Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I/De Fischer un sine Fru

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Strohhalm, Kohle und Bohne Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I von Johannes Bolte, Jiří Polívka
19. De Fischer un sine Fru
Das tapfere Schneiderlein
Für verschiedene Auflagen des Märchens der Brüder Grimm siehe Vom Fischer und seiner Frau.

[138]

19. De Fischer un sine Fru. 1856 S. 28.

1812 nr. 19. Zusammen mit nr. 47 ‘Machandelboom’ von dem aus Wolgast gebürtigen Maler Philipp Otto Runge († 1810) in pommerscher Mundart aufgezeichnet und 1806 an den Heidelberger Verleger des Wunderhorns J. G. Zimmer gesandt.[1] Die Brüder Grimm erhielten das Märchen 1809 durch Achim von Arnim, der es auch an F. H. v. d. Hagen mitteilte. Gedruckt ward es 1812 zweimal, zuerst in Büschings Volkssagen, Märchen und Legenden S. 258 nr. 58 ‘Von den Fischer un syne Fru’ nach v. d. Hagens Abschrift und dann in der Grimmschen Sammlung, hier aber, wie Steig im Archiv für neuere Sprachen 107, 286 sorgfältig nachweist, mit verschiedenen durch den Berliner Verleger Georg Reimer vorgenommenen Veränderungen. Nachdem dann 1840 in Runges durch seinen Bruder Daniel herausgegebenen Werken (1, 430; vgl. 1, 185. 2, 361. 415) das Märchen ‘meist, doch nicht vollständig dem Hamburgischen Dialekte anbequemt’ erschienen war, ist dieser neue Text in die Grimmschen Märchen übernommen worden.[2] Daß es auf die Zeitgenossen einen starken Eindruck machte, beweist neben verschiedenen brieflichen Äußerungen die Tatsache, daß Arnim es zweimal in seiner Päpstin Johanna (Werke 19, 68. 357) verwandte[3] und daß 1814 in Berlin ein Abdruck ‘Von einem Fischer und seiner Frau. Eine moralische Erzählung’ (14 S. 8°) erschien, der als Biographie des gestürzten Napoleon viel gekauft und gelesen wurde. Es erscheint nützlich, Büschings Text als den ursprünglichsten durch einen Abdruck allgemeiner zugänglich zu machen:

Dar was mal eens een Fischer un syne Fru, de wahnten tosahmen in’n P-pott, dicht an de See, un de Fischer ging alle Dage hen un angelt. So ging, un gin[g] he hen, lange Tyd.

Dar satt he eens an ’n See by de Angel un sach in dat blanke Water, un sach un sach jümmer an de Angel; dar ging de Angel to Grunde deep ünner, un as he se heruttrekt, so haalt he eenen grooten Butt herun [l. herut]. Dar sed de Butt to em: ‘Ik bid dy, dat du my [139] lewen lest; ik bin keenen rechten Butt, ik bin een verwünschter Prins. Sett my wedder in dat Water, an laat my swemmen!’ – ‘Nu,’ sed de Mann, ‘du bruckst nich so veele Worde to maken; eenen Butt, de spreken kann, häd ik do woll swemmen laten.’ Dar sett he em wedder in dat Wader[!], un de Butt ging furt weg to Grunde und eenen langen Strichen [l. Stripen] Bloot hinner si.

De Mann awerst ging to syne Fru in’n P-pott, un vertellt eer, dat he eenen Butt fangen häd, de häd te em seyd, he wer een verwünschter Prins, dar häd he em wedder swemmen laten. ‘Hest du dy den nix wünscht?’ sed de Fru. ‘Nee,’ sed de Mann, ‘wat schull ik my wünschen?’ ‘Ach’, sed de Fru, ‘dat is de [!] ävel, jümmer in P-pott do [!] wanen, dat is so stinkig un drackig hier. Ga du no hen, un wünsch [!] ne lüttje Hütt!’

Den Mann was det nich so recht, doch ging he hen na den See; un as he dar kam, dar was de See gans geel un grön, da ging he an det Water stan und sed:

‘Mandje, Mandje, Timpe Thee!
Buttje, Buttje in de See!
Myne Fru de Ilsebill
Will nich so, as ik woll will.’

