BLKÖ:Maurer, Hubert

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Maurer, Franz Anton
Band: 17 (1867), ab Seite: 140. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Hubert Maurer in der Wikipedia
GND-Eintrag: 124346529, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Maurer, Hubert|17|140|}}

Maurer, Hubert (Historienmaler, geb. zu Röttchen bei Bonn im Cölnischen 10. Juni 1738, gest. zu Wien 10. December 1818). Sohn eines armen Taglöhners, den Vater verlor er in der Kindheit, und schon im Alter von sechs Jahren half er der armen Mutter bei den Arbeiten im Felde und im Walde. So erreichte er das 14. Jahr, als er bei [141] dem Baue eines Jagdschlosses, welches Clemens August, Churfürst von Cöln, in der Nähe von Röttchen herstellen ließ, als Taglöhner verwendet wurde und Ziegel und Mörtel herbeischleppte. Der Bau dauerte vier Jahre. Endlich stand das Schloß unter Dach, und nun wurden mehrere Künstler zur Einrichtung und Verzierung des Innern herbeigerufen. Diese mußten sich es gefallen lassen, in den Hütten der Bauern zu wohnen, da sonst auch nicht ein Haus vorhanden war, welches ihnen eine gemächlichere Aufnahme versprechen konnte. Durch diesen Umstand entschied sich M.’s Zukunft. Seine Mutter nahm den Hof-Stuccaturer Sturzenhöfer in ihre Wohnung auf, und ihr Sohn hatte nichts Angelegentlicheres zu thun, als sich dem Gaste durch hundert Dienste gefällig zu machen. Dabei hatte er kein anderes Interesse, als Zeichnungen, welche Sturzenhöfer zu seinen Deckenarbeiten machte, wo und wie er nur konnte, zu Gesicht zu bekommen. Nun sparte er sich jeden Kreuzer ab, um Bleistift und Papier kaufen zu können; der Sonntag, an welchem sein Gast nach Bonn zu gehen pflegte, wurde mit Sehnsucht erwartet, des Meisters Zeichnungen wurden dann überall aufgesucht und mit ungemeinem Fleiße copirt. Weder Verweise seiner Mutter über das vermeintlich versplitterte Geld, noch die Furcht, von Sturzenhöfer ausgescholten zu werden, wenn er erführe, daß Maurer seine Zeichnungen benützte, konnten ihn an seinen Versuchen hindern. Das vermeintliche Vergehen des armen Jungen wurde auch wirklich verrathen, dieser aber zu seinem Erstaunen darüber gelobt, anstatt getadelt. Sturzenhöfer schaffte nun selbst Zeichnungsmaterialien herbei und gab Vorbilder her. Berathen und aufgemuntert, versäumte Maurer nun keine Viertelstunde, die ihm zur Erholung von seiner ermüdenden Arbeit um Erwerb gegönnt war. Nach dem Verlaufe weniger Monate sah man schon, daß die Macht des Willens kein unübersteigliches Hinderniß kennt, denn man merkte Maurer’s Zeichnungen kaum mehr die Unfolgsamkeit seiner rauhen Hand an. Als der Winter für dieses Jahr den Stuccaturarbeiten im Schlosse ein Ende machte, schickte sich Sturzenhöfer zur Rückkehr nach Fulda, seiner Heimat, an. Maurer verlor nun seinen Gönner, der ihm übrigens das Versprechen gab, er wolle bei seiner Rückkehr im nächsten Frühjahre ihn zu sich nehmen, zum Stuccaturer bilden und für sein weiteres Fortkommen sorgen. Zugleich gab er ihm mehrere Vorzeichnungen, die ihm den langen Winter verkürzen sollten. Hätte Maurer inzwischen nur gezeichnet, so würde er freilich raschere Fortschritte in der Kunst gemacht haben, aber seine Mutter und er hätten dabei auch hungern können. So mußte er, um einst Künstler zu werden, es ertragen; am Tage durch schwere Arbeit an seinen Händen das wieder zu verderben, was er in der Nacht oder an Sonntagen durch anhaltende Uebung an Gewandtheit für selbe gewonnen hatte. Dieß bewog ihn, bei dem cölnischen und bayerischen Hofmaler Joh. G. Winter, welcher in dem neuen Schlosse malte, einstweilen die ihm von diesem angebotenen Hausknechtsdienste anzunehmen, in der Meinung, daß er nun bei diesen leichteren, rein