BLKÖ:Mensdorff-Pouilly, Emanuel Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Mensi, Franz
Band: 17 (1867), ab Seite: 368. (Quelle)
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Mensdorff-Pouilly, Emanuel Graf (k. k. General der Cavallerie und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Nancy 24. Jänner 1777, gest. 28. Juni 1852). Entstammt einem alten lothringischen Geschlechte, über welches S. 365 in den Quellen Näheres mitgetheilt wird. Graf Emanuel ist ein Sohn des Albert Ludwig Baron von Pouilly, Grafen von Roussy im Großherzogthum Luxemburg (gest. zu London 14. November 1800) aus dessen Ehe mit Philippine Antoinette, Tochter des Marquis von Custine. Als sein Vater mit den königlich französischen Prinzen emigrirt war und sie im Jahre 1792 als Bevollmächtigter im preußischen Hauptquartiere vertrat, begleitete ihn Emanuel, damals 15 Jahre alt, in dasselbe, und kam bei Valmy zuerst in’s Feuer. Am 1. Juli 1793 trat er in kaiserliche Dienste, und zwar als Cadet in das Chevauxlegers-Regiment Kinsky, von welcher Zeit er den Namen Mensdorff nach einer zur Grafschaft Roussy gehörigen Ortschaft annahm. Er nahm nun an allen bedeutenden Ereignissen in den Niederlanden Theil, und zeichnete sich bei Avesnes le sec aus, wo er mit einem Korporal des Regiments den Obersten der Hussards de la mort vom Pferde hieb. Im Feldzuge des folgenden Jahres kämpfte er bereits als Unterlieutenant. Im Jahre 1795 kam das Regiment, in welchem Mensdorff sich befand, zur Belagerung von Mannheim und ging nach dem Falle dieses Platzes auf das andere Rheinufer; daselbst nahm er unter seinem Rittmeister, dem Grafen Bubna, an dem Streifzuge Theil, auf welchem bei Landau der französische General Meyer gefangen wurde. Als im Jahre 1796 Moreau den Rhein überschritt, kam das Regiment zur Armee des Erzherzogs Karl und nahm an dem rühmlichen Treffen bei Malsch Theil. Bei dem Rückzuge von Kannstadt erhielt Mensdorff, der mit seiner Abtheilung die Nachhut bildete, eine leichte Schußwunde in’s rechte Bein. In den folgenden Gefechten zeichnete er sich öfter aus. So schnitt er zwischen Nürnberg und Erlangen einen bedeutenden Transport feindlicher Wagen und eine Anzahl Gefangener ab; befehligte in der Schlacht bei Würzburg in Abwesenheit der älteren Officiere die Schwadron, und eröffnete als Commandant der Avantgarde das Cavallerie-Gefecht, bei welcher Gelegenheit er durch eine kühne Flankenbewegung den Angriff der Cavallerie-Brigade Liechtenstein entschieden hatte. Im Jahre 1799 rückte er mit der Division Rosenberg in die [369] Schweiz ein. Im Gefechte bei Frauenfeld, in welchem sich das Regiment Kinsky so ausgezeichnet hatte, wurde er in der rechten Hand schwer verwundet, in Folge dessen für einige Zeit dienstunfähig und auf Lebenszeit genöthigt, Degen und Feder mit der linken Hand zu führen. Im Jahre 1805 stand sein Regiment – damals Klenau – im Jellačić’schen Corps. M. war bereits Schwadronscommandant. Insbesondere sein energisches Auftreten bestimmte die Obersten Grafen Kinsky und Wartensleben mit den Regimentern Klenau-Chevauxlegers und Blankenstein-Huszaren durch einen kühnen Nachtmarsch sich der bereits abgeschlossenen Capitulation von Bregenz zu entziehen, wodurch sie der Gefangenschaft entgingen. Durch seine geschickte Führung als Avantgarde-Commandant gelangte das Regiment, ungeachtet es im Rücken des Feindes sich zu halten genöthigt war, glücklich nach Böhmen. Im Jahre 1806 befand sich M., der sich bereits im Jahre 1806 mit Sophie Prinzessin von Sachsen-Coburg vermält hatte, auf Urlaub zu Saalfeld, am Hofe seines Schwiegervaters des Herzogs Franz von Sachsen-Coburg. Es war eben damals, als Prinz Louis von Preußen in dem unglücklichen Gefechte daselbst den Tod fand. Mensdorff’s ebenso umsichtiges als entschlossenes Benehmen schützte den Hof seines Schwiegervaters gegen den brutalen Uebermuth des Siegers, auch war es ihm gelungen, die Leiche des gefallenen Prinzen für die königlichen Anverwandten zu erhalten. Im Jahre 1808 wurde Mensdorff zum Major bei Merveldt-Uhlanen befördert. Im folgenden Jahre rückte er mit der Avantgarde des Kolowrat’schen Armeecorps in Bayern ein. Bei Amberg am 12. Und 13. August zeichnete er sich durch seine Bravour besonders aus. Am 12. hatte er von dem General-Major Crenneville