Adolf Thiers

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Textdaten
Autor: Unbekannt
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Titel: Adolf Thiers.
Untertitel: Volksblatt. Eine Wochenzeitschrift mit Bildern. Jahrgang 1878, Nr. 6, S. 41-44
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Herausgeber: Dr. Christlieb Gotthold Hottinger
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Dr. Hottinger's Volksblatt
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Erscheinungsort: Straßburg
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Quelle: Scan auf Commons
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Adolf Thiers,
geboren den 16. April 1797 in Marseille, † den 3. September 1877 in St. Germain-en-Laye.

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Adolf Thiers.

Wer die vielbewegte französische Geschichte der letzten 50 Jahre an seinem Geiste vorüberziehen lassen, den gegenwärtigen Zustand Frankreichs mit klarem Auge anschauen und französische Art kennen lernen will, kann dies nicht leicht besser erreichen, als wenn er die Lebensgeschichte des berühmten Staatsmannes Thiers betrachtet. Marie Josef Ludwig Adolf Thiers ist am 16. April 1797 in Marseille geboren. Frankreich war damals eine Republik; das Volk hatte seinen König Ludwig XVI. zum Tode gebracht und wollte eine Zeit herbeiführen, in der „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ herrschen sollten. Die Jahre wurden nicht mehr von Christi Geburt an gezählt, die Monate anders benannt und anders eingetheilt als bisher. Wollen wir daher die damals in Frankreich eingeführte Bezeichnung gebrauchen, so müssen wir sagen: Thiers ist am 27. Germinal (Keimmonat) des Jahres V der Einen und untheilbaren Republik geboren. Sein Vater, früher ein Beamter, dann ein Tuchhändler, hatte durch die Revolution sein Vermögen eingebüßt, so daß sein Sohn nur vermittelst eines „Freiplatzes“ in einer Schule den Weg zu höherer Bildung einschlagen konnte. Im 18. Lebensjahre begann er die Rechtswissenschaft zu studiren und wurde im Jahre 1820 Advokat. Schon frühe erlangte er großes Ansehen durch die Lösung einer Preisaufgabe. Zwar bekam er nicht sogleich den Preis, obwohl die Preisrichter seine Arbeit für die beste hielten (seine politischen Ansichten sollen ihnen anstößig gewesen sein), aber bei der nächsten Bewerbung sandte er die erste Lösung noch ein Mal ein, schrieb außer derselben noch eine zweite und ließ diese in Paris auf die Post geben, so daß die Preisrichter nicht wußten, von wem sie herrührte. Letztere wurde gekrönt, erstere erhielt einen Nebenpreis.

Wer es in Frankreich zu etwas Großem bringen will, pflegt nach der Hauptstadt, nach Paris, zu gehen. So auch Thiers. Im September 1821 zog er dort ein. Anfänglich konnte er nur kümmerlich leben. Mit einem Freunde bewohnte er eine bescheidene Kammer im 4. Stock eines Hauses, aber bald verdiente er durch Mitarbeit an einer Zeitung so viel, daß er schon nach Ablauf eines Jahres seine Mutter unterstützen und eine Reise machen konnte. Immer mehr verbesserte sich seine äußere Lage; dieselbe wurde eine geradezu glänzende, als er sich mit Elise Dosne, der Tochter eines sehr reichen Generalsteuereinnehmers, verheirathete.

Bis zum Jahre 1830 war seine Thätigkeit wesentlich eine schriftstellerische. Er schrieb Zeitungsaufsätze und außerdem ein umfangreiches Werk, eine Geschichte der französischen Revolution. In diesen Arbeiten betonte er mit großer Sprachgewandtheit und glühender Begeisterung die Rechte des Volkes; er strebte nach einer sogenannten constitutionellen Regierung, das heißt einer solchen, in welcher das Staatsoberhaupt seine Handlungen genau nach der Verfassung einrichten muß. Bekannt ist sein Wort: „Der König herrscht, aber regiert nicht.“ Da der damalige französische König Karl X. solchen Bestrebungen abgeneigt war, griff ihn Thiers in seiner Zeitung heftig an und war einer der Männer, welche den Sturz dieses Fürsten (im Juli 1830) herbeiführten und dann in Ludwig Philipp drangen, er solle die Krone annehmen. Derselbe that es, beschwor die Verfassung, welche dem Volke große Rechte gab, und berief Thiers auf einen hohen Posten in seinem Ministerium. Thiers entfaltete nun eine reiche staatsmännische Thätigkeit, und zeigte so große Tüchtigkeit, daß er schon im Jahre 1836 Ministerpräsident wurde. Zwar vermochte er sich als solcher nicht lange zu halten, noch in demselben Jahre mußte er wieder abtreten, aber aufs Neue gelangte er im Jahre 1840 zu dieser hohen Stelle.

