BLKÖ:Fichtner, Karl Albrecht

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ficker, Adolph
Band: 4 (1858), ab Seite: 217. (Quelle)
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Fichtner, Karl Albrecht[BN 1][BN 2] (dramatischer Künstler, geb. zu Coburg in Sachsen 7. Juni 1805). Seine Eltern waren Schauspieler; die Jugend verlebte er in der Schweiz und zu Freiburg im Breisgau. 1820 trat er in Freiburg bei der Köhler’schen Truppe ein, aber seine ersten Versuche mißglückten. F. wurde, so oft er auftrat, ausgelacht und war, verstimmt über diese Erfolge, bereits entschlossen, der Bühne zu entsagen. Die Erkrankung eines Collegen nöthigte F., dessen Rolle – es war der Baumgarten in Schillers „Tell“ – zu übernehmen und F. gefiel. Ermuthigt, gab er seinen Vorsatz, Soldat zu werden, auf, blieb bei der Bühne, erhielt bei Köhlers Truppe Engagement und kam mit derselben nach Offenbach, Pforzheim, Hagenau, Straßburg und Baden-Baden. 1822 debutirte F. in Wien am Theater an der Wien als Philipp in „Johanna von Montfaucon“ und wurde engagirt; 1824 kam er zum Burgtheater, in welchem er als Peter Solbert in Ifflands „Herbsttag“ zum ersten Male auftrat und seit 34 Jahren dessen beständiges Mitglied, seit 1841 aber auch Regisseur ist. Die Ferienzeit benützte F. zu Gastspielen auf den besten Bühnen des In- und Auslandes. F. zählt noch heute zu den Koryphäen der Wiener Hofbühne. Seine ewige Jugend ist sprüchwörtlich geworden; denn er spielt noch immer junge Gecken, Bonvivants, junge Ehemänner (obgleich schon 54 Jahre alt) mit unübertrefflicher Frische. F.’s Repertoire ist sehr groß. Die Tragödie, das Schauspiel wie das Lustspiel nennen seinen Namen mit Stolz. An den glänzenden Erfolgen der Bauernfeld’schen Lustspiele hat F. wesentlichen Antheil, denn eben zwischen Fichtner und Bauernfeld tritt der immer seltener werdende Fall ein, daß sich Dichter und darstellender Künstler wechselseitig ergänzen. Aus seinem großen Rollen-Repertoire nennen wir nur folgende: Mercutio in „Romeo und Julie“; – Valentin im „Faust“; – König Christian VII. in Laube’s „Struensee“; – Lord Dudley in „Fiaminna“; – Baron Durlach in Kotzebue’s „Schmuckkästchen“; die Titelrolle in „Cato von Eisen“; – der Baron in den „Krisen“; – Gust. Darvil in Lederers „Rettende That“; – der Fürst in den „Magnetischen Curen“; – Gustav v. Grignon im „Damenkrieg“; – Herkules Dubouley in dem „Fräulein von St. Cyr“; – Baron Reibenstein in Bauernfelds „Helene“; – den Redacteur Bolz in den „Journalisten“; – den Fürsten in „Der geheime Agent“; – Ferd. Drang in „Er muß auf’s Land“ u. s. w. Seit dem J. 1830 ist F. vermält mit – Elisabeth Koberwein[WS 1] (geb. zu Wien 1809), deren Eltern Joseph und Sophie Mitglieder der kaiserl. Hofbühne waren. Sie wurde für die Bühne erzogen, trat zum ersten Male auf dem Hofburgtheater im J. 1822 als Lottchen in Kotzebue ’s „Bruderzwist“, und mit solchem Erfolge auf, daß sie sofort für dieses Kunstinstitut gewonnen wurde, welchem sie seit dieser Zeit ununterbrochen angehört. Seit mehreren Jahren ging sie in’s Fach der Mütter über, in welchem sie ebenso ausgezeichnet schafft, wie früher in den jugendlichen Rollen; besonders nennen wir die Frau von Ziemer in „Er muß auf’s Land“ [218] und ihre unübertroffene Leistung als Fürstin im „Geheimen Agenten“.

