BLKÖ:Sealsfield, Charles

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Scutta, Josephine
Band: 33 (1877), ab Seite: 228. (Quelle)
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Sealsfield, Charles, richtig Karl Postl (Romandichter, geb. zu Poppitz bei Znaim in Mähren 3. März 1793, gest. zu Solothurn in der Schweiz 26. Mai 1864). Am 3. März 1793 wurde dem Ortsrichter Anton Postl in Poppitz von seiner Gattin Juliane, geborene Rabel, ein Sohn geboren, der in der Taufe den Namen Karl erhielt. Aus dem Jugendleben Karl Postl’s ist nur bekannt, daß er in Znaim, wo ihn die Mutter zu einem Tischlermeister Namens Schmid in Kost und Wohnung gab, das Gymnasium besucht habe; dort, als um die Mitte November 1805 – [229] Karl zählte damals zwölf Jahre – die Franzosen einrückten, erhielt das empfängliche Gemüth des Knaben wohl die ersten nachhaltigen Eindrücke. Die Verhältnisse im Elternhause, waren nicht dürftig, jedoch beschränkt, was sich bei der zahlreichen Familie nur fühlbarer machte. Auch lastete, wie eine in Poppitz noch lebende, an den dortigen Volksschullehrer Daniel Pahr verheirathete Schwester Postl’s erzählt, die Strenge des Vaters schon genug auf dem Jungen. Diese Strenge, wie sie berichtet, war so übertrieben, daß der Bruder vor derselben sich oft in die Einsamkeit der Natur flüchtete und namentlich an jener lauschigen Stelle hinträumte, welche später durch die Pietät eines Verehrers seiner Schriften mit einem Denksteine bezeichnet wurde. Anderes, was über das Verhältniß zwischen Vater und Sohn berichtet wird, ist, wie die Schwester versichert, müßiges Gerede und angebliche tiefgehende Mißhelligkeiten, die zwischen Vater und Sohn obgewaltet hätten, sind vollständig aus der Luft gegriffen. Nachdem Karl die fünf Classen des Gymnasiums in Znaim beendet, erhielt er durch Vermittelung des Poppitzer Pfarrers einen Platz als Conventstudent im Prager Kreuzherrenstifte und beendete als solcher die philosophischen Studien. Als es nun galt, sich für einen Beruf zu entscheiden, gab der Ausspruch der Mutter: „wüßte ich, daß Du nicht Geistlicher werden willst, so würde mich jeder Kreuzer gereuen, den ich auf dich verwendet habe“, den Ausschlag, nach kurzem inneren Kampfe rief der Sohn aus: „Nun, Ihr Wille geschehe!“, verließ schon in den nächsten Tagen Poppitz und reiste nach Prag, um sich in den Orden der Kreuzherren vom rothen Stern aufnehmen zu lassen. So trat Karl im Jahre 1813 als Novize in das Ordenshaus und legte die ritterliche Ordenskleidung, den schwarzen Talar mit dem rothseidenen Kreuze vorn an der Brust, an. Der damalige Ordensgeneral und Großmeister Anton Köhler ernannte ihn, viel früher als er in Folge seines Alters zum Priester geweiht werden konnte, vornehmlich wegen seiner Sprachkenntnisse, zum Ordenssecretär, ein Fall, der im Stifte Aufsehen erregte und die Lage des jungen Priesters seinen Collegen gegenüber nicht gerade verbesserte. Dessenungeachtet war diese bevorzugte Stellung im Stifte nicht im Stande, manche andere damit verbundene Widerwärtigkeit auszugleichen, der Aufenthalt im Kloster wurde ihm je länger desto unleidlicher und der junge Priester sann allen Ernstes darüber nach, die Ketten, die ihn fesselten, zu zerreißen. Das ist der Wendepunct in Sealsfield-Postl’s Leben, über welchen aller Aufschluß fehlt und sich nur Vermuthungen aufstellen lassen, mit denen freilich nichts gewonnen ist. Man hat ein Liebesverhältniß mit einer den höchsten Gesellschaftskreisen angehörigen Dame – dann wieder persönliche Conflicte mit seinen Ordensobern und Brüdern und zuletzt gar eine sein Andenken schändende Geschichte als Ursachen seiner Flucht aus dem Stifte bezeichnet. Die sein Andenken schändende Gerüchte, die auf nichts Geringeres als eine Defraudation von 80.000 fl. Stiftsgeldern hinauslaufen, wurden später in Abrede gestellt. Der nachmalige Ordensgeneral der Kreuzherren Beer, Köhler’s Nachfolger, erklärte sich den Familienangehörigen Sealsfield’s gegenüber in der bestimmtesten Weise bereit, ihnen zu bestätigen, daß Secretär Postl niemals mit Ordensgeldern flüchtig geworden, daß er überhaupt nie in die Lage gekommen, Ordensgelder [230] veruntreuen zu können, da er als Secretär den finanziellen Angelegenheiten des Hauses vollständig fern stand, überdieß die damalige Ordenscasse sich nichts weniger als eines Ueberflusses zu erfreuen hatte, sondern vielmehr sehr schlecht bestellt war. Bemerkenswerth erscheint noch, daß bald, nachdem dieses das Andenken des Verewigten schändende Gerücht sich verbreitet hatte, eine deutsche Zeitung meldete, man habe ihr gegen eine große Summe die Enthüllungen über den ganzen Sachverhalt von Postl’s Flucht angeboten. Das Blatt aber – weit entfernt seine Leser mit Scandal füttern zu wollen – hatte den Antrag mit Entschiedenheit abgelehnt. Doch kehren wir zur eigentlichen Katastrophe zurück. Es war gegen Ende April 1823 als Karl eines Morgens seinen damals auch zu Prag befindlichen Bruder, der unentgeltlichen Mittags- und Abendtisch im Kloster hatte, auf den Abend zu sich beschied und ihm nun eröffnete, daß seine Absicht sei, das Kloster für immer zu verlassen, da er sich in seinem Stande unglücklich fühle und diese Fesseln nicht länger tragen könne. „Ich gehe mit dem Ordensbruder Kerschbaum, dem Prediger von Franzensbad, nach Karlsbad, dort werde ich – Sealsfield-Postl war damals 30 Jahre alt – die Cur gebrauchen, was weiter folgt, kann ich Dir nicht sagen – ich weiß es selbst noch nicht bestimmt. „Willst Du mich, fuhr nach einer Weile der Bruder zu dem in förmlicher Verblüffung, über das, was er eben vernommen, dastehenden jüngeren Bruder fort, „vor meiner Abreise noch sehen, so komme morgen frühzeitig hierher, die Stunde unserer Abreise ist um 8 Uhr festgesetzt. Am folgenden Tage nahmen die