Aufzeichnungen über das mystische Leben der Nonnen von Kirchberg bei Sulz Predigerordens während des XIV. und XV. Jahrhunderts

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Ferdinand Wilhelm Emil Roth
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Aufzeichnungen über das mystische Leben der Nonnen von Kirchberg bei Sulz Predigerordens während des XIV. und XV. Jahrhunderts
Untertitel:
aus: Alemannia, Band XXI, S. 103–148
Herausgeber: Fridrich Pfaff
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: P. Hanstein
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Bonn
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA*, Commons
Kurzbeschreibung:
Siehe auch den Auszug S. 123–148: Ulmer Schwesternbuch
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]
[103]
AUFZEICHNUNGEN ÜBER DAS MYSTISCHE LEBEN DER NONNEN VON KIRCHBERG BEI SULZ PREDIGERORDENS WÄHREND DES XIV. UND XV. JAHRHUNDERTS.

Die Seminarbibliothek zu Mainz besitzt eine Handschrift in Kleinquarto auf Papier und Pergament gemischt geschrieben im XV. Jahrhundert. Diese gehörte einst dem Fürstbischof Melchior von Diepenbrok zu Breslau und kam nach einem Eintrag auf dem Vordeckel an F. Schlosser und von dessen Witwe Sophie, gebornen du Fay an Bischof Emmanuel v. Ketteler zu Mainz, der sie mit der ganzen Schlosserschen Bibliothek dem Mainzer Seminar schenkte. Auf der Rückseite des Vorsatzblatts steht von Hand des XV. Jahrhunderts: „Das puch gehort in daz Closter zu Sant katheren prediger orden in Nurnberg“, von späterer Hand: das puech gehört dem Closter … (das Uebrige ist mit Tinte verschmiert). Blatt 1 Vorseite steht das alte Bibliothekszeichen: N. XXXIIII und der Vermerk: „Jtem an disem puch stet zu dem ersten etlich offenbarung von den wunden unsers hern und von den tropfen seins plutz und wie vil menschen in gemartert haben“, sowie weitere Inhaltsangaben des Sammelbandes. Dieser Kodex blieb bisher unbeachtet, da er einer Bibliothek angehört, die [104] nicht gerade eine öffentliche ist. Er enthält Blatt 4 Rückseite bis Blatt 58 eine Reihe von Aufzeichnungen zur Geschichte des Lebens in dem Predigernonnenkloster Kirchberg bei Sulz, Oberamts Sulz und Diözese Konstanz. Dasselbe ward 1230 durch Willibirg und Kunigundis Gräfinnen von Hohenberg gestiftet und 1806 aufgehoben. Vgl. Grote, Lexicon deutscher Stifte und Klöster S. 273. Hohenzollerische Mitteilungen 1874, S. 70. Pfaff, Verzeichnis wirtemb. Klöster im Correspondenzblatt 1856, V.

Wie bekannt, war der Predigerorden die Hauptstütze der Mystik im Mittelalter, die Arbeiten hierüber von Gerard de Frachet und der Anna von Munzingen im Kloster Adelhausen bei Freiburg sind bekannt, erhalten aber an dem Inhalt der Mainzer Hs. ein wichtiges Gegenstück. Der ertse Teil der Arbeit behandelt das mystische Leben einer Anzahl Schwestern Kirchbergs und wie man glauben darf, in chronologischer Folge. Der zweite Teil redet von dem frommen Wirken des Klosterkaplans Walther, geht aber wieder zu dem mystischen Leben der Nonnen über und rührt jedenfalls von anderer Hand als der ersten Erzählerin her. In diesem zweiten Abschnitt kommt als Todesjahr der Mechtild von Waldeck die Zahl 1305 vor, was für die Abfassungszeit von Wert. Am Ende dieses Abschnitts findet sich die Zahl 1451. Der Rest der Hs. scheint einer dritten Verfasserin anzugehören, der andere Hände mehrere Nachträge in gebundener und ungebundener Rede beifügten. Alle Abschnitte geben geschichtlich außer der Angabe eines verheerenden Brandes zu Kirchberg keine Ausbeute, sind aber von Belang für die innere Geschichte des Klosterlebens und bringen einen interessanten Beitrag zur Geschichte der Mystik im Predigerorden. Kommt auch mancher Auswuchs in dieser Beziehung vor, so fällt auch kulturgeschichtlich wie sprachlich etwas ab. Der Abdruck entstammt der Mainzer Hs. als der einzig bekannten und ist ein diplomatischer ohne alle Verbesserungsversuche.

Unserm herren Jhesu Christo zu ewigem lob und allen den zu grosser besserung, die es lessen oder horen lesen, wil ich ein wenig schreiben von der unczellichen genad und grossen put, die der milt got hat gethan der heiligen samnung ze Kirchgerck prediger ordens an geistlichen dingen und an hoher aus genomer genad.

[105] Es ist ze dem ersten ze wissen, das Sant Werendraut von Düren sant Elsbeten tochter die was nit vollen neün jar alt, da sie in das closter kam, die was gar ein unschultiger reiner mensch von iren kintlichen tagen uncz an iren tod, auss genomen an demutikeit. Ein rechcz miltecz erbermdess hercz und gen allen menschen mit lautern herczen und gemut dinet sie unsern herrn stettiklichen all ir tag mit ganczem fleiss. Hiczige mynn und begird het sie zu got mit manigfaltigen tugenden. Und mit irem steten fleiss kam sie dar zu, das ir got grosse und uberflusse genad tet, der ich etliche hie ruren will. Man sol wissen, wer zu der genad Jubilus komen will, die disse aus genomen andechtige swester vil und dick werlich und offenlich hat gehabt, der muss genczlich frey sein herczen und gemutes von aller anhaftung zergencklicher ding, und muss haben gancze lautrikeit, die unvermengt sey. Diss het disse swester volkumenlich. Aber was die genad jubilus sey, das merkt. Es ist ein genad, die unmessig ist und als gross, das sie nyman versweigen mag, und das sie doch niemant volkumenlich gesagen kan an sussigkeit, die so uberflussig ist, das hercz, sel und gemut und alle die audern des menschen durch gossen werden mit unseglicher sussikeit so volicklichen, das nieman so zuchtig ist, der sich enthalten mug in diser genad. Volkummene mynne durch leuchtet in der genad mit gotlichem licht, das ist jubilus. Dar nach gen manigerley genad darein die hoch und mittlich sein in einem mer, in dem andern mynner. Sie kam auch dick zu der genad contemplativa. Die genad ist also, das des menschen synn auf geczogen sein in got wunderend und schauend in dem spigel der ewigkeit die gruntlosen wunder gotes, under weilen neigt[1] sich got wider in die sel, und fleusset in sie mit seiner genad. Denn ligt der mensch in gotlicher schauung, und ist ungewaltig sein selbs, und ligt ausswendig, als ob er tod sey. In diser geistlichen gotlichen schauung lag dise vil selige swester zu einem mal biss an den dritten tag, das sie nie einst zu ir selber kam, und nie essens enpeiss die weil. Wie heimlich got diser swester wer, und wie dick sie gocz werlich befund in irer sel, das kan ich nit ze worten bringen.

Sie was auch gar andechtig. das sie dick der samnung ze tisch dintt mit zu getonen augen, also was ir hercz auf geczogen in got. Sye und Sant Irmgart redten zu einem mal mit ein ander mit lauter stymm, das es vil pey nahet alle samnung horte, und was weder latein noch deütsch, und merckt niemant ein wort, was sie rette, wann das sie zwu allein an ein ander merckten in genaden. Doch zu einem urkund ir hohen unmessigen andacht und zu einer bewerung will ich diss schreiben, das disse vil selige swester ze einem mal stund ze metten in dem kor, und so es in der metten wirt, So hort sie einen hunt peylen. Da zu gab sie ir mercken, [106] und do es vor prein wart, da sant sie nach pruder Eberhart dem lessmeister von freyburck an das peichtvenster, und weinet als innicklich ser, das er erschrack, und fragt sie, was ir geschehen wer. Da sprach sie, was ir mer solt sein, wann das sie als unandechtig wer gewesen in der metten, das ein hunt pyll, und weint als von ganczen herczen. Was ich noch von ir geschriben hab, das sagt mir alles Sant Irmgart, und sprach, sie west von ganczer warheit, das dise swester ein genadenreicher mensch were. Ir vil heiliges leben pracht sie volliklichen zu einem guten end. Ir end das was heilig. Da sie dennoch vil leicht nicht ein stund lebt, da sprach sie, das man ir alle samnung dar hiess kumen. Das geschah. Da sprach sie: Ich wolt euch dancken von allem herczen der grossen genad, die ich pei euch verdint hab, wist, das got und ich iczunt sein ein und ein, und das mein sel iczunt gedruckt ist in die heiligen drivaltigkeit als das insigel in das wahs, und sol mein sel nimmer mer einsincken in die grundlosen gotheit, und wil unser herr und unser frau und alles himelisches her iczunt mich an diser stund mit in nemen zu der ewigen freud. Da mit sey gotes segen mit euch immer ewiklich. Dar nach lass sant Irmgart die letania, da richtet sie ir hercz auf und ir hent gen got, und ee die letania volendet ward, da war sie verschiden. – Ein swester hiess Leugart von Herdenwerck, die was ein aussgenomen durchnechtiger mensch, und eins volkumen lebens mit steter einflissender andacht. Sie must all tag zu der still mess aus dem kor gen, das sie sich von groser unmessiger andacht nit enthalten mocht. Ein grosse und aussgenomene genad geschah ir dick und oft, die wir selten von keinem menschen mer haben gehort. Das was, das sie unsern herrn werlich enpfing in der mess. Wie das geschehe, das wunder musen wir got bevelhen. Ich schreib es von zweier swester mund, die oft und dick die oblaten und wein smackten von irem mund. Ir gewonheit was auch, das sie nach complet ging ze hant an ir pet, und lass da ein tausent Ave Maria. Man sah sie auch etwen sweben ob dem pett von andacht und von genaden.

Swester Adelheit unsers Caplans swester, die was gar andechtig, und ging ir unsers herren marter als gar nahen, das sie underweilen het die funf zeichen unsers herrn wunden.

Sant Adelheit von Auen die was also andechtig, das man sie sach etwen sweben ob der erden, so sie sang in dem kor.

Da het wir ein selige swester, die hiess Berchte die Merin, die pant sich selber an ein seul vil dick nach complet, und slug sich unserm herren zu lob und zu danck seiner geislung, nach complet so die samnung zu werck sass, und nimant solt noch getorst ein laut wort sprechen. So was ir unser her als gar lip, das sie dick mit unsern herrn laut rett, und gar zertlich mit im koset.

[107] So was swester Adelheit die Eugsten also andehtig, und was als vol gnaden, das sie etwen die glocken vor metten leute, als getreu was sie der samnung. Sie war auch als gar vol genaden, das ander swester under weilen horten etwas in ir singen gar wol und loblich, und das meint man, wer ir geist.

Do het wir auch ein heilige ausgenomene swester, die hiess Eite von holczhausen, die was von kintheit auf in ganczem steten fleiss auf ein volkomen leben, und daucht uns, das sie das volkomenlich gewune. Sie het besundern fleiss ze diemutikeit, und nidert sich selber an alle dem, das sie kunde und mocht, willig armut mynnt sie von herczen, und ubt sie mit den wercken als volkomenlich, das sie etwen nit mer denn einen rock wolt haben, und neur das gewant wolt tragen, das die swester von in legten. Sie het auch grossen fleiss zu der tugent der gedultikeit, die gewon sie auch volliklich, des uns bedaucht und ubt die an manigvaltigen sache. Es was auch ir leben unmassen strenge an vasten, an wachen stetiklich nach metten. Etwen uber nacht an irem gepet an irr andacht, und hutt irs mu(n)des von kintlichen iren tagen, und mit grossen fleiss und tugenden und ernst kom sie zu so grosser genad, das es mit worten niemant vol sagen kan. Doch will ich etwas ruren. Die genad jubilus het sie vil jar, und sunderlich, so sie unsern herrn enpfing, so gieng sie recht nach orden auf in genad uncz an iren tod. Sie kom auch zu der mynn, das ir hercz verwundet was von gotlicher mynn und begird, und sunderlich mit der mynn, als Maria Magdalena zu unserm herren het, der begert sie von ganczem herczen, der gewert sie got volliklich. Sie kam auch zu als groser erkantnusse, das sie got in im selber erkant, das ist der grosten genad eine, die dem menschen auf ertrich e geschehen mag. Ir hercz ging auch unmassen offt mit unsers herren marter uber, und manigvaltig arbeit und smerczen ging ir offt und dick durch ir hercz. Da von geschah ir auch ein aus genomen und hohe genad, das ist das sie getrenckt ward aus unsers herrn mynnicklichen wunden, als sie daucht nach enpfindunge. Von der selben genad ward ir hercz und ir sel und alles ir gemut getrostet und gestercket an tugenden und an genaden, das sie enpfand, das sie recht verwandelt ward von einem irdischen menschen in einen geistlichen. Ir synne warn auch zu einem mal drei wochen also geheftet in got, das sie mit keinen irdischen ding mochte ze tun haben noch sie mocht geirren noch beruren, und hielt doch die selben zeit an allen dingen irn orden. An dem andern suntag, so man das Alleluia legt, stund dise selige swester zu messe in dem kor, und wie volkumen sie was an tugenden, da het sie doch dick gross arbeit an irem herczen umb iren gepresten, und sunderlich in der mess, und daucht sie der so gar vil, das sie minicklich weinet, und klagt got mit ganczem herczen. Und so sie also in grosser betrubt stet, da ward sie enzuckt in dem himel, und sach got warlich menschen [108] und got, als er ist. Dennoch tet ir got ein hohe genad, das was, das sie got an der selben stund umb ving minniklich und zertlich, und unser her sprach ein trostlich wort zu ir: Ich will tun, was dir lip ist. Das verstund sie also, das er ir wolt benemen iren gepresten, dar umb sie so inniklichen weinend het gepeten. Nach diser genad kom sie wider zu ir selber, das es in der stilmess ward, da kam ir geist hin auf den altar zu unsern herren, und het da grosse wunne und freud mit got. Wer kund oder mocht das vol schreiben oder gedencken die uber flussigen wunne und freud und sussigkeit, die diser seliger mensch enpfing, und lang het nach der grossen genad, die ir got tet in der einen mess. Die grossen aus genomen genad, das ist der gotliche einfluss, den het si vil und dick gehabt. Die genad ist also, das sie got neiget zu der sel und sie durch flosset mit dem tau seiner gotlichen sussikeit, und durch tunget die sel mit dem saffte des heiligen geistes, also das er worcht in irr sel mit seiner gotlichen erleuhtung, und ir sel worcht wider in got mit mynne und miniklichem lobe, was grosses wunders got worcht in irr sel in diser genad, das kan niemant mit worten auss gelegen.[2] Die genad contemplativa hat sie auch gar dick und vil gehabt in sunderlichen hohen weisen, das si lag ausswendig ir selbs ungewaltig, und ir synne und ir verstantnuss was auf geczogen in ein schauung gotlicher ding, und sich wunderte in dem spigel der ewigen wunder gotes. In disser genad lag sie sunderlich ze einem mal mer denn drey wochen, also das sie ie ein weil wider kom unter weilen, und denn aber ward aufgeczogen. In der selben zeit wardt sie gefragt, ob sie icht da von könd gesagen. Da sprach sie under andern manigvaltigen wundern, das in diser genad gieng, sie irr wer in diser genad dick ze gleicher weiss, als der ein prosen einer semel nem, und sie senckte in ein vass vol honges, also wer ir sel gesencket in got, und wer ir sel als vol gotes, das nit mer dar ein mocht. Dise genad und vil ander genad sahe wir als dick an ir, und was ir antlucz in der gnad dick als durch leuchtet, und so genadenreich, das bruder Cmynt, der unser provincial was, der sprach, da er sie in der genad sach, sie wer recht ander moyses in irr mass, und weint innicklich; das sah wir alle. Ich glaub, das luczel leut sie an sehen in diser genad, sie wurden da von beruret an irem herczen. Unser herr erschain ir auch offt und vil in genaden. Sie het auch unczellich vil gnaden des tages, so sie unsern herren enpfieng, und was vil jar, das sie von grosser genad selten immer essens des tages epaiss unez nach vesper. Sie sach auch under weilen im Salve regina unser frauen mit irem herczen lieben kind unserm herren Jhesu Christo sweben ob der seligen samnung. Sie und sant Irmgart redten auch etwen in gnaden mit ein ander an stimm und an wort und an alle [109] aussere zeichen, also das ir itweder der andern inwendig antwurt, als ander leut mit worten. Sie het auch lang den vierteglichen ritten,[3] und was doch als gar andechtig in dem sichtagen, so sie der ritt het gefröret und gross arbeit geleit, das sie oft dar zu kom, das ir synn auf geczogen wurden in got, also das sie auss wendig nichcz merckt. Sie leid gross arbait und manigvaltig gepresten in den sichtagen mit grosser gedult und begird. Da tet auch unser her als im wol geczam, und gab ir genugsamlich vil genaden in den arbaiten. Und da sie neun Jar den ritten het gehabt, da erschein ir unser frau die muter aller erbermd, und tete ir unmassen mynniklich und zertlich. In der selben stund ward sie gancz gesunt und stund auf und pet unser frawen ein tausent ave Maria andechtiklich zu lob und zu ere. Sie mint auch einod und ruu. Da von pat sie unsern hern etwen, das er ir die sprach nem, das sie sich dester pas mocht gehuten vor schulden, und dester mynner geirret wurd von den leuten. Das det unser her, das sie ein wort nicht mocht gesprechen, und doch die genad gab ir got, das sie mocht peten und peichten, und ir schuld offenlich sprechen in dem Capitel. Gotlicher erleuchtung und gottes heimlikeit hat sie vil dick gehabt, also das sich got neiget zu ir und das sie gottes sel und ir sel zerfloss in got werlich und volliklich, als geschriben stet: Anima mea liquefacta est etc. So sie auch oft nach metten het gepetet wol als lang als die siben psalmen stend oder kniend, von menschlicher kraft, so mocht sie nit mer knien. Sie kom auch von andacht und genaden dar czu, da sie in dem winter, so man zu mitter nacht metten leütet, das sie von metten uncz ze preym neur ein pater noster pett, und das ave Maria nicht vermocht gepetten denn uncz an dominus tecum, auch von metten uncz ze preim. Zu einem weihnachten het sie vil genaden gehabt, als sie oft het. Da pat sie die swester, die ir pflag in den sichtagen, das sie ir,[4] ob ir unser herr kein besunder genad het getan. Da sprach sie: Ja unser her hat mir gröser genad gethan, denn das ist, das er himel und erden hat geschaffen. Wann unser herr hat zu diser zeit durch meins gepecz willen vil sunder bekert, die ymmer mer verloren solt sein, so hat er vil sel aus der pein erlost, die lang in den peinen solten sein gewesen. Er hat auch vil guter leut bestetiget in seiner mynn, die sust gevallen weren, das was ein loblich genad. Sie erkant auch unterweilen in irem gepet an etlichen leuten weder sie in gocz mynn waren oder nicht. Ir heiliges leben und ir volkomen tugend bracht sie vollicklich uncz an ir ende.

