Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section/H7

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Heft 6 des Lausitzer Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Heft 7 der Section Markgrafenthum Oberlausitz
Heft 8 des Lausitzer Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Bischheim
  2. Giessmannsdorf
  3. Skasska
  4. Leichnam


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Bischheim.


Das Dorf Bischheim, in früherer Zeit Bischofsheim genannt, liegt eine Viertelstunde von Camenz und eine starke Stunde von Pulsnitz in einem freundlichen Thale, welches von hohen Bergen umschlossen ist, von denen namentlich der Heiligenberg, dessen Gipfel sonst der Todtenstein hiess, sich auszeichnet. Der Ort wird von der Haselbach durchflossen, die urkundlich im dreizehnten Jahrhundert unter dem Namen der kleinen Pulsnitz vorkommt und im unteren Theile des Dorfes sich mit der Weissbach vereinigt. Die Einwohnerschaft des schönen grossen fast eine halbe Stunde langen Dorfes, das hundertzehn Nummern zählt, beläuft sich auf mehr als sechshundert Köpfe und nährt sich hauptsächlich von erlernten Handwerken, Leinenfabrikation und Bandweberei. Bischheim enthält eine Kirche mit Pfarre und Schule, ein Gemeindehaus, ein Wirthshaus, eine Mühle, zwei Schmieden, neunzehn Bauergüter, einen Grosshäusler, zwölf Gärtner, siebenzehn Häuslernahrungen und sechszig Häuser ohne Feld. Ausser diesen Gehöften und Häusern befindet sich am oberen Ende des Dorfes noch eine zweite, hierher gepfarrte, aber nach Hennersdorf gehörige Mühle, im Mitteldorfe aber steht das Rittergut mit einer dritten 1838 erbauten Mühle und einem trefflichen Lustgarten mit Gewächshaus und Park, hübschen Teichen und Cascaden. Das zum Rittergute gehörige Beigut oder Niedergut liegt am Ende des Unterdorfes. Uebrigens gehören zum Rittergute noch eine etwas entlegene Ziegelscheune, ein Sommerstall von dessen hohem Standpunkte man eine vorzüglich schöne Aussicht geniesst, sowie ein Vorwerk, Weidigt genannt, auf dessen Stelle sich von 1489 bis 1542 eine der heiligen Walpurgis geweihte Capelle befand. Seit dem Jahre 1632 besitzt das Rittergut Bischheim auch die Luchsenburg mit einigen Scheffeln Feld und Wiesenland nebst einer Försterei, welche zwei Stunden von hier am südwestlichen Abhange des geognostisch und geschichtlich merkwürdigen Hochsteines, oder Sibinnensteines, nach Siwa der Göttin des Lebens und der Liebe so genannt, gelegen ist. Die „Luchsenburg“ heisst ein Theil des grossen zwischen Obersteina, Rehnsdorf, Rammenau und Hauswalde gelegenen, namentlich mit Rothbuchen und Tannen bestandenen vortrefflichen Forstes, der seinen Namen wohl von den vielen Luchsen erhielt, welche in den Felsenklüften des Hochsteins wohnten, wie er denn auch wegen der vielen vormals hier gefundenen wilden Schweine oft der Schweinsgrund genannt wird.

Es ist nicht genau bekannt zu welcher Zeit die Aue, welche sich von diesem Hochwalde aus durch Mehrsdorf und Gersdorf nach Bischheim hinabzieht und unterhalb Häslichs immer mehr erweitert und verflacht, angebaut wurde. Höchst wahrscheinlich gründeten Bischheim die Sorben denn nicht nur dass alle umliegenden Ortschaften von ihnen herrühren berichtet auch eine Consignation von 1723 dass damals in hiesiger Kirche noch in wendischer Sprache gepredigt wurde, so dass man wohl annehmen kann, der Ort habe den deutschen Namen erst längere Zeit nach seiner Entstehung erhalten. Die Volkssage berichtet, der fromme später heilig gesprochene Bischof Benno von Meissen, der von 1060 bis 1106 lebte, habe hier ein Lustschloss besessen, worin er auf seinen häufigen Reisen von Meissen nach Budissin zu wohnen pflegte. Damals war indessen die Landstrecke zwischen Camenz und Pulsnitz noch dürftig angebaut und bevölkert, so dass die wenigen Edelhöfe mit den elenden Hütten der Leibeigenen kaum die Namen von Dörfern verdienten, denn in der bekannten Urkunde über die 1213 stattgefundenen Grenzberichtigungen zwischen Böhmen und Meissen wird diese Gegend als reich an Bergen, Flüssen und Steigen genannt, während in anderen Distrikten nicht nur die Namen der Dörfer aufgezeichnet, sondern auch „alte Aecker so vor alten Zeiten angebaut“ erwähnt sind. Uebrigens konnten die Burggrafen nicht daran denken für die Bevölkerung des platten Landes zu sorgen so lange die bedeutenderen Orte ihres Gebietes noch klein und unansehnlich waren; Camenz selbst war damals nur ein Marktflecken und Pulsnitz ein Dorf, bis jenes nach einem 1255 stattgefundenen Brande, der es gänzlich einäscherte und dieses 1375 zur Stadt erhoben wurde.

Obgleich die Sage behauptet dass Bischof Benno von Meissen oft in Bischheim gewohnt und dadurch dem Orte einen deutschen Namen verschafft habe, ist es doch wahrscheinlicher dass Bischof Witigo I. zu Meissen, der von 1266 bis 1293 regierte, dazu Veranlassung gab. Dieser stolze, ritterliche Prälat war ein Sohn des Burggrafen Bernhard von Camenz, der hier das Lehnrecht ausübte. Als ältester Sohn des Burggrafen besass Witigo in hiesiger Gegend mehere Erbgüter und da er sein Geburtsland [50] liebte und sich oft hier aufhielt, vielleicht auch gerade zu Bischheim sich heimisch fühlte, so nannte man den Ort Bischofsheim.