den Befehl erhalten, mit einer Schwadron und mit einer Compagnie vom 8. Jäger-Bataillon von Schwarzenfeld aus gegen Amberg vorzugehen, um die Stellung des Feindes, der daselbst in großer Stärke vermuthet wurde, zu erforschen und zu beobachten. Als er Amberg erreichte, stieß er in der That auf den Feind, vertrieb ihn aber aus der Stadt und nahm in derselben Stellung. Aber schon am folgenden Tage, Früh 7 Uhr, rückte das ganze französische erste Chasseur-Regiment, von 500 Mann Jägern unterstützt, gegen Amberg an und begann den Angriff. Mensdorff, von der Wichtigkeit, welche der Besitz Ambergs für die Unseren hatte, überzeugt, stellte sich nicht nur sofort dem Kampfe entgegen, sondern ging alsbald aus der bloßen Vertheidigung zum Angriff über, und führte die erste Attaque mit solchem Erfolge aus, daß der Feind so viel von seinen Leuten verlor, als die ganze Abtheilung Mensdorff’s betrug. Als die Franzosen einen erneuerten Versuch, sich Ambergs zu bemächtigen, unternahmen, erlitten sie eine neue Niederlage, wurden von Mensdorff ganz zurückgeworfen und an zwei Stunden weit verfolgt. Mensdorff hielt die Stadt, bis das erste Armeecorps herangerückt war. Diese Bravour verdient um so höhere Würdigung, als Mensdorff, obgleich durch einen Schuß in die linke Schulter verwundet, dennoch den Kampfplatz nicht verließ, und eben durch seine Gegenwart zumeist zu dem glücklichen Ausgange des Gefechtes beigetragen hatte. Für seine Waffenthat bei Amberg wurde M. durch Capitelschluß vom Jahre 1810 mit dem Ritterkreuze des [370] Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Noch war die bei Amberg erhaltene Wunde nicht verheilt, als er deßungeachtet am Kampfe bei Regensburg theilnahm, in welchem er vier Säbelhiebe erhielt, deren einer ihm die rechte Wange spaltete. Auch hier, obgleich verwundet, verließ er den Kampfplatz nicht, bis er seine sämmtlichen Truppen durch Regensburg nach Stadt am Hof geführt hatte. Kaum von seinen Wunden hergestellt, war er wieder als Vorpostencommandant an der böhmischen Grenze zwischen Fraustadt und Kaplitz thätig. Die ihm übertragene Organisation der sogenannten fränkischen Legion wurde von ihm bereits begonnen, als wegen des bald darauf erfolgten Friedensschlusses die Legion überflüssig und ihre Auflösung beschlossen wurde. In der Zwischenzeit war M. zum Oberstlieutenant bei Erzherzog Karl-Uhlanen, und schon im August 1810 zum Obersten und Commandanten des Regiments befördert worden. Die politischen Verhältnisse des Jahres 1812 – nämlich die Allianz Oesterreichs mit Frankreich – nöthigten M., aus den Reihen des kaiserlichen Heeres zu treten, wobei ihm jedoch von Sr. Majestät dem Kaiser Franz sein Rang vorbehalten blieb. Sobald aber Oesterreich wieder die Waffen gegen Frankreich ergriff, eilte Mensdorff unverweilt in das Hauptquartier nach Lieben bei Prag, sich sofort dem Feldherrn zur Verfügung stellend. Er wurde auch unverweilt seinem früheren Regimente eingetheilt und ihm das Commando eines Streifcorps übergeben. Nun folgen nach der Reihe mehrere glänzende Waffenthaten, so bei Rötha, wo er in einem Gefechte dem Feinde einen Verlust von 80 Mann beibrachte; ein Ueberfall bei Wurzen, bei welchem er eine bedeutende Anzahl Gefangener machte und sehr wichtige Correspondenzen erbeutete. Früher schon, bei Culm, wäre es ihm gelungen, die gefangene Division Mesko zu befreien, wenn nicht der unglückliche Irrthum eines Officiers den ganzen Plan vereitelt hätte. Als nach dem Ueberfalle bei Wurzen Mensdorff Befehl erhielt, zum Corps des preußischen General-Lieutenants Thieleman zu stoßen, befreite er über 500 gefangene Preußen; im bald darauffolgenden Treffen bei Altenburg machte sein Detachement allein gegen 500 Gefangene und nahm mehrere Geschütze, für dieses Gefecht erhielt er von dem Kaiser von Rußland den Wladimir-Orden. Bei Leipzig führte der Graf die Vorposten des Gyulay’schen Corps und der Division Moritz Liechtenstein, er nahm damals den Franzosen 7 bespannte Munitionskarren ab und machte 200 Mann Gefangene. Darauf übertrug ihm Feldzeugmeister Graf Gyulay die Besetzung des Uebergangspunctes bei Kösen über die Saale. Nun aber wurde er über sein Ansuchen von dem Feldmarschall Fürsten Schwarzenberg ganz unabhängig gestellt und seinen unmittelbaren Befehlen untergeordnet[WS 1]. Da überfiel M. bei Geissa am 25. October plötzlich den Feind, eroberte bei dieser Gelegenheit 4 Geschütze nebst zahlreichen Kriegsvorräthen, und machte 17 Officiere, 200 Mann zu Gefangenen und außerdem 200 Pferde Beute. In der Schlacht bei Hanau, in welcher er den äußersten linken Flügel der Alliirten bildete, half er gegen Abend zur Rettung mehrerer versprengter österreichischer Abtheilungen, welche er nach Frankfurt brachte. Während des Waffenstillstandes kam M. als Chef des Generalstabes zum 5. deutschen Armeecorps, es war dieß auf Wunsch seines Schwagers, des regierenden Herzogs von Sachsen-Coburg geschehen, welcher [371] dieses Corps befehligte. M. leitete nun die Blockade von Mainz und die Unterhandlungen wegen der Uebergabe, worauf er auch die Capitulation dieser Festung unterzeichnete. Von Mainz begab sich M. nach Paris, wo er am 15. Mai 1815 zum General-Major außer der Tour ernannt wurde. Im nämlichen Jahre fungirte er wieder als Chef des Generalstabes des 5. Armeecorps, das ohne am Feldzuge Theil zu nehmen, nun die Cantonnements im Elsaß bezog. Nach dem Friedensschlusse erhielt M. eine Cavallerie-Brigade in Böhmen, wo er bis zu seiner im Jahre 1824 erfolgten Ernennung zum Festungscommandanten, in Mainz verblieb. Im folgenden Jahre wurde er zweiter Inhaber des 1. Huszaren-Regiments Kaiser Franz, im Jahre 1829 außer seinem Range Feldmarschall-Lieutenant und Vice-Gouverneur der Festung Mainz, auf welchem Posten ihm sein kluges, energisches, aber ebenso humanes Verhalten die Zuneigung der Besatzung und Bevölkerung gewonnen hatte. Er wurde nun zum commandirenden General in Böhmen ernannt, auf welchem Posten er bis zum Jahre 1840 verblieb, worauf er als zweiter Hofkriegsraths-Präsident nach Wien berufen wurde. Im Jahre 1843 beging M. sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum in der kaiserlichen Armee, und erhielt bei dieser Gelegenheit von Sr. Majestät dem Kaiser Ferdinand eigenhändig das Großkreuz des Leopold-Ordens. Im Jahre 1845 erfolgte seine Ernennung zum General der Cavallerie und im Jahre 1846 ging er als deutscher Bundes-Commissär nach Schlesien. Im ereignißreichen Jahre 1848 legte der bereits 71jährige Krieger seine Stelle nieder und bat um Versetzung in den Ruhestand. Später erhielt er Befehl, als kaiserlicher Commissär nach Prag zu reisen und daselbst die Ruhe herzustellen; im verhängnißvollen Spätjahre, als Fürst Windisch-Grätz bereits den Oberbefehl übernommen hatte, stellte sich der greise General, ohne Rücksicht auf frühere Rangverhältnisse, dem Feldmarschall zur Verfügung. Ein hartnäckiges Gichtleiden aber fesselte ihn für mehrere Monate an das Krankenlager. Von dieser Zeit an beständig leidend, endete er im Jahre 1852, im Alter von 75 Jahren, sein thatenreiches Leben. Der Graf war, wie schon erwähnt, mit Sophie geb. Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld (gest. 8. Juli 1835) vermält, und entsprangen aus dieser Ehe vier Söhne, von denen drei, die Grafen Alphons [s. d. S. 366, Nr. 4], Alexander [s. d. S. 360], und Arthur [s. d. S. 366, Nr. 5], den Vater überlebten, der älteste aber, Graf Hugo, bereits Oberst bei Mengen-Kürassieren, schon im Jahre 1845 gestorben war. [Vergleiche übrigens die Stammtafel.]

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. Fr. Voigt, kl. 8°.) XXX. Jahrg. (1852), S. 428. – Hirtenfeld (J. Dr.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 906 u. 1746. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XXI, S. 237; Suppl. Bd. IV, S. 619, Nr. 1. – Oesterreichischer Soldatenfreund. Zeitschrift für militärische Interessen. Herausg. von J. Hirtenfeld und Dr. H. Meynert (Wien, gr. 4°.) III. Jahrg. (1850), Nr. 54, Beilage; V. Jahrg. (1852), S. 328 u. 445. – Allgemeine Theater-Zeitung, redig. von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 45. Jahrgang (1852), Nr. 149, S. 599. Ergänzungsblätter zu jedem Conversations-Lexikon. Von Fr. Steger (Leipzig und und Meißen, Lex. 8°.) Bd. VIII, S. 526. – Blätter aus Krain (Unterhaltungsblatt, 4°.) Jahrg. 1864, Nr. 3, S. 12: „Der Erste überm Rhein“. – Porträt. Dasselbe im [372] Holzschnitt in der „Illustrirten Zeitung“ (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) Bd. V (1845), S. 248.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: unterordnet.