Alles per Dampf (1863)
Per Dampf! das ist das Losungswort,
Wonach jetzt alles strebt.
Man zersprenget Fels und Erde,
Damit neues Leben werde
In jedem Rattennest.
Selbst Greiz das will jetzt bauen
Nach Neumark Sachsen Eisenbahn;
Und in Chemnitz auf dem Pflaster
Dampfet stolz wie ein Dreimaster
Der Straßendrache hin.
Nach Annaberg da bauen wir
Jetzt eine Eisenbahn.
Teufelmäßig sind die Berge,
Quälen Pferde, Ochsenzwerge.
„Gut Heil“ der neuen Bahn.
Sie endet im Gebirge Noth
Um manchen Bissen Brot,
Statt Kartoffeln, Heeringsbrühe,
Die erwirbt man nur mit Mühe,
Hat Jeder Braten bald.
Schon in dem alten Babylon
Gab’s bei dem Thurmbau Streit;
Viele haderten ums Regiment,
Wurden zornig und impertinent,
Schlugen selbst mit Fäusten drein.
Bei uns da ist es umgekehrt,
Weil sich Jedweder fügt.
Alle wollen Geld verdienen,
Gleichen fleiß’gen Arbeitsbienen,
Artig, folgsam auf das Wort.
Das Mauerwerk geht seinen Gang
Selbst wenn der Meister fehlt krank.
Wie der Biber Uferbauten
Klatschet mit dem Schaufelschwanze,
Baut Instinct die Bahne fort.
Kommt ja ’ne kleine Holzerei
Im Himmelsmühlgrund vor,
So ist’s Uebung nur der Glieder,
Wollen her verpflanzen wieder
Den röm’schen Ringekampf.
Per Dampf! eilt bald einstdas Bundescorps
Nach Schleswig-Holstein hin.
Deutscher Michel! laß das Zaudern,
Ende, Diplomatenplaudern!
Schlagt doch mit Keulen d’rein!
Ein „Vivat hoch“ der Eisenbahn
Im schönen Zschopauthal.
Allen Kräften, die hier schaffen,
Allen Händen, die dort raffen,
Ertön’ ein Lebehoch!
Unternehmer.