BLKÖ:Sonnenfels, Joseph von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 35 (1877), ab Seite: 317. (Quelle)
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Sonnenfels, Joseph von[BN 1] (Staatsmann, geb. zu Nikolsburg in Mähren im Jahre 1732, gest. zu Wien am 25. April 1817), das Alter und der Todestag von Sonnenfels werden verschieden angegeben. Wir finden: 84 Jahre und gestorben am 26. April 1817, dann wieder 87 Jahre, gestorben am 24. u. s. w. Im Todtenverzeichniß der Stadt Wien – und das ist wohl [318] vorderhand die authentischste Quelle – steht: gestorben am 25. April 1817, alt 85 Jahre, in der Wollzeile Nr. 827, an Altersschwäche, und nach dieser Anzeige sind obige Angaben festgestellt. Sonnenfels war israelitischer Abkunft. Sein Großvater war ein israelitischer Gelehrter und Oberlandesrabbiner der Mark Brandenburg zu Berlin. Sein Vater, so sich Perlin Lipmann schrieb, wurde getauft, übersiedelte nach Nikolsburg (siehe über ihn das Nähere in den Qu. S. 332). Joseph, wie sein Bruder Franz (siehe über diesen den besonderen Artikel S. 315), wurden in dem bekannten an der Grenze von Mähren und Nieder-Oesterreich gelegenen mährischen Städtchen Nikolsburg, dessen Grundherrschaft das Fürstenhaus Dietrichstein war, geboren. Da die jüdischen Geburtsbücher erst mit dem Jahre 1735 beginnen, so läßt sich sein Geburtstag und Jahr nicht feststellen. Der Nikolsburger Grundherr Karl Fürst Dietrichstein [Bd. III, S. 302] bezeigte dem Vater bereits großes Wohlwollen und war nicht minder gütig gegen dessen Söhne. Noch im Alter zeigte S. ein paar Groschenstücke, welche er als Knabe zur Belohnung seines Fleißes von dem Fürsten erhalten hatte. Joseph besuchte das Gymnasium der Piaristen in seiner Vaterstadt, lernte aber, nach seiner eigenen Behauptung, wenig und sprach Latein „wie der Hirt auf den hungarischen Haiden“. Die Philosophie hörte er in Wien nach dem Zuschnitt jener Zeit und als er die Schulphilosophie beendet, zählte er erst 13 Jahre. Nun trat bis zum 16. Jahre ein Stillstand in seinen Studien ein, nur unterbrochen durch den in manchem Jünglingsleben auftauchenden Entschluß: Geistlicher oder wohl gar Mönch zu werden, ein Paroxysmus, der wenig bedeuten will, da er schon nach einiger Zeit wieder vergeht. So auch bei Sonnenfels. Indessen war sein Vater, durch mißliche Verhältnisse gezwungen, auf ein Dorf übersiedelt und daselbst lebte S. ohne Zucht, ohne Leitung, nahezu verwildernd, und so geschah es, daß er mit einem Male Lust zum Soldatenstande empfand und in der That auch Soldat wurde. Er diente nun unter dem Namen Joseph Wiener [wie er zu diesem Namen kam, siehe in den Quellen über Sonnenfels’ Vater] im Regimente Deutschmeister, welches damals, um die Mitte des 18. Jahrhunderts, in Klagenfurt stationirt war. In diesem Regimente blieb S. fünf Jahre und war während derselben zum Unterofficier vorgerückt. Aber sie waren für ihn nicht ohne Nutzen gewesen. Sein Oberst Freiherr von Laßwitz und sein Hauptmann Freiherr von Elvenich waren ihm wohlgesinnt. Die viele Muße, welche ihm sein Dienst ließ, verwendete er, das in den Studien Versäumte nachzuholen, insbesondere verlegte er sich auf Sprachen und erlernte von französischen Deserteuren französisch, als sein Regimen nach Böhmen kam, von den Mädchen in Sobotka und Jungbunzlau, wie S. in dem von ihm selbst geschriebenen Fragmente seiner Lebensgeschichte berichtet, böhmisch. Dabei las er viel, freilich alles durch und unter einander, Lohenstein und Klipphausen, Telander und Neukirchen, machte Verse à la Hofmannswaldau und studirte wohl auch nebenbei Alchymie. Das Regiment, dessen Station öfter gewechselt worden, kam zuletzt von Ungarn nach Wien. Indessen hatten sich die Vermögensverhältnisse des Vaters einigermaßen gebessert und da die Aussichten im Soldatenstande schlecht genug waren, dachte S. seine Entlassung zu nehmen. Durch Vermittlung der Fürstin [319] Trautson, der Gemalin des zweiten Obersthofmeisters der Kaiserin, und des Grafen Johann Karl Dietrichstein, Kammerherrn des damaligen Erzherzogs Joseph, erhielt S. seine Entlassung. Nun aber galt es einen Lebensberuf wählen und S. warf sich mit allem Eifer auf die juridischen Studien. Er hörte die Vorträge von K. A. Martini [Bd. XVII, S. 33], damaligem Professor des Naturrechtes an der Wiener Hochschule, dessen gedrängter und überzeugender Vortrag, wie Sonnenfels selbst schreibt, ihn erst denken gelehrt. Bei seinem Vater, der damals als Dollmetsch bei der niederösterreichischen Regierung bedienstet war und Unterricht aus der hebräischen Sprache ertheilte, erlernte er hebräisch und rabbinisch, und nachdem er die juridischen Studien beendet, nahm er die Rechtspraxis bei dem Hofrathe der obersten Justizstelle, dem Grafen von Hartig, in welcher er durch zwei Jahre thätig war. Aber neben den Arbeiten seines Berufes wurde sein Interesse auch für literarische Angelegenheiten wach gehalten und namentlich wurde es für die deutsche Sprache, das eigentliche Hochdeutsch, das damals in Wien kaum beachtet wurde, geweckt. Eine Stelle von Nicolai’s derber Hand geschrieben, welche er in einem Buche über deutsche Literatur, das er auf dem Tische eines Beamten der Hof-Bibliothek vorfand, zufällig las, rüttelte ihn besonders auf. Diese Stelle aber lautete: „Oesterreich hat uns noch keinen einzigen Schriftsteller gegeben, der die Aufmerksamkeit des übrigen Deutschlands verdient hätte: der gute Geschmack ist, wenigstens was das Deutsche betrifft, daselbst kaum noch in seiner Kindheit, kaum noch da, wo Sachsen und Brandenburg schon um das Jahr 1730 waren. Scheib, Schöneich, Gottsched, die das ganze übrige Deutschland auspfeift, heißen daselbst noch Dichter und dennoch ist von diesen elenden Schriftstellern kaum einer ein Eingeborner“. Im ersten Augenblick gewahrte S. in diesen schonungslosen Worten des Berliners nur eine National-Beschimpfung; als er aber ruhiger wurde und reiflich darüber nachdachte, sah er die Sache anders an, und das Ergebniß seines Nachdenkens war der Entschluß, sich zu einem Schriftsteller heranzubilden, welchem auch in außerösterreichischen Ländern Anerkennung werden sollte. Um diese Zeit (1761) hatte Professor von Riegger [Bd. XXVI, S. 121] in Wien eine gelehrte deutsche Gesellschaft gegründet und auch Sonnenfels eingeladen, daran theilzunehmen. Bob [Bd. II, S. 2], Kauz [Bd. XI, S. 90], Martini, Sperges, Spielmann, Thugut u. A. waren Mitglieder. Sonnenfels trat bei. Aber die Gesellschaft, die, wenn sie Unterstützung gefunden hätte und tactvoller geleitet worden wäre, nützlich hätte werden können, verfiel bald. Sonnenfels selbst hielt in derselben mehrere Reden und Vorträge wie: über den Adel, auf Maria Theresia, von der Nothwendigkeit seine Muttersprache zu bearbeiten u. s. w., welche unter seinen Schriften angeführt werden. Bei dieser neuen Richtung, in welche S. durch seine Studien in der deutschen Literatur unwillkürlich gedrängt worden, richtete er, um sich ein Fortkommen zu sichern, sein Augenmerk auf eine Lehrkanzel u. z. auf jene der deutschen Literatur, die aber bereits – durch Popowitsch [Bd. XXIII, S. 108] – besetzt war, in Folge dessen sein Gesuch abgewiesen worden. Andere Versuche, einen seinen Kenntnissen und Neigungen entsprechenden Posten zu erlangen, scheiterten gleichfalls, und so nahm er denn, um seinem Vater endlich aus [320] dem Brod zu kommen, eine Rechnungsführerstelle bei der Arcièrengarde, mit etwa 400 fl. Jahrgehalt an. Durch diese unbedeutende und den Talenten und der Leistungskraft Sonnenfels nichts weniger denn entsprechende Anstellung trat aber eine Wendung in seinem Geschicke ein, welche für seine Zukunft entscheidend war. Erster Lieutenant bei der Garde war damals der General Ernst Gottlieb Freiherr von Petrasch [Band XXII, S. 104, Qu. 1], ein durch seine Bildung und Humanität ausgezeichneter Mann. Aus der dienstlichen Berührung wurde bald eine nahezu freundschaftliche. Der General interessirte sich lebhaft für den jungen geistvollen, vorwärtsstrebenden Mann, und erkannte bald, daß die Stelle, in welcher er diente, für ihn in jeder Hinsicht eine unpassende sei. Petrasch empfahl S. bei dem nächsten Anlasse dem ihm befreundeten Staatsrath Freiherrn von Borie [Bd. II, S. 66], einem bei den Majestäten einflußreichen Manne, durch diesen erlangte S. 1763 eine Professur der politischen Wissenschaften an der Wiener Hochschule, und nun war Sonnenfels im eigentlichen Fahrwasser. Wohl war der Gehalt mit dem für einen solchen Posten ganz unwürdigen Betrage jährlicher 500 fl. bemessen, aber schon in kurzer Zeit wurde derselbe über Vorstellung des damaligen Staatsrathes Freiherrn von König auf 1200 fl. erhöht. Sonnenfels aber wurde auf diesem Posten, wie Ritter von Arneth bemerkt, der treue, wenn auch manchmal vorsichtige Dollmetsch der neuen Ideen, welche damals den ganzen Continent durchzogen. Sein glänzender Vortrag und die Tüchtigkeit des Inhalts erwarben ihm bald die Liebe und Verehrung der Jugend. In periodischen Blättern trat er gegen alle an dem Baume der Cultur im Laufe der Jahrhunderte sichtbar gewordenen, denselben in seiner Entwicklung störenden Auswüchse auf, gegen den Aberglauben, gegen die Selbstsucht, gegen die schroffen Mängel in der Erziehung, gegen die Vorurtheile des Adels, gegen die Ueberzahl und Zwecklosigkeit der Klöster, gegen die Asyle und Freistätten u. s. w. Daß es ihm bei solchem Freimuth in seinen Ansichten nicht an Feinden fehlte, begreift sich leicht; es ergingen heimliche und öffentliche Denunciationen gegen ihn; aber die große Kaiserin ließ sich dadurch nicht irre machen. Einen hartnäckigen Krieg eröffnete S. gegen die Zoten auf den Theatern und den Unfug der extemporirten Stücke. Obwohl er dafür bald auf der Bühne selbst verhöhnt wurde, ließ er sich dadurch nicht stören. Es entbrannte alsbald ein Kampf auf Leben und Tod zwischen Sonnenfels und dem Hanswurst, der seine Existenz auf seine Manier mit der Pritsche gegen die Feder vertheidigte und auf keinen Angriff den gewichtigen Schlag, auch den Kothwurf nicht, schuldig blieb. In einer von Klemm verfaßten Comödie: „Der auf den Parnaß versetzte grüne Hut“ wurde Sonnenfels als Hanswurst selbst auf die Bühne gebracht. Kleidung, Gang, Geberde, kurz die ganze persönliche Erscheinung S.’s war täuschend nachgeahmt. Auch die Italiener erlaubten sich in einer Operette zweimal eine solche Injurie. Die Gemeinheit der Histrionen – die ja ohnehin ihre Geschichte, nur leider noch nicht ihren Geschichtsschreiber hat – ging so weit, daß man das Porträt Bernardon’s (des damaligen Hanswurst Kurz mit seinem wahren Namen) ganz genau so, wie das von Schmuzer gestochene Bildniß Sonnenfels [siehe unter den Porträts Nr. 10] in Kupfer (von Landerer) stechen ließ, so daß beide Köpfe [321] einander anblickten. Sonnenfels aber ließ sich auf der einmal betretenen Bahn durch nichts abschrecken. Selbst dann, als die Kaiserin Maria Theresia in einem Vortrage über eine gegen einen Sonnenfels’schen Aufsatz vorgebrachte Beschwerde resolvirte: „Die Comödianten sind eine Bagage und bleiben eine Bagage und der Herr Hofrath von Sonnenfels könnte auch was Besseres thun, als Kritiken schreiben. Maria Theresia.“, ließ er sich dadurch nicht beirren und fand in der That nichts Besseres, als noch ferner gegen diese Bagage aufzutreten. Er wurde aber dadurch der Reformator der Bühne in Oesterreich, was ihm auch die Ehre „Oesterreichs Lessing“ genannt zu werden, einbrachte, worüber sich manche und noch dazu ungerechte Unbill verschmerzen läßt. Wie oben bemerkt worden, alle Angriffe und Denunciationen, deren Gegenstand Sonnenfels war , blieben erfolglos. Ja, als im Jahre 1767 die von Herrn von Kees an der Wiener Hochschule vertheidigten Lehrsätze einen förmlichen Aufruhr in den buraukratischen und höheren Kreisen hervorriefen, wurde S. geradezu als Religionsspötter, Beleidiger der Majestät und Verführer der Jugend öffentlich bezeichnet. Die Sache konnte man ohne Untersuchung nicht hingehen lassen und das Ergebniß derselben war, daß Sonnenfels den Titel eines k. k. Rathes erhielt. S. wirkte durch seine Vorträge und seine Zeitschriften, welche freilich mitunter ganz absonderliche Titel führen, wie: „Der Verkannte“, „Der Mann ohne Vorurtheil“, „Theresia und Eleonore“ u. s. w. (siehe S. 328 das Verzeichniß seiner Schriften) im hohen Grade anregend und aufklärend. Ehe wir eingehend seine weitere nach verschiedenen Richtungen der Cultur und des Staatswesens tief eingreifende Wirksamkeit schildern, soll hier ein kurzer Ueberblick seiner amtlichen Laufbahn folgen. Nach längerer Thätigkeit in seinem Lehramte wurde er k. k. Regierungsrath, im Jahre 1779 Hofrath, also ungeachtet er spät – mit 28 Jahren – die amtliche Laufbahn betreten, war er doch in nicht vollen 20 Dienstjahren zu der ansehnlichen Stelle eines Hofrathes vorgerückt, als solcher ward er der Studien- und Censur-Hofcommission, ferner der Hofcommission in Gesetzsachen als Beisitzer zugezogen und bei der letzteren zum Vice-Präsidenten ernannt. Als besonderes Merkmal seiner Verdienste erhielt er 1804 das Kleinkreuz des St. Stephans-Ordens; der Magistrat der Stadt Wien ehrte ihn im Jahre 1806 durch Verleihung des Bürgerrechtes und im Jahre 1810 wurde er zum Präsidenten der k. k. Akademie der bildenden Künste erwählt, welche Ehrenwürde er bis an sein Lebensende bekleidete. In den letzten Lebensjahren, obgleich noch immer activ, war er durch seine Gebrechlichkeit an die Stube gefesselt, die er etwa nur verließ, um einer Feierlichkeit in der