Dar kam de Butt answemmen un sed: ‘Na, wat will se denn?’ – ‘Ach,’ sed de Mann, ‘ik hev dy doch fangen hot; nu seyd myne Fru, ik häd my doch wat wünschen sullt; se mag nich meer in P-pott wahnen, se wöll görn een Hütt hebben.’ – ‘Ge man hen,’ seyd de Butt, ‘se is all drin.’

Dar ging de Mann hen, un syne Fru stund in eene Hütt in de Dör, un sed to em: ‘Kum man hoin [hrin?]! Sü, nu is dat doch veel beter.’ Un dar was ne Stuve un Kamer un eene Köck drin, un der achter was een lütje Garn mit allerley Grönigkeeten un een Hof, da weeren Honne [!] un Eenden. ‘Ach,’ seyd de Mann, ‘nu will we vergnögt lewen.’ – ‘Ja,’ seyd de Fru, ‘wie will et versöcken.’

So ging dat nu woll een acht edder vertein Doag, dar sed de Fru: ‘Mann, de Hütt wart my to eng, de Hoff un Garn is to lätt [lütt]; ik will in een groot steenern Slott wahnen. Ga hen tum Butt, he sull uns een Slott schaffen!’ – ‘Ach Fru,’ sed de Mann, ‘de Butt het uns erst de Hütt gewen; ik mag nu nich all wedder kam, den Butt mag et vordreeten.’ – ‘Ne watt,’ sed de Fru, ‘de Butt kann dat recht good un deit dat geern; ge du man hen!’

Dar ging de Mann hen, un syn Hart was em so schwer. As he averst by de See kam, was dat Water gans vigelet un grau un dunkelblau, doch was dat noch still. Dar ging he stan un sed:

[140]

‘Mandje, Mandje, Timpe Thee!
Buttje, Buttje in de See!
Myne Fru de Ilsebill
Will nich so, as ik woll will.’

‘Na, watt will se denn?’ sed de Butt. ‘Ach,’ sed de Mann gans bedräft, ‘myne Fru will in een stenern Slott wahnen.’ – ‘Ga man hen! Se steit vor de Dör,’ sed de Butt.

Dar ging de Mann hen, un syne Fru stund vor eenen groten Pallas. ‘Sü, Mann,’ sed se, ‘watt is dat nu schoin!’ Mit das gingen se tosamen hein [? hrin]; dar weeren ao veel Bedenten, un de Wende weeren alle blank, un goldne Stöhl un Dischen weeren in de Stuve; un ochter datt Slott was een Garn un Holt, woll eene halve Myl lang, darin weeren Hirschen, Reh un Haasen, un op de Hoff Köhn [un] Perdeställ’. ‘Ach,’ seyd de Mann, ‘nu willn wy ok in dat schöne Slott blywen un tofreden syn.’ – ‘Dat willn my [l. wy] uns bedenken,’ seyd de Fru, ‘un willent beslapen.’ Mit der [!] gingen se to Bed.

Den annern Morgens waakt de Fru up, dat was all Dag, da stöt se den Mann mit den Ellenbogen in de Syde un sed: ‘Mann, stah up! Wy motten König waren äver all dat Land.’ – ‘Ach Fru,’ sed de Mann, ‘wat wulln wy König waren! Ik mag nich König syn.’ – ‘Na, dann will ik König syn,’ seyd de Fru, ‘ge hen tun Butt! Ik will König syn.’ – ‘Ach Fru,’ sed de Mann, ‘wo kannst du König syn! De Butt mucht dat nich don.’ – ‘Mann,’ s[e]yd de Fru, ‘ge straks hen! Ik möt König sin.’

Dar ging de Mann hen, un was gans bedröft, dat syne Fru König waren wöllt. Un as he an de See kem, was se all gans schwartgrau, un dat Water geert so von unnen up; dar ging he stan un sed:

‘Mandje, Mandje, Timpe Thee!
Buttje, Buttje in de See,
Myne Fru de Ilsebill
Will nich so, as ik woll will.’

‘Na, wat will se denn?’ sed de Butt. ‘Ach,’ sed de Mann, ‘myne Fru will König waren.’ – ‘Gah hen, se is’d all,’ sed de Butt.