So het wir ein sunder geistliche swester, die hiess Elsbeth von Oettingen, die was in den closter von neun jaren, und het rechten fleiss geistlicher ding. Die kam dar zu, das [110] sie keinen üppigen gedanck ruu in irem herczen gab, und was sunderlich zehen jar irs herczen als gar gewaltig, als ob sie es in iren henden het. Mit disem fleiss und mit manigvaltiger geistlichen ubung kom sie zu grosser genad und sunderlich zu der genad jubilus, in der sie vil genad enpfieng hoher erleuhtung und gotlicher erkantnuss, und in der ersten jubilus, da daucht sie, das sich der himel auf tete, und sach unser hern mit iren augen, und von uberflussiger sussikeit mocht sie nicht enthalten, sie must laut schreyen, das alle samnunge dar kam. Da eilet die vor genanten selig swester pald in den kor, und tet das haupt in dem kor in den altar, das sie die genad mocht verpergen, wann nimant mag sich enthalten in diser gnad. Si kam auch zu als hoher und groser erkantnuss von der inprunstigen mynn gottes, das der vater und der sun und der heilig geist drey person sint, und doch der einvaltig got ist, der aller ding schopfer ist, der je was und immer ist. Das wart ir zu erkennen geben, als vil muglich war. Wie dick sie die gnad jubilus het in sunderlicher hoher weiss und ander aussgenomen genad, das kan ich nicht vol schreiben. Doch wil ich irs heilligen endes nicht vergessen, wann das was so gar andechtig und genadenreich. Da sie in den zugen lag, da pat sie von grosser andacht und von genad, das wir ir sungen den respons: Summe triumphum. Das tet wir. Da hub sie der geist auf und all die weil und wir sungen, da het sie ir hent und ir arm auf gedenet, und gab aller samnunge ware und offene zeichen, das sie alle die weil die heiligen drivaltigkeit sah. Eines tags sang man mess von unser frauen. Da hiess sie sich von grosser andacht in den kor tragen, und da man die sequencie: Ave preclare sang, da erschein ir unser frau, und trost sie miniklich und muterlich in ir grossen arbeiten. Sie sang auch von groser andacht an dem tod die sequencz: Salve paradisi. Auch ze einem mal da sah sie unser frauen in uber hoher wirdikeit in der heiligen drivaltikeit. Von diser genad het sie unczelich freud und sussikeit. Sie het auch vil und offt die genad, die da heisset gotlicher einfluss, das sich got oft und dicke neiget zu ir sel. – Auch het wir ein vil selige swester, die hiess swester Adelheit von Haiterbach. Das mug wir in der warheit von ir schreiben, das[5] ir hercz und ir gemut von kintheit auf uncz an ir end durch gossen ward mit volkumer und einflissender andacht. Zehen jar beging si von ganczem herczen die siben zeit in dem tag, wann unsers herrn marter ging ir so ser ze herczen. Ir was auch unmassen we umb unser frauen smerczen, und begert gar ser, das sie befunde, als vil muglich wer, wie unser frauen wer unter dem creucz. Des gewert sie unser herr. Da sie ze einem mal an irem bette was, da was ir so unseglich we von unsers herren marter, das sie laut schray, und das sie vil swester ab der stat musten [111] tragen, und sprach, ir wer recht sam ein herein sail durch iglich gelitt wer geczogen. Den gotlichen einfluss het sie oft und dick volliklich und sussiklich, und got was ir sunderlich heimlich, wann sie minnet in von ganczem irem herczen. Sie hort auch unterweilen der heiligen engel sussen sanck. Ir leben was auch unmassen streng an vasten, an wachen und an manigvaltiger sachen. Den orden hielt sie fleissiklich und strencklich und lang sweigen, gancz vasten, und gancz advent sweig sie oft und dick. Got tet grosse dinck durch irs andechtigen gepetz willen. Ir heiliges leben pracht sie ze einem sunderlichen guten end, da sie mer denn LIII. jar unserm herren het gedint mit rechtem fleiss und ganczen ernst.

Ein swester hiess mechthilt von Sulcz, die was recht inbrunstig an gotlicher mynn, und unser her tet ir auch dick vil genaden. Sie kom auch zu der genad jubilus volkumenlich und vil jar, wenn sie unsern herre enpfing, so het sie gross genad, und was denn in den genaden uncz an den abent, das sie nichcz mocht essen. Und einest het sie unsern herren enpfangen, und jubiliret gar ser, als sie allweg, so sie unsern herren enphing, und kom pruder Conrad selige von pfeffingen gleicher weiss, als ob er mess het gesungen, mit einer ungesegenten oblaten, und wolt sie versuchen. Da er erst ging, da sprach sie vil frolich und gutlich: Du pringest nicht meinen herren. Es ist nicht denn ein geleichnuss. Mit dem und mit iren manigvaltigen tugenden bewert sie uns ir heiliges leben.

Da was sant Hedweig von herrenberg auch ein aussgenomen andehtig swester, die gross lauterkeit het, das ander leut sahen und erkanten. Vil bewegung des geistes het sie, das ein wares zeichen ist rechter geistlikeit und rechter unschuld. Sie was als gar geistlich, so sie des nachtes slif, das si des werlich enpfant, das ir geist ir hutet, als da ein mensch des andern hutet mit ganczem fleiss, und wenn den geist daucht, das sie genung het geslaffen, so wecket er sie, als da ein mensch das ander wol vast weket. Gedultiklich und andechtiklich leid sie grossen siechtagen und ander gross arbeit an allen zergenklichen trost. An andechtigem gebet was sie stetiklichen. Sie hutet sich auch ser vor allen schulden, das sie wol mocht heissen ein durchleuhtiger spigel. Sie sach ze einem mal, da man ein swester wolt graben, da man tuch auf hube, und sie wolt in das grab legen, das der leichnam leuht und glancz gab recht als die sunne. Vil tugent und genad het sie, die pracht sie zu einem andechtigen ende.

Ein selige swester het wir, die hiess swester Adelheit von Lideringen, die was als andechtig, und was ir got als lieb, das ir got dy genad gab jubilus, und oft als sie bevant, das ir got genad wolt tun. So ging sie hin as an das bruckel, das sie die genad durch diemutikeit verpurg. Ander gross gnad und tugente hab wir von ir enpfunden.

[112] Ein swester het wir, die hiess swester heilweige von rotenwurg, die was sunderlich andechtig, und het vil tugend, und da sie an dem tod lag, da baten sie die swester, das sie in etwas gutes sagt. Da sprach sie: das wil ich dun. Ir habt wol gehort und gesehen, das ich lang sich pin gewessen, und vil arbeit han erliden. Und ze einem mal, da gedacht ich, lieber herr, nu hab ich gross arbeit und pin gar an gotlichen trost und an menschlichen. Da pat ich und vordert von ganczem herczen trost von got. In disser begird kam ich fur der samnung stuben, und sah dar ein, da die samnung ze werck sass mit andacht nach gewonheit. Da sah ich, das vil engel dar innen was, und gross wunn und freud mit den swestern heten. Dar nach sach ich, das ein jüngling, der was minniklich und schon, einer iglichen swester ein rosen auf iren rocken stakte. Da er da der tur nahent, da bat ich in, das er mir auch ein gebe. Da sprach er: Ich gib niman, denn der in der samnung ist. Da gab er da aber iglicher swester aus einer puchsen, der smack was so unseglich suss, das im in diser werlt nicht geleichen mocht. Ich pat in aber von herczen, das er mir auch gebe. Da sprach er aber: Ich gib nimant, denn der in der samnung ist. Da vil ich da nider vor der tur von herczlicher beswerde, das ir mich dannen must tragen. Ir wont aber, das es mir von leiplicher krankheit wer. Dar nach sacht ir wol, wie sich ich was, das ich selten von der samnung kom, so sie ze werck sassen. Und pat mir ein kussen in die stuben legen, so ich nicht mer gesiczen mocht, das ich lege, das ich pei der samnung were, und genad mit in enpfing. In der selben zeit trug man iglicher siechen swester strosack und kussen in das werckhaus, das sie bey der samnung mocht bleiben von uberflussiger genad.

Ein vil selige swester het wir, die hiess swester Treutlint von weintingen. Die was in der werlt und hinnen aus vernennet, das ir got gross genad tet, und das got grosse dinck tet durch ir gepet. Unterweilen liess sie got kunftige dinck wissen, und gross genad tet ir unser herr. Der ich nit igliches kan geschreiben. Ein sunderlich andechtiges ende het sie. Wir paten sie, das sie uns etliche zeichen gebe, ob unser herr und unser frau zu irem ende kome. Das tet sie. Da pat sie uns, wenn sie uns das zeichen gebe, das wir denn das Salve regina singen. Das geschah, da sie uns das zeichen gab. Da ir die genad geschah, da sang die samnung das Salve regina mit andacht und mit mangen trahen. Also schied[6] sie heiliclich von uns, wann sie vil heilicklich het gelebt.

Da ich das geschreib, da hette wir ein selige swester, die hiess swester willbirch von offeningen. Die was in dem closter gewesen mer denn sechczig jar, die het sie alle vertriben in auss genomen ernst, und mit manigvaltigen genaden [113] unsers herrn. Ir leben was in so groser strengen von dem tag, das sie in das closter kom uncz sie gen achczig jarn kom an steten vasten nach dem orden, an unmessigen wachen, an stetten andechtigen gepett. Ir pette was selten an pretter oder an stein, auf den sie slieff, das sie der strosack nicht genung herte daucht. Sie mochte sich selber all ir tag fremde allen leuten, vil und langes sweigen was ir gewonheit. Sie trug auch ein eysnein keten umb sich, und die het ir in den leip gessen, das man ir nit mocht gesehen. Sie was auch vil jar, daz man das het gemerckt, das sie nymmer ein stund was, sie tete etwas gutes oder nuczes. Sie kam auch zu der genad jubilus volliklich, und sunderlich, so sie unsern herren enpfieng, von sunderlicher ubung kom sie zu groser genad. Ze einem mal begert sie von ganczem herczen, das sie befunde, in welhen kor sie kumen solt. Da sprach sie: Ja ich west es gern. Da sprach die stim zu ir: Du solt kumen in den neünten kor. Das glaubt sie kaum, und gedacht, das sie des nit wirdig wer. Des gedanckes antwurtet ir aber die stimme, und sprach: Es ist als war, als war das ist, das du nu ze mal priorin wirdest. Das geschah, das sie ze hant priorin wart. Sie het grosse mynne zu got, und was in so grosser andacht, und in so hoher betrachtung, das sie etwen recht als ein kint wart, und nahet die sinn het verloren, und man must sie unterweilen besliessen, das ir das haubt wider kam. Nach diser krankeit must sie sich bekumern mit unsers herrn kintheit, das sie hoher betrahtung nicht mer mocht erleiden. In diser ubung tet ir got grosse genad, und erschein ir dick und vil als ein kleines kindlein, und het von seiner grossen gut und milt vil freud und kurczweil mit ir. Sunderlich in einem advent was sie so gar vol genad unsers herren, das ir was recht, wie sie unsers herrn swanger wer. Das sol man versten also, das ir hercz und ir sel und ir gemut so gar werlich und enpfintlich vol was unsers herren gnad und seiner gegenwart, das sie nicht mocht geleiden, das man sie rurt. Da von het sie mit diser genad unsers herrn kintheit unczelich vil wollustes und freud und sussikeit, des wir dick an ir gewar wurden. Sie was auch einest kelnerin. Da kam ein man, und pat sie des almusens durch got, der was an leng und an gescheft und an varb recht als man sagt, das unser herr was auf ertrich. Da sie im da wein und prot gab, da ging sie in die kuchen, und pracht im zu muss. Da sie da mit kam, da vand sie sein nicht, da war sie von allem irem herczen betrubt, und fraget alle, die sie mocht, wo er kumen wer, und ging hin auss in den ausen hof, und fraget den tor warten, ob er fur das tor wer. Da swur ir der tor wart, und die andern in dem hof, das heut kein man zu dem thor weder aus noch ein kom. Da schrey sie und weinet, da sie nimant kund gestillen, als ser jamert sie, wann sie het sicherlich da fur, das es unser herr wer. Das was in den zeiten, da die amptswester denn [114] noch in den hof gingen. Grosse genad het sie unzellich dick und sunderlich, so sie unsern herrn enpfing, und mocht sich auch dick nicht enthalten, es wurden vil leut gewar, und eins tages het sie unsern herren enpfangen. Da ging sie in ir kemerlein, das sie auf dem dormiter hete, da sie da solt enpeissen, da kam eins, und wolt besehen, ob sie noch zu ir selber wer komen, das si mocht enpeissen. Da sah sie, das ir antluss recht erleuchtet was von genaden, und das kemerlein, da da luczel lichtes ein ging, das das als gar durch leuchtet was, als ob die sunne vollich dar ein schein. Sie sach auch einest[7] an aller engel tag, das alle die weil man Te deum laudamus sang, das unser herr ob der samnung swebt, und unzellich vil engel. Ainest was sie auch gar ser betrubt. Das clagt sie von ganczem herczen unser frauen. Da kam unser frau und pracht ir herczen liebes kint unsern lieben Jhesum Christum, und drucket irs an ir hercz. An der selben stund ward ir pass. Unser herr tet ir unczellich vil gnad und besunder gutes uncz an ir end, das ich nicht vol schreiben kan.

Ein swester hiess Irmlgart von Rosenvelt, die was ein sunder aussgenomer andechtiger mensch, und die got von allem irem herczen liep het. Sie het auch als vil tugent, das uns die swester sagten, die jar und tag grosse ampt mit ir trugen, das sie nie, keinen gepresten kunden gemercken noch erkennen. Sie was auch milt und mitsam gen allen menschen. Grosen siechtagen leid sie gedultiklichen und frolichen. Got tet ir auch vil sunder genad. Zu einem mal was sie an ir andacht vor dem altar, als ir gewonheit was, und begert von ganczem herczen, das sie mocht bevinden, wie liep sie unserm herren wer. Da sie des ser begert het, da sah sie unsern herrn als ein kleines kindlein vor ir lauffen, und spilt mit ir, und sprach zu ir: Tu mir als ich dir. An disen worten gab ir unser her zu versteen, wie liep sie im were.

