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Am Red River (Rio Colorado)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
DCCXXXV. Die Höhlen zu Paros Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band (1854) von Joseph Meyer
DCCXXXVI. Am Red River (Rio Colorado)
DCCXXXVII. Bucharest
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LANDSCHAFT bei der FURTH über den READ RIVER

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DCCXXXVI. Am Red River (Rio Colorado)
in New-Mexiko.




Ein Bild aus dem „fernsten Westen“ Nordamerika’s, der unermeßlichen Ebene, durch welche die Schnee- und Eisfelder der Felsengebirge ihre Wasser nach dem mexikanischen Golf ausgießen.

Der Charakter der Landschaft ist afrikanisch. Wie der nubische Nil steigt der Red River ein ungeheures Tafelland hinab zum Thal des Rio Grande, überfluthet alljährlich seine flachen Ufer und befruchtet, oasengleich, die Niederungen; die Comaches- und Kyowas-Indianer sind die Beduinen dieser Wüste, die Erbfeinde der Kultur und der Büffel. Die Antilope, der Prairie-Hund, die Klapperschlange sind ihre Genossen.

Noch ehe die Straße von Independence nach Santa Fe sich belebte, welche hier das Thal überschreitet und eine Furth im Flusse gefunden hat, hatte sich eine alte spanische Pionier-Gesellschaft da niedergelassen und eine weitläufige Hacienda gebaut (Barclay’s Farm); die herrlichen Weiden in den Seitenthälern gaben ihren Heerden reichliche Nahrung und die zahlreichen Büffel Beute für ihre Jagdlust. Mit dem rothen Manne lebten sie in Eintracht. Seitdem aber die Entdeckung des goldenen Vließes der neuen Welt alljährlich Tausende von Abenteurern dieses Weges lockt, die die Büffelheerden auf ihren Weiden und die Indianer in ihren Jagdgründen stören, hat der entbrannte Krieg zwischen der rothen und weißen Haut auch diesen Anfang einer Ansiedelung zerstört, und nur zuweilen noch bieten ihre verlassenen Mauern den Karawanen Schutz gegen die mächtigen Ueberfälle ihrer immer wachsamen Feinde. Der ganze ungeheure Landstrich ist jetzt nur noch eine Wildniß, in der der Reisende höchstens Emigranten-Zügen begegnet, die dieselbe Straße ziehen oder kommen. [102] Interessant ist die geologische Physiognomie des Landes. Diese tafelförmigen Berge (mesas) bilden einen hervorragenden Charakterzug von ganz Neu-Mexiko, und gleichen den Tafelbergen von Abyssinien, mit denen sie auch ihre Entstehung gemein haben. Zu beiden Seiten des weiten Thales erstreckt sich das große Centralplateau Nordamerika’s, von dem diese abgeflachten Kegel nur Ausschnitte sind. Eine festere Gesteins-Art schützte sie vor Zerstörung der Fluthen, als diese sich ihr Bette gruben, welches setzt die fruchtbaren Niederungen bildet. Die tapferen Havajoe-Indianer benutzten diese Felsen mit großem Vortheil als natürliche Bastionen gegen die spanischen und Vereinigten-Staaten-Truppen, bis letztere zu einer förmlichen Belagerung schritten und so lange Bomben auf die Höhen warfen, bis der letzte Mann gefallen war; noch bleichen die Gebeine dieses völlig ausgerotteten Stammes auf diesen Riesen-Sarkophagen.