Brüder von einander – für’s Leben – Abschied. Karl P. begab sich nach Karlsbad, brauchte dort die Cur und sollte zum 16. Mai zum Feste des h. Johann von Nepomuk wieder im Stifte sein. Die Ordenskutsche fuhr daher nach Karlsbad, um ihn abzuholen; aber der Secretär hatte Karlsbad bereits verlassen, ohne jedoch anzugeben, wohin er sich begeben wolle. Nur einen kleinen Lederkoffer mit schmutziger Wäsche hatte der Wagen zurückgebracht. Nach Ablauf von acht Tagen richtete der Ordensgeneral die Anzeige von der erfolgten Flucht Postl’s an die Wiener Polizei-Hofstelle mit dem Ersuchen, seiner Flucht nachzuforschen. Die Nachforschungen, die übrigens nur lässig betrieben worden sein sollen, waren erfolglos. Die damaligen Blätter – die „Allgemeine Zeitung“ ausgenommen, welche eine kurze Notiz über seine Flucht brachte – berichteten merkwürdigerweise nichts. Sollten die Archive der Wiener Polizei-Direction keine Andeutungen darüber enthalten? Das Regiment Sedlnitzky’s verfuhr mit der Klerisei eben nicht sehr glimpflich. Postl war und blieb verschwunden. Natürlich tauchte in der Folge, als die Enthüllungen über Sealsfield’s Persönlichkeit und Leben an der Tagesordnung waren, Allerlei auf, und damals war es die „Ostdeutsche Post“, welche zuerst den Makel auf Sealsfield warf, indem sie berichtete: „ihm war die unbeschränkte Besorgung des Rechnungs- und Cassenwesens anvertraut. Er hoffte bei dem Alter seines Vorgesetzten dessen Nachfolger in der Großmeisterwürde zu werden, allein er ließ zu früh seine dießfälligen Ideen durchblicken und machte dadurch die Ordensglieder auf sein ehrgeiziges Treiben aufmerksam. Nachdem diese Hoffnungen gescheitert waren, trachtete er in Wien Verbindungen anzuknüpfen, und es gelang ihm auch wirklich, die Gunst des [231] damals in Kirchen- und Schulangelegenheiten allmächtigen Hofrathes Jüstel [Bd. X, S. 307] zu gewinnen, der seine Anstellung bei der Studien-Hofcommission beabsichtigte; allein bald darauf machte das hochfahrende und übermüthige Benehmen Sealsfield’s gegenüber dem Regierungsrathe Hallaschka [Bd. VII, S. 239] auch dieser Protection ein Ende, [Es sind das mehrtheils Einzelnheiten, die auf Thatsachen zu beruhen und nicht aus der Luft gegriffen scheinen.] In allen Hoffnungen getäuscht und auf Andringen des Ordens mit einer Revision der Casse bedroht, beschloß er die ganze Casse sich anzueignen und zu verschwinden. Keine Excommunication, keine Vorladung erfolgte, in jener Zeit vermied man jedes Aufsehen, das auf die privilegirten Stände auch nur den geringsten Schatten hätte werfen können. Niemand dachte mehr an den Entflohenen und kein Mensch hätte in dem Amerikaner den geborenen Mährer und Exgeistlichen vermuthet, wenn nicht sein Ableben und Testament eine seit vier Decennien der Vergessenheit anheim gefallene Geschichte neu erweckt hätte.“ So die „Ostdeutsche Post“. Wir meinen Sealsfield hätte sich zweimal bedacht, ehe er seine Angehörigen zu Erben einsetzte und so die Erinnerung an seine Person wachrief, wenn er eine solche Verunglimpfung seines Namens, eine solche Entehrung seines Andenkens hätte vermuthen können. Die Schweiz und Nordamerika besitzen Anstalten genug, welche seine Legate zu wohlthätigen Zwecken mit Dank entgegengenommen hätten, und nie wäre sein durch spätere Arbeiten zu solchem Ruhme gebrachter Name durch unbewiesenen Klatsch besudelt worden. Seit jenen Maitagen 1823 war von Postl nichts weiter zu hören. Bis in die Schweiz, wohin er sich über Innsbruck von Wien aus gewendet, läßt sich seine Spur verfolgen, dann hört die Möglichkeit derselben nachzuforschen auf. Wahrscheinlich begab er sich von der Schweiz zunächst nach England und von da endlich reiste er nach einem Aufenthalte, über dessen Dauer wir keine Anhaltspuncte haben, nach Amerika. Was die Geldmittel betrifft, mit welchen S. diese weite Reise bestritten hatte, darüber gibt ein Prager Bankier, bei dem Karl Postl als Ordenssecretär sehr häufig mit anderen Kreuzherren zu einer Wisthpartie geladen war, durch folgende Aeußerung annähernden Aufschluß. Als nämlich nach dem Verschwinden des Kreuzherrn, wie damals in Prag überall, auch in seinem Hause von dieser Flucht gesprochen und dabei die Frage aufgeworfen wurde, woher wohl Postl die Geldmittel zu seiner Reise aufgetrieben, brach er das Gespräch kurz mit der Bemerkung ab: „Secretär Postl kann schon noch ein Jahr reisen“. So waren mehrere Jahre vergangen, als 1826 und 1828 einige Werke zunächst in englischer Sprache erschienen, welche die Aufmerksamkeit der gebildeten Lesewelt auf einen Schriftsteller lenkten, der nach längerem Stillschweigen mit noch bedeutenderen Werken unter dem Namen Charles Sealsfield auftrat. Sealsfield hatte mehrere Jahre in Amerika zugebracht. Ueber seine Schicksale in der neuen Welt sind nur wenig festgestellte Thatsachen bekannt, meist auch nur so viel, als aus seinen abgebrochenen Mittheilungen zusammengestellt werden konnte. Er hatte Amerika von West nach Ost, von Süd nach Nord durchreist, und wenn man seine Aeußerungen zusammenfaßt, so gehörte zwar sein Herz den Südstaaten, aber sein praktischer Verstand hielt es mit den [232] Nordstaaten. Mit Vorliebe verweilte er in Texas und Louisiana und an den Ufern des in seinen Werken mit so viel poetischem Glanze geschilderten Red-River hatte er sich eine Plantagenbesitzung angekauft. Von einer Reise nach Mexiko zurückgekehrt, begab er sich nach New-Orleans, um dort bei seinem Bankier Wechsel zu erheben und für seine Pflanzung Sklaven zu kaufen. Nach drei Tagen, durch welche sein Bankier, der ihn indessen glänzend bewirthet, ihn hinzuhalten gewußt, machte dieser Bankerott, und Sealsfield verlor dabei den größeren Theil seines damaligen Vermögens. Er schlug nun eine andere, die schriftstellerische Laufbahn ein und widmete