Dar ging de Mann hen, un as he na den Pallas kam, da weeren dar so vele Soldaten, un Pauken, un Trompeten, un syne Fru satt up eenen hogen Tron von Gold un Diamanten un had eene goldne Kron up; un up beeden Syden by eer stunden ses Jungfruen, jümmer eene eenen Kops lüttjer as de annre. ‘Ach Fru,’ seyd de Mann, ‘bist du ein König?’ – ‘Ja,’ seyd de Fru, ‘ik bin König.’ Un as he eer da sone Wyl anseen häd, sed he: ‘Ach Fru, watt lett datt schoin, wenn du König best! Nu wyll’n wy ok nich meer wünschen.’ – ‘Nee, Mann,’ sed se, ‘my durt [141] dat all to lang, ik kann dat nich meer uthallen. König bin ik, nu mut ik ok Kayser waren.’ – ‘Ach Fru,’ sed de Mann, ‘watt wust du Kayser waren?’ – ‘Mann,’ sed se, ‘ga tum Butt! Ik wull Kayser syn.’ – ‘Ach Fru,’ sed de Mann, ‘Kayser kann he nich maken, ik mak den Butt dat nich seggen.’ – ‘Ik bin König,’ sed de Fru, ‘un du syst ma[n] min Mann. Ga glik hin!’

Dar ging de Mann weg, un as he so ging, so dacht he: Dat geit un geit nich goot; Kayser is to unverschaamt, de Butt wart am Ende möde. Mit des kam he an de See; dat Water was gans schwart und dik, un dar ging so een Keekwind äwer hen, dat dat sik so kavwelt. Dar hin [l. ging] he stan un sed:

‘Mandje, Mandje, Timpe Thee!
Buttje, Buttje in de See,
Myne Fru de Ilsebill
Will nich so, as ik woll will.’

‘Na, wat will se denn?’ sed de Butt. ‘Ach,’ sed de Mann, ‘[se] will Kayser waren.’ – ‘Ga man hen,’ sed de Butt, ‘se is’t all.’

Dar ging de Mann hen, un as he dar kam, so satt syne Fru up eenen sehr hogen Tron, de was von een Stück Gold, un hat eene grote Krone up, de was woll twee Ellen hoch. By eer up de Syden, dar stunden de Trabanten, jümmer een lüttjer as de anner, von den allergrötsten Riesen bett to den lüttsten Dwark, de was man so lang as myn lüttje Finger. Vör een do stunden so veele Fürsten un Graven. Da ging de Mann ünner stan, de sed: ‘Fru, syst du nu Kayser?’ – ‘Ja,’ sed se, ‘ik sy Kayser.’ – ‘Ach,’ sed de Mann, un sach se so recht an, ‘Fru, wat let dat schoin, wenn du Kayser syst!’ – ‘Mann,’ sed se, ‘wat steist du dar! Ik bin nu Kayser, nu will ik äverst ock Pobst waren.’ – ‘Ach Fru,’ sed de Mann, ‘watt wist du Pobst waren! Pobst is man eenmal in de Kristenheet.’ – ‘Mann,’ sed se, ‘ik mutt hüt noch Pobst waren.’ – ‘Nee, Fru,’ sed’ he ‘te [!] Pobst kenn de Butt nich maken, dat geit nich goot.’ – ‘Mann, watt seek! Kann de Butt Kayser maken, kann he ok Pobst maken. Ge furt hen!’

Dar ging de Mann hen, un em was gans flau, de Knee un de Woden zudderten em; un buten ging de Wind, un dat Water was, as kookt, de Schepe achooten en de Noot un dansten un sprungen up de Bülgen; doch was de Hemmel in de Midde noch so een bitten blu, äverst an de Syden dar toog dat so recht root op, as een schwer Gewitter. Dar ging he recht vörtogt sten und sed:

‘Mandje, Mandje, Timpe Thee!
Buttje, Buttje in de See,
Myne Fru de Ilsebill
Will nich so, as ik woll will.’

[142] ‘Na, watt will se denn?’ sed de Butt. ‘Ach,’ sed de Mann, ‘myne Fru will Pobst waren.’ – ‘Ga man hen,’ sed de Butt, ‘se ist all.’

Dar ging he hen, un as he dar kam, satt syne Fru up eenen Tron, da [l. de] was twee Myle hoch, un hod 3 grote Kronen up, un um eer was so veele geestliche Staat, un up de Syden bey eer standen twee Lichte, dat grötste so dick an groot os [l. as] de allergrötste Torn, bet to dat lüttste Köckinglicht. ‘Fru,’ sed de Mann, un sech se so recht an, ‘syst du nu Pobst?’ – ‘Ja,’ sed se, ‘ik sy Pobst.’ – ‘Ach Fru,’ sed de Mann, ‘wat let dat schoin, wenn du Pobst syst! Fru, nu was tofreden! Nu du Pobst syst, kannst nu nix meer waren.’ – ‘Dat will ik my bedenken,’ sed de Fru.

