Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I/Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich

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Inhalt Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I (1913) von Johannes Bolte, Jiří Polívka
1. Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich
Katze und Maus in Gesellschaft
Für verschiedene Auflagen des Märchens der Brüder Grimm siehe Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich.

[1]

1. Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich. 1856 S. 3.

1812 Nr. 1: aus Hessen. Später stilistisch umgeformt.

Eine andere Fassung, von der alten Marie im Wildschen Hause zu Kassel am 8. März 1813 erzählt, ward 1815 im 2. Bande als Nr. 13 Der Froschprinz gedruckt.

Es war einmal ein König, der hatte drei Töchter; in seinem Hof aber stand ein Brunnen mit schönem, klarem Wasser. An einem heißen Sommertag ging die älteste hinunter und schöpfte sich ein Glas voll heraus; wie sie es aber so ansah und gegen die Sonne hielt, sah sie, daß es trüb war. Das kam ihr ganz ungewohnt vor, und sie wollte es wieder hineinschütten; indem regte sich ein Frosch in dem Wasser, streckte den Kopf in die Höhe und sprang endlich auf den Brunnenrand. Da sagte er zu ihr:

‘Wann du willst mein Schätzchen sein,
Will ich dir geben hell, hell Wässerlein.
[Willst du aber nicht mein Schätzchen sein,
So mach ich es puttel puttel trübe.]’[1]

‘Ei, wer will Schatz von einem garstigen Frosch sein’, rief die Prinzessin und lief fort. Sie sagte ihren Schwestern, was da unten am Brunnen für ein wunderlicher Frosch wäre, der das Wasser trüb machte. Da ward die zweite neugierig, ging hinunter und schöpfte sich auch ein Glas voll; das war oben wieder so trüb, daß sie es nicht trinken wollte. Aber der Frosch war auch wieder auf dem Rand und sagte:

‘Wann du willst mein Schätzchen sein,
Will ich dir geben hell, hell Wässerlein.’

‘Das wär mir gelegen’, sagte die Prinzessin und lief fort. Endlich kam die dritte und schöpfte auch; aber es ging ihr nicht besser, und der Frosch sprach auch zu ihr:

[2]

‘Wann da willst mein Schätzchen sein,
Will ich dir geben hell, hell Wässerlein.’

‘Ja doch, ich will dein Schätzchen sein’, sagte die Prinzessin, ‘schaff mir nur reines Wasser!’ Sie dachte aber: ‘Was schadet dir das! Du kannst ihm ja leicht aus Gefallen so sprechen, ein dummer Frosch kann doch nimmermehr mein Schatz sein’. Der Frosch aber war wieder ins Wasser gesprungen, und als sie nun zum zweitenmal schöpfte, da war das Wasser so klar, daß die Sonne ordentlich vor Freuden darin blinkte. Sie trank sich recht satt und brachte ihren Schwestern noch mit hinauf; ‘Was seid ihr so einfältig gewesen und habt euch vor dem Frosch gefürchtet!’

Darnach dachte die Prinzessin nicht weiter daran und legte sich abends vergnügt ins Bett. Wie sie ein Weilchen darin lag und noch nicht eingeschlafen war, da hört sie auf einmal etwas an der Türe krabbeln und darnach singen:

‘Mach mir auf, mach mir auf!
Königstochter jüngste,
Weißt du nicht, wie du gesagt,
Als ich in dem Brünnchen saß,
Du wolltest auch mein Schätzchen sein,
Gäb ich dir hell, hell Wässerlein?’