Die älteste urkundliche Nachricht über Bischheim nennt als Herren des Ortes Heinrich und Witigo von Camenz (1302) dem Burggraf Bernhard, Gemahl der Gräfin Catharina von Donyn folgte. Dieser Bernhard belehnte einen Edlen, Reinhard, mit Bischheim, nach dessen Tode aber gab der Burggraf die Lehn an dessen Wittwe, Frau Ilse, und da diese dem Seelhause zu Camenz, welches Frau Kune Noske gegründet, zwanzig Groschen ewigen Zinses, vier Hühner, ein Schock Eier, einen Groschen von einer Sichel, drei Groschen von drei Pflügen, sowie drei Scheffel Korn und drei Scheffel Hafer von Seiferts Gute zuschreiben wollte, gab der Burggraf dazu seine Bestätigung (1362). Burggraf Bernhard starb in hohem Alter gegen das Ende des vierzehnten Jahrhunderts und sein einziger Sohn, Borso, vermählt mit Anna von Heynitz wurde Lehnsherr auf Bischheim; der Grundbesitz aber war damals schon der vom Burggrafen Witzmann gestifteten Hauptlinie der Familie Camenz zuständig. Witzmann, der auf dem Schlosse Camenz sass, starb 1415, zu welcher Zeit ein Theil der Stadt Pulsnitz, Prietitz, Häslich und andere Ortschaften, vielleicht in Folge einer Theilung, dessen ältestem Sohne Heinrich gehörten, Bischheim aber scheint Witzmann diesem schon früher überlassen zu haben da er in einer vom Vater 1415 ausgestellten Urkunde Heinrich von Camenz-Bischheim genannt wird. Dieser Heinrich verkaufte Bischheim mit Bewilligung des Lehnsherrn Borso schon 1420 an einen Vetter, Caspar von Ziegelheim. Durch den Verkauf eines bedeutenden Landstrichs in der Nähe von Lückersdorf und Brauna, die Ohle genannt, kam das Rittergut so herab, dass es kaum die Bedeutung eines Vorwerks behielt, bis im siebzehnten Jahrhundert durch Arealankäufe es zu neuer Grösse heranwuchs. Ritter Caspar von Ziegelheim hatte 1420 die Hälfte der Ohle an die Freibauern oder Potzker zu Lückersdorf verkauft, die andere Hälfte überliess er 1423 drei Bürgern zu Camenz. Gleichwie Borso von Camenz den Käufern die Lehn über die Ohle ertheilte, legirte er auch 1421 unter andern zwei Schock Mariengroschen auf Bischheim zum Besten des Altars zum heiligen Kreuze in Camenz. Der Ritter von Ziegelheim scheint Bischheim an Nikol von Heynitz, einen Sohn der Burggräfin von Camenz aus erster Ehe, verkauft zu haben, denn als dessen Stiefvater Borso 1438 mit Tode abging hatte Nikol bereits die Lehn über das Gut empfangen.

Borso von Camenz war der letzte Burggraf seines Geschlechts, dessen ausgedehnte Afterlehnsherrlichkeit dadurch ihre Endschaft erreichte, indem das Lehnsrecht jetzt dem Landesherrn zufiel. Schon 1432 hatte Borso nicht nur die Burg Camenz nebst allem Zubehör, sondern auch die Anwartschaft auf das bis zu seinem Ableben ihm überlassene Freihaus in der Stadt und den Baumgarten vor derselben der Bürgerschaft zu Camenz für zweihundert Mark verkauft. Nach seinem Tode wurden Nikol von Heynitz nebst den übrigen Vasallen Borsos (am Sonnabend nach Martini 1438) vom Kaiser Albrecht II., als König von Böhmen, mit ihren Besitzungen aufs Neue belehnt, und zwar heisst es in Bezug auf Bischheim in der noch vorhandenen Urkunde „mit Bischofsheim und dem Kirchenlehn, unschädlich Hans Kunaten an seiner Gerechtigkeit die er da hat, mit dem was er in Gelenau besass und mit der Hälfte des langen Holzes“ – Nikol von Heynitz verkaufte 1443 alle seine Gerechtigkeit in Bernbruch an die Stadt Camenz, es ist jedoch nicht zu ermitteln wenn er starb und ob Bischheim sich auf seinen Sohn forterbte. Vielleicht kam das Gut in Besitz seines Sohnes oder Enkels Johann von Heynitz, der 1510 Dorf und Vorwerk Lückersdorf für 780 Gulden kaufte, aber nur kurze Zeit besass. Die einzige noch vorhandene Urkunde aus jener Zeit ist vom Jahre 1459 und behandelt den Verkauf des Weidigts, welches Kunat in Gelenau an Hans Richter in Bischheim veräusserte. Dieses Weidigt, auch Erlicht genannt, gab im Jahr 1508 Veranlassung zu einer langwierigen Streitigkeit, durch welche der Besitzer des Rittergutes Bischheim wiederum gedacht wird.

Im Jahre 1476 erbten die Gebrüder Hans, Nikol, Georg, und Heinrich von Ponikau, nebst ihrem Vetter Jakob von Ponikau, die Städte Pulsnitz und Elstra sammt einundzwanzig Rittergütern. Die Söhne des ältesten dieser Brüder, Hans und Nikol von Ponikau, besassen zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts Elstra, Prietitz, Wohla, Rehnsdorf, Mehrsdorf, Gersdorf und viele andere Güter, darunter auch Bischheim, wegen dessen sie Ansprüche auf das Gelenauer Weidigt erhoben. Der Rath zu Camenz behauptete dagegen das Weidigt sei Eigenthum der Stadt und liess ohne Zögern den Wald niederschlagen und das Holz wegbringen. Längst schon war die wachsende Macht der Städte der Ritterschaft ein Aergerniss und so liess der Landvoigt Sigismund von Wartenberg auf die Klage der Ponikaus sich leicht bestimmen mit einem Reiterhaufen vor die Stadt zu ziehen und Auslieferung der Rathsherren zu verlangen welche die erwähnte Selbsthülfe gefordert hatten. Der Zorn des Landvoigts wurde jedoch bald durch Vermittelung der mächtigen Sechsstadt Budissin besänftigt, Camenz musste dreihundert Gulden zahlen und am Sonnabend nach Oculi 1513 kam ein Vergleich zu Stande der beide streitenden Partheien zufrieden stellte.

