Amerikanische Zustände (2)

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Autor: Otto Ruppius
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Titel: Amerikanische Zustände
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aus: Die Gartenlaube, Heft 39, S. 621–623
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1861
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: rassistische Auseinandersetzung mit der Sklaverei und den Sklaven in Nordamerika
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Amerikanische Zustände.

Von Otto Ruppius.
Nr. 2.

Von allen amerikanischen Verhältnissen, welche der deutschen Kritik unterlagen, hat noch keines so viel einseitige und zum Theil völlig unrichtige Urtheile hervorgerufen, als das der Negersclaverei, nicht allein vom Standpunkte der Humanität, sondern auch in Beurtheilung des Einflusses, welchen das „eigenthümliche Institut“ auf die innere Politik der Vereinigten Staalen ausübt – wird doch selbst der Grund des jetzigen Conflicts zwischen Süd und Nord vielfach in dem Bestehen der Sclaverei und dem Hasse des Nordens gegen diese gesucht, sprechen doch selbst große leitende Zeitungen Deutschlands mit einer Leichtigkeit von der möglichen Emancipirung der Schwarzen, als stehe dieser nichts als der Egoismus der Sclavenhalter entgegen.

Bei Gründung der Union erstreckte sich die Sclaverei über die sämmtlichen rebellischen Colonien, die späteren Staaten; alle die großen Väter der Republik waren Sclavenhalter, und die naturgemäß niedere Stellung der Schwarzen war als so selbstverständlich angenommen, daß bei der Erklärung der Menschenrechte in der Unabhängigkeits-Erklärung Niemand daran dachte, daß unter diesen „Menschen“ jemals die Schwarzen mit verstanden werden könnten. Erst später, als auf Washington’s Empfehlung die nördlichen Staaten ihre Sclaven zu entfernen begannen, nahmen die Gesetze den Zusatz „jeder freie weiße Mann“ an. Die Republik fand also eine schwarze Bevölkerung, die im Lande geboren und großgezogen war, deren sie sich nicht zu entledigen vermochte, bereits vor und hatte aus dieser Thatsache das möglichst Beste zu machen. Den Schwarzen mit den Weißen gleiche Rechte zu geben, ließ sich aus den gewichtigsten Gründen nicht thun, selbst wenn der Wille dafür vorhanden gewesen wäre. Die erste natürliche Folge einer Gleichstellung wäre die fortlaufende Vermischung beider Racen und die damit verbundene Degenerirung der weißen Bevölkerung gewesen – wissenschaftlich gebildeten Lesern darf nicht erst gesagt werden, daß fortgesetzte Kreuzung zwischen den entstandenen Mischlingsarten sogar bis zu physischer Zeugungsunfähigkeit führt – und die Pflicht der Selbsterhaltung schon mußte die weiße Race zwingen, den geistig und körperlich unter ihr stehenden Schwarzen auch gesellschaftlich in einer niederern Stellung zu erhalten; das vorgefundene Verhältniß der Neger als Sclaven aber schuf die Grenzlinie so scharf und beseitigte so sehr jede Zwitterstellung der Genannten, daß, als die nördlichen Staaten, welche der Negerarbeit am wenigsten bedurften, die Sclaverei gesetzlich aufzuheben begannen, der allergeringste Theil der Sclavenbesitzer daran dachte, seinen Sclaven die Freiheit zu geben, sondern daß die Hauptmasse nach dem Süden verkauft ward.