mechanischen Arbeiten doch öfter Gelegenheit finden werde, auch manchmal edlere zu thun. Winter, der Maurer’n bei Sturzenhöfer gesehen, war ein humaner Mann, und nahm den achtzehnjährigen Jungen gern an. Er nahm aber M. [142] nicht zu sich, um einen Künstler aus ihm zu bilden, sondern miethete bloß wieder seine physischen Kräfte zur Hausarbeit, vergönnte ihm nur etwas mehr Zeit, als er bisher hatte, und gab ihm deßhalb zum Zeichnen Preißler’s Zeichenbuch zum Muster, damit er sich zum Unterrichte, den ihm Sturzenhöfer für die Folge versprochen hatte, einigermaßen vorbereiten könne. So kurz die darauf zu verwendende Mußezeit Maurer’s hier war, und so schwer er nebenher arbeiten mußte (denn er hatte Holz zu hacken, Stiefel zu putzen u. s. w.), so war doch der Winter noch nicht vorüber, und er schon im Stande, die Preißler’schen Figuren und die von selbem angegebenen Verhältnisse richtig nachzuzeichnen. Nebenher machte er, ohne alle Anleitung, bloß durch die unbemerkter Weise über die Arbeiten seines Herrn angestellten Beobachtungen, Versuche im Malen. Er pauste also einen Preißler’schen Kopf, in der Stellung eines heiligen Venantius, den er in der Dorfcapelle gesehen, auf Leinwand, suchte heimlich Farben zu bekommen und malte frisch darauf los. Seine Kameraden aus dem Dorfe wurden dann zur Beurtheilung eingeladen. Diese erkannten den Heiligen, und machten dadurch M. unaussprechlich glücklich. Wie gerne hätte er dieses sein vermeintliches Kunstwerk noch weiter vorgezeigt; er dachte aber stets an die heimlich genommenen Farben und die Folgen, wenn er darüber entdeckt würde; sein Venantius mußte also im Feuer umkommen. Winter’n entging indeß M.’s Neigung zur Kunst nicht. Er merkte wohl, daß M. heimlich malte. Gleich nach Sturzenhöfer’s Rückkunft wurde also über die fernere Bestimmung des Jungen ernstlich berathen, anerkannt, daß er zur Malerei ganz geeignet sei, und ausgemacht, daß Winter ihn als seinen Lehrling zu sich nehme. Nun fing Maurer erst zu leben an. Die Kunst beschäftigte ihn größtentheils. Er studirte nach seines Lehrherrn Vorzeichnungen, und ging nicht lange hernach mit ihm nach Brühl, vier Stunden von Bonn, wo Winter in Gesellschaft des Blumenmalers Metz den Saal in dem dort vom Churfürsten gebauten Schneckenhause malte. Dort brachte M. einen Sommer zu mit Erlernung der Farbenbereitung und Aufzeichnung dessen, was Winter ihm angab. Er zeichnete schon nicht unrichtig und mit Fertigkeit. Nun mußte er seinen ersten Versuch im Malen machen. Winter verschaffte ihm die Gelegenheit, eine zwei Schuh hohe Madonna von Carloni zu copiren. Er bot nun bei der Copie dieses Marienbildes Alles auf und copirte es zweimal, einmal für den Pfarrherrn zu Lengsdorf, Schlosser, und den Forstmeister zu Röttgen, Ostler; Winter war zufriedengestellt und munterte M. auf, nur so fortzufahren. Im November 1759 führte Winter seinen 21jährigen Schüler nach München, da die ferneren Arbeiten im Schlosse zu Röttgen wegen des damaligen Krieges eingestellt wurden. Winter war ihm nun ganz Vater und ersetzte ihm auch den Verlust seiner in der Zwischenzeit gestorbenen Mutter. Maurer gebrauchte nun schon größtentheils die Palette, fing bald nach Amiconi, nach Pittoni u. A. zu malen an, malte auch nach gewählten Kupferstichen und studirte an anderen guten Gemälden über die dabei zu verwendenden Farben. Da er kein Modell der Natur hatte, so stellte er oder legte sich selbst vor einen Spiegel und studirte so, man kann sich denken mit welcher Mühe, zeichnend und verbessernd, die Formen der Natur. M. machte schnelle Fortschritte und leistete [143] seinem Meister bei den Altarblättern, welche er hie und da in Prälaturen in Bayern malte, wesentliche Aushilfe. Dieser ausgezeichneten Fortschritte wegen erhielt er auch auf Winter’s Anempfehlung bald eine Unterstützung von Clemens August, und das Versprechen, auf dessen Kosten reisen zu dürfen. Der Tod des Churfürsten vereitelte aber diese für ihn so verlockende Aussicht. Von Bonn aus hatte er keine Unterstützung mehr zu erwarten. Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als seine kleine dortige Besitzung zu verkaufen und mit dem dafür gelösten Betrage, von nicht ganz 300 Kaisergulden, nach Wien zu reisen, um Bildung und Glück dort zu suchen. Der redliche Winter hatte ihn, während seines dreijährigen Aufenthaltes bei ihm, gelehrt, so viel er im Stande war; er sah wohl, daß Maurer’s Genie eine höhere Bildungsbahn betreten müsse, und rieth ihm deßhalb selbst zu dieser Reise. Bei Winter hatte sich M. indeß schon eine Fertigkeit im Richtigzeichnen und ein gutes Colorit eigen gemacht. Im Jahre 1762 kam M., 24 Jahre alt, nach Wien. Ein Empfehlungsschreiben von Winter an den damaligen Director der Akademie der bildenden Künste, Martin Meytens, verschaffte ihm bei diesem eine sehr gute Aufnahme und den Eintritt in den Antikensaal. Er wählte unter den antiken Statuen zuerst diejenigen, bei welchen er die charakteristischen Umrisse am bestimmtesten angegeben fand, und zeichnete lange nach solchen großen muskulösen Formen. In kurzer Zeit gehörte er unter die ausgezeichneten Schüler der Akademie. Seine Gewandtheit in der Behandlung großer Formen neigte ihn zur Fresco-Malerei hin. Er suchte sich deßhalb an Maulbertsch [siehe diesen S. 136 dieses Bandes] für Kost und Wohnung, und unter der Bedingung, außer seinen Arbeitsstunden die Akademie besuchen zu dürfen, auf einige Jahre zu verdingen. Sein Wunsch wurde nicht erfüllt und Maurer blieb bei seiner bisherigen Malerei. Um zu leben, fing er an, Porträte zu malen, malte anfangs unentgeltlich, nur um Uebung zu erlangen, erwarb aber bald damit so viel, daß er sein Studium in der Akademie nicht aufzugeben brauchte. M. wurde nun mit dem Professor Schletterer bekannt und von diesem dem Maler Kapuziner Pater Norbert Baumgartner empfohlen. Der Pater nahm den Bildung und Brot suchenden Schüler mit Vergnügen auf, und bestimmte ihm einen Wochenlohn von drei Gulden für die ihm zu leistenden Arbeiten. Norbert hatte Gelegenheit, den jungen Maurer bei großen mit Oel zu malenden Bildern anzustellen, denn er stand mit Georg Klimo [Bd. XII, S. 99], dem damaligen Bischof von Fünfkirchen, in Verbindung, so daß dieser alle zum Malen nöthigen Materialien kaufte, Norbert aber seinen Pinsel unentgeltlich lieh, um mehrere Kirchen in Ungarn mit Gemälden zu zieren. Der Bischof, der überhaupt alle Auslagen für diese Arbeit bestritt, nahm auch M.’s Wochenlohn auf sich. Pater Norbert entwarf also die Compositionen, skizzirte im Kleinen, und M. führte im Großen aus. Hierbei kam dem Meister M.’s praktische Fertigkeit, richtige Zeichnung und vorzüglich der Umstand zu Statten. daß M. nebenher immer in der Akademie mit Eifer nach den Antiken und dem Modelle der Natur zeichnete, und das Erlernte bei Norbert’s Gemälden anwendete. An den Gemälden also, die aus Norbert’s Atelier kamen, hatte Maurer den [144] größten Antheil. Die Morgenstunden brachte M. in der Akademie zu. Dort wurden ihm bald eine silberne und zwei goldene Medaillen als Preis für den besten gezeichneten Kopf, für die beste Draperie und die gelungenste Gruppe nach der Natur zuerkannt. Seine inzwischen erlangte Fertigkeit im Praktischen der Malerei beweisen ein von ihm allein und auf eigene Rechnung gemaltes, 16 Schuh hohes, über 8 Schuh breites Altarblatt (der sterbende Joseph), welches nach Ungarn kam, und ein Johannes von Nepomuk, für die Capelle an der Lerchenfelder-Linie