ADB:Ulmer, Johann Konrad (Theologe)

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Artikel „Ulmer, Johann Konrad“ von l. u. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 209–210, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ulmer,_Johann_Konrad_(Theologe)&oldid=- (Version vom 14. Oktober 2019, 09:05 Uhr UTC)
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Ulmer: Johann Konrad U., von seinen Zeitgenossen gewöhnlich von Ulm (ab Ulma) genannt, ist am 31. März 1519 zu Schaffhausen geboren. Sein Vater war der Bürger und Rathsherr Johann Ulrich von Ulm, seine Mutter Margaretha, geb. Thanner. Seine Jugend fiel in die Zeit, in der Sebastian Wagner, genannt Hofmeister, die Reformation in Schaffhausen einführte. Nachdem er als heranwachsender Knabe seinem Vater bei allerlei häuslichen Verrichtungen und beim Weinbau hatte behülflich sein müssen, ward er in verhältnißmäßig späten Jahren auf die lateinische Schule seiner Vaterstadt geschickt. Seine weitern Studien begann er dann in Basel, wo Simon Grynäus (s. A. D. B. X, 72) ihn in sein Haus nahm und ihm den Unterricht seiner Kinder anvertraute. Er hörte die theologischen Vorlesungen von Grynäus, der seit 1536 die theologische Professur des Neuen Testamentes mit übernommen hatte, bei Erasmus, bei Oekolampad, Amerbach u. s. f. Nachdem er vom Senate seiner Vaterstadt ein jährliches Stipendium von dreißig Gulden erhalten hatte, ging er im J. 1538 nach Straßburg, wo er Butzer, Calvin und Capito in der Theologie, aber auch philosophische Vorlesungen hörte. Im J. 1541 reiste er von hier über Frankfurt a. M. und Erfurt nach Wittenberg, wo er am 7. October 1541 inscribirt wurde. Er hat hier noch die Häupter der deutschen Reformation kennen gelernt und zu ihren Füßen gesessen. Schon am 20. April 1542 ward er hier zum Magister promovirt; mit ihm an demselben Tage Johannes Stigel aus Gotha (s. A. D. B. XXXVI, 228), Johannes Crato aus Breslau (IV, 567), Johann Heinrich Meier aus Bern, Melchior Ayrer aus Nürnberg und noch fünf andere. Er begann nun selbst Vorlesungen zu halten. Als im folgenden Jahre der Graf Philipp von Steineck für seine Stadt Lohr am Main einen tüchtigen Prediger suchte, der dort die Reformation einführen könnte, hielten Luther und Melanchthon U. für diesen Dienst geeignet; nachdem er noch am 28. November 1548 zu Wittenberg von Bugenhagen ordinirt worden war, reiste er mit einem Empfehlungsschreiben zum Grafen und trat am Epiphaniasfest 1544 sein Amt als Hofprediger zu Lohr an. Er hat hier in großem Segen gewirkt. Als nach dem Tode des Grafen, der der letzte seines Geschlechtes war, im September 1559, mit einem großen Theil der Grafschaft auch Lohr an das Erzbisthum Mainz fiel, gestattete der Erzbischof freie Religionsübung unter der Bedingung, daß unnöthige Streitigkeiten vermieden würden, und U. konnte bei seiner Gemeinde bleiben. Als aber im J. 1566 (nach anderer Angabe 1569?) der Senat von Schaffhausen ihn bat, die erste Predigerstelle und das Decanat daselbst zu übernehmen, folgte er dem Rufe aus Liebe zur Vaterstadt; noch dreißig Jahre hat er hier umsichtig und eifrig zur Befestigung evangelischen Christenthums gewirkt und in großem Ansehen gestanden. Am 1. August 1596 wurde er vom Schlage gerührt und infolge davon legte er sein Amt nieder; vier Jahre später starb er wenige Tage nach einem zweiten Schlaganfall am 7. August 1600, einundachtzig Jahre alt.

In der im J. 1599 zu Zürich bei Johann Wolff unter dem Titel [210] „Kirchengesang“ erschienenen Sammlung geistlicher Lieder werden fünf Lieder unserm U. zugeschrieben; u. a. ein Lied, das mit den Worten: „Wer unterm Schirm des höchsten sitzt“ beginnt, wie das bekannte Gerhardt’sche Lied. Ob diese Lieder sich auch schon in dem von U. selbst im J. 1569 zugleich mit einem Katechismus bei Froschauer in Zürich herausgegebenen Psalmbuch befinden, bedarf noch der Untersuchung.

Adami vitae, Francof. 1706. pag. 330 seqq. – Jöcher IV, Sp. 1672. – Foerstemann, Album 191 aKöstlin, Baccalaurei u. magistri (1538 bis 1546), Halle 1890, S. 14. – Buchwald, Wittenberger Ordinirtenbuch, S. 35, Nr. 552. – Wackernagel, Bibliographie, S. 443 a. – Koch, Gesch. des Kirchenlieds u. s. f., 3. Aufl., II, 388 u. 390 f. – Herzog, Realencyklopädie, 2. Aufl., XIII, 10.