Für den Süden waren die Neger als Arbeiter eine unbedingte Nothwendigkeit, wenn überhaupt an die Erzeugung südlicher Producte, wie Baumwolle, Reis und Zucker gedacht werden sollte; eine Sonne, welcher sich der Weiße nie ohne die Gefahr eines Gehirnschlages für längere Zeit aussetzen kann, hat nicht die geringste Einwirkung auf den Schädel des Schwarzen, und während die Miasmen der Reisfelder tödtliche Fieber für den Weißen erzeugen, schlägt der Schwarze innerhalb derselben ungefährdet sein Nachtlager auf. Hätte aber auch der Süden seine Neger zu einer freien schwarzen Arbeiter-Bevölkerung umgestalten wollen, so gab es doch, neben den obigen, weitere unwiderlegbare Gründe, den Zustand der Sclaverei festzuhalten. Der Neger arbeitet nicht, wenn nicht ein physischer Zwang ihn dazu treibt, und je weiter [622] sich die niedern Negerarten in körperlicher Kraft und Ausdauer, verbunden mit abnehmender Intelligenz, dem Thiere nähern, je stärker tritt dieser Widerwille gegen jede mühsame, geregelte Beschäftigung hervor. Den schlagendsten Beleg für diese längst feststehende Thatsache liefert Jamaica, während der Herrschaft der Zwangsarbeit seines reichen Ertrags halber so bekannt. Die englische Regierung hob die Sclaverei auf und erwartete, daß schon der eigenen Erhaltung wegen die Neger sich zu bezahlter Arbeit [b]equemen würden; der allergrößte Theil derselben aber lief nach geschehener Freilassung in die Wälder und war durch kein Mittel und für keinen Preis zu bewegen, zu irgend einer Art von Arbeit zurückzukehren; mit den Thieren zusammen und ähnlich wie diese lebten sie von dem, was der gesegnete Boden wild erzeugte, bauten sich zum großen Theil nicht einmal Hütten und starben wie das Thier, eine Beute der Aasfresser. Fast die gesammte Bodencultur Jamaica’s ging zu Grunde, und die englische Regierung hat neuerdings zwar nicht wieder zur Negersclaverei, aber zu einem noch weit scheußlichern Arbeitssysteme, der Anwerbung chinesischer Coolies, gegriffen. Der Unterschied zwischen beiden Zwangsarbeits-Systemen ist der, daß der Eigenthümer eines schwarzen Sclaven diesen wenigstens so weit schont, als es sein eigener Vortheil verlangt, während die Coolies meist zu Tode geplagt sind, noch ehe ihre sogenannte Lehrzeit zu Ende geht.

Einen fernern eigenthümlichen Beweis für die allgemeine Arbeitsscheu der Neger liefern die freien Schwarzen in den Vereinigten Staaten, die sämmtlich zu einer höhern Species als die soeben genannten Feldsclaven gehören. Niemand wird dort einen solchen bei schwerer Arbeit finden, sollte es auch halb zum Verhungern gehen, und während der Deutsche und Irländer gern seinen Unterhalt mit Eisenbahn- und Canalarbeiten, Holzhacken und Backsteintragen verdient, ist der freie Schwarze Barbier, Aufwärter und Bedienter, oder auch nur der Mann seiner Frau, welche ihn als Wäscherin ernährt. – Wer jemals die Zuckerplantagen besucht hat, dem werden die „Unverbesserlichen“ unter den dortigen Negern, welche oft kein Mittel der Strenge oder Milde zur Arbeit bringen kann, nicht fremd sein, dem wird es ebenso schon vor Augen gekommen sein, daß sich Neger zur Mittagszeit lieber sofort auf den Boden gelegt und sich mit den erlangbaren rohen, einigermaßen genießbaren Erdfrüchten gesättigt haben, ehe sie die verhältnißmäßig kurze Entfernung nach dem Orte des allgemeinen Mittagsmahles zurückgelegt hätten.

Der Neger arbeitet nicht ohne physischen Zwang, und so lange noch an eine Bodencultur in den südlichen Staaten gedacht wird, ist auch die Negersclaverei nicht zu umgehen.

Zur richtigeren Beurtheilung der amerikanischen Sclavenverhältnisse möge nun aber das Folgende dienen.

