ADB:Zainer, Andreas

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Zainer, Andreas“ von Ludwig Julius Fränkel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 44 (1898), S. 671–672, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zainer,_Andreas&oldid=- (Version vom 4. Juli 2022, 00:33 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Zahn, Zacharias
Nächster>>>
Zainer
Band 44 (1898), S. 671–672 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Mai 2014, suchen)
GND-Nummer 115571418
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|44|671|672|Zainer, Andreas|Ludwig Julius Fränkel|ADB:Zainer, Andreas}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=115571418}}    

Zainer: Andreas Z. (Zayner), Stadtschreiber (archigrammataeus) zu Ingolstadt und Chronist, der um das Jahr 1500 lebte und den wenig später stattgehabten bairischen Erbfolgekrieg (1503–1505), hauptsächlich im Rahmen einer Ingolstädter Stadtchronik für jene Jahre, beschrieb. Ueber seine Jugend- und Bildungsgeschichte ist nichts Urkundliches in Erfahrung zu bringen, und wie für die letztere, so sind wir für sein Mannesalter auf die spärlichen Zufallsangaben seines eignen Werks angewiesen. Die älteste auf ihn zu beziehende Notiz, die aber seinen Namen verschweigt, berichtet von einer Rathssitzung des Jahres 1493, wonach eine einschneidende That im Verfassungsbrauche der obersten Communalbehörde Ingolstadts erfolgte; Z. gilt neben Bürgermeister Schramm allgemein als deren Urheber. Dies und seine wiederholte, während nur fünftehalb Monate 1503/4 allein fünf Mal bezeugte Mitgliedschaft officieller Vertretungen bez. Abordnungen des Magistrats erweisen seine bedeutsame Stellung wie auch seine persönliche Theilnahme bei den aufregenden Territorialstreitigkeiten der damaligen bairischen innern Politik. Am 17. April 1504 rettet er sich mühsam aus dem überfallenen Landshut und er durchreitet die Nacht über Moosburg bis in die Heimath; am 2. December unterhandeln er und der Bürgermeister mit dem Universitätsrector betreffs Gegenwehr bei erneuter Kriegsgefahr: dies sein letztes Vorkommen. Am Gewölbe der Ingolstädter Sebalduskitche ist sein Wappen angebracht, und so ruht er wol auf dem ehemaligen Friedhofe neben dieser.

Das ihm zugehörige Werk heißt „Buch der Cronicken vnd seltzamen vnd vnerhorlichen geschichten im loblichen hawß Bairn, entsprungen nach absterben Hertzog Georgen in Bairn“. Es liegt vor in einer dem 17. Jahrhunderte entstammenden stattlichen Papierhandschrift auf der Münchn. Hof- u. Staatsbibl. Cod. germ. (früher bav.) 1598, wohin sie zwischen 1752 und 1762 aus dem Besitze des Anatomieprofessors Dr. Leonhard Obermayer, eines Wembdingers, gekommen sein dürfte ’ex Tabulario Ingolstadiensis civitatis‘ und gemäß dem Vermerk auf Fol. Vv in Ingolstadt (wo heute keine Andeutung oder Erinnerung davon vorhanden ist) selbst copirt, und zwar hat hiernach A. F. Oefele einen Abdruck unter dem Titel: „Rerum bello Bavarico gestarum a morte Georgii Divitis ad laudum Coloniense liber memorialis incompletus“ seinen „Rerum Boicarum scriptores“ II (1762) p. 347–468 einverleibt. Außerdem besitzt die Königl. Bibliothek zu Berlin ms. Germ. Fol. 478 mbr. Abschrift des 16. Jahrhunderts, infolge Geschenk des Herrn v. Olfers (1836). Das in dieser übereinstimmenden Fassung vorliegende Geschichtsbuch bricht zwar am Ende vorzeitig – wie der weiter reichende Capitelweiser ergibt – ab, darf aber als innerlich abgeschlossen angesehen werden, zudem eine anonym überlieferte knappere Beschreibung des Landshuter Erbfolgekriegs, aus einer Handschrift der Münchner Staatsbibl. Cod. germ. 1934 bei Oefele a. a. O. II, 495–497, woran sich Glossen über Herzogs Ludwig des Reichen Zug gegen Kaiser Friedrich III. anreihen (s. Oefele I, 397), gewiß als erster Entwurf dazu.

Die letztere Annahme hat Adolf Stempfle in seinem Programm z. Jahresbericht d. Realschule Rosenheim 1887/88 „Andreas Zainers Buch über den [672] Bayernkrieg von 1503 bis 1505“, S. 13–17 durch sinnfällige Parallelen einleuchtend gemacht; ebd. S. 17–21 bietet er 19 sachliche Textcorrecturen zu Zainer’s Daten, S. 3–7 eine gedrängte Skizze davon, was sich über seine Persönlichkeit ermitteln läßt, nebst Charakteristik, S. 7–9 erörtert er die interessanten Miniaturgemälde der Münchner Handschrift, S. 9–13 löst er das Problem der codices. Z. war ein im scholastischen Sinne gelehrter und in der Antike belesener Mann, streng kirchentreu, schriftstellerisch ohne Stil- und fesselndes, irgendwie subjectiv färbendes Darstellungstalent. Er ist ein entschiedener Anhänger der oberbairischen Herzöge denen Niederbaierns und dem Pfalzgrafen gegenüber. Die Originalcorrespondenzen und reiches sonstiges Urkundenmaterial, freilich unausgenutzt, sodann seine wichtigen Referate über die Landtage sowie andere amtliche Aufzeichnungen sichern ihm wesentliche Bedeutung für die Landesgeschichte (s. Riezler, Geschichte Baierns III, 917 u. 596 A., ferner 599 A. 1, 600 A. 3, 615 A. 1 u. 620–633 passim Fußnoten), wie Stempfle prägnant darlegt. Z. selbst zieht an als Typus aus einer Periode, da der Stadtsyndikus noch politisch stark engagirt war und in Verbindung damit amtliche Chronistenobliegenheiten erfüllte.

Bibliographisch ist Z. verzeichnet bei Potthast, Biblioth. hist. medii aevi² S. 1125a. Er und Oefele schreiben Zayner, Stempfle und Riezler Zainer.