BLKÖ:Giskra, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Giudici, Karl Maria
Band: 5 (1859), ab Seite: 199. (Quelle)
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Giskra, Karl[BN 1][BN 2] (Abgeordneter des deutschen Reichsparlaments im J. 1848, geb. zu Mährisch-Trübau um das J. 1820). Studirte die Rechte in Wien und widmete sich, indem er zugleich die jurid. Doctorswürde erwarb, dem Lehrfache. Die Erlaubniß, Privatcollegien zu halten, übte er so lange aus, bis sie ihm entzogen wurde, dann fungirte er als Privatsupplent des Prof. Kudler, bis er später zum öffentlichen Supplenten in Vorschlag gebracht und angenommen wurde. In den Vordergrund trat Giskra im J. 1848 und zwar zuerst am 15. Mai, an dem Tage der Sturmpetition, dem ersten, an welchem die Revolution als permanent erklärt angesehen werden konnte. Giskra zählte zu den Wortführern dieses Tages. Später sollte G. in Folge der Theilnahme an der Mißhandlung des Polizeidieners Albert Rößler seines Lehramtes enthoben werden, aber inzwischen erfolgte seine Wahl zum Deputirten nach Frankfurt, und G. legte nun die Docentenstelle selbst nieder. In Frankfurt zog er durch seine Beredsamkeit die Aufmerksamkeit auf sich; obgleich slavischer Abkunft, hielt er sich entschieden an die deutsche Sache und sprach für dieselbe bei jeder Gelegenheit mit „außerordentlichem Zauber des Redeschwungs“, wie Laube bemerkt, „aber ohne zu überzeugen.“ In letzterer Zeit (1857 oder 1858) kehrte G. nach Oesterreich zurück, und nahm die verlassene juridische Laufbahn wieder auf.

Hart (Friedrich), Ein Tag in der Pauluskirche (Leipzig 1848) 2. Hft. – Laube (Heinrich), Das erste deutsche Parlament (Leipzig 1849, Weidmann) I. Bd. S. 164; II. Bd. S. 176 u. 236; III. Bd. S. 65 [Charakteristik G.’s als Redner in der Waffenstillstandsfrage Schleswig-Holstein betreffend – in der Polenfrage – und in der Debatte, die Stellung Oesterreichs zu Deutschland betreffend]. – Grazer Zeitung 1848, Nr. 243, eine Correspondenz aus Wien von Dr. J. G. gegen Dr. Giskra gerichtet. – Dieselbe Nr. 269: „Erwiderung des Dr. Giskra auf die Angriffe des vorigen Artikels.“ – Wiener Zuschauer, herausgegeben von S. Ebersberg (Wien, Lex. 8°.) 1848, Nr. 177, S. 1450; Nr. 194 [200] S. 1508. – Lesefrüchte, herausgeg. von Dr. Pape (Hamburg 1849, 8°.) I. Bds. 11. Stück S. 213. – Parlamentsalbum. Autographirte Denkblätter der Mitglieder des ersten deutschen Reichstages (Frankfurt a/M. 1849, S. Schmerber, kl. Fol.) S. 157. – Porträte. 1) Unterschrift: Giskra. Nach dem Leben. C. Raab sc. Zeitgenossen neue Folge Nr. XI.Verlag des Bibl. Instit. Lex. 8°. – 2) Facsimile des Namens: Dr. C. Giskra. Nach Viows Lichtbild. F. Hickmann. Gedr. v. Ed. Gust. May in Frankfurt a/M. Verlag u. Eigenthum der S. Schmerber’schen Buchhandlung. (4°. Lithogr.) – 3) Unterschrift folgenden Facsimiles: Für das Recht, für die Ordnung sey das Wort, sey die That! Dr. C. Giskra, Supplent d. polit. Wissensch. a. d. Wiener Universität. Ed. Kaiser 1848 (lith.). Gedr. b. J. Rauh. Verlag u. Eigenthum von Jos. Bermann in Wien. Halbfol. – 4) Lithogr. von Winterwerb (Frankfurt, Jügels Verlag, kl. Fol.