ADB:Veen, Otto von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Veen, Otto van“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 791–792, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Veen,_Otto_von&oldid=3134392 (Version vom 18. Oktober 2018, 07:39 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Vinstingen
Band 39 (1895), S. 791–792 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Otto van Veen in der Wikipedia
GND-Nummer 118767461
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|39|791|792|Veen, Otto van|Hermann Arthur Lier|ADB:Veen, Otto von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118767461}}    

Veen *): Otto van V., auch Vaenius genannt, Maler und Alterthumsforscher, wurde im J. 1558 (oder 1557) zu Leiden als das vierte Kind des dortigen Bürgermeisters Cornelius van V. geboren. Seiner vornehmen Herkunft entsprechend erhielt er eine gelehrte Erziehung. Sein erster Lehrer in der Malerei war Isaac Claesz van Swanenburg, dessen Einfluß lange in Veen’s Bildern zu erkennen ist. Als sich sein Vater, der ein Anhänger der spanischen Herrschaft war, im J. 1572 aus politischen und religiösen Gründen genöthigt sah, Leiden zu verlassen, kam V. nach Lüttich, wo er sich unter der Anleitung des gelehrten Dominicus Lampsonius weiter ausbildete. Als er achtzehn Jahre alt geworden war, wandte er sich nach Italien, wo er Schüler des mit Lampsonius befreundeten Federigo Zucchero wurde und fünf Jahre lang fast ausschließlich in Rom lebte. Auf der Rückkehr aus Italien scheint er sich an dem Kaiserhofe in Wien aufgehalten und dann seinen Weg über München und Köln weiter fortgesetzt zu haben. Er blieb dann eine Zeit lang wieder in Leiden und malte hier im J. 1584 das große Porträtstück, auf dem er selbst mit seiner ganzen Familie erscheint, und das heute im Louvre zu Paris aufbewahrt wird. Indessen scheint sein Aufenthalt in Leiden nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Er siedelte vielmehr nach Brüssel über und lebte hier als Hofmaler des Landvogts Alexander Farnese bis zu dessen Tod am Ende des Jahres 1592. Während dieser Zeit, im J. 1589. vollendete er eines seiner besten Bilder, die Vermählung der Heiligen Katharina, das heute im Museum zu Brüssel zu finden ist. Nach seiner Niederlassung in Antwerpen wurde er im J. 1593 Mitglied der dortigen Lucasgilde, und im Jahr darauf vermählte er sich unter den günstigsten äußeren Bedingungen mit Maria Loets. Auch der neue [792] Statthalter der Niederlande, der Erzherzog Ernst, wandte V. seine Gunst zu und bestellte bei ihm ein heute in der kaiserl. Gallerie zu Wien hängendes Bildniß. Um dieselbe Zeit (1594) entstand das große Martyrium des Heiligen Andreas, das für die Antwerpener Andreaskirche ausgeführt wurde und an seinem ursprünglichen Ort geblieben ist, während die Berufung des Apostels Matthäus im Antwerpener Museum untergebracht ist. Als Erzherzog Albert die Leitung der Geschäfte in den Niederlanden übernahm, erhielt V. den Auftrag des Magistrats von Antwerpen, sein Bildniß (heute in Wien) zu malen. Bei dem Einzug Albert’s in Antwerpen übernahm er die Ausführung des Triumphbogens und verherrlichte dann den ganzen Vorgang durch ein von ihm illustrirtes Kupferwerk. V. galt damals als der erste Maler Antwerpens, und es ist daher erklärlich, daß sich Rubens, der seit dem Jahre 1598 Mitglied der Lucasgilde war, als Schüler seiner Leitung anvertraute. Durch seine Ernennung zum Director der Münze in Brüssel, die am 30. April 1612 erfolgte, sah sich V. genöthigt, nach Brüssel überzusiedeln, wo er am 6. Mai 1629 starb. V. war nicht nur als Maler hervorragend, sondern er besaß auch eine bedeutende litterarische Bildung und antiquarische Gelehrsamkeit, die sich namentlich in seinen zahlreichen zur Illustration historischer und sinnbildlicher Werke bestimmter Zeichnungen verräth. Sie sagten nicht nur dem Geschmack seiner Zeitgenossen, sondern auch dem ihrer Nachfolger zu, weshalb man sie noch im 18. Jahrhundert wiederholt nachdruckte. Als Maler war V. ein entschiedener Anhänger der italienisirenden Richtung, aber selbständig genug, um in Formen und Bewegungen ein gewisses Maß von Natürlichkeit nicht zu verleugnen, während er allerdings in der Farbe meist flau blieb und deshalb leicht langweilig wirkt. Seine Bilder sind in Belgien sehr häufig, doch begegnet man ihnen auch in den meisten größeren deutschen, französischen und englischen Sammlungen, sowie in den Galerien in Kopenhagen, Stockholm und Turin. – Otto van V. besaß einen Bruder Gisbert van V. (ca. 1558 bis ca. 1628), der zwar als Maler nicht bedeutend war, als Kupferstecher aber einen guten Ruf genoß und seine besten Platten nach den Bildern Otto’s ausführte.

Vgl. Messager des sciences historiques ou archives des arts et de la bibliographie de Belgique. Année 1868. Gand. (1868). S. 328–332; Année 1877. Gand. (1877). S. 313. – C. van Mander, Le livre des peintres. Traduction, notes et commentaires par Henri Hymans. II, 270–282. Paris 1885. – H. Riegel, Beiträge zur niederländischen Kunstgeschichte. I, 42. 43. II, 36. 87. Berlin 1882. (Siehe auch das Register.) – van den Branden, Geschiedenis der Antwerpsche Schilderschool. Antwerpen 1883. S. 401–409. – Kunsthistorische Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses. Gemälde. Beschreibendes Verzeichniß von E. von Engerth. II, 513–515. Wien 1884. – A. Woltmann und K. Woermann, Geschichte der Malerei. III, 1. S. 77. Leipzig 1888. – Ed. Fetis, Musées royaux de peinture et de sculpture de Belgique. Catalogue descriptif et historique des tableaux anciens. 6. édition. Bruxelles 1889.

[791] *) Zu S. 519.

WS: Die Seiten 793 bis 796 enthalten ein „Verzeichniß der im 39. Bande der Allgem. Deutschen Biographie enthaltenen Artikel“, das hier jedoch nicht transkribiert wird.