BLKÖ:Silberstein, August

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 34 (1877), ab Seite: 284. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
August Silberstein in der Wikipedia
GND-Eintrag: 11738464X, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Silberstein, August|34|284|}}

Silberstein, August (Schriftsteller und Dichter, geb. zu Ofen in Ungarn 5. Juli 1827). Sein Vater lebte als Kaufmann in Ofen, und der Sohn, der frühzeitig Lust und Liebe zum Lernen zeigte, sollte für die wissenschaftliche Laufbahn erzogen werden, jedoch die furchtbare Ueberschwemmung, von welcher im Jahre 1839 Ofen heimgesucht worden, zerstörte des Vaters Haus, das in die Fluten stürzte, der Vater aber erlag dem Kummer über den Verlust seiner ganzen Habe und einer Krankheit, welche er sich bei seinem Versuche, sein Besitzthum zu retten, zugezogen hatte. So war denn der Knabe mit 12 Jahren vaterlos, die ursprüngliche Absicht, ihn der gelehrten Laufbahn zu widmen, wurde aufgegeben, und S. durch Verwandte nach Wien in ein Handlungshaus gebracht, wo er sich für den Kaufmannsstand ausbilden sollte. Aber damit ging es doch nicht; der Junge besuchte, statt die geschäftlichen Gänge zu machen, die Vorlesungen in der Universität, kam dadurch mit seinen Verwandten über einander, deren Unterstützung er nun gänzlich verlor. Nun galt es für S. sich selbst den Weg zu bahnen, und er machte die harte Schule des Lebens durch, die Keinem erspart bleibt, der auf sich selbst sich stützen muß. Er gab zunächst Unterricht, dann schrieb er für die Journale kleine Artikel, die ihm auch manches, freilich genug kleine Honorar einbrachten. Im Jahre 1848 der Bewegung, die Alles mitriß, sich anschließend, befand sich S. im Comité der akademischen Legion, das ihn zu seinem Schriftführer ernannte. Als im October der Aufstand niedergeworfen war, entzog er sich durch die Flucht einer Verfolgung und Verantwortung, und hielt sich längere Zeit in Deutschland auf, wo er in verschiedenen Städten lebte und für Journale arbeitete. Als er nach einiger Zeit nach Oesterreich zurückkehrte, wurde er von dem noch bestehenden Kriegsgerichte in Untersuchung gezogen und zu mehrjähriger Festungshaft verurtheilt, zu deren Abbüßung er auf den Spielberg geschickt wurde, und daselbst verblieb, bis eine kaiserliche Amnestie seine Fesseln sprengte. Ueber die ganze Periode von 1848 bis zur erlangten Freiheit fehlen in den verschiedenen Quellen alle näheren biographischen Daten. Nach seiner Entlassung aus der Haft widmete sich S. ausschließlich der Schriftstellerei, und begann zuerst mit seinen Volksgeschichten, dieser von Berthold Auerbach in die Mode gebrachten Erzählungsgattung, welche zunächst im Vogl’schen Volkskalender abgedruckt waren, dann aber in besonderen [286] Ausgaben als „Dorfschwalben“ und „Hochlandsgeschichten“ gesammelt erschienen sind. Aus der begrenzteren Sphäre der Dorfgeschichte trat S. später auf das weitere Gebiet des socialen Romans über, und es folgten sich in kleinen Zwischenräumen nach dem humoristischen Roman „Hercules Schwach“ noch die „Alpenrose von Ischl“ und „Glänzende Bahnen“, von denen namentlich der zweitgenannte Roman durch die leicht erkennbaren Zeichnungen verschiedener Gestalten der Ischler Badegesellschaft seiner Zeit Aufsehen erregte. Zugleich mit diesen Leistungen in Prosa trat S. mit mehreren Bänden Gedichten, als lyrischer Poet auf. Als die von der Firma Hallberger in Stuttgart im Jahre 1859 gegründete neue illustrirte Zeitung „Ueber Land und Meer“ noch ihre Fühlung mit