ADB:Wolff, Emil von

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Artikel „Wolff, Emil von“ von Carl Leisewitz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 115–117, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wolff,_Emil_von&oldid=- (Version vom 16. November 2019, 01:03 Uhr UTC)
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Wolff: Dr. Emil von W., Professor für Agriculturchemie an der königl. württembergischen land- und forstwirthschaftlichen Akademie zu Hohenheim, † am 26. November 1896 zu Stuttgart. Als Sohn des Gymnasialrectors W. zu Flensburg am 30. August 1818 geboren, erhielt er seine Schulbildung an dem dortigen humanistischen Gymnasium, besuchte nach dessen Absolvirung im J. 1838 zunächst die Universität Kiel in der Absicht, sich dem medicinischen Studium zu widmen. Nach einigen Semestern wandte er sich jedoch ganz dem naturwissenschaftlichen Studium zu und ging zu diesem [116] Zwecke nach Berlin, wo er noch eine Reihe von Semestern bis zu seiner im Herbste 1843 erfolgten Doctorpromotion auf die betreffenden Studien verwendete. Demnächst als Assistent im chemischen Laboratorium der Universität Halle beschäftigt und zugleich litterarisch thätig, sah er sich veranlaßt, im Herbste 1847 eine Function als Lehrer für Naturwissenschaften an der landwirthschaftlichen Privatlehranstalt zu Bautzen anzunehmen. Nachdem er schon in Halle die elementaranalytische Untersuchung der organischen Substanz sowie die Theorie bezüglich ihrer chemischen Constitution litterarisch behandelt hatte, ließ er sich durch J. v. Liebig’s bahnbrechende Lehren bestimmen, sich ebenfalls der neuen Wissenschaft der Agriculturchemie zuzuwenden und auf dem Gebiete der Boden- und Pflanzenchemie selbständig zu arbeiten. Als erste Frucht dieser wissenschaftlichen Thätigkeit konnte er schon gegen Ende 1847 ein „Lehrbuch der Agriculturchemie“ herausgeben, das im wesentlichen auf chemische Forschungen basirt war. Einen weiteren Erfolg führte die Einlenkung in die neue Studienrichtung für ihn herbei, indem er 1850 einen Ruf zur Leitung der neu gegründeten landwirthschaftlichen Versuchsstation in Möckern erhielt, womit ihm, als dem ersten Dirigenten der ersten landwirthschaftlichen Versuchsstation Deutschlands, eine sehr schwierige Aufgabe übertragen und ein der wissenschaftlichen Aufhellung äußerst bedürftiges Gebiet überantwortet wurde. Von großem Interesse und vollem Verständniß für diese Aufgabe geleitet, erledigte er zuvörderst die organisatorischen Erfordernisse, bestimmte die Mittel und Wege für die Forschungen in den verschiedensten Richtungen und ging dann sofort mit experimentellen Arbeiten vor, welche der Verfolgung drängender Fragen einerseits hinsichtlich der Ernährung der Nutzthiere wie andererseits der Hebung des Ackerbaus dienen sollten. Die Ergebnisse der letzteren Arbeitsrichtung gaben ihm schon nach wenigen Jahren Anlaß, mit einer Schrift über „die naturgesetzlichen Grundlagen des Ackerbaues“ vor das Forum der Fachgelehrten zu treten und damit eine Polemik gegen J. von Liebig zu eröffnen.

Nicht lange wirkte er jedoch an dieser Stelle, da er noch vor Ablauf des Jahres 1853 als Professor für Chemie und Agriculturchemie an die königl. württembergische Akademie für Land- und Forstwirthschaft zu Hohenheim berufen wurde. Obwohl er hier zunächst auf die ihm übertragene umfassende Lehrthätigkeit angewiesen war, so konnte er doch auf Grund der in Möckern erzielten Untersuchungsresultate sich alsbald mit litterarischen Aufgaben weiter befassen und bis 1861 zur Veröffentlichung der Schrift „Die landwirthschaftliche Fütterungslehre und die Theorie der thierischen Ernährung“ gelangen. Hatte er zuerst in Hohenheim auf eine Fortsetzung der Forschungen verzichten müssen, so wurde ihm doch mit der 1865 dort bewerkstelligten Errichtung einer landwirthschaftlichen Versuchsstation das längst begehrte Forschungsinstitut mit entsprechenden Mitteln zur Verfügung gestellt. So konnte er sich nun wieder mit erneutem Eifer den Untersuchungen zuwenden, welche einerseits dem Bereiche der Fütterungslehre, andererseits den Gebieten der Bodenkunde und der Düngerlehre entlehnt werden mochten.