Da was swester Bercht die vil selig scheckin, die was in der werlt als andechtig, und was ir got als lieb, das sie vil jar ein herein hemd an trug, das vil hert was, gen zweinczig jaren dennoch nicht kumen, da sie nicht fleisches ass in der werlt, und in dem closter was sie aus genentiet an tugenden. Sunder demutikeit zeigt sie an worten und an wercken. Gar gehorsam was sie, stet an andechtigem gepet, milt und minnsam gen allen leuten, in grossem sichtum was sie gar gedultig und andechtig uncz an iren tode.

Da was swester wildbirg von rotweil ein sunderlich auss genomen andechtiger mensch, dem got von allem hercze liep was. Des wir alle mit ganczer warheit ir czeug mügen sein von der tugentlichen ubung, die wir von ir sahen. Sie was ir selber unmassen streng an vasten, an wachen, wann so sie etwenn gern het geruet uncz metten, so wolt sie der geist nit mer lassen ruen, wann als er wolt. Des was also luczel, [115] das die swester, die aller nechst bey ir lagen, ir vil selten durch die nacht vermisten, wann sie das meist teil der nacht pett. Mer denn virczig jar tet sie stetiklichen die aller demutigsten werck, und tet die williklich. Sie nam stetiklich starck disciplin, allen zergenklichen trost versmech sie von kintheit auf. Sie was auch allezeit bekumert mit ampten und liss doch nie von irr geistlichen ubung. Oft und dick was ir antlucz erleuchtet, so sie von irem gepet ging, dar an man erkent den inbrunstigen ernst irr andacht. Ze einem mal petet sie mit andacht und mit grossem ernst nach metten, als ir gewonheit was. Da sprach ein stimme zu swester adelheiden von horwem, die het sie wider nider gelegt von kranckheit: Wes ligestu hie, und ruest, ein swester kniet vor dem alter und petet, und ist ir gepet als kreftig, das himel und erd da von bewegt werden. Da stund sie balde auf, und ging dar. Da vant sie swester wilwirg vor dem altar, als ir die stimm het gesagt. Ir erschein unser herr, da sie neuer XIII jar alt was, aber in welher form, das kond ich nicht erfarn. So sie dan solt ruen nach vesper, so ging sie von pett ze pett, und petet den siechen. Ir vil heiliges leben pracht sie zu einem guten end.

So was swester heil von virst ein rechtes heiligtum. Sie het unczelich vil sichtum, und ging doch da mit fleissiklich ze kor, das man sie dick spuret bey dem blut, wo sie was gegangen. Unser herr tet ir auch vil gutes und genaden. Sunderlich sahen etlich gut swester, das ir unser herr sein hant dick gutlich und minniklich unter ir haubt legt.

Da was swester mehtilt von nagelt der strengsten swester eine, die wir heten, stetiklich vasten nach orden und vil wachen nach metten. Ir gepet was stete und gross. Ze einem mal het sie ein salter gelesen mit andacht unser frauen und zu idem verss die antiffen Ave beatissima, und eins tages da bekam ir swester irmlgart. Da bevant sie an irem herczen und erkant in dem geist, das sie etwas het getan, da mit sie grosse genad und applas het gewunen, und west doch ein wort nicht um den salter, wann das sie irs dar nach saget. Den orden hilt sie mer denn virczig jar mit grossem fleiss, und was auch mer denn zweinczig jar singerin, das sie das nie verdross, und ze allen zeiten mit grosser begirde sang. Sie het inhiczig mynne ze got, und was als gar andehtig, das sie manig winter lange nacht in irem under rock vor irem bette belaib von andacht, wie kalt es was, und ging denn ze metten und sang mit grossem fleiss. Sie was auch lang vor irem tod siech, und was dar inne unmassen gedultig, und das uns daucht, das sie der arbeit fro wer, durch got ze leiden. Ir seliges leben pracht sie zu einem guten end, und in der wochen, da sie als morgen ze preim starbe, da was unser herr und unser frau pei ir, und trosten sie minniklich, und auch das vil heiligen und engel pey ir waren, das sagt sie der swester, die ir wartet.

[116] So het wir hie vor ein gar gutes und tugenthaftiges kint, das hie[ss][8] swester Gerlein von horbe. Da das an dem tod lag, da wachte im eins nachtes swester irmlgart die vil selig und swester hedweig von oberndorf, und do sie also sassen, da hort swester Irmlgart die heiligen engel unmassen sussiklichen singen.


Von dem heiligen vater Walther.[9]

So het wir einen Caplan der hiess bruder Walther, der was auss genomen an tugenden und an recht heiligem leben. Sein leben was als recht streng, das man es wol mag geleichen den heiligen altvern hie vor in den welden. Er vastet mer denn dreissig jar stetiklichen sumer und winter, und das er nie smalcz noch fleisches enpaiss, und trug an ein eisnein ketten umb sich mange jar, und das im die in den leip ass, das er gar ser verserte was. Unmessig gross disciplin nam er teglich. Da wart sein strosack in dreissig jaren nie ainest uber gekert. Bruder Berchtolt von messekirch was sein peichtiger, und wenn er wolt gancze peicht tun, so must er mit im in den walt gen, als unmesslich weinet er, das er pei den leuten nicht mocht bleiben, und was er doch junck, da er zu uns kom. Sein gewant was hert und demutig. Wie er altag vastet, da wolt er nicht wann ein gesoten essen essen, im ward auch in den jaren allen nicht wann zwen pfening umb fisch geben. Sein gepet was stet und gar gross, manigvaltig und andechtig und recht inhiczig und inprunstig von groser minn, die er het zu got. Er nach volget unserm grossen heiligen vater sant Dominicus dar an, das er all nacht drei stunt auf stunt, und petet. Und auch pruder Conrad von pfeffingen, der sprach, wann er sein leben wol erkant mer den dreisig jar, das er nicht anders wer wann als die heiligen peichtiger, von den die heiligen cristenheit singt und list. Da sprach bruder Perchtolt von Horbe, das er nie kein mensch straffet in der peicht, es pessert sich da von. Sein gewonheit was auch, das er an dem antlas tag zwelf auss seczigen ir fuss twug und kust, und gab iglichem einen pfenning, und etwen wurden ir dreiczehen, und des glaubt er, das unser her der dreiczehende wer. Er mint got von allem seinen herczen, das bewert alles sein leben. Auch von seinen heiligen leben und tugenden gund im der orden, das er diser samnung peicht hort uncz an seinen tot, und das ist ein ungehortes ding in unserm orden von keinem caplan. Got tet im gross sunder genad, der ich leider nicht eigenlich weiss. Einest was er und pruder Albrecht zu einer claussnerin gegangen. Die was als arm, das sie nicht weins het in ze geben. Da tet got ein gross [117] zeichen durch in. Das was, da er das heilig creuz ob dem waser tet, das ward es unmassen guter win, das sie alle mit ein ander truncken, und danckten got. Ze einem mal sagt im bruder Albrecht, das er des selben tages dise wandlung het gesehen. Da verjach im auch der caplan, das im also wer geschehen. Vil hoher und grosser genad sagt er dem selben pruder, die er im must geloben ze versweigen. In zweien was auch allweg gar begirlich von got ze reden. So sie ein klein weil wolten siczen, das sie von minnen und von ernst ir selbes vergassen uncz an abent. Er sach auch ze einem mal, da er unsern herrn solt enpfahen in der mess, das des selben pruders geist auf dem altar was, und unsern herrn noss, und must er darben. Das selb geschah im auch dick von den swestern. Sein vil volkumen heiliges leben pracht er an sein end, da er funf und firczig jar mit grossem fleiss und mit stetem andechtigen ernst unserm herrn het gedinet auf diser hofstad. Da tet im unser herr gross genad an dem end, das man ware zeichen sach an im, die sagten gut leut fur war.

Do diss closter dennoch nicht zehen jar was gestanden, da was swester Agnes von Wehingen priorin. Da geschah in ein grosse genad. Das was, das die samnunge zu dem mal nicht mer het wann sibenzehen prot. Da mit speiset sie unser herr uncz an den funften tag, und waren ir doch mer den sechczig. Waz sol ich mer schreiben, wann die genad unsers herren, die ist warlich und scheinperlich mit diser heiligen samnunge gewesen an allen sachen. Und getar das wol mit warheit sprechen, das ich das tausent teil nit han geschriben, das der gut got diser vil seligen samnung hat gethan an hoher und an gotlicher genad.

Ein swester hiess Heilin von Gruen, die was der guten leut,[10] und was sunderlich andechtig und gedultig, und ubet vil tugent. Unser herr der trost sie auch von seiner miltikeit gutlich. Da ze einem mal da sie in einem besundern heusslein was, da kam eins und klopfet mit einem klepperlein, und tet, als es der guten leut auch wer. Da ging sie dar, und luget. Da sah sie drei jungling vor ir stan, die waren so unseglichen schon, das sie wol erkant, das es nicht menschlichs schein was, und hetten alle geleiche kleider an, und an allen dingen[11] ein ander geleich. Da gedacht sie an die heiligen drivaltikeit, als sie abraham sah, das sie einen got solt an peten, und kniet nider und petet. Da zeiget ir der milt got sein v. wunden. Da viel sie an ir lange venig, wann sie was da sicher, das es die heilig drivaltikeit was, und pat got dreier ding. Das erst was, das ir got all ir sund vergeb, das ander, das er selbs zu irem tod kom, das drit, das er ir hulff, das nimmer kein mensch von ir siech wurd. Da sie auf stund ab der venig, da sach sie neur einen mit der v. wunden zeichen. Der sprach zu ir: Du pist gewert, des du mich gepeten hast. [118] Eins tages wolt sie ze mess gen aussen an den kor. Als sie auf sah ze himel, und pat unsern herrn, das er ir hulf, das sie ze mess mocht kumen, da sah sie ein guldein creucz ob ir sweben in den luften, und was der weg, da sie hin ging, truken und schon. Ir tet auch unser herr grosse genad an irem tod, das kan ich nicht eigenlichen geschreiben.