Oesterreich bewahrte, und nach einem Berichterstatter über die Vorgänge in der Kaiserstadt suchte, fiel ihre Wahl auf August Silberstein, dessen erster mit seinem Namen bezeichneter Bericht als „Wiener Chronik“ in Nummer I des XVII. Bandes 1866 erscheint. Ob die früheren mit A., und O. bezeichneten Wiener Berichte auch aus seiner Feder herrühren, muß dahingestellt bleiben. Vom Jahre 1866 an bis 1872 setzen sich diese Wiener Correspondenzen Silberstein’s fort. Von da ab bis zum XXIX. Bande (1873) erscheint S. als stehender Wiener Chronist in Hallberger’s „Ueber Land und Meer“. Von diesem Jahre ab bis auf die Gegenwart begegnet man aber nicht mehr fortlaufenden Wiener Berichten, sondern nur gelegenheitlichen Mittheilungen aus Wien und ethnographischen und topographischen Darstellungen aus Oesterreich, welche theils mit Silberstein’s ganzem Namen, theils mit A. S., theils aber nur mit S. bezeichnet sind, welche letztere jedoch in Styl und Darstellung den mit A. S. bezeichneten so ähneln, daß man wohl ohne fehl zu gehen Silberstein die Autorschrift zuschreiben kann. Ueberdieß begegnet man Silberstein’s Arbeiten in Prosa und in gebundener Rede in vielen Almanachen, Albums und Zeitschriften Oesterreichs und Deutschlands. Vom Jahre 1858 ab redigirte er auch den früher von Sommer, seit 1877 von der Hügel’schen Buchhandlung (Weinberger und Zappert) herausgegebenen „Oesterreichischen Volkskalender“. Nachdem er 18 Jahrgänge desselben redigirt, übertrug ihm im Jahre 1877 Karl Fromme, der Verleger des so beliebt gewordenen „J. N. Vogl’schen Volks-Kalenders“, die Redaction desselben, und auf dem Titel und Umschlage des 33. Jahrganges (1877) erscheint S. zum ersten Male als genannter Redacteur dieses Volksbuches. Aber noch nach einer Seite, nach der humanitären, ist S.’s zu gedenken. In Wiens unmittelbarer Nähe, unweit der berühmten Sommerfrische Reichenau, auf dem Wege durch das Höllenthal, gelangt man zu der von dem berühmt gewordenen Holzknechte Georg Huebmer [Bd. IX, S. 387] gegründeten Naßwalder-Colonie. Nach dieser hat sich ein gesellig humanitärer Verein, „Die Naßwalder“, gebildet, dessen Seele S. seit seinem Ursprunge, wie er denn durch acht Jahre, 1868–1877, dessen Vorstand war. Den ursprünglich geselligen Verein gestaltete er in einen humanistisch geselligen um, regte den Bau eines Schutzhauses für arme Kinder an, dessen Grundstein im Naßwalde am 23. Juni 1872 gelegt, und das um das Jahr 1876 vollendet wurde. Die Gesellschaft richtete an den um ihr Gedeihen verdienten Vorstand eine [287] Adresse in einer kunstvoll von Rint geschnitzten Decke, und übergab ihm einen Lorbeerkranz mit goldener Schleife, auf dessen Blättern S.’s Werke eingegraben sind. Auch gründete S. im April 1874, als ein Jahr nachdem Krach die Noth in allen Kreisen und auch in jenen der Studirenden sich fühlbar machte, das Studenten-Convict – d. i. einen Freitisch für arme Studirende – welches innerhalb zwei Jahren, monatlich an 50 bis 100 Studirende beköstigend, ein Vermögen von 40.000 fl. erwarb, und jährlich 10- bis 15.000 Mittagsfreitische spendet. Silberstein ist seit Jahren Doctor der Philosophie – wenn Herausgeber nicht irrt, ertheilte ihm Freiburg das Doctor-Diplom – ferner ist er Mitglied und Ehrenmitglied verschiedener wissenschaftlicher und artistischer Vereine, Meister und Ehrenmitglied des freien deutschen Hochstifts im Goethehause zu Frankfurt a. M.; von Schweden besitzt er die goldene Medaille litteris et artibus, von Brasilien, Portugal und Sachsen-Weimar Ordensdecorationen.

