BLKÖ:Klácel, Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Heuffel, Johann
Nächster>>>
Klackel, Stephan
Band: 12 (1864), ab Seite: 1. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
František Matouš Klácel in der Wikipedia
GND-Eintrag: 123338603, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Klácel, Franz|12|1|}}

Klácel, Franz, mit dem Klosternamen Matthäus (čechischer Poet, geb. zu Böhmisch-Trübau 7. April 1808). Studirte zu Leitomischl, trat 1828 in den Orden der Augustiner-Chorherren in Altbrünn, legte 1830 die Gelübde ab, erhielt 1833 die h. Weihen, wurde dann Bibliothekar und Regens chori im Stifte und 1835 Professor der Philosophie an dem Brünner Lyceum. Im Jahre 1836 ließ er zuerst seine čechischen Dichtungen erscheinen, welche damals ungewöhnliche Aufmerksamkeit erregten. Es war aber weniger der poetische Werth, als die sittliche Kraft dieser Schöpfungen seines Geistes, welche fesselnd wirkte. Auch lag darin, wiewohl noch versteckt, der Keim jener national-exclusiven Richtung, welche, sobald das Jahr 1848 die nationalen Geister entfesselte ohne Maske zu Tage trat. Oder sollte, wenn er die Jugend mit hohem Ernste vor Verunreinigung ihres Blutes warnt, das dem Vaterlande gehöre, dieses anders zu deuten sein? Die antideutsche Stimmung, welche der čechische Poet hie und da durchschimmern lassen mochte, insbesondere aber seine Begeisterung für das Slaventhum, welche ihm unter der slavischen Jugend einen großen Anhang verschaffte, verwickelte ihn immer mehr in Unannehmlichkeiten, und es kam so weit, daß er im Jahre 1845 von seinem Lehramte entfernt werden mußte. Er begab sich nun nach Prag, wo er bei einigen Freunden in stiller Zurückgezogenheit lebte, bis ihn das Kloster wieder zurückberief. Als aber das Jahr 1848 die nationalen Geister entfesselte und nun auch K. mit seiner Farbe nicht länger zurückhielt, wurden ihm in dem vorzugsweise deutschen Brünn manche Verlegenheiten bereitet, insbesondere aber, als durch die Wahlen für das Frankfurter Parlament die deutsche Bewegung einen entschiedeneren Charakter anzunehmen begann und es an Reibungen der beiden entgegengesetzten Elemente, Deutsche und Slaven, nicht fehlte. Ja es kam so weit, daß ihm zu verstehen gegeben wurde, die Nationalgarde sei außer Stande, seine Person und das Kloster, in welchem er lebe, ferner zu schützen. So verließ er denn am 8. April 1848 neuerdings Brünn und begab sich nach Prag, wo er von der čechischen Partei mit offenen Armen empfangen wurde. Dort wurde er sogleich in das Prager Nationalcomité (Pražský národní výbor) gewählt und trat am 1. Mai 1848 in die vierte Section, welche sich mit den Schulangelegenheiten beschäftigte. Auch wurde er am 19. Mai 1848 von dem Nationalrathe zugleich mit Camillo Fürsten und Ludwig Ruppert zum Mitgliede jener Deputation gewählt, welche anläßlich der Wiener Ereignisse vom 14. und 15. Mai von der Stadt Prag an Se. Majestät den Kaiser Ferdinand entsendet wurde. Auf dem Slavencongreße, welcher im genannten Jahre zu Prag abgehalten wurde, war K. Mitglied des größeren [2] čechisch-slavischen Ausschusses. In der Sitzung vom 3. October 1848 übertrug ihm der mährische Landtag die Redaction der slavischen Landes-Zeitung Moravské noviny. Im Jahre 1849 wählte ihn die Bruderschaft der HH. Cyrill und Method, die sich eben gebildet hatte, zum