Das ist swester Mechthilt leben von Waldeck, die starb an dem heilligen karfreitag, da von gocz geburt was vergangen dreuczenhundert jar, und in dem funften jar, und was nicht mer denn acht jar alt, da sie in das closter kom, und was XXXIIII jar hinnen, und was ein recht lauter mensch von iren kintlichen tagen auf, das sie sich nie bekumert all ir tag mit keinerley ausern sachen, und was in also grosser unmessiger leidung grosses siechtagen. Und dar czu was sie ein recht williger armer mensch und elend, das trug sie alles williklich und gutlich, und was frolich, wie sie doch was von hohem edeln gesleht geborn. Dar uber was sie in stetem fleiss, und hut irs leibes und irs herczen und in groser andacht und in hicziger mynne gen got, und hat ir auch unser herr unzellich vil genaden getan, der ich ein wenig beschreiben will. Die erst was, so si fur den alter ging, das sie an ir sunder kraft enpfing und enpfant an herczen und an leib von unsers herren leichnam. Da het sie langczeit antwurt in ir selb, und das ir dick bewert wart, und warlich bevant, das es got selbs was. Dar nach ward sie erleuchtet als gar, das sie eigentlich erkant, das got in ir sel rett, und die engel zu ir sel. Unser herr sprach auch zu ir unmassen dick, so gar susse und minikliche wort, die wir nimmer mer geschreiben mugen, das wir doch etwaz da von wissen. Da sprach unser herr zu einem mal zu ir: Alles das ich an dir tu, das gevellet mir wol. Ich wil wunder an dir wurcken. Czu einem andern mal pat sie unsern herren, alles das sein will wer, es wer ir liep oder leid, das er das alles an ir volbrecht. Da antwurt ir unser herr, und sprach: Seit du nu wilt, was ich will, als ich denn mit meinem vater geeiniget bin, also wil ich dich werlich mit mir vereinigen. Czu einem mal sprach unser herr zu ir: Ich han dich umvangen mit meinen gotlichen armen, pit mich, wes du wollest. Da kund sie nit gewissen, wes sie pitten solt, und gedacht da, das unserm herren da vor als wol het gevalle, da sie in pat, das sein will wurd volbracht an ir, und pat des selben aber. Da antwurt ir der milt got, und sprach: Du hast recht gepetten. Das ist nu geschehen, es ist nu nicht anders, wann du mir und ich dir und das wir liplich mit ein ander kosen; des kond sie nicht antwurten. Da sprach unser herr zu ir: Avete, got gruss dich aller miniklichste, und bewerte ir da das vorder wort. Tu mir, als ich gemeint han, von dem grund meins herczen. Ich dir allein, und nimant mit dir gemein, und sprach da: Tota pulchra es amica mea et macula non est in te. Du pist gancz schon [119] mein freundin, und kein mackel ist in dir. In diser genad gehiess ir unser herr den gotlichen kuss. Nach disem geheiss gewan sie als unmessigen jamer, das sie der engel trostet, und zu ir sel sprach: Got gruss dich minikliche und himelische, und bewert ir das mit disen worten, das sie himelische were, wann ir gemut und ir begird in dem himel wer pei got, und sprach da: Nu lass dich nicht belangen, das mag nicht so schir geschehen, das dir geheissen[12] ist. Das ist war, das got zu dir sprach: Mein freundin, du pist allenthalben schon, und ist kein meil an dir. Dir wirt aber ein spigel gesant, in dem du dein sel erkennen wirst, und kumst zu so hoher erkantnuss und zu so volkumer mynne, das dir noch unkunt ist. Das tet der gut got, und gewert sie der geheisse, und gab ir als hoch erkantnuss, das sie mit nichte ze wort kund pringen. So sie uns aber etwas da von sagt, so was es als tieff, das wir es nicht gemercken kunden. Ainest an dem pfingstag und die zwen tag dar nach was sie als vol genaden, als sie dick was, das sie selbs sprach, das sie kaum die leut mocht gesehen oder gehoren, als vol was ir hercz groser andacht und steter begird und gotlicher mynn und bevindung gotes in ir sel in ir fur, als sie auf sprung, und daucht sie nach warer bevindung, das ir sel inwendig alle die geperd het, die unser swester ausswendig heten, so sie jubilirten, und an zal dick mocht sie sich nicht enthalten, das wir sein innen wurden. Wann so sie oft neur einen slaf het getan, so must sie der sel freud durch die nacht wachen. Oft trug sie ob dem pette, daz sie vorcht, das sie sich icht mocht enthalten, und nam ein liecht, und ging in unsern reventer, und besloss sich dar inne, das sie ir gross freud und begird freilich und volliklich mocht gehaben. Es geschah auch dick, das sie weder wurcken noch peten mocht, wann das sie must losen und mercken des lobes und wunders irr sel, das sie inwendig fur pracht, wan recht ist, als da zwei menschen red und antwurt an ein ander geben, also redet got an masen dick in irer sel, und ir sele wider mit got, was ir pey dreien jaren, wie ir sel gesundert wer inwendig von dem leib und von leiblichen sachen als vil es von natur muglich was, und so sie dick under den leuten sass und redte und antwurt, das ir hercz da von kein irrunge noch kein anhaftunge het irdischer ding. Ir tet auch unser herr dick unter den leuten grosse genad, und offnet ir verporgene dinck. Da an der mitwochen zc den selben pfingsten, als da vor geschriben stet, da sie in also vil genaden was, da het sie gern gewisset, was gepetes aller pest wer, das sie wirdig wurde, das der heilig geist zu ir kome. Da wurd ir geantwurt in irer sel, das hercz, das geruet ist von allen irdischen und zergencklichen dingen, da wil der heilig geist innen sein. Da gedacht sie, das der heilig geist gern kom, da ru wer, und er doch [120] so ungeruiklichen zu den XII. poten kom. Da ward ir aber geantwurt: Das leiplich feüer musen wir haben. Also wolt das feuer des heilligen geistes weit und allein haben das hercz, das der inprunst sein mynn nicht geirret wurd. Und darnach in der mess da ward ir geoffnet ein licht geistlich, das was so gar lauter, das sie daucht, man mocht sich darinne wol ersehen von schon und leucht in der clarheit, als es was. Und waren kleine liht pei dem grossen licht, des wundert sie von herczen, was das wer. Da ward ir zerkennen geben, es wer ir sel, und sprach unser herr zu ir: Ich will dich erleuchten und deine werck. In disen dingen wundert sie ser, wie sie ser leicht sam mocht getun zu so grossen dingen, wann sie enpfant so grosser ru und sussikeit, die man nicht kan ze worten bringen. Dar nach gedacht sie, ob dise genad war wer, da ward ir geantwurt: Ego sum via, veritas et vita. Ich pin der weg, die warheit und das leben. Wo ich pin, da ist nit trugnuss, benuget dich nicht, das ich[13] dich han erleuchtet und deine werck? Dar nach ward zu ir gesprochen[14]: Das dich erleuchtet hat, das ist ein senfte manunge des heilligen geistes. Sie begert auch, das ir got zu erkennen geb, ob es muglich wer, das ein mensch unsern herrn mocht enpfahen geistlich als werlich als der prister ob dem altar in der messe. Da antwurt ir unser herr, und sprach: Es gen vil leut ze mess von einer guten gewonheit. Die enphahen teil nach ir begird. Aber dem ich meinen leichnam und mein plut gab zu einer speiss und ze einem tranck geistlich in sein sel, als werlich ich mich gib got und mensch dem prister ob dem altar. Das ist als ein auss genomen genad. Wann alles daz ich dem menschen auf ertrich tu ze gut, das ist alles genad, wann das allein, das ist ein gab, die des menschen aigen wirt, dem ich meinen leichnam gib, er muss sich aber bereitten, als ob er ze altar sol gen. Das ist, das er sich leuter mit reu und peicht, ob er mag mit rechter zuversicht, und mir danck, das ich im ze gut hab gethan, und durch in erliden hab. Wann vil leut enpfahen meinen leichnam, und sint doch vil unsicher, ob sie mich wirdiklichen enpfahen, aber wem ich mich selber gib, der ist sicher, das er mich wirdiklichen enpfehet nach meiner erpermde. Dar nach da sie bevant, das es muglich waz, den menschen enpfahen die gab, da begert sie sein von ganczem irem herczen. Des gewert sie der gut got als volliklich, das sie darnach uncz an iren tod alle tag unsers herren leichnam geistlich enpfing in ir sel, und dar inn tet ir unser herr manigvaltig genad, da mit er sie sichert, das sie in werlich het enpfangen geistlich. Und doch het sie als gross begird unsers herrn leichnam ze enpfahen dick zu dem altar, das sie unser herr trost, und sprach zu ir: So du zu dem altar geest, so enpfahest du nicht,[15] das du da sihest, sunder das gelaubest. Also tustu auch sust, als dick ich mich dich dir gib got und [121] mensch geistlich, und sprach: Gin auff und tu auf den munt deiner begird. Hoc est corpus meum. Mit den selben wort enpfant sie gotes als werlich in irr selle in aller der sussikeit und genad, als sie in zu dem alter enpfing. Dar nach sprach unser herr zu ir: Ich wil dich sterken mit meinem leichnam, und will dich heiligen mit meinem wirdigen blut, und will dich trosten mit meiner zarten sel, und wil dein sel gross machen mit meiner ewigen gotheit. In einer andern mess sprach er czu ir als zu sant Augustino: Cresce et manducabis me. Got sprach auch zu ir in der messe: Ich han dein sel lebendig gemacht mit meinem lebenden leib, und gecreucziget mit meinem rosenvarben blut, und getrostet und glorificiret mit meiner wirdigen sel, und han dein sel in mein gotheit geczogen, und han sie erleuchtet und enczundet. Sie mocht auch des tages, so sie unsern herrn enpfing, luczel ichcz essen. Ir ward auch dick eigenlichen geoffenwaret, was unser herr der samnung gutes und genaden tet des tages, so sie unsern herren enpfingen, und von vil swestern sunderlichen. Ir ward auch gar dick geoffenwaret, wie der leut herczen waren vor got und ir lieb. Sie erkant auch, was got wunders worcht in der sel von seiner erpermde, wenn der mensch bereit und geleutert wurdt, und sich denn zu innerkeit zu der gebe mit got. Da ward die sel von einer stunde als gar leuhtig und lustig und als gar begirlich; west wirs, wir legten all unsern fleiss und unsern ernst an innerkeit zu got. Ir versagt unser herr auch selten ie kein dinck, des sie von herczen begert ze wissen in der genad. Dick offenet ir unser herr kunftige dinck. der vil geschehen ist. Etlicher sey wir noch warten. Sie sagt auch dick etlichen swestern, wes sie gedachten und begerten, das niman mocht gewissen denn got allein und sie und auch recht, als es was. Da die selig clausnerin von Gruen gelag, da sagt sie uns, das sie sterben solt. Da pat sie unsern herren mit grossem ernst, das er sie noch lenger liess leben. Da sprach unser herr: Het ich dich geladen zu meiner ewigen wirtschaft, wie lip wer dir, der dich wendet. Da gedacht sie: Lieber herr, der kund mir nimmer leid getun. Da si da schir verscheiden solt, da hort sie die engel singen, und die heiligen laden mit unseglicher freud, und sungen zu dem mal daz wort: Veni. Das gesanck was unmassen suss, das sie es ze worten nicht kund pringen. Dar nach sang unser herr mit einer herlichen stymm so ubersussiklich, das alles das gesweig, das da was dise wort: Electa mea. Mit disen worten schid ir sel von irem leib. Da sungen aber die engel und die heiligen drei stund: Veni. Da sang aber unser herr zertlich und miniklich: Intra thalamum sponsi tui, mit den selben leitet sie der gut got in sein ewig freud an alle urteil. Von diser offenung enpfing sie als unczellich vil freuden und uberflussige sussikait, das sie des nachtes nie ze recht kom, und starb sie doch ze complet. Sie ging an ein einoden, wann sie sich auser wendig [122] nicht enthalten mocht. Dar nach starb die selig clausnerin ze Tellekhoven. Das sagt sie uns vor drei tag, ee wir je wort da von horten, und sagt uns den tag und die stund, wenn sie sturb, und wie sie enpfangen würd, und das unser herr und unser frau selber nach ir komen und unzelich vil engel und heiligen. Da sprach unser herr: Muter, rur diser sel die orgeln der gotheit, mit dem daucht sie, das bewegt wurd alles himelisch her, und entpfingen sie mit groser herschaft, und grusset sie ider kor mit sunderm gruss. Und da dise swester ze preim auf stundt des selbigen tages, da bevant sie als unzellich vil freud und sussigkeit, das sie wundert, was unser herr da mit meint. Da ward ir das vorgend wunder alles in der mess geoffenet. Das hab wir geschriben dar umb, das man wiss, das ir got dick grosse dinck offnet. Ze einem mal da was ir gar wol mit got, da gedacht sie: Ja, lieber herr, als wol wil ich mir allweg lassen sein mit dir, und will mich nichtes lassen irren, ich sei pei den leuten, oder wo ich sei. Da sprach unser herr: Mir ist vil pas mit dir denn dir mit mir, wann ich erkenn dich, so erkennest du mein nicht. Ich erkenne dich als dich mein vater hat gepildet nach seinem gotlichen antlücz der heiligen drivaltikeit, und als ich dich wider han geschaczet mit meinem wirdigen plut, und als dich der heilig geist geziret hat mit seinen genaden. Ainest in einer genad sprach unser herr zu ir: Ich pin dein, so pist du mein, was mocht pesers? Da gedacht sie: Lieber her, das du mein seist, das ist mir gar ze gross. Das du aber sprichest, das ich dein sey, was hilffet dich das? Da sprach unser her: Hilft mich das nicht, das meins vater will ist an dir volbracht, und mein tod an dir ist behalten, und die genad des heiligen geistes volkumenlich an dir wurkend ist in deiner sel? Sie het auch als gar grossen ernst ze piten uber die samnunge, und erwarb uns auch dick vil gutes umb unsern herrn, und ze einem mal, da gab er ze erkennen, das er vil elter wolt weihen, dar auf er selber wolt wonen, und meinet die herczen der swester. Und sprach: Ich wil nicht weihen als die pischof, die weihent mit waser, so wil ich weihen mit meinem rosenvarben plut. Was grosses gutes und genaden unser her an diser auserwelten swester hab getan, das künnen wir nicht volschreiben, und dar an von seiner gut nit liess uncz an iren tod von dem mal, das er von erst sunder genad tedte, wan er die genad alle tag an ir meret. Auch sullen wir ires heiligen endes nit vergessen, daz als auser genomenlich gut was, als wir in vil zeiten je keins menschen gesahen, und tet ir unser her als vil genaden an irem end, das sie selber [sagt]: Wer ich nicht so gar gedrucket, so begert ich von herczen, das ich euch allen möcht gesagen das groser gut, daz mir got tut. Da sagt sie uns, das unser herr etwi dick zu ir het gesprochen: Wir wollen ich und du ein frölich urstend mit ein ander haben. Da sprach sie: Her des beger ich von allem meim herczen. Si pat uns [123] auch, das wir ir hulfen piten unsern hern, wer es sein will, das sie das karfreitages stürbe, wann auch unser her des selben tages von grundloser mynn und uber flussiger miltikeit starb durch uns, und sprach: Das tu ich nicht dar umb, das mich der arbeit ze vil dunck, wann ich beger von alle meim herczen, das ich tausent tod durch in mocht geleiden. Wir sehen auch alle, das sie in groser andacht lag, und in groser begird und jamer nach got. Da sie also lag in groser gnad, und schier verscheiden wolt, da pat wir sie, das sie uns etwas lert, das sie deücht, das uns aller nuczest wer. Da sprach sie: Ir sult euch zihen, so wirt euch got heimlich, und wirdt euch wol mit im, wann ir vindet alle warheit und allen trost, und alle sussikeit an im und die ewigen sicherheit, und sprach da: O we habt got lieb und lat euch dar an niemant irren. Also schied sie heiliglich und selliklich von uns, und sprach: Wist, ich stirb in rechter sicherheit. Geendet am freitag vor dem suntag septuagesima anno domini . M . cccc . li.


