BLKÖ:Raimund, Ferdinand

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Raimann (Mechaniker)
Nächster>>>
Rainalter, Anton
Band: 24 (1872), ab Seite: 254. (Quelle)
Ferdinand Raimund bei Wikisource
Ferdinand Raimund in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118597914, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Raimund, Ferdinand|24|254|}}

Raimund, Ferdinand (dramatischer Künstler und Dichter, geb. zu Wien 1. Juni 1790, gest. zu Pottenstein nächst Baden bei Wien 5. September 1836). Sein Vater war Drechslermeister und konnte, da er in beschränkten Verhältnissen lebte, dem Sohne nur eine unzureichende Erziehung zu Theil werden lassen. Er schickte ihn auf die Schule zu St. Anna in Wien, wo er, nebst den üblichen Elementargegenständen, auch etwas Zeichnen, Französisch und Violinspielen erlernte. Dann kam er zu einem Zuckerbäcker, Namens Jung, in die Lehre, und da Jung auch das Josephstädter Theater zu besorgen hatte, wurde Raimund als „Nummero“ – so heißen die Leute, welche dem Publicum die Erfrischungen im Theater darreichen – verwendet. Da mag denn auch Raimund’s unbesiegbare Vorliebe für das Theater erwacht und durch den täglichen Besuch der Vorstellungen genährt worden sein. Im Jahre 1805 stand er verwaist im Leben, und damals nahm sich die auch unbemittelte Schwester seiner an. Das Geschäft in der Zuckerbäckerei sagte aber dem strebenden, sich zu Besserem berufen fühlenden Jünglinge immer weniger zu, und eines Tages, als man ihm die Zubereitung von einzusiedenden Nüssen übertragen hatte, vollendete er die Arbeit und legte sie auf ein Papier, worauf er die Worte schrieb: „Diese vierzig Nuß sind meine letzte Buß“, und der Zuckerbäckerladen sah ihn [255] nicht wieder. Dieß geschah zu Anfang des Jahres 1808, Raimund zählte damals 18 Jahre. Sein nächster Weg war nach Meidling, einer in Wiens unmittelbarer Nähe bei dem kaiserlichen Lustschlosse Schönbrunn gelegenen Ortschaft, in welcher seit Jahren wandernde Gesellschaften Comödie spielten. Der damalige Director dieser „Schmiere“ hieß Kralitschek, ihm stellte sich Raimund vor und sprach ihm seinen Wunsch, Schauspieler zu werden, aus. Nur besaß R. in Folge eines organischen Fehlers eine mangelhafte Aussprache, die er freilich später durch eine an Demosthenes erinnernde Beharrlichkeit zu bewältigen verstanden hatte. Als ihn nun Kralitschek eine Scene spielen ließ, fiel der Versuch so wenig zu seinen Gunsten aus, daß er ihn für unfähig erklärte und fortschickte. Durch diesen unglücklichen Ausgang seines ersten Debut ließ sich aber R. nichts weniger als einschüchtern, er begab sich nach Preßburg, wo ihn der Director Kunz sogar auftreten ließ. Raimund wählte die Rolle des Onuphrius im „Politischen Zinngießer“ und – fiel durch. Es war also von einem Engagement keine Rede. Er wanderte nun weiter und erreichte unter Kümmernissen und Entbehrungen aller Art Stein am Anger, wo er glücklicher Weise bei der Hain’schen Gesellschaft aufgenommen wurde. Er spielte dort alle möglichen Rollen, sogar in der Pantomime den Pierot. Während er nun dort den ganzen Jammer seines selbstgewählten Berufes von der häßlichsten Seite kennen lernte, begann sich aber auch bei der vielseitigen und steten Beschäftigung sein Darstellungstalent zu entwickeln, und dieß mochte er denn wohl fühlen, da er, als 1809 die Hain’sche Gesellschaft sich auflöste, dennoch bei der Bühne blieb und wieder nach Oedenburg zurückkehrte, wo noch immer Kunz dirigirte und auf zwei Bühnen, auf jener zu Oedenburg und dann zu Raab abwechselnd Vorstellungen gab. Kunz nahm nun den bereits besser geschulten Raimund in seine Truppe auf, und R. spielte besonders in den Rollen von Intriguants und komischen Alten mit glücklichem Erfolge. Vier volle Jahre wirkte R. bei dieser Truppe, nun wurde er im Jahre 1813 in Wien im Theater in der Josephstadt engagirt und gefiel in seinen ersten Antrittsrollen als Pachter Feldkümmel und Franz Moor, ohne jedoch besonderes Aufsehen zu erregen. Bald aber verstand er sein Talent zur Geltung zu bringen und erwirkte in einigen Possen von Gleich durch seine Komik und die Natürlichkeit seines Spieles die allgemeine Aufmerksamkeit. Namentlich waren es die Rollen des Doctor Kramperl, noch mehr aber jene des liederlichen Geigers Adam Kratzerl in Gleich’s Posse „Die Musikanten am hohen Markt“, in welchen Raimund durch seine ausgezeichnete Darstellung solche Beliebtheit erlangte, daß zu letzterem Stücke nicht weniger denn vier Fortsetzungen geschrieben wurden. Seine Beliebtheit nahm nun so zu, daß er schon im Jahre 1815 die Einladung zu einem Gastspiele im Leopoldstädter Theater erhielt, wo er zum ersten Male als Prinz Schnudi in der gleichnamigen Posse auftrat. Im Jahre 1817 gastirte er im Theater an der Wien als Schneeweiß in den „Modethorheiten“ und trat noch im nämlichen Jahre als ordentliches Mitglied bei dem Leopoldstädter Theater ein. Hier wurde er gleich in der ersten Rolle als Weißvogel in Gleich’s Posse „Weißvogel’s Witwerstand“, einer Nachbildung des alten Lustspiels „Die verstorbene Ehefrau“ von Bretzner, der [256] erklärte Liebling des Publicums. Anfänglich bildete sich eine Art Opposition gegen seine Anerkennung, welche aus den Anhängern und Gönnern des berühmten Komikers Ignaz Schuster bestand. Bald aber kam man zur Einsicht, daß dieser treffliche Darsteller und Raimund recht wohl neben einander bestehen konnten, ohne daß Einer dem Anderen Eintrag machte. Indessen wuchs R. immer mehr und mehr in der Gunst des Publicums, in jeder neuen Rolle, als lustiger Fritz. als Sandelholz in Bäuerle’s „Der verwunschene Prinz“, als Jack in Meisl’s „Damenhüte“ u. m. a., feierte er neue Triumphe, bis er im Jahre 1823 seiner Eigenschaft als darstellender Künstler die neue als dramatischer Dichter hinzufügte, worauf sein Name bald berühmt und mit jedem Jahre, mit jedem Stücke, womit er die Bühne bereicherte, berühmter wurde. Bereits früher hatte sich Raimund in einigen Stücken als Autor versucht, indem er sich selbst Scenen und Couplets, die er geschrieben, einlegte. Der glückliche Erfolg dieser Einlagen bewog auch seine Freunde, ihm zuzureden, selbst ganze Stücke zu schreiben, aber Raimund’s schüchterne, bescheidene Natur war nicht dazu zu bewegen. Ein Zufall mußte dazu kommen, den Genius auf die rechte Bahn zu bringen. Es kam wieder seine Einnahme und es fand sich kein passendes Stück zu diesem Zwecke vor. Er selbst trug sich wohl mit einem Plane, kam aber nie zur Ausführung. So theilte er denn dem Localdichter Meisl die Ideen des „Barometermachers auf der Zauberinsel“ mit. Meisl begann auch mit der Bearbeitung, war aber nicht über einige Scenen des ersten Actes hinausgekommen, als er erklärte, das Stück in dem kurzen Zeitraume, in welchem Raimund es benöthige, nicht liefern zu können. In dieser Noth griff Raimund selbst zur Feder und vollendete in kürzester Frist diese Zauberposse. Sie kam im December 1823 zum ersten Male zur Aufführung [man vergleiche die genaueren Daten unten S. 260, I. Zur Chronologie und Geschichte der Theaterstücke von Ferdinand Raimund] und hatte – obwohl der Autor nicht genannt war, denn erst mehrere Wochen später bekannte sich Raimund zum Vater seines Kindes – einen überaus günstigen Erfolg. Ermuthigt durch denselben, schritt R. zum zweiten Versuche, und wieder im December 1824 brachte er seinen „Diamant des Geisterkönigs“, nach einem Märchen aus „Tausend und einer Nacht“, und der Erfolg war ein noch günstigerer als jener des Barometermachers. Die vereinigten Anstrengungen aber als Dichter und Darsteller halten seine Gesundheit tief erschüttert; er wurde anfänglich trübsinnig, hypochondrisch und endlich so krank, daß man für sein Leben besorgt wurde; aber die Behandlung seines Arztes, des Dr. Lichtenfels, rettete den Dichter, der nun wohl seit dieser Zeit nicht mehr eigentlich krank, aber doch nicht mehr frei war von hypochondrischen Anfällen. Bei seinem Wiederauftreten am 6. November 1825 gab ihm das Publicum den warmen Antheil zu erkennen, den es an dem Dichter und Künstler nahm, und einige seiner Freunde benützten diesen Anlaß, ihn durch Ueberreichung einer Denkmünze, die sie auf ihn hatten prägen lassen, zu ehren. Wiedergenesen, ergriff nun R. von Neuem die Feder, und schon im nächsten Jahre, November 1826, schenkte er der Bühne „Den Bauer als Millionär“, welches Stück wohl den Rundgang durch den Erdball gemacht haben dürfte, denn gewiß [257] wurde es überall, wo je deutsche Schauspieler den Fuß hingesetzt, dargestellt, mehrere der darin vorkommenden Melodien aber sind zu deutschen Volksliedern geworden. Im September 1827 brachte er „Moisasur’s Zauberfluch“, im Theater an der Wien, und schon wenige Monate darnach, im Jänner 1828, die „Gefesselte Phantasie“, im Theater in der Leopoldstadt, zur Aufführung. Nach dem Erfolge, den „Der Bauer als Millionär“ gehabt, ist es leicht erklärt, daß beide Stücke minder gefielen, wenn sie auch gleich allen Arbeiten Raimund’s reich sind an poetischen Schönheiten. Im letztgenannten Jahre wurde Raimund von dem damaligen Pächter des Leopoldstädter Theaters zum technischen Director desselben ernannt, und am 17. April 1828 erscheint sein Name zum ersten Male in dieser Eigenschaft auf dem Anschlagzettel. Ein halbes Jahr später, October 1828, schenkte er dem Publicum seinen „Alpenkönig und den Menschenfeind“, welches Stück von Einigen dem „Bauer als Millionär“ gleich, von Anderen noch höher gestellt wird als dieses, und dessen Erfolg ein über alles Maß enthusiastischer war. Sogar die Engländer übersetzten es und nahmen es in ihr Repertoir auf. „Dieses Stück, schrieb damals ein englisches Journal, ist das erste, welches vor ein britisches Publicum gebracht worden ist, aus der Feder eines lebenden Schauspieldichters, der vielleicht der originellste unseres Zeitalters ist.“ Im December 1829 erschien seine „Unheilbringende Zauberkrone“, welche der darin vorherrschenden ernsten Haltung wegen wenig Anklang fand. Im Jahre 1830 ging sein Contract mit dem Leopoldstädter Theater zu Ende. Er erneuerte ihn nicht wieder und betrat am 5. August 1830 als Florian in seinem „Diamant des Geisterkönigs“ zum letzten Male als Mitglied diese Bühne. Er nahm seit dieser Zeit kein festes Engagement mehr an, sondern lebte ganz nach seinem künstlerischen Behagen, durch Kunstreisen und Gastspiele die Gelegenheit benützend, sich ein Vermögen zu erwerben, das ihm ein sorgenfreies Alter bereiten sollte. Im October 1830 gastirte er im Theater an der Wien; bis auf 43 erhob sich die Zahl seiner Gastrollen, unter denen er in den meisten seiner eigenen Stücke auftrat, in „Moisasur’s Zauberfluch“ zum ersten Male den Gluthahn spielte, welche Rolle früher immer Director Carl gab, und auch in anderen beliebten Stücken, dem „Gespenste auf der Bastei“, „Eheteufel auf Reisen“ u. s. w., seine Rollen mit ungeheurem Beifalle gab. Im Februar des folgenden Jahres machte er seinen ersten Kunstausflug nach Deutschland, und zwar im Februar nach München, wo er mit außerordentlichem Erfolge auftrat, worauf er, von den Anstrengungen des längeren Gastspieles angegriffen, eine Erholungsreise in’s bayerische Hochgebirge unternahm, dann nach München zurückkehrte und einen Cyklus von 14 Gastrollen gab. Im nämlichen Jahre noch reiste er nach Hamburg, wo er am 1. September im „Bauer als Millionär“ auftrat, aber schon mit der achten Gastrolle seine Vorstellungen beschloß, da auch in Hamburg bereits die Cholera ihre Opfer zu fordern begann. Er ging nun über Frankfurt a. M., Stuttgart nach München zurück, wo er wieder vierzehn Male auftrat. Alsdann kehrte er nach Wien zurück, wo er aber nur einmal im Leopoldstädter Theater zu Gunsten einer durch die Cholera schwer heimgesuchten Familie auftrat. Im März 1832[WS 1] reiste er nach Berlin. Im April begann er sein Gastspiel und [258] trat sechzehn Mal, meist in seinen eigenen Stücken, mit glänzendem Erfolge auf, was bei der Beliebtheit des Berliner Komikers Schmelka umsomehr in die Waagschale fällt. Von Berlin ging er wieder nach Hamburg, wo er auch vierzehn Male auftrat, und Mitte November kehrte er nach Wien zurück, wo ihn Director Stöger für ein Gastspiel im Josephstädter Theater gewann, welches er vom 10. Jänner bis Mitte April 1833 in 32 Vorstellungen beendete. Im Herbste genannten Jahres schrieb er, wie Vogl das Stück mit Recht nennt, seinen Schwanengesang, „Den Verschwender“, der im Februar 1834 im Josephstädter Theater mit prachtvoller Ausstattung und einem Erfolge aufgeführt wurde, der jenen seiner früheren Arbeiten bei weitem noch übertraf. 