Akademie der bildenden Künste beizuwohnen. Dieser Anstalt aber hatte er einen guten Theil seiner Kraft geopfert und mit Schmerz es angesehen, wie die Kriegszeit und der Mangel an Theilnahme von Seite des Hofes und Adels, das Wenige, was er mit Kaunitz im Bunde geschaffen, zerstört hatten, das hatte ihn im hohen Alter, in welchem er dem Auslande gegenüber als Repräsentant der Aufklärung und des Aufschwungs galt, nachdem er mit einem dem Alter gegebenen Seherblick gewahr wurde, daß der Staat rückwärts steuere, daß man nach und nach manche Errungenschaft, welche das Volk erkämpft, über Bord werfe, verbittert, und da er sonst [322] kaum eine Gelegenheit – höchstens unter Freunden, die ihn zeitweilig besuchten – hatte, seinem Grolle Luft zu machen, benützte er die Anlässe welche die Akademie der Künste ihm darbot, um sich seinen Schmerz über die mannigfachen Enttäuschungen. welche er erlebte, von der Seele zu reden. Ein in der Neuen freien Presse (1867, Nr. 1195) zum ersten Male gedrucktes Schreiben des greisen Staatsmannes wirft ebenso ein grelles Licht auf die damaligen Verhältnisse und auf das Leid, welches S. darüber empfand, wie es seinem ungebeugten Freimuth die Krone aufsetzt. Oben wurde bemerkt, in welchem Maße reformatorisch Sonnenfels in der Theaterwelt gewirkt, mit welchen Hindernissen er dabei zu kämpfen gehabt, und wie es ihm endlich trotz alledem gelungen, eine den Ansprüchen der Zeit und fortschreitender Gesittung entsprechende Bühne in Wien zu schaffen. Und wenn nun einmal nicht wegzuleugnen ist, daß eine gute Bühne unter allen Umständen ein mächtiger Hebel der Volksbildung und Gesittung ist und bleibt, so nimmt S. unter den Reformatoren in Oesterreich nach dieser Seite hin die erste Stelle ein. Nach literarischer Seite hin knüpfte S., der sich gleich im Anbeginn die Aufgabe gestellt, ein Schriftsteller in Oesterreich zu werden, dessen sich die Deutschen im Reiche nicht zu schämen brauchten, mannigfache Verbindungen mit deutschen Schriftstellern an, deren Interesse für Oesterreich zu wecken er nicht unterließ. Gelang ihm dieß auch nach mancher Seite hin, nach der einen, bei welcher es freilich völligen Selbstvergessens bedürfte, strauchelte S. und ließ sich von der Sorge einen gefährlichen Nebenbuhler an der Seite zu haben, zu Schritten verleiten, welche einen Schatten werfen auf diesen sonst so verdienstvollen Mann. Es ist nämlich die häßliche Geschichte gemeint, in welche Sonnenfels verwickelt wurde, als seit dem Jahre 1768 die wiederholten Versuche gemacht wurden, Lessing für Wien zu gewinnen. Es ist bekannt, daß dieses so wünschenswerthe Resultat leider nicht erzielt worden. Woran es gescheitert – so lebhaft die Bemühungen waren, Lessing nach Wien zu bringen – ist bis heute unaufgeklärt. Aber aus den veröffentlichten Briefen Sonnenfels’ an Klotz und aus jenen von Eva König, der nachmaligen Gattin Lessing’s, an diesen ist es kaum mehr zweifelhaft, daß Sonnenfels in diesem Intriguensplel tief seine Hände stecken gehabt. Erst der neueren Zeit war es vorbehalten, diesen eben nicht reinen Punct in Sonnenfels’ Leben, wenn er geradezu auch nicht verborgen lag, wieder an’s Licht zu ziehen. Man vergleiche das Nähere darüber in den Quellen: „Sonnenfels und Klotz“ [S. 336] und „Sonnenfels und Lessing“ [S. 337]. Unantastbar und verhältnißmäßig am verdienstvollsten steht S. da als Lehrer an der Wiener Hochschule, an welcher er durch das lebendige Wort und durch Schriften nahezu ein Vierteljahrhundert gewirkt. Wer nur einigermaßen in der Geschichte der Staatswissenschaft bewandert ist, muß Sonnenfels unter allen Umständen die Stelle anweisen, die ihm gebührt. Es handelt sich hier weniger darum, ob er in seinen Ansichten selbstschöpferisch, als vielmehr um die Thatsache, daß er in dieser Richtung in Oesterreich bahnbrechend auftrat. Er selbst schmückte sich ganz und gar nicht mit fremden Federn, sondern nannte in seiner im Jahre 1763 an die Kaiserin-Königin gerichteten Eingabe, auf die Aufforderung, den Plan seiner Vorträge vorzulegen, ausdrücklich seine Quellen, wenn [323] er schreibt: „Die berühmtesten Schriftsteller, deren Werth durchwegs erkannt wird, als: L’esprit de loix, Les Elements du Commerce, La theorie et la practique du Commerce“, dann noch ähnliche Werke von Melon, Picard, David Hume, nebst verschiedenen deutschen und wälschen Schriftstellern, waren meine Führer, sie haben mir die allgemeinen Grundsätze geborgt“. Joseph Feil in seiner Sylvesterspende: „Sonnenfels und Maria Theresia“ theilt ausführlich die in dieser Sache gepflogenen Verhandlungen nach Acten aus den Archiven des k. k. Unterrichtsministeriums mit. Was aber seinen Vortrag selbst anbelangt, so lehrte er in seiner Polizeiwissenschaft Staatswissenschaft im Großen und zwar ganz nach dem Geiste der Aufklärungszeit, welche aber, und nicht mit Unrecht, beschuldigt wird, das Verständniß für die historischen Grundlagen des Staatswesens und Volkslebens verloren zu haben, und welche die großartigsten, durch jahrhundertjährige Erfahrung gewonnenen Institutionen und Resultate einseitig den philosophischen Doctrinen der Zeit unterstellte. Sonnenfels war ein Aufklärungsmann; als er dieses wichtige Lehramt antrat, in der Gährung des vollsäftigen Mannesalters und mitten unter Zuständen, wo es gewaltig aufzuräumen galt, bei welcher Säuberung des Augiasstalls denn auch manches gute, gesunde Reis mit ausgerissen wurde. Er hätte langsamer dabei vorgehen können; daß er es nicht gethan, liegt weniger an ihm, als an der Nothwendigkeit, den morschen Unterbau des noch in mittelalterlichen Doctrinen arbeitenden Staatswesens so rasch als thunlich zu beseitigen. Die damit errungenen Vortheile überwogen reich die bei diesem Vorgange mitunterlaufenen, im Ganzen doch unerheblichen Schäden. Wie sehr er selbst mit der Zeit ging und den Erfahrungen derselben, wie den Wandlungen im Bereiche seiner Wissenschaft Rechnung trug, davon überzeugt uns ein vergleichender Blick auf die einzelnen Ausgaben seines Werkes: „Grundsätze der Polizei, Handlung[WS 1] und Finanzwissenschaft“, das im Jahre 1765 in erster Auflage erschien und wovon innerhalb eines halben Jahrhunderts acht Auflagen nöthig geworden. Man wird aus einer solchen Vergleichung der verschiedenen Ausgaben bald inne werden, wie sehr Sonnenfels Rücksicht auf die Umstände und die Begriffe der Zeit nahm. Uebrigens ward es Sonnenfels in seinem Lehramte nichts weniger denn leicht gemacht. Die vorerwähnte Schrift von Feil gibt (s. 10–33) Aufschlüsse, welche Kämpfe S. über seine in seinen Vorträgen ausgesprochenen Ansichten zu bestehen, wie er sich innerhalb der Jahre 1767–1772 wiederholt amtlich zu rechtfertigen hatte, wobei er freilich immer wieder einen neuen Sieg erfocht und sich so durch seinen Freimuth und seine Tüchtigkeit den Weg bahnte zu den höheren Würden, welche ihm mit der Zeit zu Theil wurden. Wurde bereits oben erwähnt, wie S. als dem Verfolger des Hanswurst, der Hanswurst selbst arg mitspielte, so ging es S. als Fortschrittsmann, als Vertreter der Aufklärung auch nicht besser, und wieder war es die Bühne, die gegen ihn auftrat und ihn öffentlich beschimpfte. Dem Schauspieler Stephanie dem Jüngeren sollte es vorbehalten bleiben, durch das von ihm geschriebene Stück „Der Jodler nach der Mode“ nicht die Erinnerung an Sonnenfels zu beflecken, sondern sein eigenes Andenken zu schänden. Denn Stephanie hatte durch dieses auf Sonnenfels gerichtete Pasquill, worin er S. in [324] Miene, Kleidung, Geberden verspottete, nur sich selbst gerichtet, da Sonnenfels noch überdieß sein Wohlthäter[WS 2] gewesen und ihm nun Stephanie die erwiesenen Wohlthaten in solcher Weise erwiedert hatte. Seit dem Jahre 1779 war S. referirender Rath bei der Studien- und Censur-Commission. Er gab in dieser Eigenschaft sein Votum über den Bücher-Nachdruck ab. Trattner, der bekannte Wiener Buchdrucker, beabsichtigte dem damals in Oesterreich erlaubten Bücher-Nachdruck die größtmögliche Ausdehnung zu geben und hatte zu diesem Behufe ein umfangreiches Verzeichniß der auserlesensten Werke der besten Schriftsteller, welche er nachzudrucken beabsichtigte, angelegt. Dieses Verzeichniß hatte Trattner nun unterm 3. December 1784 den angesehensten Schriftstellern Wien’s zur Begutachtung vorgelegt. Nachdem Blumauer Trattner’s Absicht als gegen Recht und Billigkeit verstoßend. Fremden gegenüber sogar als unehrenhaft und unpatriotisch bezeichnet hatte, Mastalier dieses Vorhaben abscheulich und ungerecht nannte, stellte Sonnenfels in Gemeinschaft mit Born und Haschka den Nachdruck dem Straßenraube gleich. In seinem amtlichen Berufe beschäftigten ihn die Gegenstände der Polizeigesetzgebung unaufhörlich. Die Gesetzgebung und polizeilichen Einrichtungen fremder Staaten sammelnd und studirend, war sein Hauptaugenmerk darauf gerichtet, die wirklichen und scheinbaren Gegensätze in derselben aufzusuchen und mit Beseitigung des Unhaltbaren oder durch die veränderten Zeitverhältnisse überflüssig gewordenen, ein den Anforderungen der Gegenwart entsprechendes Elaborat zu bringen. Eine besonders und noch heute bei Abstimmungen wichtige Frage beschäftigte ihn in den späteren Jahren, nämlich jene der Entscheidung durch Stimmenmehrheit, über welche im Jahre 1801 sein Gutachten im Druck erschien. Es erhob sich darüber eine literarische Controverse. Aber S. fand in Feuerbach einen Fachmann, welcher in einer in der Jenaer allgemeinen Literaturzeitung veröffentlichten Recension seiner Schrift gerechte Würdigung zukommen ließ. Für Wien selbst, das ihm ja das Ehrenbürgerrecht hatte zu Theil werden lassen, hatte sich S. manches Verdienst erworben. Nicht sein kleinstes war die verbesserte Beleuchtung, was ihn freilich in einen unerquicklichen Handel verwickelte, dessen Seb. Brunner in seinen „Mysterien der Aufklärungszeit“ gedenkt. Nachdem durch den früheren Beleuchtungspächter Fr. Norb. Duprée das Beleuchtungswesen in der Stadt in Verfall gerathen, hatte S. in seiner Eigenschaft als Regierungsrath eine gänzlich neue Umgestaltung desselben in der Stadt, in den Vorstädten und auf dem Glacis innerhalb zweier Jahre mit einem allgemein befriedigenden Erfolge durchgeführt. Die Kaiserin Maria Theresia dieses Verdienst S.’s anerkennend, hatte über einen Vortrag der b. ö. Hofkanzlei vom 11. December 1779 folgendermaßen resolvirt: „nachdeme dieses Werk (die Beleuchtung) Sonnenfels so gutt geführt, so solle er noch selbes continuiren mit 2(000) fl. aus dem illumnations fondo remuneration und gratis den Hofraths Titl doch also, das er seine Dienste bei regierung continuire bis eine Gelegenheit kome, ihme weiter zu plasirn m./p.“. Auch die Gesinde-Ordnung hatte S. in den Bereich seiner Reformen gezogen und darüber in seinem Greisenalter (1810) sein Votum, worin seine vieljährigen Erfahrungen auf diesem für das Haus- und Familienleben so wichtigen und doch oft [325] so unpraktisch als denkbar behandelten Gebiete klar dargelegt waren, in einer Schrift veröffentlicht. Daß sein Handbuch der inneren Staatsverwaltung nie vollendet worden, ist, wenn man das vorhandene Fragment sorgfältig prüft, nur zu bedauern. Die französische Revolution und ihre wohl von den kühnsten Denkern kaum vorausgesehenen Erscheinungen halten S. um so anhaltender beschäftigt, als er selbst ein Fortschrittsmann durch und durch, von den dabei zu Tage getretenen Erscheinungen nicht wenig überrascht worden sein mochte. Die Ergebnisse seiner Ansichten über dieselbe hatte er im J. 1797 im „Deutschen Merkur“ bekannt gemacht. Von ihm zum größten Theil ist auch der Abschnitt im österreichischen Criminalcodex: Ueber den Aufruhr, ein Thema, wenn heut den Criminalisten auch ganz geläufig, zu Sonnenfels’ Zeiten noch so neu, daß S. selbst nirgends eine genügende Definition des Begriffes „Aufruhr“ aufzufinden vermochte. Ein anderes Thema, das ihn lange Jahre hindurch, namentlich im späteren Alter, beschäftigte, war die Casuistik des Rechts, er hatte zu diesem Zwecke treffliche Sammlungen berühmter Rechtsfragen und causes celebres angelegt, und darüber wiederholt bemerkt, es sei dafür gesorgt, daß die berühmten Rechtsfälle, von seinen Ansichten und Beurtheilungen glossirt, nach seinem Tode im Drucke erscheinen sollten. Es ist nicht geschehen und wohin diese Sammlungen gekommen, ist nicht bekannt. Mit Vorstehendem hatten wir versucht, ein gedrängtes Lebensbild des berühmten Staatsmannes zu geben, der von einer Partei über alle Maßen erhoben, von der anderen ungerecht und lieblos geschmäht worden. Es wäre noch Manches über ihn zu berichten: so über seine Stellung als Freimaurer, als welcher er mit Born, Blumauer und Retzer zu den Hauptführern der Maurerlogen in Wien zählte; über seinen Antheil an der Abfassung des Judenpatentes, worin wohl S. der Löwenantheil zukommt; über seine Thätigkeit in der Leitung des Studienwesens, worin er sich mit dem unvergeßlichen Gottfried van Swieten theilte, dessen Rührigkeit und Energie in dieser Sache so groß war, daß ihn der gelehrte Protestant Schlötzer[WS 3] den „Universitätspascha“ zu nennen pflegte; über seine Betheiligung an dem Wucherpatent, wobei Sonnenfels keinen Anstand nahm, der Kaiserin gegenüber den Wucher zu vertheidigen und sich eine der Vergessenheit zu entziehende Scene abspielte. „Und doch steht in der Heiligen Schrift geschrieben: Du sollst keine Wucherzinsen nehmen“, sagte erregt ein Priester, der das Vertrauen der Kaiserin besaß, als er Sonnenfels’ Ausspruch vernommen. „Sollen wir das Wort Gottes“, fuhr der Priester fort, „mit Füßen treten und ungestraft lassen, was Gott zu thun verboten?