Am Sedantage

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Rudolf von Gottschall
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Am Sedantage
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 35, S. 614
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1886
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[614]
Am Sedantage.
Von Rudolf von Gottschall.

Ein großer Tag, wo der Würfel fiel
In des Cäsars vermessenem Würfelspiel!
Herflog die Kunde mit Sturmesflug,
Ein Blitz, der in alle Herzen schlug.
Der Himmel strahlte vom Wiederschein…
Nicht Städte, von Flammen umwoben,
Die Lichter der Freude warfen allein
Den Glanz in die Wolken droben.

Gefangen der Kaiser, gefangen sein Heer,
Zermalmt von der deutschen Eisenwehr,
Zusammengepreßt in Angst und Noth
Und überschüttet mit Schrecken und Tod.
Die Maas vereint, was der Main getrennt,
Und Nord und Süd sind im Bunde:
Des Bundes heiliges Feuer brennt
Rings auf dem Hügelrunde.

Die Jahre schwanden, das Reich erstand,
Ein herrlicher Bau, aus des Krieges Brand,
Gegründet von deutschem Heldenmuth,
Gekittet mit deutschem Heldenblut.
Wir denken der Todten, die einst der Sieg
Bei besiegten Feinden gebettet;
Wir feiern das Herrliche, das aus dem Krieg
Wir dem Vaterlande gerettet.

Wir feiern nicht den Grimm und Haß,
Der die Völker entzweit ohn’ Unterlaß,
Und wahrt in den Herzen ewig jung
Des blutigen Kampfes Erinnerung.
O lieber zusammen des Friedens Saat
In fruchtbare Aecker streuen,
Wetteifernden Sinns durch geistige That
Gleichstrebende Geister erfreuen.

Was deutscher Ernst mit gesammelter Kraft
Tiefsinnig forscht und begeistert schafft,
Was drüben die Anmuth leichtbeschwingt,
Bahnbrechend der wagende Sinn erringt:
Das sei geflochten zum schönsten Kranz
Und schmücke der Menschheit Altäre;
Es werde der blutige Waffentanz
Zu einer verschollenen Mähre.

Doch anders, wenn, die Faust geballt,
Man drüben droht mit roher Gewalt,
Losläßt die Meute, die jetzt noch bellt
Am Seil, das ein wilder Jäger hält.
Dann, Tag von Sedan wirst sonnenhaft
Du als führende Leuchte uns flammen,
Und wieder breche vor deutscher Kraft
Der welsche Frevel zusammen.