42 Mal hinter einander wurde das Stück bei überfülltem Hause gegeben und Raimund, der in der Rolle des Valentin sich selbst spielte, lebte, gehoben durch solche Anerkennung, von Neuem auf. Am 5. September d. J. kaufte er sich ein zwischen Pernitz und Gutenstein bei Neustadt in Niederösterreich in einer reizenden Gebirgsgegend gelegenes Haus, wo er einige Wochen in ländlicher Ruhe und im ungetrübten Genusse seines neuen Besitzthums verlebte, darauf kehrte er nach Wien zurück und eröffnete am 23. October im Leopoldstädter Theater einen neuen Cyklus Gastrollen, der sich durch ein halbes Jahr hinzog, in welchem er über achtzig Male auftrat. Wieder gab er den Valentin in seinem „Verschwender“ 45 Male bei vollem Hause. Im Spätherbste 1835 genannten Jahres unternahm er einen Kunstausflug nach München, kehrte im Jänner 1836 zurück nach Wien, ging von da nach Prag und zuletzt nach Hamburg, überall eine ansehnliche Reihe von Gastspielen gebend; am letztgenannten Orte betrat er als Valentin im „Verschwender“ zum letzten Male die Bühne. Am 11. Mai 1836 kam er nach Wien zurück und verlebte nun die folgende Zeit, zurückgezogen von der Bühne, auf seinem Landhause in Gutenstein. Am 28. August g. J. beschäftigte er sich mit seinem Hofhunde und dieser ritzte ihm leicht die Hand. In seiner Hypochondrie kam er gleich auf die sonderbarsten Gedanken und, da er einen Ausflug nach Maria-Zell vor hatte, befahl er, auf den Hund genau Acht zu haben. Er begab sich auch mit seiner Freundin Antonie Wagner nach Maria-Zell, von wo er aber schon am 29. August wieder nach Gutenstein zurückgekehrt war. Dort vernahm er, daß der Hund während seiner Abwesenheit ein Mädchen gebissen und als wuthverdächtig erschossen worden sei. Zudem sah er die Verwüstung, welche das Thier in seinem Garten angerichtet. Darüber entsetzt und von den furchtbarsten Bildern geängstigt, beschloß er, sogleich nach Wien zu fahren. Er begab sich nach Potenstein, wo er sofort einen Wagen zur Weiterfahrt bestellte. Aber ein heftiges Ungewitter machte die Fahrt unmöglich. Er mußte in Potenstein übernachten. Da schritt er in seiner Aengstlichkeit vor einem möglichen Ausbruche der Wasserscheu zur entsetzlichen That des Selbstmordes. In einem Augenblicke, als seine Freundin, die ihn begleitet und zu trösten und beruhigen gesucht hatte, sich entfernte, um ein Glas Wasser zu holen, schoß er sich mit dem Handterzerol, das er beständig mit sich führte, in den Mund, aber so unglücklich, daß er unter den fürchterlichsten Qualen, während welchen ihn seine Besinnung nicht verließ, noch sieben Tage lebte und erst am [259] 5. September um 3/44 Uhr Nachmittags seinen Geist aufgab. Die Theilnahme des Publicums an dem grauenvollen Schicksale seines Lieblings war außerordentlich. Am 8. September fand seine Beerdigung unter zahlreicher Theilnahme von Freunden und Bekannten, die aus der Residenz gekommen waren, und der Landbevölkerung Statt. Nachdem die Leiche in Pottenstein eingesegnet worden, wurde sie nach Pernitz geführt und dann durch das Gutensteiner Thal an den Ort ihrer Ruhe gebracht. Seine vorerwähnte Freundin, die auch Universal-Erbin seines Vermögens – das 60,000 fl. betragen haben soll – wurde, sorgte für ein Denkmal auf sein Grab. [Vergleiche darüber das Nähere S. 277: VIII. Raimund’s Tod – Grab – Schedel und Enthüllungsfeier seines Denkmals.] Man ehrte den Verblichenen durch mehrere Gedächtnißfeste und Erinnerungsblätter, die ihn in den verschiedenen Rollen seiner Dichtungen, welche er mit unvergeßlicher Meisterschaft gespielt, darstellen. – Es bleibt nur mehr Einiges über seine Heirath und die Herausgabe seiner Werke zu sagen übrig. Raimund hatte im Jahre 1820 die Tochter des Possendichters Gleich, Luise, eine des Dichters in jeder Hinsicht unwürdige Person, geheirathet und sich in kurzer Zeit wieder von ihr getrennt. Eine frühere Liebe Raimund’s war die zu ihrer Zeit beliebte Schauspielerin Grünthal des Leopoldstädter Theaters, aber Raimund’s eifersüchtiges Naturell, das sich in einem besonders heftigen Anfalle zu einer Ungezogenheit gegen das Mädchen hatte hinreißen lassen, war Ursache, daß die Verbindung zwischen ihm und der Grünthal aufgelöst wurde. Nach der Scheidung von seiner Frau, welcher er jährlich 300 fl. auszuzahlen hatte, knüpfte R. mit Antonie Wagner ein Verhältniß an, welches erst der Tod löste. Ueber eine aus Raimund’s Ehe mit Luise Gleich abstammende Tochter vergleiche S. 278, unter IX. Einzelheiten.– So lange Raimund lebte, blieben seine Stücke als Bühnenmanuscripte ungedruckt. Ein Jahr nach seinem Tode wurde aber eine Ausgabe seiner Stücke veranstaltet, und mit der Redaction unglücklicher Weise der Dichter Joh. Nep. Vogl betraut, der in keiner Hinsicht seiner Aufgabe gewachsen war. Sie erschien unter dem Titel: „Ferdinand Raimund’s sämmtliche Werke. Herausgegeben von Johann Nep. Vogl“, in vier Theilen (Wien 1837, Rohrmann, mit dem Bildnisse des Verfassers, 8°.); der 1. Band enthält: „Der Diamant des Geisterkönigs“; – „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“; – der 2. Bd.: „Moisasur’s Zauberfluch“; – „Das Mädchen aus der Feenwelt oder der Bauer als Millionär“; – der 3. Bd.: „Der Barometermacher auf der Zauberinsel“; – „Die gefesselte Phantasie“; – der 4. Bd.: „Die unheilbringende[WS 2] Krone“; – „Der Verschwender“; – „Lyrische und prosaische Dichtungen“; – „Raimund’s Biographie“. Nach etwa zwei Decennien, im Jahre 1855, wurde eine neue Auflage nöthig, welche jedoch nur ein Wiederabdruck der vorigen und bei Karl Hölzl in Wien in neun Bändchen im Taschenformate – jedes der acht Stücke und die dürftige Biographie mit dem noch dürftigeren Nachlasse je ein Bändchen bildend – erschienen ist. Mittlerweile aber hatte sich auch schon die ausländische Industrie der Werke des Dichters bemächtigt, und zwar Karl Hoffmann in Stuttgart, der den Possendichter würdig fand, in die in seinem Verlage erscheinende „Classische Theaterbibliothek aller Nationen“ eingereiht [260] zu werden. Bereits sind „Der Bauer als Millionär“ und der „Verschwender“ darin erschienen. Den Stücken geht eine den Dichter weniger würdigende als ihn vielmehr herabsetzende, literarhistorisch sein sollende Einleitung eines Anonymus voraus. Das ist wieder so ein Pröbchen der vielgerühmten, kühlen, auswärtigen Geschäftspraxis., die nicht damit zufrieden, daß sie uns einseift, uns nach gemachtem Geschäfte noch die Barbierschüssel mit Schaum und Seife an den Kopf wirft. Bei dieser Nachdruckgeschichte ist noch das Folgende bemerkenswerth. Der Wiener Buchhändler L. Rosner hatte sich Hoffmann zur Redaction der Ausgabe der Raimund’schen Stücke unentgeltlich angeboten, er wollte zu diesem Zwecke alle Stücke mit den bei den Wiener Theatern befindlichen Manuscripten vergleichen und auf solche Weise die Texte richtig stellen, wollte ferner mit den zwei noch lebenden Collegen Raimund’s, mit Lang und Rott, welche noch unter Raimund selbst Raimund’sche Rollen gespielt und dieselben auswendig wissen, und welche mit ihm befreundet waren, für zweifelhafte Fälle sich in Verbindung setzen und hatte bereits die Zusage ihrer Unterstützung, wollte sodann zu jedem Stücke interessante Einzelheiten beifügen, deren es bei den vielen Gastspielen Raimund’s und bei seiner Neigung, öfter etwas Neues, Pikantes einzulegen, eine Fülle gibt. Aber Herr Rosner hatte seine Anträge vergeblich gestellt, und dieser Nachdruck unterscheidet sich nur durch den niedriger gestellten Preis, sonst durch nichts von dem Schlendrian der Wiener Ausgaben. In neuester Zeit hat auch Philipp Reclam junior die Werke Raimund’s in seiner so schnell beliebt gewordenen „Universal-Bibliothek“ aufgenommen und bisher in Nr. 49 den „Verschwender“, in Nr. 120 den „Bauer als Millionär“, in Nr. 180 den „Alpenkönig“ und in Nr. 330 den „Diamant des Geisterkönigs“ gebracht. Wie sich also aus Vorstehendem ergibt, wäre eine neue, mit Umsicht redigirte, mit allen Varianten vermehrte und einer ausführlichen Biographie ausgestattete, ja vielleicht illustrirte Ausgabe der Stücke Raimund’s noch immer eine dankenswerthe Aufgabe für einen Wiener Verleger. Demjenigen, der sich dieser Aufgabe unterzöge, wäre in dem nachfolgenden, durch jahrelanges Sammeln der Raimundiana zustande gebrachten literarisch-biographischen Apparate ein nicht ganz werthloses Materiale zur Verfügung gestellt.

I. Zur Chronologie und Geschichte der Theaterstücke von Ferdinand Raimund. Hier werden auch die bedeutendsten Kritiken über dieselben, die sämmtlichen und fast gänzlich verunglückten Parodien und mehreres Andere angeführt, was bei einer neuen Ausgabe der Werke Raimund’s, die in einer des Dichters würdigen Ausstattung sehr erwünscht wäre, zu berücksichtigen sein dürfte. 1) „Der Barometermacher auf der Zauberinsel“, Zauberposse mit Gesang in 2 Aufzügen, als Parodie des Zaubermärchens: „Prinz Tutu“ (sic, der Theaterzettel), zum ersten Male aufgeführt – nach schriftlichen Mittheilungen des Herrn Silas am 18. December, nach gedruckten Quellen am 8. December 1823 – im k. k. priv. Theater in der Leopoldstadt. Musik von Wenzel Müller. [Raimund erscheint anfänglich nicht als Verfasser dieses Stückes, als aber C. Meisl überall sich als Verfasser ausgab, schrieb Raimund in der Theater-Zeitung von Adolph Bäuerle, 17. Februar 1824, eine „Nothgedrungene Erklärung Ferdinand Raimund’s über seine Autorschaft des Stückes: „Der Barometermacher auf der Zauberinsel“. Erst bei der dritten Vorstellung erschien Raimund’s Name als Verfasser des Stückes auf dem Theaterzettel. Herr Karl Meisl, der sich als dessen Autor herumprahlte, hatte nur die Eingangsscenen des ersten Actes geschrieben.] – 2) „Der Diamant des Geisterkönigs“, Zauberspiel in 2 Aufzügen, zum [261] ersten Male aufgeführt am 17. December 1824 in dem Leopoldstädter Theater. Musik von Capellmeister Joseph Drechsler. [Mit Benützung eines Märchens aus „Tausend und Einer Nacht“.] – 3) „Das Mädchen aus der Feenwelt oder der Bauer als Millionär“, romantisches Original-Zaubermärchen mit Gesang in 3 Aufzügen; zum ersten Male aufgeführt im Theater in der Leopoldstadt am 10. November 1826. Musik von Capellmeister Joseph Drechsler. Die Aufführung dieses Stückes wurde durch Raimund’s Krankheit um ein ganzes Jahr verzögert. – Darüber erschien in der Theater-Zeitung von Adolph Bäuerle, 1826, Nr. 145, S. 590–592: „Raimund’s Plan zum Mädchen aus der Feenwelt“ [die bisher nicht gedruckte sinnige Repetitionsstrophe zum Schlußgesange bei der fünfzigsten Aufführung dieses Stückes sollte bei einem neuen Abdrucke seiner Werke nicht fehlen. Man könnte den Text wohl bei Herrn Silas erhalten]. – Karl Meisl schrieb zu Raimund’s „Mädchen aus der Feenwelt“ im Jahre 1827 ein Seitenstück: „Fee Sanftmuth und Fee Gallsucht“ ein Märchen. Den in diesem abgeschmackten Machwerk vorkommenden Tintenmann, als Gegenrolle zum Aschenmann, gab Ignaz Schuster. – Im Theater in der Josephstadt benützte man die Erfolge des Raimund’schen Stückes gleichfalls zu einer Pantomime: „Das Feenmädchen“. – 4) „Moisasur’s Zauberfluch“, großes tragisch-komisches Original-Zauberspiel in 2 Aufzügen. Musik von Capellmeister Jacob Philipp Riotte. Zum ersten Male aufgeführt im Theater an der Wien am 25. September 1827. [Vergl. darüber: Wiener Theater-Zeitung 1827, Nr. 122 u. 123. Kritik von Ludwig Halirsch. Wilhelm Kunst trat in der Rolle des Hoangu. Moriz Rott in jener des Genius der Vergänglichkeit auf. – Heinrich Adami veröffentlichte über dieses Stück eine eigene kritische Broschüre, unter dem Pseudonym „Impartial“. Der Inhalt aber entspricht durch seine Parteilichkeit, die über den Mängeln die Schönheiten des Stückes übersieht, nichts weniger als diesem Pseudonym.] – „Moisasur’s Zauberfluch“ parodirte Karl Meisl in seinem „Moisasura’s Hexenspruch“, wozu Wenzel Müller die Musik schreiben mußte und das am 3. November 1827 auch aufgeführt wurde. [Vergl. Bäuerle’s Theater-Zeitung 1827, Nr. 142.] Trotz des ihm in dieser Kritik gespendeten Lobes verschwand diese Parodie noch eher von der Leopoldstädter Bühne, als das Original von jener der Wieden. Ein noch schlimmeres Loos hatte eine von Heinrich Adami und Börnstein verfaßte Parodie von „Moisasur’s Zauberfluch“, welche im Theater in der Josephstadt gegeben, ausgezischt und nach einmaliger Wiederholung bei Seite gelegt wurde. – 3) „Die gefesselte Phantasie“, Original-Zauberspiel in 2 Aufzügen. Musik von Wenzel Müller. Zum ersten Male aufgeführt im Theater in der Leopoldstadt am 8. Jänner 1828 [nach Raimund’s Fragment einer Selbstbiographie entstand die Idee zu diesem „Phantasiestücke“ aus dem Märlein, daß er, der Mann ohne Studien, unmöglich jene Stücke geschrieben haben könne, die unter seinem Namen gegeben wurden. Eine Scene bei der ersten Vorstellung „Der gefesselten Phantasie“, die in den folgenden Vorstellungen ausblieb, ist auch noch ungedruckt. Raimund in der Rolle des Harfenisten Nachtigall in der bekannten Wirthshausscene benützte die Situation, indem er das boshaft über ihn ausgestreute Gerücht, als wären die unter seinem Namen erscheinenden Theaterstücke nicht von ihm, vehement widerlegte. Sie verdiente wohl bei einer neuen Ausgabe seiner Werke eine Aufnahme in derselben. Noch sei hier eines Aufsatzes gedacht, welchen die Iris, Gratzer belletristische Zeitschrift, gebracht im Jahrgange 1855, Bd. II, Nr. 8–11. unter dem Titel: „Die entfesselte Phantasie. Sommernachtstraum eines alten Wieners“. Von A. Silas [mit dem für den Autor wirklich ärgerlichen Druckfehler einleitet: „Die gefesselte Phantasie“, wozu sich der „gebildete“ Setzer wohl durch Raimund’s Stück mit diesem Titel hat verführen lassen. Der Autor träumt seinen Sommernachtstraum auf das Gerücht hin, Raimund wolle ein Gegenstück zur „Gefesselten Phantasie“ schreiben.] – Auch sind hier zu erwähnen Ascher’s Reflexionen über dieses Stück Raimund’s in der Neuen freien Presse (Wiener polit. Blatt) 1866, Nr. 492: „Theaterbriefe“, von Junius novus, unter welchem Pseudonym sich der gegenwärtige Director des Carl-Theaters, Herr Ascher, verbirgt. – 6) „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“, romantisch-komisches Märchen in 2 Aufzügen – dann in 3 Acte getheilt gegeben. Zum ersten Male aufgeführt am 17. October 1828. [262] Musik von Wenzel Müller. [Vergleiche darüber Bäuerle’s Theater-Zeitung 1828, Nr. 135, eingehende Kritik von Th. von Heussenstamm. