An das Land!

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Friedrich Harkort u.a.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: An das Land
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1848
Erscheinungsdatum: Vorlage:none
Verlag: Vorlage:none
Drucker: Julius Sittenfeld, Berlin
Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Wilfried Reininghaus/Horst Conrad (Hrsg.): Für Freiheit und Recht. Westfalen und Lippe in der Revolution von 1848/49. Münster, 1999 S.223 [Original u.a. in: Staatsarchiv Münster Bestand Kreis Meschede Landratsamt 2048, fol. 104]
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Andasvolk.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


Die Krone hat die National-Versammlung bis zum 27. d. M. vertagt und nach Brandenburg einberufen aus Gründen, deren Gewicht in einer Reihe von Thatsachen seit dem Mai bis zum 31. October der Nation zur Berurtheilung vorliegt. Die Majorität der National-Versammlung bestreitet die Befugniß zu jenem Schritte, glaubt die Volksfreiheiten gefährdet und setzt ihre Berathung fort. Von Seiten der Regierung sind dagegen außerordentliche Schritte geschehen, und ein ungeheurer Riß ist entstanden, welcher das Glück und die Ruhe der Nation zu verschlingen droht, sogar den Umsturz des theueren Vaterlandes herbeiführen kann.

In dieser inhaltschweren Zeit fühlen wir, die wir uns den weiteren Berathungen entzogen, das Bedürfniß und die Pflicht dem Lande gegenüber, die Beweggründe unsers Verhaltens offen darzulegen.

Auch wir sind unabhängige, freie Söhne des großen Vaterlandes; auch wir streben, dessen Freiheit und Wohlfahrt nach Kräften zu fördern, wenngleich in anderer Richtung und Weise. Manche der Unsrigen haben die großen Schlachten der Freiheit geschlagen, Andere sich auf den Bahnen der Wissenschaft, des Rechts, des Staatsdienstes und des freien Bürgerlebens bewegt, und trauen uns ein Urtheil zu über das, was Noth thut. Wir buhlen nicht um die Gunst der Menge, sondern streben nach dem Beifall der Edlen im Volke. Weise Mäßigung ist die höchste Tugend in Zeiten großer politischer Stürme, und in diesem Sinne haben wir gehandelt, um das Vertrauen unserer Wähler zu rechtfertigen.

Wer das Recht der Krone bestreiten wollte, der konnte sein Urtheil über die Frage der Competenz bis zum 27. vertagen, wo ihm die unbestrittene gesetzliche Erörterung zusteht. Wir würden die Ehre und das Recht für gewahrt erachtet haben, wenn die Majorität bei abweichender Ansicht protestirt und sich selbst vertagt hätte. Nicht durch aufregende Selbsthülfe sehen wir das Wohl des Landes gefördert.

Wir leben der Ueberzeugng, daß die wahre Freiheit sich selbst und die rohe Gewalt ohne Blut besiegt, daß die große geistige Revolution ohne Auflehnung gegen Gesetz und Ordnung am sichersten gelingt.

Wer das Vaterland aufrichtig liebt, denkt nicht an sich, und allen seinen Freunden empfehlen wir Eintracht und Treue zur Stunde der Gefahr.

Entbrennt die Zwietracht trotz unsern heißesten Wünschen, so stehen und fallen wir mit der constitutionellen Monarchie.

Danach ist unser Thun zu beurtheilen.

Gott erhalte den constitutionellen König und das theuere Vaterland!

Berlin, am 14. November 1848.

Der gewählte Ausschuß der Rechten und des rechten Centrums der National-Versammlung.

Harkort. Baumstark. Ostermann. Walter. Müller. Hesse.



Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin.