BLKÖ:Pabst, Heinrich Wilhelm

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pabliczek, Joseph
Band: 21 (1870), ab Seite: 154. (Quelle)
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Pabst, Heinrich Wilhelm (rationeller Landwirth, geb. zu Maar bei Lauterbach im Großherzogthum Hessen im Jahre 1798, gest. zu Hütteldorf bei Wien 10. Juli 1868). Er widmete sich frühzeitig der Landwirthschaft auf den gräflich Riedel’schen Gütern, wurde auf ihnen Verwalter und machte Reisen durch Deutschland und Belgien. Mit seinem Werke über die Verbesserung der Landwirthschaft im Großherzogthum Hessen, welches im Jahre 1823 erschien, begründete er seinen Ruf im engeren Vaterlande. Einem Rufe als Professor an das Institut Hohenheim folgend, wirkte er dort in Gemeinschaft mit Joh. Nep. Ritter von Schwarz, dessen Schriften er auch später herausgab. Im Jahre 1824 ernannte König Wilhelm den erst 26jährigen P. zum Oekonomierath und Leiter der Ackerbauschule. Indessen waren seine Schriften über Rindvieh- und Schafzucht erschienen. Im Jahre 1831 berief ihn sein eigenes Vaterland Hessen zurück, damit er als Oekonomierath die Leitung der landwirthschaftlichen Angelegenheiten im Lande übernehme. Auf diesem Posten wirkte er praktisch und theoretisch durch seine trefflichen Schriften mehrere Jahre in verdienstlichster Weise und gründete zu Darmstadt eine höhere landwirthschaftliche Lehranstalt. Im Jahre 1839 berief ihn die preußische Regierung als Nachfolger Schulze’s zur Direction der landwirthschaftlichen Akademie Eldena bei Greifswald, aus welcher Stellung er als geheimer Finanzrath und Referent für Landescultur-Angelegenheiten in das preußische Ministerium eintrat. Im Jahre 1845 nahm er den ehrenvollen Ruf eines Directors des landwirthschaftlichen Institutes zu Hohenheim in Württemberg an, welchen Posten er im Jahre 1850 aufgab, um einer Berufung nach Oesterreich, und zwar zunächst zur Neubegründung der höheren landwirthschaftlichen Lehranstalt Ungarisch-Altenburg zu folgen. Nach mehrjähriger, im hohen Maße verdienstlicher Wirksamkeit an dieser Anstalt, deren Frequenz sich bald zur höchsten unter ihres Gleichen gehoben hatte, wurde er im Jahre 1860 zum Ministerialrathe und Referenten im Ministerium für Landescultur in Wien ernannt, in welcher Eigenschaft er bis zum Frühjahre 1867 in der verdienstlichsten Weise wirkte. Nun kam er um seine Pensionirung ein und erhielt sie mit ehrenvoller Anerkennung der von ihm geleisteten Dienste, mit vollem Gehalte und gleichzeitiger Verleihung des Ordens der eisernen Krone 3. Classe. Nicht lange sollte ihm die erbetene und verdiente Ruhe gegönnt sein, schon im folgenden Jahre starb P. nach längerem Leiden im Alter von 70 Jahren. Seine schriftstellerische Thätigkeit umfaßt folgende Schriften: „Ueber die Verbesserung der Landwirthschaft, insbesondere im Grossherzogthume Hessen“ (Darmstadt 1823, Leske, 8°.); – „Beiträge zur höheren Schafzucht mit besonderer Rücksicht auf die Production der hochfeinen Wolle im Königreich Württemberg und den angrenzenden Staaten“. Mit 1 Steintafel (Stuttgart 1826, Cotta, gr. 8°.); – „Anleitung zur Rindviehzucht und zur verschiedenartigen Benützung des Hornviehes“. Mit 9 lith. Taf. und 2 Tab. (ebd. 1829, gr. 8°.). Franz Császár hat dieses Werk in’s Ungarische übersetzt, Karl [155] Galgoczy es im Hinblicke auf Ungarn mit Anmerkungen versehen; – „Lehrbuch der Landwirthschaft“. 2 Bände. Sechste Auflage. 1. Band, 1. Abth.: „Pflanzenproductionslehre“; 2. Abthl.: „Allgemeine Grundsätze des Ackerbaues“. 