BLKÖ:Töpper, Andreas von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Toepper, G. A.
Band: 45 (1882), ab Seite: 248. (Quelle)
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Töpper, Andreas von (Industrieller, geb. zu Schwanberg in Steiermark am 10. November 1786, gest. 27. April 1872). Der Hafnermeister Michael Töpper in Schwanberg dachte seinen Sohn für sein Geschäft heranzuziehen. Da derselbe aber entschiedene Vorliebe für Eisenarbeit zeigte, so entschloß sich der Vater endlich, ihn zum Nachbar Zeugschmied in die Lehre zu geben. Schon in zwei Jahren zum tüchtigen Gesellen ausgebildet, ging Andreas auf Wanderschaft, arbeitete in Gratz, dann in Weiz, wo er durch seine tüchtigen Arbeiten die Aufmerksamkeit des Blechfabrikanten Neitter zu Krems in Steiermark auf sich zog, der ihn bald so lieb gewann, daß er ihn einlud, zu ihm nach Krems zu übersiedeln. Töpper folgte dieser Einladung im Jahre 1809. Bald führte er zwei Arbeiten, die ganz abseits von seinem eigentlichen Handwerke lagen, mit solcher Vollendung aus, daß sie Aufsehen erregten. Er fertigte nämlich für einen Papiermüller geschmiedete – nicht gewalzte – Preßspindeln in solcher Güte, daß ihm dieser für die Arbeit 4000 fl. bezahlte. Dann führte er für einen Goldarbeiter Walzen für dessen Drähte in solcher Vollkommenheit aus, daß Neitter den geschickten Gesellen nunmehr als Werkführer in seiner Fabrik aufnahm. Jetzt lebte Töpper in den angenehmsten Verhältnissen, mehr Freund als Diener seines Herrn, und erst nach langem Zureden seiner Freunde kaufte er in den Gruben bei Leoben ein kleines Werk an, um als selbständiger Gewerke sein Glück zu versuchen. Aber Neitter, wie schwer er ihn auch verlor, bewahrte ihm seine Freundschaft und ehrte beim Scheiden den treuen Diener durch ein namhaftes Geschenk. Nun richtete Töpper sein eigenes Walzwerk ein, betrieb es 1815 bis 1817 und verkaufte es dann an seinen Schwager. Als 1818 zu Neubruck bei Scheibbs in Niederösterreich ein kleines Zerrennhammerwerk zum Verkauf ausgeboten wurde, brachte er es an sich, und nun ging sein Wirken ins Große. In der Absicht, die erste Eisen-, Stahl- und Walzblechfabrik in Oesterreich zu errichten, demolirte er das alte Hammerwerk. Mit großen Kosten und nach Besiegung bedeutender Hindernisse ward das Ganze vollendet. Nun aber vereitelten ihm [249] Scheelsucht und Neid die Eröffnung des Betriebes, bis er in Kaiser Franz einen Förderer fand. Der Monarch, der den Sommeraufenthalt in Persenbeug zu nehmen liebte, hörte von Töpper’s neu erstehendem Werke, beehrte dasselbe mit einem Besuche und wurde beim Anblick des großartigen und nützlichen Unternehmens sofort der Gönner des Industriellen. Nun lösten sich die größten Schwierigkeiten wie Eis im Sonnenschein. Im Jänner 1821 erhielt Töpper auf seine Erfindung in der Eisen-, Stahl und Walzblecherzeugung mittels geschlossener Ständer ein fünfzehnjähriges ausschließliches Privilegium und im Jahre 1827 zur Aufmunterung und als lohnende Anerkennung der Güte seines Fabrikates die Bewilligung zur Führung des kaiserlichen Adlers auf seinen Werken und Fabrikaten, nach Ablauf der Privilegiumszeit 1836 aber eine förmliche Landesfabriksbefugniß und noch im nämlichen Jahre ein ausschließliches Privilegium auf die Erzeugung aller Gattungen Streckeisen mittels Walzen und gepreßter Kopf- und Schindelnägel. In den „Vaterländischen Reiseskizzen“, welche Ebersberg’sOesterreichischer Zuschauer“ im Jahrgange 1837 veröffentlichte, ist eine genaue Darstellung dieser großen Walzwerke und der damit verbundenen Einrichtungen enthalten. Das Wasser ist hier die bewegende Kraft, und eine Maschine allein verarbeitete täglich drei Centner Eisen zu 120.000 Stück Nägeln. 