BLKÖ:Škroup, Johann Nepomuk

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 35 (1877), ab Seite: 104. (Quelle)
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Škroup, Johann Nepomuk (Tonsetzer, geb. zu Vosic im Pardubitzer Kreise 15. September 1811, gest. in Prag 18. November 1865[WS 1]). Ein Bruder des Franz [siehe den Vorigen]. Zeigte gleich diesem Neigung und Anlage zur Musik, worin ihm der Vater den ersten Unterricht ertheilte. Auf die Schule geschickt, besuchte er zuerst das Gymnasium, und nachdem er dasselbe beendet, wendete er sich technischen und landwirtschaftlichen Studien zu und betrieb immer nebenbei fleißig die Musik. Die Laufbahn seines Bruders, der zu jener Zeit Capellmeister am Prager ständischen Theater war, wurde auch bestimmend für Johann N.’s Lebensgang, denn am 15. December 1836 wurde er Chordirector bei demselben Theater. Im Jahre 1840 wurde er daselbst als zweiter Capellmeister angestellt und wirkte in dieser Eigenschaft bis zum Jahre 1846. Als dann Stöger sein Theater in der Rosengasse eröffnete und daselbst Opern in čechischer Sprache aufführen ließ, entwickelte Johann S. eine ungemein große Thätigkeit, denn innerhalb vier Monaten studirte er nicht weniger denn sieben Opern ein, ein Umstand, der seinen Nachfolgern wiederholt in’s Gedächtniß gerufen wurde. Zugleich versah er vom Jahre 1844 bis 1849 das Amt eines[WS 2] Musikdirectors bei der Sophien-Akademie, [105] vom Jahre 1838 bis 1845 das des Chorregens an der Kreuzherrenkirche, im letztgenannten Jahre an der St. Veitkirche im Prager Schloß und 1846 wurde er Gesangslehrer im Prager Seminar. Seit 8. März 1845 als Capellmeister am Prager Dom angestellt, war er in dieser Eigenschaft meist auf dem Gebiete der Kirchenmusik thätig. Im December 1861 feierte S. sein 25jähriges Jubiläum, da er im December 1836 als Chordirector seine musikalische Laufbahn begonnen hatte. S. war auf musikalischem Gebiete in verschiedenen Richtungen thätig. Er hat mehrere Opern in deutscher und čechischer Sprache [die Uebersicht seiner gedruckten Compositionen siehe unten], dann zehn Messen, einige Te deum, Graduale und Offertorien, mehrere Requien und vier Marianische Antiphonien, mehr als hundert Kirchenlieder, darunter viele für besondere Feste mit neu vorgeschriebenem Texte, aber auch eine nicht kleine Zahl weltlicher Lieder geschrieben, wovon freilich nur der weit geringere Theil gedruckt erschienen ist. Im Jahre 1855 übernahm er die Leitung der Oratorien und behauptete sich da unter den schwierigsten Verhältnissen als der beste Dirigent; im Jahre 1856 schaffte er die Intraden, als unkirchlich, ab, welche Aenderung das Provinzial-Concil im Jahre 1860 zur Vorschrift machte. Mehrere seiner Dreigesänge und Chöre, wie z. B. sein Lied: Byvali Čechove, haben unter den slavischen Volksstämmen die Runde gemacht. Als Musikdirector hatte er große Concertwerke zur Aufführung gebracht, und bei denselben eine bewunderungswürdige Feinheit im Hervorheben der schönsten Stellen und charakteristischen[WS 3] Vorträge bekundet. Für die Verbreitung böhmischer Nationallieder war er sehr thätig und schlug den eigenen Weg der Composition mehrerer Quodlibets unter dem Titel: „Věnec z narodních písni“ ein, wodurch er sie in den Salon einführte. – Ein Sohn Skroup’s Alphons, der sich gleichfalls der Musik zugewendet, befand sich im Jahre 1864 als Capellmeister bei dem Theater in Danzig, im Jahre 1870 als Musik- und Chordirector am Stadttheater in Bremen angestellt.