In den Streitigkeiten, welche damals zwischen Egypten und der Türkei herrschten, stellte sich Thiers auf die Seite Egyptens, wurde aber von den andern Großmächten nicht unterstützt, so daß sein und Frankreichs Einfluß empfindlich geschwächt wurde. Thiers suchte denselben auf anderem Wege wieder zu gewinnen: er fachte das Verlangen seiner Landsleute nach dem Rheine wieder an. Das zündete bei dem so leicht erregbaren französischen Volke. Laut erscholl der Ruf nach der „Rheingrenze.“ Derselbe brachte in ganz Deutschland große Erbitterung hervor.

„Sie sollen ihn nicht haben.
Den freien deutschen Rhein“

und

„Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
Wie Schwertgeklirr und Wogenprall etc.“

so lautete von da her die Antwort.

Doch Ludwig Philipp ließ sich von Thiers nicht zu einem Kriege verleiten; dieser mußte auf’s Neue von seinem Posten abtreten. Eines hatte er aber doch erreicht: Paris wurde auf sein Anrathen mit einem starken Festungsgürtel versehen; derselbe kostete Frankreich über 200 Millionen Franken.

Für die nächste Zeit zog sich Thiers wieder in seine Studirstube zurück und arbeitete an einer Geschichte Napoleon’s I., dessen Thaten er verherrlichte und durch deren Erzählung er der Ruhmbegierde des Volkes Nahrung gab. Er trug viel dazu bei, daß die Anhänglichkeit an die Napoleonische Familie im Volke wuchs, und daß Napoleon III. der Weg zum Throne geebnet wurde.

Im Februar 1848 brach in Paris eine neue Revolution aus; Ludwig Philipp mußte fliehen; die Republik wurde eingeführt, Ludwig Napoleon (im Dezember 1848) zu deren Präsidenten erwählt. Thiers stand letzterem mehrfach berathend zur Seite, wandte sich jedoch von ihm ab, als er bemerkte, daß er nach der Kaiserkrone strebe. Am 2. Dezember 1851 nahm Napoleon zu der Gewalt seine Zuflucht, machte einen sogenannten „Staatsstreich“, löste die ihm nicht willfährige [43] Nationalversammlung, welcher auch Thiers angehörte, auf und ließ viele seiner Gegner einkerkern. Als Thiers am frühen Morgen dieses Tages noch schlief, wurde er von einem Polizeibeamten geweckt und aufgefordert, wegen „Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates“ den Gensdarmen ins Gefängniß zu folgen. Thiers verwahrte sich. „Wissen Sie,“ soll er gesagt haben, „daß ich Volksvertreter bin?“ „Ich kann dies,“ erwiederte der Beamte, „mit Ihnen nicht erörtern, ich habe einfach meine Befehle zu vollziehen.“ „Wenn ich Sie aber erschöße,“ fuhr Thiers fort, indem er auf eine Kommode zuschritt. „Dessen halte ich Sie nicht für fähig,“ antwortete jener, wobei er in die Tasche griff, „auch habe ich Vorsorge getroffen, um Sie daran zu hindern.“ Thiers mußte folgen und wurde am 9. Januar 1852 aus Frankreich verbannt. Er machte nun eine Reise durch Deutschland, England und Italien. Schon im Juli desselben Jahres erhielt er die Erlaubniß zur Rückkehr in sein Vaterland.

Von nun an blieb er bis zum Jahre 1863 dem Staatsleben fern und beschäftigte sich mit wissenschaftlichen Arbeiten. Unter Napoleons III. Regierung war es gefährlich, freiheitliche Gedanken, wie sie Thiers beseelten, laut und öffentlich auszusprechen. Dieser wußte sie still zu hegen und, als er die Zeit für gekommen hielt, auch wieder zu äußern. So sagte er am 11. Januar 1864 in einer Rede: „Für mich fordere ich nie etwas, nur für mein Land trage ich nie Bedenken, in geziemendem, achtungsvollem Tone zu fordern. Man sei aber auf der Hut! Dieses heute kaum erwachende, dieses aufkochende Land, bei welchem das Uebergreifen der Wünsche so nahe beim Erwachen liegt, dieses Land. das heute erlaubt, daß man für es in ehrerbietigem Tone verlange, wird vielleicht eines Tages gebieterisch fordern.“

Die Schwierigkeiten, welche der Napoleonischen Regierung in Frankreich bereitet wurden, mehrten sich. Der Kaiser glaubte das Volk beschwichtigen zu können, wenn er dessen Aufmerksamkeit auf äußere Fragen lenke, wenn er das besonders seit dem Kriege von 1866 aufblühende Preußen demüthige. Er nahm die Frage wegen der Besetzung des spanischen Königsthrons zum Anlaß, um Preußen den Krieg zu erklären. Thiers gehörte zu den Wenigen, welche sich diesem Entschlusse widersetzten. Zwar betrachtete auch er die Machtentfaltung Preußens und die Einigung der deutschen Stämme mit unverhohlenem Mißfallen, aber er hielt jene spanische Frage nicht für ausreichend, um ihretwegen den Krieg zu erklären und sah ein, daß Frankreich nicht gerüstet genug sei.