Unter den jetzt in den Vereinigten Staaten lebenden Negern lassen sich drei Haupt-Species genau unterscheiden. Die niedrigste derselben findet sich hauptsächlich in den Zuckerplantagen von Louisiana, wie überhaupt den südlichsten Theilen der Union, und ist augenscheinlich der Uebergangsstufe vom Menschen zum Affen nicht fern. Die Schädelbildung, die Bildung der Brusthöhle, wie die dürren Arme und Beine mahnen völlig an den letzteren. Das Haar dieses Negers läßt sich wie Thierhaar zu Filz verarbeiten, und schläft er beim Feuer, so wendet er nicht die Füße der Flamme zu, wie der weiße Mensch, sondern den Kopf, wie der Hund. Den Humanisten sollte es ziemlich schwer werden, den gleichberechtigten Menschenbruder auch in ihm anzuerkennen. Wo er zur Arbeit dienen muß, da tritt die Sclaverei in ihrer erschreckendsten Gestalt vor das Auge, denn nur die stets wache Furcht vor der Peitsche vermag ihn bei der Arbeit zu erhalten, während die eigenthümliche Heimtücke in seinem Charakter oft die schärfsten Züchtigungen nothwendig macht. Seiner Heimath sind meist die Schreckbilder entnommen, welche das Blut des deutschen Lesers sieden machen, die aber wohl kaum ein Ende nehmen werden, so lange die Menschheit nicht ohne die Boden-Erzeugnisse leben will, welche nur durch Sclaven-Arbeit erzielt werden können.

Auf einer ungleich höhern Stufe steht eine zweite Species, welche sich größtentheils bis zur nördlichen Grenze der Baumwollen-Districte findet. Wenn sich auch hier durch die mannigfachste Vermischung einiger Negerarten, aus welcher diese Gattung entstanden, sowie durch den nicht unbedeutenden Zusatz vom Blute der Weißen ein bestimmter äußerer Typus kaum feststellen läßt; wenn die Bilder vollster Häßlichkeit mit wurstartigen Lippen und breitgedrückter Nase sich neben ganz erträglichen Gesichtern finden und die Farbe vom Schwarzgrau bis zum schmutzigen Gelbbraun variirt: so hat sich doch fast durchgängig ein gemeinsamer Charakter herausgebildet. Eine eigenthümliche Gutmüthigkeit, mit einer sonderbaren Schmiegsamkeit vereint, die bei roheren Gemüthern unwillkürlich an die Weise einiger Hunderacen erinnert, bei verfeinerteren aber als vollendete Bedienten-Natur auftritt – ein unverwüstlicher Hang zur Lustigkeit und eine wunderbare Musikliebe – allerdings auch die allgemeine Arbeitsscheu, welche sich indessen verdeckter als bei der ersterwähnten Art zeigt, treten dem Beobachter entgegen und erwecken unwillkürlich seine Theilnahme. Dem veränderten Charakter und der höhern Intelligenz dieser Neger gemäß, ist nun auch ihre Behandlung eine von der der frühern Gattung durchaus verschiedene. Die Peitsche kommt selten und meist nur bei unverbesserlich störrischen Charakteren in Anwendung – übermäßige Strenge findet sich eigentlich nur da, wo eine Pflanzung nicht von ihrem Herrn, sondern von einem angestellten Aufseher verwaltet wird; wo die Familie des Eigenthümers auf dem Besitzthume wohnt, besteht fast überall eine Art patriarchalischen Verhältnisses zwischen Herren und Sclaven; die geschlechtlichen Beziehungen der letzteren werden durch Gründung von Familien geregelt, und jeder derselben ein Stück Land um ihre Hütte, zur Zucht von Schweinen, Federvieh und dergl. für eigenes Interesse, wie zur Anlegung eines Gärtchens überlassen; jede Gelegenheit ist recht, um ein abendliches Fest für die Schwarzen zu improvisiren; wo sich ein besonderes Talent für mechanische Verrichtungen zeigt, wird es zu einem entsprechenden Handwerk herangebildet, Mädchen zu Nätherinnen erzogen, und die Manierlichsten unter der Masse zum Dienst für das Haus als Köchinnen, Kammermädchen, Kutscher und Leibdiener herangezogen. Wie sich das Loos dieser Neger zu dem der freien Schwarzen im Norden verhält, mag aus der Thatsache hervorgehen, daß stets mehr zur Flucht verlockte Neger aus den freien Staaten zu ihren alten Herren freiwillig zurückkehren, als die Zahl derer ist, welche auf eigene Faust die gewonnene Freiheit genießen mögen; unter allen den Geschichten aus dem Sclavenleben Amerikas aber, welche gedruckt in die Welt hineingegangen sind, geben die Bilder von Sealsfield wohl allein wahre, auf eigene Anschauung gegründete Zeichnungen, die zu einer richtigen Beurtheilung der Verhältnisse in den Baumwollendistricten nicht genug empfohlen werden können.

