Altdeutsche Kunst

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Textdaten
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Autor: –t.
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Titel: Altdeutsche Kunst
Untertitel:
aus: Wünschelruthe - Ein Zeitblatt. Nr. 6, S. 21f.
Herausgeber: Heinrich Straube und Johann Peter von Hornthal
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Vandenhoeck und Ruprecht
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Erscheinungsort: Göttingen
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Quelle: Scans auf Commons
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Altdeutsche Kunst.


Wir eilen unseren Lesern eine kunstgeschichtliche Nachricht mitzutheilen, die noch sehr wenig bekannt und vielleicht von großer Wichtigkeit seyn dürfte. Ein Kunstfreund und Kenner, der in vielfältigen Fällen den größten Scharfblick bei der Untersuchung altdeutscher Bilder gezeigt hat, fand vor einiger Zeit bei einem Bilderhändler unter mancherlei Wust unbedeutender Sachen zwei kleine Gemälde, (wir wissen die darauf vorgestellten Gegenstände nicht genau anzugeben,) augenscheinlich von dem Meister des Cöllner Dombildes, mit derselben Alterthümlichkeit in Composition und Stellungen, derselben, mehr aus der Idee des Künstlers als aus der Natur geschöpften Allgemeinheit der Gesichtszüge und des Ausdrucks, derselben weichen Rundung der Formen, Verlorenheit der Umrisse, sanften und hellen, aber blühenden Farbengebung; kurz so daß jener große Meister gar nicht zu verkennen ist, indem man nur auf diesen kleinen Bildern eine ungeübtere Hand wahrnimmt, sie also aus einer frühern Periode des Künstlers seyn möchten. Diese Bilder nun sind mit der unverkennbaren Originaljahrzahl 1447. bezeichnet; ein Name des Meisters ist nicht darauf zu entdecken. Wenn sich dieß Alles bestätigt, so wird dadurch das ganze System der alten niederdeutschen Kunstgeschichte verändert, welches geistreiche Männer aus der Vergleichung mir dem Gange der bildenden Kunst zu allen Zeiten und bei allen Völkern, nach einer wie es schien höchst treffenden Analogie, und zugleich aus vielen sehr auffallend damit zusammenstimmenden historischen Notizen ausgestellt hatten, wie es sich großentheils in Göthes Kunst und Alterthum am Rhein und Mayn, Heft 1. und andern darüber erschienenen Schriften ausspricht. Wir gestehen daß wir die Zeichen MNOX die sich auf den Außenseiten der Flügel des Dombildes befinden, und die man seit der scharfsinnigen Abhandlung des Hrn. Prof. Wallraff im [22] Taschenbuch für Freunde altdeutscher Zeit und Kunst (Cölln 1816) ziemlich allgemein für die Jahrzahl 1410 hielt, niemals recht für eine Jahrzahl angesehen haben, schon wegen ihrer sonderbaren Stellung auf dem Gemälde, und noch mehr weil sich, so viel wir wissen, von einem solchen Amalgama römischer und arabischer Zahlen sonst keine Spur findet. Nun muß uns aber der Meister des Dombildes, welches nach jener Nachricht etwa 1460 oder noch später entstanden seyn möchte, wie eine Erscheinung aus einer andern Welt vorkommen in einer Zeit, wo die genaueste Nachahmung der Natur, die schärfste Charakteristik und die größte Bestimmtheit der Formen schon in Hans Hemmelink ihren höchsten Gipfel erreicht hatte; wo, so viel wir wissen, kein anderer Künstler in Cölln (denn wir glauben nicht daß das Dombild an einem andern Orte gemalt sey) dem Alterthümlichen in der Kunst so nachstrebte, daß man seine Werke derselben Hand zuschreiben könnte, von der die zwei Tafeln mit Aposteln und Heiligen in der Boissereeschen Sammlung sind, welche wir doch auf keinen Fall in diese späte Periode setzen möchten. Allerdings schienen immer einige sonderbare Eigenheiten an den Gemälden von der Art des Dombildes uns von einer spätern Zeit ihrer Entstehung überzeugen zu wollen, wie z. B. einige Kunstgriffe, eine gewisse Effektmalerei in der Behandlung einzelner Gegenstände, wo die Eycksche Schule mit innigem Sinn der Natur nachstrebt, ohne Rücksicht, wie schnell und wie leicht, nur wie treu sie ihrer Führerin folge. Aber diese Eigenschaften ließen sich daraus erklären, daß sie von Byzanz aus einer tief gesunkenen Kunst an den Rhein in die wieder aufblühende herübergekommen waren, und daß sie auch fast durchgehends sehr gut mit der idealischen Weichheit dieser Malerei zusammenstimmten. Auch ist diese Schwierigkeit, wenn es eine ist, noch immer nicht beseitigt, da wir dieselben Erscheinungen an offenbar weit ältern Bildern finden, worin man immer den Uebergang von der reinbyzantinischen Kunst zu der Art, zu welcher das Dombild gehört, zu erkennen glaubte. Dagegen aber ist eine neue Schwierigkeit aufgestiegen, die wirklich dem Gange der Kunst am Niederrhein eine höchst sonderbare Gestalt giebt. Wir bedauren unendlich uns nicht durch den Augenschein von dieser Erscheinung haben überzeugen zu können, da der Besitzer die Bilder wieder aus den Händen gegeben hat; wir glauben indeß ein vollkommnes Zutrauen auf seine bewährte Kennerschaft setzen zu dürfen. Sollte der jetzige Besitzer oder sonst jemand, der das Glück hat die Bilder zu sehen, uns weitere Nachricht davon zu geben die Gefälligkeit haben, so würde er uns dadurch außerordentlich verbinden.

–t.