in Wien. Ein drittes Altarblatt, einen Heiligen aus dem Cajetanerorden, malte er fast gleichzeitig für die Cajetanerkirche in Wien, dasselbe kam in der Folge in den Besitz des Fürsten von Liechtenstein. Um aber leben zu können, mußte er zum Bildnißmalen seine Zuflucht nehmen. Hierin war er aber nun glücklicher, als das erste Mal. Er erhielt von Baron Sperges, dem damaligen Präses der Akademie der bildenden Künste, Bestellung auf drei lebensgroße Porträte, des Kaisers Franz I., Joseph II. und der Kaiserin Maria Theresia, welche nach Mantua bestimmt waren. Die Gemälde erhielten den Beifall des Fürsten Kaunitz und bestimmten diesen, eine Bestellung auf sein eigenes Porträt in Lebensgröße im Toisonkleide zu machen. Diese vortrefflich gelungene Arbeit wurde von dem Fürsten der Kaiserin gezeigt, und Maurer als würdig erkannt, sein Talent als Pensionär in Rom noch mehr zu bilden. M. stand schon in einem Alter, das die Kunst mit männlichem Auge an schaut, mit Ernst das Studium derselben treibt und von dem Schwierigen des Mechanischen wenig mehr beirrt wird. Er hatte 34 Jahre zurückgelegt, als er nach Rom eilte. Im Jahre 1772 langte er dort an und kam unter die Aufsicht Maron’s [s. diesen Band, S. 5], des damaligen Directors der deutschen Künstler. Dieser führte ihn zuerst im Vatican ein, und wies ihn dort an die großen Muster Raphael’s und in der Sixtinischen Capelle an Angelo. M. fing damit an, einige Köpfe und ganze drapirte Figuren nach Raphael, theils mit Crayons, theils mit Oelfarben zu copiren. Je mehr Bilder von Raphael aber und je öfter er sie betrachtete, desto bestimmter entstand in ihm das Gefühl, daß Raphaelen mechanisch nachmalen, noch nicht Raphael studiren heiße, daß man wohl Conturen und Tinten richtig nachahmen, und doch sich noch nicht Rechenschaft über Ursache und Wirkung geben, doch noch nicht aus dem Gesehenen Grundsätze abziehen könne, welche den großen Meister bestimmten, es so und nicht anders zu machen, und welche der hohen Kunst ewig zum Grunde liegen. Dieß machte M. beinahe muthlos und senkte ihn auf längere Zeit in eine tiefe Melancholie, aus der ihn erst Cristoph Unterberger’s Bekanntschaft wieder weckte. In diesen drang er, ihn bei Bottoni und Mengs einzuführen. Unterberger leistete ihm diesen Dienst, und Maurer’s bis dahin in Rom gemalte Copien erwarben ihm bald die Freundschaft der beiden Letzteren. Nun ward vorzüglich Mengs sein Vorbild. Durch ihn lernte er den seltenen Stufengang kennen, auf welchem sich Raphael nach den Grundsätzen seiner Führer Perugino, Masaccio, Leonardo, Buonarotti, Bartholomäus von St. Marco, einen jeden derselben verbessernd und übertreffend, bis zur Vollkommenheit emporgeschwungen hatte. Angelo’s kühner Pinsel gab Maurer’n [145] eine ganz besondere Tüchtigkeit in Behandlung des Nackten. An den Werken des Hannibal Carracci im Palaste Farnese lernte er wieder kennen, was die Kunst ist, wenn sie im Vereine mit der Wissenschaft fortschreitet, und was sie vermissen läßt, wenn sie diese von ihrem Geleite ausschließt. M.’s vorzügliche Studien, die er während seines vierjährigen Aufenthaltes in Rom machte, erstreckten sich demnach auch auf keine große Anzahl Meister, dagegen hatte er aber diese, weil er sie studirte, während dieser Zeit auch ganz inne. Außer nach Antiken, studirte er Raphael, Buonarotti, Carracci und Guido Reni. Von Letzterem führte er eine Copie der heil. Magdalena, groß, in Oel aus, welche er auch nach Wien brachte und die in den Besitz des Arztes Reinlein kam. Gegen das Ende seines Aufenthaltes in Rom erhielt er den Auftrag, eine eigene Composition nach Homer in Oel auszuführen. Er wählte zum Vorwurfe Ulysses, wie er die Circe zwingt, seinen Gefährten ihre vorige Gestalt