Silberstein’s Schriften in chronologischer Folge.Geschichte der Aula“, die Wiener Universität und die akademische Legion vom März bis Ende October 1848 (Mannheim 1848, J. P. Grohe, 8°., 85 S.); – „Trutznachtigall“. Lieder aus dem deutschen Walde. Erste und zweite Auflage (Leipzig 1859, Fries), dritte vermehrte Auflage in Phil. Reclam’s jun. Universal-Bibliothek Nr. 263; – „Dorfschwalben aus Oesterreich“. Erster und zweiter Band (München 1862 und 1863, Fleischmann, 8°.) [Inhalt: „Der Ausgeding“ – „Der Häusler“ – „Der Zierthalerhof“ – „Der Urlauber“ – „Der Spatzenschreck“ – „Die Häuslerin“ – „Das Waldrecht“ – „Der Dorfteufel“ – „Der Schulmeister und seine Tochter“ – „Der Gerhab“. Vergleiche darüber: die Süddeutsche Zeitung 1862, Nr. 80 – die Reform, v. Schuselka, II. Jahrg. (1863) Nr. 49, S. 1566 – Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung 1863, Nr. 22 – Literarischer Handweiser 1863, Nr. 12, Sp. 58 – Blätter für literarische Unterhaltung 1862, Nr. 37, S. 680]; – „Herkules Schwach“. Humoristischer Roman in drei Bänden (München 1863, E. A. Fleischmann, 8°.) [vergleiche die Blätter für literarische Unterhaltung 1865, S. 110]; – „Lieder“ (München 1864, E. A. Fleischmann, 8°.) [vergleiche das Morgenblatt der Bayerischen Zeitung 1864, Nr. 163 – die Reform, v. Schuselka, III. Jahrg, (1864), Nr. 8, S. 252 – Hamburger Jahreszeiten 1865, Nr. 21]; – „Die Alpenrose von Ischl. Ein Roman“. Zwei Bände (Berlin 1866, O. Janke, Zweite Auflage ebd. 1875, 8°.) [vergl. die Reform, von Schuselka, IV. Jahrg. (1865), Nr. 51, S. 1620]; – „Land und Leute in Naßwald. Colonie protestantischer Holzknechte in den österreichischen Alpen“ (Wien 1868, W. Braumüller, kl. 8°.) [vergl. Blätter für literarische Unterhaltung 1868, Nr. 51, S. 814]; – „Der Hallodri. Dorfgeschichte aus Oesterreich.“ (Berlin 1868, O. Janke, 8°.); – „Dorfschwalben“. Neue Folge [vergl. Blätter für literarische Unterhaltung 1869, Nr. 18, S. 285]; – „Mein Herz in Liedern. Neue Lieder“. (Stuttgart 1868, C. Grüninger, Zweite Auflage 1869. Dritte Auflage und Gesammt-Auflage der Lieder, Stuttgart 1875, Hallberger, 12°.) [vergl. Blätter für literarische Unterhaltung 1859, Nr. 36, S. 564. – Didaskalia 1875, Nr. 100]; – „Glänzende Bahnen“. Roman in 3 Bänden (Berlin 1872, O. Janke, Zweite Auflage ebd. 1875, 8°.) [vergl. Wiener Abendpost 1873, Nr. 43, S. 381]; – „Die Kaiserstadt am Donaustrand“. Wien und die Wiener in Tag- und Nachtbildern“ (Darmstadt 1873, Lange [Wien, Perles], mit 30 Stahlstichen, 4°.); – „Deutsche Hochlandsgeschichten“. Zwei Bände (Stuttgart 1875, Hallberger, 8°.). [Inhalt: „Christkindl im Schnee“ – „Bräutlein Widertod“ – „Auf der Alm des Salzburger Gaisberg“ – „Der Hochzeitbitter vom Gasteiner Thale“ – „Der Kernschuß in Zell am See“ – „Der Salzgräber von Hallstadt“ – „Die Schifferdirn am Traunsee“ – „Der Gemsenjäger von Attersee“. [Vergl. Besondere