Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I/Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen

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Marienkind Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I (1913) von Johannes Bolte, Jiří Polívka
4. Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen
Der Wolf und die sieben jungen Geißlein
Für verschiedene Auflagen des Märchens der Brüder Grimm siehe Märchen von einem, der auszog das Fürchten zu lernen.

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4. Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen. 1856 S. 9.

1819 in der 2. Auflage Nr. 4; zuvor in der Zeitschrift Wünschelruthe (Göttingen 1818) S. 13–16: ‘aus mündlicher Überlieferung mitgeteilt von Wilhelm Grimm’.[1] Zu Grunde liegt eine mecklenburgische Erzählung, aus einer hessischen in der Schwalmgegend (vom Siebert) ist das Kegelspiel mit den Totengebeinen eingerückt.

Diese hessische Erzählung Gut Kegel- und Kartenspiel war 1812 in der 1. Auflage S. 14 als nr. 4 gedruckt und lautet:

Es war einmal ein alter König, der hatte eine Tochter, die war die schönste Jungfrau auf der Welt. Da ließ er bekannt machen: ‘Wer drei Nächte in meinem alten Schloß wacht, soll die Prinzessin zur Gemahlin haben’. Nun war ein junger Bursch, arm von Haus aus, der gedacht Ich will mein Lehen daran wagen; nichts zu verlieren, viel zu gewinnen, was ist da lang zu besinnen! Also stellt er sich vor den König und bot sich an, drei Nächte in dem Schloß zu wachen, ‘Du darfst dir noch etwas ausbitten, das du mitnimmst in das Schloß, aber von leblosen Dingen’, sagte der König. – ‘So bitt’ ich mir eine Schnitzbank mit dem Schnitzmesser aus, eine Drehbank und ein Feuer’. – Das wird ihm alles in das alte Schloß getragen; darauf, wie es anfängt dunkel zu werden, geht er selbst hinein. Anfangs ist alles still darin; er macht sich sein Feuer an, stellt die Schnitzbank mit dem Messer daneben und setzt sich auf die Drehbank. Wie es aber gegen Mitternacht geht, fängt ein Gerümpel an, erst sachte, dann stärker, bif! baf! hebe! holla ho! immer ärger; dann ists ein klein bischen still, kommt ein Bein den Schornstein herunter und stellt sich gerade vor ihn hin. ‘Heda’, ruft der Bursch, ‘noch mehr, eins ists zu wenig’. Da geht der Lärm von frischem an, fällt noch ein Bein herunter und noch eins und so fort, bis es neun sind. ‘Nun ists genug, und die sind gut zum Kegelspiel; aber die Kugeln fehlen noch, frisch!’ Da tobts entsetzlich,[2] und fallen zwei Köpfe herunter. Die setzt er in die Drehbank und dreht sie rund: ‘Daß ihr gut schüppelt!’ Dann macht er die Beine gleich und stellt sie [23] wie die Kegel auf: ‘Heida, nun gehts lustig!’ – Da kamen zwei große schwarze Katzen, gingen ums Feuer herum und schrien: ‘Au, miau! Was uns friert, was uns friert!’ – ‘Ihr Narren, was schreit ihr! Setzt euch ans Feuer und wärmt euch!’ Wie die Katzen sich gewärmt hatten, sagten sie: ‘Kamrad, wir wollen eins in der Karte spielen.’ – ‘Ja’, antwortete er, ‘aber zeigt einmal eure Pfoten her! Ihr habt so lange Nägel, die will ich euch erst abschneiden’. Damit packte er sie am Kragen und hob sie auf die Schnitzbank, da schraubte er sie fest und schmiß sie tot. Dann trug er sie hinaus und warf sie in einen kleinen Teich dem Schloß gegenüber. Wie er die zur Ruh gebracht und sich wieder zum Feuer setzen wollte und sich wärmen, da kamen viele schwarze Katzen und Hunde bald aus allen Ecken und Enden, immer mehr und mehr, daß er sich nicht mehr bergen konnte, die schrien, traten ihm auf sein Feuer, zerrten es auseinander und machten es ganz aus. Da faßte er[3] sein Schnitzmesser: ‘Fort, ihr Gesindel!’ und hieb ein. Ein großer Teil lief weg, die anderen schmiß er tot und trug sie auch hinaus in den Teich. Dann blies er sich das Feuer wieder an aus einem Funken und wärmte sich. – Als er sich gewärmt hatte, ward er müd und legte sich in ein großes Bett, das in der Ecke stand[4]. Und als er eben[5] einschlafen wollte, fing das Bett an zu fahren und fuhr im ganzen Schloß herum. ‘Das geht gut so, nur besser zu!’ sagte er. Da fuhr das Bett, als zögens sechs Pferde, über Schwellen und Treppen; hopp, hopp, warf es um, das unterst zu oberst, und er drunter. Da schleudert’ er Decken und Kissen in die Höh und stieg heraus: ‘Mag fahren, wer Lust hat!’ legte sich zum Feuer und schlief, bis es Tag war. – Am Morgen kam der König, und als er den jungen Burschen da liegen und schlafen sah, meint’ er, der wäre auch tot, und sagte, es sei schade um ihn. Da erwachte der Bursch von den Worten, und wie er den König sah, stand er auf; der fragte ihn, wie es gegangen wäre in der Nacht. ‘Recht gut, eine wär’ herum, die zwei werden auch noch herumgehen.’ Die andern Nächte gings ebenso; aber er wußte schon, wie es anzugreifen war, und am vierten Tag ward ihm die schöne Königstochter gegeben.

Das Märchen wird an andern Orten gewöhnlich mit neuen oder verschieden gestellten Proben der Herzhaftigkeit erzählt und ist mit der Sage vom Bruder Lustig und dem Spielhans (nr. 81. 82) verwandt. Wie der Furchtlose, so fährt Gawan in Wolframs Parzival (566, 14) in einem zauberhaften Bett (lit marveile) durch das Schloß. [24] – In einer dritten Fassung aus Zwehrn wird erzählt, daß Gespenster mit neun Knochen und einem Totenkopf kommen und den Jungen zum Spiel einladen, das er ohne Furcht annimmt, worin er aber all sein Geld verliert; um Mitternacht verschwindet der Spuk von selbst. Aus dieser ist auch genommen, daß die Leiche herbeigetragen wird, die er im Bett erwärmen will. Sie hat aber auch weiter keine Proben, und es fehlt der scherzhafte Schluß, der dagegen wieder in einer vierten, hessischen, wo der Junge ein Schneider ist, so vorkommt, daß die Frau Meisterin einen Eimer kalt Wasser über ihn gießt, als er im Bett liegt.