“ „„Hochwürden““, entgegnete Sonnenfels, „„Jeder von uns ist ein Wucherer und darum der Gnade Gottes Preis gegeben. Sie selbst sind der ärgste Wucherer, für 4000 fl. verkaufen Sie Ihrer Majestät Ihre frommen Dienste; ich kenne einen würdigen Caplan, der für den zwanzigsten Theil Ihres Einkommens dieselben Dienste leisten würde, und doch sind sie ein frommer Mann, der nur mit seinem Talente wuchert und der Vergebung Gottes gewiß ist““. Die Kaiserin machte dem Streit ein Ende. „Ich werde den van Swieten fragen und sehen, was der Aesculap von dem Wucher halten thut“. Van Swieten erschien. Was er der Kaiserin auf ihre Frage geantwortet, werden wir in der Lebensskizze van Swieten erzählen. Das Ergebniß der [326] Discussion war jedoch, daß das Wuchergesetz nicht aufgehoben wurde. So sehen wir denn Sonnenfels unaufhörlich thätig, immer bestrebt, das seines starren Festhaltens am Alten auswärts viel verschrieene Oesterreich vorwärts zu bringen, Mißbräuche, wo es galt, beseitigend, Neuerungen, so weit es möglich und ersprießlich, fördernd, um Oesterreich im Allgemeinen, wie um Wien, wo er lebte und wirkte, zunächst hochverdient. Daß ein Mann wie S., wo so viele Lichtpuncte in seinem Schaffen und Wirken wohlthuend leuchteten und erwärmten, auch seine Schatten hatte, wer wollte das bezweifeln; und hätte er sie nicht gehabt, man hätte sie erfunden, so viele Feinde und Gegner hatte er zu allen Zeiten, und es gehörte eine seltene Zähigkeit des Geistes, die ganze Kraft des Mannes und die volle Weisheit des Greises dazu, sich ihrer zu erwehren. Durch Kampf zum Sieg, durch Nacht zum Licht, könnte man kaum jemand Anderem richtiger als Devise auf den Sockel seines Denkmals in Goldschrift schreiben, als eben ihm. Sonnenfels hatte seine Schwächen und es bedurfte nicht erst gemeiner Verdächtigungen, um ihm deren anzuhängen, wie es von einer Seite geschah, die in dem Neophyten noch immer den versteckten Juden witterten und haßten. Gewiß hatte S. Vieles, was dem zehnmal getauften Juden durch ganze Eimer von Taufwasser nicht wegzuwaschen ist: so z. B. praktischen Geist, Energie des Handelns, welche sehr an den alten lateinischen Spruch erinnert: gutta cavat lapidem non vi sed saepe cadendo, eine freie Anschauung in Sachen der Vernunft, wenn es galt, Vorurtheile und entschiedene Mißbräuche zu beseitigen; aber das alles sind Tugenden und keine Mängel. Und deren besaß auch er genug: so war er Egoist, von maßlosem Eigendünkel erfüllt, eifersüchtig und unduldsam gegen andere Talente, insbesondere wenn er besorgte, daß sie ihn verdunkeln, in seinem Einflusse beschränken oder gar verdrängen könnten; er war ehrgeizig und strebte im Uebermaß nach Ehren und Würden; aber was wollen diese Fehler sagen, welche auch Hundert und Tausend von Menschen besitzen, die hoch in Amt und Würden stehen und nicht eines der Verdienste besitzen, die wir an Sonnenfels, wenn wir gerecht sein wollen, anerkennen müssen! Fassen wir in Kürze seine Verdienste zusammen und fragen wir dann, ob ihm mit der Aufstellung des Standbildes auf der Elisabethbrücke ein Recht widerfahren ist, wie er es verdiente? Drei Menschenalter hat Sonnenfels’ öffentliches Wirken überdauert, unter vier Regenten hat er gedient und immer in seinem Schaffen und Wirken segensvollen Einfluß ausgeübt. In schwerer Zeit, in einer für das Gute durch jahrhundertalten Schlendrian und Sichgehenlassen unempfänglich, durch eingerosteten Glaubens-Fanatismus aller Aufklärung feindseligen Zeit hat er an die Verbesserung des Geschmacks muthig die Hand angelegt. Schimpf und Schmach öffentlich über sich ergehen lassen und nicht entmuthigt das Banner vorausgetragen, welches als das vielverschrieene der Aufklärung, in Joseph II. Regierungsperiode immer obenan flattert. Durch mit einer Beharrlichkeit ohne Gleichen immer wieder in’s Leben gerufene periodische Schriften hat er, so zu sagen, tropfenweise den Quell besserer Erkenntniß in die apathischen, durch Denkfaulheit erschlafften Herzen der Wiener geleitet, und richtig erkennend, daß alle Reformen, mögen sie den Geschmack oder die Sitte, den Glauben und die höheren Geschenke der Freiheit betreffen, von den [327] Frauen ausgehen, suchte er vor Allem die Frauen und Mädchen, wie ein geistreicher Biograph S.’s treffend sagt. „Durch jene Bonbons der Literatur“ zu gewinnen, die zwar keine große ästhetische That bezeichnen, aber in ihrer Wirkung mit einer solchen oft gleichwiegen. Auf der Bühne herrschte noch zu seiner Zeit der wälsche Harlekin, der deutsche Hanswurst, die pöbelhafte Posse aus dem Stegreif versammelte um sich das zahlreich freilich wenig gewählte Publikum und feierte Siege, wie sie noch heut Shakspeare, Lessing, Göthe und Schiller nicht glänzender erkämpfen. Gegen dergleichen anzukämpfen, durfte nur ein geistiger Hercules wagen, der, wenn er der Hydra den einen Kopf abhieb, gleich mit dem Feuerbrand den blutenden Rumpf ausbrannte, damit nicht ein neuer Kopf nachwachse. Und ein solcher Hercules war Sonnenfels. Er stürzte das Reich des Hanswurst und der Kurz-Bernardon’schen Roheiten, und wenngleich sich an den Namen Lessing für Sonnenfels eine nichts weniger als schöne und erhebende Erinnerung knüpft, so bleibt doch der Satz: „was Lessing für Hamburg und Deutschland war, das ward Sonnenfels für Oesterreich“ aufrecht stehen. Als Lehrer hat er länger als durch zwei Jahrzehente eine Reihe von Schülern gebildet, unter denen wir in der Folge bedeutende Staatsmänner, hervorragende Gelehrte und sonst tüchtige, ausgezeichnete Staatsbürger Oesterreichs erblicken. Seine Verdienste um Aufhebung der Tortur bleiben trotz aller Bemänglungen von Seite seiner Gegner aufrecht stehen, und zuletzt im hohen Greisenalter, als es ihm bei den theils veränderten politischen Verhältnissen und Unzulänglichkeit seiner eigenen physischen Kräfte nicht mehr möglich war, in die Speichen des Rades der Zeit energisch einzugreifen, ist er als Vice-Präsident der k. k. Akademie der bildenden Künste auf einem für Geschichte und Politik neutralen Gebiete energisch thätig und verlegt nun nachdem im öffentlichen und politischen Leben aller Widerstand nutzlos und unmöglich geworden, die Opposition auf dieses Gebiet. Es ist mit dem Vorstehenden noch lange nicht Alles erschöpft, was über S. sich sagen ließe, der, wie wenig Andere, einen besonderen Biographen verdient, ebenso um seinetwillen, als zur Aufklärung einer denkwürdigen und inhaltreichen Periode der ganzen zweiten Hälfte des 18. und des ersten Jahrzehends des 19. Jahrhunderts. Außer den schon im Laufe der vorigen Darstellung mitgetheilten Auszeichnungen sei noch erwähnt, daß Sonnenfels von Preußen den rothen Adler-Orden, von Dänemark das Commandeurkreuz des Danebrog erhalten hatte, daß ihn die Akademie der schönen Künste in Mailand und jene der Wissenschaften in Erfurt unter ihre Mitglieder aufgenommen hatten. Das Diplom der philosophischen Gesellschaft zu Philadelphia traf ihn nicht mehr unter den Lebenden. Seine Stelle nahm dann Freiherr von Hormayr ein. Er war ordentliches Mitglied der philosophischen und juridischen Facultät an der Wiener Hochschule und in den Jahren 1794 und 1796 Rector magnificus derselben. Wir schließen diese Lebensskizze wohl am entsprechendsten mit der einfachen, aber geistreichen und wahrheitsvollen Schilderung Küttner’s, welche dieser in seinen „Charakteren deutscher Dichter und Prosaisten“ gegeben: „Keine Werke von großer Erfindungskraft und seltenen Originalschönheiten, aber kleine, reichhaltige Schriften, voll Freimüthigkeit und edler menschenfreundlicher Gesinnungen hat Sonnenfels geliefert. Im [328] eigentlichsten Verstande ist er ein Schriftsteller der Menschheit, der von allen seinen Arbeiten, die er mit so vieler Weltkenntniß und allgemeinem Wohlwollen vollendete, die ersprießlichsten Folgen erlebt hat. Er hat selbst im peinlichen Rechte, in der Polizei- und in dem Finanzwesen Verbesserungen gelehrt und durchsetzen helfen, die die Glückseligkeil unzähliger Geschlechter vermehren. Er hat mit entschlossenem Muthe dem falschen Geschmacke auf der Bühne und in den Hörsälen sich entgegengesetzt und den guten einzuführen getrachtet. In seinem Vortrage, den er bald in rednerischen Schmuck, bald in gesellschaftliche Prosa kleidet, findet man das Gedrungene und Glänzende mit Einfalt und Leichtigkeit; feinen Witz und lachender Satyre mit rührender und strafender Moral vereinigt. Unerschrockenheit und feste Stärke des Geistes, Einsicht, Erfahrung, ein lauterer Geschmack und die thätigste Wahrheitsliebe beseelen Alles, was er schreibt und lassen die kleinen Unebenheiten und Flecken des Styls, die seinem raschen Auge vielleicht zu gering und kleinlich schienen, nur wenig bemerken.“ Nach allem, was in Vorstehendem in einer gedrängten Skizze zusammengefaßt ist, kann seinen Gegnern nicht besser als mit der unumstößlichen Wahrheit geantwortet werden: „Nicht was und wie der Mensch gewesen, sondern was er geleistet, das hat Werth in der Geschichte“. Und die Biographie unseres Sonnenfels ist doch nichts anderes eigentlich als eine Geschichte seiner Leistungen. Weitere Details: über die Quellen zu seiner Lebensgeschichte, über sein Verhältniß zu manchen Zeitgenossen, wie zu Klotz, Lessing, und die Ansichten derselben über ihn, wie jene von Göthe und Gräffer, über seinen Vater, seine Familie, sein Wappen, sein Testament, über seine Bildnisse u. s. w. vergleiche unten die Quellen.

I. Uebersicht der gedruckten Schriften von Sonnenfels in chronologischer Folge. Sonnenfels gesammelte Schriften. Erster bis zehnter Band (Wien 1783–1787, 8°., mit dem Brustbilde von Sonnenfels. 6 Thlr. 16 Gr.) l. Bd.: Fragment des Vertrauten (S. 1–96); Der Mann ohne Vorurtheil. Erste Abtheilung (S. 97–364); – 2. Bd.: Der Mann ohne Vorurtheil. Zweite Abtheilung (370 Seiten); – 3. Bd.: Der Mann ohne Vorurtheil. Dritte Abtheilung (603 Seiten); – 4. Bd.: Anhang zum Mann ohne Vorurtheil (S. 1 bis 48); Theresia und Eleonore (S. 99 bis S. 364); – 5. Bd.: das weibliche Orakel (S. 1–130); Briefe über die Wienerische Schaubühne, von einem Franzosen (S. 131 bis 392); – 6. Bd.: Fortsetzung der Briefe über die Wienerische Schaubühne (S. 1–437) [der reisende Franzose ist nämlich Herr von Sonnenfels selbst]; – 7. Bd.: Ueber die Liebe des Vaterlandes (S. 1–223), [um die Hälfte gegen die im Jahre 1771 erschienene Ausgabe vermehrt. Vergleiche darüber S. 340: Sonnenfels und Göthe]; Ueber die Abschaffung der Folter (S. 1–131); – 8. Bd.: Rede auf Marien Theresien (S. 1 bis 64); Die letzten Tage Marien Theresiens (S. 65–100); Die erste Vorlesung in dem akademischen Jahrgange 1782 (S. 101 bis 146); das Bild des Adels (S. 147 bis S 176); Ueber den Beweggrund der Verwendung (S. 177–204); Von der Bescheidenheit im Vortrage seiner Meinung (S. 205 bis 242); – Ueber den Nachtheil der vermehrten Universitäten (S. 243–272); Ermunterung zur Lecture an junge Künstler (S. 273–296); von der Urbanität der Künstler (S. 297–324); Parlamentsrede Mylords ** über die Aufhebung des Jesuiten-Ordens. Aus dem „London Chronicle“ übersetzt von Just. Traugott Praidel, Meister der freien Künste in Leipzig (S. 325 bis S. 348); Von dem Verdienste des Porträt-Malers (S. 349–410); – 9. Bd.: Auf den Tod Kaiser Franzens (S. 1–8); Das Gesicht des Sohnes Sela Haschemesch über Franz den ersten römischen Kaiser (S. 9–22). Bei der Danksagungsfeier über die Genesung Theresiens im Jahre 1767 (S. 23–28); Auf den Tod des Feldmarschalls Grafen von Daun im Jahre 1766 (S. 29–34); An Katharina Jaquet über die Rolle der Gräfin [329] Salisburg in Herrn Schröder’s Eduard (S. 35–68); Ueber die Vorstellung des Brutus bei dem Auftritte Herrn Lang’s des Aelteren im Jahre 1770 (S. 69–114); Kleine Gedichte (S. 113–140); Das Opfer, ein Schäferspiel in Einem Aufzuge. Auf die Geburtsfeier Marien Theresiens 1761 (S. 141 bis 160); Ankündigung von neun Predigten über das Vaterunser. Aus einer unlängst gefundenen Handschrift in österreichischer Mundart, in das Hochdeutsche übersetzt von Joseph Lichtenberg .... im Jahre 1781 (S. 177–214); Ueber die Ankunft Pius des Sechsten in Wien, Fragment eines Briefes 1782 (S. 215–242); Eudoxus oder Ueber das Anhalten und die Bürgschaft – zwei Gespräche (S. 243–286); Ein patriotischer Traum (S. 287–358) [ist der Entwurf zu einer Privatvereinigung für Männer der Wissenschaft, aus dem Jahre 1784]; – 10. Bd.: Von der Theuerung in großen Städten und dem Mittel, derselben abzuhelfen (S. 1–102); Von dem Zusammenflusse (S. 103–184); Betrachtungen über die neuen Handelsgrundsätze der Engländer (S. 185 bis 284); Von Mäuthen und Zöllen (S. 285 bis 370); Vierzig Sätze über die Bevölkerung (S. 371–416). – Die Titel seiner einzeln erschienenen Schriften, deren mehrere auch in vorerwähnter Sammlung aufgenommen sind, sind in chronologischer Folge: „Specimen juris germanici de remediis juris, juri romano incognitis“ (Viennae 1757, Heyinger, 4°.), gemeinschaftlich mit Mathias von Haan [Bd. VI, S. 97] – „Controversiae cum Judaeis prodromi libri IV. edidit Aloys Sonnenfels cum praefationi J. v. Sonnenfels“ (Wien 1758, Trattner, gr. 8°.) [Die Vorrede zu diesem von dem Vater Sonnenfels’ verfaßten Buche ist von Joseph Sonnenfels.] – Ankündigung einer teutschen Gesellschaft in Wien“ (Wien 1761, 4°.). – „Rede von der Nothwendigkeit, seine Muttersprache zu bearbeiten“ (Wien 1761, 4°.). – „Rede auf Marien Theresiens (Kaiserin-Königin) Geburtstag (Wien 1762, 8°.). – „Antrittsrede, gehalten im November 1763“ (Wien 1763, 4°.). –Vom Zusammenflusse, eine Abhandlung“ (Wien 1764, Trattner, gr. 8°.). – „Betrachtungen über die neuen politischen Handlungsgrundsätze der Engländer“ (Wien 1764, 4°.). [Erscheint auch hie und da als „Betrachtungen über die neun Handlungsgrundsätze der Engländer“.] – „Das Gesicht des Sohnes Sela Haschemesch, das er gesehn hat über Franzen I.