Beilage des Staats-Anzeigers für Württemberg 1875, Nr. XIV – Neues Fremdenblatt 1875, Nr. 159 – Blätter für literarische Unterhaltung, 1876 Nr. 20]. – Von seinen zahlreichen, in Zeitschriften abgedruckten Aufsätzen und Mittheilungen [288] seien hier jene aufgeführt, welche in „Ueber Land und Meer“, nachdem die stehende „Wiener Chronik“ aus seiner Feder aufgehört hatte, von Zeit zu Zeit erschienen, und als Beiträge zur Zeit- und Sittengeschichte Wien’s gelten können. Es sind im XXXI. Bande (1874): „König Victor Emanuel und Kaiser Franz Joseph im Kaiser-Pavillon der Wiener Weltausstellung“ [S. 106] – „Das eiserne Sperrschiff im Wiener Donauarm“ [ebd. 494] – „Victor Emanuel in Wien“ [ebd. 95] – „Auf dem Dache der Rotunde im Weltausstellungsgebäude“ [ebd. 98] – „Die Abtheilung des Deutschen Reiches im Industriepallast“ [ebd. 117] – „Aegypter vor dem Palais des Vice-Königs auf der Weltausstellung“ [ebd. 117] – „In der italienischen Ausstellung“ [ebd. 196] – „Im Centralsaale der Kunsthalle“ [ebd. 216] – „Das Nebelhorn“ [ebd. 216] – „Feierliche Preisvertheilung an die Aussteller in Wien“ [ebd. 57] – „In der türkischen Abtheilung [ebd. 177] – „In der tunesischen Abtheilung“ [ebd. 137] – „Typen aus der Weltausstellung“ [ebd. 157] – „Die Elisabethbrücke mit der Karlskirche, dem Polytechnikum und der evangelischen Realschule“ [ebd. 354] – „Das Wiener Damen-Orchester“ [ebd. 515]; im XXXII. Bande (1875): „Der Gmundenersee in Oberösterreich“ [S. 719] – „Der Vogelweidehof in Tirol“ [S. 698] – „Das Wien, das geht“ [S. 838]– „Das alte und das neue Donaubett in Wien“ [S. 779]; im XXXIII. und XXXIV. Bande (1875): „Der Eßterházy-Keller in Wien“ [S. 435] – „Das Gaßlwettrennen nächst Wien“ [S. 516] – „Julius Grosse“ [S. 363] – „Beim höchsten Heurigen“ [S. 55] – „Die österreichisch-ungarischen Nordpolfahrer“ [S. 106] – „Das neue Universitätsgebäude in Wien“ [S. 146] – „Ein Wiener Bazar für Alles“ [S. 328] – „Lieutenant Zubowics und der Distanzritt von Wien nach Paris“ [S. 236]; im XXXV. Bande (1876): „Für ein Herdfeuer“ [S. 502] – „Die Glöckler am Gmundener-See“ [S. 315] – „Ein schwerer Priestergang“ [S. 374] – „Die Kirche der griechischen Nation in Wien“ [S. 323] – „Die neue Akademie der bildenden Künste in Wien“ [S. 383] – „Die Obstflottille am Schanzl in Wien“ [S. 192] – „Zum hundertjährigen Jubiläum des Wiener Hofburgtheaters [S. 443]; im XXXVI Bande (1876): „Kronprinz Rudolph auf der Auerhahnjagd“ [S. 674] – „Der Bazar für arme Kinder in Wien“ [S. 634] – „Einweihung in den deutschen Orden und Ritterschlag“ [S. 814] – „Die Brücken über die Donau bei Tulln“ [S. 855] – „Die Wiener Ringstraßen, I. Schotten-Ring“ [S. 794]; im XXXVII. Bande (1877). „Eine Civiltrauung durch den Bürgermeister in Wien“ [S. 10] – „Ein Wiener Kaffeehaus“ [S. 43] – „Wiener Ringstraßen. II. Opern- und Kärnthner-Ring“ [S. 134] – „Wien von Polizisten gesehen“ [S. 229].