Wer got lob und danck wil sagen umb die uberflüssigen genad, die er sein auserwelten heimlichen freunten mit teilet, die seins trostes alleczeit begernde sint, in aller der weiss als gotlich grundlosse miltikeit geruchet zu freuen alle die herczen, die in menschlicher blodikeit dennoch streben, und doch in gotlicher süss senung nach seiner genaden reichen niessung alle stunde swebent, sie sülen dise nach gende geschriben wunder auch zu herczen legen den worten, das sie hie und in der ewigen wunne teilhaftig werden der selben trostlichen genaden. – Des ersten da was ein swester in einem closter prediger ordens, die was von gar heiligem geslecht geborn, und ir nam was Adelheit von Hiltegarthausen. Und von iren jungen tagen legt unser her grossen sichtum an iren reinen unschuldigen leip, also das sie mer dann XXX jar ein bette riser was, das sie von dem bette nicht kumen mochte, wann allein das sie zwu meide gar mit arbaiten ze messe brachten. Und das was ir gar unleidig, das man so getan arbeit mit ir muste haben, und bat santt Lucam, das er ir umb unsern herrn erwürbe das, das die gross müsalung ir geleichtert würde. Und der hochgelobt heilig half ir, das sie darnach mit einer swester hilf zu messe möchte kumen. Und in der selben kranckheit bleib sie biss an iren tod, und in den selben unkreften het sie so grossen ernst zu got, das es alle die wunder namen, die in dem closter warn, wie sie es mocht furbringen mit so grossem ungewalt irs krancken leibes. Nu mit unmüdem gebet tag und nacht und unmessigem weinen und wenig slaffes gab sie ir selber, und allein volfuret sie andechtiklichen gotes lob. Und auch so sie wande, und sich fur sah, das die swester, die pey ir lagen, in dem stercksten slaf waren, so slug sie [124] sich in dem bette so unbescheidenlichen, das die umb sie lagen, grossen jamer da von namen. Also het sie mit so getanem ernst dar zu pracht, das got grosse wunder mit ir tete. Er liess sie kunftige ding wissen, und so der swester freunde sterben solten, das [sach] sie vor und auch umb welhe zeit, und es geschah auch also, und so die swestern einer sele irr lieben freünde ein heimlich gepet teten, da niemant umb weste, so komen die selen zu ir, und baten dise heilige swester, daz sie an irr statt der swester danckte des gepetes, das sie der sel getan hete, und nante das gepete, als es auch was. Und den swestern sagt sie ir heimlich gepresten, das sie sich dar an besserten. Und gotes muter was ir auch als gar heimlich, das sie ir gemeinen gepresten saget, den wir in unserm closter betten, und pat sie, das sie die swester dar an mante, und in die gepresten beneme, als vil sie künde und möchte. Und die manunge geschah gar dick von gotes muter diser heiligen frauen. Und etliche dinck, die uber hundert meil geschahen, die tet [sie] ir kunt, und so man es darnach erforschet, so was es aller ding also. Dar uber verjahe sie iren heimlichen freunden, daz nimmer kein samstag kom, sie trostet unser frau mit sunderlicher genade. Und was selten kein nacht, es komen die selen zu ir, wann zu den het sie gross genad, das sie in erburbe umb unsern herrn ledigung irr pein, und das teten sie ir dick kunt, wo mit man in gehelfen möchte, und legte denn all iren fleiss dar an, das sie die selben hilf volbrechte. Wann sie was von natur des aller miltesten herczen, das in menschen leib je kam. Wen sie sach, das ein mensch in betrübte was, so gestillet sie nymmer mit weinen, und grossem ernst bat sie denn got fur das mensch, bis das er es mit sunderlicher genad tröste, also das es dem menschen aller ding benomen wart. Es kom auch etweun also, das ersame veter als hoh lessmeister in das closter gingen ir ze troste, so sie denn für ir pette gesassen, und begunden susse rede für ze bringen von gotlicher andacht, so über wante sie sy mit so tiffen worten, das sie sorgeten, wie sie ir konden geantwurten, und was doch der irdischen buch nit gelert. Allein daz ir hercze durch flosset was von gotlicher genugsam, die sie allezeit in ir sel truge, das sie dick gotlicher genugsam, die sie allezeit in ir sel truge, das sie dick solch rede furbrachte auch gegen hohen pfaffen, das all ir buch kunst erstumen must, wann götlich einfluss, des ir geist allczeit gevellig was, und zu enpfahen die ler des schulmeisters, der ein beginnen und ein ursprung ist aller weissheit, der hete sie genuptet und geczogen im selber allein von iren kintlichen tagen. Dise heilige swester het auch grosse andacht an gotes gebürtlichen tag, und da von prachte die himelische künigin ir götlich kint an dem selben tag diser andechtigen swester also neu gepornes, und legt es fur sie an ir pette. Da manet sie das gewaltige kint seiner kleinen gelider, und pat sie, das er sein edel menschlich eret, und bestettiget, [125] als vil guter leut in iren guten leben, und als vil sunder bekerte, und als vil selen erlöste als vil er gelider het an seinem gotlichen leib. Und des ward sie gewert so zehant von seiner zarten kintheit. Es was auch ze einem mal, da ein swester in dem selben closter sterben wolt, und was iczunt in dem jüngsten streite, da kam unser frau, und trug ir liebes kint an dem arm, und wolt zu der swester endkomen, die da sterben wolt, und ging unser frau fur der heiligen swester bette, und legt ir das kint fur sie an ir bette, und ging unser frau da cze der swester, die da sterben wolt, und liess das kint bey der heiligen swester, biss die swester starb, die da in todtes nöten was. Und unter der weil, da unser frau bey der sterbenden swester was, da nitet sich die siech und heilige swester alle liebes mit dem gotlichen kinde in diser weisse. Die heilige swester het ein salter vor ir ligende, und het dar an gelesen. Da begunde das kint auch zu lesen. Da sprach die heilige swester: Vil zartes kint, was liesest du? Da sprach das kint: Da lese ich verbum dei. Da lass das kint aber mer. Da sprach die swester aber: Vil liebes zart kint, was liesestu? Da sprach das kint: Da lisse ich, wie ich von meinem vater geporn sey. Da lass das kint aber mer. Da sprach sie auch aber: Was lisest du vil herczen liebes kint? Da sprach das kint: Da lise ich, wie ich von meiner muter geborn sey. Da sprach sie: Aber vil herczen liebes ausserweltes kint, wie gar schön dein herlein ist. Da greiff das kint auf sein götliches haubt, und sprach: Das har het ich nit in der ewikeit. Und da dise vorgenante swester verschide, da kam unser frau wider zu der swester, da sie ir kint het gelassen, und das nam sie an den arm, und ging mit dem convent, biss man den leichnam in den kor brachte. Es was auch ze einem mal an unser frauen tag der liechtmess, da lag aber die heilige swester vor dem kor an irr andacht. Da der convent procession ging, da kam unser frau, und brachte ir liebes kint, und ging sie mit dem convent, piss die process ein ende nam, da holet sie aber ir liebes kint, und mit der selben wunniklichen gegenwürtikeit irs zarten sussen kindes trost sie unser frau an zal. Es kom auch die milte künigin zu einem mal zu der heiligen swester in der weiss, als da sie mit irm eingeporn kinde von egipto ging, und het daz kint bestrebete horbige fusslein. Und die hub es auf, und bot sie gen der heiligen swester, und sprach zu ir: Auss disem kind mag wol ein widerman werden. Und also machet des himelischen vaters eben ewiges und natürliches kint so mangerley leutselige kurczweil seinen auserwelten freunden mit seinem gotlichen trost auch hie auf ertrich, das alle die, die in gotes mynn sint, wol jamer und belangen mugen haben nach der vorgehalten kunftigen ewigen freud, und also dy swester, die pey iren zeiten lebten, die mit ganczem fleisse war namen irer weiss, und merckten, die sprachen, das nimer ein tag wer, Got tet ir sunderlich genad, und unter ander [126] dingen da liss sie got wissen, was genaden er an die sünder legt, die nie kein gut geteten, und aller erst an dem jüngsten seüfczen behalten werden. Dise heilige frau ward auch von dem bösen geist gar vil gemüet, und sunderlich zu einem mal da was ein junger prediger in groser anvechtunge von dem possen veint. Also das er grosslich an dem leib nam, und disse bekorunge peichtet er seinem prior alletag, und das bracht im kein hilf. Und zu einem mal da gehalf im got, daz er zu diser heiligen frauen kom, und bat die mit grossem ernst, das sie unsern herrn fur in bete. Da kerte sie all iren fleiss dar zu, das sie disen pruder von gotes hilf erlöste und seinen arbeiten. Und das ward der böss geist innen, das sie mit irem gepet seiner schalckeit strick und lage legt, und kom fur sie so grausamlich, das sie an masse erschrack, er het einen munt, der was als weite, das er von der erden ging biss sie an den podem oder bünen, und wolt sie iczunt verslunden haben, wann das sie die gotes hilf alleczeit trostet, wenn er so unleidend korunge an sie leit, und dar uber beharret sie doch immer mer dar, biss sie got erhorte, und gewerte, das der jung bruder von seiner anvechtunge aller ding erlost ward. Es geschach auch ze einem mal, daz man prediget den swestern in dem obern chor, und mocht die heilig siech swester dar nit kumen, und het sie grossen jamer, das sie die predig nicht gehoren mochte, und der jamer erbarmet unsern herrn so sere, daz er zu ir selber kam und prediget ir das wort: Semen est verbum dei, und das legt er ir so sussicklich aus, das sie dar nach immer mer in groser genad was, wenn ir seine gotliche wort ze herczen komen. Sie het auch allezeit unmessige mynne ze unsers herrn leidung, wie sie im der gedancket mit alle den kreften, die ir got verlihen hete, und all ir sinne richtet sie dar nach, das sie an zal sein arbeit von anegenge ubertrachtet, und in der selben andacht so gab ir got so vil erkennen seiner pein, die er erliden hete, die auch gemeinlich die cristenheit nit begat, und wenig mensch nit weiss. Und sunderlich het sie grosse begirde, das innen wurde und enpfunde, wie gross die smerczen weren, die unser herr enpfinge, da man im die durnen krone in sein gotlich haubte senckte, und durch sein hirn sluge, und die herczlich mynn und begirde lag ir sterklich manig jar an irem gemut, und also kom ein engel zu irm bette und slug sie so bitterlichen, das sie von grossen smerczen jemerlich ungehebde hette mit gar gedultiger züchtiger stymme, und lieffen ir sunderlich freunt zu ir, und wonten, es wer ir gewönlich siechtage. Da sahen sie da wol, das sie in andacht was, und also ward sie ze dreien malen durch ir haubt geslagen, das nach idem slag und smerczen ir seliges haubt unter sich fur in die kelen, und daz sahen, die pey ir waren, mit iren leiplichen augen. Und da man sie also ze dem dritten mal geslug, da was ir all ir kraft benomen, das sie nymmer geleiden mocht. Da sprach sie: Herr hör auf, [127] mit so amechtiger stymme als ein mensch, dem all sein kraft zergangen ist, und darnach da vant man an irem haubt gross gruben und twelen, die ir beliben waren von den pittern slegen. Ir ward auch ze einen zeiten kunt gethan von gotlicher genad, was sant Paulus gotes taugen müssen die drei tag, da er in hete nider geslagen. Des ersten tages noss er, wie got alle engel, himel und erde und alle creatur geschaffen hete. Den andern tag noss er, wie er von der ewigen megde geborn wer, und gotes kintheit und alle sein wandelunge hie auf erden, und sein leidunge, urstend und sein himelfart. Auf dem dritten tag da ward er geczucket in den himel, da all engel und heiligen alles himelisch her die götlichen drivaltigkeit niessent ewiklichen, und da ward sein genadenreiche sel durch flösset mit so getaner erkantnüsse, die unmüglich wer keiner zungen fürbringen. Und dar nach trug er alle czeit den jamer in seinem herczen nach diser vor versuchten wunne, das in kein pein diser werlt erschrecken mochte, er wer bereit ze leiden alles das im ze leiden immer widervaren möchte, dar umb das er bestetiget wurde zu der freüden, die immerwernde ist an ende. Es geschah auch ze einem male, das die siechmeisterin diser heiligen swester ein gersten hete gemachte, die daucht sie gar ungesmach, und mocht sie nit genüczen. Da kam gotes muter, und sass für ir bette, und sprach: Liebe tochter, ich und mein kint heten dise speiss für gut gehabt, und ze hant daucht sie sy die beste speise, die sie bey irm leben je versucht. Dise heilige swester het ze gotes lobe so grosse lieb, das sie manig jar begert, das sie wissen möchte, wie die heiligen in dem himel lande den ewigen werden got lobten. Und also ward ir geist geczucket in das paradise an der hochczeit nach der none, so man begeet gotes himelfart. Da sach sie die wunniklichsten grün, die je gesehen ward, und unsern herrn Jesum Christum mit einem praunen rock, und het sich zartlich geneiget auf seinen gotlichen arm, und stunden zwen altherren in der alten ee Adam und Moyses, und zwen hochgelobt herr in neüen ee sancte Johannes der taufer und sant Augustinus vor im. Und sprachen iglicher sein sunderlich lob, und lerten sie auch da, wie sie iren schopfer loben solt, die weil sie hie auf erden were. Und disses honikflussiges lob sol ein iglicher mensch, das so selick ist, zu des oren es kumet, in sein inner gemüt sencken den worten, das es wirdig werd, das es sey ein mit volger diss begirlichen lobes mit den gefronten heiligen in der ewigen freude. Diss edelen lobes anvanck ist also: Merck eben.[16] Herre heiliger vater, ich lobe und ere dich mit disem gebete, als du pist in deiner wunsamen ewikeit. Ich lob dein edelkeit, dein grossen, dein wunderlich ere. Ich lob und ere dich als du bist, und als du gewesen pist vor der aufseczung der werlt in dir selber ein wunsam reich. Herr vater ich lob dich, du da gepirest alleczeit in deiner ewikeit. Ich [128] lob dich ewiger brunne und den aussfluss in dir ze schepfenne deinem sune engel zu einem lobe, das die sehen in dir den[17] spigel der ewikeit, wie sie dich loben solten. Ich lob dich, das du hast nider geworffen den hochfertigen, der wolt im dem ereigenn. Her vater ich ere dich durch alle dein creatur, die du geschaffen hast, das sie leben in deiner güte. O edele drivaltik., ich lobe und ere dich, der du wolste schopfen menschen durch deinem gewalt und weissheit und willen. Nu bit ich dich, heiliger vater, das du geruchest ze geben mir armen kraft ze deinem höhsten lob. Ich pit dich, herr ein weissheit des vater, das du geruchest ze erleuhten mein verstantnüss zu deiner obersten erkantnüss. O herr heiliger geist, ich pit dich, das du geruchest ein ze gissen meiner sele den besten willen, in dem ich dir müg wol gevallen. Ich lob und ere dein undurchgrundlichen tieffen, als du pist in deiner undurchgrundlichen tieffen. Dein wunsame tieffen, als du pist in deiner schone. Ich lobe deine unmessige güte, als du pist in deiner güte. Ich lob dein ewigen reichtum, als du pist in deinen ewigen reichtummen, und pit dich, das du mich reich machest an tugenden. Ich lobe dein unsegliche tugente, und pite dich, das du geruchest mir ze geben tugende, und solche tugent in den ich dir muge wol gevallen. Ich lob und ere dich, da du pist alles, das du pist, und die selben gute, die du pist. Herre vater, ich lob und ere dich in deinem unbegriffenlichen und unmessigen wesen. Ich lobe dein undurchgrundliches wunsam hercz, in dem du gebirst deinen wunsamen sun, dein bild, deinen schein. O wunsamer sun, ich lob und ere dich, der du wolst geborn werden von dem wunsamen zarten herczen deines vaters. O aller edelster herr, welhe mynn hat dich getwungen, das du woltest auf die erden zu kumen in den leip meiner frauen, und geporn werden von wurcken des heiligen geistes. Und die gepurt lob und ere ich, das du hast gewollet an dich ze nemen, das du vor nicht bist gewesen. O ewiger edeler herr, ich lob dich, das du woltest geborn werden von dem leib meiner frauen ein sun des vaters, mir ein behalter. O ewige weissheit des vaters, ich lob dich, das du woltest kleiner gesehen werden, du groser in dem vater. Ich pit dich durch die mynne, die dich hat getwungen ze komen auf die erden, das du geruchest mir ze geben, das ich dich mynne von allem herczen und weisen sey ze allen dingen, die mich dir mügen genehen. Herre vater, ich lob dich, das du reichnest in deinem unmessigen zartnüss. Ich lob deinen gotlichen geist, und ere dich heiliger geist mit dissem gepet, als du pist in dem vater und in dem sun ein unmessige mynne, ein mitler kuss, ein ewige freuntschaft, ein ungeledigter umvang. O ewige mynn, ich lob dich, die du hast gebildet die zarten menschait, meins herren Jhesu Christi und geeinet in dem leib meiner frauen. Herre heiliger geist, ich pit dich, das du fliessest von der zarten [129] einung in mein sel, und geruch sie also zu erleuhten und enzünden, das alle schedlich dinck in mir erleschet werde. Und pit dich, das mein sel geeinet werde mit dir, und auch werde gezogen zerkennen, ze versuchen, ze niessen die wunsame und zartnuss, die du pist in dem vater und in dem sun. Ich lob dich und er dich du wunnsame drivaltikeit. O selige einickeit, o unermessige ewigkeit. Herr vater, ich lob und ere dich, du da reichnest in deinem gewalt in deiner stercke, das du woltest die unterzihen in deinem zarten sun, daz er lide. Ich lob dich, o ewiger edeler sun, du da woltest erzeigen schopffen durch dich got dem vater, die er hete beschaffen dir zu einem lobe. Ich lob und ere dich, du da woltest erzeigen, wie vil du minnest got den vater in uns, das sein wunnsame gotheit mochte fliessen in uns. Ich lob und ere dich, herr Jhesu Christe, ein sun gotes des vaters, der du woletest gehorsam sein deinem vater ze leiden. Ich lob und er dich umb dein wachen umb dein[18] müden, umb dein predigen. Ich lob dich und ere dich herre, daz du woltest uns kunden, daz du hetest einen vater in dem himel. Herre Jhesu Christe, ich lob und ere dich durch alle dein leidung, die du erlitten hast von deiner kintheit biss zu dem tode des creuczes. Herre Jhesu Christe, ich lob und ere deinen tod, in dem du uns erlosest hast von dem ewigen tod, und pit dich durch deinen tod, daz du hin nemest von mir alles, daz dir missvalle an mir. Ich lob dich herr, das du pist nider geleit von dem creücz, und pit dich, daz du mich ledigest von aller anvechtung des possen veintes. Herre, ich ere dich umb dein begrebde, das du deinen reinen gotlichen leip woltest lassen gelegt werden in die erden, und die woltest verleuhten mit edelen leibe. Herre, ich bit dich durch dein heilige begrebde, daz du geruchest mein blintes hercz erleuhten. Herre Jhesu Christe, ich lob und ere dein heilige urstende, und ere dein zarte sele, die da ist ein tron der wunniklichen gotheit. Ich lob und ere dich, du da hast enpfangen also loblich die zarten menscheit, die der heilig geist dir hat angelegt. Ich sag dir danck und genad, daz du woltest dein edel menscheit erhohen in dir, und dein funf wunden woltest du nicht geben der vergessung, und die ere ich mit disem gepet. Ich lob dich, du da pist ze himel gevaren in lob und treuden und in jubilo et exultacione mit dem edeln her deiner heiligen in die ere deines vaters. Ich lob und er die ere, mit der got der vater hat geert dein menscheit, die du mit im hast gehabt, ee daz die werlt geschaffen wurde. Ich lob und ere dich wunnsamen siczenden in der ewigkeit des vaters, dem da ist gegeben der gewalt, die sterck, die barmherczikeit und das gericht. Ich lob und ere dein aussleühtende gotheit durch das liecht deiner edeln menscheit. Ich lob und ere den fluss, mit dem du erfullest himel und erden, [130] und pit dich, daz du ein fliessest in mein sel, und sie also truncken machest, das ich dich mynn von alle meinem herczen, und pit dich durch dein scheinende wunden, das du geruchest mein funf sinne zu erleüchten, das ich nymmer müge weder inwendig noch ausswendig betrogen werden. Ich lob dich und ere dich, heilige drivaltigkeit, als du pist in deiner ewigen ewikeit. O herr heiliger vater, der du hast vor gesehen und auserwelt under allen menschen einer junckfrauen dir zu einer tochter. Ich lob dich, o eingeporner des vaters, daz du hast für sehen und auserwelt in der artikeit mit dem vater und mit dem heiligen geist dise junckfrauen dir zu einer muter, das du von ir geborn wurdest. O herre heiliger geist, ich lob dich, das du hast fur sehen, und auserwelt in der ewikeit mit dem vater und dem sun mein frauen sant Mariam dir zu einer gemaheln, und hast die geheiliget in der muter leib, und hast sie behütet vor allem übel und hast sie gemachet überfliessende in aller genad. Ich lob und ere dich, o edele drivaltikeit, als du pist in deiner wunderlichen ere, du da hast erhohet meinen frauen sant Mariam zu einer kunigin himels und erde, und hast sie auch erhohet über all chor der engel und der heiligen und hast sie geert, das sie die aller nehst ist bei dir mit wunnsamer wirdikeit. Ich lob dich, das du sie hast gegeben aller nehst nach dir allen heiligen zu erende aller wunniklichste und all heiligen und all engel freüen sich in ir mit sunderlicher freüde. Herr, ich er dich, das du ir hast gegeben den gewalt in himel und in erde, daz sie ir dinern wider lonet, als vil ir gevellet. Ich lob und ere dich, aller suste künigin, und die freüde und die erkantnuss, die du hast in aller diser ewikeit und als du geeret bist in aller drivaltikeit. Ich bite dich, frau meine heilige Maria, durch die erkantnüss, dy du hast in got dem vater, dem ewigen liecht zerkennende das ewig liecht. O fraue, ich lob und ere die erkantnüss, die du hast in deinem sun, wie er sey die ewig weisheit des vaters und wie du frau adellich in im und alle dinck weislich geschaffen sint. O heilige und aller heiligste der heiligen, du da bist vol von dem sun aller kunst. Ich pit dich, das du mir helfest, daz ich kume zu der bekentnüss der ewigen weisheit. O heilige Maria, ich lobe dich und ere die erkantnüss, die du hast in dem heiligen geist, wie er ist die ewig zartnusse in dem vater, und in dem sune, und dich frauen vol der zartnuss. Ich bite dich, das du machest mein sel versuchen die selben zartnuss. daz ich müge dich und deinen sun hicziglichen mynnen. O mein frau heilige Maria, ich bit dich durch alle die sussigkeit und erkantnüss, die du hast in der ewigen gesegenten und allzeit zu erenden drivaltikeit, das du mich arme in der zeit meines todes erfreüest mit deinem allersussten kind, und das es geruch, mein sel zerlossn barmhercziklichen und genediklichen von aller anvechtung des pösen geistes per Christum dominum nostrum Amen.

[131] Und das lob, das die vier herren sie lerten, das was verre mer, dann die in ier synne gevahen mocht, aber was sie behabet hete, das ist auch hie geschriben, und da sie do ir lob volbrachten diser herrn, da sprach unser herr Jhesus Christus zu in: Nemt Alheiten und furt sie aus und lat sie das firmamenten klanck horen. Und da wart sie gefurt zu des firmamenten umlauf, und da von ging ein so suss don und klanck, der uber all synn was. Wann allein dar nach, da sie wider zu ir selber kome, und ir heimlich freunde zu ir komen, da sagt sie in das alles, das seiten spil, das dise werlt geleisten mocht, alles mit ein ander klungen oder alle die sussikeit, die je kein or horte, die mochten dem minsten klange nicht geleichen, das si da gehort hete, aber sunderlich was sie trostes auch da in ir sel enpfinge, das konte sie nicht auss gesprechen, wann es was uber menschlich sinne. Und da dise ubertreffenliche genad nach orden von ir heten gehort ir sunderliche freunde, da schriben sie das lob an aus irem munde allen den zu besserung, die dises gelerte lob in dem paradyss immer gehorten, und sich dester begirlicher richten in gotes lobe.

