre später von E. Meyer, Mulder und darnach von de Vriese, Harting und Caspary neu aufgenommenen einschlägigen pflanzenphysiologischen Untersuchungen.

Ein genaues Verzeichniß sämmtlicher Veröffentlichungen Trew’s findet sich in: J. C. Ziehl, Erinnerungen an Ch. J. Trew und seine Zeit. Nürnberg 1857.