“ (Wien 1764, 4°.). – „Der Vertraute. Eine Wochenschrift“. 7 Stücke (Wien 1765, 8°.). Das 1. Stück ist vom 2. Februar 1765 datirt. – „Gedicht auf den Tod Kaiser Franz I.“ (Wien 1765, 4°.). – „Sätze aus der Polizei-, Handlungs- und Finanzwissenschaft“ (Wien 1765, gr. 8°.). – „Der Mann ohne Vorurtheil. Eine Wochenschrift. 3 Theile (Wien 1765, 8°.); neue Auflagen (ebd. 1769, 8°., und 1775, 8°.). Das 1. Stück erschien 23. September 1765. – „Gesammelte Schriften“. 1. Band (Wien 1765, 8°.). [Davon erschien nur dieser erste Band folgenden Inhaltes: Ankündigung der deutschen Gesellschaft in Wien 1761; – Rede auf Marien Theresien 1762; – Von der Unzulänglichkeit der alleinigen Erfahrungen in den Geschäften der Staatswirthschaft. Eine Antrittsrede 1763; – Lobrede auf den Verleger, wodurch demselben bei übernommenem Verlage seiner Schriften seine Dankbarkeit bezeugte, dessen ergebenster Diener und Freund; – Beiträge zu Rabener’s deutschem Wörterbuche [die Worte: Andacht und natürlich]; – Dormann. Eine kleine Geschichte; – Gedanken über die Einsamkeit; – Zwei Schreiben an den Verfasser der Wochenschrift: „Die Welt“; – Eine Schilderung in einem Schreiben an einen Freund; – Betrachtung über den Vorzug des Handelsmannes und die ihm gebührende Achtung; – Sendschreiben an die Verfasser der Bibliothek der schönen Wissenschaften; – Das Opfer. Ein Schäferspiel in Einem Aufzuge.] – Grundsätze der Polizei, Handlung und Finanzwissenschaft“. 2 Theile (Wien 1765–1767, 8°.); – 2. Aufl. (ebd. 1769); 3. Aufl. 3 Theile (ebd. 1787); 4. Aufl. (ebd. 1786); 5. Aufl. (ebd. 1787); 6. Aufl. (ebd. 1798); 7. Aufl. (ebd. 1804, 8°.); 1. Theil 8. Aufl. (ebd. 1819, 8°.). [Davon erschien ein Auszug von Fr. X. Moshammer, in Tabellen gebracht und zu seinen Vorlesungen eingerichtet (München 1787, 8°.; 2. Aufl. 1801; 3. Aufl., Tübingen, Osiander, gr. 8°.); ferner die lateinische Uebersetzung: „Principia polit. commerc. et rei aerar. etc. latine reddita a Wolfgangs Beke“ Tomi duo (Pressburg 1808, Pelnay, 8°.) – „Auf den Tod des Feldmarschalls Daun“ (Wien 1766, 4°.). – „Schreiben über die Herabsetzung der Interessen an einen Freund in Klagenfurt“ (Wien 1766, 8°.). – „Das weibliche Orakel. Eine Wochenschrift“ (Wien 1767, 8°.). – „Eleonora und Theresia. Eine [330] Wochenschrift“ (Wien 1767, 8°.); 2. Aufl. (Leipzig 1769, 8°., und 1775, 8°.). Die Ankündigung ist vom 20. August 1766 datirt – „Das weibliche Orakel“. Eine Wochenschrift (Wien 1767, 8°.) – „Versuche in politischen und ökonomischen Ausarbeitungen zum Nutzen und Vergnügen“ (Wien 1768, 8°.). – „Das Bild des Adels“ (Wien 1768, 8°.). – „Briefe über die Wienerische Schaubühne“. 4 Bde. (Wien 1768, Kurzböck, 4°.). – „Ermunterung zur Lecture an junge Künstler. Eine Rede“ (Wien 1768, Kurzböck, gr. 8°.); – „Von dem Verdienste des Porträtmalers. Eine Rede“ (Wien 1768, Kurzböck [Heubner], 8°.). – „Vorstellung an den Hof (daß öffentliche Ergötzungen den guten Sitten nicht zuwiderlaufen dürfen)“ (Wien 1769, 8°.). – „Abhandlung von der Theuerung in großen Städten und den Mitteln ihr abzuhelfen“ (Leipzig 1769; Wien 1770 [Heubner], 8°.). – „Freimüthige Erinnerungen an die deutsche Schaubühne über die Vorstellung des Brutus“ (Wien 1770, 8°.). – „Ueber die Vorstellung des Brutus“ (Wien 1771, 8°.). – „Ueber die Liebe des Vaterlandes“ (Wien 1771; n. A. 1785, Kurzböck, 8°.). – „Von der Urbanität des Künstlers. Eine Rede“ (Wien 1771, Kurzböck, 8°.). – „Von der Bescheidenheit im Vortrage seiner Meinungen. Eine Rede“ (Wien 1772, von Mösle, 8°.). – „Von der Verwandlung der Domänen in Bauerngüter“ (Wien 1773, Kurzböck, 8°.). – „Ueber die Abschaffung der Tortur“ (Zürich 1775); 2. verb. Aufl. (Nürnberg 1782, Schneider u. W., 8°.). – „Leitfaden in der Polizeiwissenschaft“ (Wien 1776, Kurzböck, 8°.). – „Leitfaden in den Handlungswissenschaften“ (Wien 1776, 8°.). – „Politische Abhandlungen“. Herausgeg. von De Luca (Wien 1777 [Heubner], 8°.). – „Betrachtungen über die Angelegenheiten von Europa. Erstes Stück: Ueber die Einrückung der preußischen Truppen in Böhmen“ (Wien 1778). – „Die letzten Tage Theresiens“ (Wien 1780). – „Erste Vorlesung nach Marien Theresiens Tode“ (Wien 1780, [Heubner], 8°.). – „Ankündigung von neun Predigten über das Vaterunser“ (Wien 1781, 8°.). – „Versuch über die Grundsätze des Styls in Privat- und öffentlichen Geschäften.“ 2 Theile (Wien 1781, 8°.). – „Erste Vorlesung in dem akadem. Jahrgang. Herausgegeben von J. von Retzer“ (Wien 1782, Kurzböck, 8°.). – „Ueber die Ankunft Pius VI. in Wien. Ein Fragment“ (Wien 1782, Kurzböck, 8°.). – „Was ist vom Bürger, jungen Kaufmann und Künstler zu halten?“ (Mannheim 1783, Löffler, 8°.). – „Gesammelte kleine Schriften. 6 Bde. (Leipzig 1783 u. f., 8°.). – „Ueber den Geschäftsstyl. Die erste Grundlinie für angehende österreichische Kanzleibeamte. Zum Gebrauche der öffentlichen Vorlesungen, nebst einem Anhange von Registraturen“ (Wien 1784, 8°.); 2. Aufl. (ebd. 1787); dritte vom Verfasser durchgesehene Aufl. (ebd. 1802); 4. Aufl. (ebd. 1820, 8°.). – „Neuester Briefsteller auf alle Fälle, nebst einem Titularbuche“ (Wien 1786); 2. Aufl. (1790 [Löffler in Mannheim], 8°.). – „Ueber die Aufgabe: Was ist Wucher und welches sind die besten Mittel, demselben ohne Strafgesetze Einhalt zu thun?“ (Wien 1789 [Heubner], gr. 4°.). – „Abhandlung über die Aufhebung der Wuchergesetze“ (Wien 1791, gr. 8°.). – „Vom Wucher contra Kees“ (Wien 1791, gr. 8°.). – „Tabellarischer Entwurf über die Grundsätze der Polizei, Handlung und Finanz“ (Brünn 1791, Gastl, 8°.). – „Betrachtungen eines österreichischen Staatsbürgers an seinen Freund, veranlaßt durch das Schreiben des Herrn M** an Abbé Sabatier, über die französische Republik“ (Wien 1793, gr. 8°.). [Es ist der unter dem Namen Sabatier de Castres bekannte französische Abbé (geb. 1742, gest. 15. Juni 1817) an den besagtes Schreiben gerichtet ist. Von dieser Schrift erschien auch folgende von Sarchi ausgeführte italienische Uebersetzung: „Riflessioni d’un Patriotta austriaco ad un Amico, originate della lettera del S. de M** al Sr. Abate Sabatier sulla Repubblica francese, e tradotte dall’ originale tedesco da ....“ (Vienna 1793, 8°.). – „Oratio, qua Rectoris Munus in Universitate Vindobonensi solemniter auspicatus est .... anno MDCCXCIII“ (Vindobonae 1794); – „Skizze des Hofkriegsraths-Präsidenten Feldmarschalls Grafen von Nostiz“ (Wien 1796, 8°.). [Die Schrift betrifft den k. k. Feldmarschall Friedrich Moriz Grafen Nostiz-Rhienek, dessen Lebensskizze dieses Lexikon im XX. Bande, S. 398 enthält.] – „Handbuch der inneren Staats-Verwaltung mit Rücksicht auf die Umstände und Begriffe der Zeit.“ 1. Theil (Wien 1798 [Heubner], gr. 8°., mit Sonnenfels’ ähnlichstem Bildniß, siehe: Porträte Nr. 6). – Anhang dazu (Wien 1817, 8°.); ein Auszug daraus erschien in lateinischer Sprache unter dem Titel: „Adumbratio summaria [331] institutionum politicarum excerpta etc.“ Pars. I. (Budae 1808, 8°.). – „Lehrreiches Alltagsbuch zum Unterricht, Vergnügen und Nachdenken. Von A–Z“ (Wien 1800, 8°.). – „Ueber die Stimmenmehrheit bei Criminalurtheilen“ (Wien 1801). Zweite, sorgfältig übersehene, durch zahlreiche Erörterungen, wie durch Aufnahme und Beantwortung der erschienenen Beurtheilungen und Einwürfe vermehrte Aufl. (ebd. 1808, 8°.). Anläßlich dieser Schrift erschien von Jos. C. Ganster: „Vertheidigung der Abfassung der Criminalurtheile nach der Stimmenmehrheit, veranlaßt durch die Abhandlung des Herrn Joseph von Sonnenfels: Ueber die Stimmenmehrheit bei Criminalurtheilen (Wien 1806, von Mösle), und „Berichtigung der Zweifel des Herrn Magistratsrathes von Hannamann über die Schrift des Herrn Hofrathes von Sonnenfels: Ueber Stimmenmehrheit in Criminalurtheilen“ (Wien 1802, 8°.). Von Franz Grießinger. – „Mythe auf die Vermählung Louisens mit Napoleon dem Großen“ (Wien 1810, 4°.). – „Bemerkungen über die für die Hauptstadt Wien und den Umkreis derselben innerhalb den Linien erlassene neue Gesindeordnung“ (Wien und Triest 1810, 8°.). – „Ueber die am 8. September erlassenen zwei Patente. Ein Antwortschreiben über folgende Fragen: Welcher Ursache ist die Verschlimmerung des Curses zuzuschreiben? Wodurch kann derselben Einhalt geschehen?“ (Wien 1810, 8°.). – „Ueber öffentliche Sicherheit oder von der Sorgfalt die Privatkräfte des Staates in einem geordneten Verhältnisse zu erhalten.“ Ein Nachlaß als Anhang zum 1. Bande des Handbuchs der inneren Staatsverwaltung[WS 4] (Wien 1817, gr. 8°.). – Von in periodischen Schriften erschienenen Arbeiten Sonnenfels’ sind bekannt: im Deutschen Museum 1780: Rede zu Anfang des neuen Schuljahres, mit einem voranstehenden Schreiben an Herrn von R(etzer). [Bd. I, S. 551]; Ankündigung der Vorlesungen über den Geschäftsstyl [Bd. II, S. 303]; 1782: Parlamentsrede Mylords ** über die Aufhebung des Jesuitenordens [Bd. I, S. 291]; Hofrath von Sonnenfels’ erste Vorlesung im neunzehnten akademischen Jahrgange [ebd., S. 312]; nach der zweiten Vorstellung der Iphigenia im Tauris [ebd., S. 400]; – im Wiener Journal für Freimaurer 1784–1786: Torruvia gegen das Institut, nach der spanischen Handschrift Eudoxius: Ueber den Einfluß der Maurerei; – im Journal von und für Deutschland 1785, Stück 2: Vortrag der Studien- und Censur-Hofcommission zu Wien über den Nachdruck fremder Bücher; – in der Berlinischen Monatschrift 1787: An die Freunde des Montagsclubs zu Berlin [S. 350]; – in der von Schreivogel, Alxinger u. A. herausgegebenen Oesterreichischen Monatschrift 1794: Ueber die grammatikalischen Abänderungen der lateinischen Wörter in der deutschen Sprache; – im Deutschen Merkur 1797: Ueber die Ursachen der französischen Revolution, aus einer ungedruckten Staatsschrift [St. VII, S. 237]; – in Christian Heinrich Schmid’s Anthologie der Deutschen. Theil II: Klage des Hirten von Ida; das Gesicht des Sohnes Sela Haschemesch; Ode auf Daun. Drei Gedichte [S. 297 u. f.]. Ferner hatte S. Antheil an dem Wochenblatte „Die Welt“, welche im Jahre 1762 zu erscheinen begann, und die es sich zur Aufgabe machte, die deutsche Sprache zu fördern, und im Jahre 1777 redigirte S. nach seinem neuen Plane die „Wiener Realzeitung.
II. Porträte. 1) Unterschrift: J. von Sonnenfels | des k. St. Stephans-Ordens- Ritter | Vicepraesident der Hofcommission in poli- | tischen Gesetzsachen, Praesident der k. k. | Academie der vereinigten bildenden Künste | im 81. Jahr seines Alters. Um den Medaillonrand: Joh. Edler v. Lampi Sohn pix. Joh. Böhm sc. 1813 (8°.). – 2) Engelhard sc. (Darmstadt, Beyerle kl. 4°.). – 3) Unterschrift: Hofrath von Sonnenfels. Gem. von Graff. Gez. von Fischer. Gedr. bei J. Rauh. Auch beim 3. Theile der Gräffer’schen „kleinen Wiener Memoiren“ als Titelbild. [Mißlungene Nachbildung des berühmten Bildes von Leicher.] – 4) Unterschrift: Sonnenfels „Incorrupta fides, nudaque veritas. Hor.“. Gestochen von Fr. Ser. Göbwart, Schüler der kais. öst. Akademie der vereinigten bildenden Künste, und Sonnenfels von dem Stecher zugeeignet (Kupfer, Fol. Profilbüste mit Haarband). – 5) Unterschrift: Jos. a Sonnenfels S. C. R. M. a consiliis gubernii Austriae inferioris, studii politici professor publ. ord. et Academiae artium unitarum Secretarius perpetuus. F. Mesner pinx. J. Jacobe sc. (Geschabtes Blatt, 8°.). – 6) Unterschrift: Sonnenfels. Gemalt [332] von Graff. Geätzt von Leicher, 8°. [Brustbild in Dreiviertelprofil; gutes und nicht häufiges Blatt. Nach Gräffer’s Ausspruch unbedingt das treueste, in jeder Hinsicht gelungenste Bildniß S.’s. Es befindet sich auch bei dem I. Bande seines „Handbuchs der inneren Staatsverwaltung“.] – 7) Unterschrift im Medaillon: Sonnenfels. Unterhalb in der einem Denkstein ähnlichen Platte: Qui libera posset | Verba, animi proferre et vitam impendere vero. G. Mark fecit 1783, 8°. [Auch als Titelbild im 1. Bande der „Gesammelten Schriften“ von Sonnenfels (Wien 1783). – 8) A. Graff p. Pöchlarn sc. (8°.) Brustbild. – 9) Unterschrift unter dem Medaillon: Joseph | von | Sonnenfels. Schleuen sc. (gr. 8°.). [Brustbild im Profil. Auch vor dem 14. Bande (1770) von Nicolai’s „Allgemeine deutsche Bibliothek“. – 10) Unterschrift: Joseph von Sonnenfels. Gemalt von F. Mesner, k. k. Maler. Demselben (nämlich Sonnenfels) gewidmet von seinem Freund Schmutzer. In Wien zu finden in der k. k. Kupferstecher-Akademie (4°., Medaillon. Büste im Profil). Im Jahre 1769, wie aus einem Briefe von Sonnenfels an Klotz erhellet, gestochen. Der Wiener Kupferstecher Ferdin. Landerer stach ein satyrisches Gegenstück dazu, welches den bekannten Hanswurstspieler J. von Kurz als Bernadon darstellt. – 11) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen. Dem in den Waldheim’schen „Mußestunden“ ähnlich, nur ist das Profil Iinksgekehrt, während jenes rechtsgekehrt ist, in der „Neuen illustrirten Zeitung“ (Wien, L. C. Zamarski, kl. Fol.). – 12) Holzschnitt, ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in Waldheim’s „Mußestunden 1863, S. 34. – 13) Eine Photographie nach dem Stiche von Jacob Schmuzer. [Vergleiche darüber die Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik IX. Jahrgang (1863), S. 352, in der Rubrik: „Locales“.]