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1828, Nr. 63. – Pietznigg, Mittheilungen aus Wien (Wien, 8°.) 1834, Bd. II, S. 155: „Stimmen des Auslandes. Ferdinand Raimund’s „Alpenkönig und der Menschenfeind“, auf dem Adelphi-Theater in London“. Lord Stanhope übersetzte das Stück in’s Englische; im Jahre 1831 wurde es gegeben. – Ueber die Entstehung des Alpenkönigs faselt der „Pilger am Wiener Berge“, eine von Moriz Bermann (Wien 1859, gr. 8°.) herausgegebene periodische Schrift in der 7. Lieferung: „Raimund und der erste Alpenkönig“ [eine Anekdote, welche die Entstehung des „Alpenkönigs“ erklären will. Ist wie Alles, was aus dieser Quelle stammt, mit großer Behutsamkeit aufzunehmen. Zum Ueberflusse wurde diese unbegründete Tradition wieder gedruckt in dem Werke: Coulissen-Gcheimnisse (Wien, R. Waldheim, 1869, gr. 8°.) 7. und 8. Heft. „Raimund als Menschenfeind“. – Schließlich sei noch bemerkt. daß zu Raimund’s „Alpenkönig und Menschenfeind“ auf derselben Bühne, welche Raimund’s Stück gebracht, eine Farce, halb Travestie, halb Panegyrikus, von einem ungenannten Verfasser, gegeben wurde.] – 7) „Die unheilvolle Zauberkrone oder Herrscher ohne Reich, Held ohne Muth, Schönheit ohne Jugend“, original-tragisch, komisches Zauberspiel in 2 Aufzügen. Musik von Professor Drechsler. Zum ersten Male aufgeführt im alten Leopoldstädter Theater am 4. December 1829. [Vergleiche darüber Bäuerle’s „Theater-Zeitung“ 1829, Nr. 150–152, eingehende Kritik von Ludwig Halirsch.] – Eine Abdankungsrede bei der ersten Vorstellung dieses für Raimund unheilbringenden Stückes, welche Vogl auch nicht in Raimund’s Werken aufgenommen, sollte darin nicht fehlen. – Auch zu Raimund’s „Unheilbringender Zauberkrone“ erschien im Theater in der Josephstadt eine Parodie, die sich gleich den übrigen Parodien auf Raimund’s Dichtungen nicht behauptete. – 8) „Der Verschwender“, Original-Zaubermärchen in 3 Aufzügen. Musik von Conradin Kreutzer. Zum ersten Male aufgeführt im Theater in der Josephstadt am 20. Februar 1834. [Dieses Stück wurde einige Male, u. z. für fromme und wohlthätige Zwecke, auch von Hofschauspielern dargestellt, so am 18. April 1844 in der Josephstadt, zur Beischaffung eines Altarblattes in der Reichenauerkirche am Eingange zum Höllenthale, in welcher Darstellung die Hauptrollen von Ludwig Löwe, Mathilde Wildauer u. s. w. besetzt waren; ein zweites Mal am 18. Jänner 1863 im Carltheater für die Witwe Tomaselli, bei welcher Gelegenheit auch die kleinsten Rollen von Hofschauspielern gespielt wurden, und zuletzt am 25. Februar 1864 im Hof-Operntheater zum Besten des patriotischen Hilfsvereins.] Als dieses liebliche Zaubermärchen zum ersten Male gegeben wurde, drang es mit großem Beifalle durch, nur Braun von Braunthal schrieb im „Zuschauer“ eine gehässige Kritik und auch Vater Saphir wollte den Raimund’schen Genius nicht gelten lassen. – Zum „Verschwender“ schrieb Karl Meisl auch ein Gegenstück, „Den Streichmacher“, einen „scherzhaften Contrast“, dessen feierliche Bestattung nach einem Paar Darstellungen die Josephstädter Bühne übernommen hatte. Auch der „Verschwender“ hat eine kleine Literatur aufzuweisen: Leipzig-Dresdener Dampfwagen. Ein Blatt der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Redaction des „Kometen“ 1837, Nr. 49: „Ueber Raimund und seinen „Verschwender“. – Probeblatt der Wiener Theater-Zeitung für 1846: „Wie Raimund auf die Idee kam, sein Stück: „Den Verschwender“ zu schreiben, [auch in der „Biene“ (Neutitscheiner Blatt, 4°.) 1864, Nr. 26]. – Berliner Figaro (4°.) VII. Jahrg. (1837), Nr. 276: „Ueber Raimund und seinen „Verschwender“. – Zwei Abdankungsreden, nämlich eine bei der ersten, und die andere bei der letzten Vorstellung des „Verschwenders“ im April 1834 fehlen in Vogl’s Ausgabe von Raimund’s Werken.] – Eine čechische Uebersetzung des „Verschwenders“ schrieb J. N. Štěpánek und sie erschien gedruckt unter dem Titel: „Marnotratnik Romantická koupelná bajka se zpěvy ve třech jednáních“ (Prag 1840, Heß). Es sind auch noch einige andere Stücke Raimund’s auf der čechischen und wenn ich nicht irre, auch auf der ungarischen Bühne gegeben worden, die aber nicht im Drucke erschienen sind.
II. Biographische Quellen, a) Längere und kürzere vollständige Biographien. [Hier sind nur [263] solche berücksichtigt, welche in besseren Sammelwerken und Zeitschriften vorkommen und hin und wieder verschiedener biographisches Materiale enthalten.] Biographie Ferdinand Raimund’s und dessen lyrische und prosaische Dichtungen (Wien 1855, Karl Hölzl, 8°.). [So lautet der Umschlagtitel. Diese Biographie bildet den ersten Band der von Joh. Nep. Vogl herausgegebenen sämmtlichen Werke Ferdinand Raimund’s, Raimund, der Dichter, hat von Vogl, dem Dichter, ein würdigeres biographisches Denkmal verdient. Das hier auf 21 Seiten Gebotene ist lückenhaft, ordnungslos, ohne Sorgfalt gearbeitet. Raimund wartet noch des Biographen, der ihn, wie er es verdient, darstellt.] – Allgemeines Theater-Lexikon, herausgegeben von R. Blum, K. Herloßsohn, H. Marggraff u. A. (Altenburg und Leipzig o. J., 8°.) Bd. VI, S. 121 [daselbst heißt es: „Unter anderen Verhältnissen, in einer günstigeren Lebensstellung von Jugend auf und bei gründlicherer Schulbildung würde Raimund ein „Shakespeare für das Volk“ geworden sein. Er besaß Tiefe des Gefühles, Bonhommie des Herzens und dabei Schärfe des Verstandes, Witz und lustigen Humor genug, um in den duftenden Gestalten einer reizenden Märchenwelt die Gebrechen seiner Zeit, die Schwächen und Laster der Menschen auf das Schärfste zu geißeln“. Wie ganz anders lautet dieses feine und geistreiche, kurze und doch das ganze Wesen des Dichters umfassende Urtheil, gegen den Bombast des „österreichischen Staatsmannes“, dessen später auf S. 269, unter den kritischen Stimmen über Raimund der Curiosität halber Erwähnung geschieht.] – Berliner Figaro (belletr. Blatt. 4°.) VII. Jahrg. (1837), Nr. 142: „Raimund“ [Selbstbiographie des Dichters aus einem Briefe desselben an einen Freund.] – Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In vier Bänden (Leipzig 1832, F. A. Brockhaus, gr. 8°.) Bd. III, S. 682 [daselbst erscheint er mit dem Taufnamen Karl statt Ferdinand]. – Kehrein (Joseph), Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (Zürch, Stuttgart und Würzburg 1870, Leopold Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 35. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg Bd. V, S. 419, Nr. 45. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. F Voigt, kl. 8°.) XIV. Jahrgang (1836), Theil II, S. 5865, Nr. 183: „Raimund’s Nekrolog“ [mit dem unrichtigen Geburtsdatum 1. Juni 1791 statt 1790]. – Oesterreichischer Bürger-Kalender (Wien, 8°.) Jahrg. 1846, S. 216: „Ferdinand Raimund“. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1836, Beck, 8°.) Bd. IV, S. 310, und Bd. VI, S. 585. – Realis. Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien. Herausgegeben von Anton Köhler (Wien 1846, gr. 8°.) Bd. II, S. 265. – Der Telegraph (Wiener Unterhaltungsblatt, 4°.), herausgegeben von W. Lembert, 1836, Nr. 113: „Ferdinand Raimund, Nekrolog“, von F. C. Weidmann. [Lembert war k. k. Hofschauspieler und hier sei die ihn betreffende, in meinem Lexikon, Bd. XIV, S. 349, enthaltene Todesangabe, berichtigt, er starb nämlich nicht, wie es dort heißt, um 1838, sondern zu Mödling bei Wien am 5. Juli 1851.] (Theater-Zeitung 1851, Nr. 156.) Diese Biographie Raimund’s von Weidmann, unstreitig unter den kleineren das Beste, was über ihn erschienen, schließt sich an Raimund’s Selbstbiographie an, deren oben im „Berliner Figaro“ gedacht ist und die auch in der nächstfolgenden Quelle angeführt erscheint.] – Wiener allgemeine Theater-Zeitung von A. Bäuerle (Wien, gr. 4°.) XXIX. Jahrgang (1836), Nr. 186: „Autobiographie Raimund’s“ [reicht nur bis zum Anfange der Dreißiger-Jahre]. – Unser Planet. Blätter für Unterhaltung, Literatur, Kunst und Theater. Herausgegeben von Ludwig Storch, II. Jahrg (1831), Theaterblatt, Nr. 186 u. 192: „Ferdinand Raimund, biogr. Skizze“. Von Δ–ά. – Wigand’s Conversations-Lexikon (Leipzig, O. Wigand, gr. 8°.) Bd. XI, S. 360. – Wiener Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) 1837, Bd. II, S. 672 [mit dem unrichtigen Geburtsdatum 2. Juni 1791.]
b) Anekdoten, einzelne Züge, Episoden aus Ferdinand Raimunds Leben. Wahrheit und Dichtung. [Es findet sich in den folgenden Quellen reiches Materiale zu einer neuen Biographie Raimund’s, jedoch sind dieselben mit großer Sorgfalt zu benützen. Andeutungen über deren Werth sind hie und da bei den einzelnen Quellen gegeben.] – Anschütz (Heinrich), Erinnerungen aus dessen Leben und Wirken, nach eigenen Aufzeichnungen und [264] mündlichen Mittheilungen (Wien 1856, 8°.) [enthält mehreres Glaubwürdige und für einen Biographen Raimund’s Brauchbare an verschiedenen Stellen des Buches und auf S. 411 Ludwig Devrient’s Ausspruch über Raimund]. – Castelli (I. F.), Memoiren meines Lebens, Gefundenes und Empfundenes (Wien 1561 u. f., Marggraf, 8°.), 4 Bände [enthält Manches aus Raimund’s Leben, aber zu grell, zu verzerrt.] – Constitutionelle österreichische Zeitung (Wien, Fol.) 1863, Nr. 326, im Feuilleton: „Reminiscenzen aus meinen Erlebnissen. IX. Ferdinand Raimund in München“, von L. Feldmann [unbedingt brauchbar.] – Foglar (Adolph), Grillparzer’s Ansichten über Literatur, Bühne und Leben (Wien 1872, Ed. Hügel’sche Buchhandlung [Bruno Zappert], 8°.) S. 33: „Am 1. März 1844“; S. 49: „Am 30. April 1846“ [zwei entgegengesetzte Urtheile, wie sie nur – ohne dem großen Genius Grillparzer’s nahetreten zu wollen – aus dem Munde eines so vergrämten und verbitterten Menschen kommen konnten, wie es Grillparzer war. And daß er dieß war, beweisen die zahlreichen, boshaften, scharfen Epigramme und Xenien auf Zeitgenossen, die nach seinem Tode bekannt wurden. Man hat dadurch Grillparzer dem Menschen nicht genützt und auch Grillparzer der große Dichter ist dadurch nicht erhöht worden. Und um auf Raimund zurückzukehren, stimmt Herausgeber dieses Lexikons ganz mit Herrn Silas überein, der anläßlich dieser sich widersprechenden Urtheile über Raimund im Foglar’schen Buche meint: „Laßt die Tobten ruhen!“]. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1864, Nr. 285, in der Rubrik: „Theater und Kunst“ [Berichtigungen verschiedener, Raimund betreffender Angaben]; – dasselbe 1866, I. Beilage zu Nr. 150: „Der Menschenfreund auf dem Praterbaume“. Aus der Mappe eines alten Literaten, [Eine weit ausgesponnene Anekdote aus R.’s Leben, ihrem Inhalte nach ebenso zweifelhaft, wie Alles, was unter der omineusen Firma: „Mappe des alten Literaten“ figurirt.] – dasselbe 1866, I. Beilage zu Nr. 246: „Erinnerungen an Ferdinand Raimund“ [einzelne Züge aus Raimund’s Leben]; – dasselbe 1867, Nr. 353, unter den Notizen: „Die Wäscher-Toni“ [Raimund’s Liebe zu einem Wäschermädchen betreffend, die ihren leichtsinnigen Lebenswandel nicht aufgab und deßhalb von Raimund aufgegeben wurde; ob wahr, muß dahingestellt bleiben]: – dasselbe 1868, Nr. 98, unter den „Kunst- und Theater-Notizen“ [Züge aus Raimund’s Leben]. – Gartenlaube von Ernst Keil (Leipzig, 4°.) 1861, Nr. 6, S. 85: „Ein Unvergeßlicher“. Von Albert Träger [mehr Dichtung als Wahrheit, aber die Dichtung das Werk eines wahren Dichters; die im Sarge liegende „Jugend“ soll Therese Krones sein; nun, der Zeichner ist dem Poeten nicht ebenbürtig]; – dieselbe, Jahrg. 