Hans von Ponikau, der auf Elstra wohnte war von 1504 bis 1509 Landesältester des Budissiner Kreises, gehörte zu den Edelleuten, welche [51] 1504 sich weigerten den Polnischen Prinzen Sigismund als Landvoigt der Oberlausitz anzuerkennen, weil er kein Böhmischer Herr sei, und wurde später Amtshauptmann. Er starb ohne Nachkommen und ruht in der Klosterkirche zu Camenz vor dem Altar. Sein Bruder Nikol, 1516 Landesältester des Budissiner Kreises, war zuerst mit einem Fräulein von Kalkreuth, dann mit einem Fräulein von Ende vermählt und starb 1540. Durch seine beiden Söhne wurde Nikol von Ponikau Stifter der Oberlausitzischen Linie dieser Familie, während Hans von Ponikau, ein Enkel des obenerwähnten, mit Anna Pflugk aus dem Hause Strehla vermählten Vetters Jakob, die Meissner Linie gründete. Der älteste Sohn Nikols von Ponikau, Wolf, wurde ebenfalls Landesältester des Budissiner Kreises, vermählte sich mit Magdalena von Schönberg aus dem Hause Reichenau und starb am 1. December 1580. Von seinen Kindern besass Hans Fabian die Hälfte von Elstra, Tobias Rammenau, Wolf Frankenthal, und Abraham Kriepitz; Magdalena vermählte sich mit einem Herrn von Nostiz. Der zweite Sohn Nikols, Hans von Ponikau, 1572 Amtshauptmann und Herr auf Königswartha, Bruckwitz, Neschwitz und Döbra hatte zur Gemahlin Barbara von Gablenz aus dem Hause Wendischluppa und starb 1578 zu Prietitz. Die Vormundschaft über die hinterlassenen sechs Kinder führte bis zu deren 1591 erfolgten Mündigkeit die Wittwe mit zwei Beiständen, in welchem Jahre die Güter durch das Loos in Theilung kamen. Der älteste Sohn, Hans Wolf von Ponikau erhielt Prietitz, die Hälfte von Elstra, Baselitz, Hennersdorf, Rehnsdorf, Gersdorf und Bischheim, vermählte sich mit Anna von Bünau aus dem Hause Liebstadt und starb 1617 zu Dresden, wurde aber in Camenz beerdigt, wo sein schönes steinernes Epitaphium noch in der Kirche vorhanden ist. Ein Jahr vor seinem Tode hatte dieser Herr seine Güter, bis auf Baselitz und Hennersdorf für 72000 Thaler an seinen Vetter, Hans Fabian verkauft, einen sehr reichen Mann, dem Elstra mit Rauschwitz, Kindisch, Taschendorf und Bocka, Prietitz mit Mehrsdorf, Rehnsdorf, mit Gersdorf, Wohla, mit Welka, Boderitz, Ossel, Talpenberg und Dohrig, Bischheim und seit 1617 auch Baselitz gehörte. Er war Landesältester des Budissiner Kreises und hat als solcher sich grosse Verdienste erworben. Von 1602 bis 1620 wurde er nicht weniger als elf Mal von den Ständen der Oberlausitz zu wichtigen Sendungen verwendet, und als er von der Deputation, welche beim Friedensschlusse Kaiser Rudolphs II. mit der Türkei und Ungarn (1605) zu Wien anwesend war, zurückkehrte überreichten ihm die Stände eine goldene Halskette mit anhängender Ehrenmedaille. Im Jahre 1608 gehörte Hans Fabian von Ponikau zu der Deputation welche nach Prag gesendet wurde um daselbst Religionsfreiheit für die Oberlausitz zu erbitten; 1611 war er daselbst bei der Kaiserkrönung und 1619 verhandelte er zu Prag mit den Directoren der evangelischen Stände. Später wurde er zum Defensor der Religionsfreiheit ernannt, half an Ferdinands Stelle den Churfürsten Friedrich von der Pfalz zum Böhmischen König wählen, und wohnte 1620 dem Landtage zu Prag als Abgeordneter bei, wo er den König Friedrich zur persönlichen Huldigung nach Budissin einlud. Hiermit hatte Hans Fabian von Ponikaus politische Wirksamkeit ein Ende, denn nach dem Bündnisse Churfürst Johann Georgs I. mit dem Kaiser Ferdinand besetzte Ersterer die Lausitz und nahm auch von Elstra Besitz. Der erbitterte Churfürst hatte nebst zehn andern Ständen der Provinz auch Fabian von Ponikau von der erlassenen Amnestie ausgeschlossen und so musste dieser nach Cottbus flüchten, seinen Amts- und Glaubenseifer mit 20000 Gulden büssen und seine Güter zwei Jahre lang von Carl von Krahe administriren lassen. Nur mit Mühe gelang es seinen Freunden, zwei Herren von Schönberg, ihm Begnadigung zu verschaffen. Seine erste Gemahlin, Magdalena von Lichtenhain, beschenkte ihn mit zehn, seine zweite, Ursula von Klix mit vier Kindern. Fabian von Ponikau starb, zweiundsiebzig Jahre alt am 18. Juni l632 und bei der Gütertheilung empfing Bischheim sein sechster Sohn, Hans Otto.

Bei des Vaters Tode war Hans Otto von Ponikau noch unmündig, deshalb wurde Bischheim von 1633 bis 1642 von seinem Stiefbrüder Hans Wolf und von 1643 bis 1647 von seinem Bruder Caspar verwaltet. Kaum aber hatte Hans Otto von Ponikau die Mündigkeit erlangt, so verkaufte er Bischheim an Hans Friedrich von Ponikau, einen seiner Brüder, und zog auf Niederneukirch am Hochwalde, wo er sich mit Sabine von Grünrod vermählte und 1695 als churfürstlich Sächsischer Kammerherr mit Tode abging. Der neue Besitzer von Bischheim, Hans Friedrich von Ponikau, vermählt mit Maria Anna von Schleinitz aus dem Hause Heyda und Schmölen, erlebte auf dem Gute viel Unglück und Verluste. Im Jahre 1633 bestand nach noch vorhandenen Verzeichnissen das Rittergut Bischheim aus einem Herrenhause mit Zubehör, einer Mahl- und Bretmühle, fünfundzwanzig Maltern Feldland, zweihundertsiebzehn Ackern Holzung, einer Wiese bei Gersdorf, dem Kirchenlehn, Ober- und Untergerichten, Jagdgerechtigkeit, Bach- und Teichnutzung. Zur Oekonomie gehörten fünfundzwanzig Stücken Rindvieh, sechshundert Schafe und neunundzwanzig Pflüge der Bauern, dazu die Frohndienste von zehn Gärtnern und fünf Häuslern, ausserdem mussten die Unterthanen jährlich dreiunddreissig Stück Garn spinnen und beträchtliche Erbzinsen entrichten. Der dreissigjährige Krieg hatte durch Noth und Seuchen den Wohlstand und die Zahl der Einwohner Bischheims dergestalt reduzirt, dass der Rittergutsgutsbesitzer durch unaufhörliche Verluste sich endlich gezwungen sah Bischheim zu verkaufen. Im Jahre 1678 zog Hans Friedrich von Ponikau [52] mit seinen drei Töchtern und dem einzigen Sohne, Caspar Rudolph, nach Liebenau.

