BLKÖ:Waldeck-Wildungen, Georg Friedrich Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 52 (1885), ab Seite: 172. (Quelle)
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Georg Friedrich (Waldeck-Eisenberg) in der Wikipedia
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4. Georg Friedrich, erster Fürst von Waldeck-Wildungen (geb. 8. März 1620, gest. zu Arolsen 19. November 1692). Ein Sohn Vollraths Grafen von Waldeck-Wildungen aus dessen Ehe mit Anna geborenen Markgräfin von Baden-Durlach, diente er anfänglich als Oberst bei den fränkischen Kreistruppen, wurde dann Generalmajor unter Karl Gustav von Schweden und that sich in der Schlacht bei Warschau hervor. 1664, im Treffen bei St. Gotthart, zeichnete er sich ganz besonders aus, so daß ihn der Kaiser in einem eigenhändigen Schreiben beglückwünschte und seiner Gnade [173] versicherte. Nun commandirte er als Reichs-Feldmarschall am Rhein gegen die Franzosen. Am 17. Juni 1682 in den Reichsfürstenstand erhoben, wohnte er im folgenden Jahre mit den Reichs- und Kreistruppen dem Entsatze der Stadt Wien von den Türken bei und commandirte am 12. September, dem Entscheidungstage, gemeinschaftlich mit dem Kurfürsten von Bayern das Centrum des ersten Treffens, während den linken Flügel desselben der Herzog von Lothringen und der Kurfürst von Sachsen, den rechten aber der König von Polen befehligte. 1685 focht er als Commandant des rechten Flügels bei Gran und trug wesentlich zum Siege bei. Eine dem Herzog von Lothringen, dem Kurfürsten von Bayern und dem Fürsten von Waldeck zu Ehren geprägte Gedächtnißmünze bewahrt das Andenken an den Tag der Schlacht und die Heldenthat der drei Genannten. Im folgenden Jahre erhielt er als Reichsfürst Sitz und Stimme auf dem Reichstage. Nun beriefen ihn die Generalstaaten der Vereinigten Niederlande zum Feldmarschall und Gouverneur zu Mastricht und übertrugen ihm, als die Franzosen Miene machten, sich in den Niederlanden weiter auszubreiten, den Oberbefehl über die Armee, welche gegen Frankreich ins Feld zog. Am 25. August 1689 beabsichtigten die Franzosen bei Walcourt in einem Angriff der holländischen Cavallerie die Vernichtung derselben; es sollte auf diese Art der St. Ludwigstag ganz besonders festlich begangen werden; aber Fürst Waldeck, der ihnen eine starke Niederlage bereitete, vereitelte dadurch dieses Vorhaben. Weniger glücklich war er am 1. Juli 1690 bei Fleury, wo die deutschen Bundestruppen sozusagen bereits den Sieg in Händen hatten, als ihnen derselbe durch die Raubgier der deutschen Söldner, welche sich nicht abhalten ließen, zu plündern, entrissen wurde. Aber dieser Sieg der Franzosen – an 12.000 derselben bedeckten zum Theile todt, zum Theile verwundet, die Wahlstatt – glich mehr einer Niederlage. 1691 führte der Fürst gemeinschaftlich mit dem Könige von England das Heer der Alliirten gegen die Franzosen. Am 6. April 1689 war er zum Großmeister des Johanniterordens gewählt worden. Georg Friedrich hatte sich 1643 mit Elisabeth Charlotte geborenen Gräfin Nassau-Siegen vermält, welche ihm vier Söhne und vier Töchter gebar. Von Ersteren starben alle in ihrer Kindheit, von Letzteren vermälte sich Luise Amalie (geb. 1653, gest. 1714) dem Grafen Georg von Erbach und Henriette (geb. 1666, gest. 1702) dem Herzoge Ernst von Sachsen-Hildburghausen. Mit dem Fürsten Georg Friedrich erlosch die reichsfürstliche Linie Waldeck-Wildungen. [Le Chevalier Temple, Remarques sur l’estat des Provinces unies de Pays bas, p. 124. – Happelii. Kernchronik, S. 85–86[WS 1]. – Melissante’s jetztlebendes Europa, V. Theil, S. 1 u. f. Beckmann. Beschreibung des Johanniterordens, S. 227 u. f. – J. S. N(emetz). Vernünftige Gedanken über allerhand historische, kritische und moralische Materien u. s. w. (Frankfurt a. M. 1740, Andreä, 8°.) III. Theil, S. 6, 7, 8, 9. – Im fürstlichen Familienarchive aber befindet sich in Manuscript die ausführliche Biographie des Fürsten Georg Friedrich von dem mecklenburgisch-strelitzischen Präsidenten und geheimen Rathe von Rauchbar, der ehedem bei dem Fürsten als Hofrath in Diensten gestanden. – Porträts. 1) E. Hagens sc., 4°., Hüftbild. – 2) Auch in Merian’s„Theatrum europaeum“.] –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: S. 85–56.