Es was auch ein gar selige swester, der nam was Heilwig, die was so heiliges lebens, das sie alle die hertikeit des ordens strenglichen hielt, und unter andern dingen das was sie XXX. jar an fleisch. Und andechtigen gepet und heiliger trachtung gab sie sich mit ganczem ernst stetiklichen, also das sie von metten uncz preim neür drei pater noster sprach, und von so getanem fleissigem ernst. Da tet ir got die genad, das sie dick hort aus irem herczen singen das aller süssest gesanck, das je gehört ward, und ward der von etwen so laut hellende, das sie in grossen sorgen was, das es die innen wurden, die umb sie weren. Der genaden, die got an sie legt, und da von so sie des selben trostes innen ward, so nam sie alles das sie umb sich vant und polet es hin und her, das ein geprochsel wurd, das imant irs heimlichen trostes innen würde. Und also kome es, das die swester in betrübde vor irem tod kom, und in der betrubde da schiede sie von dirr werlt, und dar nach kürczlich, da kam sie zu der swester ze der vor genanten Adelheiden, und sagt ir, das sie vor gotes augen were. Und das was auch wol ze glauben, wann sie kome zu ir mit ir so getaner schön, die an achte was, und sunderlich hette sie durch den rucken einen strich mit guldein buchstaben, und vorn an dem herczen ein creucz mit guldein puchstaben, und an dem striche durch den rucke da sprachen die guldein buchstaben also: Qui vult venire post me, abneget semetipsum. Da sprachen die buchstaben vorn an dem herczen: Qui mihi ministrat, me sequatur et sub etc. Und da die heilig Adelheit so wunderlich zirde sach an der seligen Heilwigen, da sprach sie: Vil liebe swester meine, mit welcher zirde hastu verdint die edeln schöne, die du durch deinen rücke hast? Da sprach sie: Das han ich von der betrubde, die ich erliden han an alle schulde, [132] als du wol weiste, die dranck so tieffe in gotes herz, das er mirs lonen wil von eben zu eben. Was ist dann das wuniklich creucz an deinem herczen? Des antwurtet sie aber der fragenden swester: Das ist die gross gedult und miltikeit, die ich in meinem herczen truge in meiner betrübde, und sie gotes treuen so leuterlich uppfert, das er nichcz ergeczet nach seiner grundlosen parmherczikeit, und das han ich nu tausentveltiklichen funden im glaste des gotlichen antluczes, und han auch ewige ere da von enpfangen vor allem himelischen here umb das und manges, des sein unmessige treu nimmer vergessen will. Und von diser seligen gesicht wart aber die heilig Adelheit grosslich getröstet, das sie ir liebe freundin hete gesehen in so grossen freuden und eren.

Es was auch aber gar ein selige swester in dem selben closter, die was so heiliges lebens, das sie allzeit nymmer gestillet, es wer gotes lob in irem munde, es beneme ir denn der slaf. Auch brachte sie unmessige gebete fur. Dar zu was sie von ir muter leib so rein und so selig, das sie auch nit weste, was ein grosse sunde was. Dar uber was sie auch so gross enthaltung an essen und an trincken, das wunder was, das es ein natur gefüren möchte, und betrubet nie kein swester neür mit einem wort, und was allzeit in so stiller zucht, das sie in dem closter was als ein himelische taube, und da die sterben wolt, da nam sie einen gar herten tot. Und sunderlich, da der covent ob ir was, und wartet, wenn sie verschiede, da erschutet sich ir leip so ser, das ir bette alles erbidmete, und het auch gar ein derschrökende weise in dem antlucz, bis sie verschiede. Und da man den leichnam in den kor brachte, da ving man an die mess requiem eternam, wann sie starb nach preime. Und ze hant, da die mess gesungen ward, da kam sie ze der heiligen Alheiten mit groser schon und freude, und sagt ir, das sie nicht lenger in der pein wer gewesen denn die selben messe, und iczunt zu gocz reich wolt varen. Da sprach die heilig Adelheit: Vil liebes mein kint, sag mir, wo von hastu einen so herten tot genumen? Da antwurt ir die selige sele, und sprach: Das was da von, das der leib der sel so untertan ist gewesen, das sich die sele von dem leibe von rechter lieb nicht gescheiden möchte, wann er nach der sel willen so gar gelebt hete, bis David kom, und sass fur mich mit seiner harpfen, und ruret die so sussiklichen und so lange, biss ich allen meinen gelidern gedancket, das sie mir so bereit ze dienst sein gewesen. Da schid die sel aller erst von dem leib so gar zartlich in so getaner freude und jubilo, das ich deiner verstantnüsse nicht kan furbringen, wann mein sel wart mit engeln und heiligen so erlich enpfangen, und het ich got allen dinst getan, den alle menschen je geteten, ich möchte es nicht verdienet haben. Und also ward die heilige swester, der diss gesicht geschah, ser getröstet, und aller der convent, da sie es sagt, wann sie waren vor in so [133] grossem schrecken und wunderung, wie sie einen so herten tod möchte genemen, und sie doch so heiliges lebens was gewesen, und vorchten sere von irr grossen erschutung, das es wer von des pösen geistes muung. Und da von sullen wir got immer loben, das sein taugen gerichte niemant durch grunden kan.[19]

Es was auch ze einem mal an einem ostertage ze mitter nacht, da komen die drey marien zu der heiligen Adelheiden, und gewunnen das boten prot an ir, das unser herr Jhesus Christus erstanden were, und dar nach was sie alle die nacht in süsser genad und in götlicher freüd. Es was ein swester auch in dem selben closter, die süchet iren trost allzeit zu der heiligen[20] Adelheiden, und was ir widerwärtiges an irem herczen lag, das klagt sie ir. Und da wider lerte sie sy die heilige swester, was sie gucz kunde, und unter andern dingen lerte sie die selben swester, sie wolte keinen tag nymmer gelassen, sie solte gote ze besserung ze pusse etwas gepetes tun um alles, das sie des selben tages wider gote hete getan. Wann nyemant an sunde möchte geleben, und ob sie auch ichzit gote ze lob volbrechte, das solt sie auch keinen lag losen. Sie sprach auch sunderlich gepete dar umb. Und da dise heilige Adelheit von diser werlt gescheiden was, da wart die vorgenante swester ser betrübet umbetlich sach, der sie niemant wolt verjehen, wann unser herr het ir ir trösterin hin genomen, und da von was sie auch sunderlich unmutig und in herczen leite, das sie niemant hete, mit dem sie sich von herczen möchte erklagen. Und in dem jamer, den sie von grund in ir sel trug, ging sie fur den alter, und viel für unsern herrn mit weinenden fliessenden augen, und pat in seiner götlichen genaden. Und das erbarmet den süssen tröster und heiler aller verserten herczen, und sante ir ze freüden für ir augen der heiligen Adelheiden sele in menschlichem pilde, und das was geziret mit so unmessiger schöne, die menschlich synn nicht hegreiffen kunde, noch zunge möchte furpringen, wann das allein, das ir hercz alles bedecket was mit einem preiten güldein fürspang, und dar innen lagen edel gestein ane zal, und die stein leüchten und lochzeten als die stern, so sie sint in ir aller lichtsten und leütersten kraft und in der intwige so wunnicklicher schön. Da hete sie sin und augen so ser dar gestecket, das sie keiner andern gezirde gewarten kunde. Also het sie ir selbs so gar vergessen, und sprach die heilige Adelheid zu diser swester, die in dir genad was: War umb sihest du nicht für pas? Da sah sie auf ir haubt drei krönlein ob ein ander, da chom sie aber in so volle freüde als ein truncken mensch von götlicher genad, das sie über nit fürpas kunde gedencken, dan das sie beleib mit begirlicher andacht in diser gesicht, bis sie aber die selige Adelheid manend ward, warumb sie nicht fürpas ir gezirde war neme. Da sah sie an iren reinen [134] rücke das aller schönste guldein creücze, das je gesehen ward. Da sprach aber die selig Adelheidt: Vil herczen liebe swester, wiltu gern wissen, was synnes und meinung in diser schonheit beslossen ist? Da sweig die arme swester, und enpfalhe es Adelheid weisen willen. Da ving sie an und erlüchtet ir die wuniklichen gesichte nach orden. Das fürspang mit dem guldein gestein das ist das unczelich leiden, das ich auff ertrich geliden han in manger weise. Das ein krönlein bedeütet die reinigkeit hertzen und leibes, die ich von meiner muter leib han behalten bis in den todt. Das ander krönlein ist mir gegeben umbe die mitleidung, die ich gen allen leüten han gehabt, die in leide und in arbeiten sint gewesen. Das drit krönlein sol ich tragen umb die mynn, die ich allczeit han gehabt zu gotes lob und ere, und wenn ich dar zu gesteuren mochte, dar zu was ich bereit, als vil ich immer mochte, und e das unterwegen wer beliben, ich wolte mein blut dar umb vergossen haben. Und das güldein creücz, das ich auff meinem rücke trage, das ist die gedechtnüss meines herren leidunge, die mir allczeit neu und unvergessig auf der erden ist gewessen, und kom dicke zu der begird. Wer es müglichen gewesen, das ich alle sein smerczen gern geliden hette, den worten, das ich im gedancket hette der mynne, die er zu mir und zu aller der werlt hat gehabt, und das er so wol erzeiget hat mit seiner pittern marter. Und da von liebe swester gehab dich wol. Wann was du leidest auf der erden, daz wirdt dir zu ungemessem schacz und hordte ewiklich behalten. Also ward dise swester in der seligen Adelheiden dreisigsten getröstet, das sie ir unmutes aller dinge vergass. Der heiligen Adelheide sele flog wider in irs begirlichen gemahels schoss, da sie sich nietet der zarten, ewigen, waren mynne. Auch sol man sicherlichen wissen, das hie geschriben stet von der heiligen Adelheiden, das es als ein kleiner puncte ist, wider das das unterwegen ist beliben, wann ir heimlich freünt sint tot. Und da sie es den sagt, die noch da lebten, die künnen es noch der warheit als eigenlichen nit gesagen, das man es an schreib, wann sie haben es vergessen, denn neür etwen einen kurczen syn. Und auch da sie lebt, da was es uns als gewönlich, das got grosse dinck mit ir tete, das man es nicht achte hete, das es geschriben würde, wann das uns nu gehorsam dar zu getwungen hat. Man sol auch wissen, wo irs geslehtes immer kom under frauen und mannen, es wer in geistlichem leben oder in werltlichem, da warn sie seliger und andechtiger, dann ander leüte. Und also ward der heiligen Adelheiden muter swester Irmendraut gar reihlich zu der werlt gegeben, und dar inn lebt sie so demütiglichen und so andechtiglichen, das alle, die bey ir waren, besserung ab ir namen, und unter andern dingen so kom das pet selten aus irm munde, und dem feiret sie stetiglichen und heiliger betrachtunge. Ir almusen gab sie gar reichlich, alle freüde der werlt und gezirde die flohe sie allczeit, [135] und het das selig leben bay irem wirdt, das sie dick dar zu kom, das got grosse genade mit ir tete, und götlichen trost enpfing, so ir wirdt bey ir an pette sliff. Und so sie ir selber kürczweil wolt machen, so ging sie zu den auss setzeln oder in das spital, und truge denn die pesten speisen mit ir, der sie sich gefleissen mocht und kunde, und trostet die siechen da mit. Und wo man prediget oder von got redte, des kunde sie nymmer gesatet werden, und also kom es, das sie irs erwergen wirtes verweiset ward, wan er lebt nicht lenger dann piss sie zwei kint bey im hette, und die selben kint tet sie in das closter, das bey der state lag, dar innen sie burgerin was, und dar nach, da sie sich von der werlt mocht richten, wann sie müsalung an ging von irs gutes wegen, da fur sie auch mit grossem gut in das closter, und da het sie ein so andechtig leben, das sie ein spigel was aller der, die in dem closter waren, und mit der strengen des ordens lebet sie etwi vil jar, und dar nach sant sie got grossen sichtagen an, wann sie het begert von got, da sie dennoch in der werlt waz, das er ir irs wirts bein auf sie legt, und also was ir siechtage so unleidig, das sie ein steter bette risse was, und erkrumet ir der rucke so gar, das man sie von stat nit pringen mocht, wann das man ir einen sessel mit vier scheiben muste machen. Da mit fürte man sie zu mess und unterweilen prach sie ein grausamlich gicht, da sie sich auf ferre von der erden poge, und das antlicz ward ir so ser verkert, das sie in langer weile mit vollen augen nyman angesehen mocht. Und also was sie in diser weiss wol fünff jar, das sie doch ass und tranck als ander siechen. Aber dar nach da was sie ein ganczes jar, das nie essen über ir hercz kom, dann allein pone kipfet sie, sie tranck aber wein, und dar nach daz ander jar da ass sie aber das jar hin umb also ganczes neüer roche oder ungesoten ruben, und kein ander speise kom nymmer zu ir. Das drite jar ass nit anders denn ungemalen senf, den ass sie auss der hant als fenchel oder kümel. Und wenn man prot gen ir bot, so prach sie ir greülich gicht, und in den grossen arbeiten pracht sie dennoch gross gepet für, und wart auch dick grösslich getröstet von got, und nach den dreien jaren ward ir gar we und kranck in dem heubt, und da sprach sie eines tages, das man ir hülff in den convent, da die swester gemeinicklich pey ein ander waren. Und des gehalf man ir nach irem pete, und da sie in den convent kom, da fing ein singerin an, und sang das liet: Zu himelreich hebt sich ein tancz alleluia, da gen die gotes gemaheln an alleluia. Und sang die singerin das liet vollen auss, und unter dem die weil man das liet sang, da wart die siech swester in so groser freüd enczündet, das sie ir hend hübschlich auss reckte. Da der convent sah, das die siech swester in so zarter götlicher genad was, da hiessen sie dy singerin stercklich fürpass singen, piss das dise swester in so grossen ernst entzücket ward, das sie von dem küssen, dar [136] auff man ir gepettet het, in die mitten sprang mit snellen geraden füssen, und da trat sie so mynicklich in gotes lob in des conventes gegenwürtigkeit, das alle, die es sahen, und hörten, senung und jamer musten haben nach der freüde, die in so fremde was, und doch vorchten die swester, wie gar frölich und vermessen sie alle ire gelider bewegen mochte, das es iht ein unbeleibende kraft wer, wann so ir der ernste verginge, das sie denn aber ungewalt ir gelider gewünen, und das sie auff die erden würd fallen, dar um gingen die swester all um sie, ob sie vallen wolte, das sie daz für kömen, e das sie zu der erden köme. Und also, da ir die fechtende freüd verginge, da ging sie an alle steuer und hilff in den kore, und legte sich für den alter, und der convent volget ir nach, und sungen: Te deum laudamus, und sagten got genad und danck um das gross wunder, das er geruchet hete, an dem ungetrösten zerparmenden petrisen zu volpringen. Und dise gnadenreiche unmuss zoch sich wol gen der vesper. Und da der convent zu vesper ging, da ging sie auch ze kor, und des nachtes zu dem essen da ging sie in den refender, und ass, was der convent hete, mit gutem gemach, und was das vil jar, das sie nie do von pate. Uncz piss an iren tod tet ir unser herr vil genaden und trostes an, das man sie dick in grossem jubel sah. Es was auch ze einem mal, das man ein gar ermklich muss in dem refender gab. Da sie es da an sah, da ward es ir so wider zem, das sie es ein weil lies vor ir sten, das sie es kaum an kom, das sie es esse. Und zu dem jüngsten ward sie es versuchen. Da daucht sie, das es die peste speise were, der sie je enpeisse. Der posse geiste tet ir auch vil leides, und zu einem mal da was sie vor irem pete, und sprach ir gepete. Da nam er sie, und hub sie auf, und warff sie wider nyder piss für das dritte pette so gar stercklich, das man den val hört allenthalben auf dem dormiter und auch unden in dem refender. Da nu dise swester Irmendraut alten und krancken ward, das sie nymer arbeiten mochte und in dem siech hauss must ligen, wann sie ward wol achczig jar alt, und was so sere kranck, das sie die ringlein an dem rymen irs pater nosters nicht gezihen mochte, das sie an ir trug, und in der selben unmacht liess sie doch kein gepet unterwegen, und also kom ein taub und peiss ir den rymen ab, und fürte das pater noster in die lüfte und swencket das ein gute weil in den lüften hin und her, und pracht ir da die taube ir pater noster wider in ir schosse. Und des wunders tete got vil mit ir, und also verendet sie ir leben mit grosser andachte.