Die dritte Species, welche sich nur noch selten rein, aber selbst in ihren Mischungen noch deutlich unterscheidbar findet, hat fast kaukasische Bildung und wird ihres hohen Preises wegen nur zur innern Dienerschaft in reichen Häusern verwandt. Eigenthümlich elegante Körperformen und eine hohe natürliche Grazie zeichnen die Frauen aus, während mancher Mann das Modell zu einem schwarzen Apoll abgeben könnte. Ihnen entstammen die ihrer Schönheit wegen berühmten Quadronen in New-Orleans, welche fast eine ganz besondere Bevölkerungsclasse bilden und das Hauptcontingent zu Maitressen für die reichen Südlän[d]er stellen; aber selbst in der Kreuzung mit niedriger stehenden Negerarten verwischt sich die Anmuth und Grazie in ihren Körperformen nur wenig. Für sie existirt die Sclaverei nur dem Namen nach. Eine wunderbare Schmiegsamkeit macht besonders die Mädchen den üppigen Damen des Südens als Kammermädchen, als Mitwisserinnen ihrer kleinen Geheimnisse fast unentbehrlich, und die Gebieterin hat oft mehr von den Launen ihrer Dienerin zu leiden, als diese von der Strenge jener.

Trotz des milderen Looses der beiden letzteren Negerarten bleibt es indessen wahr, daß die größte Abscheulichkeit, der rücksichtslose Handel mit menschlichen Wesen, die Trennung von Familien durch Verkauf, noch immer besteht, daß in einzelnen Staaten, um der Aufreizung der Schwarzen durch das gedruckte Wort vorzubeugen, jede Schulbildung derselben auf das Strengste verpönt ist, und so lange die Sclaverei überhaupt existirt, werden sich auch ihre Consequenzen nicht völlig beseitigen lassen. Die Masse der schwarzen Bevölkerung aber ist nun einmal da, und daß sie bei der Gründung der Union da war, machte das erste und schwerste Unglück derselben aus: sie hat eine Bevölkerung, die tief unter der weißen Race steht und ohne die dringendsten Gefahren nicht auf gleiche Stufe mit dieser gestellt werden kann, die, soll sie nutzbringend für die Allgemeinheit sein und nicht zur völligen Landplage werden, nur im Zustande der Sclaverei zu verwenden [623] ist, und so lange nicht das Geheimniß entdeckt wird, den Charakter der Negerrace völlig zu ändern, wird auch die Sclaverei für die südliche Hälfte der Vereinigten Staaten ein nothwendiges Uebel bleiben. Die schwarze Race besteht so lange als die weiße und gelbe; während aber die beiden letzteren, die weiße voran, eine Culturstufe nach der andern erklommen, befinden sich die Negerreiche Afrika’s noch in demselben rohen, primitiven Zustande, in dem sie vor tausend Jahren waren, und es ist eine eigenthümliche Erscheinung, daß die niederen Negerarten da, wo sie durch das Zusammenleben mit den Weißen eine Art Civilisation angenommen haben, Schritt für Schritt zurücksinken, sobald sie sich selbst überlassen bleiben. Die Neger-Colonie Liberia in Afrika, die gegründet wurde, um nach und nach den befreiten Schwarzen in den Vereinigten Staaten ein passendes Vaterland zu schaffen, giebt schon jetzt, nach der verhaltnißmäßig kurzen Zeit ihres Bestehens und trotz der Bemühungen der dortigen Missionaire, einen schlagenden Beleg dafür. Die freien Schwarzen in den nördlichen Staaten Amerika’s aber, einschließlich der beiden (englischen) Canada’s, werden als eins der größten Uebel betrachtet, sie bilden die arbeitsscheue, zum größten Theile bildungsunfähige Hefe der Bevölkerung, und einzelne, neu in die Union eingetretene Staaten haben die Niederlassung freier Schwarzen gesetzlich ganz verboten. Daß sich einzelne Ausnahmen unter den amerikanischen Negern finden, auf welche das allgemeine Urtheil keine Anwendung hat, darf gar nicht abgeleugnet werden; einzelne glücklichere Organisationen aber können natürlich nichts im Verhältniß zu der großen, allgemeinen Masse wiegen. –