‘Ei, da ist ja mein Schatz, der Frosch’, sagte die Prinzessin; ‘nun, weil ichs ihm versprochen habe, so will ich ihm aufmachen’. Also stand sie auf, öffnete ihm ein bißchen die Türe und legte sich wieder. Der Frosch hüpfte ihr nach und hüpfte endlich unten ins Bett zu ihren Füßen und blieb da liegen, und als die Nacht vorüber war und der Morgen graute, da sprang er wieder herunter und fort zur Türe hinaus. Am andern Abend, als die Prinzessin wieder im Bett lag, krabbelte es wieder und sang an der Türe. Die Prinzessin machte auf, und der Frosch lag, bis es Tag werden wollte, wieder unten zu ihren Füßen. Am dritten Abend kam er, wie an den vorigen. ‘Das ist aber das letztemal, daß ich dir aufmache’, sagte die Prinzessin, ‘in Zukunft geschiehts nicht mehr.’ Da sprang der Frosch unter ihr Kopfkissen, und die Prinzessin schlief ein. Wie sie am Morgen aufwachte und meinte, der Frosch sollte wieder forthüpfen, da stand ein schöner junger Prinz vor ihr, der sagte, daß er der bezauberte Frosch gewesen und daß sie ihn erlöst hätte, weil sie versprochen, sein Schatz zu sein. Da gingen sie beide zum König, der gab ihnen seinen Segen, und da ward Hochzeit gehalten. Die zwei andern Schwestern aber ärgerten sich, daß sie den Frosch nicht zum Schatz genommen hatten.

In einer dritten Erzählung aus dem Paderbörnischen (aus der Familie v. Haxthausen in Bökendorf) gibt der Königssohn, [3] nachdem er aus der Froschgestalt erlöst ist, seiner Braut beim Abschied ein Tuch, worin sein Name rot geschrieben ist. Wenn der schwarz werde, so sei er tot oder ungetreu[2]. Einmal sieht die Braut mit Leidwesen, daß der Name wirklich schwarz geworden ist. Da verkleidet sie sich mit ihren beiden Schwestern in Reiter und sucht den Königssohn auf, und sie verdingen sich bei ihm. Man bekommt Verdacht gegen sie und streut Erbsen; denn wenn sie fielen und wären Mädchen, so würden sie erschrecken, wären es Männer, so würden sie fluchen.[3] Sie haben aber den Anschlag vernommen, und wie sie über die Erbsen fallen, fluchen sie. Als hernach der Königssohn mit der falschen Braut wegreist, müssen die drei dem Wagen nachreiten. Unterwegs hört der Königssohn ein lautes Krachen und ruft: ‘Halt, der Wagen bricht’; da ruft die rechte Braut hinter dem Wagen: ‘Ach nein, es bricht ein Band von meinem Herzen.’ So kracht es noch zweimal, und jedesmal bekommt er dieselbe Antwort.[4] Da fällt ihm die rechte Braut wieder ein; er erkennt sie in dem Reiter und hält Hochzeit mit ihr.

In einer vierten Fassung aus Ostpreußen, die Funk (Neue preuß. Provinzialblätter 6, 313. 1848: ‘Von eener Königin on eenem Pogge’) in der Mundart mitteilt, verlangt der Frosch, der den ins Wasser gefallenen Ring der Prinzeß wiedergebracht hat, daß diese und nicht ihre Magd ihm öffne, Essen bereite, den Tisch decke und das Bett mache:

Nich de Köke, nich de Köke,
Schöne Königinne!
Wöll juh weete,
Wo juh seete
An dem Fleete,
Wo ju juhnem Ring verlare
On tomm Manne mie erkare,
Schöne Königinne!

[4] Ähnlich lautet die pommersche Erzählung ‘De Königin un de Pogg’ (U. Jahn nr. 5), nur daß die Entzauberung gleich durch den Kuß der Prinzeß erfolgt, und eine von Simrock (nr. 19) ohne Angabe der Herkunft berichtete: ‘Der dicke Frosch’. Einer weiteren pommerschen Fassung (U. Jahn Nr. 6: ‘Die Königstochter und die Schorfkröte’) fehlen die Verse; die Kröte verlangt, drei Wochen mit der Prinzeß am Tische zu essen, ebensolange im Schlosse und endlich im Bette der Prinzeß zu schlafen.[5]

Zwei vlämische Märchen aus der Gegend von Dünkirchen (L. de Baecker, De la religion du nord de la France avant le christianisme 1854 S. 283) und aus Erembodegem (Gittée in der Genter Zeitschrift Volkskunde 1, 48. 1888: ‘Van het meisje, dat met een puit trouwde’) beginnen wie die zweite hessische Fassung; doch wird im ersten die jüngste Tochter nicht vom Frosch besucht, sondern findet eines Abends am Brunnen einen Jüngling statt des Frosches, und im andern erfolgt die Entzauberung, nachdem das Mädchen den Frosch aufgeschnitten hat. Unbedeutend ist die von Boekenoogen (Volkskunde 14, 117. 1902) mitgeteilte Fassung aus Gelderland: ‘Van den kikvorsch die in een prins veranderde’.