Dar gingen se beede to Bed; awerst se was nich tofreden, un de Girichheet leet eer nich slapen. Se docht jümmer, wat se noch woll waren willt. Mit des ging de Sünn up; su dacht se, as se se ut den Fenster so herupkamen sach: Kunn ick nich ock de Sünn upgan laten? Dar wurd se recht so grimmig un stod eeren Mann an: ‘Mann, ga hen tun Butt! Ik will waren as de lewe Gott.’ De Mann was noch meist in Slap, averst he verschrack sy so, dat he ut dem Bedde feel. ‘Ach Fru,’ sed he, ‘sla en dy un blive Pobst!’ – ‘Nee,’ sed de Fru, ‘ik sy nich tofreden un kann dat nich uthallen, wenn ik de Sünn un de Mohn upgehen se un kann se nich upgehn laten; ik mut waren as de lewe Gott.’ – ‘Ach Fru,’ sed de Mann, ‘dat kann de Butt nich; Kayser un Pobst kann he maken, awerst dat kann he nich.’ – ‘Mann,’ sed se un sach so recht gresig ut, ‘ik will waren as de lewe Gott. Geh straks hen tum Butt!’

Dar fur dat den Mann in de Gleeder, un he bevt vor Angst. Buten averst ging de Storm, dat all Boime un Felsen umwelgten, un de Himmel was gans swart, un dat donnert un blitzt; dar sah man in de See so swarte hoge Wellen as Berge, un hödden baben all eene witte Kron von Schuum up. Da seed he:

‘Mandje, Mandje, Timpe Thee!
Buttje, Buttje in de See,
Myne Fru de Ilsebill
Will nich, as ik woll will.’

‘Na, wat will se denn?’ sed de Butt. ‘Ach,’ sed de Mann, ‘se will waren as de lewe Gott.’ – ‘Geh man hen! Se sitt all wedder im P-pott.’ – Dar sitten se noch hüt up dissen Dag.

In Hessen hörten die Brüder Grimm die Fabel unvollständiger, aber mit einigen Abänderungen als das Märchen vom Männchen Dominē (sonst auch von Hans Dudeldee) und Frauchen Dinderlindē (wohl von Dinderl, Dirne?) durch Frau Wild in Kassel erzählen. [143] Domine klagt über sein Unglück und geht hinaus an den See; da streckt ein Fischchen den Kopf hervor und spricht:

‘Was fehlt dir, Männchen Domine?’
‘Ach daß ich im Pispott wohn, tut mir so weh.’
‘So wünsch dir was zu haben!’
‘Ich will’s nur meiner Frau erst sagen.’

Er geht heim zu seiner Frau und fragt, was er wünschen solle. ‘Wünsch uns ein besseres Haus,’ sagt Dinderlinde. Am See ruft er:

‘Fischchen, Fischchen an der See!’
‘Was willst du, Männchen Domine?’

Nun gehen die Wünsche an, erst Haus, dann Garten, dann Ochsen und Kühe, dann Länder und Reiche und so fort alle Schätze der Welt. Wie sie sich ausgewünscht haben, sagt das Männchen: ‘Nun möcht ich der liebe Gott sein und mein Frauchen Mutter Gottes.’ Da streckt das Fischchen den Kopf heraus und ruft:

‘Willst du sein der liebe Gott,
So geh wieder in deinen Pispott!’