Der Käufer Bischheims war Nikolaus von Maxen, churfürstlich Sächsischer Stallmeister, Kammerherr und Herr auf Ober- und Niederjehser, Hennersdorf, Pulsnitz und Ohorn, vermählt mit Justine Eleonore von Werthern und gestorben zu Pulsnitz am 22. Jan. 1712. Von seinen sechs Kindern übernahm Jehser und Bischheim der Königl. Polnische und Churfürstl. Sächsische Kammerherr Friedrich Gottlob von Maxen, der seinen Brüdern durch Vergleich 26000 Thaler herauszahlte. Er hat ungemein viel für die hiesige Kirche und Pfarre gethan, und überhaupt ein gesegnetes Andenken hinterlassen. Seine Gemahlin war Charlotte Sophie Pflugk aus dem Hause Strehla, die Wittwe eines Herrn von Schleinitz auf Zottewitz, Blattersleben und Golsche, die ihm jedoch keine Kinder gebar. Nach seinem 1751 zu Dresden erfolgten Tode wurde die Leiche nach Bischheim gebracht und vor dem Altare beigesetzt. In dem Testamente hatte der sel. Kammerherr seiner Gemahlin für ihre sämmtlichen Anforderungen aus der 1749 abgeschlossenen Ehesliftung dreitausend Thaler ausgesetzt, seine beiden Stieftöchter aber mit Legaten bedacht. Die männlichen Descendenten seines Bruders Johann Georg auf Pulsnitz erhielten das festgesetzte Lehnsquantum von funfzehnhundert Thalern, Bischheim aber seine Vettern Johann Georg und Johann Niklas von Maxen, die es jedoeh schon 1752 an ihre Muhme Charlotte Sophie von Schleinitz, des Erblassers Stieftochter, verkauften, die sich ein Jahr darauf mit dem Obersten der Garde du Corps Balthasar Erdmann von der Heydte vermählte. Sie starb vier Jahre nach ihrem Gemahl am 28. Juni 1784, und hinterliess den Ruf einer frommen wohlthätigen Dame, deren Testamentsbestimmungen noch heute manche Dankesthräne erwecken. Das Gut hatte sie bald nach dem Tode des Gemahls einem Neffen, Wilhelm Sigismund Julius Pflugk auf Strehla, Trebnitz und Zschepa, Churfürstl. Sächsischen Kammerherrn zugeeignet der 1802 im vierundsechszigsten Jahre zu Strehla verschied, nachdem Bischheim bereits am 29. November 1797 durch Kauf an seine zweite Gemahlin Justine Luise Henriette geborene von Carlowitz gekommen war, die sich 1806 mit Herrn Wilhelm Eberhard Ferdinand Pflugk auf Strehla, Grossherzogl. Sächsischen Kammerherrn und Senior des Pflugk’schen Geschlechts vermählte.

Die Kirche zu Bischheim, in die auch das angrenzende Dorf Häslich eingepfarrt ist, wurde auf Bischof Witigos Veranlassung auf dem höchstgelegenen Punkte des Ortes erbaut, wo man wahrscheinlich ein dort befindliches Bauerngut abtrug und dessen Areal zur Pfarre schlug, ein nahes Gehöfte aber zur Wohnung des Geistlichen aquirirte. Die älteste Kirche erlag der Wuth des hussitischen Gesindels bei der Erstürmung und Vernichtung der unglücklichen Stadt Camenz und erst gegen Ende des funfzehnten Jahrhunderts baute man das zerstörte Gotteshaus mit Benutzung der stehengebliehenen alten festen Mauern wieder auf. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war jedoch nicht nur die Kirche, sondern auch der Thurm so schadhaft geworden, dass man zu einer Hauptreparatur schreiten musste, wozu ein Theil der Kosten durch eine Collecte herbeigeschafft wurde. Als nun aber im Jahre 1803 Bauverständige eine zweite Reparatur der Kirche für unmöglich erklärten, musste ein Neubau vorgenommen werden, der im nächsten Jahre soweit gediehen war, dass am 18. November 1804 das neue Gotteshaus eingeweiht werden konnte. Sämmtliche Baukosten betrugen 3775 Thaler 22 Gr. 8 Pf.

O. Moser.






Giessmannsdorf.


Giessmannsdorf, ein stattlicher Ort mit einem schönen Schlosse, liegt am Ufer der Neisse, eine Stunde von Zittau, eine Viertelstunde von Hirschfelde und eine halbe Stunde von Reibersdorf in höchst angenehmer Gegend auf einer Anhöhe die herrliche Aussichten auf die Lausitzer Gebirge und eine Unzahl Ortschaften bietet. Das Dorf besteht aus achtundfunfzig Häusern mit fast dreihundert Einwohnern, darunter funfzehn Gärtner und neunzehn Häusler befindlich sind. Die Hauptnahrungszweige der Bewohner Giessmannsdorfs sind Ackerbau, Viehzucht und Leinweberei.

Das Rittergut Giessmannsdorf ist ein uraltes Stammhaus der Familie von Kyaw, deren Ahnherrn König Wenzeslaus im Jahre 1303 mit aus Polen nach Zittau gebracht und ihm Giessmannsdorf und Friedersdorf geschenkt haben soll. Ob die ersten Besitzer des Gutes schon Vasallen [53] der Herrschaft Seidenberg gewesen sind, lässt sich nicht erweisen, in der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts aber waren sie es, wie die vorhandenen Lehnsbriefe und die Landesverweisung eines Seidenbergischen Unterthanen es bestätigen. Obergerichtliche Handlungen standen erstlich dem Amte zu Seidenberg, später dem der Böhmischen Herrschaft Friedland zu und von der Zeit an wo die Standesherrschaft Seidenberg durch die Sächsische Regierung sequestrirt wurde, fanden dieselben in Reibersdorf statt, doch blieb Seidenberg immer der Ort wo die gesprochenen Urtheile zur Vollstreckung kamen. Ein Besitzer Giessmannsdorfs, Johann Wilhelm von Kyaw, hatte bereits im Jahre 1701 bei der verwittweten Obersthofmeisterin von Einsiedel auf Reibersdorf um die Befreiung von der Vasallenschaft nachgesucht, jedoch ohne Erfolg; erst 1750 gelang es dem damaligen Herrn auf Giessmannsdorf, Johann Ernst von Kyaw, den Reichsgrafen und Hofmarschall von Einsiedel gegen eine Zahlung von 8000 Thalern dahin zu bringen, dass er ihn mit seinen Gütern Oberullersdorf, Sommerau, Giessmannsdorf und dem Giessmanndorf’schen Antheil von Friedersdorf von der Lehnsverbindung mit Seidenberg frei und ledig sprach. Nach dieser Trennung trugen die vier Güter in hochnothpeinlichen Angelegenheiten gleiche Lasten und der Ort wo die Urtheile vollstreckt wurden war Oberullersdorf.