sich zunächst, da es zu einem praktischen Ergebnisse führte, der journalistischen Thätigkeit. Er übersiedelte zu diesem Zwecke nach New-York; wo er bleibend sich niederließ und die Redaction des „Courier des états unies“, des Journals, welches die Interessen der französischen Bevölkerung Nordamerika’s vertrat, übernahm. Dort trat er in nähere Beziehungen zu dem Grafen Survillier, unter welchem Namen der Exkönig von Spanien Joseph Bonaparte, der Bruder Napoleons, in Nordamerika lebte. Dieser hatte das genannte französische Blatt für napoleonistische Interessen gewonnen. Mit dem Exkönig entspann sich bald ein intimer Verkehr und die Anschauungen, welche Sealsfield entwickelte, fanden jenes Beifall. Sealsfield erhielt die wesentlichsten Concessionen für sein Blatt, so daß er Spielraum und Unterstützung für seine eigenen Tendenzen halte. Ein Jahr lang mühte er sich in dieser Richtung ab, aber alsbald stellte es sich heraus, daß das Unternehmen unter den obwaltenden Verhältnissen doch ein vergebliches, alle daran gewendete Mühe eine verlorene sei. Dieses Wirken für Parteizwecke in Europa von Amerika aus gleicht, schon seiner geographischen Distanz wegen, einem Duell von Standpuncten aus, die zweitausend Meilen von einander entfernt waren. Schrieb S. heute einen möglichst scharfen Artikel, so war er in Amerika schon vergessen, als drei oder vier Monate darnach die französischen Blätter die heftige Antwort darauf brachten. Das auf die Dauer fortzusetzen, war kindisch. Das sah der Exkönig endlich auch ein. Sealsfield aber, dem die Aerzte seiner arg angegriffenen Gesundheit wegen dringend zur Rückkehr nach Europa riethen, legte die Redaction nieder und begab sich mit Aufträgen und Empfehlungen Joseph Bonaparte’s nach London. Im Jahre 1832 nahm er Abschied von der neuen Welt und ließ sich nun, wiederholte Besuche in Paris abgerechnet, in der Schweiz nieder, wo er aber nicht sofort eine bleibende Stätte fand, sondern mehrere Male seinen Wohnort wechselte. So hatte er sich in oder bei Arenenberg, dann längere Zeit in Zürich, am Bodensee, in Schaffhausen, zu Baden im Aargau aufgehalten, zuletzt aber in seinem Besitzthum, einem Bauerngut so genannt „Unter den Tannen“ bei Solothurn, wo er auch starb. Seinen Schweizer-Aufenthalt unterbrach er dreimal durch längere Reisen nach Nordamerika, u. z. in den Jahren 1837, 1850 und 1859. Von seiner zweiten amerikanischen Reise im Jahre 1850, kehrte er erst nach mehrjähriger Abwesenheit zurück. In der Angabe seiner Abwesenheit aus der Schweiz stimmen seine Biographen nichts weniger als überein, und da er alle seine Papiere kurz vor seinem Tode verbrannt, so wird sich darin auch schwer eine Uebereinstimmung erzielen lassen. Mit dem Jahre 1832 beginnt für Sealsfield [233] die Epoche ruhigerer schriftstellerischer Thätigkeit, welche seinen literarischen Ruf begründete. Hier folgen nun in chronologischer Ordnung die Schriften nach den schon seltenen Originalausgaben und mit den ursprünglichen Titeln, unter denen Sealsfield dieselben veröffentlichte: „Der Legitime und die Republikaner. Eine Geschichte aus dem letzten amerikanisch-englischen Kriege“. 2 Thle. (Zürich 1833, Orell u. Füßli, 8°.); zweite durchgesehene Auflage (Stuttgart 1844, Metzler, 8°.); – „Lebensbilder aus beiden Hemisphären.“ Vom Verfasser des „Legitimen“ u. s. w. 6 Thle. (Zürich 1834–1837, 8°.); zweite Auflage unter dem Titel: „Lebensbilder aus der westlichen Hemisphäre u. s. w.“ 5 Thle. (Stuttgart 1843, Metzler, 8°.). 1. Theil: „Georg Howard’s Brautfahrt; 2. Theil: „Ralph Dougby’s Brautfahrt“; 3. und 4. Theil: „Pflanzerleben“, „Die Farbigen“; 5. Theil: „Nathan der Squatter-Regulator oder der erste Amerikaner in Texas“; – „Der Virey und die Aristokraten oder Mexiko im Jahre 1812“. 3 Bände (Zürich 1835, 8°.); – „Morton oder die grosse Tour“. 2 Bände (Zürich 1838); zweite durchgesehene Aufl. (Stuttgart 1844, Metzler, 8°.); – „Neue Land- und Seebilder“, vom Verfasser des „Legitimen“, des „Virey“ u. s. w.; auch unter dem Titel: „Die deutsch-amerikanischen Wahlverwandtschaften“, 4 Thle. (Zürich 1839, 1840, Schultheis, 8°.); – „Das Cajütenbuch oder nationale Charakteristiken“, vom Verfasser des „Legitimen“, des „Virey“, der „Lebensbilder aus beiden Hemisphären“ u. s. w., 2 Bände (Zürich 1841 [Elberfeld, Bädeker], gr. 8°.); – „Süden und Norden“ (Zürich 1842 u. 43), 3 Bände. Das ist die ursprüngliche Folge der Sealsfield’schen in Europa erschienenen Romane, welche später bei Metzler in Stuttgart in zwei Ausgaben als „Gesammelte Werke von Charles Sealsfield“ u. z. als Octavausgabe in 18 Theilen (49 fl. 36 kr.) und als Taschenausgabe in 15 Theilen (15 fl. 15 kr.) erschienen sind. Die erste Ausgabe in 18 Bänden enthält: 1.–3. Bd.: „Der Legitime“; 4.–6. Bd.: „Der Virey“; 7.–8. Bd.: „Morton“; 9. bis 13. Bd.: „Lebensbilder“: 14.–15. Bd.: „Das Cajütenbuch“ und 16.–18. Bd.: „Süden und Norden“. Der Inhalt der Taschenausgabe ist derselbe und in gleicher Folge mit Ausnahme von „Süden und Norden“, das darin fehlt. Aber schon in Nordamerika war S. schriftstellerisch thätig gewesen, jedoch fehlen über seine transatlantische Thätigkeit sichere Angaben. Man will wissen, er hätte eine Beschreibung der Staaten Nordamerika’s unter dem Pseudonym E. Sidons (1828) herausgegeben, dann einen in englischer Sprache geschriebenen Roman: „Tokeah or the withe rose“ (Philadelphia 1828, Cares & Lea) , den er später in deutscher Sprache völlig umgearbeitet und unter dem veränderten Titel: „Der Legitime und die Republikaner“ veröffentlicht hat; endlich nach „Kertbeny’s Erinnerungen an Charles Sealsfield“ (S. 27) bekannte sich Sealsfield selbst noch zu dem seiner Zeit polizeilich verpönten Buche: „Austria as it is“ (London 1828, Nonn & Comp.). Nun, wenn man bedenkt: im Jahre 1823 war Karl