In Justinus Kerners poetischem Almanach für 1812 S. 50–54 wird das Märchen auf ähnliche Art, wahrscheinlich nach einer süddeutschen Überlieferung, doch dem Inhalt nach dürftig in Knittelversen von Kurd d. i. K. Ph. Conz erzählt; der Bauer heißt Hans Entendee. – In den Kindermärchen von Albert Ludwig Grimm (Heidelberg 1808 S. 77) kommt es gleichfalls, doch in Prosa, vor. Der Fischer Hans Dudeldee wohnt mit seiner Frau in einem Bretterhaus und ist so arm, daß sie keine Fenster haben, sondern durch ein Astloch schauen müssen. Er bittet bei dem Fischlein erst um ein Haus und so fort, bis er Kaiser ist; zuletzt verlangt er, daß er Regen und Sonnenschein machen könne, wie Gott, da sitzt er wieder im Bretterhaus, und sie schauen zum Astloch heraus. Im ganzen viel dürftiger. – Aus dem Elsaß in Stöbers Volksbüchlein S. 109 = Firmenich 2, 519 ‘Mann und Frau im Essigkrug’ (rufen ein Goldvöglein an) = Revue des trad. pop. 3, 297 = Bechstein 1845 S. 145. Heanzisch bei Bünker nr. 75 ‘Ta Fischa Glumpate’ = Zs. f. österr. Volkskunde 4, 246 nr. 32 (Fischal in teïn See). Aus Schlesien bei Peter 2, 173 ‘Die Leute im Bunzeltopfe’ (Fischlein, Fischlein in dem See). Aus der Ukermark bei Kuhn S. 273 nr. 6 ‘De Kossät un siine Fru’ (Dundeldee in der Federtonne. ‘Hechtke, Hechtke in de See’) = Friedel-Mielke 3, 232. Aus Pommern bei Jahn, Volksmärchen [144] 1, 228 nr. 42 ‘Dei Fischer un syne Fruu’ (Düffelkee und Ilsebill im Pißpott. ‘Haektke, Haektke in dei See’). Aus dem Kleveschen bei Firmenich 1, 377 = Leopold, Van de Schelde tot de Weichsel 2, 397 ‘Et golde Fiske’. – Aus Flandern bei Lootens, Kindervertelsels S. 62 = Germania 14, 91 nr. 9 ‘Van’t visschertjin in de roô zee’. Wolf, Wodana 1, 170 (Ticktocktee) und 171 (Tintelteen). Joos, 1, 171 nr. 95 ‘Van Vischken uit de zee’ (Anselmus im Blumentopf). Cornelissen-Vervliet nr. 13 ‘t manneken van Tintelenteen’, Teirlinck, Contes flamands S. 41 ‘Petit poisson Kreupelenteen’. Volkskunde 1, 22 ‘t’vischken uit de roo-zee’. Sloet, De dieren S. 356. De Mont & de Cock, Wondersprookjes S. 238 ‘Van Janneken Tietentater en het vischje uit de zee’ (wohnt im Mostrichtopf. ‘Vischken vischken uit het water, kom bij Janneken Tietentater!’). Aus Dünkirchen bei Coussemaker, Recherches 1859 S. 25 = Firmenich 3, 684 = Leopold 1, 4 (sehr kurz); aus Rexpoede bei Coussemaker S. 31 = Firmenich 3, 694 = Leopold 1, 6 (Pier und Mitte pflanzen eine gefundene Bohne, Pier klettert an der Bohnenranke zur Himmelstür empor und bringt seines Weibes Wünsche vor; schließlich werden beide in Eulen verwandelt). Wallonia 2, 13 ‘Coufi-Coufou’ (unzufriedene Frau und Gott). Wallonia 18, 77 ‘Jean dans les champs’ (entstellt). – Aus Friesland bei Dykstra 2, 134 ‘Bouwe-oom en Antje-moei’ (im Aschentopf. Der Fisch heißt Pieterman). – Dänisch in Grundtvigs hsl. Nachlaß 75 ‘Fiskeren og hans kone’ aus Odense; vgl. Molbech, Eventyr 1882 S. 264 (nach Grimm). – Schwedisch als Volksbuch nach Grimm ‘Prins Flundra, eller Fiskaren med oförnöjda hustrun’, Stockholm 1824 u. ö. (Bäckström 3, 49). Wigström, Sv. landsmålen 5, 1, 15 ‘Önskeflundran’. Der Mann ruft:

‘Flundra, flundra titta opp,
Min hustrus hopp ock min önskan,
Icke blott min hustrus önskan, utan också min’.