Monatschrift für Theater und Musik (Wien, 4°.) I. Jahrg. (1855) S. 241: „Künstlerskizze.“ – Dasselbe IV. Jahrg. (1858) S. 119: „Fichtner als Cato von Eisen.“ – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) II. Bd. S. 137. – Porträte. 1) Unterschrift: Facsimile des Namens: Carl Fichtner. Kriehuber (lith.) 1855. Gedr. bei Jos. Stoufs in Wien (Wien bei L. J. Neumann, Fol.). – 2) Unterschrift: Facsimile des Namens: Carl Fichtner, kaiserl. königl. Hofschauspieler. Kriehuber (lith.) 1839. Gedr. bei Joh. Höfelich (Eigenthum u. Verlag von Pietro Mechetti qm. Carlo in Wien, Fol.). – 3) Unterschrift: Carl Fichtner. Teltscher (lith.) 1827. Gedr. Lith. Institut in Wien, 4°. – Costumebild. Unterschrift: Herr Fichtner als Louis im Pariser Taugenichts. A. Geiger sc. Schöller del. Costume-Bild Nr. 55 der Theaterzeitung von Bäuerle, 4°. – Ueber Frau Fichtner: Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 138. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) X. Bd. S. 191 [nach diesem geb. im J. 1815]. – Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namens: Elise Fichtner, k. k. Hofschauspielerin. Kriehuber (lith.) 1840. Gedr. bei Joh. Höfelich. Eigenth. u. Verl. von Pietro Mechetti qm. Carlo. – Costumebilder: 1) Als Katharina im Lustspiel „Die Widerspänstige“ nach Schakespeare (sic!) von Deinhardstein. Schöller del. A. Geiger sc. Costumebild der Theaterzeitung Nr. 66. – 2) Madamme (sic) Fichtner als Marie im Volksdrama „Der Müller und sein Kind“ (als) Margarethe im Lustspiele „Der rechte Weg“. Schöller del. And. Geiger sc. (Costumebild Nr. 6 der Theaterzeitung von A. Bäuerle, 4°.)

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Fichtner, Karl [s. d. Bd. IV, S. 217]. Am 31. Jänner 1865 betrat dieser seltene und unersetzbare Künstler zum letzten Male die Bühne des Burgtheaters. Am 5. August 1824 war er als Peter Solbert in Iffland’s Lustspiel „Der Herbsttag“ zum ersten Male auf dieser Bühne, zu deren Zierden er durch vierzig Jahre gehörte, erschienen und hatte in diesem Zeitraume in 460 Stücken 513 Rollen, im Ganzen 5497 Mal gespielt. Sein Repertoire umfaßte, um die ganze Peripherie seines reichen und seltenen Talentes zu ziehen, 33 Stücke von Kotzebue, 29 von Bauernfeld, 15 von Shakespeare, 13 von Iffland, 12 von der Weissenthurn, 12 von Raupach, 10 von Deinhardstein, 10 von Schiller, 5 von Goethe, 5 von Grillparzer, 5 von Gutzkow, 4 von Laube, 4 von Halm , 3 von Hebbel. Das Treffendste über Fichtner – über den ja so viel gesagt worden – mochte wohl Emil Kuhin folgenden Worten geschrieben haben: „Die Poesie dieses Künstlers war es, welche den Kreis des sogenannten Conversationsstückes, wo er am schönsten und am liebsten waltete, in eine höhere Welt zu rücken schien. In Fichtner erblicken wir die Anmuth, die über enge Schranken nicht hinaus konnte, keine stürmische Kraft, die auf halbem Wege stehen bleiben muß. Grazie und guten Ton, warme Empfindung und Sitte sahen wir in jeglicher Rolle Fichtner’s bald offener, bald versteckter mit einander gepaart. Wie man in einem vornehmen Cirkel sich des allzulauten Sprechens enthält, der heftigen Geberden, des ungezähmten Lachens und Weinens, so vermied Fichtner die starken Aeußerungen des Seelenlebens, auch wo sie ihm zu Gebote standen. Und diese Vorsicht bewahrte seine Leistungen vor dem Fragmentarischen, und schützte ihn vor dem Vorwurfe, daß sein Spiel hie und da ein unzulängliches sei. Er durfte auch an Aufgaben gehen, die der Sphäre seines Talentes nicht angemessen waren, denn er brauchte nicht zu besorgen, er werde den feineren Sinn beleidigen, da er der feinere Sinn selber war. Uneigennützig, wunschlos, muthete seine Darstellung den Zuschauer an. Das Vollendete kann nicht ersetzt werden; die Persönlichkeit, in welcher der künstlerische Geist sozusagen eine Lese des zur holdesten Reife Gezeitigten hält, kann keinen Nachfolger haben.