wieder zu geben. Dieses Gemälde wurde dem Fürsten Kaunitz nach Wien geschickt und kam in dessen Gallerie. Bald nach Absendung dieses Stückes wurde er nach Wien zurück berufen. Mit einem Schatze von Handzeichnungen, welche nun in der akademischen Schule sich befinden, kam er im Jahre 1776 nach Wien. Bei einer Vergleichung derjenigen Gemälde, welche Maurer vor seinem Aufenthalte in Rom machte, mit denen, die er in Rom und später in Wien verfertigte, zeigt sich der Nutzen von seinem Studium in Rom. Nach seiner Zurückkunft aus Rom erhielt M. bald bedeutende Bestellungen, welche seinen Ruhm gründeten. Fürst Kaunitz bestellte bei ihm zuerst zwei lebensgroße Porträte, das der Kaiserin Maria Theresia und des Kaisers Joseph II. Beide Porträte erhielten den Beifall des Hofes und der Kenner, und wurden der Universität zu Pavia geschenkt. Von dieser Zeit an wurde er als ein vorzüglicher Maler im Kirchenstyle überall gesucht. Daß er Kirchenarbeiten jeder andern vorzog, ist größtentheils in seiner frühem Bildung gegründet, die ihn nur an solche Objecte fesselte. Im Jahre 1785 nahm er die ihm zu wiederholten Malen angetragene Professur der historischen Zeichnungsschule in der Akademie der bildenden Künste an, wurde Rath und Mitglied derselben, und wirkte seitdem in diesem ihm angewiesenen Kreise auf das Ersprießlichste. Er bekleidete diese Stelle 32 Jahre, während welcher Zeit er viele historische Bilder und vorzüglich schöne Altarblätter malte. Bereits !m hohen Alter stehend, erhielt er von Sr. Majestät dem Kaiser Franz den Auftrag, für die k. k. Gallerie nach seiner eigenen Wahl ein Bild zu verfertigen. Maurer nahm den Gegenstand aus der heiligen Schrift, wie Christus sagt: „Lasset die Kleinen zu mir kommen, ich will sie segnen; wer nicht ist, wie die Kleinen, kann nicht in das Himmelreich eingehen“. Dieses, M.’s letztes Werk, mit dem er den Schluß seiner ruhmvollen Kunstlaufbahn im 77. Jahre seines Alters gemacht hat, befindet sich in der k. k. Belvedere-Gallerie. M. wurde im hohen Alter von schweren Krankheiten heimgesucht, was zur Folge hatte, daß er 1817, in seinem 80. Jahre, einer förmlichen Geistesverwirrung verfiel. In diesem traurigen Zustande seiner gänzlichen Geisteszerrüttung lebte er ein Jahr und vier Monate. Endlich kam der Tag seiner Erlösung! Nach schwerem Todeskampfe starb er den 10. December 1818, [146] im 81. Jahre seines Alters. Sein Leichnam wurde bei St. Karl öffentlich in feierlicher Weise beigesetzt. Im Nachstehenden folgt eine Uebersicht seiner vorzüglichsten Werke, sowohl der Bildnisse, als der historischen und kirchlichen Bilder. Kann dieses Verzeichniß auch nicht Anspruch auf Vollständigkeit machen, so ist es doch das Vollständigste von allen bisher vorhandenen und kein bedeutendes Werk des Künstlers wird darin vermißt werden. Von Maurer’s Bildnissen sind – mit Uebergehung der zahlreichen aus seiner frühesten Periode und der unmittelbar vor seiner Reise nach Rom gemalten – anzuführen: eine Folge von „Basrelief-Porträten österreichischer Helden“, in grauer Manier, für die Wiener-Neustädter Militär-Akademie; – „Kaiser Franz I. Stephan“, – „Maria Theresia“, – „Kaiser Joseph“, alle drei in Lebensgröße, kamen nach Mantua; – „Fürst Kaunitz, im Ornat des goldenen Vliesses“, in Lebensgröße, zweimal; – „Die Kaiserin Maria Theresia“, nach St. Petersburg; – „Kaiserin Maria Theresia“, – „Kaiser Joseph“, in Lebensgröße, beide nach Pavia; – „Pater Norbert Baumgartner“; – „Baron Paccassi“; – „Doctor Reinlein“, – „dessen Gemalin“; – „Madame Weiner“; – „Martin Fischer“, damaliger Director der Akademie der bildenden Künste in Wien; – „Hofrath Greiner“; – „Der bayerische Hofmaler Johann Georg Winter“; – „Prälat Teufel“, kam nach