Åberg nr. 55 ‘Den önöjda fiskargummon’ und 56 ‘Om fiskarkäringen och hennes önskningar’. Allardt nr. 46 ‘Om käringin, som alder va nöjder’ und 47 ‘Om gumman, som alder va näjder’. Hackmans Register nr. 555. Živ. Starina 3, 1, 93 (wie Afanasjev nr. 39). – Isländisch bei Árnason 2, 508 = Poestion nr. 5 ‘Das Weib möcht etwas haben für den Knopf’ = Rittershaus S. 351 nr. 97. Hier verlangt der Mann für den von seiner Frau vermißten goldenen Knopf von dem Elben Kiðhús im Hügel eine Kuh, eine Tonne Mehl [145] und eine Leiter; um der Jungfrau Maria Mehlbrei zu bringen, steigen beide auf der Leiter zum Himmel empor, stürzen aber von Schwindel erfaßt aus der Höhe hinab und kommen um. – Französisch bei Sébillot, Contes 1, 353 nr. 66 ‘La petite fille dans un puits’ (kein Ehepaar, sondern ein Mädchen Oudelette, das an Gott immer mehr Wünsche richtet, zuletzt um einen Mann, und dann wieder im Brunnenloch erwacht) und Contes des provinces S. 124 nr. 18 ‘Pourquoué que n’on dit que les chavans c’est du monde’ = Dähnhardt 3, 406 (der Mann, der Gott mehrmals begegnet und ihm immer unbescheidenere Wünsche vorträgt, wird mit den Seinigen in Eulen verwandelt). Carnoy, C. français S. 145 ‘La petite souris’ (Mäuschen statt Fisch). Carnoy, C. français S. 303 = Romania 8, 250 ‘La tige de fève’ (der Mann pflanzt eine von einem Bettler erhaltene Bohne ein und klettert an der Ranke zum Himmelstor empor, beim letzten Wunsche stürzt er herab. R. Köhler 1, 112). Ähnlich aus der Normandie E. du Méril, Etudes S. 474–481 ‘Bonhomme Misère’ und bei Brunet, Contes pop. de la Basse-Normandie 1900 (Revue des trad. pop. 15, 367). Sébillot, Folklore de France 3, 166 (Forelle). Revue des trad. pop. 10, 487 (die Frau will zuletzt, daß sie Jungfrau Maria und ihr Mann Gott wird; sie werden in Kauz und Eule verwandelt). Lambert, Revue des l. romanes 32, 35 ‘Lou maset’ (goldener Fisch). Revue des trad. pop. 18, 13 ‘La petite sardine’ (als die Frau bei einer Ausfahrt eine Bettlerin hochmütig abweist, wird ihr Wagen zu einem Kürbis, die Pferde zu Flöhen, und das unzufriedene Paar endet in Armut). – In Italien klettert der Mann wie in den meisten französischen Erzählungen an einer Bohnen- oder Kürbispflanze in den Himmel und trägt dort seine Wünsche vor; so bei Comparetti nr. 39 ‘La fava fatata’, bei Imbriani² S. 622 nr. 6 ‘I dun mai-contet’ und Nerucci, Cincelle da bambini nr. 9 ‘Meo e la Mea’; zur Strafe werden Mann und Frau in einen Kot oder Bovist verwandelt. – Aus Mallorca bei Alcover 1, 121 ‘En Juanet de sa jerra’ (Bohnenranke. Petrus). – Spanisch bei A. de Trueba, Cuentos de vivos y muertos S. 13 und 71 (der Fisch ist ein besugo). – Rumänisch bei Şăinénu S. 847. Revue des trad. pop. 8, 41 = Dähnhardt, Natursagen 3, 406 (Haselnußstrauch. Verwandlung in Kuckuck und Wiedehopf). Marienu, Ornitologia 2, 159. 169 = Dähnhardt 3, 405f. (der Spender ist ein Baum oder der Herrgott). – Kroatisch im Kres 5, 402 (ganz wie Hans Dudeldee in Kerners Almanach und in A. L. [146] Grimms Sammlung). – Polnisch in Zbiór wiad. 8, 308 nr. 7 (Goldfisch); aus dem Gouv. Plock in Zbiór wiad. 2, 164 (St. Michael spricht aus der zu fällenden Birke; das Ehepaar in Bären verwandelt). Jüdisch aus Ostgalizien im Zbiór 17, 296 nr. 30 (vgl. Am Urquell 5, 185); ein armer Mann, der vom Propheten Elias einige Gulden bekommen hat, um die Feiertage recht halten und ein Wirtshaus pachten zu können, begehrt ein Jahr später ein ganzes Dorf zu pachten, wieder nach einem Jahre ein Dorf zu besitzen, dann ein ganzes Land zu kaufen, endlich allwissend zu werden. – Čechisch aus Ungarisch-Brod bei Kolář Kochovský, Z chatek S. 22 (Goldköpfiger Vogel). – Wendisch bei Haupt-Schmaler 2, 175 nr. 14 = Haupt, Sagenbuch 2, 217 nr. 317 ‘Vom armen Manne, der die vielen Kinder hat’ (klettert auf einer Eiche zu Petrus hinauf). – Slovinzisch bei Lorentz S. 113 nr. 98. – Großrussisch bei Afanasjev³ 1, 54 nr. 39 = Goldschmidt S. 117 nr. 13 ‘Goldfischchen’ = Brandt 1, 148 = Léger nr. 16 ‘Le poisson d’or’. Puschkin, Fischer und Fischerin, deutsch von Bodenstedt, Gesammelte Schriften 4, 30 (1866), französisch im Athénæum français 1855, 686. Afanasjev³ 1, 55 nr. 40 = Brandt 1, 154 ‘De inhalige oude vrouw’ (ein Baum spendet; die Eheleute werden in Bären oder Hunde verwandelt). Aus dem Gouv. Wologda bei Ivanickij S. 190 nr. 16 (aus dem Baume, den der Bauer fällen will, springt ein goldköpfiger Kater heraus). Bei Afanasjev³ 1, 55 nr. 40 Var. 1 (aus Gouv. Perm) und Var. 2 (aus Gouv. Jenisej) tritt ein Fuchs oder ein Vögelchen auf; als die Eheleute Heilige sind und Brot und Geld fordern, antwortet das Vögelchen: ‘Heilige essen doch nicht, Heilige brauchen doch kein Geld!’ – Weißrussisch aus dem Gouv. Minsk bei Gliński³ 3, 60 nr. 3 (ähnlich Puschkin). Romanov 3, 359 nr. 89 (Kater). In einigen Varianten (Dobrovoljskij 1, 640; großrussisch bei Chudjakov 1, 132 nr. 37; kleinrussisch in Etnograf. Obozr. 9, 129, Etnograf. Zbirnyk 13, 99 nr. 286; lettisch im Zbiór 15, 271 = Dähnhardt, Natursagen 1, 222) ist nicht die Frau, sondern der Mann der ewig Unzufriedene. Das kleinrussische Märchen im Etnograf Obozr. 9, 130 beginnt wie der Gevatter Tod (nr. 44); nach der Taufe führt der Gevatter den Armen zu einer Eiche, aus deren Loch Weizen wie Gold in des Armen Sack fließt; als dessen Wünsche steigen, wird er zuletzt Herrgott, unter der Bedingung, daß er niemanden verurteilen soll; wie er aber gleich Abraham in der alten Legende (Archiv f. slav. Phil. 18, 116) eingreift, wird er [147] nebst den Seinen in Bären verwandelt. Ähnlich Romanov 4, 184, nr. 44. – Litauisch bei Leskien-Brugman S. 467 nr. 31 ‘Von dem alten Mann, der Herrgott werden wollte’ (ein Baumstumpf, den der Mann prügelt, weil er über ihn gefallen ist, erfüllt seine Wünsche). Dowojna Sylwestrowicz 1, 236 (wie Puschkin). – Lettisch aus Livland bei Treuland S. 277 (Goldvögelchen). Živ. Starina 5, 431 (Linde). 5, 432 (Birke. Verwandlung in Bären). – Estnisch bei Kreutzwald 2, 81 nr. 11 ‘Der zaubermächtige Krebs und das unersättliche Weib’. – Finnisch in Aarnes Register nr. 555. Das im Freimüthigen 1834, nr. 253–256 mitgeteilte Märchen hat gleichen Eingang, aber die Entwicklung ist verschieden. – In einer Erzählung der Schwarzwald-Tataren bei Radloff 1, 313 nr. 14 schlägt der Alte einen Baumstumpf, aus dem eine wundertätige Katze herauskommt; die Frau fehlt.