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Giskra, Karl, Mitglied des Abgeordnetenhauses des Reichsrathes [s. d. Bd. V, S. 199]. Nach seiner Rückkehr von dem Frankfurter Parlamente und nach der bald darauf in allen deutschen Staaten und auch in Oesterreich eingetretenen Reaction, seines bis dahin bekleideten Lehramtes verlustig und vor der Hand ohne Hoffnung, sobald wieder eines zu erlangen, wäre seine Lage eine sehr mißliche geworden, hätte sich nicht sein Freund und Fachgenosse Dr. Mühlfeld des Bedrängten angenommen und ihn in seiner ausgedehnten advocatorischen Praxis beschäftigt. Erst der Umschwung, der in Oesterreich im Jahre 1859 neuerdings eintrat, kam auch Giskra zu Statten, und mit Allerh. Entschließung vom 30. Juli ist ihm die Zulassung zur Advocatur zugestanden worden, indessen mit der Beschränkung, daß ihm vorerst eine Advocatenstelle außerhalb Wiens verliehen werden dürfe. Ende 1860 erhielt er eine Advocatur in Brünn, In kurzer Zeit wurde er als Vertheidiger von Angeklagten seiner glänzenden Redegabe wegen gesucht, und bald in den weitesten, namentlich deutschen Kreisen bekannt und beliebt. Nach wenigen Monaten seines Aufenthaltes daselbst wurde er in den Gemeindeausschuß, dann in den Landtag, aus diesem in das Abgeordnetenhaus des Reichsrathes, und zuletzt in den Landesausschuß gewählt. Im Reichsrathe ist G. der Führer der großösterreichischen Partei und einer der ersten Redner des Hauses. Wenngleich von slavischer Abkunft, so doch in Gesinnung durch und durch deutsch, ist er ein mannhafter Vertreter aller freisinnigen Ideen der Zeit. In allen wichtigen Fragen, welche im Hause zur Sprache kamen, oder von ihm selbst vor dasselbe gebracht wurden, trat er als Redner auf, und dann entweder als siegreicher Anwalt der Sache, für die er sprach, oder als einflußreicher Gegner, wenn er wider dieselbe war. Er sprach gegen das Concordat, wider Priesterherrschaft, Unduldsamkeit und die socialen Zustände vergiftendes Zelotenthum in Glaubenssachen; in Angelegenheiten der Rechtspflege, der inneren Verwaltung, des Schutzes der persönlichen Freiheit, der Gemeindeverfassung, der Finanzen, des Heerwesens, über Zölle und Steuern, und immer führte er das Wort mit einer ihm selbst von seinen Gegnern zugestandenen eindringlichen Sachkenntniß. In Sachen des Bundes, in der churhessischen Angelegenheit, über die Reform der Bundeseinrichtungen, in Fragen der äußeren Politik stellte er oft Interpellationen, die Befolgung einer liberalen Politik mit Wärme empfehlend. Seine entschieden deutsche Gesinnung macht ihn aber den Slaven, die ihn nicht nur für einen verlorenen Sohn ihres [416] Stammes, sondern für einen mächtigen Widersacher ihrer Sondergelüste halten, verhaßt, und sie verfolgen ihn in der Presse auf eine unlautere, aber – da diese Blätter, einige Ultranationalen ausgenommen, Niemand liest und versteht – durchaus unschädliche Weise. Wie er aber von dieser Seite verfolgt, verhöhnt, verlästert wird, ebenso wird er von der Partei der deutschen Großösterreicher und von ihren Organen unterstützt, gehoben und mit Beifall überschüttet. Für zehn Jahre der Zurücksetzung, Kümmernisse und herber Arbeit rächt sich nun G. dadurch, daß er als begeisterter Vertheidiger freier Institutionen die ihm gegebene Macht des Wortes benützt, um zu erringen, was überhaupt unter den bestehenden Zeitverhältnissen sich erringen läßt, und für die Gestaltung eines großen, nach innen starken, nach außen achtunggebietenden Oesterreichs die ganze Energie einer mächtigen Willenskraft, die Erfolge einer reichen Begabung und die erhebende Wirkung einer seltenen – leider nicht immer genug sich selbst beherrschenden – Redekraft einzusetzen.