Im Zusammenhange mit diesen Arbeiten verfaßte er eine Reihe theils rein wissenschaftlich gehaltener, theils zur Anwendung für die landwirthschaftliche Praxis bestimmter Schriften, welche in den 1870er und 80er Jahren publicirt wurden. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: „Die Fütterung der landwirthschaftlichen Nutzthiere, eine kritische Zusammenstellung etc.“, 1876, desgleichen: „Die Grundlagen für eine rationelle Fütterung des Pferdes“, 1885 , ferner: „Anleitung zur Untersuchung landwirthschaftlich wichtiger Stoffe“, 1877, sowie: „Aschenanalysen von landwirthschaftlichen Produkten, [117] Fabrikabfällen und wildwachsenden Pflanzen“, 1877/80. Gleichzeitig war er bemüht, die Nutzanwendung von seinen Ermittlungen in sehr instructiv und populär gehaltenen Schriften darzulegen, welche in großer Zahl von Auflagen erschienen und zu großer Verbreitung gelangt sind. Als solche haben seine „Praktische Düngerlehre“, 1868, sein Leitfaden der Fütterungslehre: „Die rationelle Fütterung der landwirthschaftlichen Nutzthiere“, 1874, seine als Beiträge für den Landwirthschaftlichen Kalender von Mentzel und A. v. Lengerke verfertigten „Tabellen über die mittlere Zusammensetzung der landwirthschaftlichen Düngemittel und Futtermittel“, sowie seine tabellarisch angeordneten Data über die in Nährstoffantheilen ausgedrückte Verdaulichkeit der Futtermittel mit Anreihung der darauf basirten Fütterungsnormen allgemeine Beachtung und bis auf die neueste Zeit ungeschmälerte Anwendung gefunden.

Mochte er sich bei der Bearbeitung dieser verschiedenen, mehr oder minder geklärten Gegenstände vielfach auch auf die einschlägigen Arbeiten von Wilh. Henneberg und Justus v. Liebig gestützt haben, so erwarb er sich noch ein besonderes Verdienst durch die Verfolgung der Aufgabe, thunliche Aufklärung über die Beziehungen zwischen Leistungen und Futterbedarf und über die Regelung der Nahrung nach den Anforderungen an die Leistung der Nutzthiere zu gewinnen. Die dabei erzielten Aufschlüsse über den Einfluß und die Nährwirkung der verschiedenen Futtercompositionen sind längere Zeit von grundlegender Bedeutung für die Regelung der Fütterung bei Milchkühen, Mast- und Arbeitsthieren gewesen.

Sein umfassendes und verdienstvolles Wirken als Rathgeber für die Landwirthe und als Forscher im Dienste der Wissenschaft fand, wie es nicht anders zu erwarten war, in den betheiligten Kreisen allseitige Anerkennung, indem ihm nicht nur zahlreiche Auszeichnungen durch Verleihung hoher Orden, durch Ernennung zum Ehrenmitgliede gelehrter Gesellschaften sowie des Verbandes der Versuchsstationen im Deutschen Reiche dargebracht worden waren, sondern auch eine Ehrenpromotion zum Doctor rerum politicarum seitens der staatswissenschaftlichen Facultät in Tübingen votirt wurde. Außerdem hatten auch seine Leistungen als Lehrer bei der Gediegenheit und Lebendigkeit seiner Vorträge stets ungetheilten Beifall in den Kreisen der Studirenden erweckt, so daß diese nicht selten einer lebhaft empfundenen Verehrung durch spontane Ovationen Ausdruck zu geben suchten; ebenso wurde er von den vielen, aus seiner Schule hervorgegangenen Agriculturchemikern als der Nestor ihres Faches geschätzt und gefeiert.

In seinem Privatleben stets als ein Mann von ernstem und ehrenhaftem Charakter befunden, war ihm auch in dem Kreise seiner Collegen, in deren Mitte er ebenso seinen Sinn für ungezwungene Geselligkeit wohlgemuth zu äußern pflegte, wie er der ihm eigenthümlichen Bescheidenheit und Uneigennützigkeit treu blieb, stets aufrichtige Sympathie und Hochschätzung dargebracht worden. Schwer wurde ihm daher der Abschied von Hohenheim, als er im Herbst 1894 von seiner amtlichen Stellung zurücktrat; aber es war ihm doch vergönnt, sich noch wissenschaftlich zu beschäftigen und im ungestörten Genuß einer wohlthuenden Muße seinen Lebensabend in Stuttgart zu beschließen.

Vgl. „Emil Wolff“ von Dr. L. Morgen in der Zeitschrift: Landwirthschaftliche Versuchsstationen, Jahrg. 1897, und den gleichnamigen Nachruf von Geh. Reg.-Rath Dr. Tollens im Journal für Landwirthschaft, Jahrg. 1897.