Einer der ältesten bekannten Besitzer Giessmannsdorfs ist Heinrich von Kyaw, der auch Hirschfelde, Oderwitz, Reibersdorf und Markersdorf besass und von 1395 bis 1460 lebte. Ihm folgte Adam von Kyaw auf Hirschfelde, Reichenau, Rosenthal und Giessmannsdorf, der 1488 mit Tode abging und zum Nachfolger Joachim von Kyaw hatte, dem auch Friedersdorf, Rosenthal und Seitgendorf gehörte. Wilrich von Kyaw erhielt die väterlichen Güter 1583, starb aber schon am 18. November 1599 und wurde wegen der furchtbaren Pest, die damals in der Gegend herrschte, nicht in die Kirche des inficirten Ortes Friedersdorf, wo die Seuche in kurzer Zeit hundertneunzig Menschen tödtete, sondern nach Türchau beerdigt. Giessmannsdorf blieb von der Seuche verschont und weil Friedersdorf von den Nachbarorten gänzlich abgeschlossen war, musste der Pfarrer zu Türchau in einem Saale des Giessmannsdorfer Schlosses den Gottesdienst verrichten. Nach Wilrichs von Kyaw Tode kam Giessmannsdorf an dessen unmündige Söhne Wilrich, Ernst und Joachim, die bis 1608 unter Vormundschaft ihrer Mutter, Joachims von Kyaw, Christophs von Kyaw, Melchiors von Wunss und Hansens von Nostiz standen, alsdann die Güter einige Jahre gemeinschaftlich besassen und sie endlich dem ältesten Bruder Wilrich überliessen, dem 1615 für das Gut 10050 Thaler geboten wurden. Wilrich verschied am 18. Februar 1633 und Friedersdorf mit Giessmannsdorf wurden Eigenthum seiner beiden Söhne Joachim Ernst und Georg Adam von Kyaw, die beide Güter gemeinschaftlich bis 1638 verwalteten, wo am 1. März der jüngere Bruder starb. Joachim Ernst hatte 1658 die Absicht, Giessmannsdorf an Otto von Rumburg zu verkaufen, der Handel zerschlug sich aber und im Jahre 1667 verpachtete er Giessmannsdorf mit einem Antheile von Friedersdorf an seinen ältesten Sohn Johann Wilhelm, den anderen Theil von Friedersdorf aber an den zweiten Sohn Joachim Ernst. Joachim Ernst, der Vater, starb am 31. Juli 1670. Am 17. April 1668 gab der damalige Standesherr von Seidenberg seine Einwilligung zu der getroffenen brüderlichen Theilung, wodurch der Grund zu einer neuen Linie, Kyaw-Friedersdorf, gelegt wurde. Nach des Vaters Tode trat Johann Wilhelm von Kyaw, königlich Dänischer Rittmeister, als völliger Erbe in die Güter ein, unter dessen Herrschaft durch Verwahrlosung des Brauers Mehlreis eine Feuersbrunst auskam die ausser dem Schlosse und den Hofgebäuden auch vierzehn Häuser des Dorfes verzehrte. Bei diesem Unglücksfalle gingen die meisten auf den Ort bezüglichen Urkunden verloren, auch verbrannte dabei die zweijährige Tochter des Rittergutsbesitzers, Helene Adelgunde, deren Ueberreste man erst am nächsten Tage aus dem Schutte hervorzog. Das Feuer griff mit solcher Schnelligkeit um sich, dass die nachmalige Oberstin von Kanitz, des Rittmeisters Schwester, nichts retten konnte als – zwei Heerpauken ihres Bruders – welche sie später der neuerbauten Kirche zu Hennersdorf schenkte. Für die verunglückten Unterthanen setzte man den 2. Mai in Zittau und nachher auch an anderen Orten Becken vor den Kirchthüren aus, den Sonntag Jubilate aber feierte man bis zum Jahre 1745 als Brandfest. Von den älteren Hofgebäuden blieb nichts übrig als das 1680 erbaute hohe Rondel. Der Rittmeister Johann Wilhelm von Kyaw baute das noch jetzt stehende Schloss, nicht weit von der Stätte auf der das alte stand, und liess über dem Eingange die Inschrift anbringen: „Dieses Haus ward von Grund aus nebst der Hofrehte erbauet 1694 von Tit. Herrn Johann Wilhelm von Kyaw, Herrn über Giessmannsdorf und Friedersdorf, Rittmeister. Nachdem er 1682 Sonntag Jubilate durch eine entstandene Feuersbrunst im Mälzhause jämmerlich abgebrannt und alle das Seine nebst einem Töchterlein verloren“. Das neue schöne, fünf Etagen hohe Schloss enthielt zwei Gefängnisse, von denen eines der Storch genannt wurde. –