Compositionen zu Silbersteins Gedichten. Wie bei Seidl, macht auch dieses Verzeichniß auf Vollständigkeit keinen Anspruch. Aber der Unsitte bei Compositionen, den Namen des Dichters mit jenem des Compositeurs zu verdecken, soll man begegnen, wie und wo man kann. Und so folgt denn[WS 1] hier eine wenngleich lückenhafte Uebersicht jener Lieder Silberstein’s, welche durch den Zauber der Töne weitere Verbreitung gefunden, nach der alphabetischen Ordnung der Componisten: Abt Franz: „Bannerspruch“ – „Vaterlandslied“ – „Nur du allein“ – „Wenn die Lerchen wiederkommen“; Bruckner A.: „Germanenzug“; Engelsberg E. S.: „Grüß dich Gott“ – „Minelied“; Herbeck J. „Bannerspruch“; Konradin C. F.: „Grüß dich Gott“; Kremser E. „Es steht ein Baum im Walde“; Mair Franz: „O Turnerlust“ – „Germanenzug“ – „Heimatland, du Wanderblume“; Preyer G.: „Tausend Grüße“ – „Kleine Diebin, kleine Schelmin“; Proch H.: „Ein wunderbarer Zauber“ – „Wann und wo?“ – „Grüß dich Gott“ – „Ich habe dich gefunden“; Randhartinger B.: „Wenn du ein Mutterherz begraben“; Sandtner C.: „Hausfrieden“ – „Minnelied“ – „Im Grünen lacht das Herz“ – „Scheidegruß“; Schläger H.: „Vaterländisch Weinlied“; Schmölzer J. E.: „Im Grünen“ – „O weine nur“ – „Vaterlandslied“: Speidel W.: „Wenn die Lerchen wieder kommen (auch im Männergesangs-Album des Liederkranzes); Stoiber E.: „Das hohe Lied“ – „Wann und wo?“; Storch M. A.: „Der Weber“ – „Drei“ – „Wo wächst der Wein“ – „So erklärt sich’s“ – „Huszaren-Urlaub“ – „Die schönste Liebe“ – „Vaterlandslied“ – „Die Herren Philister“ – „Und hätt' ich tausend Zungen“; Strauß Jos.: „Wenn ein Kindlein faltet fromm die Hände“; Storch A. (Sohn): „Wenn du ein herzig Liebchen hast“; Suppé F. v.: „Süße liebliche [289] Gestalt. Schönste Blüthe meines Lebensbaumes“; Titl E.: „Minnelied“ – „Du“; Tschirsch: „Vaterlandslied“.
Zur Kritik über Silberstein, den Erzähler und Dichter. Es liegt eine Unzahl kritischer Stimmen, welche seit Jahren gesammelt sind, vor uns. Es wird Einem dabei die Wahl schwer, weil sie von Freund und Feind stammen, und es sich hier um eine kritische Stimme handelt, welche unbefangen ihr Urtheil fällt. Eine solche erscheint uns zunächst in Heinrich Kurz. „Wie der norddeutsche Julius Rodenberg“, schreibt Kurz, „Meister in der Darstellung des großstädtischen Lebens, so ist Silberstein Meister in der Darstellung ländlicher Verhältnisse, wie sich denn die Bemerkung aufdrängt, daß die gebildeten Stände in den südlichen Provinzen Deutschlands dem Volke näher stehen als in den nördlichen. … Vor allem ist hervorzuheben, daß S. das Land und die Leute, die seinen Geschichten zum Grunde liegen, auf das genaueste kennt. Man bemerkt bald, daß seine Kenntniß nicht blos die eines gewöhnlichen Touristen, sondern eines tiefen Beobachters ist, der mit allen Verhältnissen des dortigen Lebens vertraut ist. Er kennt alle Beschäftigungen der Gebirgsbewohner, die er mit der höchsten Anschaulichkeit zu schildern weiß; er kennt das tiefe und reiche Gemüth des Volkes; er weiß, daß auch unter dem Bauernkittel edle Herzen schlagen. Er schildert nicht blos die äußeren Verhältnisse mit der größten Wahrheit, er läßt im Bauern auch den Menschen mit seinen guten und bösen Eigenschaften erscheinen. Wie die Schilderungen der Landschaften, so sind auch seine Personen, um uns eines gewöhnlichen Ausdrucks zu bedienen, aus dem Leben gegriffen, voll Naturwahrheit, und wie die äußere Erscheinung, weiß er auch das innere Leben zur Gestaltung zu bringen. … Die Stoffe sind glücklich gewählt und durchgeführt, die Motive entsprechen den Verhältnissen und den Charakteren der Personen auf das