Herzogenburg; – „Graf und Gräfin Festetics“, in Lebensgröße, beide nach Keszthely in Ungarn; – sein „Selbstbildniss“. Maurer’s historische und mythologische Bilder sind: „Venus und Mars mit Amoretten“, Cabinetstück; – „Amor und Psyche“; – „Paris, dem Hector seine Unthätigkeit vorhält, seine Waffen putzend“, für die Wiener-Neustädter Militär-Akademie; – „Ulysses befreit auf der Insel Cypern seine Gefährten aus Circe’s Händen“, befand sich seiner Zeit im Raathssaale der kais. Akademie der bildenden Künste; – „Judith, mit dem Kopfe des Holofernes, von ihrer Begleiterin gefolgt, aus dem Zelte tretend“. Altarblätter und Heiligenbilder: „Die Kreuzabnahme Christi“, auf dem Chore der Capucinerkirche in Wien hinter dem Hochaltare, die Köpfe der Mutter Gottes und der Magdalena sind von Peter Norbert Baumgartner gemalt; – „Eine Seligsprechung“, im Refectorium des Wiener Kapuzinerklosters; – „Der H. Norbert“, die genannten drei Bilder stammen aus der Zeit von Maurer’s Aufenthalt in Wien vor seiner Reise nach Rom, als er bei Pater Norbert malte; – „Johann Nepomuk“, für die an der Lerchenfelder Linie befindliche Capelle; – „Der sterbende h. Joseph“, von Christus, Maria und drei Engeln umgeben, 16 Schuh hoch, 8 Schuh breit, für eine Kirche in Ungarn; – „Der H. Cajetan“, Altarblatt; – „Erzengel Michael, die abtrünnigen Engel aus dem Himmel stürzend“, 12 Schuh hoch, 6 Schuh breit; – „Thomas, von vier Aposteln umgeben, legt seine Hände in die Wundmale Christi“, Seitenaltarblatt, im Auftrage des Herrn von Trattnern; – „Maria, das Jesukind stehend auf ihrem Schosse haltend, unter einem Thronhimmel“, 9 Schuh hoch, 5 Schuh breit; – „Die unbefleckte Maria, von drei grossen und mehreren kleinen Engeln umgeben“, Altarblatt, 121/2 Schuh hoch, 6 Schuh breit, in Ungarn; – „Mariä Heimsuchung“, Gruppe von vier großen Figuren mit fünf in den Wolken schwebenden Engeln, 13 Schuh hoch, 8 Schuh breit, zu Stockerau in Niederösterreich; – „Mariä Himmelfahrt“, unterhalb stehen voll Verwunderung die zwölf Apostel, Altarblatt, [147] 16 Schuh hoch, 9 Schuh breit, in Ungarn; – „Die heilige Dreifaltigkeit“, von sieben Engeln umgeben, Altarblatt zu Kalocsa in Ungarn; – „Johann Nepomuk“, auf den Knieen betend, mit drei in den Wolken schwebenden Engeln. Altarblatt, 17 Schuh hoch, 9 Schuh breit; – „Der H. Bruno“, knieend, ganze Figur in Lebensgröße; – „Mariä Heimsuchung“, mit einem großen und fünf kleineren Engeln in den Wolken, 16 Schuh hoch, 9 Schuh breit, Hochaltarblatt zu Zwittau in Böhmen; – „Christi Himmelfahrt“, unten stehen die zwölf Apostel, in deren Mitte zwei weißgekleidete Engel erscheinen, ihnen andeutend, daß sie in die Welt gehen und das Wort des Herrn predigen sollen, Altarblatt, 12 Schuh hoch, 7 Schuh breit, in Ungarn; – „Der H. Aegydius“, Altarblatt, 8 Schuh hoch, 5 Schuh breit, in Arbesbach; – „Christus am Kreuze und die das Kreuz umfassende Magdalena“, für die fürstlich Liechtenstein’sche Gruft zu Wranau in Mähren; – „Christi Auferstehung“, mit der Gruppe der vier erschreckten Grabeswächter, Altarblatt; – „Die knieende Maria legt das Kind Jesu in die Krippe“, Cabinetstück; – „Philipp und Jacob“, über ihnen drei in der Glorie schwebende Engel, Altarblatt, 11 Schuh hoch, 6 Schuh breit; – „Die H. Theresia“, von zwei Engeln unterstützt, neben ihr die Apostel Peter und Paul, in der Höhe der h. Johannes mit drei Engeln, im Auftrage des Cardinals Migazzi für die Kirche zu Neudorf nächst Wien; – „Papst Leo mit drei griechischen Bischöfen“, die über die Geheimnisse der Religion schreiben, wie das vorige in Migazzi’s Auftrage für die Kirche zu Neudorf, 11 Schuh hoch, 5 Schuh breit; – „Der Abschied der Apostel Peter und Paul“, die beiden Apostel werden von einer Gruppe von zehn