In einer fünften Erzählung wird die große Mannhaftigkeit einem jungen Tiroler zugeschrieben. Er berät sich mit seinem Vater, was für ein Handwerk ihm wohl am zuträglichsten sein würde, und entschließt sich endlich das Fürchten zu lernen. Ein neuer Zug darin ist, daß nachts ein Gespenst hereintritt, ganz mit Messern bedeckt, und den Tiroler niedersitzen heißt, um sich von ihm den Bart scheren zu lassen[6]. Er tuts ohne Furcht, und wie das Gespenst [25] zu Ende ist, will es ihm auch den Hals abschneiden; aber in dem Augenblick schlägt es zwölf, und es verschwindet. Angeknüpft ist dann hier die Sage von dem getöteten Drachen, dem er die Zunge ausschneidet, womit er sich späterhin als Sieger ausweist und die Königstochter gewinnt, wie sie in dem Märchen von den Goldkindern (nr. 85) ausführlich vorkommt.

Eine sechste Erzählung aus Zwehren verdient unabgekürzt hier mitgeteilt zu werden.

Es ist einmal einer in der Welt gewesen, dessen Vater war ein Schmied, den haben sie auf den Totenhof und aller Orten hingebracht, wo es fürchterlich ist, aber er hat sich nicht gefürchtet. Da sprach sein Vater: ‘Komm nur erst in die Welt, du wirst es schon noch erfahren’. Da ging er fort, und es trug sich zu, daß er nachts in ein Dorf kam, und weil alle Häuser verschlossen waren, legte er sich unter den Galgen. Und als er einen daran hängen sah, redete er ihn an und sprach: ‘Warum hängst du da?’ Da antwortete der Gehenkte: ‘Ich bin unschuldig, der Schulmeister hat das Glöckchen vom Klingelbeutel gestohlen und mich als den Dieb angegeben. Wenn du mir zu einem ehrlichen Begräbnis hilfst, so will ich dir einen Stab schenken, womit du alle Gespenster schlagen kannst. Das Glöckchen hat der Schulmeister unter einen großen Stein in seinem Keller versteckt.’ Als er das gehört hatte, machte er sich auf, ging in das Dorf vor des Schulmeisters Haus und klopfte an. Der Schulmeister stand auf, wollte aber seine Tür nicht öffnen, weil er sich fürchtete; da rief jener: ‘Wo du deine Tür nicht aufmachst, so schlag ich sie ein’. Nun öffnete sie der Schulmeister, und jener packte ihn gleich im Hemde wie er war, nahm ihn auf den Rücken und trug ihn vor des Richters Haus. Da rief er laut: ‘Macht auf, ich bringe einen Dieb’. Als der Richter herauskam, sprach er: ‘Hängt den armen Sünder draußen vom Galgen herab, er ist unschuldig, und hängt diesen dafür hin! Er hat das Glöckchen vom Klingelbeutel gestohlen, es liegt in seinem Keller unter einem großen [26] Stein‘. Der Richter schickte hin, und das Glöckchen ward gefunden, sodaß der Schulmeister den Diebstahl bekennen mußte. Da sprach der Richter das Urteil, daß der Unschuldige vom Galgen abgenommen und in Ehren begraben werden sollte, der Dieb aber dafür hinaufgehenkt. Die andere Nacht, als der Unschuldige schon in einem christlichen Grab ruhte, ging der junge Schmied wieder hinaus. Da kam der Geist und schenkte ihm den Stab, den er ihm versprochen hatte. Sprach der Schmied: ’Nun will ich in die Welt gehen und den Fürchtemich suchen‘. – Es trug sich zu, daß er in eine Stadt kam, wo ein verwünschtes Schloß stand, in das sich nun und nimmermehr jemand wagte. Als der König hörte, daß ein Mann angekommen wäre, der nichts fürchte, so ließ er ihn rufen und sprach: ‘Wenn du mir das Schloß erlösest, will ich dich so reich machen, daß du deines Reichtums kein Ende wissen sollst’. – ‘O ja’, antwortete er, ‘recht gern, es muß mir nur einer den Weg zeigen zu dem Schloß’. Sprach der König: ‘Ich habe auch keine Schlüssel dazu’. – ‘Die brauch ich nicht’, antwortete er, ‘ich will schon hineinkommen’. Da ward er hingeführt, und als er vor das vorderste Tor kam, schlug er mit seinem Stabe daran, alsbald sprang es auf, und dahinter lagen die Schlüssel zum ganzen Schloß. Er schloß die erste innere Tür auf, und wie sie sich auftat, kamen ihm die Gespenster entgegen, das eine hatte Hörner auf, das andere spie Feuer, und alle waren kohlschwarz. Da sprach er: ‘Was das für Kerle sind! Das mögen die rechten Kohlenbrenner sein, die können mit heimgehen und meinem Vater das Feuer zurecht machen’. Und als sie auf ihn eindrangen, nahm er seinen Stab und schlug sie zusammen, jedesmal sechs, packte sie und steckte sie in eine Stube, wo sie sich nicht mehr rühren konnten. Darauf nahm er die Schlüssel wieder in die Hand und schloß die zweite Türe auf. Da stand ein Sarg, und ein Toter lag darin und neben ihm auf der Erde ein großer schwarzer Pudel, der hatte eine glühende Kette um den Hals. Da ging er hinzu, schlug mit seinem Stab auf den Sarg und sprach: ‘Was liegst du, alter Kohlenbrenner, darin?’ Der Tote richtete sich auf und wollte ihn schrecken, aber er rief ihm zu: ‘Gleich heraus mit dir!’ Und als der Tote nicht gleich folgte, packte er ihn und steckte ihn zu den andern. Dann kam er wieder und faßte die glühende Kette und wickelte sie um sich und rief: ‘Fort mit dir!’ Aber der schwarze Hund wehrte sich und spie Feuer. Da sprach er: ‘Kannst du das, so will ich dich um so mehr mitnehmen; du sollst auch meinem [27] Vater helfen Feuer anmachen’. Aber eh er sichs versah, war der Hund weg, und mag wohl der Teufel gewesen sein. Nun hatte er noch einen kleinen Schlüssel für die letzte Türe. Wie er die aufschloß, kamen ihm zwölf schwarze Gespenster mit Hörnern und Feueratem entgegen; aber er schlug sie mit seinem Stab zusammen, schleppte sie hinaus und warf sie in ein Wasserbehälter, das er mit dem Deckel zuschloß. – ‘Die hätte ich zur Ruhe gebracht’, sprach er vergnügt, ‘aber es ist mir warm dabei worden, ich möchte einen Trunk darauf haben’. Da ging er in den Keller und zapfte sich von dem alten Wein, der da lag, und war guter Dinge. Der König aber sprach: ‘Ich möchte doch wissen, wie es ihm ergangen ist’, und schickte seinen Beichtvater hin; denn es getraute sich kein anderer in das verwünschte Schloß. Als der Beichtvater, der krumm und bucklig war, vor das Tor kam und anklopfte, machte der junge Schmied auf; als er ihn aber in seiner Mißgestalt und in seinem schwarzen Rock erblickte, rief er: ‘Ist doch noch einer übrig. Was willst du, du alter buckliger Teufel?’ und sperrte ihn auch ein. – Nun wartete der König noch einen Tag; als aber der Beichtvater gar nicht zurückkam, so schickte er einen Haufen Kriegsvolk, das sollte mit Gewalt in das Schloß eindringen. Der Schmied sprach: ‘Es kommen Menschen, da will ich gern aufmachen’. Die fragten ihn, warum er des Königs Beichtvater festgehalten hätte. ‘Ei was’, sprach er, ‘wie konnte ich wissen, daß es der Beichtvater war? Was kommt er auch in einem schwarzen Rock daher!’ Da fragten ihn die Soldaten, was sie dem König sagen sollten. ‘Er möchte selbst hierher kommen’, antwortete er, ‘das Schloß wär rein’. Als der König das hörte, kam er voll Freude und fand große Reichtümer an Edelsteinen, Silbergeschmeide und altem Wein; das war alles wieder in seiner Gewalt. – Nun ließ er dem jungen Schmied ein Kleid machen, ganz von Gold. ‘Nein’, sprach er, ‘das will ich nicht, das ist ein Narrenkleid’ und warf es weg, ‘aber ich gehe nicht eher aus dem Schloß fort, bis mir der König den Fürchtemich gezeigt hat, der muß ihn ja wohl kennen’. Da ließ ihm der König einen weißen linnenen Kittel machen und, um ihm doch etwas Gutes zu tun, viel Goldstücke hineinnähen. Aber der junge Schmied sprach: ‘Das ist mir zu schwer’ und warf es fort und tat seinen alten Kittel an: ‘Aber eh ich heim zu meinem Vater gehe, muß ich erst den Fürchtemich sehen’. Da nahm er seinen Stab und ging zu dem König, der führte ihn zu einer Kanone; die besah der junge Schmied und ging [28] um sie herum und fragte, was das für ein Ding wäre. Sprach der König: ‘Stell dich einmal ein wenig zur Seite’, ließ laden und losschießen. Wie es nun den gewaltigen Knall tat, rief der junge Schmied: ‘Das war der Fürchtemich! Jetzt habe ich ihn gesehen’ und ging vergnügt nach Haus.

Eine siebente Erzählung ist aus dem Paderbörnischen. Hans spricht allezeit zu seinem Vater, er fürchte sich vor nichts auf der Welt. Der Vater will ihm das abgewöhnen und heißt die beiden Töchter abends sich in das Beinhäuschen verstecken; er wolle den Hans nachts hinausschicken, da sollten sie, in ein weiß Betttuch eingehüllt, mit Knochen nach ihm werfen, so würde er schon erschrecken. Um elf Uhr spricht der Vater: ‘Ich habe so Zahnweh. Hans, geh und hol mir einen Totenknochen[7], aber nimm dich in acht, es könnte im Beinhaus spuken.’ Wie er nun hinauskommt, werfen ihn die Schwestern mit Totenköpfen. ‘We smit mie do?’ ruft Hans, ‘wen’t noch einmol deust, so saste mol seihn.’ Sie werfen noch einmal, da packt er sie und dreht ihnen den Hals um. Dann nimmt er einen Knochen und geht heim damit. ‘Wie ist dir’s gegangen, Hans’, spricht der Vater. ‘Gud, awerst et wörren do twei witte Dinger, de schmeten mie, awerst ick heve allen den Hals umdrehet.’ – ‘O weh’, ruft der Vater, ‘es waren deine Schwestern. Geh gleich fort, sonst mußt du auch sterben.’ Hans macht sich auf in die weite Welt und sagt überall: ‘Ick heite Hans Fürchtemienig.’ Er soll drei Nächte in einem Schloß wachen und es dadurch von den Gespenstern befreien. Der König gibt ihm noch einen Soldaten mit; Hans bittet sich zwei Flaschen Wein und eine Peitsche aus. Nachts wirds so kalt, daß es die beiden nicht aushalten können. Der Soldat geht hinaus und will Feuer in den Ofen machen, da drehen ihm die Gespenster den Hals um. Hans bleibt in dem Zimmer und wärmt sich mit Wein. Da klopft es an, Hans ruft: ‘Kum herin, wenn de en Kop hest!’ Es kommt niemand, aber es klopft noch einmal; da ruft Haus: ‘Kumm herin, wenn de auck kenen Kop hest!’ Da knistert es oben am Balken, Hans guckt hinauf und sieht ein Mäuseloch, daraus fällt ein Töpfchen mit Werg herab, und daraus wird ein Pudelhündchen, und das wächst zusehends und wird endlich ein großer Mann, der aber den Kopf nicht oben, sondern unter dem Arm hat. Hans spricht zu ihm: ‘Sette dinen Kop up! Wie wilt in [29] Karten spelen.’ Das Ungetüm tuts, und sie spielen miteinander. Hans verliert tausend Taler, die er ihm in der nächsten Nacht zu bezahlen verspricht. Da geht es, wie in der vorigen. Der Soldat, der dem Hans abermals beigegeben ist, friert und geht hinaus Feuer anzumachen; wie er sich bückt, wird ihm der Kopf abgehauen. Hans hört es wieder klopfen, da ruft er: ‘Kumm herin mit odder ohne Kop!’ Das Gespenst tritt herein, den Kopf unter dem Arm, muß ihn aber aufsetzen, damit sie wieder spielen können. Hans gewinnt zweitausend Taler von ihm; das Gespenst verspricht, sie in der nächsten Nacht zu bringen. In dieser letzten ist der Anfang wieder derselbe: der Soldat, der das Zimmer verläßt, um Feuer anzumachen, wird von den Gespenstern in den Ofen gesteckt und muß darin ersticken. Zu dem Hans kommt der mächtige Geist, bringt ihm die schuldigen tausend Taler und sagt ihm, er solle sich geschwind fortmachen, sonst gings ihm ans Leben; die Gespenster kämen alle zu einer großen Versammlung. Aber Hans will nicht und sagt: ‘Ick will iuch schon de Döre wiesen.’ Beide streiten miteinander, wer weichen soll, bis sie einig werden drei zu zählen; wer dann am ersten den Finger ins Schlüsselloch steckte, der sollte bleiben. Hans zählt, und der Geist ist zuerst mit dem Finger darin, da holt Hans ein Stückchen Holz und einen Hammer und keilt ihn fest, nimmt dann seine Peitsche und haut ihn so gewaltig, daß der Geist verspricht, sich nie mehr mit allen seinen Geistern im Schlosse sehen zu lassen, wenn er sich in dem kleinen Blumengärtchen hinter dem Schlosse aufhalten dürfe. Hans bewilligt das und läßt ihn los, da läuft der Geist gleich mit allem andern Gespenstervolk in den Garten. Der König läßt eine hohe Mauer darum bauen, das Schloß ist erlöst, und Hans kriegt die Königstochter zur Frau.