Postl aus dem Kloster in Prag flüchtig geworden und ein Jahrzehend später unter dem Namen Charles Sealsfield als wellberühmter, in beiden Hemisphären gefeierter Schriftsteller wieder erstanden, so hatte er dieses Decennium wahrhaftig weidlich benützt, um sein in den damaligen österreichischen Schulen erworbenes mangelhaftes Wissen zu vervollständigen, abgesehen [234] davon, daß ihm das große poetische Talent, das in seinen Werken sich offenbart, angeboren war. Sealsfield hat zwar selbst nie zugestanden oder gar ausdrücklich erklärt, daß er und jener flüchtige Kreuzherren-Mönch Namens Karl Postl eine und dieselbe Person seien, aber abgesehen davon, daß sein Testament ein großer Beleg für diese Vermuthung ist, so stimmen das Geburtsdatum auf dem nach seiner Angabe ausgeführten Grabsteine in Solothurn, unter dem er als Charles Sealsfield ruht, mit dem Datum im Pfarrbuche in Poppitz, nach welchem am 3. Mai 1793, dem dortigen Ortsrichter Anton Postl ein Sohn Karl geboren worden, bis auf den Tag überein; und dann war seine Aehnlichkeit mit den noch lebenden Postl’s so groß, daß als ein Monat nach Sealsfield’s Tod sein Bruder Joseph in der Erbschaftsangelegenheit nach Solothurn kam, alles über die merkwürdige Aehnlichkeit des Lebenden mit dem Todten groß erstaunt war. Das Testament ist beinahe vexatorisch, da er sich darin selbst zum Erben einsetzt. Es ist seinem Wortlaute nach in Kertbeny’s „Erinnerungen an Charles Sealsfield“ S. 97 bis 102 abgedruckt und wird als Sache rein privater Natur weiters auf die Quelle hingewiesen. Außer den oberwähnten Schriften hatte S. noch Mehreres geschrieben, so seine „Memoiren“, dann eine Erzählung: „Ein Mann aus dem Volke“ und einen großen Roman: „Ost und West“ als Gegenstück zu seinem „Süden und Norden“. Aber vor seinem Ableben hatte er diese, wie alle seine übrigen Schriften und Papiere verbrannt, um gleichsam keine sichere Spur über seine Persönlichkeit zu hinterlassen. Nur ein vergilbtes zerschnittenes tintenbeklextes Schreibheft, dessen er sich als Unterlage beim Schreiben bedient haben mochte, das zufällig in einer Schublade steckte und so seinen Blicken entzogen war, war der Vernichtung entgangen und von Sealsfield’s Bruder, der es an sich genommen, an Alfred Meißner geschickt worden, der mit unsagbarer Mühe daraus die groteske Erzählung: „Die Grabesschuld“ zusammenbuchstabirt und dieselbe zuerst im Feuilleton der „Neuen freien Presse“, dann aber als „Nachgelassene Novelle von Sealsfield“, unter obigem Titel (Leipzig 1875, Günther) herausgegeben hat. Sealsfield war unverheirathet geblieben, obwohl er wiederholt daran war, sich zu vermälen. Das erste Mal war er mit einem Mädchen aus Louisiana verlobt; ein Cedersplitter, der ihr in den Fuß gedrungen, war in dem heißen, jeder Verwundung gefährlichen Klima die Ursache ihres raschen Todes. Sealsfield soll dieses, ihm so theure, durch den Tod entrissene Wesen in der „Alexandrine“ in seinem „Cajütenbuche“ verewigt haben. Ein zweites Mal fesselte ihn eine schöne Quäckerin, doch die Erklärung der Eltern des Mädchens, dasselbe nur einem Angehörigen ihres Glaubens zu vermälen, löste auch dieses Verhältniß. Sein inniger Verkehr mit Elise Meyer in der Schweiz, einem Mädchen, das, als es mit ihm bekannt wurde, noch im zartesten Jugendalter stand, und bereits von einem schweren unheilbaren Leiden heimgesucht war, ist nur als ein Verhältniß zärtlicher Freundschaft seinerseits, hingebungsvoller Pietät und Theilnahme ihrerseits anzusehen und nie anders angesehen worden. Man hatte noch bei S.’s Lebzeiten die müßige Frage aufgeworfen, welcher Religion S. angehört habe. Kertbeny hatte in ihm sogar einen Juden gewittert, wogegen das ganze Gesicht sprach, dieser ausgesprochene Typus eines Hanaken oder Czechen, ohne [235] auch nur die geringste Spur der mehr oder minder orientalischen Züge, die jeder israelitischen Physiognomie eigenthümlich sind. Sealsfield selbst schrieb bei der allgemeinen Schweizer Volkszählung im Jahre 1860, die Rubriken „katholisch“ und „reformirt“ übergehend, sich in die „einer anderen christlichen Confession angehörig“ ein. Also über seine Confession ist das Dunkel nicht gelöst, jedoch ließ er sich das Abendmal nach reformirtem Ritus reichen und spendete zum Baue der reformirten Kirche in Solothurn eine ansehnliche Summe, wie er diese Kirche auch im Testamente mit einem Betrage bedachte. Waren ihm die Fesseln der Confession zuwider, so sprach er doch von der Bibel nur immer mit hoher Verehrung, mit einer an Extase grenzenden Bewunderung über das einfache und unvergleichliche Gebet des Vaterunsers. Was die Ursache seiner beharrlich bewahrten Anonymität anbelangt, so mußte sie eine sehr gewichtige sein. Die tiefergreifenden Worte strenger Selbstanklage auf der nach seiner Bestimmung ausgeführten Grabschrift, deuten doch auf eine geheime Schuld, die ihn zeitlebens bedrückt haben mochte und des durch seine Talente erlangten Ruhmes nicht recht froh werden ließ. „War es Reue über sein verfehltes Leben“, fragt sein Biograph, „das so reich an Sturm und Drangsal gewesen, waren es bittere Vorwürfe gegen sich selbst, die S. bestimmten, jene finsteren ernsten Bibelverse für seinen Grabstein auszuwählen? Wer mag es entscheiden?