III. Sonnenfels’ Vater. Der Großvater unseres Sonnenfels, genannt Rabbi Michael, mit dem Beinamen „Der Fromme“, war ein angesehener israelitischer Gelehrter und lebte in den Jahren 1715 bis 1725 als Stadt- und Landrabbiner zu Berlin. Dessen Sohn, der den Namen Perlin Lipmann, nicht, wie ihn d’Elvert und Letteris nennen, Pertin führte, war gleichfalls ein tüchtiger Orientalist, und lebte auch mehrere Jahre in der preußischen Hauptstadt. Später aber wanderte er aus, begab sich zunächst nach Eisenstadt in Ungarn, und von dort nach Nikolsburg, einer fürstlich Dietrichstein’schen Herrschaft in Mähren, wo er sich bleibend niederließ, mit seinen beiden Söhnen Franz und Joseph zur katholischen Religion übertrat – die Mutter blieb dem Glauben ihrer Väter treu – und nun den Namen Alois Wiener annahm, unter welchem auch unser Sonnenfels im Regimente Deutschmeister diente. Der alte Sonnenfels war in Nikolsburg bei seiner Standherrschaft, den Dietrichstein’s, sehr beliebt und geachtet, auch die dortigen Piaristen hatten den gelehrten Orientalisten in besondere Affection genommen, und bedienten sich seiner Kenntnisse bei ihren orientalischen Studien. Aber seine Vermögensverhältnisse hatten sich verschlimmert, und er siedelte später nach Wien über, wo er Lehrer der Sprachen des alten Bundes an der Wiener Hochschule, darauf hebräischer Dolmetsch, und in Würdigung seiner Verdienste im Jahre 1746 in den Adelstand mit dem Prädikate von Sonnenfels erhoben wurde. Dieses letztere nahmen dann seine Söhne als bleibenden Familiennamen an. – Die Titel der von dem alten Sonnenfels herausgegebenen Schriften, sind: „Judaica Sanguinis nausea oder Jüdischer Bluteckel“ (Wien 1753, 8°.). – „Lapis Lydius sive Institutiones Hebraicae linguae methodo aetiologica propositae“, deutsch und lateinisch (Wien 1756, 8°., maj.). – „Controversiae cum Judaeis prodromi libri duo“ (Wien 1758, 8°., mos.). Die dieser Schrift vorabgeschickte Vorrede aus der Feder seines älteren Sohnes Joseph wird gewöhnlich als die erste gedruckte Arbeit bezeichnet, mit welcher Joseph von Sonnenfels in die Oeffentlichkeit getreten. Dem ist jedoch nicht so, denn diese Vorrede datirt aus dem Jahre 1758, aber schon ein Jahr früher gab Sonnenfels in Gemeinschaft mit dem nachmaligen Präsidenten der vereinigten Hofcommission in politischen und Justizsachen, Mathias Wilhelm von Haan, ein „Specimen juris germanici“ heraus. – „Sendschreiben an Pater Domin. Ferdinand Sterzinger über zwei hebräische Wörter: Chartumin und Bellehatehem“ (Wien 1768, 4°.). Eine fernere Schrift des alten Sonnenfels, betitelt „Christkatholisches Schaubrod“, gelang mir nirgends aufzufinden, daher ich auch ihren vollständigen Titel und [333] das Jahr, in welcher sie erschienen, nicht anzugeben vermag.
IV. Sonnenfels’ Familie. Eine solche im strengen Sinne des Wortes ist nicht vorhanden, denn S. war wohl verheirathet, aber seine Ehe kinderlos. Ebenso kinderlos blieb die Ehe seines Bruders Franz. Joseph war mit Theresia Hay, einer Tochter des Oberamtmannes von Fulneck, und Schwester des Propstes zu Nikolsburg und nachmaligen Bischofs von Königgrätz Johann Leopold Hay [Bd. VIII, S. 103][WS 5], den man „Oesterreichs Fenelon“ nannte, vermält. Die Frauen beider Brüder galten für ausgezeichnete Schönheiten. Jene Joseph’s hieß im Zirkel der Freunde, und in der Freimaurerloge, deren Meister Sonnenfels war, „Aspasia“, ebenso ihrer Anmuth wegen, als wegen ihres munteren Witzes. Sonnenfels war, ohne Vermögen zu hinterlassen, gestorben. [Siehe unten „Sonnenfels’ Testament“.] Die Witwe erhielt in Würdigung der Verdienste ihres Gatten den Betrag seiner Gehaltbezüge als Pension. Sie starb am 15. Mai 1820, drei Jahre nach ihres Gatten Tode, im Hause Nr. 792 in der Unteren Bäckerstraße. Ihr Nachlaß fiel in Gemäßheit ihres letzten Willens an ihre Verwandten. Diese waren: ihre Schwester Eleonora verehelichte Freiherrn von Neffzern; der Sohn ihrer verstorbenen Schwester Antonie vermälte Franz von Praitschopf, k. k. Rittmeister; die Kinder einer dritten Schwester, der verstorbenen von Birkenstock [Bd. I, S. 406), und zwar: Hugo, zu Ybbs seßhaft, Antonie, Gattin des Banquiers Brentano zu Frankfurt; dann der Sohn der verstorbenen Schwester Anna vermälten Gottfried von Sobeck; die fünfte Schwester Theresens von Sonnenfels, war eine vermälte von Sternstein. Joseph von Sonnenfels, obgleich durch den St. Stephans-Orden zum Freiherrntitel berechtigt, schrieb sich nie Freiherr, wird aber hin und wieder so genannt, was wohl auf einer Verwechslung mit seinem Bruder Franz beruht, der in den Freiherrnstand erhoben worden. Die Gemalin Franzens, Rosalie, war eine Tochter des Nikolsburger Apothekers Geyer.
V. Sonnenfels’ Testament. Da uns dieses interessante Document Aufschlüsse gibt, über Sonnenfels’ Vermögensverhältnisse, so sei es hier seinem ganzen Wortlaute nach mitgetheilt. Es ist in Briefform an seine Frau gerichtet, und lautet: „Ich besitze kein Vermögen, das ist bekannt; ich habe mich während meiner vieljährigen arbeitsamen Laufbahn nur bestrebt, meine Pflicht zu erfüllen, nicht Vermögen zu sammeln. Meine Gattin (Theresia von Sonnenfels geborene von Hay) brachte mir dreitausend Gulden zur Mitgift, deren Empfang ich hiermit noch einmal bestätige; ich versprach selbe mit sechstausend Gulden zu widerlegen; diese neuntausend Gulden sind eine Schuld, zu deren Bedeckung ich wünsche, daß alles, was ich besitze, zureiche, wobei ich zu bemerken habe, daß, was von dem vorhandenen Silber mit T. S. bezeichnet ist, meiner Gattin angehört. Soll über die Bedeckung der Neuntausend etwas erübrigen, so sei meine Gattin hievon die Erbin, das edle Weib wird, da ich ihr keine Schätze zurücklasse, den unbescholtenen Ruf ihres Mannes, und die Achtung, die er sich bei seinen Mitbürgern zu erwerben das Glück hatte, als einen schätzbaren Nachlaß beachten. Der Armuth nach Kräften beizustehen, habe ich nicht bis hier verschoben. Ich ersuche aber meine Freundin, an das Armen-Institut fünfzig Gulden abzuführen. Ihrem wohlthätigen Herzen überlasse ich, mein Dienstvolk nach Verhältniß ihrer Dienstjahre und der dem Hause bezeugten Ergebenheit zu belohnen. Und nun, theuere Gefährtin meines Lebens, empfange die Versicherung, daß meine innigste Verehrung und Dankbarkeit für die Glückseligkeit von acht und vierzig Jahren mich hinaus über das Grab beglücken wird. Ich empfehle Dir nicht, mein Andenken stets werth zu halten. Ich kenne Dich, und bin mir bewußt, durch mein stetes Bestreben dieß um Dich verdient zu haben. Wien, am 1. Hornung 1811. Sonnenfels.“ – Der ganze Erlös von Sonnenfels’ Habseligkeiten, der als Vice-Präsident der Hofcommission des politischen Gesetzwesens starb, betrug nur 3000 fl. W. W. Die Decoration des Stephans-Ordens, die er neben dem Commandeurkreuze des rothen Adler, und des Danebrog-Ordens trug, wurde im Nachlasse vermißt; man vermuthete, daß ein Verehrer des Staatsmannes das übrigens materiell nicht werthvolle Kreuz sich zugeeignet habe.
VI. Sonnenfels’ Grab. Sonnenfels starb im Alter von 85 Jahren in Wien, in der Wollzeile Nr. 827 (alt). Seine Leiche wurde im Dom St. Stephan feierlich eingesegnet und auf dem Friedhofe St. Marx beerdigt. [334] Die kaiserliche Wiener Zeitung enthält die genauen Angaben darüber, das Grab hatte dasselbe Schicksal gehabt, wie das Mozart’s. Schon im Jahre 1843 hatte der Registratursdirector der damaligen vereinigten Hofkanzlei Trimmel (pseudonym Emil) Klage , daß das Grab vergessen sei. Später suchten seine Verehrer die letzte Ruhestätte des um Oesterreich vielverdienten Mannes, wahrscheinlich ihn mit seinem auch verdienstvollen Bruder Franz verwechselnd, in Nikolsburg in Mähren, wo sie auch thatsächlich Sandsteintrümmer des Denkmals mit dem Namen Sonnenfels fanden. Aber das ist nicht des Joseph von Sonnenfels, sondern seines Bruders Franz Grab, wonach die Notiz der „Neuen freien Presse“ 1867, Nr. 1181: in der „Kleinen Chronik“ zu berichtigen ist.
VII. Sonnenfels’ Standbild. Das Andenken an Sonnenfels war nach seinem im Jahre 1817 im hohen Alter von 85 Jahren erfolgten Tode bald erloschen. Die nach vieljährigen schweren Kämpfen gewonnene Ruhe wirkte zu behaglich, um viel an einen Geisteskämpfer, wie S. zu denken, welche Sorte Menschen eben zu jener Zeit nicht im besten Geruche stand. War ja doch der ganze Kriegsjammer zunächst durch die Erhebung der Geister gegen die Jahrhunderte alte Bedrückung der rohen Gewalt hervorgerufen worden. Also alles, was nach Geist schmeckte, hatte für die maßgebenden Kreise einen mehr oder minder unangenehmen Beigeschmack. Nur Hormayr erinnerte ab und zu an den Felsen, hinter dessen Spitzen und Kanten die Sonnenstrahlen verklärend aufblitzten, den Sonnenfels aber in seinen „Oesterreichischen Plutarch“, wo ihm mindestens eben so gut ein Platz gebührte, als einem halben Dutzend Anderer, die darin stehen, eine Stelle einzuräumen, wagte er doch nicht, wenn er ihm auch in seinem Taschenbuch für vaterländische Geschichte eine ausführliche Biographie [1841, S. 127–134] einräumt. Der Erste, der das Andenken an Sonnenfels auffrischte, und es in einer für jene Zeit (1836) fast kühnen Weise that, war der alte Gräffer, welcher damals schrieb: „Die pragmatische Biographie und Charakteristik Sonnenfels’, der da einzig durch sein Genie und seine schöpferische Thatkraft so Großes gewirkt, wie nie vor und wahrscheinlich nach ihm kein Einzelner, wäre wohl ein edler Stoff für eine eigene Preisaufgabe! Nie wird Oesterreich des Lehrers so vieler seiner wichtigen Staatsmänner und Professoren vergessen können, wenn er gleich kein öffentliches Monument hat.“ Nach Gräffer und zum Theile durch ihn bemächtigten die Frankl’schen „Sonntagsblätter“ sich des verdienten Mannes, den sie immer, und immer wieder – wie es die S. 341 u. 342 verzeichneten Quellen sattsam beweisen – den Lesern in anregender Gestalt vorführten, und den Wienern ins Gedächtniß riefen, was Sonnenfels gethan, wer Sonnenfels gewesen. Und wieder gingen zwanzig und mehr Jahre vorüber, und in der Noth der Zeiten, und im Kampfe ums Dasein, ward auf Sonnenfels, wie auf manches Andere vergessen, bis sich der bekannte Publicist Bauernschmid [Bd. I, S. 188], der als Gemeinderath von der Großcommune Wien in ihren Rathkörper war gewählt worden, an ihn und zur rechten Zeit erinnerte. Es galt die Balustrade der Elisabethbrücke über den Wienfluß mit Berühmtheiten der österreichischen Geschichte zu schmücken. Und da war es Bauernschmid, der in seiner Stellung als Gemeinderath ein entscheidendes Wort hatte, und „welcher, wie der Verfasser der „Geistesströmungen“ in der „Neuen freien Presse“ (1873, Nr. 3850) schreibt, „die großen Oesterreicher wie Wenige zu würdigen verstanden, und um sie herzuzählen, nicht die volle Fingerzahl der beiden Hände brauchte“ [das ist eine Schmähung Oesterreichs, gegen welche zu protestiren der Autor dieses Lexikons sich berechtigt glaubt], den Gedanken aussprach: auch Sonnenfels neben anderen geschichtlichen Personen auf die Elisabethbrücke zu stellen. Der Gedanke griff durch, und an demselben Tage, an welchen den Verurtheilten in Oesterreich das letzte Symbol einer starren Vergangenheit, die rasselnde Eisenkette abgenommen, an dem Tage, an welchem die entwürdigende Prügelstrafe aufgehoben wurde, wurde auch von dem Standbilde jenes Mannes die Hülle abgenommen, der sein Lebelang gegen die Feinde der Menschenrechte, gegen die fortschrittliche Entwicklung gekämpft. Und dieser Mann war Sonnenfels, dessen Statue seit November 1867 auf der Elisabethbrücke Wien aufgestellt ist.