Ferner Wolf, DMS. nr. 10 ‘Von Piet Jan Clas, der den Tod suchte’[8] und Hausmärchen S. 328 ‘Hans ohne Furcht’ und 408 ‘Fürchten [30] lernen’ (ohne Angabe der Herkunft). Aus der Schweiz: Rochholz, Aargau 1, 166 nr. 133 ‘Die Geisterküche’ = Sutermeister nr. 3; vgl. Singers Kommentar 1, 38 f.[9] Jegerlehner, Was die Sennen erzählen S. 33 ‘Das Zauberschloß im Arbenwald’. Aus Tirol: Zingerle 1, nr. 17 ‘Der Mesnersohn’ (verbunden mit dem Drachentöter) und nr. 39 ‘Der Müllerbursch und die Katze’ (ähnlich Brentano, Die Gründung von Prag 1815 S. 443) und 2, 281 ‘Die Furchtlerner’. Dörler, Zs. f. österr. Volkskunde 14, 81 ‘Der mutige Bäckergeselle’. Aus Wien bei Kletke, Almanach 1840 S. 1 ‘Hansel Fürchtmichnicht’ (wirft den verkleideten Glöckner die Treppe hinab und tauscht im Sacke mit einem Schweinetreiber, wie das Bürle nr. 61). Branky, Zs. f. d. Phil. 8, 84 ‘Wie Hans das Gruseln lernt’. Heanzisch: Bünker nr. 52 ‘Der Junge, der sich nicht fürchtete’. Oberpfälzisch: Schönwerth 2, 147. Fränkisch: Bechstein 1845 S. 122 = 1874 S. 126 ‘Der beherzte Flötenspieler’; 1874 S. 237 ‘Das Gruseln’. Schlesisch: Kühnau 1, 106 nr. 117. Vom Harz: Ey S. 74 ‘Die Kegelbahn in der Kirche’. Pröhle, KVM. nr. 33 ‘Der Bäckerlehrling’. Niedersächsisch: Schambach-Müller S. 272 nr. 9 ‘Die weide Katze’. Oldenburgisch: Strackerjan² 2, 496 nr. 635 ‘Von dem Jüngling, der nicht bange war’. Holsteinisch: Hansen nr. 6 ‘De Matros, de ni bang varden kun’ (erschreckt durch einen Aal im Bett. Zs. [31] f. schleswig. Gesch. 7, 227). Wisser 3, 87 ‘Grôn lêrn’. Pommerisch: Jahn nr. 17 ‘Der starke Jochem’. Haas, Rügen nr. 218 ‘Hans Stark’ (Mohr des Königs als Teufel behandelt. Hand in einen Topf voll Bienen gesteckt) = Schnurren 1899 S. 41. Preußisch: Lemke 2, 94 ‘Der schwarze Pudel’. Behrend nr. 1 ‘Der Graulsucher’. – Niederländisch H. Conscience, De geest (De Noordstar 3,67. 1842) = Wolf, Nld. Sagen nr. 433 ‘Der kühne Soldat zu Antwerpen’. De Mont-de Cock, Vertelsels p. 321 ‘Het betooverd kasteel’. Gittée p. 35 ‘Le château enchanté’. Volkskunde 13, 193 ‘Van ’n vent dei nait wis, wat bang weez’n was’. Dykstra 2, 50. De Cock-Teirlinck, Brabantsch Sagenboek 1, 143. Revue des trad. pop. 5, 688 ‘Pitje de dood’. – Dänisch: Molbech nr. 29 ‘Den modige svend’. Grundtvig, GdM. 2, 13 ‘Den modige svend’. Berntsen 1, 148 nr. 16 ‘Drengen der ikke var ræd’. Grundtvig 3, 1 (1884) ‘Frisk mod’, verbunden mit ‘Gevatter Tod’ (unten nr. 44); ebenso Kristensen, Fra bindestue 2, 137 ‘Den dristige Hans’. Kristensen, Aev. fra Jylland 4, 221 nr. 38 ‘Den dumdristige dreng’. Kristensen, Danske folkeaev., p. 129 nr. 19 ‘Den modige svend’. Kristensen, Bindestuens saga nr. 25 ‘Spögeriet paa Restrup’. Skattegraveren 7, 213. 12, 169 ‘Den modige Hans’. Grundtvigs hsl. Register nr. 11 ‘Den frygtlöse svend.’ – Schwedisch: Bondeson, Halländska S. nr. 12 ‘Uförväjen’ und Svenska fs. nr. 15 ‘Knekt’. Wigström, Sv. landsmålen 5, 1, 59 ‘Svend Orädd’. Åberg nr. 78 ‘Uj, om de sku rysa i mäj!’ und nr. 112 ‘Pojtjin, som int va rädder för fæn’. Hackmans Register nr. 326. – Norwegisch: H. Bergh, Sogur 1879 p. 26 ‘Guten som alder va rædd nogen ting’. – Isländisch: Árnason 1, 270 = C. Andersen 1877 p. 121 = Lehmann-Filhés 1, 118 ‘Der furchtlose Bursche’ = Rittershaus S. 373 nr. 106 ‘Von dem Burschen, der sich vor nichts fürchtet’. Maurer S. 136 ‘Fiðlu-Björn’. – Englisch: Addy nr. 4 ‘The boy who feared nothing’. Henderson p. 333 nr. 10 = Jacobs 2, 12 nr. 46 ‘The golden ball’. Chambers p. 64 = Jacobs 1, 179 nr. 32 ‘The strange visitor’ (kommt stückweise zu der alten Frau herein). Journal of american folk-lore 12, 64 ‘The boy and the ghost’, – Gälisch: Campbell 2, 290 nr. 42 ‘The soldier’ = R. Köhler 1, 257. Jacobs, Celtic f. t. nr. 8 ‘The sprightly tailor’. Kennedy, Legendary fictions 1866 p. 154 = Knortz 1886 S. 20 ‘Die drei Geister, welche Fußball spielten’. Hyde p. 154 ‘Trunk-without-head’. – Zigeunerisch aus Wales: Groome p. 235 nr. 57 ‘Ashypelt’. – Französisch: Deulin, Contes 1873 p. 57 ‘Culotte-verte’. Carnoy, [32] C. fr. p. 267 = Romania 8, 237 ‘Jean des pois verte’ (tötet seinen Bruder, der ihn erschrecken will, und die Räuber). Tradition 2, 164 ‘Le cordonnier qui veillait le mort’ (ähnlich). Sébillot 1, 72 nr. 11 ‘Jean sans peur’ (Drachentöter) und 2, 162 nr. 28 ‘Le pillotous’ (Erlösung einer Prinzeß). Meyrac p. 490 ‘Jean sans peur’. Cosquin nr. 67 ‘Jean sans peur’ (Prinzeß befreit. Gruseln durch Sperlinge, die aus einer Pastete herausfliegen). Madelaine 1, 58 ‘Le manoir à la pipe d’or’ (Nacht im Gespensterzimmer. Schreck durch Rebhühner im Schranke). Revue des trad. pop. 9, 172 ‘Culotte verte’. 