    Der Reichsrath, Biographische Skizzen der Mitglieder des Herren und Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes (Wien 1861, Förster, 8°.) Heft I, S. 37. – Waldheim’s Illustrirte Zeitung 1862, Nr. 6. – Die Tribune (Wiener juridisches Blatt, 1861, Nr. 172. – Mährischer Correspondent (Brünn) 1861, Nr. 24. – Tagespost (Gratzer Journal, kl. Fol.) 1861, Nr. 267: „Skizzen aus dem Parlament“ von D. B.Bohemia (Prager Blatt, 4°.) 1861, Nr. 186: „Silhouetten aus dem Abgeordnetenhause. III. Die Linke“. – Národní listy (Prager politisches Parteiblatt) 1861, Nr. 198, 219, 246. – Neue Zeit (Olmütz) 1861, Nr. 106 [enthält den Abdruck eines von čechischer Seite an Dr. Giskra gerichteten Drohbriefes in deutscher Uebersetzung, welcher der Inbegriff aller Gemeinheit ist]. – Stenographische Protokolle des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes für die erste Session 1861 und 1862 Staatsdruckerei, 4°.) S. 2081 [interpellirt das Staatsministerium in Betreff der Verwarnung des Journals „Die Presse“; S. 2081 Antwort darauf]; S. 2358 [interpellirt bezüglich der Umgestaltung des croatisch-slavonischen Hofdicasteriums in eine Hofkanzlei für die Königreiche Dalmatien, Croatien und Slavonien; 2358 Antwort darauf]; S. 3291 [interpellirt bezüglich des Hafenbauprojectes von Triest; S. 3439 Antwort darauf]; S. 3462 [interpellirt wegen des Beitrittes Oesterreichs zum deutschen Zollvereine; S. 3565 Antwort darauf]; S. 7 [stellt den Dringlichkeitsantrag wegen Beantwortung der Thronrede vom 1. Mai 1861]; S. 116, 127, 205, 231, 263 [stellt den Antrag wegen Abänderung der §§. 9, 12 und 13 des Grundgesetzes über die Reichsvertretung]; S. 16–19 [spricht in der Adreßdebatte]; S. 51, 53, 59, 64, 65, 71, 73, 75, 77–82, 91–94 [spricht als Berichterstatter in derselben]; S. 585, 598, 673, 677, 771 [spricht in der Debatte über die Lehenallodialisirung]; S. 955, 1050, 1066, 1072, 1073, 1075, 1077, 1078 [spricht als Berichterstatter in der Debatte über die Adresse an Se. Majestät anläßlich der Auflösung des ungarischen Reichstages]; S. 1596, 1660, 2321, 2324, 2326, 2340, 2345, 2350, 2363, 2366, 2375, 2383 [spricht in der Debatte über die Gewerbsgenossenschaften]; S. 1780, 1815, 1819, 1823, 1827, 2457 [spricht über den Schutz der persönlichen Freiheit]; S. 2623, 2624, 2628 [spricht über den Staatsrath]; S. 3012, 3046, 3051–3055, 3069, 3073, 3079–3085, 3096, 3098 u. 3099 spricht als Berichterstatter über das Budget des Kriegsministeriums]; S. 3830, 3833, 3835, 3838, 3842, 4079, 4080, 4087, 4090–4094, 4116 [spricht als Berichterstatter über das Promessengesetz]. – Die Presse (Wiener polit. Blatt) 1861, Nr. 241 [Rede über den Adreßentwurf]; Nr. 307 [Rede über das Institut zwangsweiser Genossenschaften]; 1862, Nr. 126 [Rede in der Debatte über die Gehaltszulage des Botschafterpostens in Rom]; Nr. 147 [Rede über das Concordat]; Nr. 182 [Rede anläßlich des Conflictes zwischen dem Finanzminister und dem Abgeordneten Skene]; Nr. 325 [Rede in der Debatte über das Kriegsbudget]; 1863, Nr. 290 [Rede in der Steuerbewilligungs-Debatte] Nr. 336 [Rede über die auswärtige Politik]. – Porträte und Büste. 1) Giskra’s Porträt wurde trefflich von Meister Kriehuber lithographirt, den G.’s Wähler eigens zu diesem Zwecke hatten nach Brünn kommen lassen; [417] – 2) von A. Dauthage (Wien 1861, Halb, Fol.); – 3) Photographie in Visitkarten-Format von Ost in mehreren Stellungen. – Ein junger Bildhauer, Namens Loos, hat Giskra’s Büste im Jahre 1861 in Brünn modellirt. [Bd. 11, S. 415–417.]
  2. E Giskra, Karl [Bd. V, S. 199; Bd. XI, S. 415].
    Die Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt (Leipzig, Ernst Keil, gr. 4°.) Jahrg. 1868, S. 677: „Oesterreichische Berühmtheiten“, von Sigm. Kolisch [mit Holzschnittbildniß]. – Süddeutsche Post (Klagenfurter polit. Blatt) 1870, Nr. v. 20. Februar: „Schafft Ihr uns einen Deák“. – Kärnthner Blatt (Klagenfurt) 1870, Nr. 34: „Giskra, Herbst, Brestel“. – Böse Zungen (Wien, 4°.) 1872, Nr. 136: „Aphorismen über Giskra“. – Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1872, Nr. 309: „Dr. Karl Giskra“. – Mährischer Correspondent (Brünn) 1870, Nr. 67: „Die Demission Dr. Giskra’s“. – Der Floh (Wiener Spott- u. Witzblatt) 1872, Nr. 46: „Karl’s Glück und Ende“. [Bd. 28, S. 343.]