Und nun zum weitern Verständniß noch einige Worte über den Einfluß, welchen die Sclaverei auf die politischen Verhältnisse der Vereinigten Staaten übt.

Schon zu Anfange dieser Zeilen wurde bemerkt, daß der Norden bei Beseitigung seiner Sclaven diese zum allergrößten Theile nach dem Süden verkaufte; hierzu möge gefügt werden, daß bei Beschlagnahme amerikanischer Schiffe, welche mit der verbotenen Einfuhr afrikanischer Neger sich abgaben, sich keines vorfand, welches nicht durch nördliche Rheder ausgerüstet worden wäre, und so darf von einem Widerwillen des Nordens, als Ganzes, gegen die Sclaverei durchaus nicht gesprochen werden. Es giebt allerdings dort eine kleine fanatische Partei, die sogenannten Abolitionisten, welche – wie in früheren Jahren unsere radicalen Socialisten die ganze Welt zum Heile der arbeitenden Classen umgewandelt wissen wollten – direct auf eine Emancipation der Neger los arbeiten möchten; sie haben indessen einen kaum merkbaren Einfluß. Was die eigentliche Oppositionspartei gegen den Süden, die Republikaner, nach ihrem Programme erstreben will, ist nur, die Sclaverei auf das bis jetzt eingenommene Gebiet zu beschränken, sie nicht auf neue, noch unbesiedelte Gebietstheile auszudehnen, und hierin muß jeder Vernünftige zu ihnen stehen. Bei alledem aber darf der deutsche Zuschauer amerikanischer Ereignisse nie vergessen, daß diese „Einschränkung der Sclaverei“ nur ein Parteigrundsatz ist, eine Frage, auf welcher die verschiedensten politischen Elemente zu einer Partei sich zu vereinigen vermochten, und nur ein Mittel, zur Herrschaft über die andern Parteien der Union zu gelangen, daß es in Amerika wohl herrsch- und habsüchtige Parteiführer, aber fast nirgends einen wahren Patrioten giebt, und daß die Sclavereifrage immer nur eine Angelegenheit der Politik, nie aber der Humanität und der Cultur bildet. Und wenn jetzt die Abolitionisten und mit ihnen ein Theil verzweifelnder Republikaner das Geschrei erheben, die Sclaven zu befreien und den Süden durch Erregung von Sclavenaufständen zu ruiniren und zu unterjochen, so mag der deutsche Leser auch sicher sein, daß nie im Ernste daran gedacht werden wird, denn der Haupthandel des Nordens beruht auf den Sclaverei-Erzeugnissen des Südens, die Fabriken des ersteren werden zum allergrößten Theile durch den Süden erhalten, Geschäft und „Geldmachen“ aber ist das erste und höchste Evangelium des nördlichen Amerikaners, und der Ruin des Südens, wenn wirklich die ziemlich unausführbare Drohung zur Wirklichkeit würde, müßte ebenso den Ruin der nördlichen Handels- und Fabrikbezirke zur unausbleiblichen Folge haben.