Es waren auch zwu swester in dem selben closter, die waren auch so gar in gotes mynn gesencket, das der convent getrauet, das sie ir peider seligkeit grösslich genüssen, und dar über da nam ytwedere der andern war, wie ir fleiss und ernst were, den sie gen got hete, und also gefielen sie gen got ein ander so wol, das sie sich mit ganczer treü und heimlichen [137] einander in gotes lieb enpfulhen, und also was die elter so heiliges lebens, das man meinte, das sie so prinnende wer zem orden und gegen got, als ye kein swester würd in dem closter, und was ir got genaden tete, das trug sie allein, das es nyman innen ward, und da sie von diser werlt scheid, da tete got offene zeichen durch iren willen, als ir hin nach wol innen werdt. Und die jünger ir gespil und gotes auch ausserwelte freündin da dennoch lebt, die hete ein grosses starckes gesücht an ir, und so sie je waser tranck, so prach sie der selb siechtage stärcklich, und an einem pfingstabent da kom sie in grosse sorg, das sie vorchte, sie müst an dem pfingstag an unsern herrn beleiben, wann man von dem closter nicht weins gab, und also ging sie nach vesper am pfingstabent über der vorgenanten Mechthilt der heiligen swester grab, und mit jamer manet sie unsern herrn, ob die swester, zu der grab sie geflohen were, im je keinen dinst hete gethan, das er durch ir elende girde ir ze hilff köme, und also schid sie von dem grab, das sie nicht west, ob sich got über sie erparmet hete. Und zehant da sie von dem grab kome wider in das closter, da hete ein purgerin von der stat, pey der das closter lag, zehen mass weines gesant dem convent, das sie die ze der collacie träncken, und dise swester was siech, das sie nicht mochte kumen zu gemeiner collacion, und da von gab man ir in ein gar kleinen lidlein ein wenig weins, und den tranck sie gar begirlich, wann sie getrauet, das sie iren herren und irn schöpfer dann mit aller rue enpfinge. Und da sie den kleinen wein getranck, da erparmet sie so gar, das sie unleidig hicz gewan. Da ging sie zu dem prunen, und tranck des wasers, piss sie die hicze erleschte, und also enpfing sie das morgens unsern herren mit grossen freüden. Und dar nach was sie achzehen jar, das sie nie weines mochte versüchen, so sie in wolt in den munt nemen, so prach sie ir sichtag stercklich. Als sie vor des wasers nicht mochte geleiden, also mochte sie da von götlicher genad des weines kein weiss vertragen, und so man halt gar wenig weins ze einer speiss tete, der getorst sie auch vor irm sichtagen nymer enpeisen noch versuchen. Und da sie alten und krancken ward, da vorcht sie, das sie ir gewonlich andechtigs gepet unterwegen müst lassen, ob ir die kraft gar entgienge, und nach den achczehen jaren da ward sie wein trinckende, aber mit wasser gar wol gemischet, daz man etwen kaum gemercken mocht, ob es wein was, und das tete sie piss an iren tot, da sie den wein nicht anders getrincken mochte. Und also der ein anvanck was der zweier andechtigen gespilen, der hat sie nu mit erben gemachet seines ewigen reiches.

Es was ein gar andechtige swester in dem selben closter, die hies Leugart, und was wol dreissig jar priorin oder sup-priorin. Und hielt den orden so stercklichen, das alle die in dem closter ab ir pilde namen, und nymer wort gesprach sie an verpoten steten und zeiten. Und als getreülich und steticklichen [138] behielt sie es. Da zu einem mal der dormiter entprunnen was, da het sie die slüssel, da mit das slafhauss beslossen was, und der convent laut rieff, wo die slüssel weren, da wolt sie so vil nit reden, das sie die slüssel zeiget, piss das sie eine vant bey irm pette. Dar zu sprach sie alle tage tausent Ave Maria, und einen psalter sprach sie auch alle tage ob dem wercke. Und eins mals, da sie span, wann sie kom auss dem werckhauss nymmer an not, da kom das aller schönste lemlein, das je gesehen ward, und was aller dinge in dem pilde mit dem vannen und mit dem creücz, als man es pfliget ze malen. Und sas ir in die schoss, und das lemlein nam sein pfötlein, und sluck sie an die hende und an den vaden, den sie gespunen hete ze der selben stunde rechte in der weise, als ir des lemlein chürzveil und freüde wolte machen, das treib es als lange, piss sie hinder sich in ein fenster vil, und also lage sie lange weil in göttlicher genade, als ir vil und dicke geschach. Und auch verjach sie ze einem mal, das sie etwen in der völlen götlichen gnad were, und ir unser herr so vil erkantnüsse gebe, das sie dauhte, er hete aller engel und heiligen vergessen, das er sie neuer allein tröste vor allen creaturn. Und was selten kein tag, sie lege an einer venie wol als lang, bis man einen halben salter gelesen mochte. Und da mercket man dick, das sie in so grossem troste lag. Und da sie kom an das tot bette, da sichet sie wol siben wochen vor, und legt got so grosse marter an sie, das sie alle krump ward, und das antlücz auf das hercz gedrücket was, das ir ir kynne dem herczen ein grosse gruben und twelen het gemachet, und das essen brachte man ir kaum zem munde, wann sie muste neuer durch fremde hende essen und trincken. Und das leit sie mit als grosser gedult und gotes mynn, das sie sprach, und wer es gocs lob, das sie gern in der selben marter wolt ligen biz an den jüngsten tag, und in der zarten mynne schide sie von diser werlt in die ewigen wunne.

Es was auch in dem selben closter ein zarte edle junckfraue, die hiess Margaretha von Rosenstein, die was ein leühtende blum in allen tugenden, und sunderlich da was sie demutiger gehorsam, das man ir kein dinck so smehes enpfalhe noch auf legte, sie wer mit sneller gedult dar zu bereit. Und zu einem mal bevalhe man ir das siech ampt. Da het sie so grosse arbeit inne, dass es ze wundern was, und eins mals macht sie in winter zeit eim siechen ein pet nach complete, und was auch das weter gar kalte und unleidenlich, und da von gefross ir das gewant, das sie an ir hete alles sampt. Und dar nach ging sie in den refender, der was eingeheiczet, und wolt das gewant enpfrören. Da trieb sie die circklerin auf den dormiter, und wolt ir kein weise nicht peiten, biss sie erwarmet wer. Und also ging sie als das lemblein, das got selber ist, mit ganczer güte auf den dormiter, und stund an ein fenster, das was in den paumgarten gekeret, mit dem [139] gefroren gewant und in elenden jamerigen gedancken. Und da sie also in dem herczlichen unmut was, da kom das aller schönste kint, das je gesehen ward als ein junckherr wol um zwelf jar, und stund für sie in dem garten, da sie zu dem venster hin abe sahe. Und da sprach das edel zarte kint: Ego sum pontifex futurorum bonorum, und dar nach dauchte sie, das sie das peste gewant an hete, das sie je angelegt, und alles ir trauren ward in gancz freüd keret. Es was auch eins mals, da wolt ein swester sterben in dem selben closter in der zeit, da man zu kor solt geen, wann sie zoch es so lange, e das sie starbe, das man trauet, das man die zeit wol gesunge, e das sie es endet. Nu kom die suppriorin und treibe den convent ze kore. Da wer sie gern bey der sterbenden swester gewesen, da gedahte sie auch, das weger und vil pesser were, das sie der gehorsam nach volget, denn das sie pey der siechen swester wer, und also ging sie ze kore in der lautern gehorsam, und also sahe sie in dem kor der sterbenden swester weise an allen dingen. Und auch eins mals an der ander dominica in dem advent da stunt sie ze metten, und man sang die antiffen über: Benedicite montes et colles, da hörte sie, das die engel mit dem convent die selben antiffen sungen in den lüfften. Und eins mals da kom sancte Johannes in einer gesihte zu ir, und lerte sie, wie sie gote alle tag loben sölt, und ving an an der ewigkeit, als er je was, und dar nach, als er die engel geschuff und alle creatur, und wie er mensch wart, und alle die werck, die er auff erden je volprachte, piss er wider heim in sein vater lant fur mit seiner glorificirter und gefronter menschait und iglichem werck, die er auff erden gewürckt hate, daz solt sie mit sunderlichem pete eren alle tag. Und ettwenn kom sie zu der genad, das sie weder sahe noch rette, uncz man sie von dem dormiter muste tragen. Und so die swester so getan gehebde an ir sahen, so komen sie in gross wunderunge, was got mit irr seligen sel in so langer weil gewurckt hete, wann ir leip unter des so unenpfintlich was, das sie lag als ein toter leip. Und die swester, die bey ir waren, die sahen, das sie als gar von ir selber was kumen, da wolten sie gotes wunder pass versuchen, und innen werden, und stachen sie mit nadeln. Da tet sie als wenig des gleichen, als ob sy ein eychein holcz wer gewesen, und da sie do wider zu ir selber kome, was man sie da von fragt heimlich oder öffenlich, so wolt sie nieman da von sagen, und allein ir selber und dem der ein über flüssiger wundere aller wunder ist, wolt sie es behalten. Und zu einem mal da lage sie in der stille messe an ir andacht, da kom ir swester für ire augen mit einem hiczigen antlücz, und die was eim hohen herren gegeben, und was manig meil von ir. Und sis also mit hiczigem antlücz sahe, da verstunt sie, das sie tot were, und ir hilff bedörfte, und da sie von der messe kom, da sagt sie es den heiligen swestern heimlichen, [140] das ir swester von Hohenburg tot were. Und ze hant schir dar nach sagt man ir, das es war were, und von diser werlt geschiden wer. Got tet ir vil genaden und taugener dinck, das verdinet sie da mit, wann sie von iren jungen tagen nach aller seligkeit geworben hete mit worten und mit wercken und götlichem rechten gerichte, wann sie was stetiglichen priorin oder supriorin, und also was sie gancz und lauter in volkumen leben piss in den tot.

Es was auch ein swester in dem selben closter die hiess Cristina. Sie was so heiliges lebens, das sie den orden hilt mit aller hertigkeit und ernstlichem fleiss, und über des ordens gesetze da pracht sie so vil gepetes und vastens für und auch ander guten dingen, das wunder was, das es ein natur erleiden mochte. Und unter andern tugenden, mit den sie auss der masen geziret was von natur, so was sie miltes herczen. Was man ir gab durch got, das gab sy einem andern armen, und was so gar fleissig zu halten die armut, das sie das meiste teil irs lebens neüer einen rock hete, belicz und anders gewandes het sy auch grossen gebresten, es wer dann so gar swach, das es kaum an ir hangte und beleibe. Da sie nu als kranck ward, das sie die pürden des ordens nicht getragen mocht, und in dem siechauss must ligen bey den andern siechen. Aber sie kom in aller ir kranckeheit selten an ir gewönlich bette, wann sie veniet und betet all durch die nacht, und ging an die stete, da nymant umb sy was, das wunder was, das sie bey den synnen beleibe vor grausen, und da nam sie disciplin, und pflag ir andacht bis gen metten, und so dann irs haubtes krankeit nymmer möchte, so legte sie auff ein herte panck, und so sie denn ir selber ein wenig slafes gestatet, so fur sie aber wider an ir erer andacht, und mit so getanem ernst vertreib sie die nacht. So fing sie dann nach metten an, und ging eintweder in den chor, in einen stul oder etwo in einen winckel, da sie trauet, da sie die mess möcht gehören, und da was sie alle tag, uncz bis der convent enbeiss, und so sie dann von irem gepet kom, so hette ir die siechmeisterin ein wenig gemüses für ir pette geseczet, wann es mocht nymant der peitten, piss sie von irm bete kom. Und also asse sie die speisse dann also kalte, e das sie ir andacht unterwegen lies. Und sie was der grosten enthaltung an essen und an trincken, und dar über was sie das ermste und das aller ellenste und das aller ungetröste mensch nach ausserm troste, das in das selb closter ye kom, und ir leben was als ein engelisch leben an allen dingen, und das vil nahen aller der werlt underkant was und fremde, wann sie floch mit worten und wandel alles, das sie gotes lobes geirren mochte, und volharret dar an piss in den tot, und da von was got je keinen seinen freünd ze genaden und ze trost sölt werden, das mochte er auch an ir heiligen sel gewürcket haben von ir unzelichen begirden, wie es doch verborgen sey vor unwirdigen [141] menschen das götlich zarten, das er erpeutet seinen ausserwelten freünden mynnicklich. Da sie an dem tode lage, da verjach sie gar und genczlich, das ir dicke und vil, so sie in der nacht stetiglich irer andacht pflag, das die finster nacht zu einem hellen lichten tag ward, und da von alle, die ir andechtiges hertes leben betrachten, die süln sicher sein, das sie vor gotes augen ein hoher heilige sey, wann sie schied auch von diser werlt mit so ganczer reinigkeit herczen und leibs und gemütes, das sie immer ein gedechtnüss guter reinen junckfrauen sol pillich sein, die immer mer in daz selb closter kumen.