“ Treffend bemerkt Alfr. Meißner, wenn eine Schuld Ursache ist, daß der geheimnißvolle Mann „unter den Tannen“, bei Solothurn sich nie zu seinem wahren Namen bekannte, so hat seine Riesengestalt in Wahrheit nur einen düsteren Zauber mehr. Der Einsichtige weiß ja, wie oft Menschenschuld mit eines Menschen Tugend aus Einer Quelle fließt, wie oft der Zusammenhang von Schuld und Tugend gleich dem ist zwischen Wurzel und Pflanze. Es würde sich nur zeigen, wie ein hoher außerordentlicher Geist anheimfallen kann, ja zuweilen durch die Schuld hindurch gehen muß, um das zu werden, was er ist. Dann felix sculpa! Es würde sich nur wieder einmal gezeigt haben, daß in der Größenwelt, wie in der Natur die tiefsten Schatten neben intensivstem Lichte, Schwächen neben Großthaten, und daß nur Jene immer sicher und ohne zu fallen gehen, „die im Sande des Alltagsbodens wandeln“. Auch wurde nach S.’s Ableben die Frage aufgeworfen, ob S. nach seiner Flucht je wieder nach Oesterreich gekommen. Während von einer Seite diese Frage entschieden verneint wird, will man wieder wissen, daß – ich glaube im Jahre 1848 – Sealsfield in Wien gewesen und daß Dr. J. N. Berger, der nachmalige Minister, als er mit einem Herrn zusammen über die Straße ging, einem Freunde, dem er begegnet, seinen Begleiter als Sealsfield vorgestellt habe. Was nun Sealsfield, den Autor, betrifft, dessen Anonymität noch begieriger machte, den Schleier seiner Vergangenheit zu lüften, so hat er einige Zeit die Literaturhistoriker mächtig beschäftigt, und „der große Unbekannte“ bildete lange die literarische Tagesfrage. Der Nimbus des Geheimnisses, der ihn umschwebte, scheint auch die Augen der Kritiker einigermaßen getrübt zu haben. Gewiß ist es, daß Sealsfield’s Schriften ein ungewöhnliches Talent ihres Autors bezeugen, aber zu jenen Uebertreibungen, in welchen sich einzelne seiner Bewunderer gefallen, berechtigen sie nicht. K. Fr(enzel) in der Berliner „National-Zeitung“ spricht sich in dieser Hinsicht ganz unbefangen aus: „Einen [236] künstlerischen Eindruck“, meint er, „den eines vollendeten Inhaltes in vollkommener Form, empfangen wir nicht von Sealsfield’s Schöpfungen. Er schrieb deutsch, aber er dachte und dichtete zweigeschlechtlich, halb ein Bewohner der alten, halb der neuen Welt, dadurch hat auch sein Ausdruck eine wunderliche schwerverständliche Form erhalten. Dieser Styl gleicht einem galopirenden Pferde, einem Wassersturz: es ist Athemlosigkeit darin. Amerika fehlt der anmuthige Wechsel der Jahreszeiten, aus der Kälte kommt der Wanderer oft an einem Tage in tropische Hitze. Am Morgen sah er die Bäume des Nordens um sich grünen, am Abend das Palmettofeld des Südens. So entbehrt auch Sealsfield’s Darstellung die vermittelnden Uebergänge der zarteren Striche und Tinten, sein Styl des harmonischen Klanges. Nicht in Perioden, in abgerissenen Sätzen schreibt er, spanische, englische, irische, französische Phrasen durchziehen das Ganze. Das Betäubende und Gigantische der Schilderungen ward durch diese babylonische Sprachvermischung noch vermehrt; aber über all’ diesem Wogen, Wallen, Brausen schwebt ein geistiger Odem, der uns erfrischt, die Poesie der Natur, die uns begeistert, seine hohe Intelligenz, die uns mit ihren Anschauungen und Gedanken befruchtet.“ Was den eben berührten Styl Sealsfield’s betrifft, so ist seine eigene Bemerkung darüber sehr bezeichnend. Der Grammatiker Götzinger bot sich ihm an, das unvollkommene Deutsch der Personen seiner Romane zu corrigiren. Sealsfield wies hoch empört dieses Anerbieten zurück. „Das sei eben amerikanisch“, meinte er. Interessant ist es vielleicht auch zu hören, daß man in Deutschland, so lange Sealsfield das Geheimniß seiner Autorschaft wahrte und man sich in Muthmaßungen über denselben verlor, unter anderem auch die Meinung aufstellte: Follen sei der Verfasser. Welch’ Aufsehen aber Sealsfield’s Schriften seiner Zeit erregten, dafür spricht die bezeichnende Thatsache, daß sie beinahe alle in’s Englische übersetzt wurden und dieselben in den vereinigten Staaten, in demselben Lande, dessen sociale Zustände darin geschildert wurden, eine an’s Wunderbare grenzende Theilnahme erregten, dort in die Hände von Tausenden, ja Hunderttausenden kamen, während in Deutschland sich das Merkwürdige ereignete, daß diese, wie man damals allgemein glaubte, von einem geborenen Amerikaner geschriebenen Werke aus dem Englischen in’s Deutsche zurück übersetzt wurden. Auch an Plagiaten eigener Art fehlte es nicht. Eines solchen hat sich an Sealsfield der bekannte französische Autor Xaver de Montepin schuldig gemacht, denn die von diesem als Originalerzählung herausgegebenen: „Aventures de William Whyte“ sind weiter nichts als eine schlechte und verstümmelte Uebersetzung des „Cajütenbuches“. Anfänglich, als sein Name bekannt wurde, hat man denselben unrichtig geschrieben und damals erscheint er statt Sealsfield als Seatfield. Als man dann in der Folge erfuhr, daß auch dieser Name nur ein angenommener sei, wollten Eingeweihte wissen, er heiße eigentlich Seefeld und wieder Andere behaupteten, sein wahrer Name sei Siegelfeld; nach diesen Namens-Metamorphosen lag die Vermuthung, daß Sealsfield Israelite sei, nahe genug, denn diese Namen verleugnen ihren jüdische Ursprung wahrlich nicht. Schließlich sei als eines Curiosum’s der Thatsache gedacht, daß der „Beobachter“, wir meinen das bekannte Organ der Metternich’schen [237] Politik vor 1848, aus Sealsfield’s Schriften, die bekanntlich das Leben in Mexiko naturgetreu und dazu mit äußerst sinnlichen Farben schildern, Auszüge aus dessen Schilderungen Mexiko’s gebracht hat. Auf dem in dieser Lebensskizze erwähnten Schreibhefte, aus welchem Alfred Meißner „Die Grabesschuld“ mit Mühe entziffert, fanden sich auch verschiedene, wie es schien, in Stunden seines Sinnens entstandene, flüchtig hingeworfene Gedanken. Der eine davon lautet: „Die Initiation in das Leben ist Leiden“, dann aber fand sich an einer Stelle ein mit rother Tinte eingefaßter lateinischer Vers, den man als seinen Wahlspruch angesehen wissen wollte, und welcher lautet: „Omne solum forti patria est ut piscibus aequor“. Zum Vollstrecker des Testaments war der Nationalrath Peyer in Hof von Sealsfield ernannt worden. S. hatte sich mit jenem in den letzten Jahren seines Schweizer-Aufenthaltes befreundet.