VIII. Sonnenfels’ Denktafel. Zur Erinnerung an den fünfzigjährigen Todestag Sonnenfels’ veranstaltete der volkswirthschaftliche Verein in Wien am 24. April 1867 eine öffentliche [335] Versammlung. Graf Kinsky eröffnete dieselbe mit einer kurzen Ansprache, in welcher er der Verdienste Sonnenfels’ gedachte; am folgenden Tage wollte man eine Gedenktakel am Hause Nr. 17 in der Sonnenfelsgasse anbringen, da Sonnenfels in demselben gewohnt. Als man aber in Erfahrung gebracht, daß S. kurz vor seinem Tode dasselbe verlassen und in das Haus Nr. 21 in der Wollzeile übersiedelt sei, so wurde alsdann beschlossen, an diesem, als dem wirklichen Sterbehause Sonnenfels’ die Gedenktafel anzubringen. Dieses Haus führte bei der ersten Numerirung (im Jahre 1775) die Zahl 805; bei der zweiten (im Jahre 1795), die Zahl 827, später die Zahl 780; führte den Schild „zum rothen Engel“, und hieß früher „zur Birne“. Als Sonnenfels es bezog, gehörte es (seit 1795) der Marie Anna Maurer von Kronegk, später (1820) dem Franz Xaver Mayer, und zur Zeit als man die Gedenktafel anbrachte, dem Herrn Franz Ritter von Heintl. Sonnenfels wohnte im ersten Stock.
IX. Sonnenfels’ Wappen. Quadrirtes Feld. Im oberen rechten und unteren linken silbernen Felde ein Thurm, im oberen linken und unteren rechten blauen Felde eine goldene Sonne ober einem zackigen Felsen (Sonnenfels). Auf dem Schilde ruht ein gekrönter Turnierhelm. Aus der Krone des Helms wächst eine weibliche Figur, in der Rechten ein Buch haltend, das Haupt von Sonnenstrahlen umgeben, zwischen zwei Adlerflügeln. Helmdecken. Dieselben sind zu beiden Seiten blau mit Silber unterlegt.
X. Sonnenfels’ und Beaumarchais. Ritter von Arneth schildert in der S. 341 in den Quellen angeführten Schrift in anziehender und auf quellenmäßiger Forschung gestützter Weise die persönliche Berührung dieser zwei merkwürdigen Männer, deren jeder in dem Staate, dem er angehört, in die öffentlichen Verhältnisse tief eingegriffen hat. Es handelt sich in dieser Schrift um einen großartigen Dupirungsversuch, den Beaumarchais, nachdem er die Franzosen hatte auf den Leim gehen lassen, auch in Wien durchzuführen versuchte – um einen grandiosen Schwindel, durch den Beaumarchais Geld und Wichtigkeit erlangen und sich die höchsten Personen verpflichtet machen wollte. Sonnenfels erscheint nur als Nebenfigur. Ein Pasquill gegen Marie Antoinette und die Pariser Gesellschaft soll gleichzeitig in London und Amsterdam gedruckt werden, dieß erfährt Beaumarchais und weiß sich – nachdem er schon früher eine ähnliche Mission ausgeführt – von König Ludwig XVI. den Auftrag zu verschaffen, die Veröffentlichung um jeden Preis zu hindern und die Schmähschrift zu unterdrücken. Für schweres Geld gelingt dieß, in London und Holland wird die ganze Auflage verbrannt, da erfährt Beaumarchais, daß Angelucci, der angebliche Verfasser des Libells, ein Exemplar desselben unterschlagen habe, und mit diesem und dem für die Unterdrückung erhaltenen Gelde nach Nürnberg abgereist sei, um die Schmähschrift dort neuerdings zu veröffentlichen. Beaumarchais reist ihm nach, holt ihn in einem Walde bei Neustadt an der Aisch ein, entreißt ihm Schmähschrift und Geld, wird aber, bevor er zu seinem Wagen zurückkehrt, von Räubern angefallen und verwundet. Er eilt nach Nürnberg, macht den dortigen Behörden die Anzeige, und reist dann, ohne erst seine Wunden verbinden zu lassen, nach Wien, wo er sich anfangs unter dem Namen Mr. de Ronac brieflich an die Kaiserin Maria Theresia wendet. „Vom äußersten Westen Europa’s sei er nach Wien geeilt, um ihr Dinge mitzutheilen, welche ihr Glück, ihre Ruhe, das innerste ihres Herzens betreffen; keinen Augenblick möge sie versäumen, ihn zu hören.“ Maria Theresia gewährt ihm eine Audienz, in welcher er ihr das gerettete Exemplar der Schmähschrift überreicht, und ihr einen Umdruck, derselben vorschlägt, aus welchem die Stellen, welche die Königin am meisten verunglimpfen, weggelassen werden und den man dann dem Könige Ludwig XVI. vorlege. Denn ein Exemplar müsse er dem König zum Beweise, daß er seinen Auftrag vollführt, vorlegen; käme aber das Original selbst dem sittenstrengen Könige vor Augen, so könnte dieß für dessen Gemalin die betrübtesten Folgen nach sich ziehen. In der That enthielt das Pasquill die allerschändlichsten Verdächtigungen selbst der ehelichen Treue der Königin. – Maria Theresia war jedoch zu bedächtig, um sogleich auf die Vorschläge des Fremden einzugehen, sie theilte das Pasquill dem Staatskanzler Fürsten Kaunitz zur Einsicht mit, und dieser – sandte einen Beamten mit zwei Officieren und acht Grenadieren in Beaumarchais[336] Wohnung, und erklärte ihn als Staatsgefangenen (22. August 1774). Sonnenfels, damals Regierungsrath, wurde abgesendet, mit Beaumarchais dessen Papiere durchzugehen. Maria Theresia, wie Kaunitz, hatten Beaumarchais’ abenteuerliche Erzählung von vornherein mit Mißtrauen aufgenommen, und Kaunitz machte kein Hehl daraus, daß er die ganze Geschichte für einen von Beaumarchais seinem König gespielten Betrug ansehe. Hatten doch auch die in und bei Nürnberg angestellten Untersuchungen den angeblichen Räuberfall als erdichtet herausgestellt, so wie daß er sich die Wunden, die er angeblich im Kampfe mit den Räubern erhalten, mit einem Rasirmesser selbst beigebracht hatte. Auch lag der Verdacht nicht fern, daß Beaumarchais selbst Verfasser der Schmähschrift sei. – Man überließ es dem französischen Cabinet, was mit Beaumarchais zu geschehen habe. Es wurde ihm die Rückkehr nach Paris bewilligt, und dort die enorme Summe von 72.000 Franken, welche er für Ankauf des Libells und für seine Reise aufrechnete, anstandslos ausbezahlt, übrigens Beaumarchais bedeutet, aus Klugheit über die ganze Sache zu schweigen. Gegen ihn strenge vorgehen wollte und konnte man nicht gut, man hätte sonst gestehen müssen, daß man sich habe von ihm so schmählich dupiren lassen. Nur in Wien hatte man ihn augenblicklich durchblickt, und als Beaumarchais dem französischen Polizeiminister über die in Wien erfahrene Behandlung klagte, erwiederte dieser: „Was wollen Sie, die Kaiserin hat Sie für einen Abenteurer gehalten.“ – Dieß der gedrängte Inhalt der äußerst interessanten Arneth’schen Schrift, welcher 18 Briefe, Protokolle und sonstige bisher noch ungedruckte Documente über diese Angelegenheit aus dem kaiserlichen Staatsarchiv beiliegen.
XI. Sonnenfels und Klotz. Aufschluß über das Verhältniß beider gibt die Schrift von Rollett (Hermann): „Briefe von Sonnenfels. Als Beitrag zu seiner Biographie. Mit einer Einleitung und mit Anmerkungen“ (Wien 1874, Wilh. Braumüller, gr. 8°., XII u. 44 Seiten). [Es sind neun Briefe von Sonnenfels, längst schon im Jahre 1773[WS 6], in den von J. J. A. Hagen herausgegebenen „Briefe deutscher Gelehrter an den Herrn geheimen Rath Klotz“, gedruckt und nun wieder gedruckt, um Sonnenfels gegen Lessing in Schutz zu nehmen. Nun ist die Episode Lessing [siehe Sonnenfels und Lessing [S. 337] in Sonnenfels’ Leben eine solche, daß man sie lieber todtschweigen als reinwaschen sollte, da sie nun einmal nicht reinzuwaschen ist. Der Mensch Sonnenfels büßt nun freilich dabei ein, aber der österreichische Fortschrittsmann verliert dabei nichts. Eine Verhimmelung und Rehabilitation Sonnenfels’ wurde aber mit obiger neuen Ausgabe jener auch sonst geringfügigen Briefe versucht. Darüber schließt nun Emil Kuh seine ausführliche Anzeige dieser neuen Ausgabe mit folgenden Worten: „Der Herausgeber der Sonnenfels-Briefe (Hermann Rollett) hat sich durch den Versuch einer Rettung Klotzens, zwar nicht im Hinblick auf die dabei aufgewendete Anstrengung, aber der Tendenz nach den „Rettern“ angereiht, die nach einander für eine verlorene Sache eingetreten sind. In diesem Sinne hat Onno Klopp, einen der grausamsten Kriegsknechte, den rohen Tilly als einen strahlenden Helden, Adolph Stahr Tiberius als einen braven, das Gute wollenden Regenten, den römischen Annalisten aber als einen unzuverlässigen Historiker geschildert, hat Johann Ebeling, das liederliche Schwabenmädchen, für einen Gegenstand des Mitleides, Bürger aber als den Unheilstifter ausgegeben, hat Georg Reinhard Roepe[WS 7] sich des Pastors Goeze liebreich gegen Lessing angenommen. So steuert eine Literatur der Barbarei zu“. – Es könnte scheinen, Emil Kuh gehe in der Verurtheilung der Bemühungen Rollett’s, Sonnenfels in seinem Verhalten gegen Lessing zu rehabilitiren, zu weit. Wie gelinde Emil Kuh vorgeht, kann man erst ermessen, wenn man die Stimmung kennen lernt, welche in Wien herrschte, nachdem die Witwe Klotz aus Geldgier, wie man annahm, die Briefe, welche Sonnenfels an ihren Mann geschrieben, durch J. J. A. von Hagen veröffentlichen ließ. Man war nahe daran, ein Verbot gegen die Briefe zu erlassen, aber dieß, sah man ein, hätte das Aufsehen noch vermehrt. Anfangs waren nur zwei Exemplare der Briefe im Umlauf; das eine las die Kaiserin, das andere coursirte in der Stadt von Hand zu Hand. Bald wurden einige hundert Exemplare mit der Post verschrieben. Erzbischof Migazzi, [337] des Aufklärers entschiedener Feind, ließ 30 Exemplare kommen und sorgte für die Verbreitung derselben in seinen Kreisen. Sonnenfels stand nun als Gegner – als Feind – Lessing’s und Parteigänger des schmählich erlegenen Klotz, den Lessing gehörig abgetrumpft, und doch noch immer geschont hatte, da er es unterließ, ihn als gemeinen Plagiator zu entlarven, durch seine eigenen Briefe bloßgestellt, öffentlich da. Dazu kam noch der Umstand, daß unter den Wiener Literaten jener Tage Sonnenfels der Einzige war, der zu Klotz stand. So wurde Sonnenfels die Zielscheibe des ärgsten Spottes, und noch schlimmerer Stimmungen in den Gemüthern aller Ehrlichen. Der holländische Legationsprediger trug auf einer Maskerade ein Briefträger-Costüm, auf seiner Tasche hatte er einen Brief geheftet mit der Aufschrift: „Briefe auswärtiger Gelehrter an Klotz“, und auf der anderen „Briefe von Sonnenfels an Klotz“. „Scurrilische Briefe“ waren im Umlauf gegen Sonnenfels und Riedel, dieses verkommene Subject, dessen Lebensskizze in diesem Lexikon [Bd XXVI, S. 86] mitgetheilt ist. Der Schauspieler Stephanie der Jüngere brachte eine grobe Satire auf die Bühne: „Der Jodler nach der Mode“, in welcher Sonnenfels unter dem Namen „Hader“ auf das häßlichste geschildert wurde. Kurz, es war Alles los gegen Sonnenfels, und es brauchte lange, bis dieser Sturm sich legte, länger wie heutzutage, wo der Scandal des folgenden Tages jenen des vorigen überflügelt. Aber auch dieser Spectakel kam zur Ruhe, wurde vergessen und erst in neuerer Zeit von den Ameisen der Zeitgeschichte, den Feuilletonisten, den fleißigen Cultur- und Literaturhistorikern wieder an’s Tageslicht gezogen, und dadurch nicht wenig der Nimbus des sonst so verdienstvollen Sonnenfels geschmälert, den eine kritiklose Partei so lange albern und planlos beräuchert und gelobhudelt hatte, bis die Opposition geweckt und von ihr die Klotz-Lessing-Geschichte an das Tageslicht gefördert wurde. Es ist nicht uninteressant zu wissen, wie Sonnenfels selbst die Klotz’sche Geschichte auffaßte. Wir sind in der Lage, seine eigenen Worte darüber anzuführen: „Kaunitzen und Swieten“ schreibt Sonnenfels, „bin ich für die Erhaltung meines Standes, Freiherrn von Gebler, bei dem ein günstiges Vorurtheil für meine Verwendung die Stelle der Empfehlung vertrat, bin ich großentheils für die Verbesserung derselben verpflichtet, und für meine Beförderung, die sehr oft gerade durch die mir erregten Widerwärtigkeiten herbeigeschleunigt wurde. Die Ausgabe der Klotz’schen Briefe sollte mich vom Lehrstuhle, vielleicht von Wien verdrängen; so ungefähr war der Anschlag. Statt dessen ebnete sie die Hindernisse, welche bis dahin den gütigeren Gesinnungen des damaligen Statthalters Grafen von Seilern im Wege gelegen waren – sie öffnete mir den Eintritt in die Rathsstube.“