11, 301 ‘Jean sans peur’. 12, 487 ‘Vive Sans-souci la Ramée’. 24, 442 ‘Comment Jean trouva la peur’ (Nacht im Gespensterzimmer, Drache getötet, Rebhühner. Bretonisch). Revue 18, 413 ‘L’heritage de Gerard’. – Italienisch: bei Straparola 4, 5 zieht ein Jüngling aus, den Tod kennen zu lernen; eine alte Frau, das Leben, schneidet ihm auf seine Bitte den Kopf ab und setzt ihn ihm verkehrt auf; nun empfindet er Furcht und kehrt heim, nachdem ihm der Kopf wieder zurecht gerückt ist. Über andre Fassungen dieser Erzählung oben S. 29 ¹. Gonzenbach nr. 57 ‘Von dem, der sich vor nichts fürchtete’. Schneller nr. 35 ‘Der Totenarm’, 36 ‘Der Schuster’, 37 (Prinzeß erlöst). Pitrè, Nov. tosc. nr. 39 ‘Giovannino senza paura’ und 40 ‘I sette maghi’. Coronedi-Berti nr. 33. Gubernatis, St. Stefano nr. 22 ‘Giovanni senza paura’. Comparetti nr. 12, II ‘Giovanni senza paura’. Finamore 1, 92 nr. 20 ‘Giovanni senza paura’ (weicht ab). Andrews nr. 15 ‘Jean sans peur’ und 55 ‘Le brave savetier’. Ive, Archivio 19, 200 (‘Storia della paura’ aus Istrien) und Storia e dialetto di Rovigno 1888 p. 69. Pitrè, Fiabe sicil. 2, 94 nr. 64 ‘Lu scarparu e li diavuli’. Riv. delle trad. pop. ital. 2, 109 ‘Giovanni senza paura’ (erschrickt, als ihm im Schlafe eine Schwalbe übers Gesicht hinfliegt). – Spanisch: F. Wolf, Fernan Caballero 1859 (Wiener SB. 31) S. 74 ‘Juan soldado’ (vereinigt mit Motiven des Bruder Lustig und des Spielhansels, unten nr. 81. 82). Maspons, Rondallayre 3, 120 ‘En Pere sense pór.’ Ludwig Salvator S. 81 ‘Das Mesmerchen’ und 193 ‘Das Gespenst von Concas’. Alcover 2, 85 ‘En Pere poca por’. – Portugiesisch: Coelho, Contos pop. nr. 37 ‘O homem que busca estremecer’. Leite de Vasconcellos, Trad. p. 296. – Rumänisch: Schott S. 115 nr. 7 ‘Der Teufel im Faßhahn’. Şăinénu p. 826. Staufe nr. 22 ‘Der Furchtlose’ (ZfVk. 9, 86). – Slowenisch: B. Krek S. 50 nr. 23 (Kegeln mit Totenköpfen; gliedweise fällt das Gespenst; Schreck vor einem Frosch). – Serbokroatisch aus Karlstadt bei Strohal 2, 24 [33] nr. 5 (drei Nächte im Spukschloß; zweimal versteckt eich der Bursch), ebd. S. 72 nr. 27 (ein Glied nach dem andern fällt aus dem Rauchfange), ebd. S. 111 nr. 49 (ähnlich), aus Lokve ebd. S. 169 nr. 8 (der Bursch, der sich in den Sarg legt, um den andern zu schrecken, wird erschlagen), aus dem Komitat Belovar in Kroatien bei Plohl-Herdvigov 1, 117 nr. 18 (der Junge spielt Karten mit zwölf Teufeln und schlägt sie mit dem Buche Gottes auf den Kopf) und aus Krasica im kroatischen Küstenland bei Mikuličić S. 11 nr. 3 (ein Bursch besucht einen Monat lang die Schule des Höllenteufels und kommt in drei verwünschte Schlösser). Von der oberen Militärgrenze im Letopis Matice Srpske 14 8, 123 (wörtlich mit Mikuličić übereinstimmend). – Bulgarisch aus Macedonien bei Šapkarev 8, 219 nr. 122 (die zwölf Drachen schicken den furchtlosen Burschen zu einem Grabe, wo er Grütze kocht und, als sich eine Hand daraus erhebt, die ganze Samovila herauszieht und durchprügelt, dann zu einem Turme und einem Schiffe. Auch hier überwindet er die Samovila und die menschenfressende Lamia und erhält Gold, Edelsteine und ein Armband. Als ein Jude letzteres nicht wieder herausgeben will und der Richter den Burschen auffordert, ein gleiches Armband vorzulegen, erhält der Bursch auch dieses von den Samovilen); ähnlich Sbornik za nar. umotvor. 4, 3, 117 und Šapkarev 8, 417 nr. 248 (mit einem Zusatze: der Bursch wird Kaiser in einer Stadt, wo alle Herrscher durch ein Ungeheuer umgebracht worden waren. Diesen Vampir, einen früheren Kaiser, redet der Bursch an: ‘Wer bist du? Bist du ein Mensch, so essen wir zusammen; bist du ein Toter, so möge sich Gott deiner erbarmen’). In einer Version aus Philippopel bei Arnaudov, Sbornik za nar. umotvor. 