Quellen zu Sealsfield’s Biographie. Dieselben sind zahlreich. Jeder der mit ihm zusammentraf oder öfter verkehrte, wie Hartmann, Kertbeny, weiß von ihm Interessantes zu berichten. Nach seinem Tode tauchten aber Nachrichten von allen Seiten auf; um also einem späteren Biographen – die bisherigen Lebensskizzen sind nur biographisch-literarische Essays – möglichst reiches Material an die Hand zu geben, nahm ich alles Wichtigere in die Quellen auf. Kertbeny (K. M.), Erinnerungen an Charles Sealsfield (Brüssel und Leipzig 1864, Ahn’s Verlagshandlung, kl. 8°.). [Interessante Mittheilungen in der leichtgeschürzten Form des bekannten Autors.]] – Smolle (Leo Dr.), Charles Sealsfield, biographisch-literarisches Charakterbild (Wien 1875, 8°.). – Stora (Anton Dr.), Charles Sealsfield’s Verhältniß zur Frage des Fortschritts. Eine Untersuchung (Znaim 1870, 8°.). – Agramer Zeitung 1864, Nr. 172: „Sealsfield“. [Eine Sealsfield’s Ehrenrettung betreffende kurze Notiz.]. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1864, Beilage zwischen Nr. 185 und 191 und zwischen Nr. 360 und 366. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1865, S. 109: „Sealsfield und Kertbeny“. – Dieselben 1867, Nr. 8, S. 125: „Eine Episode aus Sealsfield’s Leben“. – Bohemia (Prager polit. u. belletr. Blatt, 4°.) 14. Jänner 1865, Beiblatt zu Nr. 12, in der Rubrik „Mosaik“. – Bremer Sonntagsblatt. Von Fr. Pletzer (4°.) 1864, Nr. 24. – Dasselbe 1865, Nr. 8 u. 9. – Daheim (Leipzig, Velhagen u. Klasing, 4°.) I. Jahrg. (1865), S. 295: „Der Dichter beider Hemisphären“. Von U. [Einer jener gediegenen Aufsätze, welche dieses illustrirte Journal – heut, 1877, das erste aller illustrirten Blätter, das in keiner Familie fehlen sollte – vor allen andern auszeichnet. Als Verfasser wird eine Dame, eine dem Dichter in pietätvoller Freundschaft ergebene Dame, Namens Elise Meyer bezeichnet.] – Deutsche Zeitung (Wiener polit. Blatt) 1872, Nr. 174–180 im Feuilleton: „Die Grabesschuld. Nachgelassene Erzählung von Charles Sealsfield.“ Herausgegeben von Alfred Meißner. [Das Vorwort (Nr. 174) und der Schluß (Nr. 180) enthalten biographische Details.] – Didaskalia. Blätter für Geist, Gemüth und Publicität (Frankfurt a. M., 4°.) 1864, Nr. 278 u. 279: „Aus Sealsfield’s Leben“. [Vielfach nachgedruckt.] – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1864, Nr. 150, 182, 186 u. 196; 1865, Nr. 1 unter den Tages-, politischen und Kunstnotizen. – Die Glocke (Wiener polit. Blatt) 1864, Nr. 425 im Feuilleton: „Der große Unbekannte“. – Gottschall (Rudolph). Porträts und Studien (Leipzig 1872, Brockhaus, 8°.), I. Bd. [Ein Essay in diesem Bande behandelt auch Charles Sealsfield]. – Die Grenzboten. Red, von M. Busch (Leipzig 8°.) 1864, Nr. 24. „Sealsfield“. – Die Gartenlaube (Leipzig, Ernst Keil, gr. 4°.) 1864, S. 53: „Der deutsch-amerikanische Romantiker.“ Von Alfred Hartmann. – Dieselbe 1865, S. 94: „Ein aufgeklärtes Literaturgeheimniß“. Von eben Demselben. [Berichtigt manche Irrthümer in Kertbeny’s Broschüre.] – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1864, Nr. 1099: „Ch. Sealsfield“. Von E. L. Rochholtz. – Krakauer Zeitung 1864, Nr. 21 u. 22 im Feuilleton: „Charles Sealsfield“. – Kertbeny (K. M.), Silhouetten und Reliquien. Erinnerungen an Albach, [238] Bettina, Grafen Louis und Casimir Batthyany (Prag 1863, I. L. Kober, 8°.) Bd. II, S. 110–135: „Besuche bei Charles Sealsfield“. – Kurz (Heinrich)[WS 1], Geschichte der neuesten deutschen Literatur von 1830 bis auf die Gegenwart (Leipzig 1872, Teubner, schm. 4°.) Bd. IV, S. 714–719. – Leipziger Abendpost 1865, Nr. 95 im Feuilleton: „Zwei Kloster-Flüchtlinge“, [Der eine ist Postl, der andere Feßler, es gibt noch einen dritten nicht minder interessanten auch Oesterreich angehörigen: Reinhold.] – Literarische Beilage zu den Mittheilungen des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen (Prag, gr. 8°.) 1871, S. 20. – Mährischer Correspondent (Brünner polit. Blatt) 1864, Nr. 168. [Mit interessanten, aber Postel’s Ehre angreifenden Mittheilungen, die später widerrufen, ja entschieden widerlegt wurden.] – Derselbe 1864, Nr. 161: „Die Erben Sealsfield’s“. – Derselbe 1864, Nr. 200 im Feuilleton: „Charles Sealsfield“. – Magazin für die Literatur des Auslandes. Von J. Lehmann (Leipzig, 4°.) 1864, S. 430. – Dasselbe 1865, S. 27. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 127 im Feuilleton: »Der Unbekannte der deutschen Literatur“. Von Alfred Meißner. [Mit der unrichtigen Angabe 3. Mai 1793 als seines Geburtstages.] – Dieselbe 1865, Nr. 134: „Die Geburtsstätte Charles Sealsfield’s“. Von Wilhelm Seethaler. – Dieselbe 1875, Nr. 3864 im Feuilleton: „In memoriam“. Von Francis Brömel. – Dieselbe Nr. 3985, 28. September 1875: „Zum Andenken Sealsfield’s“. – Nordböhmischer Gebirgsbote (Rumburg, kl. Fol.) 1864, Beilage zu Nr. 35: „Ch. Sealsfield“. – National-Zeitung (Berlin, kl. Fol.) 1864, Nr. 493 im Feuilleton: „Charles Sealsfield“. Von K. Fr(enzel?). – Neue illustrirte Zeitung. Oesterreichisches Familienblatt. Redigirt von Johannes Nordmann (Wien, kl. Fol.) 1875, Nr. 42, S. 1 u. 15. – Nürnberger Correspondent 1864, Nr. 287 im Feuilleton. – Ostdeutsche Post (Wiener polit. Blatt) 1864, Nr. 266 im Feuilleton: „Aus Sealsfield’s Leben“. – Prager Morgenpost (polit. Blatt) 1864, Nr. 168 im Feuilleton: „Sealsfield in Prag“. – Pilsener Bote (4°.) 