Als einige Abgeordnete so weit gingen, deshalb seine Vaterlandsliebe zu bezweifeln, sagte er: „Sie mögen mich beleidigen; ich will Alles dulden, um das Blut meiner Mitbürger zu schonen, das Sie unvorsichtig zu vergießen sich anschicken.“

Als die französischen Heere eine Schlacht nach der andern verloren, trat er eine Reise an die Höfe der mächtigsten Staaten – nach London, Wien, St. Petersburg und Florenz – an, um deren gute Dienste für Frankreich zu erbitten. Er erreichte sein Ziel nicht. Als es sich dann um den Abschluß des Friedens handelte, leistete er seinem Vaterlande große Dienste. 26 Departemente wählten ihn am 8. Februar 1871 zu der Versammlung, welche über Fortsetzung oder Beendigung des Krieges beschließen sollte. Er wurde an die Spitze des Staatswesens gestellt. Mit Bismarck setzte er die Friedensbedingungen fest.

Es wird erzählt, beide hätten in einem schlecht geheizten Gasthofzimmer mit einander verhandelt. Das währte bis tief in die Nacht. Thiers wurde müde. Bismarck bemerkte dies. „Schlafen Sie ein oder zwei Stunden“ – sagte er zu ihm – „indeß ich einige Depeschen befördere.“ Thiers legte sich auf ein Ruhebett und schlief sofort ein. Nach einer Weile bemerkte Bismarck, daß es den alten Mann fröstelte. Leise tritt er auf, holt seinen Mantel und breitet denselben über ihn hin. Als Thiers etwa zwei Stunden geschlafen hatte, wurden die Besprechungen wieder aufgenommen. „Gestehen Sie es,“ – soll Bismarck nachher zu ihm gesagt haben – „es gibt nur zwei Leute, die Frankreich lieben: Sie und ich!“

Der Friede war geschlossen, aber noch mußte, ehe Frankreich wieder zur Ruhe kam, ein furchtbarer innerer Feind niedergeworfen werden: die Commune. Erst im Mai 1871 gelang dies, nachdem noch Ströme von Blut vergossen worden waren. Im August 1871 erhielt Thiers den Titel eines Präsidenten der Republik. Er erfüllte pünktlich die gegen das Deutsche Reich eingegangenen Verbindlichkeiten, und rasch erhob sich wieder Frankreich.

Die Republik hatte jedoch viele Gegner. Dieselben gewannen in der Kammer die Oberhand; daraufhin trat Thiers am 24. Mai 1873 von seinem hohen Posten zurück. „Ich hätte“ – sagte er in einem erst nach seinem Tode veröffentlichten Schriftstück, – „so lange am Ruder bleiben können, wie die Nationalversammlung selbst. Ein Verfassungsgesetz gab mir das Recht dazu; ich hätte bleiben können, jedoch nur unter Einer Bedingung, daß ich nämlich ein Ministerium entließ, welches mein Vertrauen besaß und bei allein Nützlichen, was ich vollbrachte, seinen bedeutenden Antheil hatte. Das wollte ich nicht. Das Land war allerdings auf meiner Seite, nicht aber die Kammer, welche mich gewählt hatte.“

Und wieder trat er in das Privatleben zurück. Mac Mahon, welcher sein Nachfolger wurde, begünstigte die Republikaner nicht, auch dann nicht, als dieselben in der Kammer die Mehrheit erlangten. Er löste letztere vielmehr auf. Da wandten sich die Augen der Mehrheit des französischen Volkes wieder hoffend auf Thiers und es schien, als ob derselbe seines hohen Alters ungeachtet nochmals berufen sei, den Kampf für seine freiheitlichen Grundsätze aufzunehmen. Da verbreitete sich plötzlich, ehe noch die auf den 14. Oktober ausgeschriebenen Wahlen stattgefunden hatten, die Trauerbotschaft: Thiers ist gestorben.

Am 3. September ging er seiner Gewohnheit gemäß Morgens zwischen 6 und 7 Uhr spazieren. Beim Frühstück überfiel ihn eine leichte Ohnmacht, Er wollte sich [44] in der frischen Luft Bewegung verschaffen, mußte aber umkehren und sich zu Bette legen. Der Schlag rührte ihn und noch an demselben Tage starb er.

Die Trauerkunde wurde fast überall mit herzlicher Theilnahme aufgenommen. Einige seiner Feinde allerdings äußerten ihre Freude über das Hinscheiden dieses ihnen so sehr hinderlichen, einflußreichen Mannes, aber die weit überwiegende Mehrzahl des Volkes empfand den Verlust tief.