vollkommenste. Der Dichter hascht nicht nach Effecten, und doch weiß er mit den einfachsten Mitteln oft die ergreifendste Wirkung hervorzubringen. Es wird unter den sämmtlichen Geschichten kaum eine zu finden sein, aus welcher wir nicht Belehrung schöpfen, aber er erreicht dieß nicht durch kalte und breite Reflexionen, sondern durch die anschauliche und naturgetreue Schilderung der Lebensverhältnisse. Vor allem erfreut aber die tiefgemüthliche Haltung, der schöne humane Sinn, von dem alle Geschichten durchdrungen sind, sowie die Liebe zur Freiheit, die sich nicht mit hohlen Phrasen breit macht, sondern auch ohne besonders ausgesprochen zu werden, alle Erzählungen beseelt. Die Darstellung ist gewandt und fließend, sie gewinnt dadurch bedeutend an Reiz und Wirkung, daß der Dichter bei passenden Gelegenheiten sogenannte Schnaderhüpfl einflicht, die entweder vortrefflich gewählt oder glücklich erfunden sind und die Sitte der Gebirgsbewohner, in Ernst und Scherz Wettkämpfe mit solchen Jodelliedern anzustellen, lebendig zur Anschauung bringen“. – Die „Neue freie Presse“ aber schreibt über Silberstein’s lyrische Dichtungen: „Was er in den Liedern seines Herzens bietet, ist warm empfunden und schön gesagt; ihm ist des „Liedes Sendung“ die frohe Botschaft vom Ideal an das Volk und zugleich das Band der geistigen Verbrüderung politisch getrennter Stämme. – Leben, Liebe und Natur, der unausgesungene Dreiklang, lassen den Dichter von der liebenswürdigsten Seite erscheinen, er vereint in den ihnen gewidmeten Liedern Formenschönheit und Gedankentiefe; wahrhaft reizend sind einzelne, wie z. B.: „O Liebe, du gibst doch den hellsten Schein“ oder „Wer eine Thräne weinen kann“ u. s. w. In dem Abschnitt, der dem „Scherz“ das Wort leiht, zeigt der Poet eine neckisch-humoristische Ader, deren Pointen wohl treffen, aber nicht verwunden, wie es wahrer Dichtung Brauch ist; in den „Gestalten und Gebilden“ endlich streift er hinüber in’s epische Gebiet und zeichnet uns in Romanzen- und Balladenform eine reiche Fülle wechselnder Anschauungen vor die Seele.“
Quellen zur Biographie Silberstein’s. Ueber Land und Meer. Illustr. Zeitschrift (Stuttgart, Hallberger) Bd. XVIII (1867), Nr. 48, S. 760: „August Silberstein“. Von Dr. Linder Carlin [nach diesem geb. am 5. Juli 1827]. – Oesterreichische Gartenlaube. Herausgegeben von Heinrich Hügel (Gratz, 4°.) III. Jahrg., Nr. 40, S. 478: „August Silberstein“. Von F. Groß. – Klagenfurter Zeitung 1871, Nr. 92 u. 93, im Feuilleton: „August Silberstein“. Von Rosegger. – Kurz (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken (Leipzig 1871, B. G. [290] Teubner, Lex.-8°.). IV. Bd., S. 856 u. f. – Brümmer (Franz). Deutsches Dichter-Lexikon (Eichstadt und Stuttgart 1876, Lex.-8°.), Bd. II, S. 357 [nach diesem geb. am 1. Juli 1827]. – Porträte. 1) In der österreichischen Gartenlaube, III. Jahrg. S. 476, Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen [sehr ähnlich]; – 2) in Kurz „Geschichte der deutschen Literatur“ Bd. IV, S. 856, mit Facsimile des Namenszuges August Silberstein [schöner Holzschnitt, auch ähnlich, doch weniger gut wie das vorige]. – 3) in der fünften Auflage von Scherer’s „Deutscher Dichterwald“ [hübscher aber ganz unähnlicher Holzschnitt]; – 4) in „Ueber Land und Meer“ Bd. XVIII, Nr. 48, Holzschnitt von Bischoff, nach einer Original-Zeichnung von Fritz Kriehuber; – 3) im „Kaktus“ 1875, Nr. 15. Holzschnitt von Monogramm AP Volume 34 Page 247.jpg – 6) Lebensgroße Photographie von F. Luckhardt, als Naßwalder, im Besitze des Vereines „Naßwalder“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: den.