BLKÖ:Wander von Grünwald, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 53 (1886), ab Seite: 55. (Quelle)
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Wander von Grünwald, Joseph (Topograph und Schriftsteller, geb. zu Turnau im Bunzlauer Kreise Böhmens am 21. October 1759, gest. in Prag 13. April 1822). Den ersten Unterricht erhielt er in seinem Geburtsorte, dann 1772–1777 seine weitere Bildung auf dem Gymnasium zu Kosmanos. Die beschränkten Mittel der Eltern gestatteten ihm nicht den Besuch der Hochschule in Prag, so trat er denn am 13. August 1778 als Kanzleipracticant bei dem Bunzlauer k. Kreisamte ein und wurde Anfangs October 1780 zweiter, später erster Kanzlist dieser Kreisbehörde. Indessen setzte er eifrig seine Selbstbildung fort, begann auch, von dem Gubernialrath Joseph Ritter von Riegger [Bd. XXVI, S. 121] aufgemuntert, einzelne Arbeiten, welche zur Kenntniß seines engeren Vaterlandes beitrugen, zu veröffentlichen, und so geschah es, daß er auf Riegger’s Fürsprache schon am 26. Juli 1792 zum Actuar der k. k. Straßenbaudirection in Böhmen ernannt und so nach Prag, dem Ziele längst gehegter Wünsche, übersetzt wurde. Daselbst erwarb er sich durch seine Tüchtigkeit im Amte und seine anderen Arbeiten das Wohlwollen und Vertrauen seines Vorstandes, des k. k. Straßenbaudirectors Freiherrn von Born, des Bruders des in der österreichischen Literatur rühmlichst genannten Mineralogen Ignaz von Born [Bd. II, S. 71], und wurde in Anerkennung seiner bisherigen Leistungen und sonstiger amtlicher Tüchtigkeit nach seines Vorstandes im Jahre 1807 erfolgtem Tode als dessen Nachfolger zum Straßenbaudirector Böhmens befördert. In diesem Wirkungskreise entfaltete er eine ersprießliche Thätigkeit: er gründete eine bessere Dotirung und Einnahme des Straßenbaufondes, erwirkte durch Erfindung und Einführung kräftiger Controlen, sowie durch eine einsichtsvolle wohlberechnete Wirthschaft bei den verschiedenen Bauprojecten ansehnliche Ersparungen, förderte in Böhmen die Fortschritte des kunstmäßigen Straßen- und Brückenbaues, so daß seit seiner Oberleitung (1807), bei deren Antritt er 388.790 Klafter oder 971/4 Meilen Kunststraßen übernahm, dieselben um 836.874 Klafter oder 2091/4 Meilen vermehrt wurden, und also in den 15 Jahren seiner Direction in theueren Zeiten doppelt so viel geleistet ward, als in hundert vorhergegangenen wohlfeilen Jahren. Nicht geringen Einfluß auf den Aufschwung des Straßenbaues in Böhmen, der noch heute in der Aera der Eisenbahnen kaum von dem einer anderen Provinz des Kaiserstaates übertroffen sein dürfte, übte sein Werk. „Kurze Anleitung zur Ausbesserung der Strassen nach gemeiner Art, mit Rücksicht auf Böhmen. Mit 2 KK. und 1 Tabelle“ (Prag 1808, [[BLKÖ:Schönfeld, Johann Ferdinand Ritter von|Schönfeld], gr. 8°.), in welchem er, nachdem er die großen Vortheile des Straßenbaues [56] auseinandergesetzt, die bis dahin bestandenen Vorurtheile gegen denselben widerlegt und zerstreut und so selbst in den unteren Schichten der Bevölkerung die Bereitwilligkeit für kunstmäßigen Straßenbau weckte und beförderte. In Folge dessen ließen sich sehr viele Dominien des Landes zur freiwilligen Straßenbauconcurrenz in der Art herbei, daß die Gemeinden den Bau der Straßen, die Obrigkeiten aber die Kosten zur Herstellung