1864, Nr. 54: „Der große Unbekannte“. [Dasjenige Blatt, welches zuerst die infame[WS 2] Beschuldigung eines Cassendiebstahls aussprach.] – Presse (Wiener polit. Blatt) 1864, Nr. 164 im Feuilleton. – Schlesische Zeitung (Breslau, Fol.) 1864, Nr. 445 im Feuilleton: „Charles Sealsfield“. [Nach dieser geb. am 5. März 1793.] – Sonntags-Post (Leipzig, O. Wigand, gr. 4°.) 1857, Nr. 8, S. 269: „Eine Erinnerung an Sealsfield“. Von Johannes Scherr. – Weser Zeitung 1864, Nr. 6396 im Feuilleton: „Charles Sealsfield“ von A. M. – Dieselbe 1861, Nr. 6390 u. f. im Feuilleton: „Charles Sealsfield“. – Wiener Zeitung 1864, Nr. 139, S. 746. [Mit der neuen Variante, daß er „Siegelfeld“ geheißen, was zu der Annahme, daß er Jude war, ganz gut paßte. Aber er hieß nicht Seatfield, nicht Seefeld, nicht Siegelfeld, sondern Postl.] – Zeitung für Norddeutschland 1864, Nr. 4799 im Feuilleton: „Aus Sealsfield’s Leben“. – Waldheim’s illustrirte Blätter (Wien, gr. 4°.) 1864, Nr. 37, S. 292: „Ch. Sealsfield’s Incognito.“ Von E. P. – Zeitung für Norddeutschland 1864, Nr. 4698 im Feuilleton. [Auch dieses Blatt will wissen, daß sein wahrer Name „Seefeld“ gewesen, welche irrige Notiz noch oft vorkommt.] – Dieselbe, Nr. 4732. [Enthält die schon oben erwähnten Mittheilungen aus dem Mährischen Correspondenten 1864, Nr. 168.)
Porträte. Wie es gelang, Sealsfield’s Bildniß zu bekommen, erzählt Kertbeny in seinen „Erinnerungen an Sealsfield“, S. 67 u. f. 1) Holzschnitt von A. N(eumann), in der Leipziger Gartenlaube 1864, S. 53. – 2) Holzschnitt von Demselben. [Auch in Waldheim’s illustr. Blättern 1864, S. 292.] – 3) Holzschnitt von Ign. Eigner.[Auch in der Neuen illustrirten Zeitung. Redigirt von J. Nordmann (Wien, Fol.) 1875, Nr. 42, S. 1.] – Holzschnitt im 4. Bande von Hermann Kurz[WS 1] „Geschichte der neuesten deutschen Literatur“, S. 714.
Geburtshaus. Eine Abbildung des Geburtshauses Sealsfield’s im Holschnitte von J. J. Kirchner nach einer Skizze von Carl Bornemann, enthält die Neue illustrirte Zeitung 1875, Nr. 42, S. 4.
Sealsfield’s Grabstätte. Sealsfield liegt auf dem Nicolai-Kirchhof, eine halbe Stunde von der Stadt Solothurn an der Wand der dortigen kleinen Kirche begraben. Eine schwarze von rothem Marmor eingefaßte Marmortafel, welche an die Kirchenwand angelehnt ist, trägt in goldenen Lettern [239] folgende Inschrift: Charles Sealsfield | geboren den 3. März 1793, | gestorben den 26. Mai 1864. | Psalm 143. And enter not into judgement with thy servant, for in thy sight shall no man living be justified. (Und gehe nicht in’s Gericht mit deinem Knechte, denn vor dir ist noch kein Lebender gerecht befunden worden.) Psalm 31. Have mercy upon me, my God, according to thy loving kindness, according to the tender mercies bles out my transgressions. (Hab Erbarmen mit mir, mein Gott, nach Maß deiner liebenden Güte, nach Maß deiner Gnade lösche aus meine Vergehungen.) Auf dem liegenden Steine, der gleichfalls aus schwarzem, roth eingefaßtem Marmor ist, liest man folgende Worte: Charles Sealsfield | Bürger von | Nordamerika.
Gedenktafel. Deren gibt es zwei. Eine datirt seit mehreren Jahren aus einer Zeit, als sich die Znaimer um ihren berühmten Landsmann noch gar nicht kümmerten. Sie wurde von einem schwärmerischen Verehrer des Dichters, Oscar Meister aus Znaim, in einer einsamen Gegend, an romantischer Stelle, welche die Tradition als Lieblingsaufenthalt des Znaimer Gymnasiasten Karl Postl bezeichnet, errichtet. Darauf ist an einem weiß übertünchten Felsblocke auf steilem Bergabhange im Thayathale in schwarzen Lettern folgende Inschrift zu lesen: P. Den Manen | unseres großen Landmannes | Charles Sealsfield | geboren zu Poppitz am 3. März 1793, | gestorben zu Solothurn am 26. Mai 1854. | Eine Abbildung dieser Gedenktafel in Holzschnitt von J. J. Kirchner nach einer Skizze von C. Bornemann, enthält die (Wiener) Neue illustrirte Zeitung 1875, Nr. 42, S. 4. Das P ober der ersten Zeile ist so gebildet, wie es Sealsfield auf seinem Grabmal in Solothurn angeordnet[WS 3] hat, denn es enthält die Buchstaben S und C, welche Charles Sealsfield bedeuten und den Buchstaben P für Postl. – Die zweite Gedenktafel befindet sich an dem Geburtshause Sealsfield’s in Poppitz. Sie ist von Eisen und enthält in goldenen Lettern die Inschrift: P. l Dem Dichter Charles Sealsfield | (Carl Postl) | Bürger von Nordamerika | und nun folgen wie oben Geburts- und Todesdatum.