“ Fichtner’s Abschied von der Bühne gestaltete sich zu einem förmlichen Familienfeste, dem nur ein zweites, der einige Jahre früher erfolgte Abschied der Künstlerin Luise Neumann, an die Seite gestellt werden dürfte. Von den Geschenken, Ehrengaben und Erinnerungsspenden geben die in den Quellen verzeichneten Journale – namentlich das Fremdenblatt – ausführliche Nachricht. Sie kamen nicht bloß aus Wien, sondern auch aus Berlin, Breslau, Coburg, Hamburg, Leipzig, München, und unter Anderen von Dawison, Maria Seebach, Emil und Fritz Devrient, Marr u. A. Daß es an Gedichten nicht fehlte, versteht sich von selbst, doch gedenken wir unter den zahlreichen Poeten nur Halm’s und Bauernfeld’s. Ein paar Tage vor seinem letzten Auftreten [449] wurde ihm von dem obersten Hoftheater-Director Vincenz Fürst Auersperg das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens übergeben, mit dem F. für seine künstlerische Wirksamkeit von Sr. Majestät war ausgezeichnet worden. – Fichtner’s Gemalin Elisabeth [Bd. IV, S. 217, im Texte von Fichtner’s Lebensstiles wurde über ihr eigenes Ansuchen am 1. Jänner 1865 pensionirt.
    Karl Fichtner. Eine Skizze seines Lebens und künstlerischen Wirkens. Von G. C.(zartoryski) (Wien 1865, Czermak, gr. 8°.). [Eine Schrift, nicht umfang-, aber inhaltreich, wie sie jedem Künstler von Fichtner’s Bedeutung als Nachruf im Leben und im Tode zu wünschen. Sie enthält einen kurzen Lebensabriß, eine geistvolle Darstellung seiner künstlerischen Wirksamkeit am Burgtheater und das für die Geschichte des Wiener Hofburg-Theaters nicht zu unterschätzende Repertoire Fichtner’s vom Jahre 1824 bis 1865. Eine gute Photographie Fichtner’s schmückt diese pietätvolle Arbeit.] – Wiener Zeitung 1865, Nr. 26, S. 337: „Karl Fichtner’s Abschied von der Bühne“. – Der Botschafter (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 32: „Fichtner“. – Oesterreichische Revue (Wien, C. Gerold’s Sohn, gr. 8°.) Dritter Jahrg. (1865), II. Band, S. 179–185: „Fichtner“. Von Heinrich Laube. [Diese Charakteristik Fichtner’s wurde noch in anderen Blättern, u. a. im Neuen Theaterdiener (Berlin, kl. Fol.) 1865, Nr. 29, 31, 33, abgedruckt.] – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) 1865, Nr. 1130. – Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik (Wien, 4°.) 1865, Nr. 5. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1864, Nr. 343; 1865 , Nr. 3, 9, 31, 32, 33, 36. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 32. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 153, 196. – Waldheim’s Illustrirte Blätter (Wien, gr. 4°.) 1865, Nr. 3, S. 21: „Ein Liebling der Wiener“. – Porträt. Außer der seiner Lebensskizze beigegebenen Photographie bringen Waldheim’s Illustrirte Blätter 1865, S. 21, einen Holzschnitt: Fichtner in ganzer Figur darstellend. Das Bild ist nach einer Photographie von Fritz Kriehuber gezeichnet. [Bd. 14, S. 448 f.]
  2. Fichtner, Karl [Bd. IV, S. 217; Bd. XIV, S. 448] gestorben zu Gastein 1. August 1873.
    Dramatisch-literarischer Berichterstatter (Berlin, kl. Fol.) 1873, Nr. 22. – Humoristische Blätter von K. Klič (Wien, Fol.) 1873, Nr. 281 [mit Fichtner’s Bildniß]. [Bd. 26, S. 378.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Elise Fichtner (Wikipedia).