XII. Sonnenfels und Lessing. Lessing heißt der dunkle Punkt im Leben unseres Sonnenfels. Es bestand in den Jahren 1768/69 der Plan, in Wien eine Akademie zur Hebung der schönen Künste zu errichten. Zu diesem Zwecke hatte man nichts Geringeres vor, als die Berufung einer „Colonie von Gelehrten“ nach Wien. An Lessing hatte man im April 1769 durch Bode den glänzenden Antrag machen lassen, als Dramaturg und Theaterdichter mit 3000 fl. Jahresgehalt einzutreten. So verlockend das Anerbieten war, Lessing hatte es aus wichtigen Gründen abgelehnt, und die Hoffnung, Lessing in Wien zu haben, erfüllte sich nicht. Als dann im folgenden Jahre Eva König, Lessing’s Freundin und künftige Gattin, in Vermögens-Angelegenheiten nach Wien reisen mußte, trat Wien wieder in Lessing’s Gedankenkreis, der indessen als Bibliothekar zu Wolfenbüttel seinen Studien oblag. Eva König hielt ihn mit ihren Briefen, aus welchen eben so weibliche Liebenswürdigkeit als scharfe Beobachtungsgabe spricht, im Laufenden über die literarischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Wien, Lessing hatte bis dahin eine gute Meinung von Sonnenfels, dessen Eifer in Theater und literarischen Angelegenheiten ihm gefiel, wenngleich er nicht Alles billigte, was Sonnenfels vornahm. Während Eva König’s Anwesenheit in Wien, geschah es wieder, daß man an Lessing’s Berufung nach Wien und dieses Mal mit allem Ernst dachte. Durch Professor Sulzer in Berlin, hatte man bei Lessing anfragen lassen, und Lessing in der Meinung, das Weib seines Herzens, Eva König, dürfte durch ihr Geschäft genöthigt werden, in Wien zu bleiben, war nun nicht mehr wie das erste Mal abgeneigt, den an ihn gestellten ehrenvollen, [338] und da man ihm 2000 Reichsthaler Jahrgehalt zugesichert, auch materiell günstigen Antrag anzunehmen. Während nun Lessing auf eine directe Berufung oder doch Einladung nach Wien wartete, war Riedel berufen und zum k. k. Rath, ernannt worden, „um in Geschäften verwendet zu werden, die für die Literatur des Vaterlandes von größter Wichtigkeit sein würden“. Riedel an Lessing’s Stelle, das war Lessing zu viel, aber auch die Enttäuschung der Wiener blieb nicht aus. als sich der Trunkenbold Riedel allmälig entpuppte. Noch ein drittes Mal, im November 1772, ließ man wieder bei Lessing und wieder durch Professor Sulzer anfragen, ob er nicht geneigt wäre, nach Wien zu kommen. Aber immer waren es nur Anfragen, nie directe Aufforderungen und Einladungen an Lessing selbst. Lessing zeigte sich nun gar nicht abgeneigt, zu kommen, nur wollte er, durch die Erfahrungen in Hamburg gewitzigt, nichts mit dem Theater zu schaffen haben. Da starb Ende December 1771 Christoph Adolph Klotz, derselbe Klotz, an dem Lessing in seinen „Antiquarischen Briefen“ ein Beispiel statuirt und ihn als einen elenden Compilator an Winckelmann und Lippert hingestellt hatte. Mit Klotz hatte Sonnenfels seit October 1768 bis Anfang Mai 1770 einen Briefwechsel unterhalten, in welchen an mehreren Stellen Lessing’s und nicht eben zu dessen Gunsten Erwähnung geschieht. Diese Briefe hatte Klotzen’s Witwe, wie es heißt, aus Geldgier, öffentlich drucken lassen. Sie erschienen zuerst in dem Buche: „Briefe deutscher Gelehrter an den Herrn geheimen Rath Klotz“. Herausgegeben von J. J. A. von Hagen. Zwei Theile (Halle 1773), und wurden, längst für Sonnenfels zum Glück vergessen, neu an’s Licht gezogen in der Schrift: „Briefe von Sonnenfels. Als Beitrag zu seiner Biographie. Mit einer Einleitung und mit Anmerkungen. Herausgegeben von Hermann Rollett (Wien 1874, Wilhelm Braumüller, gr. 8°.), worüber Emil Kuh in der „Allgemeinen Zeitung“ zu Gerichte saß. [Vergleiche Sonnenfels und Klotz S. 336.] Also diese Briefe von Sonnenfels an Klotz waren eben erschienen, als an Lessing neuerliche Anträge, nach Wien zu kommen, gestellt wurden. Da schreibt Lessing unterm 3. December 1772 an Eva König in Wien: „Sie kommen doch noch von Zeit zu Zeit zu dem Herrn von Sonnenfels? Sagen Sie ihm doch, daß seine Correspondenz mit Klotzen gedruckt worden, und daß ich es ihm melden ließe, wenn er es nicht etwa bereits wüßte. Vielleicht versteht er, was ich damit sagen will. Sie können noch hinzufügen, wenn Sie wollen, daß ich mir über eine gewisse Stelle eine öffentliche Erläuterung mit Nächstem von ihm ausbitten würde. Doch warum will ich Ihnen diesen Auftrag machen? Der falsche und niederträchtige Mann könnte leicht Ihnen selbst darüber Feind werden. Besser, daß ich mit Nächstem selbst an ihn schreibe.“ Lessing kam nicht nach Wien. Alle die Berufungen waren erfolglos gewesen. Daß Sonnenfels, der nun durch die Veröffentlichung seiner Briefe an Klotz als Gegner Lessing’s und Parteigänger des von Lessing übel, jedoch mit Recht zugerichteten Klotz da stand, seine Hand dabei im Spiele gehabt, ist nicht unschwer zu glauben. Thatsächliche Beweise dafür fehlen freilich, und wenn er nicht geradezu die Ausführung des Vorhabens der Berufung Lessing’s nach Wien hintertrieben, daß er nichts dafür gethan, ist nach dem Vorliegenden unzweifelhaft. Noch mehr: nach der dritten Berufung und der darauf erfolgten Veröffentlichung seiner Briefe mag Sonnenfels Alles angewandt haben, um den edlen Lessing, den er so gröblich verletzt, ja auf das tiefste beleidigt, nicht neben sich in Wien wirken zu sehen. Lessing selbst benahm sich, nachdem das Verhalten des Sonnenfels gegen ihn offenkundig geworden, und die öffentliche Meinung sich mit einer Entschiedenheit ohne Gleichen auf Lessing’s Seite gestellt hatte, hochherzig wie immer. Eva König hatte an Lessing geschrieben, wie die Dinge in Wien ständen, wie die Sonnenfels’sche Familie ganz bestürzt sei über diese Geschichte, und Lessing, der schon daran war, einen Fehdebrief gegen Sonnenfels drucken zu lassen, ließ von jedem Angriffe ab mit den Worten: „Auf wen Alle zuschlagen, der hat vor mir Frieden!“
XIII. Sonnenfels und die Aufhebung der Folter. Es unterliegt keinem Zweifel, daß mehrere, ja viele Jahre vor Sonnenfels Versuche [339] gemacht wurden, die Folter aufzuheben. Wir erinnern nur an den gräßlichen Justizmord des unschuldigen Calas[WS 8] zu Toulouse. Ein Schrei des Entsetzens ging durch Deutschland und Italien, die französischen Encyklopädisten verbanden sich mit den italienischen Humanisten. An der Spitze der Letzteren standen Graf Verri und Cesare Beccaria, und Beccaria gab den Wünschen derselben in seinem so berühmt gewordenen Werke: „Dei delitti e delle pene“ Ausdruck, das ganze Werk ist auf Aufhebung der Todesstrafe und gegen die Tortur gerichtet. Ja, und noch viel früher hatte der Jesuit Adam Tanner (gest. 1632), dessen sonderbarerweise kein Conversations-Lexikon gedenkt, gegen Hexenprocesse, grausame Torturen und Strafen öffentlich geeifert. Auch der Jesuit Spee (gest. 1635) that nichts Geringeres, obgleich er die öffentliche Meinung und vornehmlich die Protestanten gegen sich hatte. Redete doch Benedict Carpzov, Sachsens Gesetzgeber und Orakel, nicht nur den Hexen-Processen das Wort, sondern hat noch außerdem den eigenthümlichen Ruhm, über 20.000 Todesurtheile gefällt zu haben! Schreibt selbst Menzel in seiner „Geschichte der Deutschen“ §. 364: „Hexenprocesse, die grausame Tortur und Verbrennungen waren nirgends zahlreicher als in protestantischen Ländern, zum Beweise, daß der Aberglaube durch die sogenannte Glaubensfreiheit nur dicker und brutaler geworden war“. Dieß Alles aber schmälert die Verdienste Sonnenfels in dieser Frage nicht im Geringsten; nur theilt er dasselbe mit noch einigen Anderen, so z. B. mit dem tirolischen Hofkanzler Joseph (I.) Freiherrn von Hormayr [Bd. IX, S. 275] und mit dem Professor Ferdinand Joseph von Leber [Bd. XIV, S. 266], wie dieses Umstandes in den Biographien der Genannten ausdrücklich erwähnt ist. Es wäre also an der Zeit, dieses Hinstellen Sonnenfels’ als den Einen und Einzigen in dieser wichtigen Frage aufzugeben und auch seinen Mithelfern in dieser Frage gerecht zu werden, und wäre das um so billiger, als Sonnenfels’ Schrift über die. Abschaffung der Tortur erst 1775 zu Zürich erschien, während Beccarias„Dei delitti e delle pene“ schon 1764 zu Livorno[WS 9] – wenngleich anonym – das Licht der Welt erblickt hatte. Die Bemerkung in Gräffer’s „Jüdischem Plutarch“ Bd. I, S. 230 u. f.: „S. sprach eher von der Abschaffung der Tortur und Aufhebung der Todesstrafen, als das berühmte Werk von Verbrechen und Strafen an’s Licht trat“, ist somit unrichtig, denn was S. sprach, ist gleichgiltig, wann er es schrieb, ist entscheidend, und er schrieb es volle zwölf Jahre später als Beccaria. Aber Sonnenfels erwirkte die Aufhebung erst nach Beseitigung mancher Hindernisse und sie erwirkt zu haben dieses Verdienst bleibt ihm unbestritten. Nicht uninteressant ist der Vorgang, der nach einer Mittheilung aus Sonnenfels Munde folgender gewesen: Kaiserin Maria Theresia hörte, daß Sonnenfels fortwährend von der Lehrkanzel herab gegen die Tortur spreche, und ließ ihm sagen: „er solle aufhören, so anzüglich zu reden, weil er sonst entfernt werden müsse“. Sonnenfels sagte dem Ueberbringer dieser Nachricht: „Er lasse Ihre Majestät bitten, sie solle ihm die Gnade gewähren, einen Vortrag über den Gegenstand machen zu dürfen“. Die Kaiserin gewährte die Bitte und bestimmte einen Tag zur Audienz. Als Sonnenfels in den Audienzsaal getreten war, ließ sich die Kaiserin auf einen Sessel nieder und Sonnenfels begann – nach damaliger Hofsitte auf einem Knie ruhend – den Vortrag. Die Kaiserin nahm wahr, daß ihm diese Stellung beschwerlich sei und sagte zu ihm: „Knie er sich näher zu mir und lege er seine Schriften auf meinen Schooß“. Sonnenfels kam diesem Auftrage nach und hielt mit seiner bekannten Rednergabe einen glänzenden Vortrag für Abschaffung der Tortur. Am Schlusse dieses Vortrages traten der von demselben tief ergriffenen Kaiserin Thränen in die Augen, und in diesem Augenblicke vergaß Sonnenfels die Hofsitte, erhob sich von den Knien und sprach mit Begeisterung die Worte: „Wenn Europa diese Thränen in den Augen der größten Monarchin unserer Zeit gesehen hätte, so würde es keinen Augenblick zweifeln, daß die Tortur in Oesterreich sogleich abgeschafft wird“. Die Kaiserin trocknete die Thränen, legte ihre Hand auf des Redners Schulter und sagte zu ihm: „Laß Er’s gut sein, die Tortur wird abgeschafft“. Und das kaiserliche Wort ging in Erfüllung, am 2. Jänner 1776 wurde öffentlich kundgemacht, daß in den österreichischen Staaten die Tortur aufgehoben sei und dem Beispiele der Kaiserin folgten in kurzer Zeit alle Staaten Europa’s. Und das war eine That unseres Sonnenfels, welche die Vertreibung [340] des Hanswurst vom Theater überwiegt und uns seine Sünden wider Lessing vergessen macht.
XIV. Sonnenfels und Goethe. Goethe fand Veranlassung, die Schrift: „Ueber die Liebe des Vaterlandes“, von Sonnenfels, anzuzeigen. Hier geberdete sich der Löwe der deutschen Literatur etwas unwirsch, und fast möchten wir im Hinblick auf die Gegenwart sogar sagen, etwas undeutsch. Goethe fertigt die von Sonnenfels ausgestoßenen doch damals nicht unbegründeten Klagen „Wir haben kein Vaterland, keinen Patriotismus“ mit den etwas banalen Bemerkungen ab: „Wenn wir einen Platz in der Welt finden, da mit unseren Besitzthümern zu ruhen, ein Feld uns zu nähren, ein Haus uns zu decken: haben wir da nicht Vaterland? Und haben das nicht Tausend und Tausende in jedem Staate? Und leben sie nicht in dieser Beschränkung glücklich? Wozu nun das vergebene Aufstreben nach einer Empfindung, die wir weder haben können, noch mögen, und die bei gewissen Völkern nur zu gewissen Zeitpuncten das Resultat vieler zusammentreffender Umstände war und ist?“. Diese curiose Stelle steht wörtlich an unten bezeichneten Platze und wir können nicht umhin, auszurufen: „et quondam magnus dormitat Homerus“. Auch im weiteren Verlaufe dieses kritischen Excurses ist Goethe wenig gut auf Sonnenfels zu sprechen und nennt die von Sonnenfels zu Ende der erwähnten Schrift leicht gezeichneten Skizzen von Patrioten, im Gegensatze zu der Ansicht, welche in Sonnenfels immer den großen Stylisten wahrnimmt, „willkürlich hingesudelte Porträts“. [Goethe’s sämmtliche Werke in dreißig Bänden. Vollständige, neu geordnete Ausgabe (Stuttgart und Tübingen 1851, J. G. Cotta, gr. 8°.) Bd. XXVI, S. 60.]
XV. Sonnenfels’ Charakteristik von Gräffer. In L. A. Frankl’s „Sonntagsblättern“ charakterisirt[WS 10] der alte Gräffer, der Sonnenfels noch persönlich gekannt und viel für dessen gerechte Würdigung thätig war, den verdienstvollen Staatsmann kurz und treffend: „Unser Montesquieu und noch etwas mehr: Sonnenfels! Ein Inslebengreifer, Durchslebengreifer. Er Alles aus und durch sich selber. Was Lessing für Hamburg und Deutschland: er für Wien und die Monarchie, Verjager der Inhumanität, des Ungeschmacks, des Rococo, der Folter, des Hanswurst (um letzteren doch Schade!), Reformator der Schrift- und Geschäftssprache, Administrationsgenie, Bildner unserer berühmtesten Staatsdiener und Lehrer. Seine dreibändigen Grundsätze der Polizei Handlung und Finanz: sieben Auflagen! das Diplom als Mitglied der philosophischen Gesellschaft zu Philadelphia findet nur noch die Witwe. Hormayr wird es statt Sonnenfels. Derselbe, der den Impuls zur Folterabschaffung stets für seines, Hormayr’s Vaters, vindicirt. Kaiser Franz läßt der Witwe die ganze Besoldung als Pension. Kaiser Franz ehrt sich selbst. Sonnenfels war ein ausdruckvolles ansprechendes Israelitengesicht. Das Porträt bei seinem Handbuche der inneren Staats-Verwaltung ist treu. Man sieht das bewegliche Mienenspiel des kleinen beweglichen Mannes. Die eine der auf ihn geprägten Gedächtnißmünzen ist nicht gut, sie sperrt den Mund zu weit auf (sic). Allerdings sprach er viel und gern: er hörte sich gern reden. Man weiß, ein Bittsteller steht eine Stunde vor ihm – er redet kein Wort. Sonnenfels allein spricht ununterbrochen. Er entläßt den Menschen. „Mit dem jungen Manne“, erzählt er, „habe ich mich trefflich unterhalten, er hat Talent“. Eines Abends, spät, fährt er mit einem fremden Gelehrten von Schönbrunn zurück über die Laimgrube. Die Glacis-Laternen brennen lustig, der Himmel ist bewölkt. Plötzlich tritt der Mond hervor und erhellt die Stadt. „Welch’ herrliche Beleuchtung!“ ruft der Fremde aus. Sonnenfels glaubend, er meine die der Laternen, deren Einführung von ihm, entgegnete geschmeichelt: „Sie ist auch von mir“. Der Fremde stutzt.
XVI. Medaillen auf Sonnenfels. Im Vorstehenden gedenkt Gräffer mehrerer auf Sonnenfels geprägter Gedächtnißmünzen. Ich konnte keine finden; auch in der Medaillen-Sammlung des k. k. Münz- und Antiken-Cabinets findet sich nur eine Medaille auf Sonnenfels’ Bruder Franz, deren in dessen Lebensskizze. S. 317, gedacht ist; Medaillen auf Joseph von Sonnenfels besitzt auch das k. k. Münz- und Antiken-Cabinet nicht. Sollte Gräffer die auf Franz geprägte Medaille für eine Medaille auf Joseph von S. gehalten haben? Ueberdieß schreibt Gräffer von mehreren Gedächtnißmünzen. Und keine im kaiserlichen Münz-Cabinet? Da irrt wohl Gräffer.