5, 3, 134 überwindet ein riesenstarker Held fünf Schwestern Samodiven; das Fürchtenlernen jedoch fehlt. – Slovakisch aus Nordungarn bei Nĕmcová, Slov. poh. 1, 63 und ähnlich bei Dobšinský 4, 61 (Abenteuer mit dem Leichnam am Glockenstrick und dem im Sarge liegenden Glöckner, drei Nächte im Spukschloß), bei Olaf Broch, Studien von der slovakisch-kleinrussischen Sprachgrenze im östlichen Ungarn S. 41 (Küster im Turm, drei Leichen in der Kapelle, drei Nächte im Schloß) und bei Czambel p. 210 § 116 (der Held zieht dem Leichnam einen Ring ab und befreit die Prinzeß im verwünschten Schloß von den Hundsköpfen). – Polnisch aus der Krakauer Gegend bei Ciszewski S. 177 nr. 130 und 131 (Toter im Schloß durch einen Schlag erlöst), [34] Kozłowski S. 336 nr. 10 und S. 359 (Maus in den Nacken gesteckt), aus dem Bez. Wadowice bei Gonet nr. 25 (der Furchtlose erlöst einen Gehängten, den er im Bache trinken läßt, und einen Pfarrer in der Kirche), aus Stary Sącz in der Wisła 8, 232 (der mildtätige Dummling erhält zuerst einen furchtlos machenden Hut, eine Flinte und einen Wunschranzen); ferner Wisła 17, 453 (der Held nimmt einen Gehängten ab, vertreibt damit Räuber; im Spukzimmer fällt ein Leichnam stückweise durch den Rauchfang) und Zamarski p. 133, wo der Bursch die Gruft des toten Geizhalses öffnet und sich von ihm zu seinen Schätzen führen läßt. Mater. antropol. 10, 279 nr. 43 (hilft dem spukenden Priester in der Kirche Messe lesen und überwindet den Teufel im Schloß). – Kaschubisch bei Bronisch S. 11 nr. 1 (der jüngste der drei Brüder erhält von dem Toten, dessen Schulden er bezahlt hat, zum Danke ein zauberkräftiges Totenbein), S. 60 (ähnlich Ciszewski nr. 130) und S. 72 (der Bauer vertreibt einen Vampir dadurch, daß er sich in dessen Sarg legt); ähnlich Gryf 1, 44. – Wendisch: Schulenburg, Volkstum S. 25 ‘Der Furchtlose’ (kegelt mit den Geistern in der Kirche und erlöst im Schlosse einen Verwünschten, der in zwei Hälften durch den Schornstein fällt; er erschrickt, als aus der Schüssel ein Sperling herausfliegt) und Sagen S. 61 ‘Der Totenknochen’. – Čechisch aus Wittingau Slavia 1, 1, 8 (Der herzhafte Bursch sieht auf dem Friedhof und im Schloß einen von Teufeln gequälten Toten, wirft von seiner Grütze auf ihn und erlöst ihn). Eine Fassung aus Neuhaus (Slavia 2, 68 nr. 21) und eine mährische bei Kulda 3, 243 nr. 33 beginnen damit, daß der Schustergeselle oder Zimmermann einem der nachts aus ihren Gräbern gestiegenen Toten sein Hemd wegnimmt, wie in Goethes Ballade ‘Der Totentanz’;[10] dann folgt in jener Erzählung das Beschütten der Geister im Spukschlosse mit Grütze, in dieser wird der Geist der Mühle durch einen Stoß erlöst. Ähnlich in einer Variante aus Sloup (Český Lid 5, 461 nr. 9). Kubín 1, 32 nr. 12 (in der Kirche). In einer Version aus Batum (Sbornik mat. Kavkaz. 16, 1, 314) ist der stückweise von der Decke herabfallende Körper der Teufel selber, der vom Burschen mit seinem Tischlein deck dich, Kartenspiel und Knittel überwunden wird. – Großrussisch [35] aus dem Gouv. Tambov bei Afanasjev³ 2, 310 nr. 204a (der Kaufmannssohn, der die Furcht sucht, vertreibt die Räuber mit der Leiche des Gehängten, überwindet einen Toten, der ihm eine Prinzeß verschaffen muß, und erschrickt, als ihm im Schlafe die Fischer einige Kaulbarsche unter die Achsel legen), aus dem Gouv. Orenburg ebd. 2, 310 Anm. (der Korporal überwindet den Toten, der um Mitternacht aus seinem Sarge steigt, und vertreibt mit ihm die Räuber), aus dem Gouv. Saratov ebd. 2, 311 nr. 204b (der Herr überwindet zwei spukende und kinderfressende Tote, führt sie mit sich und vertreibt Räuber; endlich Befreiung einer den Teufeln geopferten Prinzeß), ebd. 2, 312 nr. 204c (der Herr vertreibt die Teufel mit einem Toten, den er besiegt, und einem Gehängten, den er abgeschnitten hat, aus dem Schlosse, versinkt aber in dem Sumpfe, in den sich jene geflüchtet haben) und aus dem Terek-Gebiet im Kaukasus im Sbornik Kavkaz. 15, 2, 146 (der Bursch erschlägt den älteren Bruder, der ihn als Gespenst schrecken will, und muß zur Buße drei Tage und Nächte am Sarge in der Kirche den Psalter lesen und dadurch die Geister bannen). Aus dem Gouv. Tula bei Erlenwein S. 29 nr. 12 (nur das Erschrecken des Furchtlosen). – Kleinrussisch aus dem Bez. Brody bei Rozdolśkyj nr. 2 (der Bursch, der den Vampir ebenso vertrieben hat, erschrickt, als ein Zweig auf die Saiten seiner Zymbel fällt) und nr. 60 (im Glockenturm, Leichenhalle, Spukhaus. Der Vampir, dessen Kleider der Furchtlose geraubt, stürzt beim Glockenschlage vom Turme und zerfließt in Pech); aus Südungarn Etnogr. Zbirnyk 29, 269 nr. 38 (im Glockenturm, unterm Galgen, im Spukhause, Kegeln mit Totenköpfen); aus Horodenko bei Kolberg, Pokucie 