Der Rittmeister von Kyaw starb am 10. Januar 1709 und nach testamentarischer Verordnung erhielt die Güter seine Wittwe Johanne Sophie geborne von Ziegler und Klipphausen mit der Bedingung, dass bei der Mündigkeitserklärung ihrer zwei Söhne Rudolph Wilhelm und Johann Ernst diese um die Güter losen sollten. Im Jahre 1719 erreichte der jüngere Bruder sein einundzwanzigstes Jahr; die Mutter, welche für den jährlichen Pacht tausend Thaler gezahlt, Tratlau nebst dem Kirchlehn zu Nida und einen Theil von Reutnitz gekauft hatte, war jedoch schon 1717 mit Tode abgegangen, worauf der ältere Bruder die Vormundschaft des jüngeren übernahm, 1718 mit ihm auf Reisen ging und 1719 zurückkehrte. In diesem Jahre geschah die Theilung der Güter, wobei Tratlau Reutnitz und Nida an Rudolph Wilhelm, Giessmannsdorf und Friedersdorf aber an Johann Ernst von Kyaw gelangten, welcher Letztere am 24. März 1751 mit Tode abging und eine einzige Tochter Friederike Wilhelmine Charlotte hinterliess, die sich 1768 mit ihrem Vetter Ernst August Rudolph von Kyaw vermählte. Dieser Herr verkaufte Giessmannsdorf 1790 an den Amtshauptmann von Eicke für 77500 Thaler und dieser veräusserte das Gut wiederum an den Kaufmann Grusche aus Reichenau, welcher es kein volles Jahr besass, sondern dem Standesherrn auf Reibersdorf[WS 1] Georg Grafen von Einsiedel überliess. Im Jahre 1832 verkaufte [54] der Graf das Gut an die Herren Gottfried Bischof und Sohn in Reichenau für 55000 Thaler nach deren Tode es dem einzigen Sohne des Letzteren, dem jetzigen Besitzer, Herrn Johann Gottfried Bischof als Erbgut zufiel. – Zu dem Rittergute Giessmannsdorf nebst Antheil von Friedersdorf gehören 600 Scheffel Areal mit 6220 Einheiten, nämlich 420 Scheffel pfluggängiges Land, 90 Scheffel gute Neissenwiesen und 90 Scheffel Waldung und Teiche, auch befindet sich hier ein Braunkohlenwerk von ca. 400 Scheffeln Fläche, eine Kalkbrennerei, Ziegelbrennerei und Brauerei. Das lebende Inventarium besteht aus 14 Pferden, 6 Zugochsen, 30 Kühen, 30 Stücken Zugvieh und 400 Schafen. – In einem Zimmer des Schlosses befindet sich ein altes, schönes wohlerhaltenes Deckengemälde.

Giessmannsdorf ist in die Kirche zu Friedersdorf eingepfarrt, welche auf einer Anhöhe liegt und weithin sichtbar ist. In frühester Zeit stand hier eine Kapelle in welcher Geistliche aus dem nahen Zittau die gottesdienstlichen Verrichtungen besorgten, bis die Kirche 1507 ihren eigenen Pfarrherrn erhielt, der Paul Knoloch hiess. Als im Jahre 1645 schwedische Einquartirung in Friedersdorf lag, entstand durch Fahrlässigkeit der Soldaten eine Feuersbrunst welche auch die Kirche sammt der Pfarre und Schule in Asche legte, doch konnte im nächsten Jahre in dem hergestellten Gotteshause bereits wieder Gottesdienst gehalten werden. Am 2. Juni 1809 traf den Thurm der Kirche ein Wetterschlag, in Folge dessen eine bedeutende Reparatur vorgenommen werden musste, und 1835 fand eine Erweiterung der Kirche statt, indem auf höhere Anordnung die kleine Nachbargemeinde Zittel hier eingepfarrt wurde. – Das Collaturrecht über Kirche und Schule zu Friedersdorf steht dem Standesherrn auf Reibersdorf zu.

Im Jahre 1695 wurde hier eine Türkin getauft. Dieselbe hatte Herr Piltzer, des Kammerprokurators Hartranft Stiefsohn, ein Bautzener, als Beute aus Ofen in Ungarn mitgebracht und dem Rittmeister von Kyaw auf Giessmannsdorf geschenkt. Sie war die Frau eines Janitscharen, Namens Hassan, und gebar bald nach ihrer Ankunft in Giessmannsdorf einen jungen Türken, der in der Taufe den Namen Christian Gottlob Türke empfing, siebzehn Pathen hatte und am 7. Februar 1690 auf dem Giessmannsdorfer Schlosse starb. Am 5. Mai 1691 gebar die Türkin eine uneheliche Tochter, die ebenfalls die Taufe erhielt und allgemein Türkenrosine genannt wurde, 1761 starb und eine zahlreiche Nachkommenschaft hinterliess. Ihre Mutter empfing die Taufe erst am 22. Juni 1695 und wurde Christine Hassanin genannt, das ganze Dorf aber hiess sie nur die Türkenchristel. Sie hatte dreizehn adelige Taufzeugen, weil ihr Tauftag auf den Jahrestag der Vermählung des Rittmeisters fiel. Die Türkenchristel starb als Christin und brave Hausfrau am 14. Juli 1720.

O. M.





Skasska.


Skasska, in Urkunden auch Sckaska und Skasko genannt, ist eine altwendische Niederlassung deren Namen „ein Gässchen“ (Haska) bedeuten soll. Der Ort liegt am linken Ufer der Elster und der Rocknitz, die hier das schwarze Wasser oder schwarze Fliess heisst, von Biela herabkommt, die dortigen und einige Weissiger Teiche mit Wasser versorgt, in Weissig einigen Zufluss empfängt, weiter hinab wieder etliche Lisker Teiche speist, an der Grenze von Skasska Döbra und Lieske das von letzterem Orte herkommende Bächlein aufnimmt und nach einem Laufe von zwei Stunden sich mit der Elster vereinigt. Kaum eine Viertelstunde von Skasska, das genau zwischen Camenz und Wittichenau gelegen ist, befindet sich die Preussische Grenze. Das Dorf zählt vierundzwanzig Häuser mit etwa hundertsechszig Einwohnern, darunter vier Bauergutsbesitzer.

Das Rittergut Skasska war bis zum Ende des siebzehnten Jahrhunderts immer mit dem nahegelegenen Döbra vereinigt. Es hat ein schönes geräumiges Schloss, treffliche Wirthschaftsgebäude, einen in französischem Geschmack angelegten und mit Wasserkünsten gezierten Garten und ein Areal von einhundertfunfzig Ackern trefflichen Feld- und Wiesenbodens. Das lebende Inventarium besteht aus vier Pferden und vierzig Stücken Rindvieh. – Als im Jahre 1716 die Rittergüter Lieske, Ossling, Döbra mit Trado und Skasska mit Liebegast zusammen gehörten, wozu später auch noch Milstrich kam, wohnten die Besitzer immer auf dem Skasskaer Schlosse, wo damals auch eine Fasanerie und ein Weinberg, der erst vor etwa dreissig Jahren einging, sich befanden. Zum Rittergute gehört eine Mahl- und Oelmühle mit Hirsestampfen.