[341] XVII. Quellen. a) Selbstständige Schriften. Arneth (Alfred Ritter von), Beaumarchais und Sonnenfels (Wien 1868, Braumüller, gr. 8°., 107 S.) [vergl. S. 335, X. Sonnenfels und Beaumarchais. – Feil (Joseph), Sonnenfels und Maria Theresia. Sylvester-Spende für Freunde zum Neujahr 1859 (Wien 1859, Karl Ueberreuter, 8°., 34 Seiten). [Interessantes, die Charakteristik Sonnenfels’ ergänzendes Detail aus Acten des k. k. Unterrichtsministeriums geschöpft. Nicht in den Handel gekommen und darum selten.] – Rollett (Hermann), Briefe von Sonnenfels. Als Beitrag zu seiner Biographie. Mit einer Einleitung und mit Anmerkungen. Herausgegeben von – – (Wien 1874, Braumüller, XII Seiten Einleitung, S. 1–36 Briefe, S 37–44 Anhang. [Vergl. S. 336, XI. Sonnenfels und Klotz, und S. 337, XII. Sonnenfels und Lessing.] – b) In Zeitschriften und anderen Werken über Sonnenfels’ Gedrucktes: Die verschiedenen Conversations-Lexika von Brockhaus, Meyer, Wigand u. s. w übergehen wir. Sie enthalten alle selbstverständlich den Artikel Sonnenfels, ohne sich jedoch in Details einzulassen, da S. doch von specifisch österreichischer Bedeutung ist. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1874, Nr. 280, Beilage: „Abermals eine Rettung“. Von Emil Kuh. – Anemonen. Aus dem Tagebuche eines alten Pilgermannes (von Hormayr), (Jena 1842, Fromman, 8°.) Bd. II, S. 133; Bd. IV, S. 131–136, 141, 142, 147. – Annalen der Literatur des österreichischen Kaiserthums (Wien, Doll, 4°.) 1807, Intelligenzblatt Mai S. 205–209; 1808, Intelligenzblatt December, S. 245. – An Herrn S(onnenfels)., Chef der Maulaffen-Loge auf dem Graben (Wien, 8°.). [Erschien als Libell unter Kaiser Joseph II. als preßfreiheitliches Ragout.] – (Berisch), Die Wiener Autoren (1784), S. 212–215. – Besetzny (Emil Dr.), Die Sphinx. Freimaurerisches Taschenbuch (Wien 1873, L. Rosner, 8°.). S. 96, im Aufsatze: „Historisch-biographische Notizen über die Rosenkreuzer in Wien“. Von G. B. [Ueber die Behauptung, daß Sonnenfels Alchymist war.] – Botzener Zeitung (kl. Fol.) 1864, Nr. 298: „Sonnenfels“. Von Dr. G. E. Haas. – Brunner (Sebastian), Die Mysterien der Aufklärung in Oesterreich 1770–1800 (Wien 1869, Sartorius, 8.°), S. 54–95. [Enthält viele Sonnenfelsiana.] – Chronologie des deutschen Theaters (Leipzig 1774, 8°.) S. 234, 240, 251, 266, 273, 285, 299, 300, 301, 314. – Czikann (Joh. Jac. Heinrich), Die lebenden Schriftsteller Mährens. Ein literarischer Versuch (Brünn 1811, J. G. Traßler, 8°.) S. 154 bis 162. – Fremden-Blatt, Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1868, Nr. 2: „Sonnenfels“. Skizze von –ff–. – Dasselbe 1868, Nr. 146, I. Beilage: „Van Swieten und Sonnenfels“. Historische Charakterskizze von Dr. –n–. – Frankl (Ludw. Aug. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) II. Jahrg. (1843) Nr. 12, S. 265: „Ueber ältere österreichische Schriftsteller. Silhouetten, aus der Erinnerung geschnitten. Von Karoline Pichler. Sonnenfels“. – Dieselben III. Jahrg. (1844), S. 235: „Sonnenfels und die Wiener Schaubühne“. Von Eduard Duller. – Dieselben V. Jahrg. (1846), S. 920: „Sonnenfelsiana“. – Dieselben V. Jahrg. (1846), Nr. 50, S. 1186: „Mein erster und letzter Besuch bei Sonnenfels“. Von N. Fürst. – Dieselben V. Jahrg. (1846), Nr. 52, S. 1235: „Sonnenfels’ Testament“. Mitgetheilt von J. P. – Dieselben VI. Jahrg. (1847), Nr. 4: „Aus Joseph von Sonnenfels’ Leben. Von Dr. Adolph Wiesner, Schicksal im Kriegsdienste und nach erlangtem Abschiede“. – Dieselben VI. Jahrg. (1847), Nr. 11: „Aus Joseph von Sonnenfels Leben“. Von Dr. Adolph Wiesner. – Dieselben VII. Jahrg (1848), Nummer vom 16. Jänner, S. 27: „Die Gesellschaft der Wissenschaften in Wien, Sonnenfels und Moses Mendelssohn“. [Enthält einen Brief von Sonnenfels an Mendelssohn ddo. Wien 16. December 1784 und Eine Antwort von Mendelssohn an Sonnenfels ddo. Berlin 21. Jänner 1785, Sonnenfels als Secretär der damals privat bestehenden Gesellschaft der Wissenschaften in Wien fragt bei Mendelssohn an, ob er ihn als Mitglied der Gesellschaft vorschlagen dürfe.] – Die Gegenwart (Wiener Blatt, 4°.) Jahrgang 1845, Nr. 45: „Biographische Skizze“. – Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz. Von Gubitz (Berlin, 4°.) 1822, Nr. 176: „Briefe von Herrn von Sonnenfels an Nicolai“. [Es sind drei Briefe, datirt Wien 3. April und 28. November 1764 und 9. September 1776, zum TheiI Iiterarischen Inhaltes.] – Gödeke (Karl), Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. [342] Aus den Quellen (Hannover 1859, Ehlermann, 8°.), S. 623, Nr. 321. [Artikeln wie: Bäuerle, Raimund und anderer Oesterreicher entgegenhalten, sticht Artikel Sonnenfels sehr ab.] – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren, historische Novellen, Genrescenen, Fresken, Skizzen u. s. w. (Wien 1845, Fr. Beck, 8°.) Band II, S. 59 u. f., im Aufsatz: „Audienz bei der Kaiserin Maria Theresia“; ebenda, S. 73: „Sonnenfels“. [Eine in Gräffer’scher Manier mit Worten gezeichnete Silhouette S.’s.] – Dieselben Bd. III, S. 112: „Sonnenfels der Vater“; S. 224: „Lessing in Wien (1775)“. – Gräffer (Franz), Jüdischer Plutarch ober biographisches Lexikon der markantesten Männer und Frauen jüdischer Abkunft .... mit besonderer Rücksicht auf das österreichische Kaiserthum (Wien 1848. Ulr. Klopf sen., 8°.) Erstes Alphabet, S 183: „Joseph von Sonnenfels.“ – Gräffer (Franz), „Zur Stadt Wien“, u. z. neue Materialien und Genreskizzen u. s. w. (Wien 1849, A. Pichler’s Witwe, 8°.), S. 58: Ankündigung von Sonnenfels’ liter. Werken in zeitgemäßer Auswahl, und S. 6: Sonnenfelsiana [mehrere pikante und interessante Einzelnheiten]. – Gräffer (Franz), Der Papagei für kurzweilige Zerstreuung (Wien 1839, 12°.) 2. Bändchen, S. 84: „Parallele“. – Hausen und Lueder, Historisches Portefeuille zur Kenntniß der gegenwärtigen und vergangenen Zeiten. 5. Jahrg. (1786), S. 681 in den „Briefen auf einer Reise durch Teutschland“. Von Fabricius. – Illustrirtes Familienbuch des österreichischen Lloyd (Triest, gr. 4°.) I. Jahrg. (1851), S. 312, im Aufsatze: „Ein Besuch in Wien“. – Jördens (Karl Heinrich), Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten (Leipzig 1809, Weidmann, 8°.). Bd. IV, 2. 690–705. – Jüdisches Athenäum. Gallerie berühmter Männer jüdischer Abstammung und jüdischen Glaubens u. s. w. (Grimma und Leipzig 1851, Verlags-Comptoir, 12°.) S. 224. – Kehrein (Jos.), Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (Zürich, Stuttgart, Würzburg 1871, Leo Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 154. – Kink (Rudolph), Geschichte der kaiserlichen Universität in Wien .... Nach den Quellen bearbeitet (Wien 1854, gr. 8°.) Bd. I, S.. 496–501, 507, 567–568, 579, 587–888. – Küttner, Charaktere deutscher Dichter und Prosaisten (Berlin 1781), S. 407 u. f. – (De Luca), Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, von Trattnern, 8°.), I. Bds. 2. Stück, S. 143 bis 181. [Nach Sonnenfels’ eigenen Aufzeichnungen, reicht aber nur bis zum Jahre 1775]. – Märzroth (Dr.), Geister und Gestalten aus dem alten Wien. Bilder, Geschichten und Erinnerungen (Wien 1868, August Prandel, 12°.), im Texte des Artikels: „Das letzte Opfer der Folter“. – Die Materialien für Gesetzeskunde und Rechtspflege in den österreichischen Staaten. Herausgegeben von Karl Jos. Freiherrn Pratobevera (Wien 1814 u. f., 8°.) Bd. IV, S. 405. – Meusel (Joh. Georg), Das gelehrte Deutschland (Lemgo 1796–1806), Bd. VII, S. 539–542; Bd. XI, S. 82–83. – Militär-Zeitung. Herausgeg. von Hirtenfeld (Wien, gr. 4°.) 1868, Nr. 20, S. 159: „Sonnenfels als Corporal bei Hoch- und Deutschmeister“. Von K. v. St., k. k. Hauptmann, – Monatschrift für Theater und Musik. Herausgeber Joseph Klemm (richtig Fürsten Czartoryski) IV. Jahrg. (1858), S. 77 und 141, in der „Geschichte der k. Hoftheater in Wien“. – Müller (J. H. F.), Abschied von der k. k. Hof- und Nationalbühne. Mit einer kurzen Biographie u. s. w. (Wien 1802, J. B. Wallishausser, 8°.) S. 54, 69, 73–89, 106. – Müller. Genaue Nachrichten von beyden k. k. Schaubühnen in Wien (Wien 1772, 8°.), S. 12 u. f. – Neue freie Presse (Wiener politisches Blatt) 1867, Nr. 1195, im Feuilleton: „Aus Sonnenfels’ letzten Lebensjahren“ (ein ungedrucktes Schreiben). Von H. M. Richter. [Ein interessanter Beitrag zur Geschichte seines Lebens in seinen letzten Lebensjahren und seiner Opposition gegen die damaligen Verhältnisse und Machthaber, vornehmlich Metternich.) – Dieselbe 1868, Nr. 1264, in der Kleinen Chronik: „Sonnenfels als Corporal bei Hoch- und Deutschmeister“. – Dieselbe 1869, Nr. 1651, im Feuilleton: „Lessing und Sonnenfels“. Von H. M. Richter. – Dieselbe 1875, Nr. 3150, im Feuilleton: „Geistesströmungen“. [Anläßlich des Buches von H. M. Richter „Einzelheiten über Sonnenfels“.] – Neue illustrirte Zeitung (Wien, Zamarski, kl. Fol.) IV. Jahrg. (1876), Bd. I, Nr. 8: „Joseph von Sonnenfels, der Lessing Oesterreichs“. Von M. M.. – Nicolai (Fr.), Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz [343] (1781) Bd. III, S. 353–357; Bd. IV, S. 694 und 893–902. – Derselbe, Allgemeine deutsche Bibliothek 14. Bd. (1770). – (Oehler), Geschichte des gesammten Theaterwesens in Wien (Wien 1803), Seite 155–156 und 175–226. – Oesterreichischer Hauskalender. Herausgegeben von Franz Sartori (Wien, 8°.) Jahrg 1820, S. 38. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 71. – Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1831, M. Chr. Adolph, 8°.), Bd. III, S. 88 u. f. – Oesterreichische Revue. Herausgeg. von J. B. Mayer (Wien, Gerold, gr. 8°.) 1867, Heft II, S. 96; Heft III, S. 110; Heft IV, S. 87; Heft V, S. 76: Aus dem Zeitalter der Aufklärung. Fragmente von H. M. Richter [Enthält Manches zu Sonnenfels’ Biographie.] – Oesterreichische VoIkswirth. Wochenblatt für Geld-, Effecten- und Waarenverkehr (Wien, 4°.) IV. Jahrg. (1861), Nr. 31–34: „Sonnenfels. Eine Studie“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 302, im Feuilleton: „Kritik und Theater vor hundert Jahren“. Von Dr. K. R. [Ueber Sonnenfels’ Stellung zur Bühne und seine theatralische Kritik.] – Dieselbe 1866, Nr. 1 im Feuilleton: „Ein denkwürdiger Tag“, „Von K. R. [Feiert Sonnenfels als Urheber der Aufhebung der Folter in den österreichischen Erblanden.] – Dieselbe 1870, Nr. 38, im Feuilleton: „Sonnenfels-Studien. I. Zeitverhältnisse – Leben“: Nr. 42: II. „Sonnenfels und seine Zeitgenossen“; Nr. 47: III. „Sonnenfels und die Wiener Schaubühne“, Von Professor Franz Mayer. – Schimmer (Karl August), Bilder aus der Heimat. Oesterreichische Volksschrift. Zweite Ausgabe (Wien 1853, A. Pichler’s Witwe u. Sohn, gr. 8°.): „Die erste Vorlesung des Hofrathes von Sonnenfels nach dem Tode Maria Theresia’s, nebst einem bisher ungedruckten Actenstücke“. – Streffleur, Militärische Zeitschrift (Wien, gr. 8°.) 1865, Bd. I, S. 63: „Sonnenfels als Corporal bei Deutschmeister“. [Auch Neue freie Presse 1868, Nr. 1264.) – Taschenbuch für die vaterländische Geschichte. Herausgeg. von Hormayr und Mednyansky (Wien, 12°.) Jahrg. 1841, S. 127 u. f. – Allgemeine Theater-Zeitung. Herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) XI. Jahrg. (1847), Nr. 54, 55, 56: „Sonnenfels als Selbstbiograph“, Von Realis. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jahrg. 1808, S. 353 u. f.: „Schreiben des Königs Max Joseph von Bayern an Sonnenfels“; 1813, S. 105 u. f.: „Sonnenfels’ Reden in der Akademie der bildenden Künste“; 1817, S. 141–143: Nekrolog mit Czikann’s biographischen Angaben. – Constitutionelle Vorstadt-Zeitung (Wiener polit. Blatt) 1867, Nr. 342, im Feuilleton: „An der Elisabethbrücke“. Von Dr. Märzroth. – Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1869, Nr. 182, im Feuilleton: „Ueber Joseph von Sonnenfels“. [Ueber Brunner’s Verdächtigungen, Sonnenfels betreffend.] – Weidlich (Christoph), Biographische Nachrichten von den jetztlebenden Rechtsgelehrten in Deutschland (Halle 1781 u. f., Knetschke u. S., 8°.), Theil IV, S. 202–227. [Wörtlich nach De Luca.] – Wolf (Adam), Oesterreich unter Maria Theresia (Wien 1855). [Enthält Mehreres über Sonnenfels.]

Berichtigungen und Nachträge

  1. Hier sei es gestattet, einen Druckfehler zu berichtigen, der sich im XXXV. Bande, im Artikel Sonnenfels, S. 323, eingeschlichen hat. Durch denselben wird Stephanie’s Pasquill auf Sonnenfels „Der Tadler nach der Mode“ zum „Jodler nach der Mode“ verwandelt. Stephanie, Gottlieb [Bd. 38, S. 223.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Polizeihandlung.
  2. Vorlage: Wohthäter.
  3. Schlözer, August Ludwig von (ADB).
  4. Vorlage: Staatsververwaltung.
  5. Vorlage: [Bd. IX, S. 103].
  6. Vorlage: 1723.
  7. Vorlage: Georg Heinrich Roepe. Korrigiert nach Röpe, Georg Reinhard (ADB).
  8. Jean Calas (Wikipedia).
  9. Vorlage: Monaco.
  10. Vorlage: charakteristirt.