BLKÖ:Vlček, Johann Baptist Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vlček, Wenzel
Band: 51 (1885), ab Seite: 111. (Quelle)
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Vlček (sprich Weltschek), Johann Baptist Joseph (čechischer Schriftsteller, geb. zu Gitschin in Böhmen am 27. August 1805). Den ersten Unterricht [112] genoß er in der Hauptschule seiner Vaterstadt. Die deutsche Sprache erlernte er von seiner in Dresden erzogenen Mutter, die čechische auf dem Gymnasium durch Professor Chmela [Bd. XI, S. 380]. Während er dasselbe besuchte, verwendete er auch viel Fleiß auf die classischen Sprachen, vornehmlich auf die griechische, und übersetzte einige Gesänge der „Ilias“ von Homer ins Lateinische. Als er dann in die Humanitätsclassen vorrückte, setzte er an die Stelle des čechischen die Pflege des deutschen Idioms, und in dieser Zeit hat er auch ein Schauerdrama: „Berthold von Urach“ in deutschen Versen verbrochen. Das Čechische aber betrieb er zu Hause, wo sein Vater einen kleinen Schatz guter čechischer Bücher besaß, so die Melantrische Bibel, das Kräuterbuch von Veleslavin, das Labyrinth von Comenius u. dgl. m., und so bildete er durch Lecture vaterländischer Werke sich selbst in der Sprache und Literatur seines Volkes. Den philosophischen Curs hörte er in Prag, wohin sein Vater ihm zu Liebe übersiedelte. Daselbst wurde er in den seinerzeit vielgepriesenen Orden der Kreuzherren mit dem rothen Sterne aufgenommen und beendete bei denselben auch die theologischen Studien, trat aber dann in den Stand der Weltgeistlichen über, erlangte am 7. December 1828 die Priesterweihe und widmete sich der Seelsorge. Er ging als Caplan zunächst nach Vinař, 1830 nach Zlonice und 1832 nach Benatek an der Iser; dann an die Pfarre St. Castulus in Prag, an welcher er neun Jahre verblieb, und von dieser an die Pfarre St. Stephan daselbst, an welcher er zehn Jahre wirkte, bis der angestrengte Dienst seine Gesundheit so angriff, daß er die Seelsorge aufgeben mußte. Seit 1854 lebt er als Schloßcaplan zu Komotau. Frühzeitig literarisch thätig, trat er auf den verschiedensten Gebieten der Literatur theils mit Originalarbeiten, theils mit Uebersetzungen in die Oeffentlichkeit. Wir führen seine Schriften, so weit sie uns bekannt, Originale wie Uebertragungen, in chronologischer Ordnung auf: Hesiodovy nauky domácí českým hlaholem vydané“, d. i. Hesiod’s „Werke und Tage“ in čechischen Klanglauten wiedergegeben (Prag 1833, Špinka, 8°.); – „Staročeský zpěv o umučení p. našeho Ježíše Krista, z dávného rukopisu pro svou prostotu a milost… poprvé na světlo daný“, d. i. Altböhmisches Lied vom Leiden unseres Herrn Jesus Christus, aus einer alten Handschrift seiner Einfachheit und Lieblichkeit wegen... zum ersten Male aus Licht gebracht (Prag 1837, J. Spurný, 8°.); mit Beigabe einer alten Composition und des dazu gehörigen Orgelsatzes (8°.); – „Písen ke mši sv. za zesnulé“, d. i. Gesang zur h. Messe für Verstorbene (Prag 1837), dann auch noch andere Lieder auf den h. Wenzel, den h. Prokop, den h. Adalbert u. s. w.; – „Theofrastovy Povahopisy přeložil a vysvěstlil“, d. i. Theophrast’s „Charaktere“, übersetzt und erläutert (Prag 1838, W. Heß, 8°.) – „Hanička s kuřátky. Idyllicko-epická básen“, d. i. Hannchen mit den Küchlein (Prag 1840, W. Heß, 12°.); Uebersetzung der berühmten Idylle: „Hannchen und die Küchlein“ von A. Ch. Eberhard; – „Homerova Iliada. Přeložením“, d. i. Homers „Ilias“. Uebersetzt (Prag 1842, J. Spurný, gr. 8°.); bildet den ersten Band der „Classiker-Bibliothek“ („Bíbliotéka klassikův“); – „Mythologie čili bájesloví u Řeků a Římanů“, d. i. Mythologie oder Göttergeschichten [113] der Griechen und Römer (Prag 1843); – „Všezvěd aneb povodeň Pražská r. 1845 fraška“, d. i. Der Allwisser oder die Prager Ueberschwemmung im Jahre 1845. Posse (Prag 1845); – „Bílá paní aneb Sladká kaše. Národní fraška v 1 jednání“, d. i. Die gewesene Frau oder der süße Brei. Volksposse in einem Acte (Prag 1845, Wenzel Heß, 12°.); – „Jeftovna aneb slib vévody, tragedie v 5 dějství“, d. i. Jefte oder das Gelöbniß des Woiwoden. Tragödie in fünf Handlungen (Prag 1845, J. Spurný, 8°.); – „Pohled na starověkou Prahu na okoliny její na východe a na západě“, d. i. Blick auf das alte Prag, seine Umgebung nach Ost und West (Prag 1848, J. Spurný, 8°.); – „Aratova Fainomena“, d. i. Des Aratus aus Soli Lehrgedicht: „Phaenomena“, im ersten Theile von Amerling’s „Orbis pictus“. Ferner schrieb er zu J. Jaroslav Kalina’s „Básnické spisy, z pozůstalosti“, d. i. Poetische Schriften aus dem Nachlasse J. Jaroslav Kalina’s (Prag 1852), den das Werk einleitenden Lebensabriß des Poeten und war Mitarbeiter der čechischen belletristischen Blätter: „Květy“, d. i. Blüten, „Včela“, d. i. Die Biene, und „Krok“. Druckbereit hat er die von ihm redigirte und mit dem Lebensabriß der Dichterin versehene Zusammenstellung der Gedichte Anna Hašek’s; ferner ein altčechisch-lateinisches Wörterbuch in drei Theilen, wie dasselbe vor 200 Jahren von einem Jesuiten in Gitschin verfaßt wurde, und das insbesondere deshalb sehr schätzbar ist, weil es viele Originalausdrücke für Naturproducte enthält. Ueberdies bewahrt er in Handschrift zahlreiche Arbeiten aus verschiedenen Fächern. Schließlich sei noch bemerkt, daß Vlček seine vorerwähnten Schriften unter den verschiedenen hier folgenden Pseudonymen: Vlčovský, Vlčkovský, Vlčkovec und Sykyška herausgegeben hat.

Šembera (Alois Vojtěch). Dějiny řeči a literatury československé. Vek novější, d. i. Geschichte der čechoslavischen Sprache und Literatur. Neuere Zeit (Wien 1868, gr. 8°.) S. 305. – Jungmann (Jos.)). Historie literatury české, d. i. Geschichte der čechischen Literatur (Prag 1849, Řiwnáč, 4°.). Zweite von W. W. Tomek besorgte Auflage, S. 652.