1840 erhielt Töpper ein neues Privilegium auf die Verbesserung der Eisenzerrennung und Verfrischung, in geschlossenen Zerrennfeuern mit Benützung der heißen Luft auch alle Gattungen Flammöfen zu beheizen; bei der Gemeinnützigkeit dieses Verfahrens hinsichtlich der bedeutenden Holz- und Kohlenersparung verzichtete er aber schon im folgenden Jahre auf sein Vorrecht zum allgemeinen Besten. Unter seiner umsichtigen Leitung wuchs das Unternehmen in gedeihlichster Weise und bestand schon 1862 aus einer Stahl-, Walzenblechnägel- und Gasröhrenfabrik zu Neubruck bei Scheibbs, aus einer Gasröhrenfabrik in Gaming, einem Großzerrennhammer und Pudlingswerke in Linz und einem Steinkohlengewerke zu Gresten in Niederösterreich. Damals betrug ihre jährliche Production 12.000 bis 15.000 Centner Frischeisenwaaren, bei welchen 220 Arbeiter stabile Beschäftigung fanden. Im Jahre 1873 erhob sich die Production auf 35.000 Centner Eisenwaaren mit 30 theils ober-, theils rückenschlachtigen Wasserrädern, einer Turbine mit zusammen 300 constanten Pferdekräften und 150 stabilen Arbeitern, Dr. Arenstein’s „Oesterreichischer Bericht über die internationale Ausstellung in London 1862“ gibt auf Seite 32 im guten Holzschnitt eine treue Ansicht von Töpper’s Eisen-, Stahl- und Walzenblechfabrik bei Scheibbs. An Auszeichnungen hat es unserem Industriellen auch nicht gefehlt. So erhielt er auf den Industrieausstellungen 1839 und 1845 zu Wien die große goldene Medaille, dieselbe auf den Ausstellungen 1841 und 1846 zu Gratz und Linz, die Preismedaille auf der Ausstellung 1851 zu London, die Ehrenmünze auf jener zu München 1854 und die Medaille erster Classe zu Paris 1868, von ah. Seite aber wurde er durch das goldene Verdienstkreuz, 1863 durch das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens und später durch Verleihung des Adels ausgezeichnet. Mit den oben dargestellten Verdiensten Töpper’s auf industriellem Gebiete gingen Hand in Hand seine humanistischen, denn er war ein wahrer [250] Vater seiner Arbeiter und sorgfältig bemüht, die sociale Stellung derselben, sowie aller seiner Bediensteten zu heben und zu verbessern. Für seine Bestrebungen nach dieser Richtung erkannte ihm die Jury der großen internationalen Ausstellung 1868 in Paris die Belobung zu, eine Auszeichnung, welche nur Wenigen im Kaiserstaate zutheil wurde.

Der Alpenbote (Localblatt in Stadt Steyr) 1868, Nr. 8, im Feuilleton: „Herr Andreas von Töpper in Scheibbs“. – Arenstein (Jos. Prof. Dr.). Oesterreich auf der internationalen Ausstellung 1862. Im Auftrage des k. k. Ministeriums für Handel und Volkswirthschaft (Wien 1862, Staatsdruckerei, schm. 4°.) S. 16, Nr. 71. – Derselbe, Oesterreichischer Bericht über die internationale Ausstellung in London 1862 (Wien 1863, Staatsdruckerei, schm. 4°.) S. 38, 39 und 62. – Exner (Wilhelm Franz Dr.). Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Redigirt von – (Wien 1873, Braumüller, gr. 8°.). Erste Reihe: „Rohproduction und Industrie“, S. 367. – Jonak (Eberhard A. Dr.). Bericht über die allgemeine Agricultur- und Industrie-Ausstellung im Jahre 1855 (Wien 1857/8, Staatsdruckerei, 8°.) Bd. I, 1. Classe, S. 125; Bd. II, 16. Classe, S. 95. – Systematische Darstellung der neuesten Fortschritte in den Gewerben und Manufacturen und des gegenwärtigen Zustandes derselben…. Mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat. Herausgegeben von Steph. Ritter von Keeß und W. C. W. Blumenbach (Wien 1830, Gerold, gr. 8°.) Bd. II, S. 366 und 367. – Weltausstellung 1873 in Wien. Amtlicher Katalog der Ausstellung der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder Oesterreichs (Wien 1873,. Druckerei des Journals „Die Presse“, 8°.) S. 254, Nr. 400. – Der österreichische Zuschauer. Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und geistiges Leben. Herausgegeben von Ebersberg (Wien, 8°.) 1837, Nr. 49: „Vaterländische Reiseskizzen“. – Derselbe, 1857, Nr. 23, S. 361 u. f.: „Andreas Töpper. Lebensbild eines Mannes aus dem Volke“. Von Dr. F. C. Weidmann.