Es ward auch ein kint in das selb closter getan, da es in dem zwelften jar was. Das was von tugenden und götlicher genad gereichet über alles, das diser werlt genem mocht sein. Des ersten, da es in das kloster kom, da hete es so ein edeln anfang, das es nymer oder selten im kein zeit lies engan es lernet oder petet. Und so andere kint zu freüden oder zu kürczweil gingen, so was dis kint allzeit, das es studiret, und vestet, das es gelernet hete, und also het es die geschrift so ser in seinem synn gefangen, das es wol verstund, was man vor im sang oder las. Und da mit was im so gar wol, das es nicht ander freüde begert, dann zu kor geende. Da[21] hin was im so goche, das es schir dar köme, das es dicke zwu staffel über trat von mynnicklicher begird, und ze einem mal da kom es für den alter fur unsern herren stan, und erklaget sich mit im seines ellendes und seins gepresten, wann sein heimode was wol sehs meilen von dem closter. Dar zu was im die muter so fremde, das es drei jar was, das sie das kint nie gesach, und was im auch an andern dingen so untröstlich, das sie im nie poten gesandte, als sie müterlicher treü vergessen hete. Und des kom es gen got in ein gar jamerig weinen, da es sein ellende also herczenlich betrachtet, und zehant kome im ein antwurt, die was also: Jacta super dominum curam tuam et ipse te enutriet. Und dar nach ward dem kind alle sein leiplich sorg immer mer benomen, und so halt ander swester retten von üpiger sorge, so möchte es sein nicht geleiden, und sprach: Unser herr der bereittet uns wol, des er uns notdürfftig weisse. Und also nam das kint zu an gotes dinste von tage ze tage, und sünderlich so tete es seinem leibe so ach und we, da es neüer zwelff jar alt was, so nam es disciplin mit segelbaum und mit wachaltern rutten. Und so ein heiliger abent was, und sein novicen meisterin es hies zwey mal essen, so sas es an dem morgen über den tisch zu andern kinden, und tet den gleichen, als es esse, und ging also von dem tisch, das es keiner speisse nymmer versüchte piss des nachtes, so andere kint aber assen. Und sein pette warn herte pritter, sein haubt küssen was ein vier eckotets plüchel, und dar über preittet es ein leilachen, [142] das man es icht innen würd. Siechen swestern dienet es als getreülichen und frölichen, als ob igliche sein natürliche swester were gewesen, und so man wein den swestem gab, den nam sie in einem kopff, und pracht in der aller notdürftigsten. Bredigen und von got reden was im die aller peste kürczweil, die es immer gehaben mochte, und sprach dick, und het es unsers herren nit, es künde nit wissen, wie es sein leben vertreiben solte. Und diss vorgesagt leben hete diss kint unter vierzehen jaren, und dar nach, da sie gehorsam tete, und zu nam an der verstantnüss, was sie da vor gote zu dinste erpote, das meret sie dar nach nach all iren mechten und ganczen kreften. Und ir ernst wart da so gross, das ir kleines corpusculum mer guter werck fürprachte denn die ir person drey tetten, die halt auch in gutem fleiss waren gen got. Und allzeit was ir begirde und ir unmuss, das sie die schrift lese, wann die verstund sie als gar wol, das es ein frauen pillich genügen solte, und wenn sie nicht las, so lert sy andere kint mit ganczen treüen, und in gar kalten winterigen zeit so studieret sie in der nacht vor irem bette so vil und so begirlich, das sie der pittern kelten nit befant nach achte hete, piss ir die vinger erkrumte, da mit sie das puch in der hant hete, und weret ir das piss an iren tot. Und so sie dann gelass, da sie müde ward, so gab sie sich denn heiliger trachtunde und andechtigem gepet. Und also stund sie eins mols vor dem altar an irem gepet, und schinnen die stern gegen ir gar klärlichen und preheten in all ir kraft, und da von kom sie in gross wunderunge weder das leuchtend lochczen ein naturlich wesen wer, oder ob die stern got einen dinst und ein lob da mit tetten und erpüten, und in der frag ir selbs herczen ward ir ein antwurt geben, das alle creatur geschaffen weren dar zu, das sie got lobeten in irm wesen und weise nach aller ir kraft. Und da von kom sie in so süsse bekantnüsse, das sie das so tieffe in ir hercze senckte, das sie mer neigunge und reiczunge ze gotes dinst enpfing von der sichern antwurt denn von keiner andern genad da vor, wann sie nam es in irem ganczen synn als gar, als ob sie sprech, wenn ein creatur, die nicht synnes nach verstantnüss haben sol, got zu dinste geschaffen ist, und dar umb nymer liebes noch lobes warten darff, was pistu dann du, armer mensch, lobes und dinstes deinem schöpfer schüldig, der dir leib und sel hat geben, und sich selber allzu mal, und was es gutes hat in himelreich und in ertreich, das teilet er dir mit, und lonet dir tausent stunt mer dann nach ebenne gemessen werde deiner steten mynn, ob du so selig pist, das du dar an funden wirst. Und das sol dein lichter gelaub sein und dein gancze zuversicht, piss du zu der waren mynn kumest, die da lonet und krönet ewicklichen. Und eins males was diss Elsbetlein aber an seinem gepete, da sah ein ander swester, das ein feürein licht zu seinem munde ging. Und als sie an den jaren zu der ewigkeit [143] mer nehet, also ging sie auff an genadenreichen tugenden und seligkeit einem götlichen graden einen nach dem andern. Zu einem mal da stund sie vor einem crucifix, das was gar peinlich und jemerlich gemalet, in gar grosser andacht, und was nyemant mer in dem kor denn ein swester, die stund wol so ferr von ir, das sie getrauet, das sie nit möchte gehoren, wie sie unsern herren mit worten seiner genaden pete. Und ving an, und manet unsern herrn mit tieffem seüfczen aller seiner leidunge, und pat in, das er ir sünde vergebe. Als nieman mag an klein schulde gesein, die weil wir mit staube and aschen gekleidet und überladen sein. Da zeiget ir unser herr gesichtiglich sein edel wunickliche menscheit in einem auss setzigen pild. Da sprach sie: Herr, ich sihe mit meinen augen, das du auss seczig pist worden, und das ist von meinen sünden, und aus sprach da mit weinen und mit heülen und mit herczen leit in sein götlich erpermde, das er sie nit ungetröstet liesse, und dar nach ward unser herr wider klar und begirlich. Da sprach sie aber: Herre, du pist schön wider worden und mynicklich und hast mir mein sunde vergeben, und da viel sie nyder auff die erden an ir lange venie für unsern herren, als sie im seiner erpermde danckte, und da was sie in ganczer voller freüde, als sie wol erzeiget mit zartem mynicklichem lachen und mit süssem weinungen, und das übet sie peide mit ein ander als gnuksamelichen, das sie gote pillich immer genad solte sagen umb den über trefflichen trost, den er ir da erzeiget. Und dar nach, da die swester von ir andacht was auff gestanden, do het ir die ander swester, die auch in dem kor was, gut war genumen, und hörte auch, wie sie mit unserm herren redte. Und doch dar über wolt sie es eigentlicher erfaren, und ging zu der selben swester, und pat sie, das sie ir verjehe an allen dingen, wie sie got getröstet hete. Da wolt sie ir des ersten nichcz da von sagen. Da sprach die fragende swester: Sagestu mir nichcz, so wil ich es allem convent sagen, Da verjach sie ir erst nach orden, wie es ergangen was, das es aller dinge also was, als sie von irem munde het gehört. Sie wolt ir aber nie kein sichere eigenschaft gemachen von diser genad piss sie ir verloben muste, das sie es in irem leben verporgen und unwissende hete vor aller werlt. Und die treü behilt sie auch genczlich an ir, das sie es nymant zerkennen gab piss nach irem tod. Sie hete auch unseglichen jamer, das sie schir zu got köm, und die begirde erfüllet er ir auch als der aller miltest herr, der seiner zarten freündin kein verzihen mag ton, wann ir junge tage sneit er ir abe, das sie von diser werlt schide unter dreissig jaren. Sie eret auch die hochczeit über jar mit ganczem fleiss, das sie dar jegen, so sie naheten, gross gepet und selter lase, zu den seltern laz sie die aussgesuchten ymnussen, respons, anthifen, der sie sich gefleissen kunde, und die sie aller meiste zu andacht bewegen mochten. Und [144] sunderlich het sie grosse genad zu dem palmtage, und den wegen, da unser herr hin füre zu Jerusalem, den eret sie mit gepet und andacht, so sie immer peste mochte, und plumen mangerley, als sie getrauet die genhalb mers weren mer den indert in der werlt, die warff sie unserm herren entgegen, und das gewant streüet und preit es gen im, und die este der paum, die zerret sie danider, als die kint der Hebreorum, als die unserm herren erten. Da pracht sie auch für mit mangerley bereitschaft des begirlichen gepetes und mit der andacht erwarb sie, das sie unser herr von diser werlt nam an dem heiligen palm abent, und da sie sterben wolt, da sprach zu einer natürlichen swester, wann der was dennoch drey in dem closter: Du solt wissen, das ich nicht lenger in den seinen wil sein den piss an den heiligen ostertag, wo denn mein herczen lieber herr ist, da wil ich mich in sein gothait sencken, daz mein sel von ir getrencket werde ewicklich. Und da sie iczunt verscheiden wolt, da machet sie ein creücz über den convent, als sie urlaub von in nemen wolt, und dar nach hube sie ir hende auff gegen got, und sprach: In manus tuas domine commendo spiritum meum, und schide ir selige sel von irem reinen leibe, und flog zu dem, des gemachel sie wartend was an ende.

Es was an einem pfingstag, da waren die liecht in dem kor alle erloschen, und da des die küsterin innen ward, da wolt sie gan, da sie ein liecht vand, das sie die liechter enczündet. Da sah ein ander swester, das der küsterin hercze vol feüres was, und das verstunt die swester, die es da sah, daz er heilige geist der küsterinen das feüer gesendet hete, das er den zwelfpoten sant an den feürein zungen. Und da das feür als gross was, das von der küsterin hercz ging, da nam die swester, die es da sah, wunder, war umb sie das liecht nicht enprande an ir selbs herczen, und also enczundet sie das liecht von einem materglichen liechte, wann sie weste nicht, was got wunders mit ir gewürcket hete. Aber es was pillich, was got genaden an ir sel legte, wann gewan je swester grossen fleiss und ernst zu gotes lob und zu haltung des ordens, und zu allen guten dingen, der was sie eine, und dar an vol haret sie pis in den tot.

Es was auch ein swester, die hies Juta, so gar tugentlichen lebens, das sie allen betrübten leuten tröstlich was, wa mit sie kunde oder mochte. Sie het auch die miltesten hant, die je gesehen ward, mit grosser armut, wann was man ir gab durch got, das gab sie den nehsten von ir, und sie es vil notdürftiger wer gewesen. Heiliger betrachtung fleiss sie sich vor allen dingen, und die hochczeit über jar mit grosser andacht zu enpfahen und zu eren. Und gegen unsers herrn leichnam bereittet sie sich allezeit mit aller der innickeit, die sie kunde fürpringen. Und also kom sie eins mals zu so grosser herczenlich gegen dem herren, der sich selber ir zu [145] einer speise hete gegeben, das er ir ze hant sant wirdicklich, also das sie iren geheiligten leip, da sie in zu der selben stund enpfangen hete, sah als die aller leutersten cristallen, die je gesehen ward. Und der was in solher klarheit piss zum gürtel. Und in dem cristallinen leibe da sah sie unsern herrn, und ir selbs sel miteinander unseglicher zartnuss pflegen, und vereinunge aller der spilende freüde, die unmüglich ist ze enpfahen menschlichen synnen. Und dar über sol man wissen, das sie iren geist alle zeit in solches jubilum het gerichtet, das ir andere mange gnad ist wider varen, die wir unterwegen lassen durch die lenge der rede, das da von icht urdrüsz wahse, und also beleib dise selige swester in zunemender genad, piss got sein reicheit mit im noss.

Es was auch ein ley swester, die hiess Irmgart, des aller tugenlichsten wandels, das je gesehen ward, an demütigkeit, an miltigkeit, an getreüem dinste, an heiligem leben, an innerm gepet und übertreffenlicher andacht und der seligkeit habt sie an steticklichen, also das ir got mangen trost erczeiget. Und da sie kom zu dem alter und zu kranckeit, das sie nymmer arbeiten mochte, und von dem pette nicht kom, wann da man sie hinfürte, und da mange elende und jamer erleit, und auch mit aller kranckeit pracht sie gross gepet für, und zu der selben gewönlichen andacht slieff nit der, der ein geber ist aller genad. Und eins mals, da gotes gepürtlicher tag was von der ewigen megde, da het dise andechtige swester unsern herrn enpfangen vor vormabent an irem bette, und dar nach da ging der convent wider in den kor an ir andacht. Die swester beleibe allein ellende und an allen trost an irem bette. Da kom daz aller schönste kint, das je gesehen wart, das was in der pildunge, als es dennoch nit gegeen mochte, und also kroch es zu der siechhaustür hin zu ir mit henden und mit füssen auff allen viren, piss es für sie kom, und auff ir pette gesass. Und da sprach das götlich kint zu ir: Was wiltu oder was begerestu? Da sprach sie: Da freüst mich gar sere, und wolt, das du mir ein pürden holczes prechtest, wann es von grosser kelte gar ein sörglich weter was. Und da sie sich mit dem kinde aller freüde nitet, da kom die aller schönste und ersamste frau, die je gesehen ward, und nam ir das kint. Und sie sprach, sie wolt mit dem kinde gan in die öbern gegent, und das verstunt sie, das sie dahin wolte, da der convent unsern herrn enpfachen wolte. Und dar nach hete die siech swester so grossen und unseglichen jamer nach dem zarten kinde, das sie alles das zu unru pracht, das umb sie was, und schrey an zal als ein mensch, das an synn ist: Zarter knab, kum her wider zu mir! Und da der convent des selben tages für sie hin ging, da sie den tisch segen sungen, da schrei sie: Waffen, da sein die rauberin, die ir ir kint heten genumen. Und auch nach dem selben inbisse ze hant, als scharpf das wetter vor was gewessen, als milt ward es da, [146] das alles eyse in kurczer zeit zufloss, das es wunder was, und das was an allen zweifel, dass die wandlung geschah des wetters von der heiligen swester begirde. Und darnach mange tag kunde sie des kindes nicht gesweigen, und pat ir dinerin, das sie etwas selczsemes leget in ir vesslein, das daz kint gern esse, ob es doch da von gewenet würde, das es wider zu ir köme. Und so etwenn gar schön frauen mit kindern in das closter komen, und man die für ir pette prachte, und sprachen: Irmengart, ist die frau icht und ir kint als dein kint? Nein, mein frauen und irm kinde mag nyman geleichen. Und also kunde sie des kindes nymer mer vergessen, biss es ir die abnemung und kranckeit ir gedechtnüss benam, und von dem synn prachte. Anders trostes geschach ir gar vil, des man alles nit geschriben mag, allein daz sie auch ir leben prachte zu einem seligen ende.

Es ist aber das nicht zu versweigen, das vil mer swestern von dem selben convent ze himel gevaren sint mit als grossen eren, als ir heiliges leben an allen götlichen ernst scheinper ist, als die hie geschriben sint. Und da von pringet man es nicht zu liecht mit schreiben ir heilig leben, das sie die genad, die in got erzeiget, so taugenlichen verporgen trugen, das man es nicht geprüfen mocht, dar nach als eigenlichen, das man möchte benuig sein zu schreiben. Und haben etlich ires tot lang vor gesagt, und auch die selben zeit, als es auch geschah, und andere künftige dinck, die auch also ergingen. Und des selben tages, da das selb closter verpran, das sagte etliche swester an dem morgen, da es gen abent geschah, das es des selben tages solte geschehen. Und die swester sint alle unterwegen beliben, das man ir selig leben mit geschrift nicht wolt fürpringen, allein dem enpfolhen, der ein durchgründer ist aller dinge. Wann es waren etlich, die tot sint, und auch die swester, die noch leben, so durchnechtiges reins synnes, das sie got paten mit allem fleiss, das er ir in disser werlt nymmer kein götlichen trost erczeiget, wann sie getrauten im so gar wol, das er sein treu behilt an in ewigklich. Es ist auch etliche in dem selben closter gewesen, für der augen die sele in den peinen sassen mit offnem munde, so sie die vigilie las in dem convent gemeincklich recht in der weise, als sie zu der selben stund das gepet ze hilff enpfinge, und so sie denn die vigilig volprachte, das sie ir danckten umb den trost, den sie in erpoten hete mit irem andechtigen gepet. Dar über sol man auch wissen, das die dy zu got hin vor sint gevaren, dennoch lebende ein so geistlich götlich pilde und regel haben nach in gelassen, das mange swester in dem closter der alten ir vorfarn heilig leben besassen, und geerbet hat mit unczelichen tugenden, und stetes fleisses sint sie geziret mit gotes hilff nach aller irer macht [147]

Got muss sein genad meren
Allen den, die in eren,
Und geb in auch langes leben,
Das sie ein reiches lob wider geben.

5
Und das sie umb in erberben

Ane sunde ersterben
Und darnach hin zun freuden varen,
Das sie got vahe an seinen arme,
Und sich niten der wunen gar

10
Gemeinschaft aller himel schar.

Die der vil reinen süssen,
Die da kumer püssen.
Wer der dinet nach wirdickeit
Dem ist sie alle stund bereit

15
Im leben und am ende

An alle misse wende.
Kumet sie in den nöten dar,
Sie behütet sie vor bosser schar,
Das ir gewalt nit kan geschaden,

20
Aller lege sie mussen gedagen.

Sie hut sie mit ir genade jagen,
Das sie den sig nit mügen behaben
Vor ires kindes allmacht.
Des helff uns die götlich krafft.

     
25
Diss püchlein sal niemant lesen,

Er merck auch mit fleiss gar eben,
Das got nit ungelont lat,
Wer lebet in seiner mynnen rat.
Er wider gibt dort und hie,

30
Der an seinem lob nie abgelie.

Und darnach sullen wir ymmer streben,
Das wir enpfahen seinen segen,
Von dem wir werden wol behüte
An leib, an herczen und an gemüte,

35
Biss wir volle zu im kumen.

Aller erst wirt uns das trauren benumen,
Wann er gibt freüd an zal.
An allen dingen hab wir die wal,
Das wir ze mal des sein gewert,

40
Was unser sel ymmer begert.

Nu lat euch erparmen,
Und pit für die vil armen,
Die diss puchlein geschriben hat,
Sie got bewar vor missetat,

45
Und die alten schulde vergebe,

Das sie an alle sorge lebe,
Und sie kome zu gotes reich,
Des wünschet alle geleich.
          Amen.

Da diss büchlein gesamnet und offenlich durch besserung in dem convent gelesen wart, dar nach sach ein gar selige swester in dem slaf vier augen, die sprachen zu ir, sie wolten diss büchlein erleüchten und beweren, das es an allen dingen nach der warheit geschriben wer. Wer aber die vier augen sein gewesen, das mag ein verstanden hercz aller beste dar auff nemen, das es die vier himelischen vihlein wern, die sant Johannes sah, das sie vol augen waren vor in und hinder in, und gaben lob und ere dem lebendigen got dem siczenden auf dem throne ewicklichen. Und der verleihe uns auch, das [148] wir dir edelem erleühter und allen deinen erwelten, die mit in lere alle die werlt zu götlicher erkantnüss bracht haben, geben ere und gemeinschaft gewinen in der freud, dy nymer zerget. Amen.

Nu wil ich eüch von disem closter verjehen,
Da dise selige dinck inne sint geschehen,
Das ligt in swaben lant
Dacz einer stat ist ulm genant.
Und daz ich diss büchlein geschriben han,
Da sal nyemant kein rum an verstan:
Neüer den gotes freünden zu einer lere.
Got dem sey gesagt ere
Nu und ymmer mere. Amen.

Geisenheim. F. W. E. ROTH.     

  1. Hs. neigt neigt (!)
  2. Hs. gelelegen (!)
  3. Das Wechselfieber.
  4. Fehlt etwas, etwa: sage.
  5. Hs. das das (!)
  6. Hs. schied schied (!)
  7. Hs. einest einest (!).
  8. Hs. hie.
  9. Rotschrift.
  10. D. i. Aussätzige.
  11. Hs. dingen an.
  12. Hs. ge geheissen (!).
  13. Hs. das ich das ich (!).
  14. Hs. geprochen (!).
  15. Hs. micht (!).
  16. Rotschrift.
  17. Hs. den den.
  18. Hs. dein dein (!).
  19. Bis hierhin die erste Hand.
  20. Hs. heiligigen (!).
  21. Hs. da da (!).