4, 164 nr. 30 (im Glockenturm, Kapelle und Spukschloß; ähnlich Grimm); Šuchevyč S. 103 nr. 63 (hilft in der Kirche dem spukenden Priester, befreit eine dem Teufel verschriebene Prinzeß); aus dem Gouv. Jekaterinoslav bei Hrinčenko 1, 49 nr. 85 (der Oberst, der den Vampir vertrieben, den Toten in den Grützkessel der Räuber geworfen und das spukende Fräulein befreit und geheiratet hat, erschrickt, als man ihm einen am Balken befestigten Seidenfaden um den Hals bindet und ihn einen Blick in die Hölle tun läßt), ebendaher bei Manžura S. 60 (den Soldaten mit dem Wunschranzen läßt eine Hexe schließlich in den Himmel und in die Hölle schauen), aus dem Gouv. Černigov bei Hrinčenko 1900 S. 330 nr. 318 (Schreck durch Begießen mit kaltem Wasser) und aus dem Gouv. Grodno bei Čubinskij 2, 366 nr. 101 (der Herr steckt [36] den Vampir in den Sack; erschrickt vor einem Igel im Bett). – Weißrussisch aus dem Gouv. Grodno bei Federowski 1, 78 nr. 231 (der Bursch überwindet mit der Fiedel und dem Kartenspiel, die er von zwei getränkten Galgenbrüdern erhalten hat, den in menschenähnlicher Gestalt auftretenden ‘Schrecken’ in der Mühle und in der Kirche) und 2, 207 nr. 188 (ähnlich Čubinskij); in Mater. Komis. językowej 2, 62 (ein Offizier legt sich auf ein Grab schlafen; als der Tote dies verläßt, legt er sich in den Sarg und läßt den Zurückkehrenden nicht eher hinein, als bis er ihm berichtet, daß er eben seinen Schuldner erwürgt hat und wie dieser wieder belebt werden kann). Šejn 2, 154 nr. 72 (der Tote in der Schenke wird an den Herd gestellt, ins Gesicht geschlagen und so erlöst; dann Spukschloß). – Lettisch aus Kurland bei Treuland S. 70 nr. 58 ‘Der Furchtlose im verwünschten Schloß’. – Litauisch bei Schleicher S. 79 ‘Vom Manne ohne Furcht’ (er schlägt einem Toten die Hostie aus dem Munde und treibt die Teufel aus der Kirche; schließlich im Schlafe mit kaltem Wasser begossen) und bei Leskien-Brugman S. 476 nr. 36 ‘Von dem jungen Burschen, der keine Furcht hatte’ (er erschlägt die verkleidete Magd, gewinnt im Kartenspiel drei Toten einen Geldkessel, Beutel und Wunschknochen ab und rettet ein von den Teufeln gefangenes Mädchen). Dowojna Sylwestrowicz 2, 34 (im Spukschloß); 2, 419 (Teufel unter der Brücke; Arakfässer im Keller vor dem Bocksteufel gerettet, im Spukschloß). – Estnisch bei Kreutzwald 1, nr. 21 ‘Der herzhafte Riegenaufseher’ (erlöst im Spukschlosse den Geist des Schloßherrn, indem er dessen Schatz in zwei gleiche Teile sondert und das übrigbleibende Geldstück spaltet).[11]Finnisch in Aarnes Verzeichnis nr. 326. – Ungarisch bei Erdélyi 3, 16 = Jones-Kropf p. 228 nr. 44 ‘Jack Dreadnought’ (im Glockenturm, am Galgen, im Spukzimmer). Berze Nagy nr. 37 (Rona, Festschrift für G. Heinrich 1912 S. 371). – Türkisch bei Kúnos S. 11 ‘Die Furcht’ (die Räuber heißen den Jüngling Helwa kochen auf einem Grabe, aus dem eine Hand hervorkommt, zum Bade und zum Schiffe; er erbeutet ein zweites Armband wie im bulgarischen Märchen und wird Schah in einer Stadt, deren Herrscher immer in der ersten Nacht starben. Vogel in der verdeckten Schüssel). – Indisch: Játaka, translated by Rouse 4, nr. 489.

Unser Märchen wird also öfter mit anderen Motiven verbunden, mit dem Drachentöter, dem Spielhansel, dem dankbaren Toten, der [37] Erlösung einer verzauberten Jungfrau u. a. Auf ein Mädchen übertragen ist es in einer schweizerischen Fassung bei Zingerle (ZfdMyth. 4, 151 = Sagen 1859 S. 450 = Märchen 1², 248 nr. 47 ‘Das Totenköpflein’), wo der Totenkopf sich morgens in eine Jungfrau verwandelt und dann als Taube davonfliegt, auf eine Frau in einer niederländischen (Volkskunde 7, 128 ‘De drie geesten’), einer französischen (Revue des trad. pop. 18, 335 ‘Le château hanté’). Vgl. die Bemerkungen von Cosquin, Rittershaus, Singer.

Übrigens kommt in einer isländischen Erzählung ein ähnlicher Charakter vor. Hreiðar ist auch ein solcher scheinbarer Tölpel, der nur wünscht einmal zu wissen, was Zorn ist, und es auch erfährt (Morkinskinna utg. af Unger 1867 S. 35. Fornmannasögur 6, 200. 1831 = Thórleifr Jónsson, Fjörntin Íslendinga-þættir 1904 S. 144. Dänisch von P. E. Müller in Det skandinaviske Litteraturselskabs Skrifter 1816–1817, S. 208–233).


  1. Goethe hat sich sinnvoll über dieses Märchen geäußert (Werke 46, 274. Stuttg. 1833 = Weimarer Ausg. 42 2, 89). Illustriert von Pocci (München 1839).
