ADB:Ziegler, Alexander (1. Artikel)

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Artikel „Ziegler, Alexander“ von Viktor Hantzsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 162–163, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ziegler,_Alexander_(1._Artikel)&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2020, 17:24 Uhr UTC)
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Ziegler: Alexander Z.[WS 1], Reisender und geographischer Schriftsteller, war am 20. Januar 1822 zu Ruhla im Thüringer Walde geboren. Seit früher Jugend von dem Wunsche erfüllt, fremde Länder und Völker zu sehen, beschäftigte er sich namentlich mit Geographie und volkswirthschaftlichen Studien. Im Mai 1846 trat er von Bremen aus seine erste größere Reise an, die ihn durch die östliche Hälfte der Vereinigten Staaten, dann den Missisippi hinab in den mexikanischen Meerbusen, nach Cuba, hierauf zur See nach New-York und im Herbste des folgenden Jahres wieder nach Deutschland führte. Als Früchte dieser Reise entstanden mehrere Schriften, die sehr anregend und lesenswerth geschrieben sind, wenn sie auch streng wissenschaftlichen Anforderungen in mancher Hinsicht nicht zu genügen vermögen. Zuerst erschienen „Skizzen einer Reise durch Nordamerika und Westindien“ (Dresden u. Leipzig 1848, 2 Bde.). Dieses Werk schildert hauptsächlich die Verbreitung und gesellschaftliche Stellung der Deutschen namentlich in den Neuenglandstaaten, sowie die landwirthschaftlichen und die religiösen Verhältnisse der Union, die als das Ideal eines freien und glücklichen Landes gerühmt wird. Besonders ausführlich beschreibt Z. den damals noch wenig besiedelten Staat Wisconsin, den er angelegentlichst als Auswanderungsziel für deutsche Bauern empfiehlt. Da er aus eigener Anschauung die Leiden vieler unerfahrener und mittelloser Deutschen in Amerika kennen gelernt hatte, befürwortet er eine staatliche Organisirung der deutschen Auswanderung durch das damals tagende Frankfurter Parlament. In demselben Jahre erschien noch ein zweites Werk „Republikanische Licht- und Schattenseiten“ (Dresden u. Leipzig 1848), das Ziegler’s Reiseeindrücke in systematischer Form wiedergiebt und auf eine Verherrlichung der radicalen Demokratie hinausläuft. Eine spätere Frucht der amerikanischen Reise ist „Der Geleitsmann“ (Leipzig 1856), ein Katechismus für deutsche Auswanderer voll brauchbarer, auf gründlicher Kenntniß aller einschläglichen Verhältnisse beruhender Rathschläge. Noch ehe dieses Buch erschien, hatte Z. zwei Reisen nach den Mittelmeerländern unternommen. Die eine führte ihn in den Jahren 1850 bis 1851 nach Spanien, die andere 1854 bis 1855 durch Marokko, Algerien, Tunis, Aegypten nilaufwärts bis zum ersten Katarakt, Palästina, Syrien, Kleinasien und Griechenland. Seine Erlebnisse veröffentlichte er in zwei Werken, die alle Vorzüge und Nachtheile seiner ersten Reisebeschreibung zeigen: „Reise in Spanien“ (Leipzig 1852, 2 Bde.) und „Meine Reise im Orient“ (Leipzig 1855, 2 Bde.). Nach einer längeren Ruhepause besuchte er 1857 bis 1858 Skandinavien und Finnland, sowie die Orkney- und Shetlandsinseln. Diese Gegenden beschrieb er in dem Buche „Meine Reisen im Norden“ (Leipzig 1860, 2 Bde.), das auch Untersuchungen über die Fahrten der Normannen nach Island, Grönland, Winland und Hvitramannaland enthält. Seit 1858 widmete sich Z. einem ruhigen Schriftstellerleben, das nur 1867 durch eine zweite Reise nach Spanien unterbrochen wurde. Er verfaßte mehrere Abhandlungen zur Geschichte der Erdkunde, die zwar zur Orientirung gute Dienste leisten, aber ein tiefer eindringendes Quellenstudium vermissen lassen. Hervorzuheben sind „Die deutschen Erforschungsexpeditionen nach Innerafrika“ (Dresden 1858, 7. Aufl. 1865, enthält einen Ueberblick über die Verdienste der Deutschen um die Erforschung Afrikas, sowie Mittheilungen über die Erlebnisse Eduard Vogel’s und der zu seiner Aufsuchung abgesandten Expeditionen unter Heuglin und Munzinger), ferner „Columbus und Martin Behaim“ (Petermann’s Mittheilungen 1858); „Martin Behaim aus Nürnberg, der geistige Entdecker Amerikas“ (Dresden 1859); „Die Reise des Pytheas nach Thule“ (Dresden 1861); „Regiomontanus, ein geistiger Vorläufer [163] des Columbus“ (Dresden 1874); „Regiomontanus und der Nürnberger Seefahrer Martin Behaim mit Hinblick auf ihre Verdienste um die großen ozeanischen Entdeckungen des 15. Jahrhunderts“ (Bremen 1878); endlich „Zur Geschichte des Meerschaums“ (Dresden 1878, 2. Aufl. 1883).

Durch eine Reihe anderer Schriften suchte Z. die Schönheiten seiner thüringischen Heimath weiteren Kreisen bekannt zu machen. Hierher gehören: „Der Rennsteig des Thüringer Waldes“ (Dresden 1862); „Reisehandbuch für Thüringen“ (Hildburghausen 1864, 3. Aufl. 1879); „Zur Meteorologie von Koburg“ (Petermann’s Mittheilungen 1864); „Das Thüringer Walddorf Ruhla“ (4. Aufl. Dresden 1876). Endlich wirkte er auch durch mehrere kleine, wegen des actuellen Interesses, das sie boten, wiederholt ausgelegte Schriften äußerst lebhaft für das Zustandekommen und die gedeihliche Entwicklung der am 10. November 1859 in Dresden begründeten Schillerstiftung zur Unterstützung verdienter und hülfsbedürftiger deutscher Dichter und der bei Gelegenheit der Schillerfeier durch den Major Serre veranstalteten Schillerlotterie. Von diesen Schriften sind erwähnenswerth „Deutsche Nationalunternehmungen“ (7. Aufl. Dresden 1863); „Die Schillerlotterie“ (Dresden 1862); „Zur Geschichte der Schillerlotterie“ (8. Aufl. Dresden 1864); „Zur Oeffentlichkeitsfrage der deutschen Schillerstiftung“ (Dresden 1864). Z. starb am 9. April 1887 in Wiesbaden.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Über diese Person existiert in Band 55 ein weiterer Artikel.