An M. S.

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Textdaten
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Autor: Heinrich Julius Ludwig von Rohr
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Titel: An M. S.
Untertitel:
aus: Neue Thalia. 1792-93.
1792, Erster Band,
S. 386-388
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum: 1791
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Georg Joachim Göschen
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
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Quelle: UB Bielefeld bzw. Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[386]
V.
An M. S.


Den 14. November 1791.


Ja, sie ist es! Diese schönen Züge,
Dieser hohen Unschuld sprechend Bild,
Wie der Gottheit Fülle sanft und mild;
Dieser Flammenaugen hehrer Blick,

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Zöge Todte selbst ans Licht zurück!


     Diese stille nie getrübte Milde,
Dieser reine treue Engelsinn,
Schmücken dich, der Schönheit Königinn.
Nimmer wird von Myriaden Zungen,

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Je dein hohes Lob genug gesungen.


     Aechte, treue, ungeschminkte Wahrheit
Thronet hoch auf deinem Angesicht,
Spiegelt sich in deiner Augen Licht:
Näher sah ich an der Gottheit Glänzen

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Nie des Weibes höchste Schönheit gränzen.

[387]

     Dieser milde Anflug zarter Röthe,
Junger Pfirsich-Blüthenknospe gleich,
O, an jeder Anmuth endlos reich –
Mischt sich mit der Schwanenweiße Pracht,

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Die auf deiner Wange lieblich lacht.


     Allverlohren steh’ ich oft, und staune:
Ob du sterblich seyst? – ob, Göttinn, du
Eilend flohest des Olympus Ruh,
Um ins Herz der Sterblichen hienieden

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Auszuströmen deinen stolzen Frieden.


     Göttinn! deines Zwecks hast du verfehlet.
Dieser Glanz, der allumstralt dein Haupt,
Hat den Sterblichen die Ruh geraubt;
Nimmer, nimmer wird sie friedlich kehren,

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Wenn du uns enteilst in höhre Sphären.


     Dir, du Himmlische, dir tönen Lieder
Aus dem Munde höh’rer Wesen stets.
O! verachte drum nicht des Gebets
Heiße Flamme, die dir feurig lodert,

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Endlos deinen holden Anblick fodert.

[388]

     Nimmer kann man dich doch höher ehren,
Als dich deines Sängers Herz verehrt.
Gäbe Absicht kleiner Gabe Werth
Würdest du wohl milde auf ihn blicken,

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Durch dein holdes Lächeln ihn entzücken.


     Daß sich höher schwingen seine Lieder,
Daß er über Sternen dich besingt;
Dir der Ehrfurcht reinstes Opfer bringt,
Daß fortan mit nie gefühltem Feuer,

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Hohes Lied entströmte seiner Leyer! –


     Sieht die Gottheit doch mit Huld in Blicken
Auch der Staubessöhne Flehen an,
Streuet Rosen aus auf ihre Bahn;
Möchtest doch auch du mit Rosenkränzen

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Himmlische! des Dichters Stirne kränzen! –


     Dann verachtet er des Lorbeers Kränze,
Neidet nicht der späten Nachwelt Ruhm;
Ja, dein Beifall läßt Elysium,
Rund um deinen Dichter her entstehen,

55
Mild und kühlig Edens Palm’ ihm wehen.


v. R.