Dänisch in Grundtvigs hsl. Register nr. 124 ‘Kongesen i tusseham’; aus Jütland bei Grundtvig, Minder 3, 66: ‘Skruptudsen’. Skattegraveren 9, 106 (1888): ‘Den syngende frø’. Kristensen, Aeventyr fra Jylland 3, 249 nr. 45 ‘Pigen og tussen’. 4, 391 nr. 83 ‘Skruptussen’. – Schwedisch aus Nyland bei Allardt nr. 117 ‘Om prinsen, som va trölla ti gródo’.

Auch in Schottland lebt das Märchen fort. In dem 1549 erschienenen ‘Complaynt of Scotlande’ (ed. by J. Leyden 1801 p. 234; ed. by J. Murray 1872 p. 63. LXXIII) wird unter andern Erzählungen ‘the tayl of the volfe of the varldis end’ genannt, was wohl nicht die Sage vom nordischen Fenrir (Grimm, Myth.³ S. 224), sondern vom Weltbrunnen (volle = well) bedeutet. Leyden hat Bruchstücke singen hören, worin der Brunnen von der Welt End (well of the warldis end) vorkommt und ‘the well Absolom’ und ‘the [5] cald well sae weary’ heißt. Hieran schließt er unser Märchen an: ‘According to the popular tale a lady is sent by her stepmother to draw water from the well of the worlds end. She arrives at the well, after encountering many dangers, but soon perceives that her[WS 1] adventures have not reached a conclusion. A frog emerges from the well, and, before it suffers her to draw water, obliges her to betroth herself to the monster, under the penalty of being torn to pieces. The lady returns safe; but at midnight the frog lover appears at the door and demands entrance, according to promise to the great consternation of the lady and her nurse:

Open the door, my hinny, my hart,
Open the door, mine ain wee thing,
And mind the words that you and I spak
Down in the meadow at the well-spring!

The frog is admitted and addresses her:

Take me up on your knee, my dearie,
Take me up on your knee, my dearie,
And mind the word that you and I spak
At the cauld well sae weary!

The frog is finally disenchanted and appears as a prince in his original form‘. – Aus ähnlichen Versbruchstücken Nordenglands hat J. O. Halliwell (Popular rhymes and nursery tales 1849 p. 43 = Asbjörnsen-Grässe, Nord und Süd 1858 nr. 20) das Märchen ‘The maiden and the frog’ zusammengesetzt,[6] das J. Jacobs (English fairy tales p. 215 nr. 41) nacherzählte. In einer Fassung aus Annandale (bei Chambers, Popular rhymes of Scotland 1847 p. 236 ‘The well o’ the warld’s end’ = 1870 p. 87 ‘The paddo’) findet das Mädchen den Brunnen ausgetrocknet und muß zum Schluß dem Frosch den Kopf abhauen. Dieser Schluß kehrt auch in der gälischen Erzählung bei Campbell ² 2, 140 nr. 33 ‘Die Königstochter und der Frosch’ (R. Köhler 1, 229) wieder.