  2. Hsl. Zusatz von W. Grimm: als wollt das ganze Schloß zusammenstürzen, und fallen zuletzt.
  3. Hsl.: Da wards ihm zu arg, faßte.
  4. Hsl. geändert: und sah sich um, da stand in der Ecke ein großes Bett, in das legt er sich.
  5. Hsl. Zusatz: eben die Augen zugetan und.
  6. Die Sage vom gespenstischen Barbier begegnet bereits in Grimmelshausens Simplicissimus B. 6, cap. 16 (1669 S. 700), in den Unterredungen von dem Reiche der Geister 1, 289–304 (1730. Peter Juan Sckaliza im Schloß Malin in Böhmen mit zwei Prager Studenten; angeblich nach Martin von Cochem. Menzel, D. Dichtung 2, 168), in Denis’ Gedicht ‘Mutterlehren an einen reisenden Handwerksburschen’ (Göttinger Musenalmanach 1773, 17 = Romanzen der Deutschen 1774 1, 155: ‘Da kömmts als ein Barbier ins Zimmer, Und man erstarrt; Mein Urgroßvater sagt’ es immer, Ihm schors den Bart.’ P. v. Hofmann-Wellenhof, Denis 1881 S. 143), in Musäus Sage von der stummen Liebe (Vm. 4, 65–82. 1786. Verbunden mit dem Traum vom Schatz auf der Brücke; s. Zs. f. Volkskunde 19, 293). Ferner Zingerle, M. 1, nr. 17 ‘Der Krämer’. E. Meier nr. 46 ‘Der Klosterbarbier’. Pröhle, KVM nr. 72 ‘Die Barbiermühle’. Wegner, Geschichtsbl. f. Magdeburg 15, 67 nr. 72. Bartsch 1, 220 nr. 284 ‘Geist barbiert’. Baader, Volkssagen 1851 nr. 275 = Mones Anzeiger 1838, 365 ‘Der Graf zu Liebenstein’. – Dickens, Christmas stories 1, 293. C. Bede (E. Bradley), The white wife 1864 p. 43. Archivio 2, 380 nr. 18. Böhmisch bei Tille nr. 32. Litauisch in der Altpreuß. Monatsschrift 15, 450 nr. 29. – Das Gespenst wird erlöst, wenn ihm ein Furchtloser den Kopf rasiert: slovakisch Slovenské Pohl’ady 16, 211 nr. 14; polnisch świętek p. 481 (halber Bart); kleinrussisch Sadok Barącz p. 172 (Episode); litauisch Dowojna Sylwestrowicz 2, 262. – Das Gespenst rasiert den Furchtlosen und wird von ihm rasiert: slowenisch B. Krek S. 51 nr. 23; kroatisch Stojanović, Pučke pripov. p. 52 nr. 10. Krauß 1, 239 nr. 50; kleinrussisch Manžura p. 142; weißrussisch Federowski 1, nr. 174. – Ein Barbier rasiert eine spukende Prinzeß, der einst zur Strafe für ihren Hochmut ein Bart gewachsen war: weißrussisch Federowski 2, nr. 402 und Romanow 4, 43 nr. 32; litauisch Dowojna Sylwestrowicz 1, 204. In einem slowakischen Märchen Sborník mus. slov. spol. 16, 9 schert der nach dem goldenen Vogel und Käfig ins verwünschte Schloß ziehende Held einem Alten den bis auf die Erde reichenden Bart und schneidet einem andern die Haare ab. Ähnlich kleinrussisch aus Südungarn. Etnograf Zbirnyk 5, 97.
  7. Vgl. Wuttke, Der deutsche Volksaberglaube 1900 § 185.
  8. Piet ist so neugierig, daß er eine alte Frau bittet, ihm den Tod zu zeigen; sie schneidet ihm den Kopf ab und setzt ihn verkehrt, das Gesicht nach dem Rücken, wieder auf, nun ist er von seiner Neugier geheilt. Diese Fassung stimmt zu Straparola 4, 5 (= C. Lolivetta, Das teutsche Gespenst 1684 S. 219–237), Nerucci nr. 44, Pitrè, Nov. tosc. nr. 39, Schneller nr. 52 und zu den beiden isländischen Märchen. Schon im alten Novellino (Papanti, Cat. dei novellieri italiani 1871 1, XXIV nr. 12. A. d’Ancona, Studi di critica 1880 p. 352 = Romania 3, 190) läßt sich ein Ritter, dem nichts fehlt als der ‘Zorn Gottes’, von seinem Diener den Kopf abschlagen und mit einem Schlangenkraut wieder aufsetzen; der Diener aber setzt ihn verkehrt (alquanto torto) auf. Über das Vertauschen von Köpfen s. ZfVk. 11, 262.
  9. Hier und in der oldenburgischen Fassung fallen die Glieder der Gespenster einzeln durch den Schlot herab, und es ruft vorher: ‘Ich falle, ich falle’ – Vgl. dazu R. Köhler 1, 130, auch die irische Fassung und Bundi S. 18 ‘Die drei Hunde’. – Auch in John Barclays Roman ‘Euphormionis satyricon’ 1, c. 8 (1606 p. 51 = deutsch von Waltz 1902 S. 35) übernachtet ein Soldat im Spukhause; Arme, Beine und Kopf fallen von der Decke, und ein Teufel ersteht daraus, der mit ihm kämpft. Roger de Rabutin (Mémoires ed. Lalanne 1857 1, 76) erzählt; ‘II me souvient de ces contes qu’on fait aux enfants de collations servies comme cela par des gens inconnus, puis des bras, des têtes, des jambes et tout le reste du corps, qui tombent par la cheminée et dont il se forme des personnages, qui après avoir bu disparaissent.’ Das Gleiche wird in der Komödie ‘La devineresse ou les faux enchantements’ von Thomas Corneille und De Visé (1679. III, 10. E. Friedrich, Die Magie im französischen Theater 1908 S. 121) auf der Bühne dargestellt. Phil. Engelhard, Gedichte 2, 173 (1782). Strackerjan ² 2, 470 nr. 627.
  10. Über die Sage von dem einem umgehenden Toten geraubten Hemd, die auch in der kleinrussischen Fassung bei Rozdolskyj nr. 60 wiederkehrt, vgl. Bolte im Goethe-Jahrbuch 19, 305 ¹. Mitt. der schles. Ges. f. Volkskunde 19, 20.
  11. Vgl. Vernaleken, Zs. f. d. Phil. 2, 376.
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