Als sie zur Mittagszeit noch schlief

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Autor: Klabund
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Titel: Als sie zur Mittagszeit noch schlief
Untertitel:
aus: Die Harfenjule
S. 50
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1927
Verlag: Die Schmiede
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Als sie zur Mittagszeit noch schlief.

Zwar es ist schon Mittagszeit, Sonne steht schon hell am Himmel – in den Straßen: welch Gewimmel, in den Herzen: welches Leid – manches Segel bauscht der Wind, mancher Kutter bleibt im Hafen – du sollst schlafen, du sollst schlafen, du sollst schlafen, liebes Kind.

Siebzigmal littst du Haitang, fünfzigmal starbst du Johanna – schmecktest Süßigkeit und Manna, wenn der Quell der Qualen sprang. Süßes, junges Blut – es rinnt – Küsse, Dolche flammten, trafen – du sollst schlafen, du sollst schlafen, du sollst schlafen, liebes Kind.

Einmal endet sich das Spiel, einmal endet sich das Grausen, und die Ewigkeit wird kühl dir um Brust und Schläfen sausen. Sand deckt dich wie Wolle lind, und der Hirte bläst den Schafen – du sollst schlafen, du sollst schlafen, du sollst schlafen, liebes Kind.



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Als sie zur Mittagszeit noch schlief.


Zwar es ist schon Mittagszeit,
Sonne steht schon hell am Himmel –
In den Straßen: welch Gewimmel,
In den Herzen: welches Leid –

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Manches Segel bauscht der Wind,

Mancher Kutter bleibt im Hafen –
Du sollst schlafen,
Du sollst schlafen,
Du sollst schlafen, liebes Kind.

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Siebzigmal littst du Haitang,

Fünfzigmal starbst du Johanna –
Schmecktest Süßigkeit und Manna,
Wenn der Quell der Qualen sprang.
Süßes, junges Blut – es rinnt –

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Küsse, Dolche flammten, trafen –

Du sollst schlafen,
Du sollst schlafen,
Du sollst schlafen, liebes Kind.

Einmal endet sich das Spiel,

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Einmal endet sich das Grausen,

Und die Ewigkeit wird kühl
Dir um Brust und Schläfen sausen.
Sand deckt dich wie Wolle lind,
Und der Hirte bläst den Schafen –

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Du sollst schlafen,

Du sollst schlafen,
Du sollst schlafen, liebes Kind.