Man erkennt leicht, daß diese Erzählungen sich in zwei Gruppen sondern; in der einen, die besonders bei den germanischen und slavischen Stämmen, aber auch in Frankreich und Spanien verbreitet ist, gewährt ein gefangener Kobold in Fischgestalt[4] drei oder mehr Wünsche,[5] bei den Franzosen und Italienern dagegen erfüllt zumeist der Herrgott oder der Himmelspförtner, zu dem der arme Mann an einer himmelhohen Bohnenranke[6] hingelangt, wiederholte Bitten desselben. An den Eingang der ersten Gruppe erinnert die Erzählung vom Fischer und vom Geist in der Flasche in der 1001 Nacht[7] und die wallisische Sage von dem wahrsagenden Barden Taliesin, der als Kind im Sacke am Weiher ausgesetzt und von Elphin gefunden wird (Stephens Geschichte der wälschen Literatur 1864 S. 527). Auch Merlin läßt den verzweifelnden Holzhauer in einem altfranzösischen Gedichte (Legrand, Fabliaux 1, 3. Méon, Nouveau recueil 2, 242. Jubinal, Nouveau recueil 1, 128) einen Schatz heben, zum Amtmann werden und an seinen Kindern [148] Freude erleben, stößt jedoch den Unverschämten zuletzt wieder in die anfängliche Armut zurück.[8]