Figuren umstanden, im Hintergrunde sieht man das Kreuz Christi aufrichten, in der Glorie schwebt ein großer verwundeter Engel mit Lorberkrone und dem Oelzweige in den Händen, von mehreren kleineren umgeben, Altarblatt, 12 Schuh hoch, 6 Schuh breit, im Auftrage des Bischofs von Kolocsa in Ungarn; denselben Gegenstand hat M. noch dreimal wiederholt, noch einmal für den Kolocsaer Bischof und dann für zwei Kirchen in Ungarn (für die eine in Torna); – „Der H. Aloisius“, auf den Knieen betend, lebensgroß, im Privatbesitze; – „Die heil. Dreifaltigkeit“, Christus steht in den Wolken, zu seinen Füßen kniet ein großer Cherub, in der Glorie mehrere kleinere Engel, Altarblatt, 12 Schuh hoch, 61/2 Schuh breit; – „Der H. Stephan, der erste christliche König Ungarns“, vor der h. Jungfrau, die mit dem Jesukinde als Ungarns Schutzpatronin in den Wolken schwebt, kniet der König und reicht der Heiligen Krone und Scepter, lebensgroße Figuren, für eine Kirche in Ungarn; – „Zwei Madonnenbilder“, beide verschieden und auf Holz, im Auftrage des Grafen Festetics; – „Der H. Franciscus Xaver im Tode“, Gruppe von vier Figuren, Altarblatt, 7 Schuh hoch, 5 Schuh breit; – „Die H. Katharina“, hoch auf den Wolken knieend und von mehreren Cherubinen umgeben, Altarblatt; – „Die Steinigung des heiligen Stephanus, ersten Blutzeugen Christi“, Altarblatt, mit etwa zwanzig überlebensgroßen Figuren, in der Kirche zu Papa, das schöne Bild hat, da es schlecht aufgehängt und zu fest an die Wand angelegt wurde, wodurch jede Luftspielung fehlte und die Wirkungen der feuchten Wand leider sich bald bemerkbar machten, sehr gelitten; – „Der heilige Nikolaus“, mit mehreren großen Engeln, Altarblatt, in Ungarn; Sattler, Maurer’s Biograph, [148] bemerkt hinsichtlich dieses Bildes, daß es von Engländern, die es gesehen, für ein Werk Raphael’s gehalten worden; – „Der heilige Apostel Petrus wird durch einen Engel aus dem Kerker befreit“, daneben die zwei schlafenden Wächter, Altarblatt, 14 Schuh hoch, 8 Schuh breit, für die Kirche zu Kalksburg, im Austrage des Herrn von Mack, hat aus gleichen Ursachen, wie das vorige, durch Feuchtigkeit stark gelitten; – „Eine betende Maria“, Bruststück; – „Die heilige Mutter Anna“, gleichfalls Bruststück und wie das vorige im Auftrage des Herrn v. Mack, haben beide gleichfalls schon sehr gelitten; – „Gott Vater, in den Wolken schwebend“, in der Stiftskirche auf der Laimgrube in Wien; – „Die heilige Katharina als Braut Christi“, Seitenaltarblatt in der kaiserl. Hofcapelle, 9 Schuh hoch, 5 Schuh breit; – „Maria immaculata“, ganze Figur, im Auftrage des Kaisers Franz für eine Kirche in Kärnthen; – „Maria Hilf“, für den Betschemel der Kaiserin Maria Ludovica; – „Lasset die Kleinen zu mir kommen“, großes Bild, Gruppe von 23 Figuren, im Auftrage des Kaisers Franz für die Belvedere-Gallerie; – „Christus am Oelberge“, im Hintergrunde der schlafende Petrus; ganze Figur, auf Holz, Cabinetstück, im Jahre 1796 gemalt; – „Die heilige Familie“, Maria sitzend, das Jesukind auf dem Schoße, Joseph daneben stehend, dem Jesukinde Früchte vorhaltend, zwei große und ein kleiner Engel umstehen die Gruppe, in den Wolken, von drei schönen Engeln umgeben, Gott Vater, die heilige Familie segnend, Altarblatt, 91/2 Schuh hoch, 6 Schuh 4 Zoll breit, 1808 gemalt; – „Jesus, Maria, Joseph und Johannes“, Cabinetstück, 5 Schuh hoch, 3 Schuh breit, unvollendet, des Künstlers letztes Werk; – „Maria, auf Wolken thronend“, das Jesukind auf ihrem Schoße stehend, von den neun Chören der Engel umgeben; ober Mariens Haupte halten zwei große Engel die Himmelskrone, zierlich ausgeführte Skizze, nach welcher das Hochaltarblatt der Jesuiten am Hofe gemacht wurde. Wie schon bemerkt, hat M. außer diesen