Die Leichenfeier am 8. September gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung. Die Regierung wollte sie auf Staatskosten abhalten, da sie sich aber mit Thiers’ Wittwe wegen der dazu nöthigen Anordnungen nicht vereinbaren konnte, unterzog sich diese mit den Gesinnungsgenossen ihres Mannes allein der traurigen Pflicht. Von amtlicher Seite wurden der Leiche nur die Ehren erwiesen, worauf Thiers als Großwürdenträger der Ehrenlegion ein Recht hatte.

Fast ganz Paris betheiligte sich, sei es durch Enthaltung von Arbeit, sei es durch Anschluß an den Leichenzug oder durch sonstige Zeichen der Trauer an dieser Feier.

Es war in der That ein Mann hier zu Grabe getragen, der nicht nur Großes ausgeführt, sondern auch das französische Wesen in seltener Schärfe in seiner eigenen Person zum Ausdruck gebracht hat.

Eine glühende Liebe zum Vaterlande leitete ihn sein Leben hindurch bei seinen Handlungen. Was seiner Meinung nach Frankreich zum Ruhme und zum Nutzen gereichte, hat er mit all seinen reichen Gaben erstrebt. Die Wohlfahrt anderer Völker lag ihm nicht so am Herzen Man hätte z. B. meinen können, er würde sich seinen freiheitlichen Grundsätzen gemäß darüber gefreut haben, daß auch Italien und Deutschland zur Einigkeit und zu staatlicher Selbstständigkeit heranreiften. Aber dies schien ihm für den Ruhm Frankreichs nachtheilig und darum suchte er beides zu verhindern. Einer seiner eigenen Landsleute warf ihm vor, er strebe darnach, daß die Kleinen nicht groß werden und die Großen klein bleiben, während Frankreichs Größe nicht in der Schwäche der anderen bestehe, sondern dasselbe groß sein könne unter Großen, und Thiers selbst rief einmal aus: „Ich sage nicht, daß wir gute Nachbarn sind. Wir sitzen selbst immer in Bedrängniß und sind immer eine Plage für alle, die etwas mit uns zu thun haben.“

Seine Thätigkeit war eine weit ausgedehnte. Von früh bis spät arbeitete er. Im Sommer und Winter pflegte er um 5 Uhr aufzustehen.

Wissenschaftliche und künstlerische Bestrebungen fanden in ihm einen eifrigen Förderer. Sein großes Vermögen kam ihm dabei wohl zu Statten (er soll etwa 11 Millionen Mark hinterlassen haben). Der Kreis dessen, was er selbst erforschte, ist ein sehr weiter. Außer seinen vielen geschichtlichen Arbeiten beschäftigte er sich u. A. mit Philosophie (Weltweisheit) und Kunst, mit Natur- und Kriegswissenschaft.

Sein umfassendes Wissen zeigte sich besonders auch, wenn er in öffentlichen Versammlungen oder im engen Kreise Reden hielt. Sehr häufig wußte er dadurch die Zuhörer für seine Ansicht zu gewinnen. Der berühmte Dichter Lamartine sagte von ihm : „Er ist der überzeugendste von Allen, und man würde es sich nie nehmen lassen, ihn zu hören, weil der Gedanke bei ihm durch die Haut hindurchzuleuchten scheint.“

Es ist nicht zu verwundern, daß er bei der vielen Verehrung, welche ihm zu Theil wurde, seine eigene Person oft mehr in den Vordergrund stellte, als die Bescheidenheit eigentlich wünschenswerth gemacht hätte.

Von Körper war er klein, nur sein Kopf erschien groß, wie dazu geschaffen, eine solche Fülle von Gedanken zu bergen. Seine Schultern pflegte er im Gespräche fortwährend zu schaukeln.

An seiner Frau hatte er eine treue Gefährtin; Kindersegen ist ihm nicht zu Theil geworden. Zahllos aber sind die geistigen Kinder, welche sich von seinen Worten und Thaten belehren, von seinem Vorbild begeistern ließen, und sein Name ist enge verknüpft mit der Geschichte der Menschheit.

Die ganze gebildete Welt schaute mit Spannung auf die Wahlen hin, welche kurz nach seinem Tode in Frankreich statt hatten und verfolgte mit lebhafter Theilnahme die erneuten Kämpfe zwischen der Regierung und der Kammer. Der Mann, welchen Mac Mahon gegenwärtig zu seinem ersten Berather gemacht hat, Dufaure (sprich Düfohr) ist in die Fußstapfen dieses ruhmreichen Staatsmannes getreten, so daß wir sagen können: Der Geist, welcher in Thiers lebte, regiert auch heute noch in seinem Vaterlande.