ADB:Werner, August Hermann

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Artikel „Werner, August Hermann“ von Theodor Schott in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 42, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Werner,_August_Hermann&oldid=- (Version vom 24. August 2019, 01:08 Uhr UTC)
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Werner: August Hermann W., tüchtiger Arzt und Gründer ausgezeichneter Kinderheilanstalten, geboren am 21. Juni 1808 in Stuttgart, † am 18. Juni 1882 in Ludwigsburg, war der Sohn des tüchtigen Oberpräceptors Georg Andreas W. und der Juliane Johanne Hartmann, einer Tochter des bekannten Waisenhausvaters Israel Hartmann von Ludwigsburg. Frömmigkeit, Gottvertrauen, Menschenfreundlichkeit waren eigentlich Erbstück in der Familie, sie bildeten auch die Grundeigenschaften in dem Charakter von A. H. W., der seine Vornamen und damit seine Ziele nach August Hermann Francke erhalten hatte. Innerlich fein organisirt, schon als Knabe streng gegen sich selbst, wollte er anfangs Theologie studiren, wählte dann aber doch die Medicin, offenbar um in der leidenden Menschheit viel gutes wirken zu können; zeitlebens aber blieb eine starke theologische Ader in ihm, sodaß er nicht bloß stets eifrig auch für das ewige Ziel und die religiöse Belehrung seiner kranken Kinder sorgte, sondern gern für sich Predigtdispositionen ausdachte. Nach eifrigen Studien in Tübingen, München, wo er viel mit Schubert umging, und Würzburg ließ er sich in Neckarsulm als praktischer Arzt nieder (Herbst 1832) und hatte bald eine sehr große Armenpraxis mit wenig Einkommen und großen Arbeiten und Ausgaben. Dies blieb so, auch als er 1834 nach Ludwigsburg übergesiedelt war. Dort war er zugleich Arzt am Männerzuchthaus und am Mathildenstifte; bald faßte er den Entschluß, für arme scrophulöse und sonst gebrechliche Kinder eine Heilanstalt zu gründen. Von allen Seiten, besonders auch vom königlichen Hause (Herzogin Henriette) mit Beiträgen unterstützt, durch Reisen in Deutschland, Oesterreich, der Schweiz und Frankreich vorbereitet, eröffnete er am 23. Juli 1841 seine Anstalt mit 12 Kindern in einem Miethlokal, bis später eigne Gebäude für diese edlen Zwecke von ihm gebaut wurden, die sich immer mehr vergrößerten und Raum für 60–70 Kinder gewähren. In den Jahren 1841–66 wurden 1928 arme Kinder dort aufgenommen und behandelt und an 4/5 war die Liebesarbeit nicht vergeblich. In Wildbad wurde eine Zweiganstalt „Herrenhülfe“ im J. 1854 errichtet, welche Raum für 40 Kinder bietet, in Jagstfeld die Soolbadeanstalt Bethesda, auch für bemittelte Kinder bestimmt. Seit 1867 widmete W. sich der Ausbildung männlicher Krankenwärter, besonders auch für den Kriegsfall; aus dem Diakonenhaus in Ludwigsburg (1868) gingen viele Stadtmissionare, Privatkrankenwärter hervor, im Kriege von 1870–71, wo Werner’s Anstalten ganz mit Verwundeten belegt waren und wo W. selbst von Straßburg 50 Kinder holte, zeigte die Anstalt, was sie leisten konnte. Im Mai 1879 reihte W. endlich, von der edlen Prinzessin Wilhelm veranlaßt, noch ein Haus für gebrechliche Mädchen, das Maria-Marthastift, seinen bisherigen Gründungen an. Aufs treueste wurde er in dieser aufopfernden menschenfreundlichen Wirksamkeit, die in einer Welt voll Jammer sich bewegte, unterstützt von seiner ausgezeichneten Gattin Karoline Katharine Gmelin (Trauung 3. October 1837). In ihren zahlreichen Kindern zogen sich die Eltern eben solche treue und gleichgesinnte Genossen ihrer Arbeit heran; in Anstalten und Haus herrschte ein frommes, aber doch heiteres Leben, verschönt durch die dichterische Begabung Werner’s, ein Erbstück seiner Mutter. Dem reich gesegneten Leben des edlen Menschenfreundes, dessen Thun die allgemeinste Anerkennung fand, machte ein Lungenleiden am 18. Juni 1882 ein Ende.

Dr. A. H. Werner, der Kinderheilanstaltsvater. 1884.