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Absagebrief

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor:Friedrich Stoltze
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Titel:Absagebrief
Untertitel:
aus:Gedichte in Frankfurter Mundart. Band 1, S. 229–230
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum:1880
Verlag:Heinrich Keller
Drucker:{{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort:Frankfurt am Main
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle:Commons
Kurzbeschreibung:
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[229]
Absagebrief.



„Jean, leb’ wohl! mei Vatter leidt’s net,
Un merr soll die Eltern ehrn;
Ohne Sege da gedeiht’s net,
Wann merr noch so glicklich wern.

Ewig zwar wern ich dich liewe,
Nimmermehr vergeß ich dich;
Doch die Eltern zu betriewe
Deß breng ich net iwer mich.

Geh net mehr am Haus voriwer,
Daß dich net mei Vatter sieht,
Dann ich krieh sonst Vorwerf driwer
Wie ich se schon oft hab’ krieht.


[230]

Dheurer Jean, dhu deß bedenke!
Gelt, du dhust’s for ganz gewiß?
Dhu den alte Mann net krenke
Un komm ehrscht wann’s Dunkel is!

Awer komm’ dorch’s Hinnerpörtche!
Dann mei kindlich Ehrlichkeit
Wääß zwar des gehääme Oertche
Wo der Vorderschlissel leiht;

Doch die Eltern zu betriehe,
Liewer Jean, sei fern von mir! –
Nää! un kräg ich’s ääch verziehe, –
Drum komm dorch die Hinnerdhir.

Stolper ja net uff de Stäge,
Dann mei Vatter is zu Haus;
Dhus um seines Schlummers wege!
Liewer zieh die Stiwel aus!“