ADB:Will, Georg Andreas

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Artikel „Will, Georg Andreas“ von Ernst Mummenhoff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 43 (1898), S. 241–243, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Will,_Georg_Andreas&oldid=- (Version vom 25. April 2019, 08:48 Uhr UTC)
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Will: Georg Andreas W., geboren am 30. August 1727 zu Obermichelbach in Mittelfranken, stammte aus einer alten Geistlichenfamilie, die sich als solche väterlicher- wie mütterlicherseits bis auf die Reformationseit zurück ausweisen konnte. So gehörten Veit Dietrich und M. Heinrich Fabricius zu seinen Vorfahren. Nach dem Willen seines Vaters, des gelehrten G. A. Will, bei dem er den ersten Unterricht im Lateinischen, Griechischen und Hebräischen empfing, widmete er sich gleichfalls der Theologie, wenn ihn auch zwei Oheime zum Studium der Medicin und zur Kaufmannschaft bestimmen wollten. Nach der Beförderung seines Vaters zum Diakon der Spitalkirche (1734) und dann zum Diakon bei St. Lorenz zu Nürnberg (1737) besuchte er die Spitaler- und Lorenzer Lateinschule daselbst. Von besonderer Bedeutung für ihn war es, daß der Rector der Lateinschule seinen historischen Sinn anregte und so den Grund für seine spätere Lieblingsbeschäftigung legte. Nachdem er am Auditorium zu St. Egidien seine humanistischen Studien abgeschlossen hatte, bezog er 1744 die Universität Altdorf, wo er sich der Philosophie, Theologie und der biblischen Philologie widmete. 1745 vertheidigte er die von ihm selbst verfaßte Disputation „de Nethinaeis, Levitarum famulis“, die er schon von Nürnberg mit hinübergenommen hatte. Damals übte er sich auch fortgesetzt im Predigen und war einige Zeit als Katechet im nahen Penzenhofen thätig. Nachdem er 1746, noch nicht 20 Jahre alt, seine zweite Disputation zur Erlangung der Magisterwürde vertheidigt hatte, ging er noch im selben Jahre nach Halle, wo er neben seinen Studien, ohne sich habilitirt zu haben, Vorlesungen über Metaphysik, Moral und die Thora hielt. Dann hielt er sich im gleichen Jahre noch in Leipzig auf, wo er u. a. mit Gottsched Beziehungen anknüpfte, und habilitirte [242] sich dann in Altdorf. Erst 1755 konnte er, da bis dahin eine Stelle sich nicht eröffnete, zum außerordentlichen Professor der Philosophie befördert werden. Zwei Jahre später übernahm er das ordentliche Lehramt der Poetik. Auch hatte er um diese Zeit schon (1756) die Altdorfische deutsche Gesellschaft begründet, die aber, wenn sie auch hervorragende Männer zu ihren Mitgliedern zählte, nach neun Jahren wieder einging. 1766 wurde ihm die Professur für Geschichte, und nach dem Tode von J. A. Spies im gleichen Jahre noch jene für Politik und endlich 1780 die für Logik übertragen. 1789 wurde er Primarius seiner Facultät, Inspector der Nürnberger Beneficiarien und Bibliothekar der Akademie. Ein hervorragendes Verdienst erwarb er sich um die Aufstellung der Christoph Jakob Trew’schen Sammlung, die ihren Namen nach dem fürstlich Ansbachischen Geheimrath und Senior des Collegium medicum zu Nürnberg führte, der sie im J. 1768 der Universität als Geschenk übergeben hatte. Diese Sammlung umfaßte eine für jene Zeit außerordentlich reiche Bibliothek und ein Naturaliencabinet. Die Bibliothek mit weit über 60 000 Hand- und Druckschriften enthielt beinahe Alles, was an kostbaren anatomischen, chirurgischen, botanischen und überhaupt naturwissenschaftlichen Werken erschienen war, und außerdem noch eine beträchtliche Sammlung von Werken aus der Philosophie, Philologie und Gelehrtengeschichte, darunter stattliche Ausgaben der classischen Autoren und seltene Bücher und Kupferwerke. W. selbst besaß eine bedeutende Bibliothek, ein Erbstück seiner Vorfahren, das er unablässig vermehrte, daneben aber noch eine Nürnbergische Bibliothek, in der er alles vereinigte, was er auf dem Gebiete der Nürnbergischen Geschichte im weitesten Sinne des Wortes erreichen konnte. Einen Katalog dieser Bibliotheca Norica, die im J. 1792 an den Rath der Stadt Nürnberg überging und jetzt in der Nürnberger Stadtbibliothek verwahrt wird, veröffentlichte er in acht Octavbänden in den Jahren 1772–1793.