Vorstande, und benützte er den Antritt seiner Würde, um in energischer Weise sein Glaubensbekenntniß als Slave öffentlich auszusprechen. Bemerkenswerth erscheint auch noch, daß im Mai 1850 das Brünner bischöfliche Consistorium an die Diöcesan-Geistlichkeit eine Currende erließ, in welcher sie vor der Lecture der von Klácel redigirten Moravské noviny nachdrücklich warnte. Im nämlichen Jahre wählte ihn die böhmische Gesellschaft der Wissenschaften in Prag zum correspondirenden Mitgliede. Seither ist K.’s Name verschollen. Als Bibliothekar im Stifte, wenigstens läßt ihn Wenzig 1855 diese Stelle bekleiden, lebt er, zurückgezogen von der Welt, seinem Amte und literarischen Arbeiten. Von ihm sind bisher im Drucke erschienen: „Počátky wédečké mluwnictwí českého“ , d. i. Anfangsgründe der wissenschaftlichen čechischen Redekunst (Brünn 1843, Winiker, 8°.); – „Lyrické básně. Díl první a druhý“ , d. i. Lyrische Gedichte. 1. und 2. Theil (Brünn 1836 u. 1837, Rohrer, 8°.); – „Jahůdky“, d. i. Die Erdbeeren (Leipzig 1845); – „Bájky Bidpajowý, téměř do wšech jazykůw dáwno již přeložené“ , d. i. Die Fabeln Bidpaj’s , welche längst in alle Sprachen übersetzt sind. 1. Heft (Olmütz 1846, 8°.), dieses Werkchen gab K. unter dem Pseudonym František Třebowský heraus; – „O citu a rozumu“, d. i. Vom Empfinden und Verstehen (1843, 8°.); – „Mostek aneb sestawení skromných myšlének o tom, na čem každému zálezeti má“ , d. i. Das Brücklein, oder Zusammenstellung bescheidener Gedanken. woran jedem gelegen sein muß (Brünn, 8°.); – „Ferina Lišak“ (Leipzig 1848); – „Slovník pro čtenáře novin“, d. i. Lexikon für Zeitungsleser (Brünn 1849). Kleinere Aufsätze K.’s befinden sich in den Zeitschriften: Kwěty, d. i. Die Blüthen; Česká wčela, d. i. Die böhmische Biene; Wěnec, d. i. Der Kranz, und im Časopis českého Muzeum, d. i. Zeitschrift des böhmischen Museums. Auch soll er mit einer Uebersetzung von Immermann ’s „Tulifäntchen“ in’s Čechische beschäftigt, ja dieselbe bereits zum Drucke vorbereitet sein. K. als Schriftsteller und Dichter ist ein Mann von scharfem Verstande, ein genialer Kopf voll Ideen, aber es fehlt ihm plastische Kraft und der Sinn für künstlerische Vollendung der Sprache. An die philosophische Gedankenbildung gewöhnt, treten seine Ideen, statt in Bildern, in Begriffen hervor.

Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský i konversační, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850, 12°.) II. Theil (der jedoch nicht vollendet worden), S. 121. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon, herausgegeben von Dr. Franz Ladisl. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 670 [nach diesem geboren am 8. April 1808; nach Jungmann aber am 7.]. – Wenzig (Joseph), Blicke über das böhmische Volk, seine Geschichte und Literatur (Leipzig 1855, 8°.) S. 138. – Jungmann (Josef), Historie literatury české, d. i. Geschichte der čechischen Literatur (Prag 1849, F. Řiwnáč, 4°.) Zweite (von W. W. Tomek besorgte) Auflage, S. 374, Nr. 149; S. 383, Nr. 320; S. 384, Nr. 321; S. 390, Nr. 487; S. 404, Nr. 587; S. 456, Nr. 1167; S. 457, Nr. 1172; S. 392, Nr. 496 k; S. 395, Nr. 496 m; S. 399, Nr. 521; S. 457, Nr. 1173 a; Jahr 1841, Nr. 1176 a; S. 459, Nr. 1220 b. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1840, Beilage S. 963: „Die czechoslavischen Dichter“.