Ritter Wilwich von Gusk, der 1383 der Stadt Camenz ein Stück Wald verkaufte, ist der älteste bekannte Besitzer des Gutes Skasska. Zwar wird schon im Jahre 1272 in einer Streitsache der Ritter Gottfried von Gusigk als Schiedsmann genannt, es ist jedoch von ihm nicht erwiesen,

[55] dass er Herr des hiesigen Schlosses war. Im funfzehnten Jahrhundert gehörte Skasska den Herren von der Duba, die schon 1215 in hiesiger Gegend ansässig waren und mit der Stadt Camenz in häufiger Fehde lebten. Heinrich von der Duba schenkte 1432 dem Pfarrer und Schulmeister zu Ossling eine Quantität Holz, und da er auch Hoyerswerde besass, erhielten die Einwohner des Dorfes Skasska freies Streurechen und einiges Holz, sowie das Rittergut jährlich ein Gefälle von mehreren Stämmen Bauholz, welches Privilegium die Rittergutsbesitzer bisweilen landesherrlich bestätigen liessen (das letzte Mal vom Churfürsten Johann Georg II. am 21. December 1668) in neuerer Zeit aber nicht mehr berücksichtigten. Im Jahre 1480 gehörte Skasska mit Döbra Barthel Rober, (Rauber) dessen Vater, Nikol Rauber, 1438 auch Petershain besass. Mit dem Anfange des sechszehnten Jahrhunderts kamen die beiden Rittergüter an die damals reichbegüterte Familie von Ponikau, aus der Hans von Ponikau 1570 auch Weissig besass und die drei Güter um 1590 an seinen Sohn Hans vererbte. Dieser starb 1625 und hinterliess Skasska seinem Sohne Hans Otto von Ponikau, der jedoch das Gut sehr bald an den churfürstlich Sächsischen Obristen und Commandanten der Festung Senftenberg, Johann Friedrich von Knoch, verkaufte, welcher der Kirche zu Ossling 1646 einen neuen Altar schenkte. Ob vor dem Obersten von Knoch Balthasar von Gersdorf kurze Zeit Skasska besass, ist nicht erwiesen, denn die Umschrift einer Uhrglocke auf dem Thurme des Schlosses: „Balthasar von Gersdorf, Oberstwachtmeister, Maria Sophia geb. Keyin 1643“ ist insofern nicht massgebend, als ein späterer Besitzer des Schlosses die Glocke aus einem Gersdorfschen Besitzthum an sich gebracht haben kann. Der Oberst von Knoch verkaufte Skasska 1651 an Hans Christoph von Ponikau, welcher es wieder dem churfürstlich Sächsischen Berg- und Kammerrath Ehrenfried von Klemm überliess. Johann Christian von Klemm, des Kammerraths Sohn, starb am 13. Februar 1713 zu Döbra, Skasska aber mit Trado und Liebegast hatte der andere Sohn August von Klemm geerbt, der das Hauptgebäude des hiesigen Schlosses aufführen liess. Am 28. September 1716 verkaufte August von Klemm Skasska für 32000 Thaler an die verwittwete Oberküchenmeisterin Sophie Eleonore von Haugwitz, geborne von Klengel, die sich später mit dem Freiherrn von Seyffertitz vermählte, und durch Rescript vom 16. Juni 1717 am 29. November desselben Jahres mit Skasska, das indessen allodificirt worden war, belehnt wurde. Nach dreizehnjährigem Besitz überliess die bisherige Besitzerin das Rittergut Skasska dem bekannten Sächsischen Kabinetsminister und Geheimerathe Carl Heinrich Reichsgrafen von Hoym, Herrn auf Schlaventitz, Dürrenhennersdorf, Althammer, Putzkau, Neusalza, Spremberg, Schönbach und Laube, der in demselben Jahre auch Lieske mit Ossling, Döbra mit Trado und Milstrich an sich brachte. Dieser Minister hatte das Unglück sich die Ungnade seines Königs zuzuziehen, namentlich wurde ihm, ausser vielen anderen Vergehen, vorgeworfen, dass er sich bedeutende Willkührlichkeiten mit Staatsgeldern erlaubt habe. Noch befindet sich im Archive zu Skasska der Kabinetsbefehl des Königs August, datirt Königsburg am 27. März 1731, welcher dem Minister die höchste Ungnade verkündete und ihn nöthigte sämmtliche Güter zu verkaufen, damit durch die auferlegte Zahlung von 100000 Thalern, zahlbar halb zur Michaelismesse 1731 und halb zur Neujahrmesse 1732 an die Generalacciskasse zu Leipzig, ein Theil der Verluste gedeckt werde, die er durch üble Verwaltung verursacht haben sollte. Der bedrängte Mann verkaufte 1731 die sämmtlichen hiesigen Güter für 111975 Thaler an seine Schwester Rahel Charlotte verwittwete Gräfin von Vitzthum-Eckstädt, deren Gemahl Kabinetsminister und Oberkammerherr gewesen war, und wohnte mehrere Jahre auf dem Skasskaer Schlosse, da die Gräfin ihm den Niessbrauch der Güter gegen ein Aversionalquantum von jährlich 5638 Thalern 18 Groschen überliess. Der Graf von Hoym hatte bei der gerichtlichen Untersuchung alle gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen eingestanden und an die Gnade des Königs appellirt, die ihm auch bald zu Theil wurde. Im Archive zu Skasska verwahrt man noch im Original das Abolitionsdecret, datirt Dresden am 18. Juni 1731, welches dem skandalösen Prozesse ein Ende machte.