Will’s wissenschaftliche Thätigkeit war äußerst umfassend und vielseitig, entsprechend den verschiedenartigen Disciplinen, über die er in Altdorf seine akademischen Vorträge hielt. So lehrte er die ganze Philosophie und las daneben auch über Rhetorik, Poetik, schöne Wissenschaften und deutsche Sprachlehre. Als Erster trug er in Altdorf über Kantische Philosophie vor. Dann behandelte er in seinen Collegien die historische Wissenschaft im Ganzen wie im Einzelnen: allgemeine Geschichte und Statistik, deutsche Reichsgeschichte, Gelehrtengeschichte und die historischen Hülfswissenschaften. Endlich bot er seinen Hörern noch eine Encyklopädie der Wissenschaften. Mit seiner akademischen Thätigkeit ging die litterarische Hand in Hand. Auf all den oben genannten Gebieten hat er auch litterarisch gearbeitet. Zahlreiche Monographien und Abhandlungen in den gelehrten Zeitschriften, wie Meusel’s Gelehrtem Deutschland, sowie die Fortsetzung der Köhlerischen Rechtshistorie und dessen Anleitung zur alten und mittleren Geographie, des historischen Bildersaals, der Bauer’schen Bibliothek rarer Bücher legen davon Zeugniß ab. Aber, wie sich denken läßt, waren diese Arbeiten, die er so auf den verschiedensten Gebieten lieferte, so anregend sie auch z. Th. gewesen sein mögen, von keiner durchschlagenden Bedeutung und mehr compilatorischer Natur. Sie waren bald überholt und veraltet. Anders dagegen verhält es sich mit seiner Thätigkeit auf dem Gebiete der Nürnberger Landes- und Ortsgeschichte. Was er hier geleistet, hat heute noch seine Bedeutung nicht verloren. Er zuerst machte mit Erfolg den Versuch, in Altdorf über Nürnbergische Geschichte vorzutragen. Er legte damit den Grund zu dem eifrigen Studium, das die Geschichte der Reichsstadt und ihres Gebiets bei den Nürnbergischen Localhistorikern wie Siebenkees, Waldau, Würfel, Kiefhaber u. A. fand, die der älteren Zeit gegenüber eine größere kritische [243] Schärfe und Zurückhaltung beobachteten, als das seither geschehen war. Will’s Forschungen und Arbeiten zur engeren vaterländischen Geschichte, die bis in den Beginn der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückreichen, stehen jenen seiner Nachfolger auf diesem Gebiete keineswegs nach. Im Gegentheil, wie er hier zuerst der Bahnbrecher gewesen war, so blieb er auch der Führer. Auf den verschiedenartigen Pfaden, die er bei seinen Forschungen einschlug, darf ihm kritischer Sinn, besonnene Abwägung und außergewöhnlicher Fleiß, mit dem er stets weiter drang, nachgerühmt werden, wenn er sich auch nicht stets von dem Bann althergebrachter Anschauungen und Vorurtheile befreien konnte. Sein erstes größeres Werk, das „Nürnbergische Gelehrtenlexikon“ (1755–1758), das in 4 Quartbänden die Nürnberger Gelehrten und Schriftsteller bis herab zu den unbedeutendsten, darunter auch jene, die sich nur zeitweilig in Nürnberg aufgehalten, biographisch vorführt und unter Aufführung ihrer Schriften in ihrer Bedeutung würdigte, ist ein Monument seines rastlosen Sammelfleißes, seiner umfassenden Belesenheit und seiner selbstlosen Gelehrtenarbeit. Die zeitgenössischen Gelehrten, Schriftsteller und Liebhaber betrachteten es als ein Muster. Es wurde von jeher fleißig benutzt, und auch heute noch müssen wir oft auf dieses treffliche Buch zurückgreifen, das, ein unentbehrliches Hülfsmittel, den Historiker nicht im Stiche läßt, wenn andere versagen.

Das gleiche gilt von seinen 4 Bänden „Nürnbergischer Münzbelustigungen“ (1764–1767), worin er in den geschichtlichen Erläuterungen sich nicht minder als gewiegten Numismatiker denn als unterrichteten Historiker ausweist. Auf die überaus zahlreichen Beiträge, die er zur Geschichte der Stadt Nürnberg in seinem „Museum Noricum“ (1759), das z. Th. eine Fortsetzung und Ergänzung seines Gelehrtenlexikons darstellt, in seinem „Literarischen Wochenblatt“ (2 Bde. 1770), in seinem „Historisch-diplomatischen Magazin“ (1780–1784, 2 Bde.), ferner in den „Materialien zur Nürnberger Geschichte“ von Siebenkes und anderswo niederlegte, kann hier nur verwiesen werden. Zur Aufklärung der Geschichte der Stadt, ihrer Verfassung und Einrichtungen, zur Aufhellung der Geschichte einzelner patricischer und bürgerlicher Familien hat er wesentlich beigetragen. Auch die Geschichte Altdorfs, wo er so lange Zeit lehrte und wirkte, verdankt ihm mancherlei Aufklärungen und zusammenfassende Darstellungen: der Geschichte der Universität vom Jahre 1795 folgte ein Jahr darauf die der Landstadt Altdorf, andere geschichtliche Arbeiten, wie über die Alumnei zu Altdorf und das Collegiengebäude daselbst, waren längst vorausgegangen. Dann interessirte ihn wieder die Geschichte der Altdorfer Buchdrucker, denen er in seinem Museum Noricum einen Beitrag widmete. Auch mit der Geschichte des Brigittenklosters Gnadenberg beschäftigte er sich eingehend, kam aber damit nicht zum Abschluß; die Materialiensammlung, die er darüber angelegt hatte, ist in der Stadtbibliothek zu Nürnberg verwahrt.

Und so ließe sich noch manches anführen. Erwähnt seien noch seine „Beiträge zur fränkischen Kirchenhistorie in einer Geschichte der Wiedertäufer, welche Frankenland und Nürnberg beunruhigt haben“. Seine letzte Arbeit, die ihn in seinen kranken Tagen beschäftigte, war eine Geschichte des Nürnberger Handels. Das Material, das er für diesen Zweck gesammelt hatte, konnte später Joh. Ferd. Roth für seine Geschichte des Nürnberger Handels verwerthen. W., der am 29. Juni 1797 sein 50jähriges Magisterjubiläum gefeiert hatte, starb am 18. September 1798.

Will-Nopitsch, Gelehrten-Lexicon. – Gedruckte Biographie in 8° ohne Angabe des Verfassers. – G. A. W., Bibliotheca Norica Willana. 1772 bis 1793, 8 Bde.