der auf denselben nöthigen Brücken, Geländer, Terrassen u. s. w. übernahmen. Böhmen erhielt dadurch in einem kurzen Zeitraume, während dem Aerare viele Millionen erspart wurden, große Strecken herrlich gebauter Kunststraßen. Dieses Wirken blieb höchsten Ortes nicht unbeachtet und ungewürdigt. Im Jahre 1811 erhielt Wander die große goldene Civil-Ehrenmedaille sammt Kette; mit allerhöchster Entschließung vom 22. März 1815 für seine in den denkwürdigen Jahren 1813 und 1814 geleisteten Dienste das silberne Civil-Ehrenkreuz, dann am 21. Juli 1815 den Titel und Rang eines k. k. Rathes und am 18. Juli 1818 für sich und seine Nachkommen den erbländischen Ritterstand. Seine schriftstellerische Thätigkeit umfaßt außer der schon erwähnten „Anleitung zur Ausbesserung der Straßen“ noch folgende theils selbständig erschienene, theils in Sammelwerken zerstreute Arbeiten: „Physikalische Beschreibung des Bunzlauer Kreises in Böhmen“ (Prag und Dresden 1786, Walter); – „Rudolf des II. Polizeiverordnung für Böhmen 1605. Aus dem Böhmischen übersetzt“ (Dresden 1792, 8°.); – „Biographie der beiden Ritter von Riegger [Hofrath Paul und Gubernialrath Joseph von Riegger]“ (Prag 1797, 4°.). In den von J. von Riegger im Verlage von Widtmann zu Prag herausgegebenen „Materialien zur alten und neuen Statistik von Böhmen1787: „Handlungsproducte des Bunzlauer Kreises“; – „Oerterverzeichniß des Bunzlauer Kreises mit Bemerkungen“; – „Grenzen und Flächeninhalt dieses Kreises“. In Riegger’s „Archiv der Geschichte und Statistik von Böhmen1791: „Geschichte der Magazinirung in Böhmen, nebst einem Vorschlage zu Nothmagazinen“; – 1792: „Werth und Ertrag aller Herrschaften und Güter im Bunzlauer Kreise“; – „Beschreibung eines merkwürdigen böhmischen Gesangbuches der Bunzlauer Brüder aus dem 16. Jahrhundert“; – „Beitrag zu den Alterthümern Böhmens“; – „Verzeichniß der böhmischen Giftpflanzen“; – „Schilderung des Commerzes im Bunzlauer Kreise, dann der Handlungshindernisse in demselben“; – „Eine merkwürdige Spur der Völkerwanderung“. In anderen in Böhmen herausgegebenen Blättern und Zeitschriften: „Ueber den Berg Jeschken bei Reichenberg“; – „Beschreibung einer Handzeichnung nach Albrecht Dürer“; – „Verschiedene Notizen über böhmische Edelsteine“, wozu er namentlich durch Funde in seinem Geburtsorte Turnau angeregt wurde. Auch war Wander ein sehr geschickter Landschaftszeichner, und mehrere der von ihm gezeichneten Landschaften und architektonischen Ansichten sind von J. Balzer und J. Berka in Prag in Kupfer gestochen worden. Im Alter von 63 Jahren ward dieser verdienstvolle Staatsbeamte durch den Tod dahingerafft; in seinem Nachlasse fanden sich verschiedene Arbeiten in Handschrift: eine Abhandlung über den Schaden der Pachtungen; – eine allgemeine Geschichte des Handels in Böhmen; – eine besondere Geschichte der Glasmanufacturen [57] und der Naturproducte Böhmens; – ein Handbuch der Statistik von Böhmen, in Tafeln dargestellt; – das weiße Buch der Stadt Prachatitz und eine allgemeine Geschichte des Mauth- und Straßenwesens in Böhmen.

Neue Annalen der Literatur und Kunst in dem österreichischen Kaiserthum (Wien, Doll, 4°.) II. Jahrg. (1809) Intelligenz-Blatt, Sp. 29. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst. Fortgesetzt von Ridler (Wien, 4°.) 1823, Nr. 22.