Die Gräfin von Vitzthum starb am 17. März 1753 und ihr Sohn Ludwig Siegfried trat in den Besitz der Güter Skasska, Lieske, Milstrich und Döbra. Er war königl. Polnischer und churfürstlich Sächsischer Geheimerath, Oberkammerherr und bevollmächtigter Minister am Wiener Hofe, Ritter des Andreas- und Alexander-Newski-Ordens, baute an das[WS 2] Schloss zu Skasska die beiden Flügel und hielt sich oft mit zahlreicher[WS 3] Dienerschaft hier auf. Als er den 5. December 1777 mit Tode abgegangen erbten sämmtliche Güter seine drei Söhne, verkauften dieselben aber 1791 an Andreas von Ludwig für 130000 Thaler mit Einschluss der Otterschütz, die später für 12000 Thaler wieder von den Gütern abkam. Nach dem am 27. Januar 1796 erfolgten Tode dieses Besitzers besassen die nachgelassenen drei Söhne das väterliche Erbe mehrere Jahre gemeinschaftlich, bis im Jahre 1801 Skasska mit Liebegast an Carl Friedrich von Ludwig gelangte, welcher Skasska am 24. September 1812 an Adam Wilhelm von Meder verkaufte, der 1832 zu Lindenau bei Leipzig starb, nachdem er schon 1817 das Gut an Friedrich Wilhelm Seebe veräussert hatte. Später gehörte Skasska dem Oberleutnant Klette, nachher dessen Sohne G. Klette, von welchem es 1848 in Besitz des jetzigen Eigenthümers Herrn F. H. von Damnitz kam. –

Auf der Grenze zwischen Ossling und Skasska befindet sich in der Richtung von Norden nach Süden eine ziemlich bedeutende Höhe, welche eine weitumfassende reizende Aussicht gewährt. Eine Volkssage behauptet, dass von diesem Berge ein unterirdischer Gang in das alte Schloss zu Skasska geführt habe, wovon jedoch beim Neubau des jetzigen Edelsitzes keine Spur gefunden wurde. Die zu dem Rittergute gehörige Waldung besteht hauptsächlich aus Nadelholz. – Skasska ist mit Ossling, Lieske (Ljesk), Milstrich, (Jitrow), Döbra, (Debrezy), Trado, (Tradow), Weissig (Wossokej) und Zeissholz (Czissow) in die Kirche zu Ossling eingepfarrt über die dem Rittergute Lieske die Collatur zusteht. Ursprünglich dem Apostel Petrus geweiht stand das Gotteshaus in frühester Zeit unter dem Erzpriester zu Camenz, war später Filial von Wittichenau und erhielt 1434 einen eigenen Pfarrer. Bischof Johann IV. von Meissen (Johann Hoffmann) der 1409 als Rector der Universität Prag mit nach [56] Leipzig auswanderte, verlieh der Kirche zu Ossling, die er besonders protegirte, einen vierzigtägigen Ablass. Im Jahre 1803 sah man sich genöthigt einen Neubau der Kirche vorzunehmen, welcher 1805 zu Ende geführt wurde. Die Kirche ist ein schönes massives Gebäude mit eingebautem Thurme, auf dem Glocken vom Jahre 1417 hängen; der Altar ist wie schon bemerkt ein Geschenk des Obersten von Knoch und enthält hübsche Schnitzarbeit Caspar Rolle, ein hiesiger Pfarrherr, fand im Jahre 1793 ein merkwürdiges Ende, indem er beim Durchgehen der Pferde aus dem Wagen stürzte und das Genik brach.

O. M.






Leichnam.


Leichnam liegt drei Stunden von Budissin und eine starke Stunde von der Preussischen Grenze am rechten Ufer der Spree und heisst eigentlich „Leichen“ wendisch Lichan, welches Wort soviel als „Holzgehau oder Roda“ bedeutet. Im Orte befinden sich ein starkes Rittergut, sechs Gärtner, einundzwanzig Häusler, eine Schmiede und eine Schenke. Die Einwohnerschaft besteht aus etwa zweihundertdreissig Personen.

Die frühesten Besitzer Leichnams waren die Herren von Schreibersdorf denen im fünfzehnten Jahrhundert auch Klix gehörte, wie denn dieses Rittergut späterhin oft mit Leichnam combinirt war. Die Familie von Nostiz erlangte den Besitz des hiesigen Gutes um das Jahr 1563, nachdem es eine Zeit lang ein Herr von Gersdorf besessen hatte. Von den Nostizen kam Leichnam 1629 an Hans Wolfram von Schönberg dessen Sohn Hans Wolf von Schönberg es 1647 besass. Wolf Heinrich von Schönberg überliess das Gut um 1685 Caspar Christoph von Nostiz der 1709 als königl. Polnischer und churfürstl. Sächsischer Rath sowie Oberamtshauptmann der Oberlausitz auf dem Schlosse zu Leichnam mit Tode abging und in der Kirche zu Klix begraben liegt. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts gehörte Leichnam der Gräfin Agnes Sophie von Reuss, einer gebornen Gräfin von Promnitz, die das Gut ihrem Gemahl Heinrich XXVIII. jüngeren Grafen Reuss auf Plauen, hinterliess, dessen Sohn es noch 1826 besass. Der jetzige Besitzer Leichnams ist Herr R. F. Th. von Watzdorf. – Zu dem Rittergute gehört starke Fischerei, Ziegelei und eine im Preussischen gelegene Haide.

Leichnam ist mit Klix, Salga, Särchen, Göbeln, Kauppa, Jetscheba, Kommerau, Neudorf, Ruhethal, Halbendorf, Geisslitz, Brehmen, Zschillchau, Lieska, und Sdier in die Kirche zu Klix eingepfarrt, über welche den Besitzern der Rittergüter zu Klix und Leichnam das Collaturrecht zusteht. Die Kirche ist sehr alt und scheint im Jahre 1597 eine Reparatur erfahren zu haben, wenigstens befindet sich diese Jahreszahl an der Decke. Nach einer von Caspar Hans von Nostiz eigenhändig geschriebenen und im Thurmknopfe niedergelegten Handschrift vom Jahre 1702 wurde die Kirche damals um dreizehn Ellen verlängert, auch das Pfarrhaus, welches 1692 durch Unvorsichtigkeit einer Magd abgebrannt war, wieder aufgebaut und ein neuer Thurm errichtet, dessen Knopf der Sturm am 18. December 1833 herabwarf. Der hier befindliche Altar soll früher in der Sophienkirche zu Dresden gestanden haben und 1702 der Kirche zu Klix geschenkt worden sein. Die Kirche besitzt mehrere Monumente, von denen die Caspar Christophs von Nostiz und des 1725 verstorbenen Christoph Friedrich Grafen von Gersdorf auf Klix die vorzüglichsten sind. Der höchste Punkt der hiesigen Gegend ist der Sdiersche Berg, welcher ein reiche Aussicht gewährt.

G.


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Bischheim
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Giessmannsdorf
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Skasska
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Leichnam

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Reibers-bersdorf
  2. Vorlage: dar
  3. Vorlage: zahlreiches
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