1863, S. 500: „Aus dem Leben deutscher Schauspieler. Ein ernster Komiker“. Von Franz Wallner [handelt ausschließlich von Raimund, von dem auch mehrere Tagebuchblätter mitgetheilt werden]; – dieselbe 1864, S. 127: „Eine Posse zum – Weinen“ [diese Anekdote aus Raimund’s Leben wird als wahr verbürgt. Sie wurde auch hin und wieder nachgedruckt]; – dieselbe 1866, S. 823: „Ferdinand Raimund und der Censor“, von K. R. – Karl von Holtei in seinen Memoiren „Vierzig Jahre“ und in seinem biographischen Romane „Der letzte Comödiant“ gedenkt auch an verschiedenen Stellen Raimund’s. Im 3. Bande des letztgenannten Werkes kommt S. 102 und 247 und 248 ein Tagebuch vor, in welchem Raimund der „Schiller der Localstücke“ genannt wird. – Auch im III. Bande seines neuesten Werkes: „Nachlese. Erzählungen und Plaudereien“ (Breslau 1871, Trewendt) erzählt Holtei einen Zug aus Raimund’s Leben. – Illustrirtes Familienbuch des österreichischen Lloyd (Triest, gr. 4°.) I. Jahrg (1851), S. 30: „Lenau und Raimund“. [Der Verfasser dieses Aufsatzes, Emanuel Straube, berichtet darin über ein von Raimund hinterlassenes dramatisches Fragment, betitelt: „Eine Nacht auf dem Himalaya“, woran er Bemerkungen fügt, die ebenso gut hätten wegbleiben können. Die Idee dieses Stückes ist identisch mit Lessing’s verloren gegangenem „Faust“, dessen Plan zuerst im Jahre 1853 im 1. Bande der Volksausgabe der deutschen Classiker mitgetheilt wurde.] – Illustrirte Novellen-Zeitung (Wien, gr. 4°.) 1859, Nr. 33, S. 261: „Ein Ostermontag aus Ferdin. Raimund’s Leben. Eine noch wenig bekannt gewordene Thatsache“. [Soll von Raimund selbst erzählt worden sein und läßt uns einen tiefen Blick in Raimund’s Dichtergemüth thun.] – Illustrirte Wiener Zeitschrift [265] für Wissenschaft, Kunst, Literatur und Mode 1855, Nr. 1–16: „Ferdinand Raimund wie er war. Humoristische Blätter der Ergänzung und Berichtigung“. Von Luise Raimund, geborne Gleich. [In Nr. 16 heißt es zwar „Fortsetzung folgt“, jedoch ist keine erschienen. Möchte im Hinblicke auf die Autorin, Raimund’s geschiedene Frau, nur mit Vorsicht zu benützen sein.] – Kaiser (Friedrich), Unter fünfzehn Theater-Directoren. Bunte Bilder aus der Wiener Bühnenwelt (Wien 1870, R. v. Waldheim, 8°.) S. 17, 23, 25, 28, 72, 76, 78, 79, 85 u. 88 [dieses pikante, inhaltreiche Büchlein enthält manche, für einen Biographen R.’s benützbare Züge aus dessen Leben]. – Korneuburger Wochenblatt 1863, Nr. 25: „Anekdoten aus Ferdin. Raimund’s Leben“, von K. R. v. P. – (Hamburger) Lesefrüchte. Herausgegeben von J. J. G. Pappe (8°.) 1845, Bd. I, S. 217: „Episoden aus Raimund’s Leben“. – Das Linzer Wachen-Bulletin für Theater, Kunst u. s. w., von J. A. Rossi, 1854, Nr. 4 [eine Anecdote aus dem Leben Raimund’s, die wo anders gelesen zu haben, ich mich nicht entsinne]. – Mährischer Correspondent 1863, Nr. 188: „Ein Theaterscandal von ehemals“. [Aus Wallner’s „Erinnerungen“; darin wird erzählt, warum Raimund bei seinem Auftreten in der Leopoldstadt am 13. Mai 1820 ausgepfiffen wurde; auch im Feuilleton der „Temesvárer Zeitung“ 1863, Nr. 195.] – Märzroth (Dr.), Schattenspiele aus dem alten und neuen Wien (Wien 1872, A. Prandel, 8°.). Erste Abtheilung, S. 1: „Raimundiana. I. Der Spion vor des Dichters Thür. II. Süßes Lob und bitterer Tadel“; S. 40: „III. Wie der Schauspieler Landner in der Sonne trocknen muß“; S. 62: „IV. Zum Capitel vom wüthenden Hunde“ [das hier über Raimund Erzählte ist wohl mehr Ueberliefertes als Erlebtes, mehr Dichtung, als Wahrheit]. – Märzroth (Dr.), Wiener Bilderbogen. Skizzen aus dem alten und neuen Wien (Wien 1869, 8°.), in zwanglosen Heften. [Jedes der ersten drei Hefte[WS 3] enthält Raimundiana, von denen so ziemlich das Obengesagte gilt.] – Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1867, Nr. 97. Unter der Rubrik „Eingesendet“ befindet sich eine Abfertigung der in Heine’s „Fremden-Blatt“ mitgetheilten „Wiener Wahrzeichen“ betitelten alten und abgeschmackten Geschichten – die wahrscheinlich aus der omineusen „Mappe eines alten Journalisten“ stammen, und worin auch Raimund’s und der Krones Erwähnung geschieht. – Neue freie Presse 1867, Nr. 1022, im Feuilleton: „Briefe eines alten Wieners an eine Freundin. Herausgegeben von Bauernfeld. VI. Brief“ [handelt fast ganz von Raimund]. – Neues Wiener Tagblatt 1869, in der Beilage: „Neues Familien-Journal“, Nr. 15: „Eine letzte Begegnung“ [mit Scholz bald nach dem verhängnißvollen Biß]. – Neu-Wien (Wiener Blatt, kl. Fol.) I. Jahrg. (1858), Nr. 26: „Ferdinand Raimund’s nächtliche Basteischau“ [mit einem scheußlichen Holzschnitte, und der ganze Aufsatz riecht nach der etwas verdächtigen „Mappe eines alten Literaten“]. – Novellen-Zeitung, herausgegeben von Böhringer (Wien, gr. 4°.) 1858, Juni, bis 1859, April: „Die Komiker Wiens“, Roman in drei Theilen Von A. Berla. [Darin kommt natürlich auch Raimund vor, jedoch ist wohl Vieles mehr Dichtung als Wahrheit.] – Oesterreichisches Morgenblatt. Redigirt von J. N. Vogl (Wien, 4°.) VI. Jahrg. (1841), Nr. 112 bis 113, 116–123: „Ferdinand Raimund. Charakterzüge und Episoden aus seinem Leben“. Von D. F. Reiberstorffer [nachgedruckt in den Lemberger „Leseblättern“ 1841, S. 892 u. f. bis 998. [Reiberstorffer’s Skizzen über Raimund sind ohne Widerrede das Beste, was über ihn erschienen ist. Reiberstorffer benützte dazu Mittheilungen des Hofschauspielers Ludwig Löwe und des Schauspielers Franz Kindler, der mit Raimund viele Jahre hindurch zusammen bei der Bühne gewirkt. Die Wahl Vogl’s zum Redacteur und Herausgeber von Raimund’s Schriften und Verfasser seiner Biographie war eine ganz verfehlte. Reiberstorffer oder Weidmann hätten ungleich Verdienstlicheres geleistet.] – Oesterreichische Zeitung (Wien, Fol.) 1861, Nr. 323, im Feuilleton: „Schutt und Mörtel“, von M. Bermann [enthält mehrere. „Raimundiana“. jedoch von geringem Belang]. – Olmützer Zwischenact, V. Jahrgang (1869), Nr. 93: „Eine Posse zum – Weinen“. [Eine Scene zwischen dem Schauspieler Landner und Raimund, bald darnach, als letzterer von dem Hunde gebissen worden. Zuerst in der „Neuen Wiener Theater-Zeitung“ 1864, 26. Februar, [266] und aus Dr. Märzroth’s „Wiener Bilderbogen, wo es im 3. Hefte abgedruckt, erfahren wir, daß Märzroth Autor dieser Geschichte ist.] – dasselbe Blatt vom 1. Jänner 1870: „Ferd. Raimund’s Herzensverhängniß“ [seine Liebe zu Luise Gleich betreffend]. – Auch in der „Iris“ (Gratzer Muster- und Modeblatt) 15. Jahrg. (1863), Bd. III, Lfg. 12]. – Phönix, herausgegeben von Eduard Duller, 1837, Nr. 236: „Ferdinand Raimund“. – Pichler (Karoline), Denkwürdigkeiten aus meinem Leben (Wien 1844, A. Pichler’s Witwe, kl. 8°.) Bd. IV, 1823–1843, S. 173 und 185–188 [schreibt über Raimund: seine Gestalt erinnerte an Grillparzer. ... Im Verlaufe der Unterhaltung offenbarte sich ein so tiefes und anspruchsloses Gemüth, eine so herzliche, einfache Weise, sich auszudrücken, daß er meinem Manne und mir Achtung und Wohlwollen einflößte, und wir nur im Stillen bedauerten, daß bei ihm ebenso wenig als bei Grillparzer auf einen bleibenden freundschaftlichen Verkehr zu hoffen war, denn diese beiden Menschen glichen sich, wie in schönen geistigen Anlagen und einer seltenen Gemüthstiefe, auch an trüber hypochondrischer Laune, welche sie jeden Umgang fliehen machte.“ Auch berichtet Frau Pichler ziemlich ausführlich über seinen Tod und gibt dabei manche interessante Einzelheiten]. – Saphir (M. G.), Lexikon des Geistes und Witzes (Wien, 8°.) Bd. II, Schlagwort: „Raimund“ (dieser Artikel macht die Sünden, die der „Humorist“ an Raimund bei Lebzeiten begangen, in so fern gut, als dieses Buch in mehr Hände kommen dürfte, als der vergessene, im Staube der Bibliothek vereinzelt modernde „Humorist“]. – Seyfried (Ferdinand Ritter von), Rückschau in das Theaterleben Wiens seit den letzten fünfzig Jahren (Wien 1864, 8°.) S. 69: „Carl und Raimund“; – S. 242: „Raimund’s Nachahmer“ [Platzer, Wallner, Rott]; – S. 280: „Ferdinand Raimund als Tyrann“; – S. 332: „Scharfe und zahme Witze“. – Sonntagsblätter von L. A. Frankl (Wien, 8°.) II. Jahrg. (1843), S. 103: „Raimund und Grillparzer“; – dieselben, IV. Jahrg. (1845), Nr. 28, S. 651: „Spindler und Raimund“. Aus Raimund’s Leben [Raimund, obgleich sehr leidend, trat Spindler zu Liebe, der eben damals im Zenyth seines Ruhmes als Romanschriftsteller stand, trotz der bereits abgesagten Vorstellung in München in der Rolle des Wurzel auf]; – dieselben, VI. Jahrg. (1847), Nr. 21: „Ferdinand Raimund. Materiale zu seiner Biographie“. Von Ludw. Aug. Frankl; – S. 283: „F. Raimund und J. G. Seidl“ (interessant und schon im Hinblicke auf den Erzähler glaubwürdig]; – Nr. 41, S. 523: „Skizzen zu Ferd. Raimund’s geistigem Porträte“, von Silas. (Herr Silas war auch so freundlich, dem Verfasser dieses Lexikons eine literarisch-kritische Studie über Raimund zu übersenden. Dieselbe, manches Werthvolle enthaltend, wurde in dieser biographischen Skizze auch sorgfältig benützt, und sei Herrn Silas für seine freundliche Mittheilung hier der ihm gebührende Dank öffentlich ausgesprochen. – Die in den „Sonntagsblättern“ enthaltenen Materialien zur Biographie Raimund’s schließen sich ihrem Werthe nach zunächst an Reiberstorffer’s Skizzen an. Sie tragen sämmtlich das Gepräge des Erlebten an sich, lassen uns wie z. B. die Schilderung der Empfindungen Raimund’s bei dem Tode des Hofrathes Adam v. Müller (gest. 1829), einen Blick in des Dichters Gemüth thun und geben scharfe Contouren zu seinem geistigen Porträte.] – Allgemeine Theater-Zeitung, herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) XX. Jahrgang (1827), Nr. 30: „Ferdinand Raimund“, von H. Bornstein; – dieselbe, XXXII. Jahrg. (1839), Nr. 215: „Erinnerung an Raimund“, von Walter; – dieselbe. XXXIII. Jahrg. (1840), Nr. 29, S. 118: „Aus dem Leben Raimund’s“; – dieselbe, XXXIV. Jahrg. (1841), Nr. 58: „Die verstorbenen komischen Schauspieler Wiens. Ferdinand Raimund“. Charakterskizze von I. F. Castelli (auch in Pappe’s Hamburger „Lesefrüchten“ 1844, Bd. II, S. 120]; – dieselbe, XL. Jahrg. (1847), Nr. 303, S. 1210: „Einiges aus Raimund’s Leben“, von A. Melis; – dieselbe 1853, Nr. 246: Einiges über Raimund aus Herrn v. Küstner’s „Vierunddreißig Jahre meiner Theaterleitung“. – Tiroler Zither (Innsbrucker Localblatt, 8°.) II. Jahrg. (1852), Nr. 69: „Eine Anecdote von Ferdinand Raimund“, von M–r. – Ullmayer (Franz), Memoiren des patriotischen Volks- und Wiener Theaterdichters Karl Meisl (Wien 1868, bei Karl Gerold’s Sohn, 8°.). [Enthält Manches über Ferdinand Raimund, bei dessen Benützung jedoch die höchste Vorsicht anzuwenden oder am sichersten das Ganze unbenützt [267] zu belassen wäre.] – Franz Wallner in seinen Schriften: „Aus dem Tagebuche des alten Comödianten“ (Leipzig 1845) und „Rückblicke auf meine theatralische Laufbahn und meine Erlebnisse an und außer der Bühne“ (Berlin 1864) bringt sehr schätzbare und durchwegs glaubwürdige und benützbare Materialien zu einer Biographie Raimund’s. Wallner hat als Künstler neben Raimund gewirkt, war nach dessen Tode neben Rott dessen trefflichster Nachahmer. Insbesondere das zweite Werk enthält Vortreffliches aus Raimund’s Tagebuche. Mehreres aus beiden Büchern hat Wallner in Keil’s „Gartenlaube“, welcher bereits oben Erwähnung geschah, mitgetheilt. – Werschetzer Gebirgsbote (Localblatt, kl. Fol.) V. Jahrg. (1861), Nr. 34 u. 35: „Aus dem Leben des Ferd. Raimund“ [leider ohne Angabe des Autors und der Quelle, der dieser interessante Aufsatz entnommen]. – Wiener Theater-Chronic 1867, Nr. 6: „Ferdinand Raimund und der Censor [auch in der „Morgenpost“ (Wiener polit. Blatt) 1867, Nr. 14, und allem Anscheine nach ein Wiederabdruck aus dem schon citirten Aufsatze der „Gartenlaube“]. – Wiener Zeitung (gr. 4°.), im Wiener Abendblatte 1869, Nr. 152 u. 153: „Ein Ausflug Ferdinand Raimund’s“. Von Hermann Meynert. [„Schauspielerische und touristische Bemerkungen Raimund’s – Ein Verschwender und eine rettende Fee – Der Deutschfranzose und das Holzweib – Der Zweihundertjährige – Ein menschgewordener Lebenstag“, so lauten die Ueberschriften dieser Novellete, welche in der Nähe von Dresden auf der Burg Wackerbarth spielt. Dort in der Behausung eines Sonderlings soll Raimund das Bild zu seinem „Verschwender“ bis zu dem Nebenpersonale herab gefunden haben. – Einer mündlichen Mittheilung des Dr. Meynert entnehme ich auch die sehr interessante Notiz, daß mehrere der so volksthümlich gewordenen Melodien seiner Stücke, wie z. B. das „Brüderlein fein“, das „Aschenlied“ u. a. von Raimund selbst dem Componisten angegeben worden sein.] – Wiest (Franz), Aus der Mappe eines Humoristen (Wien 1848, Ueberreuter, 8°.). [In dem darin enthaltenen Aufsatze: „Das Thal der guten Leute“, wird Raimund mit seinem kindlichen Glauben an die Unverdorbenheit seiner Gutensteiner Thalbewohner als gescheitert, in seinem tiefen Schmerze über diese Enttäuschung dargestellt.] – Einer Mittheilung des bereits erwähnten Herrn Silas zu Folge soll Ludwig Löwe Memoiren hinterlassen haben, in welchem sich viele wahre und echte Raimundiana befinden mögen. Ludwig Löwe ist todt. Wo befinden sich diese Memoiren? Was geschieht mit ihnen? Sie dürften kaum minder interessant, wenn vielleicht auch weniger objectiv gehalten sein wie jene von Anschütz. – Der sächsische Hofschauspieler Herr Emil Walther hielt am 8. November 1869 zu Dresden im „Wissenschaftlichen Cyklus“ im Zwinger-Salon einen längeren biographisch-literarischen Vortrag über Raimund, der leider noch immer ungedruckt ist.