Bildern noch viele andere, jedoch von kleineren Dimensionen, gemalt. Bei diesem Fleiße müßte man wohl vermuthen, daß M. durch seine Werke sich ein kleines Vermögen gesammelt habe, dem war jedoch nicht so; erstens ließ er sich seine Arbeiten überhaupt schlecht zahlen, und da der größte Theil seiner Bilder unter dem Vorwande, sie seien für arme Kirchen bestimmt, bestellt wurden, so setzte er die ohnehin niedrigen Preise noch niedriger an. Ueberdieß, obgleich verheirathet, besaß er keine Familie, seine Frau Eleonora Arand, eine Schneiderstochter, hatte er noch vor seiner Reise nach Rom, im Jahre 1772, geheirathet. Wie wenig dieser für das Leben doch so wichtige Act, im Uebrigen seine Künstlerseele beschäftigte, dafür spricht die Thatsache, daß er, als die Trauung vorüber war, sich zum Fürsten Kaunitz begab, wo er eben mit einem Bilde beschäftigt war, und Abends in seine Junggesellenwohnung zurückkehrte, indem er völlig vergessen hatte, daß er verheirathet sei. Während seines Aufenthaltes in Rom gab er seine Frau in die Obhut ihrer Eltern; als er aber dann heimgekehrt, lebte er mit ihr eine glückliche fünfunddreißigjährige Ehe. Als Künstler behauptet M. unter Oesterreichs Malern eine ehrenvolle Stelle, als Kirchenmaler hat er Vorzügliches, mitunter Großes geleistet. Seine Gestalten auf den Altarblättern tragen sämmtlich den Ausdruck der Duldung, Sanftmuth, Holdseligkeit und Anmuth an sich. Seine Madonnen- und Christus-Figuren sind [149] mitunter reizend und erhebend zugleich, und wenn man ihn einen Moralisten in der Malerei nannte, so hatte man um so mehr Recht dazu, da sich in seinen Gemälden sein Charakter ausdrückte, dessen Grundzüge Frömmigkeit, Sanftmuth, Leutseligkeit und fesselnde Schlichtheit waren.

Sattler (Johann Michael), Lebensgeschichte des Hubert Maurer, weiland k. k. akad. Rathes u. s. w., nach mündlichen Erzählungen[WS 1], Original-Aufsätzen und Anmerkungen; nebst dem Verzeichnisse seiner Bilder, seinem Porträte und Ansicht seines Geburtshauses auf dem Lande (Wien 1819, Schrämbl, 8°.). – Füßli (H. R.), Annalen der bildenden Künste für die österreichischen Staaten (Wien 1801, Schaumburg, 8°.) I. Theil, S. 131–142: Maurer; ebenda, II. Theil, S. 134–138. – Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1830, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. III, S. 188–204. – Honmüvesz (ungarisches Journal) 1836, Nr. 52: „Biographie Maurer’s“ von Novák. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, Strauß, 4°.) Jahrg. 1808, S. 11; Jahrg. 1810, S. 311 u. 323. – Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jahrg. 1819, Nr. 2 u. 3: Nekrolog. – Annalen der Literatur und Kunst in dem österreichischen Kaiserstaate (Wien, 4°.) Jahrg. 1804, Intelligenzblatt Nr. 20, Sp. 155, u. Nr. 21, Sp. 164. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) II. Jahrg. (1843), S. 24. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. VIII, S. 475. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, v. Trattnern, 8°.) I. Bds. 2. Stück, S. 333. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortges. von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1856, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 50. – Raczynski, Geschichte der neueren Kunst, Bd. II, S. 603. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 596. – Porträte. 1) Unterschrift: H. Hubert Maurer. Medaillonformat. Am unteren Rande des Medaillons: J. M. Sattler pinx. (8°.) [auch bei Sattler’s Lebensgeschichte Maurer’s]; – 2) J. Merz del., J. Billwiller sc. (4°., Radirung). – Ansicht seines Geburtshauses. Lithographie, ohne Unterschrift. Janscha pinx., Schindler del. (4°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Erzählunlungen.