Denkmal für Sealsfield. Außer den vorbeschriebenen Gedenktafeln, gedenkt die Gemeinde noch sonst das Andenken an Sealsfield zu ehren. In den ersten Tagen des Monats März 1875 fand in S.’s Geburtsort Poppitz in dessen Geburtshaus eine Versammlung Statt, welche sich mit der Frage beschäftigte, auf welche Weise ein Denkmal für den Dichter errichtet werden könnte. Bürgermeister Jank leitete die Debatte, die mit dem Beschlusse endigte, vorerst eine Gedenktafel an S.’s Geburtshaus anzubringen, worauf man anstreben wolle, ihm in Einsiedel Leithen einen Obelisken zu errichten. – Im Jahre 1876, in der Beilage Nr. 56, berichtete die „Allgemeine Zeitung“, daß die Vorarbeiten für ein Denkmal Sealsfield’s bereits in Angriff genommen worden sind. Der Professor an der Znaimer Fachschule für Thonindustrie arbeitete damals an dem Modell für das Denkmal. Die Statue soll aus Marmor in Lebensgröße ausgeführt werden und die Inschrift tragen: „Dem Dichter beider Hemisphären Charles Sealsfield (Karl Postl) gewidmet von seinen Verehrern.“
Sealsfield im Roman. Daß ein Lebenslauf, wie jener Charles Sealsfield’s, noch überdieß in ein bis heute nicht völlig gehobenes Dunkel gehüllt, dem Romandichter reichlichen Stoff darbiete, ist leicht begreiflich und ebenso auch, daß bei der heutzutage schwunghaft betriebenen Romanfabrication derselbe sofort verwerthet werden dürfte. So hat denn auch Theodor Scheibe in der (Wiener) Morgenpost 1872 den Roman „Der Kreuzherr von Pöltenberg“ erscheinen lassen, den alsdann das „Znaimer Wochenblatt“ nachdruckte und welcher Sealsfield’s Leben behandelt.
Auch eine Stimme über Sealsfield. Der bekannte österreichische Nekrologist im „Volks- und Wirthschafts-Kalender, dem wir durch eine Reihe von Jahren eine Uebersicht jener Verstorbenen verdanken, welche sich in einer oder der anderen Weise um Oesterreich verdient gemacht, schreibt in einer Anmerkung seines Nekrologs für 1866: „In der That verdient die lange Reihe der von Karl Postl unter dem Namen Charles Sealsfield deutsch und englisch herausgegebenen Schriften, in denen er mit schier wunderbarer Auffassung den Yankee und den Hinterwäldler, den spanischen Aristokraten und den Indianer charakterisirt, das Meer, den Urwald mit seinen Prairien und die feenhaften Herrlichkeiten der Natur Mexiko’s schildert, die ehrendste Erwähnung in jeder Literaturgeschichte. Uns aber verletzt nicht blos die einseitige und inconsequente [240] Begeisterung, mit der ein Oesterreicher in Amerika nur Licht ohne Schatten sieht und sogar die Sklavenhälter (in Rolph’s Brautfahrt) glorificirt, nicht bloß die Taktlosigkeit, mit welcher ein, wenn auch abgefallener Priester jede Gelegenheit vom Zaune bricht, um den Katholicismus zu verhöhnen, die raffinirte Sinnlichkeit, mit welcher ohne die Entschuldigung heißen Blutes mehr als zweideutige Situationen in’s Breite ausgemalt werden; uns deutsche Oesterreicher verletzt wo möglich noch mehr die hämische Art, womit er der „knechtischen“ Deutschen je zuweilen (in „Der Legitime und der Republikaner“, „Süd und Nord“ u. s. w.) gedenkt und die von tiefinnerster Abneigung zeigende Beharrlichkeit, mit der Karl Postl sein Vaterland selbst dann, als ihm kein Schaden mehr daraus erwachsen konnte, verheimlicht, verleugnet. Oesterreich hat der verlorenen Söhne, die ein unglückliches Geschick in die Weite trieb, gar viele und es erwiedert ihre Sehnsucht nach der Heimat mit warmer Theilnahme. Wer aber nie bedauert, durch Ansichten oder äußere Umstände hinausgedrängt worden zu sein, der kann auch neben Denen keinen Platz finden, die ihre Ehre, ihre Freude in der des theueren Vaterlandes suchten und fanden, und uns bleibt nur tiefe Trauer bei der Beobachtung des großartigen Talentes, das gerade an den vielverschlungenen Nationalitäten Oesterreichs eine so überreiche Gelegenheit gehabt hätte, sich zu entfalten, es aber vorzog, fremde Länder zu schildern und die Heimat zu verleugnen. Mögen ihn die ihr Eigen nennen, denen er gedient, Oesterreich, das männerreiche, braucht sich nicht mit Federn zu schmücken, die ihm ausgefallen.“ Gewiß eine Stimme, die um so größere Berechtigung hat, als sich eben zu jener Zeit Gerüchte erhoben, dazu angethan, das Andenken an den „großen Unbekannten“ zu besudeln, Gerüchte, denen wohl widersprochen, die aber nicht endgiltig widerlegt wurden, und die, wenn sie wahr befunden würden, den „großen Unbekannten“ zuletzt berechtigten, Oesterreich so zu verlästern, wie er es immer und überall gethan. – Bemerkenswerth ist und fast als ein eigenthümliches Zeichen der Zeit erscheint es, daß man, als jeder Zweifel über Postel’s Identität mit Sealsfield geschwunden, nicht genug eilig sein konnte mit der Aufstellung von Denktafeln, Erinnerungszeichen und einer Statue. Und was hatte Sealsfield für seine österreichische Heimat gethan? Dieselbe auf das Bitterste in Wort und Schrift angegriffen und seine Angehörigen in Mähren, zum Erben eingesetzt. Das ist Alles. Und als Schwind starb, der mit allen seinen Fasern an Oesterreich, an seinem Wien hing, der dem Jubel laute Worte lieh, als es ihm doch vergönnt ward, seine Vaterstadt mit Werken seiner Hand zu schmücken, der makellos in seinem Leben, als ein in seinen großen Werken unerreichter Meister dasteht, brachten einige opferwillige Freunde mit Mühe die Schwindausstellung zusammen. Bauernfeld mußte mahnen, daß es doch an der Zeit sei, das Mondscheingäßchen „Schwindgäßchen“ zu nennen, und vornehmlich der Kunstliebe des k. k. Oberstkämmerers Grafen Franz von Crenneville ist es zu danken, daß sein herrlichstes Werk: „Das Märchen von der schönen Melusine“, dem Vaterlande erworben wurde. Sonst hat man in Oesterreich Schwind Schwind sein lassen!!]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. a b Vorlage: Kurz (Hermann).
  2. Vorlage: imfame.
  3. Vorlage: angeornet.