III. Materialien zu Nachträgen bei einer etwaigen neuen Auflage von Raimund’s Werken. [Mehreres kommt schon in der Abtheilung zur Chronologie und Geschichte von Raimund’s Stücken und in den biographischen Quellen vor, was natürlich hier nicht wiederholt wurde.] – Fortuna, Taschenbuch, herausgegeben von F. X. Told (Wien, 8°.) Jahrg. 1838, S. 82: „In’s Stammbuch meinem Jugendfreunde F. X. Told“ [Told ist der Verfasser des seiner Zeit durch die große Anzahl von Wiederholungen bekannt gewordenen Zauberspieles: „Der Zauberschleier“. Er starb am 14. April 1849.] – Die Gegenwart (belletrist. Wiener Blatt), herausgegeben von Andreas Schumacher, 1845, Nr. 24: „Ferdinand Raimund und der Eckensteher Nante“, von Silas [behandelt neben mehreren, die Supplementirung der Werke Raimund’s betreffenden Puncten, die interessante Thatsache, daß Nante 32, Raimund bis dahin (nach neun Jahren) nur eine Auflage erlebte[WS 4]]. – Leopoldstädter Theater-Almanach, herausgegeben von Karl Meisl und August Schmidt (Wien, kl. 8°.) 25. Jahrg. (1838). [In dem daselbst befindlichen Verzeichnisse der Schriftsteller, welche von 1814 bis 1838 Beiträge für dieses Taschenbuch geliefert, erscheint auch Raimund’s Name, jedoch ohne nähere Angabe, was und wann er für das Taschenbuch geschrieben.] – Monatsschrift für Theater und Musik 1856, Januarheft, S. 25 bis 27: „Ueber die neue Taschenausgabe der sämmtlichen Werke Ferdinand Raimund’s, herausgegeben in neun Bändchen von J. N. Vogl (Wien 1855, bei C. Hölzl)“. Von Silas. [Behandelt die Mängel dieser Ausgabe, die Varianten in der Anordnung des Textes beider Ausgaben, die Außerachtlassung [268] der von 1837 bis 1856 geänderten Censurverhältnisse, die eine Aufnahme der restituirten Censurlücken in diese neue Ausgabe möglich und nothwendig machten u. dgl. m. Ueberhaupt sind bei einer neuen und wünschenswerthen Edition von R.’s Werken obige Aufsätze von Silas wohl zu beherzigen und bei der Wahl des Redacteurs mit Umsicht vorzugehen; denn J. N. Vogl, ohne ihm nahe treten zu wollen, hatte gar nicht das Zeug dazu.] – Nordmann (Johannes), Der Salon. Wochenschrift für Literatur, Kunst u. s. w. (Wien, gr. 8°.), im März 1854, S. 432: „Ob man mich anders als einsam sieht“. Ein Gedicht von Raimund ddo. Wien 12. März 1814 [dürfte wahrscheinlich, nach dem gleichen Datum zu schließen, das weiter unten erwähnte Gedenkblatt in Müller’s „Album“ sein.] – Oesterreichischer Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1837, Nr. 24: „Ueber die Herausgabe der dramatischen Werke Ferdinand Raimund’s“. Von Silas [breitet sich vornehmlich über den Inhalt der Raimund’schen Stücke aus]. – Thalia. Herausgegeben von Dr. Karl Töpfer (Hamburg, 4°.) V. Jahrg. (1840), Nr. 45: „Eine Reliquie von Raimund“ [ein undatirtes Schreiben Raimund’s und ein „Aschenlied“ mit Choleratext, da die Krankheit eben in München auftrat; auch nachgedruckt im „Dampfboot“ 1840, in, Beiblatt „Schaluppe“, Nr. 83.] – Thalia. Taschenbuch, herausgegeben von Dr. Aug. Schmidt (Wien, gr. 12°.) Jahrg. 1846: „Im Fremdenbuche des Thalhofes zu Reichenau (bei Gloggnitz) ddo. 14. Mai 1834“ [mitgetheilt in A. Schmidt’s „Blättern aus meinem Wanderbuche“]. – Theater-Zeitung von Adolph Bäuerle, 1836, Nr. 190 (21.[WS 5] September) und Nr. 200 (5. October): „Raimund’s Biographie und über ein von ihm hinterlassenes dramatisches Fragment“ (7 Bogen stark) von F. C. Weidmann. [Schließt sich an Raimund’s Selbstbiographie in, nämlichen Journale (1836, Nr. 186) an [siehe darüber die biogr. Quellen S. 262 u. f.] – dieselbe 1855, 155: „Ferdinand Raimund in Breslau“. [Mit einem von Raimund am 26. März 1832 in J. E. Keßler’s Album geschriebenem Gedenkverse, betitelt: „Gruß und Abschied“.] – „In’s Stammbuch F. C. Müller’s“. [Das Gedenkblatt Raimund’s ist de dato 12. März 1814. Müller war k. k. Hofschauspieler und starb in Ruhestand am 21. Juli 1864. Es dürfte sich in Müller’s Nachlaß finden. Ist aber, nach dem Datum zu schließen, das oberwähnte, im Salon von Nordmann abgedruckte Gedicht.] – Wallner theilt in seinem „Tagebuche eines Comödianten“ einen aus Gutenstein datirten Brief Raimund’s und in der „Gartenlaube“ 1863, S. 500 u. f. mehrere Tagebuchblätter Raimund’s mit. – Reiches Materiale zu Varianten und Herstellungen des Originaltextes dürften sich in den Souffleur-Manuscripten der Stücke Raimund’s in den Bibliotheken der Wiener Theater, in denen sie zuerst gegeben wurden, oder auch jener Bühnen, auf welchen er gastirte, finden. – Capellmeister Adolph Müller in Wien besitzt das Gedicht Raimund’s: „An die Dunkelheit“, von Raimund eigenhändig geschrieben, welches aber schon Vogl in seine Nachträge aufgenommen hat. Ein anderes Gedicht von Raimund: „An ***“, besitzt Herr Buchhändler L. Rosner in Wien, der es auf der Autographen-Auction des Hofrath Böttiger in Leipzig erstanden hat.
IV. a) Kritiken der bedeutenderen Fachblätter oder anerkannter Literaturhistoriker über Raimund. [Einige der interessantesten Aussprüche der Kritik über Raimund den Dichter und den Schauspieler folgen auf S. 270 f., IV b u. IV, c.] Berliner Figaro 1832, Nr. 93: „Rott und Raimund“, von J. J. [eine gelungene Künstlerparallele]. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1839, Nr. 86: „Ferdinand Raimund’s sämmtliche Werke“. [Eine Würdigung des Dichters in der Fremde, wie sie ihm die Heimat nicht gewährt hat. Immer das alte Prophetia in patria!] – Gottschall (Rudolph), Die deutsche Nationalliteratur in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts (Breslau 1861, Ed. Trewendt, 8°.) Bd. III, S. 506, u. 507. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) XIX. Jahrg. (1828), Nr. 63; „Ferdinand Raimund und die Leopoldstadtbühne“. Von Th. H. Graf von Heussenstamm. – Kurz (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller (Leipzig 1859, B. G. Teubner, Lex. 8°.) Bd. III, S. 488–493. – Literaturblatt. Redigirt von Dr. Wolfgang Menzel (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1837, Nr. 121 [voll Wärme, ja Begeisterung für den verewigten Dichter. Vergleiche weiter [269] unten die Urtheile über Raimund den Dichter.] – Menzel (Wolfgang), Die deutsche Literatur. Zweite vermehrte Auflage (Stuttgart 1836, Hallberger, 8°.) Theil IV, S. 168. – Meynert (Hermann Dr.), Herbstblüthen aus Wien. Gesammelt in den Spätmonaten 1830 (Leipzig 1832, C. H. F. Hartmann, 8°.) S. 48, 49, 62, 63 [enthält treffliche Bemerkungen über Raimund den Dichter und Darsteller. Einiges davon weiter unten in den Aussprüchen der Kritik]. – Oesterreich im Jahre 1840. Staat und Staatsverwaltung, Verfassung und Cultur. Von einem österreichischen Staatsmanne (Leipzig 1840, Otto Wigand, gr. 8°.) Bd. II, S. 298 [der Curiosität halber möge hier das Urtheil, welches „der österreichische Staatsmann“ über Raimund fällt, folgen: „Die höchste Glanzperiode der Wiener Localposse trat dagegen zu Raimund’s Zeiten ein, der ein vortrefflicher Zeichner des wirklichen Lebens und vorzüglich seiner naiven Zustände, das innere Wesen der Localposse zu veredeln, von der poetischen Seite aufzufassen und einem höheren Standpuncte zuzuführen suchte – doch sage ich hier nur suchte, weil Raimund’s edler Durst nach Rafaelischer Idealität mit seiner Kraft in keinem Verbande stand, und er in jenen Augenblicken, wo sich sein Gemüth der Poesie ganz ergeben wollte, nur albern und abgeschmackt erschien!!!“ Dieses Urtheil wohl, aber nicht Raimund’s Poesie ist albern und abgeschmackt. Nun die „österreichischen Staatsmänner“ haben sich nie viel um Poesie gekümmert, und wenn diese auch zum Lenken des Staatsschiffes nicht gerade nothwendig ist, so würde ihnen doch eine eingehendere Kenntniß der literarischen und Culturzustände des polyglotten Oesterreich nichts weniger als schaden, und sie könnten sich in dieser Beziehung die Staatsmänner Englands zum Muster nehmen, die es nicht verschmähen, in ihrer Muße Literatur zu treiben, und daher auch vor derselben mehr Achtung haben, als dieß hier zu Lande der Fall ist.] – Oesterreichischer Zuschauer, herausgegeben von Ebersberg (Wien, 8°.) 1838, Bd. 4, S. 1584: „Charakter-Silhouetten deutscher Dichter. Ferdinand Raimund und die Wiener Localposse“; – derselbe 1840, Nr. 49; „Eine Stimme aus der Ferne“. [Ein glossirter Auszug aus Sternberg’s Roman „Kallenfels“, der eine poetische Schilderung aus der bekannten Abschiedsscene aus Raimund’s „Mädchen aus der Feenwelt“ enthält. – Presse 1871, Nr. 248, im Feuilleton: „Ferdinand Raimund“, von Martin Greif [manche neue Gesichtspuncte zur Auffassung Raimund’s; bemerkt unter Anderem treffend: „Ein Dichter von solch örtlicher Bestimmtheit und Farbe als Hebel für den alemanischen, ist Ferdinand Raimund für den österreichischen oder, im allgemeinen gesagt, für den großen bayerisch-österreichischen Volksstamm.“] – Schütze (Karl Dr.), Deutschlands Dichter und Schriftsteller von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart (Berlin 1862, Albert Bach, 8°.) S. 293 [ich führe dieses Buch an, wegen der einen zutreffenden Zeile auf Raimund; sie lautet: „Raimund ist der deutsche Molière“]. – Seidlitz (Julius Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, J. M. Gebhardt, 8°.) S. 148–156. – Tietze (M.), Wiener diabolische und menschliche Photographien, fixirt von – – (Berlin 1869) [gedenkt auch des alten Leopoldstädter Theaters und seiner ersten Größe Raimund in einer Weise, die den Norddeutschen bei Schilderung süddeutscher Personen und Zustände überhaupt nicht eigen, in einem noch dazu 1866 in Berlin erschienenen Buche aber geradezu wohlthut]. – Unser Planet. Blätter für Unterhaltung u. s. w. Von Ludwig Storch (Leipzig, 4°.) II. Jahrg. (1831), Beilage: Theaterblatt, Nr. 90, 96, 102, 108, 114, „Das Volkstheater in Wien. Versuch einer Bühnen-Charakteristik“, von Hermann Meynert [betrifft ausschließlich Raimund’s Stücke]. – Wanderer (Wiener polit. Blatt, 4°.) 1834, S. 217: „Raimund und seine Beurtheiler“, von S. B. L....a. – Wiener Zeitschrift u. s. w. Von Schickh, später von Witthauer (8°.) 1831, S. 269: „Raimund’s Gastspiele in München“. – Noch sei hier einiger Aussprüche und Charakteristiken Raimund’s gedacht, die nicht eben als Urtheile über ihn gelten sollen, aber doch erwähnt zu werden verdienen. – So enthält Andersen’s Roman: „Nur ein Geiger“, eine poetische Würdigung Raimund’s. – Das kürzeste, aber deßhalb nicht minder bezeichnende Urtheil über Raimund sprach wohl Director Carl aus. Er verglich nämlich Raimund und Nestroy und sagte: „Raimund findet oft einen gewöhnlichen Kieselstein, aber er glättet und polirt denselben so lange, bis er einen Glanz gewinnt. der ihn fast einem Edelstein ähnlich macht, Nestroy hingegen hat oft einen echten [270] Diamanten, aber er wirft ihn zuerst in den Straßenkoth und dann präsentirt er ihn dem Publicum.“ – Ernst Ortlepp in seiner Ausgabe des „Dekameron“ von Boccaccio (Stuttgart 1841), stellt Raimund neben Boccaccio und Cervantes. Nun, es ist immer eine hübsche Blumenlese von Ehrentiteln, welche die Norddeutschen Raimund angehängt, den sie den „Shakespeare“, dann wieder einmal den „Molière der Volksmuse“, den „Schiller des Localstückes“ genannt und der hier neben Boccaccio und Cervantes gestellt wird. – Interessant ist noch eine Kritik. Die bei Karl Hoffmann in Stuttgart erscheinende „Classische Theater-Bibliothek aller Nationen“ hat sich auch der Raimund’schen Stücke erbarmt und „Das Mädchen aus der Feenwelt“ und den „Verschwender“ in ihre „classische Theater-Bibliothek“ aufgenommen! In der jedem Theaterstücke vorangehenden „Einleitung“ aber hat ein „Namenloser“ sonderbarer Weise den Dichter kritisch so verlästert, daß man mit Recht fragt, wie kommt denn ein Dichter so untergeordneten Werthes, zu dem Raimund hier gestempelt wird, in die „classische“ Theaterbibliothek? Ein sonderbarer Schwärmer dieser Namenlose, den Gervinus und Julian Schmidt’s Diatriben auf österreichische Poeten wohl nicht schlafen ließen!