2. Bd. 1. Abth.: „Die landwirthschaftliche Hausthierzucht“; 2. Abth.: „Die landwirthschaftliche Betriebslehre“ (Darmstadt [Wien, Braumüller] 1865, gr. 8°.), die erste Auflage dieses in seiner Art einzigen Buches erschien im Jahre 1829, Gabriel Lonyay hat dieses Werk in’s Ungarische übersetzt; – „Amtlicher Bericht über die Versammlung deutscher Landwirthe zu Dresden im October 1837“ (Dresden und Leipzig 1837, Arnold, gr. Lex. 8°.); – „Bericht über die Versammlung deutscher Landwirthe zu Karlsruhe im September 1838“ (Karlsruhe 1839, Groos, gr. Lex. 8°., mit einer Tabelle), in Gemeinschaft mit Dr. Vogelmann; – „Anleitung zum Kartoffelbau mit Rücksicht auf die im Herbste 1841 zum Vorschein gekommene Kartoffelkrankheit und ihre Folgen“ (Stuttgart 1846, Metzler, 8°.); – „Anleitung zur besseren Cultur und Bereitung des Flachses“ (Stuttgart 1848, Metzler, mit 5 eingedr. Holzschn., 8°.); – „Landwirthschaftliche Erfahrungen von Hohenheim, herausgegeben unter Mitwirkung mehrerer Lehrer und Beamten der Hohenheimer Anstalt“ (Stuttgart 1849, J. G. Cotta, gr. 8°.); – „Anleitung zur Rindviehzucht. Mit 24 Bildern in lithographirten Farbendruck von Benno Adam und vielen in den Text eingeschobenen Holzschnitten“ (Stuttgart 1851, Cotta, Lex. 8°.), die Ausgabe von 1829 ist dieser völlig neuen Bearbeitung zu Grunde gelegt; – „Die landwirthschaftliche Taxationslehre“ (Wien 1853, Braumüller, gr. 8°.). Im Jahre 1832 begründete Pabst die „Zeitschrift für die landwirthschaftlichen Vereine des Großherzogthums Hessen“, von der bis 1840 zehn Jahrgänge erschienen sind und welche in den ersten Jahren er selbst, später Dr. Zeller redigirte. Auch gab er Joh. Nep. von Schwarz’s „Landwirthschaftlichen Nachlaß“ (Stuttgart 1845, Cotta, gr. 8°.) heraus, welcher die Cultur der Handelsgewächse und Verschiedenes über landwirthschaftliche Gegenstände enthält. Noch ist von Pabst anzuführen, daß er der erste Anreger und Mitbegründer der Wanderversammlungen deutscher Land- und Forstwirthe war, ein Verdienst, das der Fachkundige gewiß entsprechend zu würdigen versteht; ferner ist an seine Erfindung eines vorzüglichen Exstirpators, an seine Verbesserungen des flandrischen Pfluges zu erinnern, nicht zu gedenken seiner regen Betheiligung seit einem halben Jahrhunderte an allen gemeinnützigen, die Landwirthschaft betreffenden Unternehmungen und Angelegenheiten. Als er starb, rief ihm ein Fachmann (Dr. Hamm) im Nekrologe die gewichtigen Worte nach, „daß sein Name unter den Landwirthen unvergessen bleiben, er einen Ehrenplatz in der deutschen Landwirthschaftsgeschichte behaupten wird, daß mit ihm der berühmteste der deutschen Landwirthe aus der rationellen Schule, welche Thaër[WS 1] gegründet, zu Grabe getragen wurde“. P. war Mitglied einer großen Zahl von landwirthschaftlichen und dergleichen Gesellschaften; bei Gelegenheit der 25jährigen Jubelfeier der Wanderversammlungen deutscher Land- und Forstwirthe wurde seinen unvergänglichen Verdiensten öffentlich und feierlich Ausdruck gegeben, und im März 1869 in Wien der Aufruf zur Betheiligung an einer Pabst-Stiftung für strebsame, dem landwirthschaftlichen Fache sich widmende junge Männer erlassen.

Augsburger Allgemeine Zeitung 1868, Beilage Nr. 197. – Jahrbuch für österreichische [156] Landwirthe, IX. Jahrg. (1869), S. 516. – Ueber Land und Meer. Illustrirte Zeitung (Stuttgart, Hallberger, kl. Fol.) XXI. Band (1868), S. 67. – Neue freie Presse (Wiener politisches Blatt) 1868, Nr. 1387 [in der „landwirthschaftlichen Zeitung’’] u. Nr. 1390, unter den Tagsneuigkeiten. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilung, Bd. II [daselbst erscheint Pabst an zwei Stellen, einmal unter Pabst mit weichem b, S. 70 (Nr. 2): das andere Mal unter Papst mit hartem p, S. 492 (Nr. 2)]. – Porträte. 1) Weiland del., Meyer lith. (Fol.); – 2) Original-Zeichnung von Fritz Kriehuber. Holzschnitt. Bauer fec. Auf S. 65 in „Ueber Land und Meer“ 1868.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Albrecht Daniel Thaer (Wikipedia).