ADB:Vellinger, Benedict

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Artikel „Vellinger, Benedict“ von Gustav Roethe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 573, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Vellinger,_Benedict&oldid=- (Version vom 18. Oktober 2019, 13:59 Uhr UTC)
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Vellinger: Benedict V., Pritschmeister des 16. Jahrhunderts, nennt sich selbst Bürger und Kürschner zu Steyer, worunter wol nicht das oberösterreichische Städtchen des Namens, sondern das Herzogthum Steiermark zu verstehen ist; doch war er nicht in Graz ansässig. V., ein anspruchsloser Mann, der ganz ‚Narr‘ ohne Heroldsallüren sein will, war wol keiner der berufsmäßig von einem Schießen zum andern wandernden Pritschmeister; aber das Freischießen in der heimischen Hauptstadt am 8. September 1587 zog ihn natürlich nach Graz, und er übernahm sogar die poetische Beschreibung des Festes, obgleich unter seinen Collegen der im J. vorher zu Regensburg dichterisch bereits bewährte bairische Pritschmeister Casp. Lerff sich befand. Vellinger’s Reimerei ‚Freyschießn, Welchs den Achten September des verschnen Siben vnd Achtzigisten Jars, In der Fürstlichen Hauptstett Grätz, gehalten worden, mit allen vmbständten fein ordenlich in Teutsche Reimmen gebracht‘ erschien im Druck Gratz 1588. In grob silbenzählenden, meist stumpfen Verspaaren, ohne jede Reinlichkeit des Reimes und des Rhythmus roh zusammengestoppelt, steht sie selbst unter den Pritschmeisterdichtungen tief; dem Guten fehlt die Routine wie die Technik, und aller Eifer täuscht über das Ungeschick des Poeten um so weniger hinweg, als auch der Anlaß unbedeutend war. Von der ‚nerischen fantasey‘ der Pritschbank läßt uns V. wenig merken: der wiederholte Spaß, Wein und Braten als Lieblingsgeschoß manches Schützen zu rühmen, und das Capitelchen ‚der Schützen außred‘, das durch seine Aermlichkeit weit absteht von Joh. Heinr. Grob’s reichhaltigem Gedicht über das gleiche Thema, erwecken kein günstiges Vorurtheil für Vellinger’s Humor. Aber er kann sich wenigstens selbst zum Besten haben: er berichtet nicht ohne Behagen, wie man ihn, den Betrunkenen, einmal gründlich geprellt hat. Das ist der einzige etwas selbständigere Zug der Dichtung, die sonst lediglich den obligaten Inhalt, ja die stehende Einkleidung der typischen Pritschmeisterdichtung wiedergibt.