Compositionen des Johann Nepomuk
Škroup.
I. Kirchen-Compositionen. Gradualia a Offertoria na dvacet svátků dle textu římského missálu, d. i. Graduale und Offertorien auf zwölf Feiertage nach dem Texte des römischen Missals. 1. Heft: Zwei Graduale und zwei Offertorien (in Partitur) auf das Fest Mariä Reinigung und Mariä Verkündigung (Prag 1869). – Manuale pro sacris functionibus quae per anni ecclesiastici decursum cantu celebrantur. Ad usum directorum chori et cantorum etc. (Pragae 1858, C. Bellmann, gr. 4°.). – Missa pro populo. Mše pro lid (Pragae 1854, C. G. Medau, kl. Fol.). – Musica sacra pro populo. Kostelní hudba pro lid (Te deum laudamus. Missa defunctorum. Litaniae lauretanae. Antiphonae de B. M. V. Alma. Ave Regina. Regina coeli, Salve) (Prag 1855, Christoph & Kuhé, gr. 4°.), mit deutschem, lateinischem und čechischem Texte). – „Hymna ke cti savateho otce Pia IX.“, d. i. Hymne zu Ehren des heiligen Vaters Pius IX. Zur vier Singstimmen mit willkürlicher Orgelbegleitung [lateinische Hymne des Cardinal Wiseman, deutsch übersetzt von Wenzig, čechisch von J. Šrůtek] (Prag 1859, Christoph & Kuhé, gr. 4°.). – Rorate opatřené provázeňim varhan, d. i. Rorate mit Begleitung der Orgel (Prag).
II. Opern. Der Liebesring. Einactige Oper, welcher von dem Preiscomité ehrenvolle Anerkennung zu Theil wurde. [Auch dem Compositeur Franz Zdenek Skuhersky [S. 114] wird eine Oper: „Der Liebesring“ zugeschrieben, wenn daher Škroup auch als Compositeur dieser Oper erscheint, so möchte das wohl eine Verwechslung sein.] – La Fiancée [106] du gnome (1836). – Švédove v Praze, d. i. Die Schweden in Prag, Text von Pečirka und Züngl[WS 4], am 22. April 1867 zum ersten Male aufgeführt. – Vineta Text von Dr. Hermann Schmidt. War lange früher schon in Prag in einem Privathause aufgeführt worden, bis sie Frühling 1870 auf der Bühne zur öffentlichen Darstellung gelangte. Ungeachtet getheilter Meinungen über dieses Tonwerk wird es doch von der Fachkritik als tüchtige Arbeit bezeichnet.
III. Andere Compositionen. Fest-Ouverture (Leipzig). – Menuet aus dem Schauspiele „Der Mulatte“ (Prag).
IV. Lieder. a) Deutsche: Zwei Jägerlieder. Für vierstimmigen Männer-Chor. Op. 5 (Leipzig). – Die letzte Revue. Von O. L. B. Wolff. Op. 6 (Leipzig). – b) Čechische: Andel strážný, d. i. Der Schutzengel. Im „Školník“ (Schulbote) Jahrg. 1858. – Hešlo, d. i. Die Parole („Co to hučí háj?“). Gedicht von Joh. Slavomir Tomiček. Im „Věnec“ (Der Kranz) 2. Jahrg. (1836). – Hněv, d. i. Der Zorn („Za jezem, pod bezem“). Gedicht von V. J. Piček. In der Neuen Folge des „Věnec“. – Katolík, d. i. Der Katholik. Im „Školník“ (1858). – Kde děva má?, d. i. Wer hat ein Mädchen? Gedicht von V. J. Piček. Im „Věnec“ 3. Jahrgang (1837). – Kde vlast je má?, d. i. Wo ist mein Vaterland? Wo mein Haus? Gedicht von V. J. Piček (Prag, Hoffmann). – Komu zazpíváme?, d. i. Wem singen wir zu? („Komu bratří zazpívámi“). Gedicht von V. J. Piček. Im „Školník“ Jahrg. 