In den slavischen Fassungen erscheint der verzauberte Prinz meist in Gestalt einer Schlange (polnisch wąž, russisch už, Masc.) oder eines Krebses (rak), weil žaba, der Frosch, weiblichen Geschlechts ist. In der wendischen Fassung ‘Die goldene Kugel’ [6] aus dem Spreewalde (bei Veckenstedt S. 254 nr. 21. E. Kühn, Der Spreewald 1889 S. 143) holt die Kröte der jüngsten Schwester ihre Goldkugel aus dem Brunnen. – Einige polnische Märchen schließen gleich dem paderbörnischen nicht mit der Entzauberung des Frosches, sondern lassen dem Verbrennen der Tierhülle eine Entrückung des Jünglings und eine mühevolle Wanderung der Braut[7] folgen, so eine 1846 von J. Lompa in Oberschlesien aufgezeichnete Fassung (Nehring, Mitt. der schles. Ges. f. Volksk. 2, Heft 3, 17), wo der Klotz [!] abends vor der Tür der jüngsten Tochter ruft: ‘Turu turu turu, öffne mir, mein Liebchen! Denn du hast es mir gelobt, als du Wasser aus dem Brünnlein schöpftest’; eine ähnliche ebd. Heft 6, 50 (Bär); eine weitere aus dem Regierungsbez. Kosel bei Malinowski 2, 101, wo die Mutter die Kuhhaut in den Ofen wirft und die Tochter in eisernen Schuhen zu Mond, Sonne und Wind wallfahrtet und als Gänsehirtin von der Frau des Prinzen drei Nächte bei ihm erkauft. Ähnlich sind eine vierte Fassung aus dem Bezirk Lublin (Wisła 7, 157) und eine kaschubische aus Schwarzauerkämpe bei Bronisch S. 33; in jener schläft das Mädchen, das einen Zuber mit ihren Tränen füllen soll, endlich ein, und eine Zauberin setzt sich an ihre Stelle und betört den Prinzen; in dieser erhält es von Sonne, Mond und Wind eine goldene Spindel, Spinnrocken und Haspel zum Geschenk. Ein andres polnisches Märchen aus dem Bez. Kreuzburg bei Malinowski 2, 240 schließt dagegen damit, daß das Mädchen der Schlange von der Quelle den Schwanz abreißt und den Prinzen entzaubert. Bei Kozłowski S. 295 verbunden mit dem Stoffe von der Stieftochter, statt des Frosches ein schwarzer Köter, der Stiefmutter Tochter frißt der Wolf unter dem Federbette. Aus Kujawien bei Kolberg, Lud 3, 122 nr. 4 (Schlange statt Frosch). – In einer entstellten kleinrussischen Fassung bei Kuliš 2, 14 führt die Schlange das Mädchen sogleich mit sich fort. – Weißrussisch bei Federowski, Lud białoruski 2, nr. 149: die Schlange wird entzaubert, sobald sie ins Zimmer des Mädchens gelangt; da dies bereits einem andern verlobt war, entflieht das Liebespaar und gerät in die Gewalt einer Hexe, die den Jüngling braten und verzehren will. Ebenda nr. 159 kriecht die Schlange aus einer [7] Blume, während die Königstochter einen Kranz windet, und verlangt unter Androhung des Todes, als Gatte angenommen zu werden; vergeblich versucht der Vater die ältere Tochter unterzuschieben. Ebenda nr. 158 erscheint statt der Schlange ein Krebs, der, als die Prinzessin einmal die Krebshülle verbrennt, auf immer verschwindet. In einer vierten Fassung (nr. 156) läßt der Krebs das Mädchen nur unter der Bedingung aus dem Brunnen schöpfen, daß es ihn heirate; die Fortsetzung wie im Polnischen. – Eine lettische Version aus Livland bei Treuland nr. 108 stimmt fast wörtlich zu Grimm. – In der litauischen ‘Das Mädchen und die Schlange’ (Veckenstedts Zs. f. Volkskunde 1, 189) läßt sich die Schlange, die das kostbare Tuch aus dem Meere geholt hat, ins Feuer werfen. – In der ungarischen (Erdélyi 8, 15 = Jones-Kropf p. 224 ‘The wonderful frog’) ruft der Frosch vor der Tür nicht nach seiner Braut, sondern nach seinem Schwiegervater. – Finnisch: Aarnes Register nr. 440.