IV. b) Raimund’s Charakteristik als Dichter. Rudolph Gottschall, der sonst manche Ungebühr der norddeutschen Literarhistoriker gegen österreichische Poeten gut macht, behandelt Raimund in unbilliger Oberflächlichkeit. Er schickt seinem Urtheile über R. einige Betrachtungen über die moralisch-sentimentale Posse voraus und schreibt: Während die aristophanische Posse von namhaften Dichtern und Gelehrten gepflegt wurde, bereicherten Schauspieler die Bühne mit der zweiten Gattung der Posse, welche wir die moralisch-sentimentale nennen möchten, und welche die Masse des Volkes zu elektrisiren verstand. Sie vermischt in Shakespearischer Weise Scherz und Ernst, zieht Himmel und Erde in ihre Kreise und setzt dabei immer eine Moral in Scene, deren praktische Brauchbarkeit und handgreifliche Anwendung auf Lebensverhältnisse nahe liegt. Das Glück, die Fortuna, ist die eigentliche Göttin dieser Possen, und ihre durchgängige, mannigfach modificirte Moral: daß das wahre Glück, die innere Zufriedenheit, nicht von äußeren Glücksverhältnissen abhängig ist. Dem französischen Fortuna-Macher wird das nicht erst zu machende, sondern dauernd gegenwärtige Glück in den Tiefen des Gemüthes entgegengestellt. Nach dieser Seite hin sind die Possen echt deutsch und, trotz der häufigen Betonung der Arbeit und ihrer hohen Stellung gegenüber dem vornehmen Müßiggange, nicht socialistisch zu nennen. Wenn bei den Franzosen der Nachdruck auf dem Rechte der Arbeit und auf den Forderungen liegt, welche auf eine Verbesserung der äußeren Lagen hinzielen, so liegt er bei den Deutschen auf dem Glücke der Arbeit und auf der inneren Befriedigung, welche sie gewährt; dort herrscht die praktische, juristische, national-ökonomische Wendung, hier die gemüthliche, sittliche, religiöse. Charakteristisch für die Form dieser und der nächstfolgenden Possengattung ist das sangbare, bald humoristische, bald sentimentale Couplet, der Wechsel von Versen und Prosa, duftigste Poesie nach Art des „Sommernachtstraumes“ und derber hausbackener Realismus. Ambrosia und Nektar der Schicksalsgötter und der modern allegorischen Bewohner des Theaterolympes und der echte Kotzebue’sche Pumpernickel die nahrhafte Speise der Erdgebornen. Der Schöpfer dieser Gattung ist Ferdinand Raimund („Der Verschwender“, „Der Bauer als Millionär“, „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“, u. A.), ein poetisch-melancholisches Gemüth, dem die Zauberlandschaft dieser bunten Dichtung wie in Träumen entstieg, bevölkert mit heitere Gestalten, aber auch mit den grillenhaften Dämonen kranker Phantasie. Alle seine Possen haben einen dunklen Hintergrund, den die flackernden Lampen der Phantasie mit wehmüthigem Scheine erhellen. Es durchweht sie ein poetischer Hauch; ihre Farben sind warm, ihre psychologischen Effecte oft ergreifend, ihre Grundlage ist stets sittlich.
Tiefer aufgefaßt und wärmer beurtheilt wird Raimund von Heinrich Kurz. „Raimund’s größtes, aber auch unsterbliches und nicht genug anerkanntes Verdienst, schreibt Kurz, besteht darin, daß er das Volksschauspiel aus der Versunkenheit, in welche es gefallen war, wieder emporhob; daß er in das poetische Leben des Volkes eindrang, und neben dessen unerschöpflichem reinen Humor, der in den meisten Volksschauspielen durch gemeinen Straßenwitz verdrängt worden war, auch dessen reiches, unbestochenes Gefühl für alles wahrhaft Edle und Schöne zur künstlerischen [271] Anschauung brachte. In tiefer Erkenntniß des Volkes und seines innersten Gemüths wählte er märchenhafte Stoffe, die dem Volke noch weit näher liegen, als man sich gewöhnlich einbildet; und wie Carlo Gozzi, ja in noch glücklicherer Weise, verstand er die Märchenwelt mit den Zuständen unserer Zeit in die innigste Verbindung zu bringen. Während uns diese Welt in den Darstellungen der Romantiker, die bei aller ihrer nationalen Gesinnung durchaus nichts Volksthümliches hatten, immer als schneidender Gegensatz zur Prosa unserer Tage, als eine der Wirklichkeit fremde Abstraction, als ein verlorenes Paradies entgegen tritt, das wir zwar ahnen, aber uns nicht aneignen können: erscheint sie bei Raimund in aller jugendlichen Frische und Wahrheit, wie sie sich nur im ewig jungen Gemüth des Volkes abspiegeln kann. Dies konnte eben nur ein wahrer Dichtergeist erreichen, der mit der reichsten Phantasie die glücklichste Gabe der Gestaltung besaß, und ein Dichter, der bei hoher geistiger Bildung zugleich vom tiefpoetischen Leben des Volkes durchglüht war. Wie großartig seine Gestaltungsgabe war, zeigt sich nicht blos darin, daß alle seine Personen die märchenhaften, sowie die, welche er aus der Wirklichkeit entnahm, mit der größten Wahrheit gezeichnet sind, daß sie sämmtlich die vollkommenste Individualität und Lebensfähigkeit besitzen, sondern ganz besonders darin, daß er selbst allegorische Figuren, das Schwierigste, was der dramatische Dichter wagen kann, mit dem vollsten persönlichen Leben beseelt; wie uns denn in seinen Dramen die Hoffnung, die Jugend, das Alter in solcher Lebensfülle erscheinen, daß wir, wie ein Kritiker richtig bemerkt, „wider unsern Willen gezwungen werden, an sie zu glauben.“ Unter seinen dem Leben entnommenen Personen, sind die Diener und Kammermädchen mit großer Liebe und Wahrheit gezeichnet. Meistens ist es dieselbe Persönlichkeit nur mit verändertem Namen, aber in einigen Stücken erscheint sie mit trefflichen Modificationen, so daß wir in diesen Personen ein vollkommenes Bild der unteren Stände nach ihren verschiedenen Erscheinungen erhalten. Das österreichische Volk, insbesondere die Wiener, sind in diesen Gestalten mit der höchsten Wahrheit gezeichnet; der immer lebensfrische Humor, der von dem nordischen Witz sehr verschieden ist, weil er mit einer liebenswürdigen Gutmüthigkeit verbunden ist, die keineswegs der Kraft entbehrt; die heitere, immer jugendliche Lebenslust, die beinahe etwas Ländliches hat; der Gegensatz der äußeren Schwerfälligkeit mit geistiger Lebendigkeit; alle diese Züge treten in den Reden und Handlungen dieser Personen mit der lebendigsten Anschaulichkeit hervor. Aber auch in der Erfindung, in der Anlage und Ausführung zeigt Raimund großes Talent; seine Dramen sind reich an den schönsten poetischen Motiven, an großartigen und eigenthümlichen Gedanken, an wirkungsvollen Situationen, in denen er eine wahrhaft geniale Schöpfungskraft entfaltet. Seine Stücke sind freilich nicht alle von gleichem Werth, vielmehr finden wir, daß er in stetem und mächtigem Fortschreiten begriffen war: denn gerade die weniger gelungenen Stücke, die nach unzweifelhaft besseren erschienen, wie die „Gefesselte Phantasie“, sind Beweise seines eifrigen und gewissenhaften Strebens, da er sich darin in neuen Bahnen und Anschauungen versuchte. Und so müssen wir tief betrauern, daß er sich selbst vor der Zeit dem Leben und der Kunst entriß, weil er gewiß noch viel Bedeutenderes geschaffen und dem Volksschauspiel eine entschiedene Richtung gegeben haben würde“.
Wolfgang Menzel schreibt über Raimund: Die Wiener Dichter des Leopoldstädter Theaters ließen ihre Märchenpossen drucken. Bäuerle schrieb deren sehr viele in dem normalen Localhumor. Raimund verstieg sich in eine höhere Sphäre der Romantik, und seine Singspiele: „Der Alpenkönig“, „Der Bauer als Millionär“, „Der Verschwender“ sind so lieblich, so echte Poesie, daß ich sie zu den trefflichsten zähle, was unsere Bühne in der heitern Gattung besitzt. Dazu Wenzel Müller’s immer herzliche und fröhliche Musik. Die ernstgestimmte Seele kann keine wohlthätigere Zerstreuung finden, als wenn sie sich dieser lachenden Feerei hingibt, hinter deren hinreißender Lustigkeit eine tiefe Menschenkenntniß und das edelste Gemüth erkannt wird. Welches Volk hat einen Dichter wie Raimund?“ –Später nach Raimund’s Tode, bei Gelegenheit der Besprechung der von J. N. Vogl veranstalteten Ausgabe von Raimund’s Werken, schreibt Menzel: In Raimund hat Deutschland einen der liebenswürdigsten dramatischen Dichter verloren. Ohne aus der Eigenthümlichkeit der Leopoldstädter-Theatermanier herauszutreten, ohne sie durch vornehmere Zuthat zu verfälschen, hat er sie doch dadurch veredelt, daß er die Gemüthlichkeit, [272] deren sie fähig ist, in’s glänzendste Licht setzte. Diese Gemüthlichkeit liegt im österreichischen Charakter. Man findet sie in den Kuhreigen auf den Gebirgen, wie in der Wenzel Müller’schen Musik, beim Volk ganz so wie im Volkstheater der Leopoldstadt. Nur daß auf diesem Theater der Spaß überwiegt, und das Rührende selten durch das Burleske durchbrechen konnte. Raimund hat nun das Rührende (ohne alle Prätension) auf so natürliche Weise mit dem Lustigen verbunden, daß kaum Englands Bühne einen so wohl gelungenen Humor aufweisen kann. Das Publicum hat dieß auch gefühlt; daher sind die besten Stücke von Raimund von Wien auch auf andere Bühnen übergewandert, obgleich dadurch viel von dem Reiz der Localtöne verloren ging. Indem die Zauber- und Feenwelt, das Reich der ungebundensten Phantasie mit der Alltäglichkeit des gemeinen Lebens bunt vermischt wird, muß das gemeine Leben auch so local, so bestimmt als möglich ausgeprägt, so eng als möglich begrenzt sein. Allgemeine Menschen, modern Gebildete würden bei weitem nicht so gut mit jener Geisterwelt contrastiren, als es Bürger und Bauern thun, die in einem bestimmten Dialect reden, in einem engen Kreise von Gewöhnungen sich bewegen. Nur aus diesem Grunde hat schon Aristophanes Localsitten und Sprache mit Phantasterei contrastirt; die italienischen Masken und Gozzi sind demselben Gesetz gefolgt, und das Leopoldstädter Theater hat nur aus derselben Ursache so viel Glück gemacht.
Hermann Meynert schreibt über Raimund’s Dichtungen: „Bei all’ den Fehlern, an welchen seine Stücke mehr oder weniger kränkeln, ist ihnen Witz, ja echte Poesie, vor Allem aber Originalität nicht abzusprechen. Auf wunderbare Weise versteht er das Gewöhnliche, Alltägliche und Natürliche mit dem Uebersinnlichen und Fabelmäßigen, das Niedrig-Komische mit dem Pathetischen und Großartigen, das Lächerliche, Läppische mit dem Hochtragischen, und das antike Märchenhafte mit dem Reinmodernen und der compactesten Wirklichkeit zu verschmelzen. Seine Stücke bilden, von diesen verschiedenen Kehrseiten aus betrachtet, eine unwillkürliche Ironie ihrer selbst: sie erzählen es gleichsam offen und unbefangen, daß sie uns belügen wollen, und während andere Dramatiker das Natürliche dem Wunderbaren nahe zu bringen und die Körperwelt zu vergeistigen streben, strebt Raimund umgekehrt, das Wunderbare dem Natürlichen anzunähern und das Geistige grob zu verkörpern, kurz, gleich einem dramatischen Thomasius, das Uebersinnliche auf die Sinnenwelt zurückzuleiten, es zu entlarven, ihm das Gespenstergewand der dichterischen Fabel abzureißen. Er frivolisirt Alles, das Entsetzliche wie das Erhabene. Die begeisterndste Tugendgröße leitet er durch neckische Proben. Die Schreckensgestalten der Menschheit, die Popanze des Lebens, Schicksal und Tod, müssen sich bei Raimund ebenfalls in intime Gesellschaft mit dem Burlesken, niedrig Abenteuerlichen bequemen, die Nähe des Possenhaften wirft auch auf sie einen lustigen Abglanz; man kann sie nicht mehr fürchten, weil man über sie hat lachen müssen. Er stellt die Schrecknisse der Menschenwelt in ihrem fröhlichen Stündchen dar, und selbst den unbändigsten Ideen, Laster, Vernichtung u. a. m. lauscht er eine schwache Seite ab.“
Auch Julius Seidlitz schreibt mehreres Treffliche über Raimund. „Er war“, heißt es in seinem Buche, „keiner jener verzärtelten Dichtergemüther, welche die Wirklichkeit fürchten und in Idealen schwärmen; zum Volke stieg er herab, denn zu ihm wollte er sprechen. Daß ihm die reichgeschmückten Säle nichts galten, bewies er dadurch, daß er auch nicht einmal die reine göttliche Freude im Palaste wohnen ließ. Wie Jean Paul war er der Dichter der Armen, an die Hütte klopfte er an, an die stille Wohnung des Glückes, und hier öffnete er seine Brust und streute die Goldperlen der Poesie mit verschwenderischer Hand. Er weinte mit dem Weinenden und lachte mit dem Fröhlichen, seine Brust umfaßte die volle Tonleiter der menschlichen Gefühle, und Lust und Schmerz und Wonne und Trauer klangen melodisch daraus zurück. Er war der Richter seiner Zeit, denn keiner hat mit so strenger, so unerbittlicher Hand die goldenen Gewänder zerrissen, worunter die Zeit ihre Laster versteckt, und hervor hat er die Zitternden gerissen, sie dem Volke gezeigt in ihrer Blöße, Nacktheit, Niedrigkeit. Doch auch ein milder Arzt war er, und war es auch nur ein Mittel, durch das er wirkte, so war dieses doch allmächtig, denn keiner wie er verstand es so dem Volke zu bereiten. Und fragt ihr mich, was dieser Zaubertrank gewesen, welche Kräuter er dazu gesammelt, wo er sie gefunden, wie er ihn bereitet? so war es der Humor, mit dem er wunderthätig wirkte, so [273] war es die Verkehrtheit der Zeit, die den Humor gebar, die Masse des Volkes, wo er ihn gefunden, sein scharfer Blick, mit dem er ihn bereitet.
b) Raimund’s Charakteristik als Schauspieler. Als Schauspieler meint man, sei Raimund denselben Weg gegangen wie als Dichter; aus einem glücklichen Volkskomiker habe er etwas Künstlerisches werden wollen, und dadurch die unbewußte Gabe, Alles durch seine Komik zu fesseln, zum Theil eingebüßt. Diese Ansicht mag richtig sein, und die Lust, ein Iffland zu werden, mag R. veranlaßt haben, manche angeborene Richtung nicht zu verfolgen; nichtsdestoweniger war er noch wie er sich auf seiner Reise durch Norddeutschland zeigte, einer der vorzüglichsten, wo nicht der erste unter den lebenden Komikern. R. war ein Schauspieler von nicht besonders vortheilhafter Theaterfigur, aber auch nicht von einer so possierlichen, daß sie von selbst zum Lachen aufforderte; ihm ging eine klangreiche Stimme ab, erkämpfte mit Buchstaben, die Buffobonhomie, die Freundlichkeit, die zuweilen auf den ersten Blick gewinnt, gingen ihm ab, kurz, ihm fehlt die angeborenen komische Kraft, wie sie die Natur zuweilen schafft, man weiß nicht woraus; er hatte auch nicht die Volubilität der Zunge und die Impromptulaune, durch welche die Komiker von sonst ihr Publicum sich eroberten. Dafür wußte er aber mit künstlerischer Oekonomie und künstlerischem Geiste, was er hatte, desto besser zu benützen, die gutmüthig klugen Augen, seinen gewandten, ihm ganz dienstbaren Körper; immer mehr arbeitete sich im Verfolg seiner Rolle der Geist aus der unscheinbaren Hülle heraus, immer deutlicher wurde die Charakteristik, immer sprechender die Wahrheit, immer wärmer die Sprache, immer lebendiger das Mienenspiel. Mitten im hellsten Scherze wußte er zu rühren. Andern Komikern ist der Spaß Spaß, ihm war er Ernst, und in jeder seiner, freilich geringen Anzahl von Rollen, ging der ganze Mensch auf. Seine vorzüglichste tragische Partie war der zum Greise plötzlich gewordene Millionärbauer; man kann sagen, ein Stein mußte gerührt werden, wenn der zitternde Aschenmann sein Lied vortrug. Dieser tragische Grundton wird bei schärferer Beobachtung sich vielleicht in allen seinen Darstellungen nachweisen lassen. R. war durchaus ernst als Schauspieler wie als Dichter, er war nie eigentlich ausgelassen; wo er es schien, trennte nur eine dünne Florwand den Humor von der Aussicht auf das Ende aller Dinge, von denen der Humor eines ist.