1856. – Kytka vlastenkám, d. i. Ein Sträußchen den Patriotinen („Děvy krásně, děvy naše“). Gedicht von V. J. Piček. Im „Věnec“ 5. Jahrg. (1839). – Láska k vlasti, d. i. Liebe zum Vaterlande („Ptáš se odkud srdce tvoje“). Gedicht von V. J. Piček. In den von Piček herausgegebenen „Písně české“ (böhmische Gesänge). Mit deutschem und čechischem Text (Prag, Rohliček und Sievers), im 3. Hefte. – Lidský život, d. i. Menschenleben („Plyne praměnek líbaje kvitko“). Gedicht von J. S. Tomiček. Im „Věnec“ 2. Jahrg. (1836). – Píseň z Asie, d. i. Lied aus Asien („O máti Boha“). Im „Školník“ (Schulbote) Jahrg. 1856. – Píseň cestujících po Čechách, d. i. Lied für Wanderer in Böhmen („Jaké slasti kráčet vlastí!“). Gedicht von V. J. Piček (Prag bei Berra); auch in der Neuen Folge des „Věnec“. – Přání, d. i. Der Wunsch („Kdyby ještě divu bylo“) (Prag, bei Christoph & Kuhé), auch in dem von E. Meliš und L. Procházka herausgegebenen „Záboj“ (eine musikalische Sammelschrift) 1. Heft. – Ranní, d. i. Des Morgens („Sluněčko kdil vychází“). Gedicht von Heinrich Mark (Prag, Berra & Hoffmann), auch im „Věnec“ Neue Folge. – Staročeská, d. i. Die Altböhmin („Bývali Čechově statní jonáci“). Gedicht von V. J. Piček (Prag, Christoph & Kuhé). auch im „Zaboj“ 3. Heft. – Večerní, d. i. Der Abend („Slunko již zachazí“) Gedicht von V. J. Piček (Prag 1862); auch im „Školník“ Jahrg. 1856. – Večerní, d. i. Der Abendstern („Již zlaté slunéčko zašlo“). Gedicht von Heinrich Mark (Prag, Berra & Hoffmann), auch im „Věnec“ Neue Folge.
V. Theoretische Werke. Anleitung zum Figural- und Choralgesange nebst der allgemeinen Musiklehre. Zum Gebrauche für Seminarien, Geistliche, Schullehrer u. s. w. (Prag 1848, Haase Söhne, gr. 8°.). – Gesangsschule für Anfänger (Prag 1864, Schreyer & Fuchs); dieselbe auch in čechischer Sprache. – Kurze Musiklehre, insbesondere für Musikbildungsanstalten (Prag 1869, Bellmann, 8°.), – Theoreticko-praktická škola hudební pro učitele a ředitele hudby kostelné zvláště pro čekatele učitelské, d. i. Theoretisch-praktische Musikschule für Lehrer und Chor-Directoren, vornehmlich für Lehramts-Candidaten (Prag 1862, A. Augusta, 8°.). – Sbírka praktyckých přikladů k „Theoreticko prakticke škole hudební“ pro učitele a ředitele hudby kostelní i. t. d.“, d. i. Sammlung praktischer Beispiele zur „Theoretisch-praktischen Musikschule“ für Schüler und Directoren der Kirchenmusik (Prag 1863, Anton Augusta, gr. 4°.).
Neue freie Presse (Wien, Fol.) 1870, Nr. 2080, unter den „Theater- und Kunst-Nachrichten“. – Prager Zeitung 1870, Nr. 139, im Artikel: „Prager Theater“. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.), 1870, Nr. 63. – Bohemia (Prager polit. und Unterhaltungsblatt, 4°.) 1861, Nr. 296. – Slovník naučný, Redakt. Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. [107] Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex.-8°.) Bd. IX, S. 62, Nr. 2.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Todesdatum irrig († 5. Mai 1892).
  2. Vorlage: ein.
  3. Vorlage: charakterischen.
  4. Emanuel Züngel (Wikipedia).