BLKÖ:Stix, Clemens Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 39 (1879), ab Seite: 61. (Quelle)
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Stix, Clemens Franz (Schauspieler und dramatischer Schriftsteller, geb. zu Wien im Jahre 1822, gest. ebenda 8. Mai 1872). Sein Vater war herrschaftlicher Beamter und sein Taufpathe niemand Geringerer als Fürst Clemens Metternich. Die unteren Schulen und das Gymnasium besuchte Stix in Wien, und nachdem er letzteres beendet, trat er als Praktikant bei dem Wiener Magistrat in Dienst. Damals schon, es war zu Anfang der Vierziger-Jahre, regte Stix seine schriftstellerischen Schwingen, und in der Bäuerle’schen „Theater Zeitung“ wie in Seyfried’s „Wanderer“ lassen sich seine ersten Flüge beobachten. Man begegnet in genannten Blättern oft dem Namen Stix unter humoristischen Aphorismen. Sie reichten im Vormärz aus, um eben eine Lücke zu füllen, für welche der Setzer kein anderes passendes Manuscript hatte. Allmälig wagte er sich schon an Größeres, und im Jahre 1845 brachte er im Theater in der Josephstadt sein erstes – einactiges – Stück „Herr und Diener“ zur Aufführung. Zwei [62] Jahre später wagte er mit niemand Geringerem, als mit Saphir zu rivalisiren, denn er trat in einer zum Besten der Hinterbliebenen des Schriftstellers Wiest veranstalteten Akademie als Vorleser à la Saphir auf. Im folgenden Jahre, 1848, versuchte er sich auf journalistischem Gebiete und begann die Herausgabe eines humoristisch-satirischen Tageblattes mit dem echt vormärzlichen, den Ueberschriften der Bäuerle’schen Theater-Zeitungs-Rubriken abgelauschten Titel: „Er mengt sich in Alles“. Das Blatt erschien in den letzten Tagen des Juli; sein Programm war vom 21. Juli datirt. Die ersten drei Nummern dieses bei M. Lell gedruckten Journals, das als Motto die Phrase: „Heiter auch in ernster Zeit“ trug, erschienen in Octav, die vierte und letzte in Quart. Uebrigens hatte er noch vor Ausbruch der Revolution seinen Dienst im Magistrate aufgegeben und war Schauspieler geworden, als welcher er noch die Stelle eines Theaterdichters zu übernehmen gedachte. Nach dem er die ersten Jahre an verschiedenen Provinz-Bühnen das Lampenfieber überstanden und die wechselnden Functionen des Sesselaustragens, Anmeldens u. s. w. geübt, endlich auch einige eigentlichen Rollen gespielt, kehrte er im Jahre 1852 nach Wien zurück, wo er zunächst bei Director Carl an dem nach Diesem benannten Theater ein Engagement fand. Nach öfteren Unterbrechungen desselben kam er ans Theater in der Josephstadt; zuletzt ans Fürst’sche Volks-Theater. Aus dieser letzten Stelle verdrängte ihn der Tod, der ihn im Alter von 50 Jahren ereilte. Stix hinterließ seine Frau mit zwei Kindern in den kümmerlichsten Verhältnissen. Während seines Aufenthaltes bei der Bühne hat Stix eine große Menge von Stücken geschrieben, von denen sich manche gar nicht übel ausnehmen und ohne weiteren Zweck als den, einen Abend und eine Repertoirelücke auszufüllen, ihren Platz behaupten. Aus den früheren Jahren sind davon zu nennen: „Zahnschmerzen“ (im Carl-Theater); – „Die schöne Schusterin“, – „Eine Wiener Bürgerstochter“, – „Der Hausherr in der Josephstadt“, – „Das Herzbünkerl“ (diese vier im Josephstädter Theater); – „Die Familie Flott“ (im Volks-Theater im Prater). – Aus den späteren Jahren nennen wir die einactigen Bluetten: „Nr. 20 beim Ross oder Folgen einer Journalnotiz“ (1863); – „Bauer und Debardeur“, Schwank (1865); – „Ein Narren-Ball“, Faschingsposse, – „Die feschen Huterermadeln“, Posse mit Gesang, und „Der Rutschepeter“, parodirender Scherz (die letzten drei im Jahre 1866). So harmlos sämmtliche Arbeiten von Stix sind, denn Stix’s vormärzliche Muse kommt nicht über den gewöhnlichen Spaß hinaus, so geschah ihm doch das Unerwartete, daß ihm im Jahre 1871, also ein Jahr vor seinem Tode, ein Volksstück „Die Klosterbraut“ verboten wurde. Stix besaß heitere Einfälle, schlagfertigen Witz, war aber gegenüber den Zeitverhältnissen von einer Naivität ohne Gleichen, wofür schon die Thatsache spricht, daß er im Juli 1848, als bereits die Wogen der künstlich genährten Bewegung thurmhoch gingen, mit der Herausgabe eines gewöhnlichen Witzblattes den Versuch wagte, während den Wiener Damen vom Standl und den Fiakern der Engländer-Willi-Beck’sche „Charivari“ (die Katzenmusik) kaum noch die richtige Farbe auftrug.

Illustrirtes Wiener Extrablatt, 11. Mai 1872, Nr. 47: „C. F. Stix“. Von (Wi)mm(er). [63]Zellner’s Blätter für Theater, Musik, Kunst u. s. w. (Wien, kl. Fol.), 1872, Seite 156.