ADB:Uechtritz, Rudolf von

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Artikel „Uechtritz, Rudolf von“ von Ernst Wunschmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 126–127, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Uechtritz,_Rudolf_von&oldid=- (Version vom 14. Oktober 2019, 11:09 Uhr UTC)
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Uechtritz: Rudolf Karl Friedrich v. U., Botaniker, geboren zu Breslau am 31. December 1838, † ebendaselbst am 21. November 1886, war ein Sohn [127] des 1851 verstorbenen Freiherren Max v. U., der sich durch entomologische und botanische Forschungen bekannt gemacht und die Neigung zu naturwissenschaftlichen Studien auf seinen Sohn übertragen hatte. Letzterer widmete schon während seiner Schulzeit, die er von 1849–1858 theils auf dem Magdalenäum, theils auf dem Matthiasgymnasium seiner Vaterstadt absolvirte, alle freie Zeit botanischen Excursionen, die zunächst auf die Umgebung Breslaus beschränkt, ihn bald auch in entlegenere Theile seiner heimathlichen Provinz und über die Grenzen Schlesiens hinausführten. Auf der Universität Breslau, auf welcher er von 1858–1863 Naturwissenschaften studirte, waren vorzugsweise Göppert, Cohn und Körber seine Lehrer in der Botanik. Seine Studien darin waren von vorneherein auf Systematik und Pflanzengeographie, vor allem auf die Erforschung der heimischen Flora gerichtet, welcher zu Liebe er, trotz seines schwächlichen Körpers, die größten Anstrengungen ertrug. Auf weiteren Reisen, die seinen floristischen Zwecken dienten, besuchte er 1855 Südmähren, 1856 die Centralkarpathen, 1858 Tirol und die angrenzenden Gebiete Baierns, der Schweiz und Oberitaliens, 1860 und 1861 Thüringen, Franken und Sachsen. 1862 kam er nach Frankfurt a. O. und Berlin. Bei seiner bald erworbenen umfassenden Pflanzenkenntniß gelang es ihm, selbst in manchen, schon mehrfach vor ihm durchforschten Gegenden, noch unerwartete Entdeckungen zu machen. Leider aber untergruben die Strapazen, denen er sich im Interesse seiner Wissenschaft aussetzte, doch mit der Zeit seine körperlichen Kräfte. Nachdem er längere Zeit gekränkelt, verfiel er 1868–1870 in ein schweres Siechthum, das seine wissenschaftliche Thätigkeit völlig unterbrach. Langsam genas er zwar wieder, konnte auch seine botanischen Excursionen in der Heimath wieder aufnehmen, erlangte jedoch seine frühere Rüstigkeit nicht mehr zurück und nach einem neuen schweren Krankheitsanfall im Herbst 1886, setzte der Tod seinen Leiden ein Ziel kurz vor Beendigung seines 48. Lebensjahres. Eine amtliche Stellung hat U., abgesehen von seiner Thätigkeit als Custos der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, niemals bekleidet. Sein schwächlicher Gesundheitszustand ließ es nicht zu und war auch wohl Schuld daran, daß er trotz seiner rastlosen wissenschaftlichen Arbeit umsangreichere Schriften nicht veröffentlicht hat. Doch fast alljährlich stellte er in den Verhandlungen der schlesischen Gesellschaft die neuen Zugänge zur Flora der Heimathsprovinz zusammen, ja im letzten Decennium seines Lebens gestalteten sich diese Berichte durch eine Fülle kritischer Untersuchungen zu den werthvollsten Beiträgen zur mitteleuropäischen Flora. Ueberhaupt dehnte sich der Kreis seiner Forschungen allmählich immer weiter aus, so daß U. zuletzt mit für den besten Kenner der europäischen Flora gelten konnte. Trotz beschränkter äußerer Mittel erwarb sich U. mit der Zeit ein sehr umfangreiches Herbarium und eine schöne botanische Bibliothek. Beide Hülfsmittel dienten aber nicht nur seinen eignen Arbeiten, sondern er stellte sie mit einer fast beispiellosen Uneigennützigkeit jedem Fachgenossen zur Benutzung frei. Stets nur lag ihm die Förderung der Sache, nie die seiner Person am Herzen. So gab er unter anderem auch seine werthvollen Materialien für E. Fiek’s „Flora von Schlesien“, worin das einleitende Capitel über die Vegetationslinien der schlesischen Flora aus seiner Feder stammt, ganz zur Verfügung. Ebenso selbstlos überließ er die Resultate seiner mehrjährigen Studien über die Flora der Dobrudscha (nach den Sammlungen der Gebrüder Sintenis) dem Prof. Kanitz zur Veröffentlichung in seinen „Plantae Romaniae“. Uechtritz’ Pflanzensammlungen sind in den Besitz der Universität Breslau übergegangen und auch sein schriftlicher Nachlaß ist durch Erwerb seitens des Prof. A. Engler der Wissenschaft erhalten worden.

P. Ascherson, R. v. Uechtritz, in den Berichten der deutsch. bot. Gesellsch. Bd. V. 1887.