Daß man schon im 13. Jahrhundert in Deutschland von einem verzauberten Frosche erzählte, um dessen willen ein Mädchen viel Ungemach auf sich nahm, scheint Berthold von Regensburg im Rusticanus de sanctis (Leipziger Ha. 498, Bl. 166, 1 = Schönbach, Wiener SB 142, 7, 101. 1900) zu bezeugen: ‘Stultus et invirtuosus esset, qui ranam tantum diligeret, quod potius sibi vellet oculos erui quam illam deserere, similiter os et nasum, immo et se comburi cum omnibus quae habet’, falls hier nicht bloß an das Sprichwort ‘Si quis amat ranam, ranam putat esse Dianam’ (MSD³ XXVII. 2, 223) zu denken ist; vgl. Petronius cap. 77: ‘Qui fuit rana, nunc est rex’. Und wenn Rollenhagen in der Vorrede zum Froschmeuseler (1608 Bl. B 1 b) unter den alten deutschen Hausmärlein auch das ‘vom eisern Heinrich’ anführt, so meint er damit den Schluß unsres Märchens in der ersten hessischen Fassung, vom treuen Diener, der sein kummervolles Herz in eiserne Bande hatte legen lassen. Auch der vergessenen Braut in der paderbörnischen Fassung springt ein Band vom Herzen, daß es der Königssohn vernimmt. Und in einem bretonischen Liede (Luzel, Chants populaires de la Bretagne 1, 409. 419. 1868) kracht bei der Weihe eines jungen Priesters das Herz seiner Geliebten laut:

     Un des vicaires demandait:
‘Est-ce la charpente de l’église qui craque ainsi?’
“Sauf votre grâce, seigneur, ce n’est pas,
Mais c’est Jeanne le Iudec, qui s’est évanouie”.

[8] Im altfranzösischen Gedichte ‘Le chevalier au cygne et Godefroi de Bouillon’ ed. Reiffenberg v. 9921 fürchtet der Sultan von Persien, wie er vom Siege der Kreuzfahrer bei Antiochia hart, vor Schmerz zu bersten und schnürt seinen ledernen Gürtel fest; doch schwillt seine Brust so, daß er Lunge und Leber zu verlieren meint. Sigurds Brünne zerspringt, als er hört, daß Gudrun ihren Gatten nicht verlassen will (Völsungasaga c. 38). Und in der Einleitung zur Guþrunarkviþa I heißt es: ‘hun var búin til at springa af harmi’. Maurer 1860 S. 49: ‘sprakk af harmi’. Weinschwelg ed. Lucae 1886 v. 404: ‘Er zôch ein hirzhals an sich, den hiez er vaste brîsen, dar zuo von guotem îsen ein banzier enge: Des wînes gedrenge lât mich nu ungezerret’. . . Des Wirtemperk puch ed. Keller 1845 S. 35 v. 593: ‘Daz ich meinen leib mit eisenen reifen beslüeg’. Gödings Gedicht von Heinrich dem Löwen Str. 59 (Paul-Braune, Beitrage 13, 301): ‘Ihr Hertze lag in Banden’. Rollenhagen, Froschmeuseler B. 1, 2, cap. 12, 11 (und danach Philander von Sittewalds Gesichte, Leiden 1646 3, 42): ‘Denn ihr Hertz stund in dieser Hand fester denn in eim eisen Band’. Auch sonst ist von dem Band der Sorge, dem Stein, der auf dem Herzen liegt, die Rede. Ein alter Minnedichter (MSH. 1, 206 b) sagt schön: ‘Si ist mir in min herze stahelherteklich gedrükket’, und Heinrich von Sax (MSH. 1, 93 b) ausdrücklich: ‘Min herze in banden lit’. Von dem brechenden Herzen (Grimm DWb. 4, 2, 1209 f. 1225. 5, 1918) sagt Wirnt im Wigalois v. 7679: ‘Von sîme tôde si erschrac so sêre, daz ir herze brach lûte als ein dürrer ast, swâ man den brichet enzwei.’ Ortnit 541, 2 (Müllenhoffs Deutsches Heldenbuch 3, 1, 70): ‘Ir herze hôrte er krachen, dazz in ir lîbe brach’. Im rumänischen Märchen (Schott S. 145) springen die drei eisernen Reifen, mit denen der Held Wilisch Witiâsu umgürtet ist, als der Prinz ihm ein Glas Wein reicht.

Der Name Heinrich für einen Diener hat etwas Volksmäßiges; vgl. Hartmanns Armen Heinrich hsg. von den Brüdern Grimm 1815 S. 213–216 und Wackernagel, Kleinere Schriften 3, 144. 148 f. Ein treuer Heinrich auch in v. d. Hagens Gesamtabenteuer nr. 64.