Uralt ist der den meisten Fassungen eigne Zug, daß die Frau ihren Mann zu hohen Würden reizt, von der Eva und der etrurischen Tanaquil (Livius 1, 47) an bis zur Lady Macbeth. Von dem großen Kreise der unvernünftigen Wünsche (Benfey, Pantschatantra 1, 495. Bedier, Les fabliaux² S. 212. Unten nr. 87) scheidet unser Märchen der besondere Umstand, daß die Unersättlichkeit der Frau alle bisher empfangenen Glücksgaben nichtig macht und die frühere Dürftigkeit zurückführt. Auf andre Art wird der mit seinem Lose unzufriedene Steinhauer in einem sinnvollen japanischen Märchen,[9] das auch anderwärts bekannt ist und an die Stufenfolge der stärksten Dinge anknüpft, durch einen Berggeist belehrt; dieser erfüllt seinen Wunsch, reich und mächtig zu werden, und verwandelt ihn, da er Sonne, Wolke und Fels beneidet, auch in diese Naturwesen; als Fels aber sieht er einen Steinhauer, der eiserne Keile ins Gestein treibt und große Stücke losbricht, und begehrt wieder zu sein, was er war.


  1. Steig, Arnim und Brentano 1894 S. 161.
  2. In dem Ausdrucke ‘Pisspott’ sieht Haas, Zs. f. Volkskunde 22, Heft 4 ein Mißverständnis für Sösspott, d. h. ein ärmliches Haus für sechs Familien, was indes wenig glaublich erscheint.
  3. Vgl. R. Steig, Literarische Umbildung des Märchens vom Fischer und siner Fru (Archiv f. neuere Sprachen 110, 8).
  4. Bei den Russen, Litauern und Tataren ist es ein Baumstumpf, bisweilen ein Kater, Fuchs, Vogel oder ein Heiliger; bei den Isländern, wo zugleich die Himmelsleiter erscheint, ein Elbe.
  5. Wie er anderwärts Weissagungen erteilt; vgl. J. Grimm, Myth.³ S. 475. 481. 545.
  6. Diese Bohnenranke mag aus dem Märchen von Jack und dem Bohnenstengel oder auch aus dem Lügenmärchen herstammen, vgl. unten nr. 112 und R. Köhler 1, 103. 109. 323.
  7. Chauvin, Bibl. arabe 6, 23 nr. 195. Vgl. Panzer 2, 191. E. Meier nr. 23 ‘Der arme Fischer’. De Nino 3, 351 nr. 71 ‘I pesci colorati.’
  8. Tantalos durfte (nach Athenaeus 7, 281b. Welcker, Rhein. Museum 1856, 242) alles von Zeus begehren; als er es aber den Göttern gleichtun will und an ihrem Tische speisen, erblickt er einen Steinblock über seinem Haupte und vermag nichts von der Mahlzeit anzurühren (ähnlich das Schwert des Damokles: R. Köhler 2, 558. 565; unten nr. 39, 2).
  9. Brauns 1885 S. 87. Multatuli (Dekker), Erzählungen und Skizzen übersetzt von Raché S. 98. Vgl. R. Köhler 2, 54. Gereimt nach einem neapolitanischen Improvisator bei Marc Monnier 1880 p. 367 ‘Le tailleur de pierres’ (ruft San Gennaro an). Basset, Revue des trad. pop. 7, 398. Wesselski, Mönchslatein, Einl. S. 23, nr. 71. Verwandlungen des Unzufriedenen: Hertel, Tantrākhyāyika 1, 138. 2, 125. Dähnnardt, Natursagen 3, 337. 526 unten.
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