Meynert schreibt über Raimund, den Schauspieler: „Als darstellender Künstler ist Raimund mehr ein wahrhafter und geübter Maler menschlicher Launen als menschlicher Leidenschaft, zu nennen. Er ergreift jeden Charakter in seinen bezeichnendsten Momenten, denn komische und ernste Natur steht ihm gleich sehr zu Gebote; indeß ist er weit mehr mimischer Humorist als Komiker. Den Gluthhahn in seinem Zauberspiele: Moisasur’s Zauberfluch, zähle ich zu seinen gelungensten Leistungen. Diese Wahrheit in Ton und Geberde, dieses schlangenähnliche Winden der Rede in niedern und plumpen Worten, dieser gewandte Geist in dem schwerfälligen Leibe eines ergrauten Bauern, dies alles war von ihm berücksichtigt, und alles wußte er auf das Treueste darzustellen.“ Einer brieflichen Mittheilung Meynert’s entnehme ich noch folgende, Raimund’s eigenthümliche Spielweise treffend charakterisirende Stellen. Meynert schreibt: „Ich sah ihn später in der Rolle des „Verschwenders“ und wüßte mich auf nichts Trefflicheres in dieser Art zu besinnen. Die Scene, in welcher er seinen verarmten früheren Gebieter wieder findet und, um dem vermeinten Bettler ein Almosen zu reichen, in die Tasche greift, dann aber, ihn plötzlich wieder erkennend, nicht weiß, wie er, ohne daß sein einstiger Herr es wahrnehme, die Hand wieder aus der Tasche herausbringen soll, bleibt mir unvergeßlich; es waren da so viele kleine Momente der rührendsten Wahrheit in einen einzigen Moment hineingedrängt, daß es sich nicht schildern läßt. Im ausdrucksvollen Mienen-, im beredten Geberdenspiele war Raimund ein vielleicht unübertroffener Meister. Auch sein schwaches Organ brachte durch die eigenthümlichsten Modulationen, bald durch drastisches Betonen, bald durch Abbrechen und halbes Verschlucken der Satz-Enden merkwürdige Effecte hervor. Wie ärmlich stehen seine Nachahmer da!“
Eine geistvolle und treffliche Charakteristik Raimund’s als Schauspieler gibt auch Oettinger. „Raimund, schreibt er, ist originell und genial. In ihm findet man alle drei Grade der Laune: den Positiv: Jovialität, den Comparativ: komische Kraft, und den Superlativ: Humor vereinigt. Seine Jovialität, seine komische Kraft, sein Humor ist aber eingehüllt in Herzlichkeit, Gemüthlichkeit und Sentimentalität, und diese Herzlichkeit, [274] diese Gemüthlichkeit und diese Sentimentalität ist wieder in Wahrheit und Natürlichkeit eingewickelt. Man sieht hieraus, daß Wahrheit und Natürlichkeit in seinem Spiele die Oberhand hat und daß erst nach diesen die Gemüthlichkeit und nach dieser erst der Humor kommt. Raimund gehört zudem kleinen Häuflein von Genremalern, denen vor allen Dingen die richtige Charakterzeichnung am Herzen liegt. In den Gemälden, die er uns hinstellt, leuchtet überall eine Hogarthische Wahrheit hervor. Seine Bilder sind keine Callot’sche Fratzen, keine Cruikshank-Carricaturen, sondern Tenierssche Charakterbilder, bei deren Ausführung er die Tinten aus dem Farbenkasten der Natur geschöpft, den Pinsel in die Palette der Wahrheit getaucht und jeden Zug, jede Nuance dem Typus der Wirklichkeit abgelauscht hat. Dieser Wahrheit weiß er dann durch seinen Humor einen rosenfarbenen Firniß und durch seine vis comic einen glänzenden Rahmen zu geben, der den Reiz des Bildes erhöht und es auffallender macht. Meiner Meinung nach thut man Herrn Raimund sehr unrecht, wenn man ihn in die Classe der bloßen Komiker wirft. Raimund ist mehr als ein bloßer Spaßmacher, Scaramuz oder Hanswurst, er ist ein geistreicher Schauspieler, der, hätte er ein besseres Organ, ebenso gut tragische, als jetzt komische Stellen verkörpern könnte. Raimund ist auch kein Sänger, also auch kein Buffo, denn ein Buffo ohne Stimme ist nur ein Text ohne Melodie, Raimund ist, wie gesagt, nur ein Charaktermaler, ein feiner Komiker, dessen Laune keinen Wucher auf Kosten der Wahrheit treibt – mit einem Worte, er ist – der deutsche Potier.
V. Raimund in der Dichtung. a) Gedichte an ihn. b) Raimund auf der Bühne. c) Raimund im Romane. d) Gedächtnißfeste. – a) Gedichte an Raimund. Humorist. Herausgegeben von M. G. Saphir (Wien, 4°.) 1836, im Herbste: „Nachruf an Raimund“. Von Braun von Braunthal. [Als Raimund’s „Verschwender“ über die Bretter ging, nahm Herrn Braunthal’s kritische Scheere keinen Anstand, den Dichter zu verwunden. Und nun obiger Nachruf! Consequenz war Herrn von Braunthal’s stärkste Seite nicht.] – Theater-Zeitung 1828, Nr. 140, S. 557: Gedicht von J. Pope; – in derselben, 1835, Nr. 225: „An Raimund. München, October 1835“, ohne Angabe des Autors; – ebenda: „Abschiedsworte an Ferd. Raimund bei Schluß seiner Gastvorstellungen im Herbste 1835“, ohne Angabe des Autors; – dieselbe, 1834, Nr. 55: „An Ferd. Raimund nach der Aufführung des Zauberspieles: „Der Verschwender“. Von J. Kupelwieser. – „An Raimund’s Grabe. Von C. R. von C(athrin). Cantate zur Monuments-Enthüllung für Raimund auf dem Friedhofe zu Gutenstein. In Musik gesetzt von Franz Edlen von Marinelli. Am 8. September 1837. – „Auf Raimund’s Tod“. Von Karl Meisl (Wien, September 1836). Auf die Melodie des Tischlerliedes im „Verschwender“. Separatabdruck. – „Wenn der Raimund wieder käme“, Gedicht von C. Elmar. Dieses Gedicht mit dem Refrain des Liedes vom Aschenmann wurde von Rott in der Akademie gesprochen, welche Herr von Klesheim am 27. April 1862 zur Wiederherstellung des verfallenden Denksteins auf Raimund’s Grabe veranstaltet hat. Ob es gedruckt, weiß ich nicht. – An Raimund sind, als er noch lebte und nach seinem Tode, zahlreiche Gedichte von mehr und minder bekannten Poeten gerichtet worden, so z. B. in Witthauer’s „Wiener Zeitschrift“ 1832, S. 109: „Gruß an Ferdinand Raimund bei seiner Rückkehr von Hamburg und München“, von Karl Ed. Bauernschmid; in der Bäuerle’schen „Theater-Zeitung“ 1856, Nr. 206, von Anton Silas, von dem damaligen Schauspieler, Vater des jetzigen Directors F. Strampfer[WS 6], „Am Grabe Raimund’s“, dann von Letteris, G. H. Liebenau, Moriz Rappaport (später Pseudonym Max Rainau), Gustav Papst u. A., die letzteren sämmtlich in Seyfried’s „Wanderer“ abgedruckt. – b) Raimund auf der Bühne. Ferdinand Raimund. Künstler-Skizze mit Gesang in drei Acten. Von Karl Elmar. Musik von Capellmeister Adolph Müller (Wien 1862, Wallishausser’sche Buchhandlung, 8°.) [bildet die 89. Lieferung des Sammelwerkes: „Wiener Theater-Repertoir“. Karl Rott spielte bei der Aufführung dieses guten Stückes, October 1851, den Raimund vortrefflich]. – Reuper (Julius), Ferdinand Raimund. Trauerspiel in 8 Aufzügen (Bielitz 1869, Selbstverlag). Auch abgedruckt in der Zeitschrift: „Die deutsche Schaubühne, Organ für Theater, Musik u. s. w. (Leipzig, bei Oscar Leiner, 8°.) Jahrg. 1869, Heft 5 u. 6. [Herausgeber dieses Lexikons kennt Herrn Reuper’s [275] Stück nicht, was er aber darüber von competenter Seite gehört, gereicht dieser Arbeit nicht zur Empfehlung und soll eine Aufführung derselben – die Bühnen gegenüber als Manuscript angesehen sein will – kaum zu befürchten sein.] – In Karl Haffner’s Stück: „Therese Krones“, Localstück in drei Aufzügen, nach Bäuerle’s gleichnamigem Roman bearbeitet und im December 1854 im Theater an der Wien gegeben, tritt auch Ferdinand Raimund auf. Rott gab ihn hier mit bekannter Meisterschaft. – c) Raimund im Roman. In Bäuerle’s „Theater-Zeitung“, Jahrg. 1855, gleich zu Anbeginn des Jahres erschien: „Ferdinand Raimund. Roman in vier Theilen. Vom Verfasser des Romans „Therese Krones“ [dieser ist Adolph Bäuerle selbst und erschien der Roman auch selbstständig in vier Theilen bei Hartleben in Wien. Auch dieser Roman, wie der folgende, enthält biographisches, aber doch mit Vorsicht zu benützendes Materiale über Raimund]. – Im Roman „Therese Krones, von Adolph Bäuerle“, tritt auch „Ferdinand Raimund“, hier jedoch nur als Nebenperson, mehrere Male auf. Bäuerle besitzt eine treffliche und vorherrschend dramatische Darstellungsgabe, und auf Rechnung derselben sind die Uebertreibungen und vielleicht Erfindungen manches darin Raimund Zugeschriebenen zu setzen. – d) Gedächtnißfeste. „Dem Andenken Raimund’s oder die Gränze der Vergänglichkeit“. Festspiel von F. C. Weidmann, zum ersten Male im Theater in der Leopoldstadt aufgeführt am 17. October 1836. – „Erinnerungsfeier an Ferdinand Raimund“, von Karl Meisl. Gegeben im Josephstädter Theater und spurlos vorübergegangen. – „Echospiele“, von Karl Haffner, zu Raimund’s Gedächtniß im Theater an der Wien gegeben; vom Publicum abgelehnt. – Ueber eine zu Gutenstein abgehaltene „Raimundfeier“ berichtet die Bäuerle’sche „Theater-Zeitung“, 46. Jahrgang. (1852), Nr. 126, S. 506. – Ein Jahr nach Raimund’s Tode beging die Direction des deutschen Theaters in Pesth eine Raimundfeier, indem sie ein Stück von Anton Benkert, dem Vater des Schriftstellers und Petöfi-Uebersetzers Kertbeni, gab. Johann B. Lang, Raimund’s Freund, trat darin als Raimund auf. Dieser Abend ist auch noch in anderer Hinsicht bemerkenswerth. Lang suchte sich aus dem Balletpersonale ein. Mädchen für die Rolle des Genius aus. Die Kleine gefiel sehr und wandte sich dann dem Localstücke ganz zu. Es ist die noch heute so beliebte Schauspielerin im Theater an der Wien, Fräulein Katharina Herzog.“
VI. Porträts in Stahlstich, Lithographie und Holzschnitt. – Erinnerungsblätter. – Statuette. – Medaille. a) Porträts. 1) Radirter Umriß in Contourstrichen. Ohne Angabe des Zeichners, des Jahres und Verlegers. Im schwarzen Frack. Der Kopf ist im Profil colorirt. Dieses schon sehr seltene Blatt ist wahrscheinlich 1818 oder 1819 bei Geistinger in Wien erschienen und dürfte den Dichter in der Rolle des „Lustigen Fritz“ im gleichnamigen Stücke Karl Meisl’s vorstellen. – 2) Medaillon-Kupferstich, nach einem Gemälde von Frank, gestochen von J. Passini. Auch in dem von Ebersberg herausgegebenen Taschenbuche „Erato“ 1822. – 3) Unterschrift: Ferdinand Raymund als Quecksilber aus dem Zauberspiel: Der Barometermacher. Kummer lith.? Das in meinem Besitze befindliche Exemplar hat eine unleserliche Schrift, so daß ich den Namen des Lithographen nicht bestimmt angeben kann (1823). – 4) Lithographie von Kriehuber. Brustbild. Raimund mit nach oben gerichtetem Blicke, den Arm auf einen Felsen gestützt, hält in der Hand ein aufgeschlagenes Buch. 1829. Sehr selten. – 5) Lithographie von Kriehuber. Raimund mit verschränkten Armen (früh gealtert). Auch in Pietznigg’s „Mittheilungen aus Wien“ (8°.). – 6) Noch ist von Kriehuber ein Porträt Raimund’s in Folio vorhanden, welches bei Mechetti in Wien erschienen ist. – 7) Unterschrift: „Ferdinand Raimund am Sarge seiner Jugend“, Holzschnitt aus W. Aarland’s X. A. Michael sc. in der „Gartenlaube“ 1861, S. 85 [ohne Werth, mittelmäßige Illustration zu Träger’s sinniger Bluette: „Ein Unvergeßlicher“]. – 8) Lithographie von J. Stadler. Copie des Kriehuber’schen Bildes (Raimund mit verschränkten Armen). Auch vor der ersten Ausgabe seiner „Sämmtlichen Werke“. – 9) Pollack del., lith. von Sprick (Berlin, Gebrüder Rocca, 4°.); – 10) „Ferdinand Raimund als Aschenmann“. X. A. v. W. A(arland) sc. Monogramm des Zeichners: Vol24page275Monogram.jpg Trefflicher Holzschnitt in Keil’s „Gartenlaube“ 1863, S. 501, nach einem bei Trentschensky erschienenen Bilde. – 11) Holzschnitt o. A. d. Z. u. X., aber trefflich [276] ausgeführt und nach einem ziemlich guten Vorbilde – wenn ich nicht irre, nach dem seltenen lith. Blatte von Kriehuber (in 8°.) – in Heinrich Kurz’ „Geschichte der deutschen Literatur u. s. w. Bd. III, S. 489. – b) Erinnerungsblätter. 1) Nach einem Gemälde von Friedrich Schilcher hat J. Lancedelli ein allegorisches Erinnerungsblatt auf F. Raimund lithographirt. Raimund, im Costum des Tischlers Valentin aus seinem „Verschwender“, sitzt, den Hobel in der Hand, auf einem Stein. Vorn steht die Fee Cheristane, ihr zur Seite ein trauernder Genius mit an eine bekränzte Lyra gelehntem Haupte. Zu Valentin’s Füßen liegt der Aschenkübel des „Aschenmannes“ mit der Brücke, um welche sich die zerbrochene Fessel der Phantasie schlingt. Im Hintergrunde sieht man die Gutensteiner Schlucht mit dem Gutensteiner Altschlosse im Umrisse. Der Ausdruck von Raimund’s Gesicht hat durch die Lithographie gelitten. Das Brustbild dieser Lithographie ist durch die Photographie vervielfältigt und wird als Raimund’s Porträt verkauft. – 2) Ein anderes Erinnerungsblatt hat nach Hasselwander’s Zeichnung C. Mahlknecht gestochen. In der Mitte des Blattes sieht man Raimund’s lorbeerumkränzte Büste, von der Muse betrauert. Rings herum bilden acht Skizzen aus seinen acht Stücken eine liebliche Randverzierung. Ganz unten das Foyer vor der Theatercasse bei Raimund’s Stücken. Darunter: „Zur Erinnerung an Ferdinand Raimund“. Ohne Angabe des Druckortes (Wien). – 3) Ein ähnliches Erinnerungsblatt, nämlich um Raimund’s sehr schlecht getroffenes Porträt acht Scenen aus seinen Stücken, erschien in der lithographischen Anstalt von M. R. Toma in Wien. Der Zeichner dieses Blattes ist nicht angegeben. – 4) Als Raimund’s „Feenmädchen“ in der Theatersaison 1826/1827 so großes Aufsehen erregte kam bei Trentschensky in Wien eine Folge von sechs Costumblättern in kl. Folio heraus, interessant durch seinen Zeichner M. Schwind[WS 7] und seinen Lithographen Kriehuber. Es sind der Aschenmann, das hohe Alter, Ajaxerle, die Zufriedenheit, die Jugend (Therese Krones) und Bustorius (J. Korntheuer). – 5) Die „Theater-Zeitung“ brachte zu Raimund’s Zeiten einige Costumebilder zu seinen Stücken, von Schöller gezeichnet, von Geiger gestochen. Die Zeichnungen, wie alles, was Schöller gearbeitet, verzerrt. Wenn ich nicht irre, erschien daselbst auch Schmutzer’s Bild von Raimund als „Menschenfeind“ in ganzer Figur, dessen Original ich selbst besitze. – e) Statuette Raimund’s. Der Bildhauer Johann Preleuthner hat eine Statuette des unglücklichen Dichters aus Gyps modellirt. Dieselbe ist etwa dritthalb Fuß hoch und stellt den Dichter in ganzer Gestalt vor, in gewöhnlicher Tracht, mit einem von der linken Schulter herabgleitenden Mantel. In der Linken hält er ein Heft, in der Rechten einen Griffel. – d) Medaille auf Raimund. Avers. Porträtbüste des Dichters. J. Lang fecit, Umschrift: In Wien 1826. Revers. Auf einer Wolke ruhen die Symbole der von Raimund in seinem Stücke: „Der Barometermacher auf der Zauberinsel“ gespielten Rolle. Darüber eine strahlende Sonne mit den Emblemen der dramatischen Muse: Leier, Larve, Dolch u. s. w. Von seinen Verehrern zur Feier seiner Wiedergenesung“. Es gibt davon Exemplare in Silber. – Das Gypsmodell seiner für das Grabdenkmal gearbeiteten Büste schenkte Dialer dem Theater-Director Marinelli, dieser nach Jahren dem Schriftsteller Friedrich Kaiser, welcher es Herrn Rosner schenkte. Herr Rosner eröffnete nun unter seinen Freunden und Bekannten eine Subscription und ließ die Büste im österreichischen Museum neu gießen. So sind denn Exemplare der Raimund’schen Büste im Besitze der Herren Schöne, Sonnenthal, Helmesberger, Friese, Ascher, Strampfer, Fräulein Baudius, Fräulein Kronau u. A.