Es gibt auch Märchen, in denen der verzauberte Frosch nicht ein Prinz, sondern eine Prinzessin ist: Luzel, Revue des trad. pop. 3, 474 ‘Jannic aux deux sous’ (bretonisch) = Clouston, Folk-lore 1, 493. Sébillot, Contes 1, 9 und Folklore de France 3, 291. [9] Pineau, C. du Poitou p. 95. Meyrac, Ardennes p. 474. 477; vgl. unten zu nr. 63 ‘Die drei Federn’. – Über das Motiv der Entzauberung durch Kuß[8] oder Beilager[9] vgl. Zingerle, Sagen² zu nr. 555; Child, English and scottish popular ballads 1, 298 zu nr. 32; Maynadier, The wife of Bath’s tale, its sources and analogues (London 1901); Grundtvig, DGF. 65 ‘Lindormen’ und Olrik, ‘Kong Lindorm’ (Danske Studier 1, 1. 1904); über Entzauberung durch Enthauptung nr. 57, Baaset, Revue des trad. pop. 3, 561, Sébillot, Folklore de France 3, 140 und Kittredge, Journal of american folk-lore 18, 1–14; über das Verbrennen der Tierhülle unten nr. 108 ‘Hans mein Igel’.


  1. Die zwei letzten Verse sind erst in dem Auszuge, den die Anmerkungen 1856 S. 3 geben, hinzugefügt.
  2. Vgl. unten Nr. 60. 97.
  3. Vgl. Nr. 67. Gonzenbach nr. 17.
  4. In einem ostpreußischen Märchen (Lemke 2, 142) reitet die vergessene Braut als Jäger verkleidet mit dem Prinzen; da knallt unter ihrem Jägerrocke ‘der Ritterband’, den er ihr einst als Pfand seiner Treue gegeben, entzwei. ‘Was war das?’ fragt der Prinz. ‘Riß etwas am Sattelzeug?’ Vgl. auch Benfey, Pantschatantra 1, 267 und R. Köhler, Kleinere Schriften 1, 316 über die Reifen, die der schwangeren Frau um den Leib gelegt werden.
  5. In einem holsteinischen Märchen (Müllenhoff S. 383), dessen Eingang an unser Löweneckerchen (nr. 88) erinnert, soll ein Mann der jüngsten Tochter Ode das mitbringen, was hinter seinem Wagen herläuft. Das ist eine Schlange, die von Ode begehrt, zuerst auf die Diele, darauf in ihre Kammer und ihr Bett mitgenommen zu werden, und sich dann in einen Prinzen verwandelt.
  6. Des Frosches Rat, das Sieb, In dem das Mädchen Wasser holen soll, mit Moos und Lehm zu verstopfen, kehrt bei Addy, Household tales nr. 89 und in Harris Uncle Remus 1902 p. 109 wieder; vgl. Lenz, Engl. Märchensammlungen 1902 S. 58. 86. Asbjörnsen nr. 15. Dähnhardt 3, 409.
  7. In das verwandte Märchen vom Tierbräutigam, dem die neugierige Schwester nachts einen Tropfen Wachs von der Kerze auf die Schulter fallen läßt, lenkt das spanische Märchen von der Kröte über, der ein armer Fischer seine jüngste Tochter verspricht (Bibl. de las trad. pop. esp. 10, 139 nr. 10: ‘El sapito’).
  8. Im böhmischen Märchen (Národní pohádky a povĕsti Slavie 1873 p. 22 nr. 4) verwandelt ein von der Stiefmutter in den Wald getriebenes Mädchen einen Bären durch einen Kuß in einen Prinzen; ähnlich in litauischen (Dowojna Sylwestrowicz, Podania žmujdzkie 1, 113. 233. 303. 2, 402) und kaschubischen Überlieferungen (Ramult Słownik języka pomorskiego p. 293 nr. 4–5). Vgl. unten zu nr. 63.
  9. In isländischen Märchen (Rittershaus S. 7. 34. 37. 46. 59. 74. 84. 135. 204) wird die Entzauberung häufig durch Schlafen zu Füßen eines Brautpaares herbeigeführt.

Anmerkungen (Wikisource)

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