VII. Raimund’s Wohnstätten und ihre Abbildungen. a) Geburtshaus, b) Landhaus. c) Sterbehaus. – a) Raimund’s Geburtshaus. Ueber dasselbe verdanken wir den eindringlichen Forschungen des Herrn A. Silas, welche in einem wohl kaum mehr aufzutreibenden Blättchen in Pann’s „Wiener Theaterfreund“ erschienen sind, genaue Nachweisungen. Nach diesen auf Urkunden und Zeugenaussagen sich stützenden Erhebungen stellt sich als Geburtshaus jenes nach der neuen Numerirung vom Jahre 1863 mit Nr. 45 (alt Nr. 15, 1822) Mariahilfer Hauptstraße bezeichnet Haus dar (links von der Stadt gerechnet). Es führt das Schild: „Zum goldnen Hirschen“; merkwürdiger Weise hat Raimund’s Sterbehaus zu Pottenstein dasselbe Aushängeschild. Grillparzer’s Geburtshaus auf dem Bauernmarkt hat ebenso wenig [277] eine Gedenktafel wie jenes von Raimund. Vielleicht verhilft diese Bemerkung beiden Häusern dazu, was dem Hause und der Straße zum Schmucke und der Commune zur Ehre gereichen würde. – Nebenbei sei bemerkt, daß das erste Haus in der Taborstraße – jetzt Nr. 1 – von der Stadt links gerechnet – Raimund’s letzte Wohnung in Wien war. – b) Raimund’s Landhaus. Waldheim’s Illustrirte Blätter (Wien, gr. 4°.) 1864, Nr. 33, S. 130: „Der Grazhof zu Pernitz nächst Gutenstein im V. u. d. W. W.“. Ansicht der Villa, welche Raimund bewohnte und jetzt noch aus Pietät für den Dichter von dem dermaligen Besitzer, Finanzrath von Baumgarten, am 5. September jedes Jahr Besuchern offen steht. – Eine zweite Ansicht des Landhauses von Raimund trägt die Unterschrift: Ferdinand Raimund’s Landhaus bei Pernitz. Gemalt von M. Mayer. Lith. von J . Stadler. Gedruckt bei J. Rauh. Oberhalb steht: Beilage zum österreichischen Morgenblatt (redigirt von J. N. Vogl (4°.). – c) Raimund’s Sterbehaus. Dasselbe ist das Gasthaus zum goldenen Hirschen zu Pottenstein. Eine Abbildung desselben, geschmückt mit den allegorischen Figuren des Aschenmannes, des Tischlers Valentin und des alten Buttenweibes im „Verschwender“ ist im Stahlstiche von C. Mahlknecht erschienen.
VIII. Raimund’s Tod. – Grab. – Schedel. – Enthüllungsfeier seines Grabdenkmals. Ueber seinen Tod berichtet die Zeitschrift Der Wanderer (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1856, Nr. 416, im Feuilleton: „Ferdinand Raimund’s letzte Momente“, von Dr. Gußmann [in diesem Artikel hat Raimund „schwarzes Kopfhaar“, das ist neu!]; – dasselbe Blatt enthält auch eine Beschreibung seiner Ruhestätte, im Jahrgange 1837, Nr. 219: „Raimund’s Grab“. – Ferdinand Raimund ist auf dem Friedhofe zu Gutenstein begraben. In einer Nische des großen und in Form einer abgestutzten Pyramide ausgearbeiteten Grabsteins befindet sich seine Büste von Erz, von Dialer modellirt, von Ferdinand Köhler in Wien gegossen; umgeben von den Emblemen der Ewigkeit und der Poesie. Das Steinwerk ist von Eduard Gaßler in Wien. Auf dem Piedestal liest man die einfache Inschrift:
„Ferdinand Raimund,
dramatischer
Dichter und Schauspieler.
Geb. am 1. Juni 1790.
Gestorben am 5. September 1836.
Von seiner Freundin A. W.“
Die Ansicht von Raimund’s Grabe in Gutenstein, bildete eine Beilage der „Theater-Zeitung“ von Bäuerle, 1837, zu Nr. 217. – Ueber die Enthüllungsfeier des Raimund-Denkmals auf dem Gutensteiner Friedhofe, welche am ersten Jahrestage seines Begräbnisses, am 8. September 1837, stattfand, siehe die Wiener Theater-Zeitung vom 14. September 1837, Nr. 184, S. 744; und Ebersberg’s „Oesterreichischen Zuschauer“ 1837, III. Band, Nr. 113. – Das Denkmal hatte im Laufe der Jahre durch Unbilden der Witterung gelitten und mußte im Jahre 1852 restaurirt werden. Als es im Jahre 1862 neuerdings zu sinken begann, wurde das Grab geöffnet, die Knochenreste wurden in einen neuen Sarg gelegt und die Restauration neu durchgeführt. Die Sache kam durch eine Sammlung unter den Mitgliedern des Carl-Theaters und Wiener Kunstfreunden durch Director Brauer zu Stande, der von dem Gutensteiner Bürgermeister darum angesucht werde. Im Jahre 1856 wurde ein Requiem zu Raimund’s Gedächtniß gestiftet, welches alljährlich an seinem Todestage, am 5. September, in der Kirche zu Gutenstein um 10 Uhr Vormittags abgehalten wird oder doch werden soll. Von Zeit zu Zeit bringen die Wiener Blätter darauf bezügliche Nachrichten. [Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1861, Nr. 335; 1866, Nr. 236; 1867, Nr. 241 u. 244, in der Rubrik: „Theater und Kunst“, (den obigen Gegenstand theils ergänzende, theils berichtigende Notizen). – Zellner’s Blätter für Musik, Theater u. s. w. (Wien, kl. Fol.) 1862, Nr. 70, S. 280, unter den „Kunstnotizen“.] – Raimund’s Schedel. Ueber denselben erhob sich ein hitziger Streit zwischen seiner Erbin und dem Badner Arzte Dr. Rollet, der sich bei der Section Raimund’s der Hirnschale, in welcher die plattgedrückte Kugel noch saß, bemächtigt hatte. Frau Karoline Pichler erwähntem 4. Bande ihrer „Denkwürdigkeiten“, S. 187, dieser Geschichte. Der Sachverhalt dieser Angelegenheit ist aber folgender: Dr. Anton Rollet (gest. zu Baden bei Wien am 19. September 1842) war von Raimund an sein Sterbebett berufen worden. Eine Rettung des Dichters war nicht möglich. Rollet [278] besaß eine phrenologische Sammlung, zu welcher der berühmte Kraniologe Dr. Gall durch Schenkungen von Schedeln den Grund gelegt haben soll. Raimund’s Schedel erschien dem Doctor Rollet als eine interessante Bereicherung seiner Sammlung und er trennte denselben vom Leichnam ab. Raimund’s Erbin reclamirte das Object gerichtlich, Dr. Rollet aber stützte sich auf eine Hofverordnung vom Jahre 1764, welcher zu Folge der Cadaver von Selbstmördern zu wissenschaftlichen Zwecken ausgebeutet werden dürfe. Ob nun Dr. Rollet den Schedel zurückgestellt, ist aus dem Verlaufe der Verhandlungen nicht ersichtlich. Dr. Rollet’s Sohn, der noch lebende Dichter Dr. Hermann Rollet, versuchte in einem Aufsatze, welchen er in Bäuerle’s „Theater-Zeitung“ vom 4. Mai 1855, Nr. 103, veröffentlichte, eine Ehrenrettung seines Vaters. Vielleicht – und wahrscheinlich – befindet sich Raimund’s Schedel noch immer in der Rollet’schen Sammlung, welche derzeit Eigenthum der Badner Commune und im Gebäude des dortigen Real-Gymnasiums aufgestellt ist. Nach einer neuesten Mittheilung aber, welche Dr. Hermann Rollet im Feuilleton des Local-Anzeigers der „Presse“ 1872, Nr. 3: „Ferdinand Raimund’s Schedel“, macht, hatte sein Vater den Schedel zurückgestellt. Die bezeichnete Quelle gibt ausführlichen Aufschluß über diesen unter allen Umständen sonderbaren Vorgang.
IX. Einzelheiten. Raimund’s Schreibtisch. – Der Unterstützungs-Verein Raimund. – Eine Tochter Raimund’s. Raimund’s Schreibtisch. Derselbe befand sich im Jahre 1861 in Atzgersdorf an der Südbahn nächst Wien in der Wohnung des Literaten Ludwig Wysber. [Presse 1861, Nr. 349.] – Der Unterstützungs-Verein „Raimund“. Die Mitglieder des Theaters an der Wien haben einen Unterstützungs-Verein gebildet und diesem dem verewigten Dichter zu Ehren seinen Namen gegeben. Im Jahre 1871 veranstaltete der Verein einen Carnevals-Abend, dessen Reinerträgniß für den Verein bestimmt war. – Die letzten, von Raimund geschriebenen Worte. Herausgeber dieses Lexikons besitzt ein ihm von Dr. Hermann Rollet aus Baden mitgetheiltes Facsimile der letzten Worte, welche Raimund schrieb; dieselben lauten: „Gott anbeten“. Auch Karoline Pichler gedenkt derselben in ihren schon erwähnten Memoiren. – Raimund’s Tochter. Zwischenact (Wien, kl. Fol.) 1858, Nr. 32: „Die Tochter des Dichters“. [Unter diesem Titel wurde in den letzten Jahren durch die Journale die öffentliche Mildthätigkeit in Anspruch genommen. Nun handelt es sich aber dabei zunächst um die Frage: Ist wirklich eine Tochter Raimund’s vorhanden? Von competenter Seite wird nun folgende Antwort gegeben. Von der geschiedenen Frau Raimund’s sei eine Tochter da, ob aber Raimund ihr Vater ist, wäre noch zu beweisen. Diese sogenannte Tochter Raimund’s hat sich der Bühne gewidmet und war Mitglied einer Wandertruppe. Zu Weiz in Steiermark hatte sie im Jahre 1861 das Unglück, bei offener Scene fast zu verbrennen. Sie lag an ihren Brandwunden lebensgefährlich und im größten Elende darnieder. [Gratzer Tagespost 1861, Nr. 253, im Feuilleton.] – Später berichtete die Neue freie Presse (Wien, Fol.) 1871, 5. Jänner, Nr. 2284, unter der Ueberschrift: „Eine Tochter Raimund’s“ [dieselbe, Emilie ihres Namens, lebt als Souffleuse bei dem Theater in Znaim]. – Hans Jörgel (Wiener Localblatt) 40. Jahrg. (1871), 5. Heft, S. 12: „Emilie Raimund“ [bezeichnet sie in dieser Notiz ausdrücklich als Raimund’s einzige Tochter mit Luise Gleich].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1822.
  2. Vorlage: unheibringende.
  3. Vorlage: Hälfte.
  4. Vorlage: errlebte.
  5. Vorlage: 31.
  6. Vorlage: H. Strampfer.
  7. Vorlage: J. Schwind.